4,9 Millionen Euro für Haus der Statistik

 Das Haus der Statistik erhält eine Förderung, die es in sich hat: Neben 23 weiteren Projekten unterstützt das Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ auch das Projekt in Berlin-Mitte. Nach zehn Jahren Leerstand will die gleichnamige Initiative den DDR-Gebäudekomplex gemeinwohlorientiert entwickeln. Sie reichte die Entwicklung der Erdgeschossflächen beim Bundesprogramm ein. Mit Erfolg: Der Bund fördert das Haus der Statistik mit 3,27 Millionen Euro, das Land Berlin gibt noch 1,63 Millionen Euro dazu.

Zehn Jahre Leerstand, jetzt die Veränderung. Kooperativ und gemeinwohlorientiert wollen Künstler*innen, Architekt*innen, Kulturschaffende und Politiker*innen das Haus der Statistik in Berlin-Mitte entwickeln. Der Gebäudekomplex liegt in der Otto-Braun-Straße, südlich angrenzend an die Karl-Marx-Allee. Er war von 1968 bis 1970 Sitz der Staatlichen Zentralverwaltung für Statistik in der DDR. Im Zuge der Wiedervereinigung zogen hier bundesdeutsche Behörden ein.

Seit 2008 steht der Bau mit 46 000 Quadratmeter Grundfläche leer. Investoren wollten das Gebäude gar 2015 kaufen und abreißen. Dies verhinderte die sogenannte „Initiative Haus der Statistik“ – ein Zusammenschluss aus Künstler*innen, Architekt*innen, Kulturschaffende und Politiker*innen. Sie setze sich dafür ein, das ganze Areal neu und kooperativ zu entwickeln. Die Ideen griffen anschließend die Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Mitte und später der Koalitionsvertrag der rot-rot-grünen Berlin-Regierung auf.

Das Land Berlin kaufte das Areal von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und das Modellprojekt nahm seinen Anfang. Mitte März meldete nun das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, dass das Haus der Statistik im Zuge des Förderprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus“ ausgewählt wurde. Demnach soll die Erdgeschossflächen des Haus der Statistik „zum Ausgangspunkt für die Entwicklung eines resilienten Stadtbausteins werden.“

Baurecht für Haus der Statistik

 

Verantwortlich für das Projekt „Haus der Statistik“ zeichnet eine Berliner Akteurskonstellation mit dem Namen „Koop5“. Die fünf Kooperationspartner*innen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, das Bezirksamt Berlin-Mitte, die landeseigenen Gesellschaften WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte und BIM Berliner Immobilienmanagement sowie die ZUsammenKUNFT Berlin eG arbeiten seit Januar 2018 zusammen.

Sie sollen im Rahmen des BMI-Förderprogramms nun verstärkt gemeinwohlorientierte Pioniernutzungen aus den Bereichen Kunst, Kultur und Bildung in die Erdgeschossflächen des Gebäudekomplexes überführen. Das übergeordnete Ziel des Haus der Statistik: Das Schaffen eines lebendigen Begegnungsortes.
Hierfür lief von September 2018 bis Februar 2019 ein städtebauliches Werkstattverfahren mit den drei Planungsteams Teleinternetcafe und Treibhaus, COBE Berlin und Studio Sörensen sowie ISSS research&architecture, Octagon Architekturkollektiv und Man Made Land.

Die Ideen der Planungsgemeinschaft Teleinternetcafe und Treibhaus aus Berlin und Hamburg überzeugten schließlich die Gutachter*innen. Ihr Entwurf definiert sich dadurch, dass er die Nutzer*innenperspektive stark in den Fokus nimmt. Er bildet die Grundlage für die weitere Entwicklung, der Bezirk Mitte möchte ihn bis 2021 mittels Bebauungsplan-Verfahren in Baurecht überführen.

Entwurf von Teleinternetcafe und Treibhaus

Die aktuelle Planung des Quartiers „Haus der Statistik“ definiert sich durch rund 65 000 Quadratmeter Neubau. Sie soll den Bestand mit 46 000 Quadratmetern ergänzen. Teleinternetcafe und Treibhaus sehen zudem drei Höfe mit dem Spitznamen „Stadtzimmer“ in der Mitte des Areals vor. Sie sollen der gemeinschaftlichen Nutzung und Begegnung dienen.

Eine Wohnbebauung mit zwei 15- und 12-geschossigen Wohnhochhäusern schließt entlang der Berolinastraße östlich ab. Im Westen entsteht ein 16-geschossiger Büroturm an der Otto-Braun-Straße für das neue Rathaus Mitte. Ein definitives Highlight sind die drei sogenannten „Experimentierhäuser“ mit wechselnden Nutzungen. Für zusätzliches Grün in der Nachverdichtung sorgen mehrere Dachgärten und Gemeinschaftsterrassen.

3,27 Millionen Euro vom Bund

Das neue Rathaus für den Bezirk Berlin-Mitte soll bis 2031 im neuen Quartier entstehen.

Im Januar 2021 meldete die Initiative „Haus der Statistik“, dass die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen und Bezirk Berlin-Mitte ein innovatives Partizipationsverfahren für das „Rathaus der Zukunft“ startet. Berliner Bürger*innen sollen sich per digitaler Beteiligung aktiv mit Ideen zur Architektur, Interaktion einer modernen Verwaltung, den Zugänglichkeiten eines „Rathaus der Zukunft“ und der Werten, die das Gebäude widerspiegeln soll, einbringen.

Und nun die nächsten good news: Im Förderprogramm des BMI „Nationale Projekte des Städtebaus“ konnte sich das Haus der Statistik mit seiner Bewerbung „Kuratierte Erdgeschossflächen im Haus der Statistik“ durchsetzen. Das Projekt erhält hierbei eine Bundesförderung in Höhe von 3,27 Millionen Euro, das Land ergänzt den Betrag um weitere 1,63 Millionen Euro.

Äußerst positiv äußerten sich dazu Regula Lüscher, Senatsbaudirektorin und Staatssekretärin bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen: Sie freue sich sehr, dass der Bund mit dem Haus der Statistik ein Projekt des Landes Berlin ausgewählt hätte, das mittels neuer Kooperationsformel und einer breiten Mitwirkung der Zivilgesellschaft Flächen für einen Nutzungsmix aus Kultur, Bildung, Sozialem, öffentlicher Verwaltung und bezahlbarem Wohnraum schaffe, so von offizieller Stelle. Man setze gemeinsam mit den Partner*innen am Haus der Statistik wichtige Impulse einer solidarischen, nachhaltigen und innovativen Stadtentwicklung.

98 Bewerbungen für Bundesprogramm

Seit 2014 fördert der Bund mit dem Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“ jährlich gemeinwohlorientierte und konzeptionelle Vorhaben mit besonderem nationalem oder internationalem Wert. Die ausgewählten Projekte – wie das Haus der Statistik eben auch – definieren sich durch hohe baukulturelle Qualität, überdurchschnittliches Investitionsvolumen sowie ein Innovationspotenzial.

Nach sieben Jahren Laufzeit weist das Bundesprogramm 193 Projekte vor. Die gesamthafte Fördersumme beläuft sich auf 596 Millionen Euro. Ab 2021 fördert der Bund nun 24 weitere Projekte mit insgesamt 75 Millionen Euro. Neben Berlin und dem Haus der Statistik hatten sich insgesamt 98 deutsche Städte und Gemeinden beworben.

Welche Projekte für das Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“ im Jahr 2021 noch ausgewählt wurden, finden Sie hier.

Und by the way: Neben dem Haus der Statistik gibt es auch den Kiez der Statistik. Alles dazu hier.

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Eine Handzeichnung zeigt einen Menschen mit vier Beinen und vier Beinen im Mittelpunkt eines Blattes. Angelegt an die Darstellung des vitruvianischen Menschen.
Cover Photo for future. credits: Büchner Verlag

Um die Klimakrise aufzuhalten, braucht es radikales Umdenken. Kluge Ansätze wie dieses Umdenken aussehen kann, gibt es bereits. Wir finden Sie beispielsweise in der Natur selbst. Der Landschaftsarchitekt Tim Kaysers zeigt in seinem Buch Phyto for future, was wir von Pflanzen lernen können und wie sich anhand dessen alle Lebens- und Wirtschaftszweige umstellen lassen.

Worum es geht: 

Tim Kaysers Credo lautet: Von Pflanzen lernen und anhand dessen alle Lebensbereiche nachhaltiger auszurichten. Mit Phyto for future schreibt er dazu ein persönliches Manifest. In fünf Unterkapiteln zeigt er Wege auf, um gegen die Klimakrise anzukämpfen. Zunächst beschreibt er Wesen und Wechselwirkungen von Pflanzen mit der Umwelt, den Menschen und er Wirtschaft. Anschließend zeigt er auf, wie Prozesse von Pflanzen in den Alltag integriert und gestalterisch interpretiert werden können. Dazu gibt er Beispiele aus der Landwirtschaft, Energieproduktion oder Baubranche. Und hält Phytotipps für alle Bereiche bereit. In seiner Zukunftsvision zeichnet er ein harmonisches Zusammenspiel der verschiedenen Organismen. Für ihn liegt darin der einzige Ausweg aus der Klimakrise. 

Was den Autor auszeichnet:

Tim Kaysers ist im Schwarzwald aufgewachsen, studierte in Berlin und London Landschaftsarchitektur. Während  seiner beruflicher Tätigkeit in China und Ecuador sowie bei zahlreichen Reisen entwickelte er sein tiefes Interesse für das Reich der Pflanzen. Seit 2017 ist bei Planstatt Senner GmbH in Überlingen aktiv.

Das ist eine wichtige Aussage:

„Wir hängen alle zusammen. Wir haben einen Himmel und eine Erde, »Global ist hier«.“ (Seite 224)

Da ist eine Aussagen, die zum Nachdenken anregt:

„Es hat noch nie Konstanz in der Pflanzenwelt gegeben. Alles ist in Veränderung. Es gibt keine harten Grenzen in der Natur, alles fließt. In einer Umgebung, in der die Natur sich selbst überlassen ist, kommen Pflanzen mit Störungen gut zurecht.“ (Seite 35)

Der Klappentext wird erfüllt, weil…

… er einen guten Vorgeschmack auf den Ton der Lektüre gibt. Die Relevanz und Ehrfurcht vor der Pflanzenwelt und den Möglichkeiten, die sie bieten, wird im Buch durch viele Aspekte vertieft.

Mit diesem Wissen aus dem Buch kann man angeben:

Zum Beispiel, dass Pflanzen das wirtschaftlichste und effizienteste System der Erde betreiben. Technisch-monetär ausgedrückt haben die Ökosystemleistungen einen Wert von über 140 Billionen US-Dollar. Das ist doppelt so viel wie das weltweite Bruttoinlandsprodukt. Pflanzen sind demnach doppelt so produktiv wie alle Volkswirtschaften der Erde zusammen.

Mehr Trend als Klassiker, weil…

…es trotz zahlreicher Fakten eher wie eine sehr persönlich verfasste Analyse der aktuellen Situation und eine emotional aufgeladene Streitschrift für den Wandel daherkommt.

Kurzer Satz zu

  • Haptik: Die Publikation ist als Broschüre im DinA4-Format gedruckt.
  • Design: Das Layout ist unaufgeregt und übersichtlich. Auf die reinen Textkapitel folgen am Ende farbige Handskizzen.
  • Lesefluss: Kayser wählt eine sehr einfach verständliche Sprache. Diese ist trotz der Thematik nie wissenschaftlich, sondern äußerst bodenständig formuliert. Dies erleichtert einerseits den Lesefluss, an mancher Stelle werden die Formulierungen der komplexen Thematik nicht immer gerecht.
  • Bildsprache: Die Handzeichnungen wurden mit Buntstiften und Fineliner ausgeführt und für die Publikation gescanned. Damit wird der Charme einer spontanen Skizze eingefangen. Sie erklären Zusammenhänge und geben Sinneseindrücke wieder.
  • Information: Phyto for future ist keine wissenschaftliche Lektüre. Tim Kayser gelingt es jedoch, mit der Vielfalt an Beispielen eine spannende Bandbreite an Themen anzusprechen. Der Anhang umfasst mehrere Seiten mit Literatur- und Internetquellen, die zur weiteren Recherche dienen können.

Was sonst noch wichtig wäre:

Die Lektüre macht die Dringlichkeit eines Umdenken deutlich. Und Kaysers schafft es, seine Überzeugung, dass unserer Zukunft von den Pflanzen abhängt, eindrücklich zu manifestieren.

Weiterer spannender Lesestoff: Manifest der freien Straße.

2023 findet wieder der „Sommer am Main“ statt, für den der Mainkai für den Verkehr unzugänglich ist. Foto: Jo Heubeck, Domi Pfenninger via Unsplash
2023 findet wieder der „Sommer am Main“ statt, für den der Mainkai für den Verkehr unzugänglich ist. Foto: Jo Heubeck, Domi Pfenninger via Unsplash

Auch in diesem Sommer soll der Mainkai Frankfurt wieder für den motorisierten Verkehr gesperrt werden. Der Erfolg der ersten Aktion „Sommer am Main“ 2022, den Mainkai als temporäre Fahrrad- und Fußgänger*innenzone umzunutzen, ist dafür Grundlage. Was letztes Jahr beim Festival stattfand und wie es dieses Jahr gestaltet wird, lesen Sie hier.

https://www.instagram.com/p/ChkhZ93oFGw/

„Sommer am Main“ auch 2023 geplant

Bereits im vergangenen Jahr bewies Frankfurt am Main mit der temporären Umwidmung des Mainkais, welche Qualität innerstädtische Straßenzüge bergen. Für acht Wochen hatte die Stadt damals den Abschnitt zwischen Alter Brücke und Untermainbrücke für den Autoverkehr gesperrt. Hinter der erneuten Sperrung steht die Idee, nicht nur ein temporäres Event rund um die Sommerferien auszurichten. Vielmehr verfolgt die Stadt auf lange Sicht eine komplette Umnutzung der Straße. Die Sperrung dient als Real-Experiment, um die Möglichkeiten der zukünftigen Entwicklung auszuloten. Aus den Erfahrungen im vergangenen Jahr habe man bereits einiges gelernt, so die Verantwortlichen. „Der ‚Sommer am Main‘ hat aus unserer Sicht sehr gut funktioniert“, resümierte Ulrike Gaube, Referentin des Mobilitätsdezernats unter Stefan Maier von den Grünen. Das Projekt versteht sich als bürger*innennahes Stadtraum-Festival. Die Sperrung für den Verkehr wurde dazu sowohl durch ein reichhaltiges Programm mit Sportereignissen und Tanzanlässen begleitet als auch durch eine farbige Intervention im Straßenraum deutlich markiert.

Künstlerische Intervention im Stadtraum durch TAB e.V.

Denn auf rund 300 Metern der insgesamt 700 Meter langen gesperrten Fläche realisierte das Kollektiv TAB.e.V. damals eine großformatige farbige Bemalung. Gerade diese habe ein deutliches Umdenken in der Nutzung bewirkt. Waren die Fußgänger*innen im Jahr 2019 bei einer vorangegangenen Sperrung ohne derartige Gestaltung noch auf den Gehsteigen verblieben, eigneten sie sich die Fläche nun selbstverständlich an. Die Bemalung ist Teil einer partizipativen Stadtgestaltung. So wurde das Projekt vom Kollektiv TAB e.V. initiiert, aber mithilfe von jungen Schüler*innen umgesetzt. Das Street-Art-Kunstwerk beinhaltete Schachbretter und Spielfelder für Fuß- und Streetball. Weiterhin setzte es aber beispielsweise ein künstlerisches Statement für den damaligen Sieg der Eintracht Frankfurt in der Europa-League, welcher stadtweit für Hochgefühle und ausgelassene Stimmung gesorgt hat. Die bunte Interpretation eines sommerlich urbanen Lebensgefühls aktivierte den Stadtraum auf einzigartige Weise. Zahlreiche Besucher*innen tummelten sich auf dem bunten Straßenstreifen.

Hinter TAB e.V. verbirgt sich eine 2015 gegründete Initiative aus Kreativen, Gastronom*innen und Engagierten, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, das Bahnhofsviertel in Frankfurt gestalterisch aufzuwerten. Mittlerweile sind die Mitglieder*innen auch an anderen Standorten in der Stadt aktiv. Durch kreative Impulse versuchen sie Orten zu einem neuen Raumverständnis zu verhelfen. Neben künstlerischen Interventionen wirken sie dabei beispielsweise auch am Massiv Central mit – einer zum Kultur  und Begegnungsort umgenutzten ehemaligen Druckerei. Die Arbeit mit dem Temporären ist dem Kollektiv also bestens vertraut. Schon früh waren sie an die Stadt mit ihrer Idee herangetreten und finanzierten damit den Hauptanziehungspunkt des „Sommers am Main“. Mit den Worten des TAB e.V. Mitglieds und Artist-Managers Florian Joeckel: „Unser Antrieb ist, das Stadtbild aktiv geiler zu machen: Aus der leeren Straße ist etwas Lebendiges geworden, mit einer Aufmerksamkeit, einer Streitbarkeit, und so funktioniert Intervention“

Letztes Jahr wurden die Straßenflächen neben dem Main vom Kollektiv TAB.e.V. bemalt, das dafür Schüler*innen mit einbezog. Als Teil der partizipativen Stadtgestaltung wurden auf die Straßen Schachbretter und Fußballfelder gemalt. Foto: © Frankfurt Photographer
Letztes Jahr wurden die Straßenflächen neben dem Main vom Kollektiv TAB.e.V. bemalt, das dafür Schüler*innen mit einbezog. Als Teil der partizipativen Stadtgestaltung wurden auf die Straßen Schachbretter und Fußballfelder gemalt. Foto: © Frankfurt Photographer

Planungen für den Sommer am Main 2023

Die Vision wurde wohlwollend angenommen. Und so fordern die Verantwortlichen der Stadt für den Mainkai 2023 eine Ausweitung der Bemalung auf die gesamte gesperrte Fläche, damit der „Sommer am Main“ künftig die kompletten 700 Meter aktiv bespiele. Auch weitere Erkenntnisse konnten aus der Aktion im vergangenen Sommer gewonnen werden. So soll diesjährig eine Verschattung der Fläche mit geplant werden, denn der Mainkai liegt exponiert und die Asphaltflächen heizen sich im Sommer stark auf. Katharina Knacker, die mobilitätspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, kündigte für die ferne Zukunft bereits an, den Beton ganz entfernen lassen zu wollen. Dann könnte entlang des Flusses ein dauerhaft qualitativer Aufenthaltsraum entstehen. Bis dahin sind jedoch noch einige Hürden zu nehmen, weil zur kompletten Umgestaltung ein Entwidmungsverfahren notwendig ist. In diesem förmlichen Verfahren muss die Stadt nachweisen, dass die umliegenden Straßen den durch die Sperrung anfallenden Mehrverkehr verkraften können. Ist dies nicht der Fall, müssten sie gegebenenfalls ausgebaut werden.

Wohin mit den PKWs?

Ulrike Gaubers ließ nach dem „Sommer am Main“ 2022 jedoch verlauten, man habe hinsichtlich des Verkehrs positive Erfahrungen sammeln können. Die Stadt hatte dazu ein Umfahrungskonzept ausgearbeitet, um die Straßenzüge auf der gegenüberliegenden Flussseite in Sachsenhausen zu entlasten. Immerhin bis zu 12 000 Fahrzeuge frequentieren den Mainkai jeden Tag. Im Vorfeld der Sperrung war es deshalb vor allem von Anwohner*innen der benachbarten Quartiere zu Beschwerden gekommen. Eine Bürger*innen-Initiative unter dem Namen „Sachsenhausen wehrt sich“ hatte gegen die Mehrbelastung protestiert. Im Zuge einer vorangegangenen Verkehrsplanung wurden 2022 alternative Routen ausgeschildert. Dadurch verringerte sich das Stauaufkommen zu den Stoßzeiten im Vergleich zur Sperrung im Jahr 2019 deutlich. Und auch im Vergleich zum Zustand ohne Sperrung hatten die Autofahrer*innen nur eine verlängerte Fahrzeit um rund ein bis drei Minuten gehabt.

Ein autofreier Mainkai in Frankfurt?

Neben den Auswirkungen auf die PKW erfasste die Stadt noch weitere relevante Daten. So zählten sie in Höhe Eiserner Steg 25 Prozent mehr Radfahrer*innen als gewöhnlich. Eine erfreuliche Entwicklung, die zeigt, dass alternative Mobilitätsformen durchaus Anklang finden, wenn ihnen im Stadtraum mehr Platz und sichere Routen gewährt werden. Die Verastalter*innen des „Sommers am Main“ sind mit den Erkenntnissen zufrieden. Und mit der erneuten Bespielung im Sommer 2023 wird ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Umnutzung des Mainkais genommen. Ulrike Gaude betont, dass man sich dabei auf dem besten Wege befinde: „Mit den aktuellen Entwicklungen ist ein permanentes Umnutzen bereits vorstellbar“.

Temporäre Projekte im Stadtraum gibt es nicht nur in Frankfurt. Doch was taugen diese Zwischennutzungen wirklich und inwiefern profitiert die lokale Stadtentwicklung davon?