Das Schloss Heidelberg - der traditionelle Veranstaltungsort der Heidelberger Schlossgespräche. Foto: Daniel Splisser via Unsplash
Das Schloss Heidelberg - der traditionelle Veranstaltungsort der Heidelberger Schlossgespräche. Foto: Daniel Splisser via Unsplash

Am 7. November 2023 finden im Schloss Heidelberg zum 22. Mal die Heidelberger Schlossgespräche statt. Andrea Gebhard, die Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, spricht dabei über ihre eigenen Werke und diskutiert zusammen mit dem Baubotaniker Prof. Ferdinand Ludwig (TU München) und Philip Haggeney vom Büro RMP Stephan Lenzen, den Planer*innen der BUGA-Mannheim, über das Thema des Abends: Kann die Transformation gelingen?

Zündfunke der Denkmalpflege

Während die Initiative „Heidelberger Schlossgespräche“ 2011 begann, reicht die Geschichte des Events eigentlich bis um 1900 zurück. Vor rund 100 Jahren entstand im Heidelberger Schloss eine Art „Zündfunke“ für den Begriff der Denkmalpflege. Als es damals um die Wiederherstellung des kaputten Schlosses ging wurden zum ersten Mal Möglichkeiten und Grenzen von Erhalt, Rekonstruktion und baulicher Erweiterung deutschlandweit diskutiert. Bis heute ist kaum ein Ort in Deutschland so eng mit der Reflexion der Grundsätze im Umgang mit historischen Ensembles verbunden. Das Heidelberger Schloss als Veranstaltungsgebäude ist also kein Zufall, sondern jahrelange Tradition.

Mehr als Alt und Neu

Obwohl der Austragungsort über all die Jahre erhalten blieb, umfassen die Schlossgespräche heute ein viel weiteres Spektrum als damals. Wenn zweimal im Jahr Besucher*innen hinauf in den Königssaal des Schlosses pilgern, geht es dort neben „Alt und Neu“ auch um Dichte, Heimat, Bauen in anderen Kulturen, neues Wohnen oder Bauwende-Themen wie Nachhaltigkeit, Klimaschutz oder energetisches Bauen. Die Gespräche beschäftigen sich mit dem Bauen der letzten Dekaden, das mit seinen Entwicklungen, Tendenzen und Erkenntnissen das Bauen von morgen vorantreibt. Zudem werden in allen die Schlossgespräche unterstützenden Einrichtungen traditionell etablierte und hochkarätige „Baugespräche“ geführt. Auch das Schloss selbst führt diesen Aspekt der Heidelberger Gesprächskultur fort. Dieses Mal ist das Thema Transformation – beziehungsweise die Frage, ob diese gelingen kann.

Heidelberger Schlossgespräche: Von Qualität und Faszination

Mit mittlerweile 500-600 Zuhörer*innen sind die Heidelberger Schlossgespräche heute eine der renommiertesten und am besten besuchten regelmäßigen Architekturveranstaltungen in Deutschland. Sie wollen guten Städtebau und Architektur mit Qualität vorantreiben und besser verstehbar machen. Auch die Faszination, die beide Themen beinhalten, soll durch die Veranstaltungen lebendig und spürbar gemacht werden – vor allem in Zeiten, in denen die Bürgerschaft aktiv an städtebaulichen Entwicklungsprozessen teilnimmt. Angesprochen wird die breite Öffentlichkeit. Nachdem bekannte Architekt*innen vorgestellt, ihre Werke präsentiert, und ihre Haltungen zu aktuellen Fragen des Bauens behandelt werden, gibt es am Ende eine gemeinsame Diskussion, in der Fragen des Publikums beantwortet werden und sich Hauptgäste, Fachleute und Zuhörer*innen untereinander austauschen.

Bürgerbeteiligung und Vorbildfuktion

Dabei wird deutlich, dass öffentliche Beteiligungsprozesse bei Bürger*innen ein Mindestmaß an Information, sowie Planungs- und Architekturverständnis voraussetzen. Auch deshalb sollen die Heidelberger Schlossgespräche für alle Architekturinteressierten den Dialog eröffnen: Über die Ästhetik des Bauens und die Freude an qualitätvoller Architektur. Besonders die Staatliche Vermögens- und Hochbauverwaltung Baden-Württemberg und die Stadt Heidelberg als Bauherren sehen sich der Gesellschaft gegenüber in einer Art Vorbildfunktion beim Umgang mit den ihnen anvertrauten Kulturliegenschaften. Zusammen mit ihren Projektpartnern, der Architektenkammer Baden-Württemberg, dem Bund Deutscher Architekten und der SRH Hochschule leisten sie einen bedeutenden Beitrag zur Pflege der Baukultur.

Die Erfolgsgeschichte und Dokumentation der Heidelberger Schlossgespräche ist auf der Homepage festgehalten. Bisher gibt es außerdem zwei Buchbände mit den ersten zehn Gesprächen, weitere werden folgen. Im Jahr 2018 kam darüber hinaus ein internationales Ausstellungsprojekt dazu. Es besteht aus individuellen Ausstellungstafeln der Architekt*innen und aus Architekturfotografien von internationalen Spitzenfotograf*innen. Ereignistafeln dokumentieren auch die Veranstaltungsabende im Königsaal. Insgesamt wächst und verändert sich die Ausstellung stetig: Mit jedem Schlossgespräch kommen spannende neue Inhalte hinzu.

Die Heidelberger Schlossgespräche finden am 7. November 2023 um 19 Uhr im Königsaal statt. Der Eintritt ist frei.

Im Juli 2023 fand in Berlin das Greentech Festival statt. Dort tauschen sich Akteur*innen aus der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zu nachhaltigen Themen aus. Alles zu dem Event hier.

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Die Sphäre „Wasser“

Die Sphäre „Wasser“ (Visualisierung: bloomimages Berlin GmbH)

In zwei Jahren lädt Kirchheim in Bayern zur Landesgartenschau ein. Dann ist der neue, zehn Hektar große Park fertig, der Raum für Erholung und Spiel im Grünen bieten soll. Darüber hinaus soll der neue Ortspark die bislang räumlich getrennten Gemeindeteile Kirchheim und Heimstetten miteinander verbinden.

Der neue Ortspark in Kirchheim wird Heimat für viele heimische Baumarten sein, die im Wechsel mit sogenannten Klimabäumen stehen. Letztere sind den Herausforderungen des Klimawandels besonders gut gewachsen und entsprechend resilient. Das ist wichtig. Denn der neue Park, der im Rahmen der Landesgartenschau Kirchheim derzeit wächst, wird ein dauerhaftes grünes Band bilden. Dieses wird die Gemeindeteile Kirchheim und Heimstetten miteinander verbinden. Zukünftig kommen hier also viele Generationen aus beiden Ortsteilen zusammen. Sie wachsen regelrecht zusammen.

Die Pflanzen auf der Landesgartenschau

Die Pflanzkonzept für den neuen Park in Kirchheim haben die Landschaftsarchitetkt*innen vom Büro SINAI erarbeitet. Dabei war ihnen wichtig, dass klimaresiliente und heimische Bäume in Balance stehen. Sie nennen ihr Konzept für die Landesgartenschau Kirchheim: Gemischtes Doppel. Damit verweist SINAI darauf, dass jede klassische, heimische Baumart ein Gegenüber aus dem Repertoire der Klimabaumarten bekommt. Insgesamt wachsen im neuen Ortspark demnächst mehr als 700 Bäume.

Neben den Bäumen werden in Kirchheim Rasenflächen für Spiel und Bewegung und Wiesen neu angelegt. Darüber hinaus kommen Sträucher, Stauden, Hecken, Schilf und Gräser dazu. Im Bereich der sogenannten Sphäre „Wildnis“ und in der Sphäre „Wald“ bleibt auch viel Bestandsgrün erhalten.

Die Sphäre „Garten

Den Auftakt der Landesgartenschau Kirchheim bildet die sogenannte Sphäre „Garten“. Sie beherbergt die Bürgergärten, eine Streuobstwiese und eine bestehende Fliederhecke. In diesem Areal steht die gemeinschaftliche Bewirtschaftung im Vordergrund. Deshalb werden hier vor allem Gehölze mit essbaren Früchten zu finden sein. Darüber hinaus entstehen im Garten drei neue Jahrgangswäldchen mit jeweils 100 Zierapfelbäumen. Dieser neue Apfelhain ist ein Geschenk der Gemeinde Kirchheim und der Landesgartenschau an den Kirchheimer Nachwuchs der Jahrgänge 2021, 2022 und 2023. Der Hain steht dabei symbolisch für das Motto der Landesgartenschau Kirchheim „Zusammen.Wachsen“.

Herzstück in der Sphäre „Wasser“

In der Sphäre „Wasser“ bildet ein neuer Parksee den Mittelpunkt. Mit knapp 7400 Quadratmetern bildet er eine große Wasserfläche. Darüber hinaus bildet sein naturnaher Ufersaum Tieren und Pflanzen neuen Lebensraum in Kirchheim. Die Liegewiese am Westufer des Sees wird mit Auenbäumen bepflanzt. Und für die Wasser- und Uferzonen werden, je nach Wassertiefe, passende Wasser- und Schwimmblattpflanzen ausgewählt. Sie allen bereichern das Areal der Landesgartenschau Kirchheim um vielfältige neue Lebensräume für Insekten und andere Kleintiere.

In der Sphäre „Wildnis“ in Kirchheim

Die Sphäre „Wildnis“ verdankt ihre Bezeichnung dem Bestand. Die bestehende Vegetation wird hier durch Lichtungen und neu angelegte Wege erlebbar. Sie werden aber nicht überall begehbar werden.

In der Vorbereitung für die Landesgartenschau Kirchheim wurden mehrere Bäume gefällt und bestehender Aufwuchs entfernt. Dafür werden an anderer Stelle in der Wildnis 73 Bäume neu gesetzt. In Vorbereitung der Landesgartenschau Kirchheim wurde im vergangenen Jahr bereits bestehender Bewuchs entfernt. Dafür wachsen in der Sphäre „Wald“ demnächst 67 neue Bäume.

Die Sphäre „Wiese“ auf der Landesgartenschau

Im südlichen Bereich der Landesgartenschau Kirchheim liegt der Schwerpunkt auf großen, autochthonen Blühwiesen. Diese bieten idealen Lebensraum für zahlreiche Insekten- und Schmetterlingsarten. Dieser besondere Wiesenbereich lebt außerdem von großen Solitärbäumen, von einzelnen Baumreihen, Fliederhecken und Stauden. Sie allen fassen den Wiesenbereich ein und geben ihm Struktur.

Bänke im Ortspark

Neben den vielen neuen Bäumen auf dem Areal der Landesgartenschau Kirchheim werden etwa 200 Bänke im Ortspark aufgestellt. Die bieten den Menschen die Möglichkeit sich auszuruhen und zu entspannen. Genauso wie für die neuen Bäume vergibt die Landesgartenschau Kirchheim 2024 GmbH auch Patenschaften für die Bänke. Auf einer eigenen Website können die ab Frühjahr 2022 erworben werden. Auf diese Weise können interessierte Bürger*innen und Unternehmen sich persönlich einbringen und die Entstehung der Landesgartenschau Kirchheim fördern.

Energieholz auf temporären Flächen

Während der Landesgartenschau in Kirchheim wächst das Veranstaltungsgelände um weitere vier Hektar Grünfläche. Diese ergänzen im Jahr 2024 also den neuen, zehn Hektar großen Ortspark. Hier werden temporäre Ausstellungsflächen eingerichtet, die Platz für etwa 50 Aussteller*innen bieten. Sie alle informieren die Besucher*innen der Landesgartenschau zu Themen wie Gartengestaltung, Umweltschutz, Klimaschutz, nachhaltige Energie und grüne Mobilität. Auf diesen Ausstellungsflächen sind die Baumpflanzungen von Anfang an als Energieholzplantage vorgesehen und dem Thema nachhaltige Energie verpflichtet. Die ersten Bäume sind schon im März 2022 gepflanzt worden. Nach Abschluss der Landesgartenschau Kirchheim werden sie dann zu Energieholz weiterverarbeitet.

Im Bereich der Gewinnung erneuerbarer Energie spielt Holz eine wichtige Rolle. Denn anders als bei Wind- und Sonnenenergie kann Holz zu jedem Zeitpunkt verfügbare Energie liefern. Auf diese Weise kann Energieholz dabei helfen, den Umstieg von fossilen auf alternative Energieträger zu beschleunigen. Es kann helfen, die Energieversorgung langfristig sicherzustellen. Das ist schon jetzt wichtiger denn je und ein guter Ausblick auf die bayrische Landesgartenschau in Kirchheim im Jahr 2024.

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BürosSINAI

COP15 in Montreal, Biodiversität im Fokus

Die COP15 findet vom 7. bis 19. Dezember in Montreal statt. Bildquelle: Unsplash
Die COP15 findet vom 7. bis 19. Dezember in Montreal statt. Bildquelle: Unsplash

COP27 ist gerade vorbei und schon startet die nächste COP am 7. Dezember: Bei der COP15 in Montreal geht es um Biodiversität. Das Ziel der UN-Konferenz besteht darin, ein neues Regelwerk zum verbesserten Schutz der Biodiversität weltweit zu entwickeln. Lesen Sie hier alles über die Konferenz.

Die Bedeutung der Biodiversitäts-COP

Laut dem Living Planet Report 2022 ist die Biodiversität unseres Planeten in den letzten Jahrzehnten drastisch gesunken. Die durchschnittliche Populationsgröße von Wildtieren ist weltweit seit 1970 um etwa 69% gefallen. Umso wichtiger ist es, sich mit dieser Krise zu beschäftigen. Bei der COP15, an der die gleichen Vertragsparteien teilnehmen wie an der Klimakonferenz (zuletzt COP27 im November 2022), geht es vom 7. bis 19. Dezember in Montreal, Kanada, um einen neuen globalen Vertrag zur Förderung der Biodiversität.

Der lang erwartete Gipfel, der ähnlich wie die Klimakonferenzen regelmäßig stattfindet, musste mehrfach verschoben werden. Ursprünglich war er für das Jahr 2020 in Kunming, China, geplant. Durch die Corona-Pandemie kam es stattdessen zu einer zweiteiligen Veranstaltung. Der erste Teil fand im Oktober 2021 statt, gefolgt von einem zweiten Teil im Frühjahr 2022. Jedoch kam es dabei zu keiner Einigung. Daher setzte die UN Interims-Besprechungen in Nairobi an. Aufgrund der steigenden Corona-Zahlen in China findet das Treffen nun in Kanada statt.

Die Hoffnung besteht darin, eine globale Einigung zum Schutz und zur Verbesserung der Biodiversität zu treffen, die dem Pariser Klimaabkommen ähneln soll. Dabei stehen jedoch Habitats, Ökosysteme, Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen im Vordergrund. Der Verlust der Biodiversität bedroht auch Menschen, da er den Klimawandel beschleunigt und unter anderem Ernährungsgrundlagen zerstört.

Bei der COP15 geht es darum, den Verlust der Biodiversität aufzuhalten und die natürliche Vielfalt zu schützen. Bildquelle: Unsplash
Bei der COP15 geht es darum, den Verlust der Biodiversität aufzuhalten und die natürliche Vielfalt zu schützen. Bildquelle: Unsplash

Die Erwartungen für COP15

Derzeit ist die UN Convention on Biological Diversity (CBD) das wichtigste Regelwerk zur Biodiversität. 196 Länder – die COP-Vertragsparteien – haben es ratifiziert. Der erste Entwurf stammt aus dem Jahr 1992. Es folgte ein Beschluss im Jahr 2010 zu Biodiversitäts-Zielen, die in der Dekade der Biodiversität von 2010 bis 2020 umgesetzt werden sollten. Jedoch konnte keines dieser Ziele erfüllt werden. Noch dazu hat die Pandemie den Fortschritt aufgehalten.

Daher geht es bei der COP15 zur Biodiversität nun darum, die CBD auf den neuesten Stand zu bringen und neue Ziele für die aktuelle Dekade zu formulieren. Teilnehmende hoffen auf einen „Deal for Nature”, der ein Ende des Biodiversitätsverlusts vorschreibt und dazu beiträgt, Bemühungen zur Verbesserung von Ökosystemen und Habitats zu unterstützen, zu beschleunigen und auf politische Agenden zu setzen. Die Deadline für das Ende des Biodiversitätsverlusts ist dabei das Jahr 2030, wobei einige Umweltgruppen für ein früheres Datum plädieren.

Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität

Anders als die COP-Klimakonferenzen erhalten die Biodiversitätskonferenzen weniger mediale Aufmerksamkeit. Regierungschefs nehmen nicht an der Konferenz teil. Rufe danach, die COP15 mit der COP27 zu kombinieren, waren nicht erfolgreich, da beide Konferenzen ohnehin schon zahlreiche Themen in kurzer Zeit bearbeiten. Delegierte werden ab dieser Woche die folgenden Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität diskutieren:

  • Schutz- und Erhaltungsprogramme für 30% der Lebensräume an Land und im Wasser
  • Strengere Vorschriften zur Eindämmung von invasiven Arten
  • Verpflichtung von Unternehmen zur Berichterstattung über Auswirkungen auf die biologische Vielfalt
  • Verpflichtung zur Reduzierung des Pestizideinsatzes in der Landwirtschaft
  • Reformierung oder Streichung von Subventionen für Industrien, die die Natur ausbeuten
  • Kooperation mit privaten Geldgebern, um umweltschadende Finanzströme umzulenken
  • Bereitstellung von Internationalen Finanzmitteln für biologische Vielfalt sowie Aufstockung der Mittel für einkommensschwache Länder (jährliche Erhöhung um 200 Mrd. US-Dollar)

Bisher haben sich Länder wie China, Russland, die USA und Indien bei den Biodiversitäts-COPs zurückgehalten. Ein großer Gewinn für das Vorhaben der COP15 ist jedoch bereits jetzt die Wiederwahl des früheren brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva. Er spricht sich für den Schutz des brasilianischen Regenwalds aus.

Übrigens: Bei der Gartenschau in Lindau im Jahr 2021 gab es viele spannende Ausstellungen zum Thema Biodiversität.