07.11.2022

Event

Maestri del Paesaggio 2022 in Bergamo

von Stefan Tischer
Ein Höhepunkt beim „Maestri del Paesaggio“ in Bergamo ist die temporäre Gestaltung der „Piazza Vecchia“ - dieses Jahr gab es dazu einen Studierendenwettbewerb.
Ein Höhepunkt beim „Maestri del Paesaggio“ in Bergamo ist die temporäre Gestaltung der „Piazza Vecchia“ - dieses Jahr gab es dazu einen Studierendenwettbewerb. Foto: Archetipos

Nach zwei Jahren Pause fand in diesem Jahr vom 8. bis 25. September wieder die „Maestri del Paesaggio“ in der Altstadt von Bergamo statt. Zum zwölften Mal erweist sich die Veranstaltung als das relevanteste Event für Landschaftsarchitektur und Gartengestaltung in Italien. Ein Publikumsmagnet für eine breite Öffentlichkeit ist die temporäre Gestaltung in der „Città Alta“ von Bergamo, während sich das zweitägige „International Meeting“ an die Fachöffentlichkeit richtet.

Der angeblich schönste Platz der Welt

Organisiert wird die Veranstaltung von Arketipos, einem gemeinnützigen Verein. Ihm liegt besonders der „Green Square“ am Herzen, die temporäre Gestaltung der beeindruckenden „Piazza Vecchia“, die Le Corbusier angeblich als den schönsten Platz der Welt deklarierte. Nachdem bisher der Platz immer von namhaften Professionellen zum jeweiligen Thema des Jahres gestaltet wurde, sollte das Konzept in diesem Jahr aus einem Studierendenwettbewerb in Zusammenarbeit mit der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf hervorgehen.

Die Studierenden (v.l.n.r.) Fabiola Leonett von Wachter, Simon Schwarz, Verena Hurler und Aurelia Ibach gewannen den diesjährigen Wettbewerb zur temporären Gestaltung der „Piazza Vecchia“.
Die Studierenden (v.l.n.r.) Fabiola Leonett von Wachter, Simon Schwarz, Verena Hurler und Aurelia Ibach gewannen den diesjährigen Wettbewerb zur temporären Gestaltung der „Piazza Vecchia“. Foto: fotograFARE / Archetipos

Flusslandschaft auf der „Piazza Vecchia“ in Bergamo

Das Gewinnerprojekt der Bachelor Studierenden Aurelia Ibach, Verena Hurler, Fabiola Leonett von Wachter und Simon Schwarz definierte auch das Thema der diesjährigen „Maestri del Paesaggio“: Forgotten Landscapes.

Auf dem Platz wurde die großteils verloren gegangene Flusslandschaft des Po und seiner Nebenflüsse mit den verschiedenen natürlichen Vegetationsgemeinschaften projiziert und für die Besucher*innen erlebbar gemacht. Eine Ausstellung hat das Thema vertieft.

Die Realisierung erfolgte zusammen mit dem Pflanzenexperten Cassian Schmidt. Dieser ist Leiter des Schau- und Sichtungsgartens Hermannshof in Weinheim sowie Professor an der Hochschule Geisenheim.

Die temporäre Umgestaltung der „Piazza Vecchia“ in Bergamo spricht eine breite Öffentlichkeit an.
Die temporäre Umgestaltung der „Piazza Vecchia“ in Bergamo spricht eine breite Öffentlichkeit an. Foto: fotograFARE / Archetipos
Die Studierenden bildeten auf der „Piazza Vecchia“ die großteils verloren gegangene Flusslandschaft des Po und seiner Nebenflüsse nach.
Die Studierenden bildeten auf der „Piazza Vecchia“ die großteils verloren gegangene Flusslandschaft des Po und seiner Nebenflüsse nach. Foto: fotograFARE / Archetipos
Piazza Vecchia Bergamo
Bei der Begrünung des Platzes bekamen die Studierenden Unterstützung vom Pflanzenexperte Cassian Schmidt. Foto: fotograFARE / Archetipos

Landschaftsarchitektur zu Gast in Bergamo

Das „International Meeting“ am 23. und 24 September im wunderbaren Ambiente des „Teatro Sociale“ in Bergamo hat in diesem Jahr mit inspirierenden Vorträgen Fragen der nachhaltigen Pflanzengestaltung behandelt. Dabei sprachen die Referent*innen über das Thema Artenvielfalt sowie die Folgen für Pflege und Entwicklung durch den Klimawandel und der Wasserknappheit. Auch Recycling sowie die bessere Einbindung von landschaftsarchitektonischen Projekten und Gärten in die umgebenden Landschaften spielten eine wichtige Rolle.

Juan Grimm aus Chile sowie David Le Roy aus Kalifornien haben diese Themen im Kontext eher großzügiger Privatgärten gezeigt. John Little (UK) und Eric Lenoir (Frankreich) fokussierten sich hingegen auf den Low-Budget Bereich und auf soziale Brennpunkte.

über Landschaftsfotografien und die wilden 70er

Auch dem Thema der Landschaftsfotografie widmete sich ein wunderbar poetischer Vortrag der in der USA lebenden Vietnamesin Ngoc Minh Ngo. Sie hat in Ihrer Publikation „Eden Revisited“ den traumhaften Garten des italienischen Schriftstellers Umberto Pasti in Rohuna (Marokko) dokumentiert. Luciano Pia konnte als Architekt mit exzentrischen Bauten in Turin eine Stimmung erzeugen, die fast an die wilden 70er Jahre oder an Baumhäuser der Umweltaktivisten erinnerte.

Das „International Meeting“ richtet sich an die Fachwelt der Landschaftsarchitektur. Foto:
Das „International Meeting“ richtet sich an die Fachwelt der Landschaftsarchitektur. Foto: fotograFARE / Archetipos

Topotek 1 wird 2023 „Piazza Vecchia“ gestalten

Den Abschluss bildete nach einer detailreichen, die Entwurfsgenese sehr nachvollziehbar vermittelnder Vortrag über den „Australian Garden“ des Royal Botanic Gardens in Cranbourne (Victoria, Australien) von Kate Cullity vom Büro T.C.L. aus Adelaide, obwohl dieser in zwei Phasen schon 2005 und 2012 der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

Zu den zwölf Kategorien des „LandAward“ gehörte eine Übersicht internationaler, exzellenter sowie zum Großteil noch nicht veröffentlichter Projekte. Die Verleihung der Preise war interessant, auch wenn es sich um einen dieser etwas fragwürdigen neuen Preise handelte, die sich durch Teilnahmegebühren der Bewerber*innen selbst co-finanziert.

Bergamo sichert sich aber wieder einmal seine Rolle als Ort der professionellen Auseinandersetzung mit Garten- und Landschaftsarchitektur. Und nächstes Jahr soll nun endlich, wie bereits mehrmals angekündigt, Topotek 1 die „Piazza Vecchia“ gestalten. Nachtrag: Alles zum Projekt „Grow Together – Growing Together“ von Topotek 1 hier.

Ebenfalls interessant: Vom 27. bis 28. September 2022 fand die Urban Tech Forward Konferenz in Warschau statt. Die Konferenz drehte sich um das Thema „Rethinking Cities“.

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