Rakotzbrücke frisch restauriert

Eines der bekanntesten Wahrzeichen der Lausitz ist frisch renoviert. Nach jahrelanger Sanierung strahlt die Rakotzbrücke wieder. Das spektakuläre Brückenbauwerk ist ein wichtiges Highlight im großen Azaleen- und Rhododendronpark im Osten von Sachsen.

Keine 500 Einwohner*innen zählt der kleine Ort Kromlau. Dennoch ist er auf vielen Fotos zu sehen. Genauer gesagt ist nicht der Ort das Fotomotiv. Vielmehr fasziniert die spektakuläre Rakotzbrücke. Sie liegt mitten im großen Azaleen- und Rhododendron-Park. Der markante Bogen dieser steinernen Brücke ist atemberaubend. Heute mehr denn je. Denn nach jahrelanger Restaurierung ist die Brücke wieder sichtbar.

Kromlau und sein Landschaftspark

Kromlau ist ein Ortsteil von Gablenz im Landkreis Görlitz. Das Dorf würde kaum einer kennen, läge dort nicht der größte Rhododendronpark Deutschlands. Der lockt viele Pflanzenliebhaber*innen an. Viele zieht es aber auch dorthin, weil er die bekannte Rakotzbrücke berherbergt. Der Azaleen- und Rhododendronpark Kromlau umfasst circa 200 Hektar. Damit gilt dieser große Landschaftspark als die größte Rhododendrenanlage in Deutschland. Besucher*innen müssen keinen Eintritt zahlen. Entsprechend sind auch die Rakotzbrücke und andere steinernen Skulpturen jederzeit zugänglich.

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Die Anfänge auf Gut Kromlau

Ein Zeitgenosse des bekannten Hermann Ludwig Heinrich Fürst von Pückler-Muskau erwarb 1842 das Gut Kromlau. Kurz danach begann er mit den ersten Anpflanzungen einheimischer und fremdländischer Gehölze. Er wurde auch der kleine Pückler genannt. Als solcher scheute er keine Kosten. Er ließ auf nahezu 800 Morgen Teiche anlegen und Hügel aufschütten, die er mit Eichen krönte. Seltene Gehölze, mythologische und Rokoko-Standbilder sowie Basaltgrotten entstanden. Auch der bekannte Bogen der Rakotzbrücke gehört dazu. Er besteht aus Feldsteinen und Basaltstein. Dieses Material ließ der Gutsherr aus verschiedenen Steinbrüchen der Sächsischen Schweiz und Böhmen herbeischaffen. Ochsenkarren meisterten den Transport.

Neue Eigentümer, neue Aktivitäten

Friedrich Herrmann Rötschke tauschte das Gut Kromlau mit seiner Rakotzbrücke etwas 30 Jahre nach Erwerb gegen andere Bauplätze. In den Folgejahren wechselten die Eigentumsverhältnisse mehrfach. Erst 1889 kehrte Ruhe ein. Da erwarb Graf von und zu Egloffstein-Arklitten das Gelände. Er beauftragte den Gartenbauinspektor Georg Eichler mit der Pflege der Anlage. Dieser ergänzte die bisherigen Baum- und Strauchgewächse mit Rhododendren und Azaleen. In großem Umfang gepflanzt, trugen sie zum harmonischen Erscheinungsbild des Parks bei. Darüber hinaus legte der Gartengestalter bestimmte Blumenzüchtungen zum Verkauf an. Die generierten willkommene Nebenverdienste. Die wiederum kamen der weiteren Entwicklung des Parks zugute. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging der Landschaftspark mit der bekannten Rakotzbrücke in Volkseigentum über. Erst Mitte der 1960er Jahre bekam er neue Aufmerksamkeit. Der Park wurde wieder gepflegt und rekonstruiert. Die Rakotzbrücke blieb besonderer Anziehungspunkt.

Mehr Eindrücke von der Brücke gibt es in diesem Video.

Die Rakotzbrücke

Neben dem Kromlauer Schloss zählt die Rakotzbrücke zu den wichtigsten Bauwerken im Park. Ihr steinerner Bogen ist aussergewöhnlich rund. Spiegelt sich dessen Halbkreis im See, erscheint ein perfekter Kreis im Wasser. Die aus Basalt- sowie Feldsteinen errichtete Brücke überspannt den darunter liegenden Rakotzsee auf 35 Metern Länge. Obwohl zahlreiche Wanderwege den Park queren, darf die Brücke nicht mehr betreten werden.

Rakotzbrücke gleich Teufelsbrücke

Die Wurzeln des Ortes Kromlau liegen im Sorbischen. So überrascht nicht, dass der Name der Brücke sorbischen Ursprungs ist. Rakotz heißt in der sorbischen Sprache Krebs. Der Volksmund nennt die Rakotzbrücke deshalb auch die Teufelsbrücke. Denn früher glaubten die Menschen, nur der gehörnte Beelzebub könnte einen so filigranen Brückenbogen bauen. Heute zieht die Brücke Fotograf*innen aus aller Welt an. Auf den Fotos wird meist auch die hinter der Brücke liegende Skulptur, die Orgel, mit erfasst. Den größten Auftritt hatte das spiegelnde Rund der Rakotzbrücke in der Märchenverfilmung „Der Zauberlehrling“.

Sanierung der Rakotzbrücke

Mittlerweile ist die Gemeinde Gablenz Eigentümerin des Landschaftsparks. Im Jahr 2018 bekam sie Fördermittel aus verschiedenen Programmen des Bundes, des Freistaats Sachsen und der EU zugesagt. Seitdem hat sich viel an der Rakotzbrücke und im Rhododendronpark verändert. Baumaßnahmen verschiedener Art standen an. Neben der Sanierung der Rakotzbrücke wurden außerdem eine Basaltsäulengruppe und die 1956 eingestürzte Grotte zwischen Rakotzbrücke und Freitreppe saniert. Die Instandsetzungen sind nun abgeschlossen. Der Bauzaun ist entfernt und auch der dazugehörige See ist wieder mit Wasser gefüllt. Das Baugerüst um die Rakotzbrücke wurde im November 2020 entfernt. Nach der Sanierung der Brücke erfolgte die Abdichtung des Sees. Denn nur ein gleichbleibender Wasserspiegel kann den Spiegeleffekt perfekt zur Geltung bringen.

Weitere Arbeiten im Park

Neben der bekannten Rakotzbrücke erstrahlen weitere Skulpturen in neuer Pracht. Die Steingruppe Richterstuhl und die historische Brücke am Inselteich im Westen des Park sind überdies saniert. Obgleich coronabedingt im Frühsommer 2021 kein Parkfest stattfinden konnte, kamen die Besucher*innen zahlreich zur Wiedereröffnung des Parks. In insgesamt vier Jahren wurde der gesamte Park ertüchtigt. 8,5 Kilometer Parkwege gehören dazu. Auch rund um den Inselteich wurden vergessene Wege neu angelegt. Ein Brunnen sorgt dafür, dass der Teich wieder mit Wasser gefüllt ist. Jetzt spiegelt sich die neue Asiatische Brücke hier. Außerdem wurden Neupflanzungen getätigt. Der Hauptparkplatz am Ortseingang Kromlau hat einen Infopunkt mit öffentlichen Toiletten bekommen. Nun ist dieser wichtige kulturelle Ort für die kommenden Jahrzehnte gesichert.

Lust auf eine weitere Brücke? Wir zeigen Ihnen eine der längsten Fußgänger*innenhängebrücken weltweit – die „Arouca 516“ im Arouca Geopark.