OMGEVING gewinnt Wettbewerb für Klimapark in Prag

Der geplante Klimapark in Prag folgt dem mäandernden Fluss. Bildquelle: Copyright OMGEVING
Der geplante Klimapark in Prag folgt dem mäandernden Fluss. Bildquelle: Copyright OMGEVING

Das belgische Architekturbüro OMGEVING hat den Wettbewerb für den Bau eines Klimaparks in Prag gewonnen. Dieser neue Großstadtpark soll die Verbindung zwischen der Moldau und der Stadt wiederherstellen. Lesen Sie hier mehr über das ehrgeizige grüne Großprojekt.

Verbindung zwischen Fluss und Stadt

Der neue Prager Klimapark, entworfen von OMGEVING, ist das dritte große Grünprojekt, das die Stadt entlang der Moldau plant. Ziel ist es, den Fluss zu sanieren, Hochwasserschutzmaßnahmen durchzuführen und einen großstädtischen Park zu entwickeln. Der Klimapark, der direkt am mäandrierenden Fluss liegt, wird die Verbindung zwischen Fluss und Stadt wiederherstellen. Der Siegerentwurf überzeugte die Jury des internationalen Wettbewerbs mit seiner zukunftsfähigen Entwicklungsstrategie, die auf die natürliche und urbane Dynamik des Gebiets eingeht. Als langgestreckter Park wird der Raum einen robusten blau-grünen Rahmen bilden, der in der umgebenden städtischen Struktur verankert ist. Teile des Parks sollen überflutbar sein, um einen hochwassersicheren Park zu schaffen, der auch verschiedene Parkfunktionen für Menschen aller Altersgruppen bietet. OMGEVING schlug auch neue Rad- und Wanderparks entlang des Flusses vor.

Rund um die Rohan-Insel ist der Klimapark überflutbar. Bildquelle: OMGEVING
Rund um die Rohan-Insel ist der Klimapark überflutbar. Bildquelle: OMGEVING

Ein überflutbarer Park

Die Neugestaltung des Flussuferbereichs im Stadtteil Prag 8 ist eine Antwort auf die natürliche Dynamik des Flusses und die lokale städtische Dynamik. Die Stadt möchte sich mit diesem Entwurf auf Klimaanpassung, Biodiversität, CO2-Neutralität, Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Mobilität konzentrieren. Der Entwurf von OMGEVING wird nun in einem ko-kreativen Prozess konkretisiert, an dem die Anwohner*innen sowie die lokalen Partner Fiser, VRV und Sindlar beteiligt sind. Der Hauptauftraggeber ist die Stadt Prag.

Auf einer Fläche von 56 Hektar wird der neue Klimapark verschiedene Parkräume und Funktionen bieten. Der Maniny Park, die Rohan Insel und die Libeñ Insel werden Teil des neuen Stadtparks von OMGEVING + Fiser sein. Das Projektgebiet umfasst ein ehemaliges Bahngelände. Es befindet sich in fußläufiger Entfernung zum historischen Stadtzentrum von Prag und zum dynamischen neuen Zentrum Karlin.

OMGEVING und das tschechische Architekturbüro Fiser planen einen Eingriff in die bestehende Topographie, um einen neuen Flussmäander zu schaffen. Dies wird dazu beitragen, dass der Klimapark vorübergehend überflutet werden kann, und gleichzeitig die landschaftliche Wiederherstellung einiger tiefer gelegener Ausblicke unterstützen. Mit einer terrassenförmigen Gestaltung des Parks wollen die Architekt*innen einen allmählichen Übergang zwischen feuchten Zonen entlang der unteren Flussufer und trockenen Zonen am oberen Rand des Parks ermöglichen. Dies schafft Möglichkeiten für eine größere Artenvielfalt mit verschiedenen Vegetationstypen. Diese neuen Pflanzen wiederum werden die natürliche Speicherung verbessern und an heißen Sommertagen für Abkühlung sorgen.

Der Klimapark soll Stadt und Fluss wieder mehr miteinander vereinen. Bildquelle: OMGEVING
Der Klimapark soll Stadt und Fluss wieder mehr miteinander vereinen. Bildquelle: OMGEVING

Erholung auf einer flexiblen Parkinsel

Der innovative Klimapark wird auch die historische Schichtung des Gebiets verstärken, indem er die blau-grüne Parkstruktur um mehrere städtische Parkräume erweitert. Das vielfältige Programm der neuen Grünfläche umfasst die Entwicklung der wilden Natur, die Bewahrung von Spuren der Vergangenheit, den Bezug zu einer städtischen Ernährungsstrategie, Raum für Spiel und Entspannung sowie Bereiche für die biologische Vielfalt. Dieser Park wird sowohl auf den Menschen als auch auf die Natur zugeschnitten sein und Räume für eine temporäre Nutzung bereitstellen, aber auch den Übergang berücksichtigen, um eine zukunftssichere Nutzung für die nächsten Jahrzehnte zu gewährleisten. Darüber hinaus ist die Struktur des Parks auf Flexibilität ausgelegt, um auf die verschiedenen Jahreszeiten und Zielgruppen des Raums zu reagieren. Um ein großes und vielseitiges Publikum anzuziehen, wird der neue Prager Klimapark auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität leicht erreichbar und zugänglich sein.

Die Stadt ist außerdem stolz darauf, einen Klimapark zu entwickeln, der für alle Altersgruppen geeignet ist. Sport- und Freizeitmöglichkeiten auf einer flexiblen Parkinsel sorgen für Attraktionen, und die Integration und Aufwertung der ältesten Kleingartenanlage der Stadt sowie eine neue Badestelle erweitern das Angebot an Freizeitaktivitäten. Selbstredend fördern die Architekt*innen auch spontane Parkaktivitäten und temporäre Nutzungen.

Lesen Sie mehr: Der Hamburger Eichtalpark soll ein Klima-Modellprojekt werden und zeigen, wie deutsche Städte künftig den heißen, trockenen Sommern trotzen können.

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Was wünscht sich die Bevölkerung für die Stadt der Zukunft? Auf diese Frage hat eine Untersuchung der Bertelsmann Stiftung gemeinsam mit dem Difu und einem Meinungsforschungsinstitut Antworten gefunden. Die zeigen, dass die Menschen sich mehr urbane Wildnis und weniger Abfall in der Stadt wünschen.

Die Planung und Gestaltung der Städte liegt zumeist in den Händen von Profis. Stadtplaner*innen, Landschaftsarchitekt*innen und Architekt*innen gestalten tagtäglich urbane Lebensräume. Fast selbstverständlich ist dabei heute, dass Bürger*innen involviert werden, dass sie partizipieren und mitreden dürfen. Oft geschieht dies anlässlich einer konkreten Planungsaufgabe. Eine weite, langfristige Perspektive und übergeordnete Wünsche werden dabei selten abgefragt. Die hat nun die Bertelsmann Stiftung interessiert. Zusammen mit dem Deutschen Institut für Urbanistik und dem Meinungsforschungsinstitut Kantar Public hat die Stiftung eine Befragung zur Stadt der Zukunft durchgeführt.

Stadt der Zukunft: Negative Bilder helfen nicht weiter

Alle Abbildungen: Bertelsmann Stiftung, DiFu und Kantar Public.

Was wünschen sie sich für die Stadt der Zukunft? Diese Frage leitete eine repräsentative Bevölkerungsbefragung, die die Bertelsmann Stiftung und das Deutsche Institut für Urbanistik zusammen mit dem Meinungsforschungsinstitut Kantar Public durchführten. In dieser Erhebung wurden den Befragten neun Zukunftsvisionen gezeigt und zur Diskussion gestellt. Dafür beschrieben die Szenarien vereinfacht, wie eine Stadt der Zukunft aussehen und organisiert sein könnte. Diese Bilder der Zukunft waren bewusst positiv geprägt. Sie wollten keine Angst machen, keine Sorgen kreieren. Vielmehr ging es der Bertelsmann Stiftung darum, das Interesse der Menschen an der Gestaltung der Städte zu wecken und sie zu einem Mitwirken zu animieren. Denn Nachhaltigkeit kann in städtischem Alltag, in Politik und kommunaler Arbeit nur gedeihen, wenn die Bevölkerung dieses Thema und die dazugehörigen Ziele mitträgt. Und dafür braucht es nicht nur negative Szenarien. Nicht nur die Folgen des Klimawandels sind zu präsentieren. Wichtig ist es auch, positive Bilder zu zeigen und Lust auf die Stadt der Zukunft zu machen.

Wünsche der Bevölkerung für die Stadt der Zukunft

Die Befragung hat überraschende Ergebnisse gebracht. Die Wünsche der Bevölkerung für die Stadt der Zukunft unterscheiden sich deutlich vom heutigen Bild der Städte. Das Szenario der „urbanen Wildnis“ fand zum Beispiel die größte Zustimmung. Die Mehrheit der Befragten wünscht sich also eine Kommune, die dem Verlust der Artenvielfalt entgegensteuert, die vielfältige Lebensräume für Flora und Fauna bietet und diese auch auf bebauten Flächen respektiert. Eine solche urbane Wildnis steht also ganz oben auf der Wunschliste der Bevölkerung. Darüber hinaus fanden Szenarien einer zukünftigen Stadt viel Zustimmung, in der weniger Abfall vorliegt und in der Verbrauch von Ressourcen geringer ist. In diesem Bild der Stadt der Zukunft ist das Prinzip der Kreislaufwirtschaft von großer Bedeutung. Denn genau die kann helfen, Ressourcen- und Energieverbräuche auf ein Minimum zu reduzieren. Das dritte Szenario, das den Befragten zusagt, war eine Stadt, in der Wohnraum für alle da ist. In dieser Stadt der Zukunft steht allen Menschen ausreichend viel, angemessener und bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung.

Sharing City lockt nicht

Neben den Favoriten urbane Wildnis und abfallfreie Stadt präsentierte die Befragung den Menschen auch Szenarien zur: Smart City, zur autofreien Stadt, zur Schwammstadt, zur selbstversorgenden Stadt, zur direktdemokratischen Stadt und zur Sharing City. Die meisten dieser Szenarien bekamen Zustimmung, die nur wenige Prozent unterhalb der Favoriten urbane Wildnis und abfallfreie Stadt lag. Ein Bild der Zukunft, die Sharing City, fand jedoch deutlich weniger Zustimmung. Die Vision, dass die Menschen ihr Eigentum und ihren Konsum auf das Wesentliche konzentrieren, dass sie Dinge häufiger teilen und leihen, anstatt sie zu kaufen, sprach nicht viele Menschen an. Diese Vision landete weit abgeschlagen, ganz unten auf der Liste der Wünsche der Befragten. Auch die direktdemokratische Stadt fand wenig Zustimmung, jedoch mehr als das Schlusslicht Sharing City.

Handlungsbedarf vor Ort

Neben der Bewertung von verschiedenen Visionen für die Stadt der Zukunft verweist der Bericht des Deutschen Instituts für Urbanistik auf erheblichen Handlungsbedarf. Denn so sehr die Menschen sich ein Szenario wünschen, so wenig sehen sie es in ihrer Stadt bisher umgesetzt. Also auf die Frage „Wie sehr sind diese Entwicklungen, in der Stadt, in der sie wohnen, aus ihrer Sicht heute schon umgesetzt?“ kam geringe Zustimmung. Den Umsetzungsstand aller neun abgefragten Visionen liegt überall deutlich hinter ihrer Erwünschtheit. Also auch wenn das Konzept der urbanen Wildnis aus Sicht der Befragten schon heute am stärksten umgesetzt ist, zeigt sich eine deutliche Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Die größte Diskrepanz zwischen Erwünschtheit und Umsetzung herrscht beim Szenario Wohnraum für alle. Hier sind Wunsch und Wirklichkeit weit auseinander. Dementsprechend zeigt sich hier der größte kommunale Handlungsbedarf. Für die Stadt der Zukunft muss also an der Bereitstellung von Wohnraum für alle intensiv gearbeitet werden.

Klimafragen sind wichtig

Die Befragung zur Stadt der Zukunft hat auch Unterschiede in verschiedenen Altersklassen deutlich gemacht. Zum Beispiel unterscheiden sich die Vorstellungen der jungen Menschen im Alter von 14 bis 27 Jahren von der Gesamtbevölkerung. Den jüngeren Menschen sind Klima, Umwelt und Energie besonders wichtig. In dieser Gruppe findet auch das Szenario der „Selbstversorgenden Stadt“ mehr Zuspruch als bei anderen Menschen. Darüber hinaus ist für die junge Generation auch die Autofreie Stadt von Bedeutung. Insgesamt thematisiert sie viel häufiger soziale Themen und das gesellschaftliche Miteinander. Diese Anliegen sind ihnen im Zusammenhang mit ihren Wünschen zur Stadt der Zukunft wichtig. Die jüngere Altersgruppe findet auch direktdemokratische Angebote wünschenswerter als andere Gruppen. Also auch hier zeigt sich Handlungsbedarf. Es gilt in der Zukunft diesem starken Wunsch nach Partizipation verstärkt nachzukommen.

Auch interessant: Im Dezember 2021 veröffentlichte das Difu einen Leitfaden zum Thema „Städte nachhaltig planen und bauen“. Mehr dazu hier: Leitfaden Städte planen.

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