IBA Basel Fachpublikation von GEORG Media

IBA Basel Fachpublikation von GEORG Media

Für die Erstellung der IBA Basel Fachpublikation „Gemeinsam Grenzen überschreiten – Au-delà des limites, ensemble“ beauftragte die IBA Basel 2020 das Münchner Medienhaus Georg Media, in dem auch die G+L erscheint. Die Publikation kann nun im Shop von Georg Media bestellt werden.

IBA Basel Fachpublikation: im Überblick

320 Seiten, 43 Projekte, 170 Abbildungen – in der Fachpublikation „Gemeinsam Grenzen überschreiten – Au-delà des limites, ensemble“ blicken einerseits IBA Fachexpert*innen, Politiker*innen und Projektträger*innen gemeinsam zurück auf die Erfolgsgeschichte der IBA Basel 2020 und erläutern andererseits die unterschiedlichen Facetten der Thematik von Grenzen und Grenzregionen. Mit der Veröffentlichung legt die IBA Basel zum Ende des zehnjährigen Planungsprozesses in der trinationalen Agglomeration Basel also eine umfassende Dokumentation ihrer Prozesse und Projekte vor.

Facebook

Mit dem Laden des Beitrags akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Facebook.
Mehr erfahren

Beitrag laden

IBA Basel Fachpublikation: Aufbau

Die Publikation gewährt Einblick in zehn Jahre Lernprozess und Diskurs. Das erste Kapitel legt den Fokus auf die Entstehungsgeschichte und den kulturpolitischen Kontext. Das zweite Kapitel widmet sich außerdem den IBA Projekten, dem Vorgehen der IBA Basel ­Geschäftsstelle und den verwendeten Formaten. Eine Analyse mit Blick in die Post-IBA-Phase wird schließlich im dritten Teil dieser Fachpublikation behandelt. Welche neue Praxis wird angewendet? Was bleibt nach zehn Jahren Lernprozess? Eine Bilanz zur IBA Basel ziehen anschließend Dr. Ursula Baus, Dr. Angelus Eisinger, Dr. Maria Lezzi, Prof. Dr. Martina Löw, Peter Pakesch sowie Prof. Dr. Alain Thierstein in einem gemeinsamen Austausch mit der IBA Geschäftsführerin Monica Linder-Guarnaccia. Und alle Erkenntnisse der Wirkungsanalyse der RWTH Aachen University unter der Leitung von Prof. Dr. Agnes Förster, sind darüber hinaus ab Seite 266 zu lesen.

IBA Basel holt sich Georg Media an Bord

Für die Umsetzung der Publikation arbeitete die IBA Basel mit den Kommunikationsexpert*innen von Georg Media zusammen. Das Münchner Medienhaus verantwortete sowohl das grafische Konzept als auch den redaktionellen Aufbau sowie die Umsetzung der zweisprachigen Publikation. Das Endprodukt kann sich indes sehen lassen: Die Fachpublikation fasst die kompletten zehn Jahre IBA Basel erstens umfassend und zweitens konzentriert zusammen.

Hinter Grenzen kann man sich nicht verstecken

 

„Eine Internationale Bauausstellung geht nie einfach zu Ende. Ihr Ziel ist es immer, mit den durch sie erlangten Erfahrungen Impulse an Orte mit ähnlichen Herausforderungen weiterzugeben. Im engen Austausch mit der IBA haben wir in der IBA Basel Fachpublikation das gesammelte Wissen zu grenzüberschreitender Zusammenarbeit von über 65 projektbeteiligten Akteur*innen aus drei Nationen so aufbereitet, dass andere Grenzregionen von ihr lernen können. Die Fachpublikation informiert umfassend, gleichzeitig bereitet sie aber auch einfach viel Spaß beim Lesen“, sagt G+L-Chefredakteurin Theresa Ramisch, die das Projekt hauptverantwortlich betreute.

„Die Publikation vermittelt die zentrale Botschaft der IBA Basel: Um auf die Bedürfnisse von Menschen in Grenzregionen reagieren zu können, müssen politische Grenzen überwunden werden. Ob Klimawandel, Digitalisierung oder Globalisierung – die IBA Basel macht deutlich: Hinter Grenzen kann man sich nicht verstecken. Wir freuen uns, dass wir als Georg Media die IBA Basel bei diesem, so hoch aktuellen Thema mit der IBA Fachpublikation unterstützen durften“ ergänzt Tobias Hager, Content Director bei Georg Media.

Die IBA Fachpublikation zur IBA Basel können Sie hier bestellen.

Und einen Überblick zur IBA Basel finden Sie hier.

Hier blättern wir für Sie einmal durchs Buch.

Das könnte Sie auch interessieren
Foto: © ELBE&FLUT / Thomas Hampel
Aus Parkhaus wird Vorzeige-Wohnbau
FLUSS.RAUM.ENTWERFEN
Wissenschaftlich ist der Klimawandel gelöst, kulturell noch lange nicht. Welchen Beitrag leistet hier die Landschaftsarchitektur-Forschung?
Perspektiven zum Mikroklima
Adventskalender Tag 20
Versuchsfeld im Forschungsprojekt „Sportanlagen als Sickeranlagen“
Galabau Nürnberg: bdla lädt zur Baubesprechung
Post-industrieller Paradigmenwechsel
Frankfurts Dächer und Fassaden sollen durch die neue Freiraumsatzung grüner werden. Foto: Julian via Unsplash
Freiraumsatzung Frankfurt verpflichtet zur Fassadenbegrünung
Foto: The Krank © 2026
The Hunt, Othonoi
6 Stolpersteine, die sie bei einer Fahrradabstellanlage vermeiden sollten
Wettbewerbsbeitrag Energiecampus Dortmund, Abbildung: asp Architekten
Energiecampus Dortmund: Wettbewerb entschieden

KI-unterstützte Quartiersvergleiche – welche Parameter zählen wirklich?

luftaufnahme-einer-stadt-durch-die-ein-fluss-fliesst-P2d8SKdbjEE
Luftaufnahme einer österreichischen Stadt mit Fluss, fotografiert von Carrie Borden.

Künstliche Intelligenz als neuer Maßstab für Quartiersvergleiche? Was nach Zukunftsmusik klingt, ist in der Stadtentwicklung längst Realität. Doch worauf kommt es wirklich an, wenn Algorithmen Stadtquartiere analysieren, bewerten und vergleichen? Zwischen Datenflut, automatisierten Rankings und urbaner Komplexität stellt sich die Frage: Welche Parameter zählen tatsächlich – und was ist nur digitaler Lärm?

  • Definition und Entwicklung KI-unterstützter Quartiersvergleiche in der Stadtplanung
  • Relevante Parameter: Von klassischen Indikatoren zu datengetriebenen Messgrößen
  • Wie KI Daten erfasst, verarbeitet und Quartiere vergleichbar macht
  • Stärken, Limitationen und blinde Flecken algorithmischer Analysen
  • Praxisbeispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Governance, Transparenz und die Bedeutung fachlicher Einordnung
  • Chancen für nachhaltige, sozial gerechte und resiliente Stadtentwicklung
  • Kritische Reflexion: Wer profitiert, wer bleibt außen vor?
  • Konkrete Empfehlungen für Planer, Verwaltungen und Entwickler

KI-unterstützte Quartiersvergleiche: Vom Bauchgefühl zur datengetriebenen Stadtanalyse

Die Vorstellung, Stadtquartiere systematisch miteinander zu vergleichen, ist so alt wie die Stadtplanung selbst. Schon in den 1920er Jahren wurden statistische Methoden genutzt, um soziale Brennpunkte zu identifizieren oder Wohnqualität zu bewerten. Doch mit dem Siegeszug der künstlichen Intelligenz (KI) erleben Quartiersvergleiche einen radikalen Wandel – von der manuellen Auswertung einzelner Kennzahlen zu komplexen, automatisierten Analysen, die Milliarden von Datenpunkten in Sekunden verarbeiten. Was früher als „Bestandsaufnahme“ galt, ist heute Teil eines hochdynamischen, digitalen Bewertungsprozesses, der weit mehr kann als bloß Wohnungsgrößen und Mietpreise nebeneinanderzustellen.

KI-unterstützte Quartiersvergleiche setzen dort an, wo klassische Stadtplanung an ihre Grenzen stößt: Sie schaffen es, unterschiedlichste Parameter – von Verkehrsströmen über Klimaindikatoren bis hin zu sozialen Strukturen – miteinander zu verknüpfen und daraus neue, oft überraschende Muster zu erkennen. Dabei werden nicht nur bestehende Datenbanken genutzt, sondern auch Echtzeitdaten aus Sensorik, Mobilitätsplattformen, Wetterstationen und sozialen Medien integriert. Die Resultate sind digitale Quartiersprofile, die auf Knopfdruck vergleichbar, filterbar und analysierbar sind.

Doch so verlockend die Vorstellung eines objektiven, KI-basierten Rankings auch sein mag: Die Realität ist komplexer. Denn Quartiere sind keine homogenen Einheiten, sondern lebendige Systeme mit eigenen Dynamiken, Geschichten und Herausforderungen. Genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen: KI kann zwar Muster erkennen, Wahrscheinlichkeiten berechnen und Anomalien identifizieren – aber sie versteht nicht automatisch die lokalen Besonderheiten, die ein Quartier einzigartig machen.

Die Kunst besteht also darin, aus der Vielzahl potenzieller Parameter diejenigen auszuwählen, die tatsächlich relevant sind. Das klingt banal, ist aber eine der größten Herausforderungen der datengetriebenen Stadtentwicklung. Denn je nach Fragestellung kann ein und dasselbe Quartier als Vorbild für Nachhaltigkeit oder als Problemfall für soziale Integration gelten – je nachdem, welche Indikatoren in den Algorithmus eingespeist werden.

Es ist daher kein Zufall, dass viele Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz derzeit mit KI-gestützten Quartiersvergleichen experimentieren, aber noch nach der perfekten Formel suchen. Die Entwicklung ist rasant, der Diskurs offen – und die Frage, welche Parameter wirklich zählen, bleibt hochaktuell. Eines ist sicher: Quartiersvergleiche werden nie wieder so sein wie früher.

Welche Parameter zählen wirklich? Von der Datenauswahl zur urbanen Wirklichkeit

Die zentrale Frage bei KI-unterstützten Quartiersvergleichen lautet: Nach welchen Kriterien wird gemessen? Die Antwort ist ebenso vielschichtig wie die Stadt selbst. Klassische Indikatoren wie Bevölkerungsdichte, Mietpreisniveau, Grünflächenanteil oder Erreichbarkeit von Infrastruktur sind weiterhin wichtig. Doch KI erlaubt es, weit darüber hinauszugehen: Luftqualität, Lärmbelastung, energetische Gebäudeeffizienz, Mobilitätsverhalten, Nutzungsmischung, Biodiversität, soziale Vielfalt, digitale Teilhabe, Resilienz gegenüber Klimarisiken – die Liste möglicher Parameter ist scheinbar endlos.

Doch nicht jeder Wert ist gleich bedeutsam. Das zeigen zahlreiche Pilotprojekte, bei denen Quartiere automatisiert verglichen wurden. Ein Beispiel: Die Stadt Zürich nutzt KI, um Quartiere hinsichtlich ihrer Klimaanfälligkeit zu bewerten. Hier zählen neben Temperaturdaten auch Faktoren wie Versiegelungsgrad, Baumdichte, Schattenwurf, Wasserflächenanteil und das Potenzial für Kaltluftströme. In Wien wiederum spielen soziale Indikatoren eine größere Rolle: Bildungsniveau, Anteil geförderter Wohnungen, Freizeitangebot, Nachbarschaftsinitiativen und sogar subjektive Sicherheitswahrnehmungen werden algorithmisch erfasst und gewichtet.

Der entscheidende Punkt: Die Auswahl, Gewichtung und Kombination der Parameter kann das Ergebnis des Quartiersvergleichs massiv beeinflussen. Ein Algorithmus, der nur auf Verkehrsdaten schaut, wird verkehrsberuhigte Stadtteile bevorzugen. Eine KI, die Klimaresilienz priorisiert, setzt auf Schatten, Wasser und Durchlüftung. Und eine soziale Perspektive bringt ganz andere Quartiere nach vorn. Deshalb ist Transparenz bei der Parameterauswahl essenziell: Wer nachvollziehen kann, nach welchen Kriterien verglichen wird, kann das Ergebnis besser einordnen.

Die größte Gefahr: Algorithmische Verzerrung oder sogenannter technokratischer Bias. Wenn nur leicht verfügbare Daten genutzt werden, bleiben wichtige Aspekte wie informelle Strukturen, nachbarschaftlicher Zusammenhalt oder kulturelle Vielfalt außen vor. Hier braucht es die Expertise von Planern, Soziologen und Quartiersmanagern, um die KI-Modelle zu „erden“ – und die digitale Analyse an die urbane Wirklichkeit anzupassen. Nur so entsteht ein Quartiersvergleich, der mehr ist als ein digitaler Zahlensalat.

Am Ende zählt nicht die maximale Datenmenge, sondern die kluge Auswahl und Kombination der Parameter. Das ist keine rein technische, sondern eine zutiefst planerische Aufgabe – und vielleicht der spannendste Aspekt der aktuellen Entwicklung.

Wie KI Quartiere liest: Datenerfassung, Verarbeitung und Interpretation im Planungsalltag

Künstliche Intelligenz ist nur so gut wie die Daten, die sie bekommt – und die Algorithmen, die sie steuern. Im Kontext von Quartiersvergleichen bedeutet das: Zunächst müssen relevante Daten in hoher Qualität, räumlicher Auflösung und zeitlicher Aktualität vorliegen. Hier kommt eine Vielzahl von Quellen ins Spiel: Open Data-Portale, Geoinformationssysteme, Echtzeit-Sensorik, Satellitenbilder, Verkehrs- und Mobilitätsdaten, Klimamodelle, Umfragen, soziale Netzwerke, aber auch klassische amtliche Statistiken. Die Herausforderung liegt darin, diese heterogenen Datenquellen zu harmonisieren und in ein gemeinsames Analysemodell zu überführen.

Moderne KI-Systeme nutzen dabei Verfahren des Machine Learning und Deep Learning, um Muster zu erkennen, Zusammenhänge zu identifizieren und Prognosen zu erstellen. Sie analysieren beispielsweise, wie sich die Luftqualität in einem Quartier in Abhängigkeit von Verkehrsaufkommen, Bebauungsstruktur und Grünflächen verändert. Oder sie prognostizieren, wie sich eine geplante Nachverdichtung auf das Mobilitätsverhalten und die soziale Durchmischung auswirkt.

Ein zentraler Vorteil: KI kann auch nichtlineare, komplexe Zusammenhänge erkennen, die für das menschliche Auge verborgen bleiben. Sie entdeckt Korrelationen zwischen scheinbar unabhängigen Faktoren und macht verborgene Potenziale sichtbar. Gleichzeitig kann sie Simulationen durchführen, Szenarien durchspielen und die Auswirkungen unterschiedlicher Planungsoptionen abschätzen – in Sekunden statt in Wochen.

Doch der Weg von der Datenerfassung zur belastbaren Interpretation ist steinig. Datenlücken, Fehlmessungen, veraltete Informationen oder widersprüchliche Quellen können das Analyseergebnis verzerren. Zudem muss jede automatisierte Auswertung durch fachliche Plausibilitätsprüfungen ergänzt werden: Nicht alles, was die KI als „optimales Quartier“ markiert, ist in der Realität auch tragfähig. Hier braucht es die enge Zusammenarbeit von KI-Entwicklern, Planern und lokalen Akteuren.

Im Planungsalltag zeigt sich: KI-gestützte Quartiersvergleiche sind eine mächtige Ergänzung, aber kein Ersatz für lokale Expertise und partizipative Prozesse. Sie liefern Impulse, decken blinde Flecken auf und machen Entwicklungspotenziale sichtbar – doch die finale Bewertung bleibt eine Frage des fachlichen und gesellschaftlichen Diskurses.

Praxis, Potenziale und Stolpersteine: KI-Quartiersvergleiche im DACH-Raum

Wie sieht die Praxis aus? In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es zahlreiche Beispiele für KI-basierte Quartiersanalysen. In München etwa wird eine KI eingesetzt, um die Auswirkungen neuer Wohnbauprojekte auf das urbane Mikroklima zu simulieren und zu bewerten. Die Stadt Zürich vergleicht Quartiere hinsichtlich Nachhaltigkeit und Lebensqualität, indem sie über dreißig Parameter – von der Erreichbarkeit öffentlicher Verkehrsmittel bis zur Biodiversität – automatisiert auswertet. In Wien wird KI genutzt, um die Resilienz von Stadtteilen gegenüber Hitzewellen zu messen und Handlungsempfehlungen für die Stadtentwicklung abzuleiten.

Ein besonderes Augenmerk verdienen Projekte, die partizipativ angelegt sind. In Karlsruhe etwa wird eine Plattform entwickelt, auf der Bewohner eigene Einschätzungen zur Lebensqualität in ihrem Quartier abgeben können. Die KI gleicht diese subjektiven Daten mit objektiven Indikatoren ab und schafft so ein vielschichtiges, realistisches Bild. Auch Zürichs Smart-City-Initiative setzt auf Bürgerbeteiligung: Hier werden Anwohner eingeladen, Daten zu Fußwegen, Aufenthaltsqualität und Nutzungsmustern beizusteuern, die dann in die KI-Analysen einfließen.

Die Potenziale sind enorm: KI-Quartiersvergleiche ermöglichen es, Entwicklungsziele präziser zu definieren, Fördermittel gezielter einzusetzen und Planungsprozesse zu beschleunigen. Sie unterstützen die Integration von Klimaschutz, Mobilität, sozialer Gerechtigkeit und Digitalisierung – und machen komplexe Zusammenhänge sichtbar, die bislang im Dunkeln lagen.

Doch es gibt auch Stolpersteine. Datenschutz, Datenqualität und die Transparenz algorithmischer Entscheidungen sind zentrale Herausforderungen. Vielfach fehlt es an einheitlichen Datenstandards, interoperablen Plattformen und klaren Governance-Strukturen. Und nicht zuletzt besteht die Gefahr, dass Quartiersvergleiche zur reinen Technokratie verkommen – und soziale, kulturelle oder historische Aspekte unter den Tisch fallen.

Deshalb ist es entscheidend, dass KI-gestützte Quartiersvergleiche immer im Kontext fachlicher, politischer und gesellschaftlicher Diskurse stehen. Sie sind ein mächtiges Werkzeug – aber sie brauchen Kontrolle, Reflexion und die Bereitschaft, ihre Ergebnisse kritisch zu hinterfragen.

Zwischen Algorithmus und Alltagsrealität: Empfehlungen und Ausblick für die Praxis

Was bedeutet das für Planer, Verwaltungen und Quartiersentwickler? Zunächst einmal: Offenheit gegenüber neuen Technologien ist gefragt – aber gepaart mit kritischer Distanz und fachlicher Sorgfalt. KI kann helfen, Quartiere präziser zu analysieren, Vergleichbarkeit herzustellen und Entwicklungspotenziale sichtbar zu machen. Doch die Auswahl der Parameter, die Gewichtung der Indikatoren und die Interpretation der Ergebnisse bleiben zentrale Aufgaben des Planungsberufs.

Empfehlenswert ist es, KI-gestützte Quartiersvergleiche als Ergänzung, nicht als Ersatz klassischer Analysen zu verstehen. Sie liefern neue Perspektiven, entlarven blinde Flecken und decken verborgene Zusammenhänge auf – doch sie ersetzen nicht die lokale Expertise, das Wissen um soziale Dynamiken und die Einbindung der Bevölkerung. Besonders wichtig ist es, algorithmische Verfahren transparent zu gestalten, ihre Funktionsweise offen zu legen und die Ergebnisse verständlich zu kommunizieren.

Ebenfalls zentral: Die Parameterauswahl darf nicht dem Zufall oder der Datenverfügbarkeit überlassen werden. Stattdessen sollten Planer, Datenwissenschaftler und lokale Akteure gemeinsam definieren, welche Kriterien für den jeweiligen Vergleich relevant sind. Nur so entsteht ein Quartiersranking, das die Vielfalt städtischer Lebenswelten abbildet – und nicht nur das, was sich einfach messen lässt.

Schließlich gilt: KI-Quartiersvergleiche bieten die Chance, nachhaltige, sozial gerechte und resiliente Stadtentwicklung voranzutreiben. Sie können helfen, Klimaziele zu erreichen, soziale Spaltung zu verringern und Innovationen zu fördern. Doch diese Potenziale werden nur dann realisiert, wenn die Technik nicht zum Selbstzweck wird – sondern als Werkzeug für eine bessere, lebenswertere Stadt dient.

Der Blick in die Zukunft ist vielversprechend: Mit jeder neuen Datenquelle, jedem verbesserten Algorithmus und jeder gelungenen Partizipation wächst die Qualität und Aussagekraft KI-unterstützter Quartiersvergleiche. Wer sie klug einsetzt, verschafft sich einen unschätzbaren Wissensvorsprung – und gestaltet die Stadt von morgen aktiv mit.

Fazit: KI als Kompass, nicht als Autopilot – worauf es wirklich ankommt

KI-unterstützte Quartiersvergleiche sind aus der modernen Stadtentwicklung nicht mehr wegzudenken. Sie bieten die Möglichkeit, urbane Räume differenzierter, schneller und umfassender zu analysieren als je zuvor. Doch die entscheidende Frage bleibt: Welche Parameter zählen wirklich? Die Antwort liegt nicht im Algorithmus allein, sondern im intelligenten Zusammenspiel von Daten, Fachwissen und gesellschaftlichem Diskurs. Es braucht transparente, partizipative und reflektierte Verfahren, um aus der Datenflut relevante Erkenntnisse zu gewinnen – und Quartiersvergleiche zu schaffen, die der urbanen Wirklichkeit gerecht werden. Wer KI als Kompass versteht und nicht als Autopiloten, kann ihre Potenziale voll ausschöpfen – und den Wandel der Stadt aktiv gestalten. G+L bleibt dabei der Ort, an dem diese Entwicklungen kritisch, fundiert und mit einem Augenzwinkern begleitet werden. Auf die nächsten Quartiersvergleiche – sie werden spannender denn je.

„Die Kombination ­aus Ökologie und ­Ästhetik ist eine ­dänische ­Tugend“

Advertorial Artikel Parallax Article

Wer an dänische Planung denkt, dem fallen vermutlich als erstes Bjarke Ingels und Jan Gehl ein. Dänische Landschafts­architektur jenseits der großen Namen ist nicht ganz so einfach zu überschlagen. Wir sprachen mit Ellen Braae, Professorin für Landschaftsarchitektur an der Universität Kopenhagen. Sie erklärte uns, was dänische Landschaftsarchitektur ausmacht, ­warum sie Projekte aus der Nachkriegszeit besonders begeistern und warum es nicht ausreicht, einfach alles zu begrünen.

Cloudburst-Management-Plan rückte LA in den Fokus der Öffentlichkeit

 

Ellen Braae, die dänischen Stararchitekten Jan Gehl und Bjarke Ingels haben eine klare Vorstellung von Stadtplanung. Ihre Slogans „Make Cities for People“ (Macht Städte für Menschen) und „Hedonistic Sustainability” (Hedonistische Nachhaltigkeit) sind sehr einprägsam. Wie stufen Sie ihre Arbeit ein? 

Nun, ihre Arbeit unterscheidet sich sehr voneinander. Jan Gehl befasst sich überwiegend mit der Analyse und Beschaffenheit des Raumes zwischen den Gebäuden und nicht so sehr mit der tatsächlichen Gestaltung des Straßenraumes. Sein Büro wertet größtenteils bereits urbanisierte Gebiete auf.

Der Schwerpunkt von Bjarke Ingels liegt hingegen auf dem gebauten Objekt. Seine Entwurfsstrategie stützt sich darauf, eine robuste Synthese zwischen Problem­definition und möglichen räumlichen und strukturellen Lösungen herzustellen. Dies wiederum ermöglicht, dass das Projekt selbst zum ausdrucksstarken Kommuni­kator wird. Man kann das sowohl als Stärke als auch als Bürde ansehen, da seine Architektur sehr laut spricht.

Bjarke Ingels und auch viele seiner Mitarbeiter*innen sind begabte Designer*innen. Sie beherrschen die gesamte Bandbreite von Meta-Idee bis Detaillierung. Beide leisten auf ihre eigene Art und Weise eine hervor­ragende Arbeit im Bereich Medien und Kommunikation. Somit veranschaulichen sie, dass Architektur gleichzeitig eine Ware, eine Marke und ein Service
sein kann.

Wie sieht dänische Landschaftsarchitektur jenseits des Rampenlichts aus?

Die dänische Landschaftsarchitektur ist sehr sensibel, was Kontext anbelangt – das gilt sowohl für die verschiedenen Einflüsse, das Klima und die Akteur*innen. Aber nicht zuletzt auch für das bereits Vorhandene, das man vor Ort vorfindet, und dessen Neuinterpretation. Hinzu kommen ein starkes soziales Bewusstsein und ein hohes Maß an Designqualität.

Die dänische Landschaftsarchitektur spielt auch bei vielen Projekten der Stadtentwicklung und Stadterneuerung eine sehr ausgeprägte Rolle, indem Sachkenntnisse der klassischen Landschaftsarchitektur mit denen der Planung und des Städtebaus kombiniert werden. Diese Hybridität verwandter Wissensfelder gilt heute als Norm. Viele dieser Projekte werden von Landschaftsarchitekturbüros geleitet, besonders im Bereich der Stadterneuerung.

Wie wird Landschaftsarchitektur in der dänischen Gesellschaft wahr­genommen?

In der breiten Öffentlichkeit wird die realisierte Landschaftsarchitektur durchaus sehr geschätzt. Es ist jedoch allgemein weniger bekannt, dass es sich hier um das Werk von Landschaftsarchitekt*innen handelt, die in dieser Disziplin speziell geschult sind. In Kopenhagen etwa sind die Auswirkungen des gigantischen Cloudburst-Management-Plans aus dem Jahr 2012, der die Stadt vor Starkregenereignissen schützen soll, in den öffentlichen Parks unübersehbar. Hierdurch rückte auch die Profession der Landschaft­sarchitektur in das öffentliche Interesse.

Trend, alles zu begrünen

Womit beeindrucken dänische Landschaftsarchitektur- und/oder Städtebauprojekte Sie?

Es gibt eine große Anzahl wirklich guter Projekte, die umfangreich, komplex und innovativ sind. Was mich jedoch am meisten beeindruckt hat, sind die etwas behutsameren, raffinierteren und differenzierteren Neuinterpretationen und Stadterneuerungsprojekte der Landschaftsarchitektur aus der Nachkriegszeit. Es handelt sich hier um eine völlig neue Art von Projekten. Denn es erfordert viel Sorgfalt sowie unkonventionelles Denken, um Konzepte zu finden, die nicht alles als wertlos erachten und wegwerfen, sondern positiv deuten und auf behutsame Art bearbeiten und erneuern.

Von welchen Projekten sind Sie enttäuscht?

Von denjenigen, die vorherrschende Trends nachahmen, ohne sich mit dem Inhalt zu beschäftigen – wie etwa dem Trend, einfach alles zu begrünen, ohne tiefere Fachkenntnisse des Warum und des Wie, frei von jeglicher künstlerischen Dimension. Jene Projekte ohne Integrität und Poesie, ohne Wissen und Sensibilität. 

Strategisches Design

Vergleicht man dänische und deutsche Landschaftsarchitektur: Wo liegen, Ihrer Meinung nach, die Hauptunterschiede? 

Dieser Vergleich ist vielleicht zu stark vereinfachend. Doch in Deutschland haben Umweltschutz und beispielsweise auch die Wertschätzung von Bäumen und Pflanzen­arten eine lange Tradition. Dies kommt meiner Meinung nach in der deutschen Landschaftsarchitektur zum Ausdruck. Die Kombination aus Ökologie und Ästhetik hingegen könnte man als dänische Tugend bezeichnen. Das soll nicht heißen, dass diese Verbindung nicht auch in der deutschen Landschaftsarchitektur vorzufinden ist.

Wie entwickelte sich die dänische Landschaftsarchitektur in den letzten Jahren?

Im Wesentlichen könnte man sagen, dass die dänische Landschaftsarchitektur in den letzten 20 Jahren ihren Wissensrückstand in der Ökologie aufgearbeitet und in die Praxis integriert hat. Nicht als getrenntes Fachgebiet, sondern als integriertes Wissen. Darüber hinaus kann man eine stärkere Verbindung traditioneller landschaftsarchitektonischer Fachkenntnisse und Praktiken mit denen der Stadtplanung erkennen.

Eine weitere vorherrschende Qualität der aktuellen dänischen Landschaftsarchitektur ist zudem eine Vorgehensweise, die man als strategisches Design bezeichnen könnte. Diese beinhaltet einerseits eine sehr viel stärker ausgeprägte Multiskalarität und andererseits ein Bewusstsein dafür, dass lokale, kleinmaßstäbliche Entwurfsprojekte auch das Potenzial haben, größere Veränderungen anzustoßen.

Einfluss der Bürger*innen stärken

Ellen Braae, Sie lehren an der Universität Kopenhagen. Vor welchen planerischen Herausforderungen stehen Ihre Studierenden?

Insbesondere Komplexität ist eine ständige Herausforderung – sie war es schon immer und wird es immer sein. Eine der wichtigsten Herausforderungen im Bereich der Raumplanung besteht zudem darin, das Top-down-Prinzip mit den Bottom-up-Aspekten zu verbinden – oder anders gesagt, die künftigen Nutzer an den Entscheidungsprozessen zu beteiligen und gleichzeitig ein Resultat von hoher ästhetischer, gerechter, funktionaler und poetischer Qualität zu erzielen.

Was wird die nächste Generation von Planer*innen leisten müssen?

Sie muss viel stärker in die lokalen Kommunen eingebettet werden und in der Lage sein, Raum für einen tiefgehenden Dialog über die lokalen Besonderheiten zu schaffen. Die gewissermaßen globale Methode, mit der Landschaftsarchitektur derzeit gelehrt wird, hat ihre Grenzen.

Wir sollten endlich lernen, einen entwurfs­orientierten Prozess anzuwenden, bei dem wir der Gesellschaft bereits vorhandene Qualitäten unserer Städte viel stärker vor Augen führen, und dazu beitragen, den Einfluss der Bürger*innen vor Ort und somit die Fürsorge und das Verantwortungsbewusstsein für ihre lokale Lebenswelt und Stadtlandschaft zu stärken. 

Prof. Ellen Braae ist Landschaftsarchitektin und Architektin. Gegenwärtig hat sie eine Professur für Landschaftsarchitektur an der Universität Kopenhagen inne. Sie ist Mitgründerin und Leiterin von IKAROS Press, einem kleinen Fachverlag für Planungsthemen.

Ellen Braae spricht am 2. März 2021 am LOST & FOUND. International Online-Symposium trAILs zum Thema “Transforming large industrial landscapes”. Hier gibt es weitere Informationen und die Anmeldung.

Alles zu dänischer Landschaftsarchitektur finden Sie in unserer Dänemark-Ausgabe – der G+L 02/21. Warum sich das lohnt, erklärt Chefredakteurin Theresa Ramisch im Editorial.