Bloomberg Philanthropies gab die 15 Gewinnerstädte der Global Mayors Challenge 2021-2022 im Januar 2022 bekannt. Lesen Sie hier mehr dazu. Ein Beispiel ist Phoenix

Bloomberg Philanthropies gab die 15 Gewinnerstädte der Global Mayors Challenge 2021-2022 im Januar 2022 bekannt. Lesen Sie hier mehr dazu. Ein Beispiel ist Phoenix

Global Mayors Challenge 2021: das sind die Gewinnerstädte

Im Januar 2022 gab Bloomberg Philanthropies die Gewinnerstädte der Global Mayors Challenge 2021-2022 bekannt. Die Konkurrenz war groß: weltweit entwickelten Städte spannende Projekte. Welchen es gelang, die Jury letztendlich von ihren ehrgeizigen Innovationen während der Covid 19-Pandemie zu überzeugen, lesen Sie hier.

Die Global Mayors Challenge ist ein weltweiter Innovationswettbewerb zur Unterstützung und Verbreitung der vielversprechendsten Ideen in Städten. 2021-2022 hat die Global Mayors Challenge von Bloomberg insgesamt 15 Gewinnerstädte. Sie werden für die Entwicklung mutiger, ehrgeiziger städtischer Innovationen ausgezeichnet, die zur Erholung nach der COVID-19-Pandemie beitragen. Sie repräsentieren zudem 13 verschiedene Nationen auf sechs Kontinenten. Zusammen haben sie mehr als 30 Millionen Einwohner*innen.

Jede der ausgezeichneten Ideen befasst sich mit einem oder mehreren der folgenden vier aktuellen Herausforderungen der Stadtentwicklung: wirtschaftlicher Aufschwung und integratives Wachstum, Gesundheit und Wohlbefinden, Klima und Umwelt sowie Gleichstellung und Gleichberechtigung.

Die Gewinnerstädte der Global Mayors Challenge 2021 erhalten eine Million US-Dollar sowie technische Unterstützung und Coaching über einen Zeitraum von drei Jahren. Dieser Preis soll ihnen dabei helfen, ihre Ideen in die Tat umzusetzen.

„Während die Welt daran arbeitet, die tiefgreifenden gesundheitlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen der anhaltenden Pandemie zu bewältigen, können Städte innovative Ideen in einem Tempo umsetzen, mit dem nationale Regierungen einfach nicht mithalten können“, sagt Michael R. Bloomberg, Gründer von Bloomberg Philanthropies und Bloomberg L.P. und 108.

Amman, Jordanien

Amman gewann für die Erstellung von „reachability maps“, die Lücken bei wichtigen Dienstleistungen aufzeigen, nachdem die Pandemie die Versorgung gefährdeter Gemeinden mit Lebensmitteln sowie medizinischer Versorgung erschwert hatte. Diese Karten werden die Reaktion der Stadt auf künftige Notfälle verbessern. Sie sind auch hilfreich bei der Festlegung von Prioritäten für Infrastrukturinvestitionen. Derzeit arbeitet Amman an der Einführung einer interaktiven, offenen Datenplattform, auf der die Einwohner*innen ihre Anliegen vorbringen und die städtischen Dienste über ihre Bedürfnisse informieren können.

Bogotá, Kolumbien

Der siegreiche Vorschlag von Bogotá für die Global Mayors Challenge 2021-2022 konzentriert sich auf „care blocks“, die das Problem der unbezahlten Betreuungsarbeit angehen, die überproportional von Frauen geleistet wird. Diese Blöcke werden eine Vielzahl von Unterstützungsmaßnahmen umfassen, die die unbezahlte Pflegearbeit von Frauen reduzieren sowie einen kulturellen Wandel anstoßen sollen.

Butuan, Philippinen

In Butuan herrscht aufgrund von Problemen mit der lokalen Nahrungsmittelproduktion eine hohe Ernährungsunsicherheit. Die Stadt schlägt daher vor, den ineffektiven Agrarmarkt durch „AgriBOOST“ zu verbessern. Dieses Instrument wird den Landwirt*innen Prognosedaten liefern, die ihnen bei der Entscheidungsfindung in Bezug auf Art und Menge der angebauten Pflanzen helfen.

Freetown, Sierra Leone

Freetown bietet finanzielle Anreize für Gemeinden, Bäume zu pflanzen, um die Abholzung auszugleichen. Dieser Baumhandelsmarkt wird die Wiederaufforstung unterstützen. Jeder neue Baum wird mit einem Geotag versehen, wodurch Baummünzen entstehen, die verkauft, gekauft und gehandelt werden können.

Hermosillo, Mexiko

Hermosillo möchte mit seinem Programm „Biciclando“ zwei Herausforderungen angehen: die Unterbeschäftigung von Frauen und die sehr geringe Rate Abfallrecycling. Die Idee ist, Frauen, die ihren Arbeitsplatz durch die Pandemie verloren haben, für die Hausmüllsammlung mit dem E-Cargo-Bike zu beschäftigen.

Istanbul, Türkei

In Istanbul herrschte im ersten Jahr der Pandemie eine überwältigende Nachfrage nach sozialer Hilfe. Als Reaktion darauf schuf die Stadtverwaltung ein Solidaritätsprogramm namens „Pay-it-forward“. Dieses Programm bringt Menschen, die vor unbezahlten Rechnungen stehen, mit Menschen zusammen, die bereit sind, finanzielle Hilfe zu leisten.

Kigali, Ruanda

Die Bewohner*innen der informellen Siedlungen von Kigali sind mit Problemen wie unhygienischen Wasser-, Sanitär- sowie Hygienediensten konfrontiert. Zugleich sind die Wartungsgebühren für diese Versorgungseinrichtungen unverhältnismäßig hoch. Daher führt die Stadt eine intelligente Abfallsensortechnologie in informellen Siedlungen ein.

Kumasi, Ghana

Schlecht gewartete öffentliche Toiletten und offene Defäkation sind ein Problem in Kumasi. Um dieses Problem zu lösen, bildet die Stadt arbeitslose Jugendliche aus, um kostengünstige Toiletten für bedürftige Haushalte zu bauen. Diese Toiletten werden mit Biokläranlagen und Technologien ausgestattet, die mit der Infrastruktur der Stadt kompatibel sind, sodass die Abfälle als Dünger auf umliegenden Bauernhöfen wiederverwendet werden können.

Paterson, USA

Diese Stadt kämpft mit Opioid-bedingten Überdosen und einem Mangel an Unterstützung für die Opfer. Als Reaktion darauf hat Paterson das „RealFix“-Programm ins Leben gerufen, das einen einfachen Einstieg in eine medizinisch unterstützte Behandlung sowie den Zugang zu Rezepten innerhalb von 90 Minuten zu jeder Zeit ermöglicht.

Phoenix, USA

In dieser Stadt im US-Bundesstaat Arizona steigt die Arbeitslosigkeit trotz zahlreicher Stellenausschreibungen. Um diese Kluft zu überbrücken, setzt Phoenix „Career Mobility Units“ ein, um Arbeitssuchende gezielt zu unterstützen.

Rochester, USA

Rochester konzentriert sich auf BIPOC-Frauen im Baugewerbe, indem es BIPOC-Frauen, Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmerverbände einbezieht. Gemeinsam wollen sie Wege für eine stärkere Beteiligung von BIPOC-Frauen, die 13 Prozent der Stadtbevölkerung ausmachen, im Baugewerbe schaffen.

Rotterdam, Niederlande

Rotterdam hat die Global Mayors Challenge 2021-2022 für seinen digitalen Marktplatz namens „Rikx“ gewonnen. Dieser Marktplatz soll lokale Sozialunternehmer*innen mit Investor*innen zusammenbringen und somit die Durchführung innovativer Projekte mit arbeitslosen Bevölkerungsgruppen unterstützen.

Rourkela, Indien

Rourkela kämpft mit einem Mangel an Lagermöglichkeiten für Waren. Dieses Projekt wird Unternehmer*innen Zugang zu Kühlhäusern verschaffen, was folglich die Lebensmittelverschwendung verringert und somit mehr Zeit für den Verkauf der Produkte zur Verfügung steht.

Vilnius, Litauen

Vilnius hat das Programm „Vilnius als offene Schule“ ins Leben gerufen, um den Mangel an digitalen Fähigkeiten der Lehrkräfte, überfüllte öffentliche Schulen und veraltete Bildungssysteme zu anzugehen. Wegen der Umstrukturierung des Bildungssystems der Stadt soll die Bildung widerstandsfähiger und für die künftige Wirtschaft relevanter werden.

Wellington, Neuseeland

Wellington wurde für sein digitales Zwillingsmodell, das kommunale Maßnahmen in der gesamten Stadt koordiniert, zum Gewinner der Global Mayors Challenge ernannt. Dieses Modell wird derzeit skaliert, um den Klimawandel zu bekämpfen und die Stadt auf dem Weg in eine Post-Carbon-Zukunft zu unterstützen. Es baut darüber hinaus auf der Partizipation der Bürger*innen auf.

Lektionen aus den Gewinnerstädten der Global Mayors Challenge 2021-2022

Die Global Mayors Challenge ist viel mehr als nur eine große Ehre für die Siegerstädte. Sie ist zudem ein Innovationswettbewerb, bei dem kreative, inspirierende und skalierbare städtische Lösungen vorgestellt werden. Nach der Überwindung der Covid-19-Pandemie brauchen viele Städte inspirierende Lösungen für den Weg in die Zukunft.

Die Gewinnerstädte zeigen, dass Bürgermeister*innen originelle Systemdenker*innen sein müssen. Sie müssen sich die Komplexität ihrer Städte zu eigen machen und mehrere Probleme gleichzeitig in Angriff nehmen.

Die Gewinner der Global Mayors Challenge wissen auch, wie sie mit der schnelllebigen globalen Wirtschaft von heute umgehen müssen. Marktentwicklungen können Städte vor große Herausforderungen stellen, aber gleichzeitig können Städte ihre städtischen Märkte proaktiv so gestalten, dass sie den Einwohner*innen zugutekommen und die Ziele der Stadtentwicklung fördern.

Eine weitere Gemeinsamkeit der ausgezeichneten Projekte ist die Nutzung des Fachwissens der Einwohner*innen, was die Notwendigkeit einer Verwaltung in zwei Richtungen verdeutlicht. Die erfolgreichsten Bürgermeister*innen hören sich an, was ihre Einwohner*innen zu sagen haben, und bauen dann Projekte und Strategien auf der Grundlage dieses Feedbacks auf.

Die Gewinnerstädte beweisen, dass die Städte mit viel Ehrgeiz und Kreativität auf die Pandemie reagiert haben. Sie demonstrieren das positive Erbe dieser schwierigen Zeit, indem sie Wege aufzeigen, wie Städte besser, freundlicher, nachhaltiger und gerechter werden können.

Auch interessant: 2021 veröffentlichte das Deutsche Institut für Urbanistik einen Leitfaden zur Gestaltung nachhaltiger Städte. Mehr dazu hier: Leitfaden Städte nachhaltig planen und bauen

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Atlas of Landscapes in a Room – Landschaften in Innenräumen

Architektur
Architektur

Wie eine Ausstellung gestalten, deren Fokus Landschaft ist? Wie etwas in begrenzten Räumlichkeiten ausstellen, dessen Essenz doch die Grenzenlosigkeit ist? Kunst- und Kulturschaffende sowie (Landschafts-)Architekt*innen finden seit immer wieder Antworten auf diese Fragen und präsentieren neue Landschaftserlebnisse in Innenräumen. So etwa der isländische Künstler Olafur Eliasson, der kurzum die Fondation Beyeler in Basel mehrerer Aussenwände beraubte und sie unter Wasser setzte. Welche weiteren Möglichkeiten es gibt, Landschaft auszustellen, zeigt Fanny Brandauer mit ihrem Projekt „Atlas of Landscapes in a Room“.

„Wie etwas ausstellen, das nicht nur ‚zu groß‘, sondern bereits öffentlich ist? Wie etwas in einem Ausstellungsraum adäquat vermitteln, das räumliche, körperliche Erfahrungen voraussetzt?“

 

(Margareth Otti in Ruhl, C., & Dähne, C. (2015). Architektur ausstellen: Zur mobilen Anordnung des Immobilen (S. 6–13). Berlin: Jovis)

 

Landschaft ist immobil, kontextabhängig und vielschichtig und auf Grund ihrer Komplexität nur schwer in einem Innenraum vor- und noch weniger ausstellbar. Doch das Hereinholen von Landschaft in den Innenraum erzeugt ein ungewohntes Spannungsfeld. Außerdem birgt es Potenziale, die es sich näher zu betrachten lohnt. Das Entkoppeln und Isolieren eines Landschaftsteils und dessen Rekontextualisierung im Innenraum erschliesst neue Spielräume zur (Re-)Präsentation und inhaltlichen Vermittlung von Landschaft. Der Betrachtungsfokus verschiebt sich dadurch und wird neu ausgerichtet. Raumgefühl, Naturphänomene, Geräusche und Gerüche lassen sich entsprechend inszenieren und erlebbar machen. Dadurch wird man als Besucher*in auf imaginative Reisen an nahe und ferne Orte geschickt.

Atlas of Landscapes in a Room soll Diskurs anregen

Doch wie gelingt es, Landschaft in ihrer Komplexität im Innenraum festzuhalten? In welcher Weise muss man Landschaft verändern und umformen, verkleinern, vergrößern, symbolisieren oder abstrahieren, um sie in den Ausstellungsraum transferieren zu können? Wie bleibt ihre räumliche Erfahrbarkeit im Innenraum bestehen?

Antworten darauf lassen sich in den Arbeiten von Landschaftsarchitekt*innen und Architekt*innen, Kunst- und Kulturschaffenden finden, die auf vielfältige Art und Weise neue Landschaften im Innenraum kreieren. Um einen Überblick über jenes breite Spektrum zu geben, entstand das Projekt Atlas of Landscapes in a Room. (Dem Projekt liegt übrigens die im Jahr 2018 verfasste Masterarbeit „Landschaft ausstellen. Über den Transfer von Landschaft in den Innenraum“ zu Grunde.)

Atlas of Landscapes in a Room macht es sich zur Aufgabe, ausgewählte historische und zeitgenössische Arbeiten zu kuratieren und miteinander zu verknüpfen. Er dient folglich als digitales indexiertes Nachschlagewerk und als Archiv. Denn Atlas of Landscapes in a Room möchte einen transdisziplinären Diskurs anregen und Denkanstöße initiieren, wie Landschaft und Natur im Innenraum eingefangen und wiedergegeben werden können.

Robert Smithons Konzept des Site/Non-Site

„Und als Resultat habe ich entschieden, dass es, statt etwas in die Landschaft zu stellen, interessanter sei, die Landschaft nach drinnen zu holen, an den Nicht-Ort, in den abstrakten Behälter.“

Robert Smithson in Schmidt, E., & Vöckler, K. (Hrsg.). (2000). Erde. Ein Symposium am White Museum, Cornell University.

Im Jahr 1968 präsentierte der Land-Art-Künstler Robert Smithson seine Arbeit „Site/Non-Site“ und wirkte wegbereitend für heutige Betrachtungen, wie Landschaft im Innenraum räumlich erfahrbar gemacht werden kann. Denn Smithson‘s Arbeit handelte vom Dialog zwischen dem Außen- und dem Innenraum. Mithilfe von Fotografien und Kartenmaterial sowie entnommenen Mineral- und Gesteinsproben dokumentierte er einen Landschaftsteil der geschützten Wälder Pine Barrens an der Atlantikküste New Jerseys. Er erzählte damit von einem realen Ort in der Landschaft, aber repräsentierte diesen unerwarteterweise im Innenraum.

Ausgestellte Landschaften im zeitlichen Wandel

 

Die zweidimensionalen Träger (Karten, Fotos) ergänzte er zudem um ein dreidimensionales Bild (Mineral- und Gesteinsproben). Der reale Ort, an dem er das Material entnommen hatte, war dabei genauso Teil der künstlerischen Arbeit wie das Material selbst, das im Ausstellungsraum gezeigt wurde und auf den physischen Ort verwies. (vgl. Schmidt, E., & Vöckler, K. (Hrsg.) (2000). Erde. Ein Symposium am White Museum, Cornell University. Übersetzt aus dem Original: Earth, Nachlass, 1969. In: Gesammelte Schriften (S. 217–227). Köln: Verlag der Buchhandlung Walther König.)

Robert Smithson leistete damit Pionierarbeit im räumlichen Sichtbarmachen und Zeigen von Landschaften, doch das generelle Darstellen von Natur und Landschaft im Innenraum findet seinen Ursprung weitaus früher als in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts.

Die wohl früheste gezielte Zurschaustellung exotischer Kostbarkeiten, Naturalien und anderer Artefakte (meist Errungenschaften kolonialer Entdeckungsreisen) vollzog sich in den Wunderkammern und Naturalienkabinetten europäischer Fürstenhöfe des 15. und 16. Jahrhunderts. In Schränken und Schaukästen wurden Kuriositäten aus aller Welt aufbewahrt, wissenschaftlich untersucht und klassifiziert.

 

Infolgedessen, im darauffolgenden 17. Jahrhundert hielt das Landschaftsmotiv Einzug in die Malerei. Maler aus den Niederlanden, Flandern und Italien setzten sich erstmals grundlegend mit der Landschaft als selbstständiges Bildsujet auseinander und zauberten sublime Landschaften nach Vorbild des antiken Arkadiens auf ihre Leinwände (welche später in den englischen Landschaftsgärten verwirklicht wurden).

 

Anfang des 19. Jahrhunderts dann prägte der deutsche Maler Caspar David Friedrich mit seinen melancholischen und imaginativen Natur- und Landschaftsdarstellungen die zeitgenössische Landschaftsmalerei, bevor sich Mitte des 19. Jahrhunderts die „Schule von Barbizon“ formierte und eine neue Ära einläutete. Mit Palette und Staffelei verließen die KünstlerInnen die vier Wände ihrer Ateliers und arbeiteten in der freien Natur. Sie verzichteten in ihren Bildern auf eine realitätsgetreue Motivdarstellung und fingen lieber Formen, Farben und Lichtsituationen auf ihren Gemälden ein. (vgl. Van den Berg, K. (2010). Zur Welt kommen. Landschaft als Resonanzraum. In S. von Berswordt-Wallrabe & V. Rattemeyer (Hrsg.), Landschaft als Weltsicht: Kunst vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart (S. 13–27). Köln: Wienand.)

Landschaftsausstellung gibt Einblick in Arbeitspraxis und -philosophie von Planer*innen

 

Mitte des 20. Jahrhunderts schließlich wurde der Begriff der Installation geprägt: raumgreifende, orts- und situationsbezogene Kunstwerke, die in ihrer medialen Ausrichtung, Erfahrbarkeit und Materialität äußerst vielseitig sind. Mit dem Auflodern der Ökologiebewegung etablierte sich ein neues Verständnis von Natur und Kultur als korrelierende Einheit. Der anthropogene Einfluss wurde viel stärker in die Betrachtung von Landschaft miteinbezogen und Natur- und Landschaftsfragmente nicht mehr als romantisierte oder isolierte Objekte ästhetisiert.

Das Landschaftsmotiv kehrt in beinahe allen Kunststilen und -epochen, in der Fotografie genauso wie im Film, wieder und hat auch in der zeitgenössischen Kunst nicht an Relevanz verloren. Kunst- und Kulturschaffende knüpfen heute an die Positionen der vorhergegangenen Generationen an und erweitern diese. Sie setzen immaterielle und flüchtige Materialien wie Licht, Klang oder Geruch ein, um Atmosphären aufzubauen und die sinnliche Wahrnehmung anzuregen.

Das Projekt Atlas of Landscapes in a Room

 

Mit steigender Tendenz rückt das inhaltliche Arbeiten mit Natur und Landschaft auch immer mehr ins Interesse von Museen und Kunsträumen. Sie kuratieren z.B. Fachausstellungen und Werkschauen, welche entweder spezifische Fragestellungen unter Setzung eines übergeordneten Themenschwerpunkts ergründen oder geben Einblick in die Arbeitspraxis und -philosophie einzelner Kunstschaffender und Planer*innen geben.

Atlas of Landscapes in a Room veranschaulicht wie Ausstellungsräume zu Orten des Geschichtenerzählens und der (Re-)Präsentation von Landschaft werden. Außerdem wie sie es vermögen, der Landschaft einen Wirkungsraum außerhalb ihres eigentlichen „Habitats“ zu geben.

 

Der digitale Atlas gliedert sich denn auch über einen klaren und stringenten Aufbau, der einer Kategorisierung in sieben Bereiche folgt: Collage (COL), Diorama (DIO), Exhibition (EXH), Installation (INS), Photography (PHO), Painting (PAI) und Wunderkammer (WUN). Die Kategorisierung nimmt sowohl Bezug auf den eben beschriebenen historischen Wandel ausgestellter Landschaften als auch auf die unterschiedlichen Medien der Darstellung. Das Navigieren durch den Atlas und die kuratierten Beiträge funktioniert primär über die Willkür des subjektiven visuellen Blicks und sekundär über ein Index-System, welches mit dem Aspekt der Wissenschaftlichkeit spielt.

 

Doch vor allen Dingen soll Atlas of Landscapes in a Room zum Stöbern, Entdecken, Erforschen und Sich-inspirieren-lassen einladen, neue Denkanstöße geben und zudem eine Grundlage für weiterführende Untersuchungen zu diesem spannenden Themenkomplex bilden.

Fanny Brandauer schloss 2018 mit der Masterarbeit „Landschaft ausstellen. Über den Transfer von Landschaft in den Innenraum“ ihr Studium an der TU München ab. 2021 rief sie Atlas of Landscapes in a Room ins Leben. Sie lebt und arbeitet in Berlin und München und ist als Teamleiterin bei Studio Vulkan München tätig. Hier geht es zum Instagram-Account von Atlas of Landscapes in a Room.

Wir präsentierten Fanny Brandauers Masterarbeit in der G+L 09/19. Im September 2021 richten wir den Fokus erneut auf Studierende der Planung: Die G+L 09/21 stellt herausragende studentische Arbeiten vor.

Weitere studentische Arbeiten finden Sie außerdem hier – es lohnt sich!

Planer mit Rosenschere

Kurz vor Weihnachten 2016 starb Uwe Isterling mit 85 Jahren in Hamburg. Mit ihm ging einer der Landschaftsarchitekten, die von ihren Hochbaukollegen als „Gärtner“ betitelt werden. Doch verliehen sie Isterling diesen Titel nie abschätzig, sondern mit großem Respekt und er war stolz darauf. Eine feine, nie vordergründige, nie modische Entwurfssprache kennzeichnete sein Schaffen.

Von Günther Schulze, bei dem er bis zur Gründung seines eigenen Büros 1964 arbeitete, lernte er den gekonnten Einsatz der Pflanze, um das gemauerte und gepflasterte Rückgrat eines Gartens spannend zu überspielen. Mit Privatgärten für bekannte Persönlichkeiten wie Karl Lagerfeld oder Rudolf Augstein wurde Isterling in der Hansestadt und überregional bekannt. Doch hinterließ er auch im öffentlichen Raum Hamburgs seine Spuren, unter anderem mit dem Sternschanzenpark und der Landschaftsgestaltung entlang der Ortsumgehung für den Flughafen in Fuhlsbüttel (mit Jan M. Runge). Im bdla war er sowohl in der Landesgruppe Hamburg wie im Bundespräsidium aktiv.

Nachdem Isterling 1997 mit Gordon Evans und Dirk Junker zwei jüngere Partner in sein Büro geholt hatte (IPL), stieg er 2001 aus der Partnerschaft aus. Mit Unterstützung eines Mitarbeiters arbeitete er an verschiedenen Projekten allein weiter. Sein letztes großes Werk waren die Außenanlagen zum Kurhotel Oberwaid in St.Gallen. Die vergangenen drei Jahre verbrachte er in einem Pflegestift. Bei seinem letzten Besuch brachte ihm sein langjähriger Freund und Kollege Jan Michael Runge ein Dokument mit: Ein Isterling-Garten an der Elbchaussee war unter Denkmalschutz gestellt worden – ein würdevoller Schlusspunkt eines langen Planerlebens.