Das Gemälde zeigt Menschenkörper mit Pflanzenköpfen, die in einem Parlament sitzen.
Welche Rolle spielt der Garten für die Gesellschaft? credits: VDM Garden Futures Parliament of Plants Celine Baumann

Im Vitra Design Museum wird am 24. März die Ausstellung „Garden Futures“ eröffnet. Sie zeigt auf vielfältige Art die Bedeutung und Gestaltung des Gartens im Wandel der Zeit. Und dessen Rolle für die Zukunft.

Abbildung © Vitra Museum
Abbildung © Vitra Museum

Vielfalt der Ausstellung „Garden Futures“

Ein Garten kann vieles sein. Er ist Ort der Ruhe und Erholung. Gleichsam auch Raum zum Anbau für eigenes Gemüse. Weiterhin Habitat für diverse Arten der Flora und Fauna. Oder auch nicht. Kurzum, er kann viele Gesichter haben. Diese wandelten sich im Laufe der Zeit. Und werden es auch zukünftig tun. Mit „Garden Futures“ im Vitra Design Museum beleuchtet nun erstmals eine große Ausstellung die Geschichte und Zukunft des modernen Gartens. Sie zeigt auf, welche Ideale zu unserem heutigen Verständnis des Gartens geführt haben. Und stellt gleichzeitig die Frage, wie Gärten zur Entwicklung einer lebenswerteren Zukunft beitragen können. Sie schafft das mit diversen Mitteln. Denn Beispiele aus dem Design sind ebenso vertreten wie solche aus der Alltagskultur oder der Landschaftsarchitektur. Projekte zu Community-Gärten stehen im Vitra-Museum in einer Reihe mit begrünten Gebäuden oder den Parkanlagen namhafter Gestalter*innen. Verantwortlich für die vielfältige Schau ist dabei das italienische Designduo Formafantasma. 

Der Garten ist politisch

Die Ausstellung „Garden Futures“ empfängt die Besucher*innen zunächst mit einer Aufarbeitung der Gartengestaltung vergangener Jahrhunderte. Beispiele aus Kunst und Architektur vergangener Epochen zeigen, welche Rolle der Garten im Alltag innerhalb einer Gesellschaft einnimmt. Sie vermitteln darüberhinaus jedoch auch, welche Bedeutung er auf philosophischer oder religiöser Ebene einnehmen kann. Diese Auseinandersetzung leitet über in den zweiten Ausstellungsbereich. Diese zeigt schließlich: der Garten ist politisch. Denn er repräsentiert soziale und historische Entwicklungen, wirtschaftliche Interessen oder kulturelle Wertesysteme. Manche Staude verweist bei näheren Betrachtung beispielsweise auf die Kolonialgeschichte vieler westlicher Staaten. Auch die Ausbreitung invasiver Arten folgte aus dem globalen Austausch von Nutzpflanzen. Ein anderes Beispiel mit politischer Wirkmacht stellen urbanistische Konzepte wie die Gartenstadt von Ebenezer Howard in Großbritannien oder die Green-Guerilla-Bewegung von Liz Christy in New York dar. Sie behandeln stets die Frage, wer Nutzen und Anspruch am Garten und der Stadt hat.

Beispiele aus aller Welt

Antworten auf diese Fragestellung bietet schließlich der dritte Teil der Ausstellung „Garden Futures“. Hier zeigt das Vitra Museum die Arbeit von neun außergewöhnlichen Gartengestalter*innen. Ihre unterschiedlichen Hintergründe führen zu einer stets eigenen Auseinandersetzung mit dem Freiraum. Die Autorin und Gärtnerin Jamaica Kincaid verarbeitet in ihren Gärten zum Beispiel Themen wie Kolonialgeschichte, Verdrängung und kultureller Aneignung. Die Arbeit des  brasilianischen Landschaftsarchitekt Roberto Burle Marx zeichnet sich hingegen durch die Verwendung einheimischen Pflanzen und die Gestaltung möglichst naturnaher Gärten aus. Der Künstler Zheng Guogu wiederum entnahm die Inspiration zu seinem Liao-Garten aus einem Computerspiel und vermittelt zwischen virtueller und realer Umwelt. Einen wieder anderen Fokus setzt der malaysische Landschaftsarchitekt Ng Sek San. Er wirkte bei der Gründung eines Gemeinschaftsgartens in Kuala Lumpur mit. Die Sammlung zeigt, wie divers die Gestaltungsdisziplin je nach Umfeld und Einfluss ist.

Garden Futures?

Im letzten Teil der Ausstellung schließlich werden Projekte exponiert, die sich mit der Zukunft des Gartens auseinandersetzen. Klimakrise und soziale Ungerechtigkeit sind die Herausforderungen unserer Zeit. Der Garten kann in der Epoche des Anthropozäns nicht mehr als isolierter, individueller Grünraum verstanden werden. Vielmehr muss der gesamte Planet heute als Garten betrachtet werden, den es zu pflegen gilt um der Menschheit eine Zukunft auf der Erde zu ermöglichen.

Abbildung © Vitra Museum
Abbildung © Vitra Museum

Die Ausstellung ist vom 25.03 bis zum 03.10. im Vitra Design Museum zu sehen.

Mehr Lust auf Museum? Auch bis Oktober, genauer gesagt bis zum 22.10., läuft übrigens im Kunstmuseum Liechtenstein die Ausstellung „Parlament der Pflanzen II“.

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Studentische Arbeiten II: Die G+L im September 2021

Aurelia Ibach
Aurelia Ibach

Das Heft als Teaser: weitere studentische Arbeiten online

Im September 2019 veröffentlichten wir die erste G+L mit dem Titel „Studentische Arbeiten“. Hier stellten wir außergewöhnliche Projekte vor, die im Jahr zuvor in den Landschaftsarchitektur­studiengängen deutscher Universitäten entstanden sind. Nun, zwei Jahre später und unter ganz anderen Studienbedingungen (die Corona-Pandemie lässt grüßen), setzen wir die Ausgabe zur Reihe fort (und denken im Übrigen bereits jetzt schon wieder voller Begeisterung über das Folgeheft „Studentische Arbeiten III“ nach).

Damit alles fair bleibt, konzentrieren wir uns im vorliegenden Heft auf Abschluss- und Projektarbeiten, die an Hochschulen und ­Uni­versities of Applied Sciences entstanden sind. Unser Ziel: heraus­ragenden studentischen Arbeiten und den Nachwuchs­talenten, die dahinter stehen, eine Plattform zu geben und Sicht­barkeit für ­Ausnahmetalente zu schaffen.

Bei unseren Vorgesprächen mit Professor*innen und Studierenden mussten wir in der G+L-Redaktion schnell akzeptieren: Ein Heft mit 66 Seiten reicht in keinem Fall aus, die vielen, wirklich guten und spannenden Projekte angemessen vorzustellen, die aktuell an unseren Hochschulen gemacht werden. In diesem Sinne: Sehen Sie das vorliegende Heft bitte als Teaser. Denn: Noch mehr studentische Projekte veröffentlichen wir in den kommenden September-Tagen – Projekt für Projekt – hier, bei uns auf der Webseite.

Was sollten Berufsanfänger*innen anders machen?

Abgesehen von den Projekten aus den Häusern TH Ostwestfalen-Lippe, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, FH Erfurt und BTU Cottbus-Senftenberg bietet das Heft zudem ein paar sehr persön­liche Insights in das Hochschulleben: Eine Absolventin fasst für uns zusammen, was sie gerne vor ihrem Landschaftsarchitekturstudium gewusst hätte, fünf HSWT-Professor*innen sagen frei heraus, was Studierende aus ihrer Sicht nicht wissen (bzw. nicht checken), eine Landschaftsarchitektin blickt zurück auf ihre ersten Monate im Berufsleben und René Rheims von KRAFT.RAUM erörtert, was Berufsanfänger*innen anders machen sollten.

In diesem Sinne: Viel Freude beim Lesen und Stöbern sowie schon mal einen guten Start ins neue Semester (vielleicht diesen Herbst doch tatsächlich wieder ein bisschen in Präsenz?!).

Die G+L 09/21 ist bei uns im Shop erhältlich.

Das neue Fahrradparkhaus Bonn ist aus einzelnen Modulen hergestellt und mit Holz verkleidet. Im Inneren werden die Räder per Paternoster nach oben oder unten transportiert. Das Foto zeigt die Einweihung mit einer kleinen Menschenmenge vor dem Parkhaus.
Das neue Fahrradparkhaus Bonn ist aus einzelnen Modulen hergestellt und mit Holz verkleidet. Im Inneren werden die Räder per Paternoster nach oben oder unten transportiert. Credits: Martin Magunia für SWB Bonn

Die Stadt Bonn hat am 12. Dezember das erste vollautomatische Fahrradparkhaus eingeweiht. Mehr zu der neuen Abstellmöglichkeit am Beuel Bahnhof lesen Sie hier.

„Wir möchten ein CO2-freies Bonn“, verkündet die Stadt im Zuge der Kampagne „Emissionsfreie Innenstadt“. Es sei ein großes Ziel, die Klimakrise erfordere jedoch entschlossenes Handeln. Deshalb möchte Bonn es der eigenen Bevölkerung so einfach wie möglich machen, einen Beitrag zu diesem Ziel zu leisten. Dazu arbeitet sie derzeit konzentriert an drei Maßnahmenschwerpunkten. Zum Einen ist das die Errichtung von Mobilstationen, weiterhin der Bau von Radrouten und schließlich die Umrüstung des städtischen Fuhrparks auf Elektromobilität. Nach der erfolgreichen Einweihung der Mobilstationen vor rund einem Jahr entstand nun in Zusammenarbeit mit und unter der Regie der Stadtwerke ein neues Fahrradparkhaus am Bahnhof Beuel. 

Fahrradparkhaus als ein Schritt hin zur Mobilitätswende

„Es ist ein weiterer Baustein der Mobilitätswende in Bonn“, betont Oberbürgermeisterin Katja Dörner. Das erste intelligente und vollautomatische Fahrradparkhaus Bonn wurde am 12. Dezember feierlich eingeweiht. Das System stammt von dem Schweizer Hersteller V-Locker und soll zukünftig am Mobilitätsknoten Bahnhof Beuel die Möglichkeit bieten, das eigene Fahrrad diebstahlsicher, trocken und kostengünstig abzustellen. „So wird die Nutzung umweltfreundlicher Verkehrsmittel erneut komfortabler, was wiederum allen Verkehrsteilnehmer*innen in Bonn zugutekommt“, führt Oberbürgermeisterin Katja Dörner weiter aus.

Einfache Anmietung per App

Das System ist denkbar einfach. Per App können potentielle Nutzer*innen, einen Platz in einem der Fahrradparkhäuser von unterwegs oder von Zuhause bereits im Vorfeld buchen. Das Öffnen, Schließen und Beenden des Mietvorganges vor Ort wird mit wenigen Klicks über das Handy gesteuert. Über die App ist auch einsehbar, ob noch ein freier Platz im Parkhaus zur Verfügung steht. Insgesamt bietet das Parkhaus Raum für 96 Fahrräder. Um in den circa 0,4 Quadratmeter großen Boxen unterzukommen, dürfen die Räder nicht schwerer als 30 Kilogramm sein. Weiterhin darf der Lenker nicht breiter als 73 Zentimeter und das Fahrrad nicht höher als 113,5 Zentimeter und nicht länger als 190 Zentimeter sein.

Wer diese Voraussetzungen erfüllt, kann das Rad ab einem Euro pro Tag im Fahrradparkhaus Bonn abstellen. Auch längere Mietzeiträume sind möglich, wobei die Preise sinken, je länger die Box angemietet wird. Für eine Woche liegt der Preis bei fünf Euro, für einen Monat bei 15 Euro, für ein Halbjahr bei 60 Euro und für ein ganzes Jahr bei 90 Euro. Um zu Stoßzeiten lange Warteschlangen zu vermeiden, verfügt das Fahrradparkhaus über insgesamt acht Zugangsportale. Gerade für Pendler*innen, die am Bahnhof in den Öffentlichen Nahverkehr umsteigen und ihr – hochwertiges – Rad nicht im Außenraum stehen lassen möchten, könnte das Angebot beispielsweise attraktiv sein.

Nur ein Baustein von vielen

Die Stadt ist sich jedoch bewusst, dass die – zwar preisgünstige, jedoch nicht kostenlose – Abstellmöglichkeit nicht die alleinige Lösung für die Parkproblematik von Fahrrädern in der Stadt sein kann. Deshalb werden neben dem Pilotprojekt am Bahnhof Beuel und drei Fahrradparkhäusern in gleicher Bauweise, auch weitere freie Parksysteme im Stadtbezirk realisiert. „Es gilt weiterhin, einfache und kostenlose Parkplätze für Räder aller Art anzubieten. Nur im Verbund mit anderen Parkplätzen und Systemen entsteht eine erreichbare, attraktive Beueler City“, betont Beuels Bezirksbürgermeister Guido Pfeiffer.

Für die Bonner*innen soll das Fahrradparkhaus am Beueler Bahnhof noch vor Weihnachten nutzbar sein. Dann wird sich zeigen, welchen Effekt es für die Mobilitätswende der Stadt erzielt.

Was andere Städte für die Verkehrswende tun, lesen Sie hier am Beispiel München und der Mobilitätsstation.

 

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