Der Theodor-Heuss-Platz in Göppingen bietet Raum für Jugendliche, die skaten und klettern, Senioren, die Gymnastik machen und Kinder, die im Sand spielen. Die ehemalige Skateanlage haben DSGN Concepts zu einer vielfältigen Freizeitanlage entwickelt. Dabei vereint sie unterschiedliche Akteure und Nutzungen – auch solche, die auf den ersten Blick gegensätzlich erscheinen. Für die Juniausgabe der Garten+Landschaft haben wir uns in Göppingen mit Filip Labovic von DSGN Concepts getroffen. Der leidenschaftliche Skater hat uns über den Platz geführt. Sollte Sie es demnächst nicht nach Göppingen schaffen, bietet die Bildergalerie einen Überblick des multifunktionalen Platzes.
Siegerprojekt: Ringlocpark – Revitalisierung des Augsburger Eisenbahnkreises
Zum zehnten Mal hat die Kulturveranstaltung Urbanpromo den „X Urban-Promogiovani Award“ verliehen. Urban-Promogiovani ist ein freier Wettbewerb, der sich an Studenten weltweit aus den Bereichen Architektur, Ingenieurwesen, Planung und Design richtet. Der Wettbewerb regt diese zu innovativen Projektideen hinsichtlich Stadterneuerung und nachhaltiger Stadtentwicklung an. Gefördert wird Urbanpromo durch das INU, das Instituto Nazionale di Urbanistica in Rom.
Bei dem zehnjährigen Jubiläum gaben die Veranstalter den Nachwuchstalenten vor, Stadterneuerungsprojekte einzureichen, die sich auf ein bereits vorhandenes Gebiet beziehen. Außerdem sollten sich die Projekte auf die Kernthemen von Urbanpromo 2018 konzentrieren: städtische Transformation, Stadtmarketing, smart cities, nachhaltige Energie und sozialer Wohnungsbau.
Die internationale Jury kürte das Projekt „Ringlocpark“ von Jonathan Stimpfle von der Technischen Universität München (Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur und Industrielle Landschaften) zum Sieger. Stimpfle erarbeitete in seiner Arbeit einen Entwurf, um ein komplexes städtisches Brachflächengebiet in Augsburg wiederzuverwenden. Ausgehend von diesem konkreten Gebiet diskutiert er in einem allgemeineren Kontext das Erscheinungsbild von “konvergenten Räumen” im städtischen Gefüge – Räume, die sich zu sehr aneinander annähern, gar übereinstimmen. Dabei kritisiert er, dass solche homogenen Orte in ihrer Erscheinung austauschbar sind und damit keine ortsspezifische Identität mehr bilden. Um dieser Tendenz im Städtebild zu begegnen, ergänzt Stimpfle das konventionelle räumliche und physische Verständnis von Orten durch eine zusätzliche mentale und kulturelle Interpretation des Raumes. Dabei verfolgt er Ansätze der Raumsoziologie.
Die südlichen Landkreise in Augsburg (Süddeutschland) dienen als Projektgebiet. Die städtebauliche Transformation des dortigen ehemaligen Bahnhofs und Reparaturdepots für Lokomotiven trägt zur räumlichen und sozialen Entwicklung einer wachsenden Stadt mit zunehmendem Druck auf Land und Ressourcen bei. Der vorgeschlagene “Ringlocpark” fungiert zum einen als Hauptbestandteil der neuen Freiflächenachse auf dem Augsburger Plateau. Zum anderen schließt er die urbane Lücke im Süden der Stadt. Dabei beachtet Stimpfle nicht nur den historischen Wert der ehemaligen Eisenbahninfrastruktur, sondern bezieht ebenfalls Urban Gardening ein. Dadurch binden sich die neuen Bewohner emotional stärker an das neue Infrastrukturgelände.
X Urban-Promogiovani zielt darauf ab, akademische innovative Projekte auszuzeichnen, indem es die Zusammenarbeit und den Wissensaustausch in der Gemeinschaft der zukünftigen Fachkräfte fördert. Ergänzt wird der Wettbewerb deshalb durch einen abschließenden Workshop.
Die Weißenhofsiedlung in Stuttgart feiert 2027 ihr 100-jähriges Jubiläum. Grund, für die Landeshauptstadt Stuttgart, das Land Baden-Württemberg sowie die IBA’27 Stuttgart einen offenen internationalen Ideenwettbewerb auszuloben. Die beste Antwort auf die Frage „Wie sieht das große Bild für die nächsten 100 Jahre aus?“ kam von der Arbeitsgemeinschaft Schmutz & Partner Freie Architekten Innenarchitekten PartG mbB mit Scala Freie Architekten Stadtplaner und Pfrommer + Roeder GbR. Wir verraten, was Sie über das Projekt der Erstplatzierten wissen sollten.
Wettbewerb Weißenhofsiedlung ist entschieden
Es ist eine namhafte Nachbarschaft, in welcher der Wettbewerb Weißenhof ausgetragen wurde. Das 1927 vom Deutschen Werkbund errichtete Areal erlangte weltweite Bekanntheit. Der Werkbund hatte durch sein Verständnis des Neuen Wohnens Maßstäbe gesetzt. Genau 100 Jahre später findet nun wieder die internationale Bauausstellung in Stuttgart statt – die IBA’27 Stuttgart. Folglich lobte die Stadt Anfang des Jahres den Weißenhofsiedlung Wettbewerb 2027 aus. Nun prämierte die Jury die besten Entwürfe. Dabei vergab das Preisgericht insgesamt fünf Preise. Weiterhin zwei Anerkennungen. Als Erstplatzierte konnte sich die Arbeitsgemeinschaft Schmutz & Partner Freie Architekten Innenarchitekten PartG mbB mit Scala Freie Architekten Stadtplaner und Pfrommer + Roeder GbR durchsetzen. Die Büros haben ihren Sitz in Stuttgart. Somit dürfte es eine besondere Ehre sein, an diesem bedeutsamen Ort der eigenen Stadt zu wirken. Ziel des Wettbewerbs war es, eine zeitgemäße städtebauliche Entwicklung für die Weißenhofsiedlung samt Umfeld zu finden. Zum Jubiläum sollen die Zukunftsvisionen realisiert werden.
Die Aufgabe ist dabei durchaus komplex. Das Ensemble ist denkmalgeschützt. Folglich dürfen die Bauten nicht verändert werden. Gleichzeitig ist die Siedlung dem erwarteten Besucher*innenansturm bei der IBA nicht gewachsen. Andreas Hofer, Intendant der IBA’27, spricht sowohl von logistischen als auch baukulturellen Herausforderungen. Weiterhin betont er, dass die Entwicklung des Weissenhof-Areals für alle Beteiligten eine Herzensangelegenheit sei. Der Wettbewerb wurde international ausgelobt. Tatsächlich schafften es aber vor allem lokale Planungsbüros in die engere Auswahl. Allen voran Schmutz & Partner und Co. Denn ihnen gelang es, die kleinteiligen Strukturen der Weißenhofsiedlung mit einer großzügigen Empfangssituation zusammen zu bringen. Dabei spielte der Einbezug des Umfeldes eine wesentliche Rolle. Für die angrenzende Akademie der Bildenden Künste ist eine Erweiterung durch ein Empfangs- sowie Besucher*innenzentrum vorgesehen. So wird ein neuer Ankunftspunkt Orientierung am Killesberg schaffen. Durch diesen Ansatz überzeugte der Entwurf.
Mehr zur Werkbundsiedlung, ihrer Geschichte dem Ideenkonzept sowie den 17 Architekten erfahren Sie bei unseren Kolleg*innen des BAUMEISTER: Weißenhofsiedlung Stuttgart.
Entwicklung im Sinne des Genius loci der Weissenhofsiedlung
Nach der Prämierung stehen nun weitere Debatten an. Andreas Hofer hält den prämierten Entwurf für eine gute Basis. An die Jury-Entscheidung werden freiräumliche, ökologische, vernehmliche sowie denkmalpflegerische Diskussionen anschließen. So soll aus dem historischen Bestand und den neuen Bausteinen ein sinniges Gefüge entstehen. Prof. Kai Fischer, Leiter der Abteilung Vermögen und Hochbau im Ministerium für Finanzen Baden-Württemberg, spricht von einer Fortschreibung des genius loci. Auch Peter Pätzold, Bürgermeister für Städtebau, Wohnen und Umwelt bei der Landeshauptstadt Stuttgart, ist überzeugt, mit dem erstplatzierten Entwurf die passende Vision gefunden zu haben. Insbesondere der öffentliche Raum wird zukünftig eine wesentliche Rolle spielen. Durch die Einführung einer Anlieger*innen-Regelung an der südlichen Zufahrt Am Weißenhof, kann sich ein Platzcharakter etablieren. Ein angrenzender Boulevard gibt überdies spannungsvolle Blicke in den Talkessel frei. Auch innerhalb der Bestandssiedlung werden neue Sichtbeziehungen inszeniert. Eine Wegeverbindung an der Nordseite des LeCorbusier-Doppelhauses generiert spannende Blickbezüge.
Empfangsgebäude als Gelenkpunkt
Durch die Reduzierung des Straßenquerschnitts ergeben sich boulevardhafte Erweiterungen im Stadtraum. Weiterhin entsteht vor der Brenzkirche ein ausgeweiteter Vorplatz. Die größte Baumaßnahme des Projektes stellt der Neubau an der Nordwestecke des Akademiegeländes dar. Ein Gebäuderiegel entlang der Altbauerweiterung wird den bisherigen Keramik- und Bildhauerbau ersetzen. Darüberhinaus dienen mit Glas überdachte Zwischenbereiche als Kommunikationsorte.
Auch der sechsgeschossige Neubau für die Fachgruppe Wissenschaft spielt mit der Kombination aus geschlossen und offenen Räumen. So erhält der Komplex öffentliche sowie halböffentliche Bereiche. Als wichtigstes Gelenk zwischen Stadt, Siedlung und Akademie wird das Empfangsgebäude fungieren. Dafür entsteht ein stufenförmiger, überdachter Eingangsbereich, der zur Stadt hin als Attraktor lockt. Das Gebäude selbst wird mit transparenten Fassaden gestaltet. So wirkt die Weißenhofsiedlung in den Innenraum ein. Vier Aussichtsplateaus dienen zum Aufenthalt und können überdies als Experiemtierflächen genutzt werden. Das Empfangsgebäude dient als offene Anlaufstelle für Besucher*innen, besonders anlässlich der IBA’27. Gleichzeitig gelingt damit ein sanfter Übergang zum intimeren Akademiebereich.
Die Aufgabenstellung des Wettbewerbs war keine einfache. Denn ein respektvoller Umgang mit dem Bestand der Weißenhofsiedlung war gefordert. Darüberhinaus galt es, einen zukunftsweisenden, innovativen Funken zu entfachen. 35 Teams aus acht Ländern stellten sich schließlich der Herausforderung. Folglich hatte das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Dörte Gatermann eine Vielfalt an Arbeiten zu bewerten. Der Entwurf von Schmutz & Partner und Co. reagierte auf die heterogene Bestandssituation selbstbewusst, aber angemessen. Der Arbeitsgemeinschaft gelang es laut Jury, an den richtigen Orten bauliche Akzente zu setzen. Auch die Aufwertung des öffentlichen Raumes durch neue Platzbereiche, inszenierte Aussichtspunkte, Stadtbalkone, Bänke sowie Baumgruppen überzeugte.
Durch den Ideenwettbewerb ist nun die städtebauliche Grundlage für nachfolgende Bauvorhaben geschaffen. 100 Jahre nach Errichtung der Weißenhofsiedlung Stuttgart wird sich diese durch das Wettbewerbsergebnis weiterentwickeln. Als Orientierung dient der historische Geist von damals. Die Implementierung der neuen Ideen stößt einen spannenden Prozess an.
Ein weiteres IBA’27 Projekt ist übrigens das Postareal Böblingen. Alles was Sie zum Siegerentwurf vom Büro Gutiérrez aus Madrid in Zusammenarbeit mit UTA Architekten und Stadtplaner aus Stuttgart wissen müssen, erfahren Sie hier.