Hamburger Wallanlagen – Buchrezension

2020 war das 200-jährige Jubiläum der Hamburger Wallanlagen: die erste öffentliche Grünanlage Hamburgs. Zu diesem Anlass erschien das Buch “Von der Festung bis Planten un Blomen. Die Hamburger Wallanlagen” von Gartendenkmalpfleger und Herausgeber Heino Grunert. Ein ausgezeichnetes Sammelwerk, das die Geschichte der Hamburger Wallanlagen umfangreich aufzeigt.

Vor 200 Jahren wurde aus der von Johan van Valckenburgh im frühen 17. Jahrhundert erbauten Befestigung Hamburgs ab 1820 durch Isaak Altmann die erste öffentliche Grünanlage. Aus diesem Anlass gab der Gartendenkmalpfleger Heino Grunert ein umfangreiches Werk zur Geschichte und Gestalt der Hamburger Wallanlagen heraus.

Planten un Blomen

16 Autor*innen haben sich kenntnis- und detailreich ihrer unter verschiedenen Aspekten angenommen. Gerd Kähler blickt stadt- und bauhistorisch nach innen und außen über die Wälle weit hinaus und verknüpft sie vielfach mit der Geschichte und Infrastruktur der Kaufmannstadt. Die verteidigungspolitischen Bezüge, den technisch-landschaftlichen Aufbau der Anlagen sowie ihre Bedeutung für die Stadtentwicklung und das hamburgische Selbstbewusstsein erläutert der Historiker Dirk Brietzke.

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Heino Grunert vergleicht die Anlagen mit dem ebenfalls von Valckenborgh und Altmann geschaffenen Wallring Bremens und durchläuft bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges den Wandel der Wälle unter anderem durch die zahlreichen Freiluft-Ausstellungen. Während der östliche Teil der Wallanlagen durch den Eisenbahnbau seine Landschaftlichkeit völlig einbüßte, wurde im westlichen durch die Einbeziehung des auf den vormaligen Kirchhöfen eingerichteten Zoos die Grünanlage erheblich erweitert. Von der 1935 dort veranstalteten Niederdeutschen Gartenschau hat die heutige Anlage ihren Namen: Planten un Blomen.

Rezeptionsgeschichtliche Perspektive

Den Einzug der Moderne mit den internationalen Gartenschauen und ihren Gestaltideen beschreibt Kristina Vagt, gefolgt von Eva Henzes Darstellung des heutigen Parks und seiner aktuellen Probleme. Die städtebaulich-architektonischen Aspekte der repräsentativen Bauten an der Ringstraße und in den Wallanlagen mit den dort allenthalben aufgestellten Denkmälern und ihre historischen Bezüge erläutert Jörg Schilling.

Aus rezeptionsgeschichtlicher Perspektive gibt der Historiker Martin Sprujit einen aufschlussreichen Einblick in seine Postkartensammlung: Große Ereignisse veränderten immer wieder die Gestalt der Anlagen. So fehlt auch nicht der kritische Blick auf den konservatorischen Umgang mit diesem komplexen, durch geplante Eingriffe und natürliches Wachstum ständig veränderten Gartendenkmal (Jens Beck).

Hamburger Wallanlagen: ein ausgezeichnetes Sammelwerk

Dem alten Botanischen Garten zwischen Dammtor und den früheren Kirchhöfen mit seinen pflanzlichen Attraktionen widmen Barbara Engelschall und Hans-Helmut Poppendieck ein eigenes Kapitel, ebenso den Gärtnern der Wallanlagen. Schließlich umrundet Hamburgs Grünflächenchef Klaus Hoppe den ersten grünen Ring als Teil des grünen Netzes und verweist auf die Knotenpunkte und Projekte, die zur Qualitätssteigerung der innerstädtischen Grünversorgung beitragen sollen – von der militärischen Bedeutung zum friedvollen Arkadien.

Zahlreiche historische Aufnahmen, Pläne und Dokumente veranschaulichen das Geschriebene in hervorragender Qualität; die Kapitel sind mit zahlreichen Anmerkungen versehen, Literaturverzeichnis und Register ermöglichen auch einen wissenschaftlichen Zugang zum Thema. Insgesamt ein ausgezeichnetes Sammelwerk, das in dieser Form in der stadtgeschichtlichen Literatur einen hohen Rang und viele Leser*innen verdient.

Heino Grunert (Hg.)
Von der Festung bis Planten un Blomen. Die Hamburger Wallanlagen.
360 Seiten
560 historische und Farbabbildungen
Hardcover mit Fadenheftung und Lesebändchen
Format 23 x 28 cm
Dölling und Galitz Verlag
September 2020
39.90 €
ISBN 13: 978-3-86218-138

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