Gartenstadt 2.0 Köln: ADEPT und KARRES EN BRANDS gewinnen

Neues Stadtquartier „WoodHood“

Neues Stadtquartier „WoodHood“ (Abbildung: © Stadt Köln/ADEPT ApS + Karres en Brands)

ADEPT und KARRES EN BRANDS haben in Köln das 80 Hektar große Stadtentwicklungsprojekt für sich entscheiden können. Ihr Entwurf „WoodHood“, eine Gartenstadt 2.0 in Köln, zeigt einen alternativen Ansatz für die Zukunft der Stadtentwicklung, bei dem sowohl Nachhaltigkeit sowie Landschaft zu wichtigen Faktoren des Städtebaus werden.

Die Stadt Köln will mit Köln Kreuzfeld einen neuen Stadtteil erbauen. Auf 80 Hektar entsteht im Norden der Stadt eines der größten Stadtentwicklungsprojekte der nahen Zukunft. Zuletzt waren noch drei konkurrierende Büros im Rennen. Im Dezember wurde nun ein Entwurf prämiert. ADEPT und KARRES EN BRANDS konnten sich mit ihrer Vision der Gartenstadt 2.0 Köln durchsetzen. Unter dem Titel „WoodHood“ rufen sie Nachhaltigkeit und den Einbezug der Landschaft als Prämissen der Gestaltung aus. Das Projekt ist außergewöhnlich. Der Zuspruch des Preisgerichts belegt, dass eine große Mehrheit der Beteiligten Lust auf genau dieses ungewöhnliche Projekt hat. Laut Markus Greitemann vom Dezernat für Stadtentwicklung, Planen und Bauen der Stadt Köln sind die Überlegungen des erstplatzierten Beitrags für alle großen Bauprojekte der Zukunft wünschenswert. Die Idee der Gartenstadt 2.0 Köln und eine Realisierung ebenjener sei deshalb nicht nur für die Stadt Köln von Bedeutung. Vielmehr könne sie in der ganzen Bundesrepublik weichenstellend sein.

Gartenstadt 2.0 Köln

Der Entwurf von ADEPT und KARRES EN BRANDS stellt sich in die Tradition der berühmten Vision von Ebenezer Howard. Der Brite entwickelte bereits im Jahre 1898 ein städtebauliches Leitbild für autonome Siedlungen. Sie sollten Arbeitsplätze und Versorgungseinrichtungen für alle Bewohner*innen bieten. Die Stadtstruktur war dabei nach Funktionen räumlich getrennt aufgebaut. Die Nachbarschaften, die bei der Gliederung entstanden, sollten von Grünflächen durchzogen sowie die Siedlung mit einem Grüngürtel umschlossen sein. Howards Gartenstadt war auf eine Kapazität von 32 000 Menschen ausgelegt.

Köln Kreuzfeld soll später einmal 8 000 Anwohner*innen Platz bieten. Die Verantwortlichen der Stadt Köln betonen, dass der Stadtteil aufgrund seiner Größe als eigenständiges Quartier mit einzigartiger Identität entwickelt werden müsse. Gleichzeitig sieht der Entwurf eine Anbindung an den Bestand und die benachbarten Viertel vor. ADEPT und KARRES EN BRANDS entwickeln die Idee von Howards Gartenstadt weiter. Und erfüllen mit ihrer Interpretation als Gartenstadt 2.0 Köln die Anforderungen an das neue Quartier.

Die Vorzüge von WoodHood

Ihre neue Art von Stadt sucht einen alternativen Ansatz der Gestaltung. Während klassischerweise Typologien, Gebäude, Straßenbau oder Technologie eine städtische Struktur bestimmen, wird in Köln Kreuzfeld die Landschaft das Siedlungsgerüst definieren. Die Geschichte und Beschaffenheit des Ortes sollen elementar für die Planung sein. Dabei spielen historische Spuren gleichsam eine Rolle wie die Beschaffenheit der Böden. Die Vegetation und hydrologische oder klimatische Prozesse stehen als ebenbürtige Rahmenbedingungen fest. Martin Laursen, Partner von ADEPT, hält die tiefgehende Auseinandersetzung mit den Begebenheiten vor Ort für entscheidend. Durch den Dialog mit diversen Akteur*innen könne eine „Verankerung in den Ort und in die Nachbarschaft“ gewährleistet werden. WoodHood stelle die kollektive Gemeinschaft und die Beziehung zur Natur in den Fokus. Laut Darius Reznek, Partner von KARRES EN BRANDS, sind die unterschiedliche Dichte und ausdifferenzierten Charaktere weitere Vorteile der Struktur. Sie stellten sicher, dass urbane Qualität entstehen könne. Und gleichzeitig die Verbindung zur bestehenden Nachbarschaft erhalten bleibe.

Die Gartenstadt 2.0 – sozial und ökologisch durchdacht

WoodHood fungiert – wie im namensgebenden Vorbild – als eigenständiger Stadtteil. Dieser ist im Inneren in fünf sogenannte Hoods unterteilt. Die einzelnen fast dörflichen Gemeinschaften haben jeweils unterscheidbare Eigenarten. Sie changieren in ihren Attributen von eher städtisch hin zu naturnah. Allen gemein ist die gemeinschaftsfördernde Ausrichtung. Die privaten Räume reduzieren sich auf ein Minimum. Stattdessen soll die Qualität der Öffentlichen Räume herausgearbeitet werden. Sie übernehmen kollektive Funktionen. Neben den sozialen Aspekten stehen ökologische Anforderungen im Fokus. So bieten die integrierten Wald- und Ackerflächen die Möglichkeit zu Aktivität und Erholung. Gleichzeitig bilden die Grünflächen ein vernetztes Ökosystem. Hier kann beispielsweise Wasser vor Ort gespeichert werden. Weiterhin entstehen Mikrohabitate für Flora und Fauna und ein angenehmes Mikroklima für den Menschen. Ein gut ausgebautes Netz an Straßen für den nichtmotorisierten Individualverkehr dient als Antwort auf Mobilitätsanforderungen. PKW-Verkehr ist gewährleistet, wird aber nicht forciert. WoodHood will Verantwortung in Aspekten des Klimaschutzes und der Ökologie übernehmen.

Köln will ein Quartier der Zukunft

Die Stadt Köln setzt mit dem prämierten Entwurf ein Zeichen. Oberbürgermeisterin Henriette Reker spricht von einem ambitionierten Projekt. Durch sein innovatives und nachhaltiges Konzept könne es schließlich ein Zugewinn für die gesamte Stadtregion werden. ADEPT und KARRES EN BRANDS hätten es verstanden, den besonderen Natur- und Landschaftsraum zu würdigen und den hohen Anforderungen an den Städtebau und die Freiraumplanung gerecht zu werden.

Der Beitrag habe das Potential einen bunten und lebendigen Stadtteil entstehen zu lassen. Ursprünglich standen sechs Entwürfe im Rennen. ADEPT aus Dänemark und KARRES EN BRANDS aus den Niederlanden konnten sich abschließend mit ihrer Vision in der letzten Runde gegen KCAP aus Zürich und Rheinflügel Severin aus Düsseldorf durchsetzen. Das Preisgericht kürte damit auch den Publikumsliebling in der öffentlichen Debatte. Bis in der Gartenstadt 2.0 die ersten Bewohner*innen einziehen können, wird es zwar noch einige Zeit dauern. Nach der Entscheidung des Begleitgremiums können die Planungen für das Projekt folglich starten.

ADEPT baut auch in Hamburg. Dort soll Deutschlands größtes Holzgebäude entstehen. Mehr zu den Plänen hier.

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Frischluftschneisen sichern – GIS-Tools im Einsatz

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Fußgänger auf einer urbanen Straße mit hohen Gebäuden, aufgenommen von Marek Lumi.

Frischluftschneisen: unsichtbare Lebensadern der Stadt, von vielen übersehen und doch essenziell für das urbane Klima. Wer sie ignoriert, heizt den Backofen Stadt an – wer sie schützt, baut an der Stadt von morgen. Mit modernen GIS-Tools wird aus Luft ein planbares Gut. Wie lassen sich Frischluftschneisen identifizieren, sichern und in den Planungsalltag integrieren? Willkommen in der Schnittstelle von Technik und Stadtökologie, wo Daten nicht nur kühlen, sondern auch Köpfe erfrischen.

  • Erklärung, was Frischluftschneisen sind und warum sie für das Stadtklima unverzichtbar sind.
  • Überblick über die Herausforderungen bei der Sicherung und Integration von Frischluftschneisen in der Stadtplanung.
  • Detaillierte Einführung in GIS-Tools und ihre Anwendungsfelder zur Analyse und Planung von Frischluftschneisen.
  • Praxisbeispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die den Einsatz von GIS-gestützten Analysen illustrieren.
  • Rechtliche und planerische Rahmenbedingungen und deren Einfluss auf die Umsetzung von Frischluftkonzepten.
  • Diskussion über Zielkonflikte, typische Fehlerquellen und Lösungsansätze.
  • Perspektiven für eine klimaresiliente Stadtentwicklung – vom Einzelprojekt zur strategischen Planung.
  • Chancen und Grenzen digitaler Werkzeuge sowie Empfehlungen für den gelungenen Praxiseinsatz.

Frischluftschneisen: Die unterschätzten Klimahelden der Stadt

Frischluftschneisen sind die kühlen Korridore, die Städte vor dem Hitzekollaps bewahren – und dennoch fristen sie im Bewusstsein vieler Planer oft ein Schattendasein. Dabei sind sie nichts weniger als die Lungenflügel der urbanen Landschaft. Eine Frischluftschneise beschreibt einen meist linearen, unbebauten Raum, der einen Luftaustausch zwischen dem kühleren Umland und den aufgeheizten Stadtquartieren ermöglicht. Je nach Topografie, Vegetation und Bebauungsstruktur kann sie als Grünzug, Wasserlauf, Gleistrasse oder einfach als offener Raum ausgebildet sein. Der Clou: Sie funktioniert nur, wenn ihre Durchgängigkeit und Breite nicht von ungünstigen Gebäuden, Mauern oder Versiegelungen sabotiert wird.

Gerade im Kontext des Klimawandels und der sich häufenden Hitzesommer kommt den Frischluftschneisen eine neue, bislang unterschätzte Bedeutung zu. Sie sorgen für nächtliche Abkühlung, transportieren Sauerstoff und Feuchtigkeit in die Innenstadt und sind ein Bollwerk gegen die berüchtigten urbanen Hitzeinseln, die nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch die Gesundheit der Stadtbewohner beeinträchtigen. In deutschen Ballungsräumen wie Frankfurt, Stuttgart oder München hat man aus leidvoller Erfahrung gelernt, wie schmerzhaft die Vernachlässigung dieser Strukturen werden kann: Von Luftstau über Tropennächte bis hin zu messbar erhöhten Sterberaten in Hitzewellen reicht die Palette der Folgen.

Doch so klar die meteorologische Funktion, so komplex die planerische Realität. Denn Frischluftschneisen sind nicht immer sichtbar, schon gar nicht selbsterklärend. Ihr Verlauf ist oft Ergebnis jahrzehntelanger, manchmal zufälliger Entwicklung, beeinflusst von Windregimen, Geländestrukturen, Bebauungsdichte und Oberflächenversiegelung. Wer sie sichern will, muss tief in die Werkzeugkiste der Stadtklimatologie und Luftströmungsmodellierung greifen. Und hier kommen GIS-Tools ins Spiel – digitale Helfer, die aus abstrakten Windpfeilen konkrete Planungsgrundlagen machen.

Die Herausforderung beginnt bereits bei der Erkennung: Wo verlaufen die wichtigsten Frischluftbahnen? Welche Flächen sind für die Durchlüftung unersetzlich? Welche Bebauungs- oder Nutzungsänderungen bedrohen die Funktion? Ohne präzise Analysen bleibt die Sicherung oft reines Wunschdenken. Und spätestens, wenn Zielkonflikte mit Wohnungsbau, Verdichtung oder Verkehrsprojekten aufpoppen, müssen Planer belastbare Argumente liefern. Hier entscheidet sich, ob Frischluftschneisen im Bebauungsplan nur als grüne Linie existieren – oder tatsächlich als klimawirksame Strukturen erhalten bleiben.

Der wachsende Druck, städtische Flächen effizient zu nutzen, macht die Sicherung von Frischluftschneisen alles andere als trivial. Investoren wittern wertvolles Bauland, Kommunen fürchten Nutzungskonflikte, Bürger begehren auf – und jeder will am Ende das bessere Klima. Der Schlüssel liegt in der Integration: Frischluftschneisen müssen als gleichwertiges Ziel in die Stadtentwicklung einfließen, nicht als nachträgliche Fußnote. Nur dann können sie ihre Wirkung entfalten, und nur dann wird die Stadtplanung zur echten Klimaarchitektur. Doch wie gelingt das in der Praxis? Die Antwort liegt im gezielten Einsatz digitaler Werkzeuge.

GIS-Tools: Digitale Detektive für Luft und Klima

Geoinformationssysteme – kurz GIS – sind aus der modernen Stadtplanung nicht mehr wegzudenken. Doch während sie vielerorts noch als schicke Kartenmacher missverstanden werden, entfalten sie ihr eigentliches Potenzial erst in der Analyse urbaner Klimafragen. GIS-Tools bieten die Möglichkeit, riesige Datenmengen aus unterschiedlichsten Quellen zusammenzuführen, zu analysieren und für Planungsentscheidungen aufzubereiten. Im Kontext der Frischluftschneisen avancieren sie zu echten Klima-Detektiven, die Luftströme sichtbar machen und planerisch nutzbar machen.

Die Basis bildet dabei die Integration von Grundstücksdaten, Höhenmodellen, Bebauungsstrukturen, Vegetationsflächen, Bodenversiegelung und meteorologischen Parametern. Mithilfe von GIS können Planer erkennen, wie sich die städtische Morphologie auf Windströmungen auswirkt. Modernste Tools wie ENVI-met, UrbClim oder das Climate Mapping Tool von ESRI ermöglichen die Simulation von Kaltluftentstehung, Strömungswegen und Austauschprozessen – und das bis auf die Ebene einzelner Straßenzüge. Dadurch wird sichtbar, wo Frischluft produziert wird, wohin sie zieht, und an welchen Engstellen sie ins Stocken gerät.

Ein besonders leistungsfähiges Feature vieler GIS-Tools ist die Möglichkeit, verschiedene Szenarien durchzuspielen: Was passiert, wenn eine neue Bebauung entsteht? Wie verändert sich die Durchlüftung nach der Versiegelung einer Brachfläche? Welche Auswirkungen hat eine zusätzliche Baumreihe? Indem verschiedene Planungsalternativen simuliert werden, kann die Wirkung von Maßnahmen auf das Stadtklima in Zahlen und Bildern gefasst werden. Das verschafft Planern nicht nur ein überzeugendes Argumentationswerkzeug gegenüber Entscheidungsträgern, sondern macht auch die Klimawirkung für die Bevölkerung greifbar.

Die Verknüpfung von GIS-Daten mit Echtzeitinformationen, etwa aus Wetterstationen oder IoT-Sensoren, eröffnet neue Dimensionen der Stadtklimatologie. So lassen sich nicht nur langfristige Konzepte entwickeln, sondern auch kurzfristige Steuerungsmaßnahmen ableiten – beispielsweise das temporäre Öffnen von Flächen während Hitzeperioden. In Städten wie Wien, Zürich oder Basel werden solche Ansätze bereits erfolgreich erprobt. Die Ergebnisse sind eindeutig: Mit GIS-Tools lassen sich Frischluftschneisen nicht nur identifizieren, sondern aktiv managen.

Doch der Umgang mit GIS erfordert Know-how: Datenaufbereitung, Modellauswahl, Interpretation und Kommunikation der Ergebnisse sind keine Selbstläufer. Fehler bei der Parametrierung oder mangelnde Interdisziplinarität zwischen Stadtplanung, Meteorologie und Landschaftsarchitektur führen schnell zu Fehlinterpretationen. Wer GIS-Analysen für die Sicherung von Frischluftschneisen einsetzen will, muss bereit sein, sich auf die Sprache der Daten einzulassen – und darf gleichzeitig nicht vergessen, dass jede Simulation ein Annäherungswert ist, keine absolute Wahrheit. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen: Wer GIS beherrscht, wird zum Vordenker klimaresilienter Stadtentwicklung.

Praxis und Paragrafen: Frischluftschneisen im Planungsalltag

Die Theorie ist überzeugend – doch der Alltag hält eigene Tücken bereit. Frischluftschneisen im Flächennutzungsplan zu sichern, ist das eine. Sie gegen die Begehrlichkeiten von Investoren, Verkehrsbau oder kurzfristigem Flächendruck zu verteidigen, das andere. In der Praxis entscheidet oft die Qualität der Analysen und die Prägnanz der Argumentation, ob eine Frischluftschneise Bestand hat. GIS-gestützte Gutachten liefern dabei die nötige Evidenz, um Klimabelange im Abwägungsprozess zu verankern.

Rechtlich bieten das Baugesetzbuch und die Landesbauordnungen durchaus Ansatzpunkte für die Sicherung von Frischluftschneisen, etwa im Kontext der Umweltprüfung, der Städtebaulichen Planung oder des § 1a BauGB (Klimaschutz, Klimaanpassung). Doch zu oft bleibt der Schutz vage – zu mächtig sind die ökonomischen Interessen, zu diffus die gesetzliche Verankerung. Erst wenn Frischluftschneisen als eigenständige Schutzgüter anerkannt sind, können sie im Konfliktfall wirklich verteidigt werden. Hier ist der Gesetzgeber gefordert, klarere Leitplanken zu setzen und den Kommunen mehr Handlungsspielraum zu geben.

Ein Erfolgsfaktor liegt in der frühen Integration: Wer Frischluftbelange erst im Bebauungsplan prüft, hat meistens schon verloren. Vielmehr müssen sie bereits auf der Ebene der Stadtentwicklungsplanung und bei der Ausweisung von Bauland ein zentrales Kriterium sein. In Städten wie Stuttgart oder Freiburg sind Frischluftkonzepte längst integraler Bestandteil der Stadtentwicklung. Hier werden GIS-Analysen genutzt, um gemeinsam mit Meteorologen und Landschaftsarchitekten robuste Frischluftnetze zu planen, die auch unter zukünftigen Klimabedingungen funktionieren.

Doch auch Bürgerbeteiligung wird zunehmend wichtiger: GIS-basierte Visualisierungen helfen dabei, die Bedeutung von Frischluftschneisen einer breiteren Öffentlichkeit zu vermitteln. Partizipative Planungsprozesse, bei denen Bürger ihr lokales Wissen einbringen, erhöhen die Akzeptanz und Qualität der Maßnahmen. Gleichzeitig sind digitale Werkzeuge ein Hebel für Transparenz: Sie machen nachvollziehbar, warum Flächen eben nicht bebaut werden dürfen – und warum selbst schmale Korridore entscheidend für das Stadtklima sind.

Schließlich sind es auch die planerischen Routinen, die einer nachhaltigen Sicherung im Wege stehen. Noch immer werden Frischluftschneisen zu oft als Restflächen betrachtet. Erst ein Paradigmenwechsel in der Stadtplanung – weg von der maximalen Flächenausnutzung, hin zur klimaorientierten Flächenpriorisierung – macht den Weg frei für eine echte Integration. GIS-Tools liefern dafür den Kompass. Doch ohne politischen Willen und interdisziplinäre Zusammenarbeit bleibt das beste Tool ein stumpfes Schwert.

Chancen und Grenzen: GIS-Tools als Motor klimaresilienter Städte

Die Digitalisierung eröffnet der Stadtplanung Chancen, von denen man vor wenigen Jahren nur träumen konnte. GIS-Tools bringen Tempo, Präzision und Transparenz in die Analyse und Sicherung von Frischluftschneisen. Sie erlauben, komplexe Zusammenhänge in anschauliche Karten und verständliche Szenarien zu übersetzen. Damit werden sie zum zentralen Werkzeug für Planer, Landschaftsarchitekten und Stadtklimatologen, die das Stadtklima zukunftsfähig gestalten wollen.

Doch kein Werkzeug ist allmächtig. GIS-Analysen sind so gut wie ihre Datenbasis – und die ist in vielen Kommunen noch lückenhaft oder veraltet. Unterschiedliche Softwarelösungen, mangelnde Schnittstellen und fehlende Standards erschweren die Vergleichbarkeit. Auch der Faktor Mensch bleibt ein Unsicherheitsfaktor: Wer GIS-Tools nur als Pflichtübung nutzt, verschenkt Potenzial. Erst die Kombination aus fundiertem Fachwissen, kreativer Anwendung und interdisziplinärer Zusammenarbeit macht aus Daten echte Entscheidungsgrundlagen.

Zudem gilt: Frischluftschneisen sind keine statischen Gebilde, sondern dynamische Systeme. Sie reagieren auf Klimaänderungen, Nutzungswandel, Vegetationsveränderungen und neue Bebauung. Wer sie sichern will, braucht eine langfristige Perspektive und die Bereitschaft, Planungen immer wieder zu überprüfen und an neue Erkenntnisse anzupassen. GIS-Tools sind dabei nicht nur Analysewerkzeuge, sondern auch Monitoring-Instrumente, die Veränderungen frühzeitig sichtbar machen.

Ein weiteres Feld sind Zielkonflikte: Der Wunsch nach mehr Wohnraum, die Notwendigkeit neuer Verkehrsachsen, ökonomische Interessen – all das kann der Frischluftsicherung entgegenstehen. GIS-Tools liefern keine fertigen Lösungen, aber sie machen die Folgen von Entscheidungen sichtbar. So entsteht ein rationaler Abwägungsprozess, der Klimaaspekte nicht nur als moralisches Argument, sondern als harte Planungsgröße ins Spiel bringt.

Am Ende bleibt die Frage: Wie gelingt es, die Potenziale digitaler Werkzeuge in nachhaltige Stadtentwicklung zu übersetzen? Der Schlüssel liegt in der Offenheit für Innovation, der Bereitschaft zur interdisziplinären Zusammenarbeit und dem Mut, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen. GIS-Tools sind keine Wunderwaffe – aber sie sind das beste Navigationsgerät, das die Stadtplanung aktuell zu bieten hat. Wer sie klug einsetzt, legt das Fundament für klimaresiliente, lebenswerte Städte – und sichert die Frischluftschneisen für kommende Generationen.

Ausblick: Frischluftschneisen als Leitbild der Stadtplanung

Die Sicherung von Frischluftschneisen ist mehr als Klimaschutz – sie ist Daseinsvorsorge. Wer heute mit digitalen Werkzeugen und strategischer Planung handelt, baut an der Stadt von morgen. GIS-Tools machen das Unsichtbare sichtbar, geben Argumente gegen kurzfristige Flächeninteressen und schaffen eine neue Kultur der klimaorientierten Stadtentwicklung. Doch damit das gelingt, müssen alle Akteure mitziehen: Planer, Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit.

Die Herausforderung ist groß – aber die Chancen sind es auch. Der Wandel hin zu klimaresilienten Städten erfordert Mut, Know-how und den Willen, digitale Innovationen in den Planungsalltag zu holen. GIS-Tools sind dabei keine Konkurrenz zur Intuition erfahrener Planer, sondern deren logische Verlängerung ins digitale Zeitalter. Sie übersetzen abstrakte Klima- und Luftstrommodelle in konkrete, nachvollziehbare Handlungsoptionen.

Was bleibt, ist die Erkenntnis: Frischluftschneisen sind keine Angelegenheit für Sonntagsreden, sondern für entschlossene Planung. Wer sie sichert, handelt im Interesse aller Stadtbewohner. Wer sie ignoriert, zahlt den Preis in Form von Hitzestress, schlechter Luft und sinkender Lebensqualität. Die Zukunft der Stadt liegt nicht im Beton, sondern in den unsichtbaren Strömungen dazwischen.

Der entscheidende Hebel für die Integration von Frischluftschneisen in die Stadtplanung ist die Verknüpfung von Technik, Fachwissen und Beteiligung. GIS-Tools bieten die Plattform, auf der diese Kräfte zusammenfinden können. Entscheidend ist, dass sie nicht als Selbstzweck genutzt werden, sondern als Werkzeug für bessere, mutigere und klimabewusstere Entscheidungen.

Die nächste Hitzewelle kommt bestimmt. Die Frage ist: Sind unsere Städte vorbereitet? Wer heute GIS-gestützt Frischluftschneisen sichert, hat morgen die Nase vorn – und sorgt dafür, dass Stadtkinder auch in Zukunft noch tief durchatmen können.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Frischluftschneisen sind das Rückgrat eines gesunden Stadtklimas und ihre Sicherung ist eine der zentralen Herausforderungen der modernen Stadtplanung. GIS-Tools bieten hierfür unverzichtbare Analyse- und Argumentationshilfen, machen das Unsichtbare sichtbar und schaffen die Grundlage für nachhaltige, klimaresiliente Städte. Doch ihr Potenzial entfalten sie nur in der Hand mutiger, vernetzter Akteure, die bereit sind, neue Wege zu gehen. Wer heute in Frischluft investiert, baut die Stadt von morgen – digital, grün und lebenswert.

Die Bundesstiftung Baukultur hat sich in diesem Jahr „aufs Land“ begeben und sich als Ausrichtungsort der ersten Baukulturwerkstatt 2015 die Stadt Kassel ausgesucht. Eine gute Wahl, zeigt doch Kassel sehr anschaulich die Bandbreite der Probleme: innerstädtisch häufig als autogerechtes, antiurbanes und damit fehlgeschlagenes Experiment des Wiederaufbaus angeprangert, während gleichzeitig die Häuslebauer ihren Traum vom freistehenden Eigenheim vor den Stadttoren ausleben. Laut dem Kasseler Stadtbaurat Christof Nolda ist es heute schwierig, qualitätsvoll „auf dem Dorf“ zu bauen. Gemeinschaftliche Verantwortung für die Baukultur ist keine geübte Praxis mehr. Die Neubaugebiete erzählen somit weniger von dörflicher Identität als von Investition in familiäres Individualinteresse.

 

Das Tagungsprogramm bot zehn Kurzvorträge von ausgewählten Best-Practice-Beispielen aus den Provinzen Deutschlands und Österreichs.

Baiersbronn im Nordschwarzwald: 15.000 Einwohner, drei Restaurants mit insgesamt acht (!) Michelin-Sternen. Jörg Finkbeiner (partnerundpartner Architekten) zeigt, wie sich dort ein gestalterisches Leitbild entwickeln lässt und hat dazu ein Forschungsprojekt beim Bundesbauministerium zur „Baukultur in ländlichen Räumen“ akquiriert – Identitätsfindung durch sorgfältige Analyse von regionalen Gestaltqualitäten.

Bewohner im Ort halten

Christian Gerlach, Architekt aus Fritzlar entwickelte für seine nordhessische Heimatstadt eine „Leerstands-Prophylaxe“. Mit akribischer Betreuung der Bewohner, durch kluge Sanierungen und Umbauten versucht er die Bewohner im Zentrum zu halten. Sein Ziel: Die Lebendigkeit der Kleinstadtzentren erhalten beziehungsweise wiedergewinnen: Durch Fördermittel angeregt, wurden in Fritzlar bisher etwa 3,8 Millionen Euro investiert.

Townhouse-Konzepte in Gotha und eine sorgfältig entwickelte Ortsmitte in Wettstetten (Architekt Sebastian Dellinger): Rathaus, Gemeindesaal und ein Pflegehaus, die sich an den räumlichen Bezügen orientieren und mit geschlämmten Ziegeln regionale Bautraditionen fortführen. Auch dies sind erfolgreiche Versuche, den sogenannten Donut-Effekt zu vermeiden, nämlich eine verödete Mitte und einen fetten Rand.

Manfred Hegger, der im nordhessischen Wolfhagen einen ehemaligen Panzerunterstand
in eine Schule mit riesigem Solardach verwandelte, misst den vielen kleinen, zunächst unscheinbaren Maßnahmen im ländlichen Raum eine große Bedeutung bei.

Partizipation ist bei allen Beispielen Bestandteil und Basis gelungener Realisierungen. Ein Wohnprojekt in Dötlingen (Landkreis Oldenburg), betreut durch Susanne Hofmann (Die Baupiloten) gehört dabei schon fast zum Mainstream. Begleitet durch ihre spielerische Prozesskultur entsteht ein differenziertes, generationsübergreifendes Minidorf aus 15 Häusern für Familien und Senioren und ein „Kümmerer-Haus“. Dass Bürgerbeteiligung noch „Luft nach oben“ hat, zeigte eindrucksvoll Roland Gruber, Architekt und Kulturmanager aus Österreich. Seine Planungsmethode setzt vor allem auf das lustbetonte, gemeinsame Entwickeln von Ideen und deren Realisierung, zum Beispiel mit Hilfe eines temporär betriebenen Büros vor Ort. Die überschaubaren Kosten, die solch ein mehrmonatiges Verfahren verursacht, sind gut angelegt, weil man alle ins Boot holt und am Ende Zeit und Konfrontation spart.

Architekturqualität bleibt dabei nicht zwangsläufig auf der Strecke. Als Beispiel kann das Konzerthaus Blaibach dienen, eine gekippte Betonkiste mit avantgardistischem Konzertsaal, gemeinsam mit Bewohnern geplant und erstellt (siehe Artikel ab Seite 34). Mit seiner Firma „Hauspaten Bayerwald“ überzeugte Peter Haimerl die Bewohner von der Hochwertigkeit ihrer Baukultur und bewahrt sie damit vor dem Abriss ihrer eigenen Geschichte. Besser kann man das Ziel der Baukulturwerkstatt nicht formulieren.

Engagierte Planer vor Ort

Es scheint, dass eher ortsansässige Planer den Stein ins Rollen bringen als Politiker. Einig sind sich alle, dass durchsetzungsstarke und mutige Persönlichkeiten nötig sind, sonst brauche man gar nicht erst anzufangen.

Eine junge Besucherin, die mit ihrer Familie einen Bauernhof in der Lüneburger Heide gekauft hat, fühlte sich „elektrisiert“ von all den guten Beispielen und will die örtlichen Bauausschussmitglieder gleich zur Exkursion verpflichten. So geht die Strategie der Bundesstiftung Baukultur auf: gute Beispiele sammeln, diskutieren, Partner vernetzen und offen über Baukultur kommunizieren. Auf nach Regensburg! Dort geht es am 9. und 10. Juli im die Themen Infrastruktur und Landschaft.