Porträt eines Mannes in Schwarz-Weiß, Landschaftsarchitekt Georg Penker im Jahr 2015, Foto: Büro Penker
Landschaftsarchitekt Georg Penker im Jahr 2015, Foto: Büro Penker

Mehr als 65 Jahre lang führte der Landschaftsarchitekt Georg Penker sein Neusser Planungsbüro und war im Laufe der Jahrzehnte einer der bedeutendsten Landschaftsarchitekten in Nordrhein-Westfalen geworden. Außenanlagen an Universitäten und Verwaltungsbauten sowie Stadtplätze und Fußgängerzonen gehörten zu seinem Portfolio ebenso wie Parkanlagen, Gartenschauen, Hausgärten und Gewerbeparks. Die Zahl der Wettbewerbsbeiträge aus seinem Büro geht in die Hunderte. Nun ist er kurz vor Vollendung seines 97. Lebensjahres verstorben.

Georg Penker kam 1926 in Oberbayern zur Welt und wuchs als Sohn eines Hopfenbauers in einfachsten Verhältnissen auf. Sein Ausbildungsgang zeigt eindrücklich, dass widrige Umstände wie Bildungsferne, Krieg und wirtschaftliche Not im Nachkriegsdeutschland einem ehrgeizigen, zielstrebigen und bildungsdurstigen jungen Menschen kaum etwas anhaben können. Nach der Volksschule begann Penker mit 14 Jahren zunächst eine Lehre als Werkzeugmacher; Reichsarbeitsdienst, Kriegsdienst und -gefangenschaft folgten. In dieser Zeit formte sich Penkers Entschluss, Gärtner zu werden.

Von Veitshöchheim über Weihenstephan nach Düsseldorf

Er absolvierte eine Baumschullehre und anschließend die Garten- und Weinbauschule Veitshöchheim. Dann kam der Sprung zur Höheren Gartenbauschule der Staatlichen Lehr- und Forschungsanstalt Weihenstephan, zunächst Obstbau, dann Gartengestaltung, wo er seine Ausbildung zum Gartenbautechniker wie an allen bisherigen Ausbildungsstätten mit „Sehr gut“ abschloss.

In Weihenstephan hatte Penker seinen Lehrer und Mentor gefunden: Ulrich Wolf. Als dieser 1954 die Leitung des Düsseldorfer Garten-, Friedhofs- und Forstamtes übernahm, bat er Penker nachdrücklich, ihm dorthin zu folgen. In seiner zweijährigen Studienzeit hatte Wolf im jungen Penker ein künstlerisches Talent gespürt, welches das seiner Kommilitonen bei weitem übertraf. Vier Jahre arbeiteten Wolf und Penker in Düsseldorf zusammen, eine fruchtbare Zeit, in der es bei gegenseitigem Respekt auch Kontroversen gab.

Georg Penkers Schaffen: keine Spezialisierung, immer wieder Wettbewerbe

1958 verließ Penker das Gartenamt. Die Loslösung von seinem Lehrer, den er wie andere von Wolfs ehemaligen Studenten noch nach Jahrzehnten wertschätzte, war für die eigene Weiterentwicklung notwendig geworden: Penker machte sich selbstständig und es folgten Jahre besessener Arbeit, viele Wettbewerbe, um sich bekannt zu machen und ein Netzwerk mit Architekten und Stadtplanern zu schaffen.

Zunächst entwarf er Hausgärten, doch bald darauf schon die größeren Projekte: die Außenanlagen der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf ab 1964, die ihn bis 2000 beschäftigten. Zwei Jahre später folgte der Campus der Ruhr-Universität Bochum, ein erster Wettbewerbspreis, weiterhin Friedhöfe, Freiflächen an Kliniken, öffentliche Grünanlagen – das ganze Programm, keine Spezialisierung. Und immer wieder Wettbewerbe. Unter seinen gut 300 Wettbewerbsbeiträgen, in der Regel in Zusammenarbeit mit Architekten, gab es rund 140 erste bis dritte Preise.

Großteil der ausgeführten Projekte in Nordrhein-Westfalen

Bei städtebaulichen Projekten bestellte sich Penker zu den offiziellen Unterlagen immer zusätzlich historische Karten, so wie er für eine Planung in Saudi-Arabien einen Koran-Spezialisten konsultierte: Stets waren kulturell-historische Grundlagen der Ausgangspunkt. Die endgültigen Lösungen waren daher auch keine Beliebigkeit, sondern konzeptionell begründet. Diese städtebauliche Sicht auf Planungsprojekte war eine Eigenschaft, die seine Architekten-Kollegen in der Zusammenarbeit schätzten und zu einem Dialog auf Augenhöhe führten.

Die Liste namhafter Großprojekte ist lang, darunter die Hauptverwaltungen von Fuji, der Colonia-, der ERGO- und der Provinzial-Versicherungen, der Landeszentralbank Wiesbaden, das Forschungszentrum der Heidelberger Druckmaschinen oder das Internationale Handelszentrum Düsseldorf. Der Großteil aller ausgeführten Planungen befindet sich in Nordrhein-Westfalen. Einige von Penkers Schöpfungen sind inzwischen unter Denkmalschutz gestellt worden.

Penkers LGS Grevenbroich 1995: keine Blümchenschau

Penkers zentrales Gestaltungsthema war, einen Einklang von Natur und Zivilisation zu schaffen, sie in ein harmonisches Spannungsverhältnis zu setzen. Dieses Thema und seine zum Teil visionäre Sicht auf Umweltprobleme und deren mögliche Lösungen zeigten sich besonders deutlich bei seiner Beschäftigung mit Bundes- und Landesgartenschauen. Seine Beiträge zur BUGA Berlin 1985 und BUGA Düsseldorf 1987 erhielten 1. Preise, wurden jedoch nicht ausgeführt.

Für die Düsseldorfer Schau präsentierte Penker beispielsweise als ideellen Mittelpunkt seine „Arche 2000“. Die Arche verstand er als Urtyp der Überlebensform. Er konzipierte angesichts schon damals bedrohlicher Umweltprobleme Demonstrations-Areale zu ökologischem Land- und Gartenbau, Sonnenenergie, nachhaltigem Wassermanagement und weiterem als experimentelle Werkstatt neuer Technologien. Den Entwurf mit seinen Gartenschau-unüblichen Themen hielt die mit der Durchführung beauftragte BUGA-Geschäftsleitung für nicht publikumstauglich.

Penkers prämierte und erfolgreiche Landesgartengartenschau Grevenbroich 1995 war auch keine Blümchenschau. Sie widmete sich, dezentral angelegt, hauptsächlich dem Flusserlebnis der Erft als prägendem Stadt- und Landschaftselement sowie allen Möglichkeiten der ökologischen Aufwertung.

Planerischer Nachlass dem Baukunstarchiv NRW überlassen

An erster Stelle liebte Georg Penker seine Arbeit, mit der auch seine eher privaten Interessen für Naturwissenschaft und die Kunst verknüpft waren. Moderne Kunst prägte alle Wohn- und Büroräume. Skulpturen von Horst Antes, Lothar Fischer oder Klaus Hack und Gemälde von Künstlern der Cobra-Gruppe, des Informel und Arbeiten von Künstlern wie Gerhard Hoehme, Anatol oder Peter Brüning waren für ihn und seine Frau Erika Inspiration während und nach der Arbeit.

Als Chef seines Büros, das bisweilen bis zu zwölf Mitarbeiter zählte, war der ungewöhnlich vitale Mann mit seinem vielschichtigen und widersprüchlichen Naturell allerdings nicht immer einfach. Sein hoher Maßstab an sich selbst und andere mag der Grund sein, dass Penker sein Büro keinem Nachfolger anvertrauen mochte. 2015, mit 89 Jahren, gab er es auf und überließ dem Baukunstarchiv NRW in Dortmund seinen planerischen Nachlass. Nach einem von Arbeit dicht ausgefüllten Leben ist Georg Penker am 15. März 2023 in seiner rheinischen Wahlheimat Neuss gestorben, kurz vor Vollendung des 97. Lebensjahres.

Wussten Sie schon: 2023 findet die BUGA in Mannheim statt. Was die Schau auszeichnete, lesen Sie hier: BUGA Mannheim

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Die Strasse als Galerie

Leerstand kreativ nutzen

Leer, leerer, Freiimfelde: Das Gründerzeitviertel in Halle zählt zu den Orten mit der höchsten Leerstandsrate deutschlandweit. Das Stadtplanungsbüro Freiraumgalerie spielt mit dieser Leereund verwendet dabei ausgerechnet Graffiti. Es ist eine Kombination aus ästhetischer Kunst und Bürgerbeteiligung. Sie erfindet den Freiraum Straße neu und kann Freiimfelde in ein buntes und selbstbestimmtes Quartier verwandeln.

Ein Gang durch die Landsberger Straße in Halle war bis vor einigen Jahren eher ungemütlich. Viele Häuser standen leer, kein Licht fiel abends durch die Fenster auf die Gehwege. Kein Schimmer der Hoffnung, nichts als Tristesse und Dreck. Seit der Wende kämpft der Stadtteil Freiimfelde mit Verfall; den Schlachthof, der damals Arbeit und Bewegung in das Viertel brachte, gibt es nicht mehr. Nach Angaben des Bundesamtes für Statistik war die Landsberger Straße im Jahr 2010 jene mit dem höchsten Leerstand deutschlandweit. Es gab keinen Grund, durch diese Straße zu flanieren. Das ist heute anders. Heute lädt sie ein, den Schritt zu verlangsamen, stehen zu bleiben und sich umzublicken, zu staunen. Denn große, bunte Wandbilder zieren die Brandwände der Häuser, Street Art setzt Akzente an Schornsteinen und Fenstersimsen. Es tut sich was.

Dass hier etwas in Bewegung ist, sich etwas verändert, ist der Freiraumgalerie zuzuschreiben, einem Kollektiv für Raumentwicklung, 2012 gegründet. Eines der ersten Mitglieder im Kollektiv war der Stadtplaner Hendryk von Busse. Der 32-Jährige ist studierter Raumplaner und spezialisiert auf schrumpfende Regionen und Städte. In seiner Diplomarbeit verteidigte er die These, dass Graffiti, und damit Street Art, in leeren und schrumpfenden Städten positive Impulse setzen kann, um diese zu revitalisieren. Nach einigen Fallstudien stellte sich Freiimfelde als besonders geeignet dar, um in seiner Rolle als vernachlässigter und von der Stadtregierung vergessener Stadtteil als urbaner Spielplatz zu agieren.

Der hohe Leerstand ging mit entsprechenden sozialen und städtebaulichen Problemen einher: hohe Arbeitslosigkeit, Kinderarmut, Kriminalität, fehlende Entwicklungsperspektiven. „Die Situation war und ist auch der Lage von Freiimfelde geschuldet: Als einziges Wohnviertel östlich des Bahnhofs liegt es zwar zentral, ist jedoch durch die Gleiskorridore vom Rest der Stadt getrennt“, sagt Hendryk von Busse.

Eine verloren geglaubte Großstadtinsel, deren Exotik nun durch die Freiraumgalerie ins Viertel getragen wird: „Mit unserem ersten Urban Art Festival 2012 wollten wir aufzeigen, dass man diesen Leerstand nutzen könnte, um eine neue Stadtlebensqualität zu erzeugen“, so von Busse. Künstler und Bürger sollten diese ungenutzte Stadtsubstanz selbst bemalen. Teil des Festivals waren darüber hinaus Kultur-, Musik- und Sportveranstaltungen – der Freiraum auf und neben der Straße diente als Bühne vor einer bunten Kulisse. „So wurde die Stadt in und um die Landsberger Straße zu einer offenen Galerie haushoher Bilder, die sich ständig verändert und Leerstände als Mitgestaltungsraum aufzeigt – eine Freiraumgalerie“, sagt das Kollektivmitglied.

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Was tun mit Baulücken und Brachflächen in der dicht besiedelten Stadt? Das Bedürfnis nach Freiraum, der gleichzeitig aktiver Erholungsort ist, wird in allen Generationen und Bevölkerungsschichten immer größer. In der Schweiz haben Pete Stutz und Fabian Vollrath eine Alternative entwickelt: Die Pumptracks.

Sie sind maßgeschneiderte Fahrrad-Parcours, auf denen sich Kleinkinder auf Laufrädern bis hin zum Profi auf Mountainbike und BMX-Rad austoben können. Letztere schaffen es, die Strecke nur durch Ausnutzen des Schwungs und Auf- und Abbewegung des eigenen Körpers zu absolvieren, der Name Pumptracks war daher schnell gefunden. Verschiedene Wellen, Kurven und Hügel ergeben unterschiedliche Schwierigkeitsstufen, die Strecken werden auf die jeweilige Ausgangslage des Ortes und den Nutzern angepasst. „Pumptracks sind keine monofunktionalen Sportanlagen, sondern Abenteuerlandschaften, die Menschen jeder Altersgruppe unter sportlichem Credo zusammenbringen“, davon ist Prof. Dr. Alain Thierstein (Lehrstuhl für Raumentwicklung, Fakultät Architektur, TU München) überzeugt.

Die abwechslungsreichen Strecken fördern Kraft, Koordination, Beweglichkeit und Geschicklichkeit. Ein weiterer Nebeneffekt: Die Pumptracks fördern die Sicherheit auf dem Fahrrad. Denn gerade Anfänger können hier ihren Drahtesel und sich selbst ganz neu kennenlernen. Daher wundert es nicht, dass neben dem Schweizer Bundesamt für Sport (BA-SPO), dem Verein Swiss Cycling und dem deutschen TÜV, auch die Schweizer Beratungsstelle für Unfallverhütung an der Entwicklung beteiligt waren.

Fünf Jahre hat es gedauert, den Belag zu entwickeln. Entstanden ist ein fugenloses Material, das besonders strapazierfähig und witterungsbeständig ist. Es sorgt auch dafür, dass die Lärmemissionen durch das Fahren allein minimal sind. Die Strecken können ganzjährig befahren werden und fügen sich durch ihr natürliches Erscheinungsbild in die Umgebung ein.

Die erste Auszeichnung hat ein Pumptrack im März 2015 erhalten. Der „Treff.Hof“ der Gruppe Les Urbanistes wurde den Giardina Gold Award ausgezeichnet. Auf 570 Quadratmetern konnten die Messebesucher dort die Strecke auf geliehenen Fahrrädern testen. Weitere Pumptracks gibt es bereits in Zürich, Winterthur, in Luxemburg und Italien.

Wie Profis ihr Können auf der bislang größten Pumptrack-Anlage unter Beweis stellen sehen Sie hier: