01.10.2019

Redaktion

G+L im Oktober 2019: Kreative Stadt


Ist die Kreative Stadt planbar?

Kreative Prozesse in Stadt und Land sind ein zweischneidiges Schwert. Sie stoßen Entwicklungen an, gleichzeitig werden sie in der Regel schnell durch Mainstream ersetzt. In der Oktoberausgabe untersuchen wir das Potenzial aktueller Kreativprojekte und diskutieren, inwiefern die Planung Subkulturen im Raum schützen muss. Warum wir diese Ausgabe der Kreativen Stadt gewidmet haben …

Wir kennen sie alle – die Wirtschaftstheorie von Richard Florida zur kreativen Klasse. Florida referierte Jahre lang, dass die kreativen Köpfe einer Gesellschaft und deren Innovationen entscheidend für das ökonomische Wachstum einer Region seien. Bis heute wird er vielerorts zitiert. Und das obwohl sich die Theorie überholt hat. Selbst Florida rudert seit ein paar Jahren zurück und räumt ein, dass die Kreativstadt eher Verdrängung als Reichtum bringt.

Aber lag Florida so falsch? Schließlich teilt auch das Leitbild der Kreativen Stadt seine Grundaussage. Geprägt durch den britischen Stadtplaner Charles Landry, betrachtet dieses Kreativität als Schlüssel zu Fortschritt und Wohlstand. Der große Unterschied? Der liegt darin, wer das kreative Potenzial ist und wie man mit diesem umgeht.

Während Florida beim kreativen Potenzial von 25 bis 30 Prozent der Bewohner einer Stadt ausgeht, darunter allen voran Artisten, Musiker, Schriftsteller – Künstler eben –, richtet sich die programmatische Zielvorstellung von Landry an 100 Prozent der Stadtgesellschaft. „Eine kreative Stadt ist ein Ort, der eine Alltagskultur etabliert hat, in der jeder potenziell kreativ sein kann.“, so Landry. Die Kreative Stadt soll also allem voran zu Kreativität befähigen und die Lebensqualität in der Stadt stärken. Wo dabei die zentralen Stellschrauben liegen, das untersuchen wir im vorliegenden Heft.

Dabei beschäftigte uns, die Redaktion, im Vorfeld vor allem eine Frage: Ist die Kreative Stadt überhaupt planbar? Spoileralarm: Nein. Sagt zumindest Julian Petrin, Stadtplaner und Experte für co-kreative Prozesse von urbanista aus Hamburg, in unserem Auftaktinterview. Dafür sei sie gestaltbar. Wie das aussehen kann, das stellt das Münchner Kreativquartier eindrucksvoll unter Beweis. Von Beginn an setzten hier die Planer von Teleinternetcafe und Treibhaus Landschaftsarchitektur im Dialog mit den Kreativen vor Ort auf eine kreative Prozessgestaltung.

Das fiese G-Wort

Projekte, die man hingegen kritischer betrachten muss, sind „The Shelf“ und „Darwin“ in Berlin und Bordeaux. Hier fördern profitorientierte Investoren nicht uneigennützig kreative Projekte. Das fiese G-Wort schwingt mit.

Und überhaupt. Kann man heute noch über die Kreative Stadt diskutieren ohne im gleichen Atemzug „Gentrifizierung“ zu sagen? Wohl kaum, denn das ist die Schattenseite der Kreativen Stadt. Zyniker behaupten gar, Gentrifizierung hätte sich zu einem Instrument der modernen Stadtentwicklung entwickelt. Ohnmächtig steht man ihr vielerorts gegenüber.

Muss das so sein? Nein. Denn Ohnmacht kann nicht die Antwort sein, sondern nur die Kreativität. Zumindest wenn man den Gedanken von Charles Landry folgt. Hob Landry früher allein die Bedeutung des kulturellen Lebens für die Kreative Stadt heraus, ist er heute überzeugt, dass auch Verwaltung und die zentralen Institutionen kreativ agieren müssen um das Potenzial einer Stadt zu entfalten. Und ja, das gilt auch für den Umgang mit Gentrifizierung.

Die G+L 10/2019 beschäftigt sich mit der Kreativen Stadt. Sie können das Heft hier erwerben.

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