15.09.2023

Projekt

Fluxjet: Mit über 1000 km/h durch Kanada

von Teelke Limbeck
So könnte es aussehen, wenn der Fluxjet die Landschaft durchquert.
So könnte es aussehen, wenn der Fluxjet die Landschaft durchquert. Visualisierung: © Transpod 2022

Das kanadische Startup TransPod entwickelt mit dem sogenannten Fluxjet eine Mischung aus Flugzeug und Zug. Mittels eines Hyperloop-Systems soll der Fluxjet Passagiere und Güter mit einer Geschwindigkeit von über 1 000 Kilometern pro Stunde durch die westkanadische Provinz Alberta transportieren.


Ein Flugzeug-Zug-Hybrid zwischen Calgary und Edmonton

Zwischen den Städten Calgary und Edmonton im Westen Kanadas soll die erste Strecke für den Fluxjet installiert werden. Der Flugzeug-Zug-Hybrid des Unternehmens TransPod soll hier schon bald Menschen und Waren transportieren – schneller als ein Jet und sogar drei mal schneller als ein Hochgeschwindigkeitszug. Entsprechend soll der Fluxjet die 300 Kilometer zwischen den kanadischen Städten in nur 45 Minuten zurücklegen.

Bereits 2020 kündigte TransPod den Fluxjet gemeinsam mit der Regierung der westkanadischen Provinz Alberta an. Aufgrund der erfolgreichen Finanzierungsrunde, in der 550 Millionen US-Dollar eingenommen wurden, konnte die Realisierung bereits beginnen. Sowohl eine Umweltverträglichkeitsprüfung als auch vorbereitende Bauarbeiten sind schon im Gange. Insgesamt rechnet das Unternehmen mit Kosten von etwa 18 Milliarden Euro.


Mit elektrischem Antrieb und ohne Widerstände klimafreundlich reisen

Technisch gesehen basiert der Fluxjet auf dem Konzept des Hyperloops. Dies bedeutet, dass sich eine elektrisch angetriebene Magnetschwebebahn in einer Vakuum-Röhre befindet. Auf diese Weise bewegt sich der Fluxjet beinahe ohne Widerstände durch das Röhrensystem. Wenn allerdings langsamere Geschwindigkeiten erforderlich sind, wie etwa in Städten, kann der Fluxjet auch auf Rädern von Station zu Station rollen. Erst am Rande der Stadt tritt die Kapsel in ein Vakuumsystem ein und schwebt mit höchster Geschwindigkeit zur nächsten Stadt.  

Mit einer Länge von 25 Metern bietet eine Kapsel Platz für 54 Personen oder zehn Tonnen Güterlast. Um den Fluxjet zu nutzen, sollen Passagiere 75 kanadische Dollar bezahlen. In Euro umgerechnet sind das etwa 57 Euro. Mit einem solchen Preis kann das neue Transportsystem auch dem Flugzeug Konkurrenz machen. Neben der preislichen Konkurrenzfähigkeit, lohnt sich auch ein Vergleich in ökologischer Hinsicht. Schließlich soll sich der Fluxjet allein auf Basis innovativer Energien fortbewegen und somit anders als Flugzeuge unabhängig von klimaschädlichen fossilen Brennstoffen sein.

So stellt sich Transpod den Bahnhof in Calgary vor.
So stellt sich Transpod den Bahnhof in Calgary vor. Visualisierung:© Transpod 2022

Hyperloop-Systeme auch in Deutschland?

Nicht nur in Kanada wird am Hyperloop-System geforscht. Bereits 2013 veröffentlichte der Tesla und SpaceX Gründer Elon Musk ein für alle zugängliches White Paper zum Konzept des Hyperloops. Als Open Source Dokument dient es mehreren Unternehmen als Grundlage für eine mögliche Umsetzung des Systems. In Deutschland beschäftigt sich beispielsweise die Technische Universität München mit dem Bau einer Teststrecke.

Doch bei aller Euphorie hinsichtlich der neuen Möglichkeit der Fortbewegung melden sich immer wieder kritische Stimmen zu Wort. So schreibt beispielsweise die Zeit, dass die Installierung von Hyperloop-Systemen im dicht besiedelten Europa nur schwierig umzusetzen sei. Der Bau der Trassen sei zudem sowohl unterirdisch als auch oberirdisch kostspielig. Dadurch ist diese Art der Mobilität kaum rentabel.

Das Durchqueren von Wüsten erscheint realistischer als als ein dichtes Hyperloop-Netz in Europa.
Das Durchqueren von Wüsten erscheint realistischer als als ein dichtes Hyperloop-Netz in Europa. Visualisierung: © Transpod 2022

Mit 1 000 km/h die Kurve bekommen

Alles in allem handelt es sich beim Fluxjet um ein technisch hoch anspruchsvolles Pionier-Projekt. Wenngleich Vorstellungen von einem flächendeckenden Hyperloop-Netz utopisch sind, könnten einige hoch frequentierte Strecken auf diese Art verknüpft werden. Vielleicht wird so zumindest ein kleiner Beitrag zur Mobilitätswende geleistet. Mit 1 000 Kilometern pro Stunde ist der Fluxjet aber vermutlich viel zu schnell, um allein die Kurve in Richtung nachhaltiger Mobilität zu bekommen.

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