Ein Höhepunkt beim „Maestri del Paesaggio“ in Bergamo ist die temporäre Gestaltung der „Piazza Vecchia“ - dieses Jahr gab es dazu einen Studierendenwettbewerb.
Ein Höhepunkt beim „Maestri del Paesaggio“ in Bergamo ist die temporäre Gestaltung der „Piazza Vecchia“ - dieses Jahr gab es dazu einen Studierendenwettbewerb. Foto: Archetipos

Nach zwei Jahren Pause fand in diesem Jahr vom 8. bis 25. September wieder die „Maestri del Paesaggio“ in der Altstadt von Bergamo statt. Zum zwölften Mal erweist sich die Veranstaltung als das relevanteste Event für Landschaftsarchitektur und Gartengestaltung in Italien. Ein Publikumsmagnet für eine breite Öffentlichkeit ist die temporäre Gestaltung in der „Città Alta“ von Bergamo, während sich das zweitägige „International Meeting“ an die Fachöffentlichkeit richtet.

Der angeblich schönste Platz der Welt

Organisiert wird die Veranstaltung von Arketipos, einem gemeinnützigen Verein. Ihm liegt besonders der „Green Square“ am Herzen, die temporäre Gestaltung der beeindruckenden „Piazza Vecchia“, die Le Corbusier angeblich als den schönsten Platz der Welt deklarierte. Nachdem bisher der Platz immer von namhaften Professionellen zum jeweiligen Thema des Jahres gestaltet wurde, sollte das Konzept in diesem Jahr aus einem Studierendenwettbewerb in Zusammenarbeit mit der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf hervorgehen.

https://vimeo.com/https://vimeo.com/749572984

Die Studierenden (v.l.n.r.) Fabiola Leonett von Wachter, Simon Schwarz, Verena Hurler und Aurelia Ibach gewannen den diesjährigen Wettbewerb zur temporären Gestaltung der „Piazza Vecchia“.  Foto: fotograFARE / Archetipos
Die Studierenden (v.l.n.r.) Fabiola Leonett von Wachter, Simon Schwarz, Verena Hurler und Aurelia Ibach gewannen den diesjährigen Wettbewerb zur temporären Gestaltung der „Piazza Vecchia“. Foto: fotograFARE / Archetipos

Flusslandschaft auf der „Piazza Vecchia“ in Bergamo

Das Gewinnerprojekt der Bachelor Studierenden Aurelia Ibach, Verena Hurler, Fabiola Leonett von Wachter und Simon Schwarz definierte auch das Thema der diesjährigen „Maestri del Paesaggio“: Forgotten Landscapes.

Auf dem Platz wurde die großteils verloren gegangene Flusslandschaft des Po und seiner Nebenflüsse mit den verschiedenen natürlichen Vegetationsgemeinschaften projiziert und für die Besucher*innen erlebbar gemacht. Eine Ausstellung hat das Thema vertieft.

Die Realisierung erfolgte zusammen mit dem Pflanzenexperten Cassian Schmidt. Dieser ist Leiter des Schau- und Sichtungsgartens Hermannshof in Weinheim sowie Professor an der Hochschule Geisenheim.

Landschaftsarchitektur zu Gast in Bergamo

Das „International Meeting“ am 23. und 24 September im wunderbaren Ambiente des „Teatro Sociale“ in Bergamo hat in diesem Jahr mit inspirierenden Vorträgen Fragen der nachhaltigen Pflanzengestaltung behandelt. Dabei sprachen die Referent*innen über das Thema Artenvielfalt sowie die Folgen für Pflege und Entwicklung durch den Klimawandel und der Wasserknappheit. Auch Recycling sowie die bessere Einbindung von landschaftsarchitektonischen Projekten und Gärten in die umgebenden Landschaften spielten eine wichtige Rolle.

Juan Grimm aus Chile sowie David Le Roy aus Kalifornien haben diese Themen im Kontext eher großzügiger Privatgärten gezeigt. John Little (UK) und Eric Lenoir (Frankreich) fokussierten sich hingegen auf den Low-Budget Bereich und auf soziale Brennpunkte.

über Landschaftsfotografien und die wilden 70er

Auch dem Thema der Landschaftsfotografie widmete sich ein wunderbar poetischer Vortrag der in der USA lebenden Vietnamesin Ngoc Minh Ngo. Sie hat in Ihrer Publikation „Eden Revisited“ den traumhaften Garten des italienischen Schriftstellers Umberto Pasti in Rohuna (Marokko) dokumentiert. Luciano Pia konnte als Architekt mit exzentrischen Bauten in Turin eine Stimmung erzeugen, die fast an die wilden 70er Jahre oder an Baumhäuser der Umweltaktivisten erinnerte.

Das „International Meeting“ richtet sich an die Fachwelt der Landschaftsarchitektur. Foto: fotograFARE / Archetipos
Das „International Meeting“ richtet sich an die Fachwelt der Landschaftsarchitektur. Foto: fotograFARE / Archetipos

Topotek 1 wird 2023 „Piazza Vecchia“ gestalten

Den Abschluss bildete nach einer detailreichen, die Entwurfsgenese sehr nachvollziehbar vermittelnder Vortrag über den „Australian Garden“ des Royal Botanic Gardens in Cranbourne (Victoria, Australien) von Kate Cullity vom Büro T.C.L. aus Adelaide, obwohl dieser in zwei Phasen schon 2005 und 2012 der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

Zu den zwölf Kategorien des „LandAward“ gehörte eine Übersicht internationaler, exzellenter sowie zum Großteil noch nicht veröffentlichter Projekte. Die Verleihung der Preise war interessant, auch wenn es sich um einen dieser etwas fragwürdigen neuen Preise handelte, die sich durch Teilnahmegebühren der Bewerber*innen selbst co-finanziert.

Bergamo sichert sich aber wieder einmal seine Rolle als Ort der professionellen Auseinandersetzung mit Garten- und Landschaftsarchitektur. Und nächstes Jahr soll nun endlich, wie bereits mehrmals angekündigt, Topotek 1 die „Piazza Vecchia“ gestalten. Nachtrag: Alles zum Projekt „Grow Together – Growing Together“ von Topotek 1 hier.

Ebenfalls interessant: Vom 27. bis 28. September 2022 fand die Urban Tech Forward Konferenz in Warschau statt. Die Konferenz drehte sich um das Thema „Rethinking Cities“.

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Eine Kuhweide war die Pfingstweid schon lange nicht mehr. Doch ihr Name rührt genau daher: Früher wurde das Vieh dort zu Pfingsten zum Weiden gebracht. Ursprünglich ist das bis zum Parkbau als Schrebergärten genutzte Areal trotzdem noch immer.

Es ist in Zürich-West der letzte Fleck, der auf dem niedrigeren Niveau der Hardallmend liegt. Rundherum wurde im heutigen Zürich-West, neben Oerlikon ehemals einer der bedeutenden Industriestandorte der Stadt, das Terrain aufgeschüttet, um Industrie und Gewerbe anzusiedeln. Östlich grenzt die City West an, südlich das Gleisfeld, nördlich soll eine Schule entstehen und westlich führt der Gleisbogen vorbei: eine 1,4 Kilometer lange Wegeverbindung durchs Quartier für Fußgänger und Radfahrer zwischen Hardturmstrasse und Bahnhof Hardbrücke. Der am 5. September eröffnete Pfingstweidpark vervollständigt als letzter Abschnitt nun das Projekt Gleisbogen.

Im Jahr 2010 entschieden das Büro antón & ghiggi landschaft architektur zusammen mit Baumann Roserens Architekten und der Ethnologin Flavia Caviezel, alle Zürich, den Projekt- und Ideenwettbewerb für sich. Ausgangspunkt für die Gestaltung des 1,2 Hektar großen Parks war es, die Freiraumversorgung von Zürich-West zu verbessern. Bisher gewährleisteten dies hauptsächlich vier Parks: Turbinenplatz, Josefwiese, Wipkingerpark und Hardhof.

Als Thema nahm das Siegerteam den Niveauunterschied als Sunken Garden und die ehemals vorherrschende Vegetation eines lichten Eichenwaldes auf. Die Jury lobte den „spielerischen Umgang mit der Grenze, die durchgehend mineralisch ausformuliert ist, jedoch ganz unterschiedlich in Erscheinung tritt, sei es als Mauer, Kies- und Lehmterrasse oder als Schulgebäude.“

Projektdaten Pfingsweidpark Zürich-West
Bauherr: Stadt Zürich, GrünStadtZürich
Landschaftsarchitekten: Antón & Ghiggi Landschaft Architektur, Zürich
Projekt- und Ideenwettbewerb 2010, 1. Preis
Fläche Park: 1,4 Hektar
Bauzeit: 2014 bis 2015

Mehr in Garten + Landschaft 10/2015 – Freiraum am Wasser. Zur Heftvorschau

akzentuieren runde Sitzbänke und ein weiterer Baum das Wasserspiel.

Neugestaltung der Haupteinkaufsstraße in Winsen (Luhe) – 1. Preis capattistaubach Landschaftsarchitekten, Berlin

Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen über die spannendsten Wettbewerbsergebnisse der letzten zwei Wochen und was man über sie wissen muss.

Im Rahmen der Innenstadtsanierung plant Winsen die Haupteinkaufsstraße neu zu gestalten, um sie als Rückgrat einer funktionsfähigen Innenstadt zu stärken. Einstimmig kürte die Jury capattistaubach als ersten Preisträger unter zehn Teilnehmern. Die Berliner Landschaftsarchitekten überzeugten mit einem schlüssigen Stadtbodenkonzept, das die bisher verschieden geprägten Bereiche über eine einheitliche Gestaltsprache zu einem stadträumlichen Kontinuum verwebt und intuitive Wegeführungen stärkt. Der niveaugleich geführte Pflasterteppich aus Granit reicht von Fassade zu Fassade. Pflaster- und Entwässerungslinien zonieren als hell abgesetzte „Rinnenplatten“ und Schnurkanten Gebäudevorzonen, Flanierbereiche und Fahrgassen – sie bilden Leitlinien im Stadtraum und dienen zugleich als taktiles Leitsystem. Ein als „Stadtparkett“ konzipierter Flechtverband aus Granit akzentuiert die Aufenthaltsbereiche zwischen Kirchplatz und Rathaus. Fontänenfeld und Wasserbecken bilden zusätzlich Anziehungspunkte und prägen die beiden Platzbereiche.

Umgestaltung in Herrenberg – 1. Preis Stefan Fromm Landschaftsarchitekten, Dettenhausen, mit WICK + PARTNER, Stuttgart

Die Seestraße in Herrenberg soll sich in den nächsten Jahren von einer stark befahrenen Straße zum Boulevard für Flaneure wandeln, auf dem Autos – je nach Verkehrsaufkommen – nur noch Tempo 20 bis 40 fahren dürfen. Der Entwurf von Stefan Fromm Landschaftsarchitekten mit WICK + PARTNER überzeugte die Jury durch einheitlichen Stadtboden, lockerer Baumpflanzung und großzügigen Wasserspiegel im Bereich des Seelesplatzes. Die Planer leiten das langgezogene Wasserelement, das „Seele“, aus der historischen Situation ab, und fassen es bandartig mit Platten, Sitzbänken und Sitzstufen. Pavillons, genutzt als Café, Informations- und Mobilitätspunkte, strukturieren die längliche Platzfläche, die im südlichen Teil mit kleinem Wasserlauf anschließt. Der übergreifende Stadtboulevard integriert die Eingangsplätze in die Pflasterstruktur des neuen Stadtbodens und betont die Zugänge zur Altstadt. Dabei mindert er die trennende Wirkung zum Seeländer-Areal, auf dem bis 2019 ein neues Zentrum mit Einzelhandel, Büros, Gastronomie und Wohnen entsteht.

Willy-Brandt-Platz in Gladbeck – 1. Rang FSWLA Landschaftsarchitektur GmbH, Düsseldorf

Gladbeck setzt mit dem Workshopverfahren zur Neugestaltung des Willy-Brandt-Platzes auf die Revitalisierung der Innenstadt. FSWLA Landschaftsarchitektur siegte in der Mehrfachbeauftragung, die einen barrierefreien, familienfreundlichen und sicheren Platz forderte. Die Jury würdigt die behutsame Weiterentwicklung des Bestands – der Entwurf stärkt dabei vorhandene Qualitäten, ohne den Platz zu überladen. Leitmotive bilden großkronige Solitärbäume, Rundbänke und eine vielseitige Nutzbarkeit. FSWLA behält die zentralen Elemente Sitzbank und Wasser bei, jedoch in modifizierter Form. So gestalten die Planer die bestehende runde Sitzbank neu und versehen sie mit Sitzauflagen. Um den Aufenthaltscharakter zu verbessern, hebt FSWLA die Platzoberfläche an und umfasst das Wasserspiel vor dem Rathaus mit runden Sitzbänken. Ergänzende Bäume rhythmisieren den Platz in sonnige und schattige Bereiche. Die Oberflächen gestalten sich einheitlich bis zu den angrenzenden Gebäuden, die notwendige Fahrtrasse erfolgt im Sinne von Shared Space im selben Farbton.

 

Heike Vossen ist freie Landschaftsarchitektin und hat einen Abschluss der Freien Journalistenschule. Als Fachjournalistin schreibt sie über Themen für die Bau- und Planungsbranche. Ihr Fachbuch „Gärten am Hang“ erschien beim Verlag Eugen Ulmer. Kontakt: info@gruentext.de