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Der Wandel der Gesellschaft macht schon lange nicht mehr vor religiösen Einrichtungen halt. Viele Kirchen sind bereits umgebaut und erfüllen weltliche Zwecke. Nun rücken auch Klöster in das Blickfeld. Auch ihre Gemeinschaften verändern sich und damit die Nutzung ihrer Gebäude.

Wandel ist überall

Deutschland ist reich an Klöstern, bisher. Nun gibt es aber auch etwa 1 000 klösterliche Gebäude, die aufgegeben werden müssen. Sowohl demografische Veränderungen, als auch ein Mangel an Nachwuchs verändern die Landschaft von Ordensgemeinschaften und damit die Landschaft der Klöster. Um diese Herausforderungen zu meistern und Wissen zu teilen, gibt es ein neues Wissensportal: zukunftkulturraumkloster.de. Dieses will die Neunutzung von denkmalgeschützten Klöstern und deren Liegenschaften unterstützen.

Die Lebens- und Arbeitsbedingungen verändern sich in Deutschland rasant. Insbesondere in strukturschwachen und ländlichen Regionen stehen große Herausforderungen an. Das sieht auch der Bund so. Er erklärte die Angleichung von Lebensverhältnissen zu einem wichtigen Ziel seiner Aktivitäten. Dass dies nur gemeinsam, mit vielen, verschiedenen Akteur*innen geleistet werden kann, ist klar. Dementsprechend sucht der Bund nach innovativen Ideen, die öffentliche, privatwirtschaftliche und zivilgesellschaftliche Akteur*innen umsetzen können. Neben den Lebensbedingungen für die Zivilgesellschaft ändert sich auch die Situation vieler klösterlicher Gemeinschaften. Die meisten Orden überaltern und werden aufgrund von Nachwuchsmangel aufgegeben. Diese Transformation verläuft derzeit punktuell, je nach Rahmenbedingungen der Gemeinschaft und des Ortes. Das in diesen Veränderungsprozessen gesammelte Wissen wird derzeit nur punktuell und informell weitergegeben. Das ist schade. Das will ein Wissensportal nun ändern.

Klöster Nutzung: Zentrale Herausforderungen

Ordensgemeinschaften päpstlichen Rechts

Viele Klosteranlagen bestehen aus großen, identitätsstiftenden und meist denkmalgeschützten Häusern und dazugehörigen Liegenschaften. Werden Klöster nicht mehr vom Orden gebraucht, steht demgemäß die Überführung in eine neue Nutzung an. Beendet eine Ordensgemeinschaft ihr Schaffen an einem Ort, werden ihre Aufgaben oftmals in Gemeinde und Region durch andere Träger übernommen. Dazu gehören kulturelle, soziale und seelsorgerische Tätigkeiten genauso wie Bildungsaufträge. Da ein Klosterbetrieb oft aufgegeben wird, während noch wenige Mitglieder aktiv sind, gilt es angemessene und bezahlbare Unterkünfte für diese Menschen zu finden. Hier können innovative, architektonische Lösungen helfen, neue Zuhause zu schaffen.

Mit besonderen Rahmenbedingungen sind Ordensgemeinschaften päpstlichen Rechts konfrontiert. Da sie nicht an ein Bistum angeschlossen sind, fehlt es ihnen oft an personeller und fachlicher Unterstützung bei einer Transformation. Sie müssen die Weitergabe ihrer Dienstleistungen an die Gemeinden selber organisieren. Und auch die Neunutzung ihrer Kloster obliegt ihnen selber. Das stellt viele, entsprechend seniore Gemeinschaften vor große Herausforderungen. Sie verfügen meistens nicht über notwendige Netzwerke, um in der gebotenen Zeit geeignete Nach- oder Mitnutzer*innen zu finden. Auch die Aufgabe, ihre Liegenschaften zu verkaufen, zu verpachten oder zu vermieten, überfordert viele Ordensmitglieder.

Dieselbe Aufgabe für alle

Viele Ordensgemeinschaften stehen vor ähnlichen Aufgaben. Dennoch gibt es Unterschiede. Je nach Lage und Zustand der Gemeinschaft, ihrer Region und ihrer Liegenschaft sind unterschiedliche organisatorische, betriebswirtschaftliche und rechtliche Entscheidungen zu treffen. Dafür fehlt es den meisten Betroffenen an Erfahrung und Wissen. Aber auch der Zugang zu relevanten Informationen und weiterführenden Hilfen ist für alternde Brüder und Schwester oft schwierig. Sie bedürfen Unterstützung bei der Planung von Um- und Nachnutzungen. Aber auch Wissen zu baulichen Rahmenbedingungen, zu Denkmal- und Brandschutz sind ihnen genauso fern, wie Wissen zu finanziellen und steuerlichen Themen.

Neues Wissensportal

Das soll sich ändern. Ein neues Wissensportal will diese Lücken schließen. Es richtet sich an Ordensgemeinschaften selbst, an Gemeinden und Regionen, in denen sich Klosteranlagen befinden. Das Portal zielt darauf ab, allen Interessierten wichtiges Praxiswissen zu Umnutzungen von Klöstern und Liegenschaften zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus strebt das Wissensportal, an Interessierte zu vernetzen und auf Lösungs- und Fördermöglichkeiten hinzuweisen. Vorbildliche Best-Practice-Beispiele machen außerdem auf das Thema aufmerksam und regen einen aktiven Diskurs ein.

Zukunftslabore

Da keine fertigen Rezepte auf dem Tisch liegen, waren erfahrene Akteur*innen zum Austausch über Transformationen von Klöstern eingeladen. In zwei Zukunftslaboren entwickelten Ordens- und Gemeindevertreter*innen, Kreative und Expert*innen im Januar 2021 exemplarische Nutzungsideen für große Klöster und Liegenschaften im ländlichen Raum. Zu diesen Laboren hatte der Verein Zukunft Kulturraum Kloster eingeladen, der durch das Förderprogramm „Region gestalten“ unterstützt wird. Gemeinsam diskutierte eine große Runde die Herausforderungen und Lösungen der Transformation aus politischer, baulicher, spiritueller und ökonomischer Perspektive. Die Ergebnisse dieser beiden Zukunftslabore sind aufbereitet und online zugänglich. 

Runde Tische

Neben den Zukunftslaboren werden im Rahmen des Forschungsprojekts auch Einzelgespräche mit verschiedenen Ordensgemeinschaften, mit Nachnutzer*innen und Betreiber*innen bereits umgenutzter Klöster geführt. Sie alle dienen dazu Wissen und Erfahrungen zusammen zu tragen. Hier werden auch besondere Herausforderungen thematisiert, die mit der Aufgabe eines Klosters für die Dorf- und Regionalentwicklung entstehen. Ebenso debattieren die Expert*innen Aufgaben für Architektur und Denkmalschutz, für Brandschutz und Immobilienentwicklung. Aber auch Auswirkungen von neuen Klosternutzungen für Wirtschaft und Tourismus stehen auf der Agenda von Gesprächen. Begleitet wird dieser Austauschprozess vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Rahmen des Forschungsprojekts „Wissensportal Transformation von Klöstern“

Weiteres zum Thema „Wandel“ finden Sie hier: Der Berliner Spreepark soll bis 2026 zum Kulturpark entwickelt werden.

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Neue Konzepte um Friedhöfe zu retten, sind notwendig. Dabei wichtig: Raum, der Trauer ermöglicht. Der Kölner Zukunftskongress „Heilsame Abschiede“ am 25. Oktober 2019 versammelte avantgardistische Referenten aus Soziologie, Psychologie, Philosophie, Theologie – und Landschaftsarchitektur. Die Landschaftsarchitekten Constanze Petrow und Bart Brands stellten Lösungsansätze, Leuchtturmprojekte und Erkenntnisse vor.

Friedhof noch nicht neu erfunden

In einer erzkatholischen Location, dem Tagungszentrum des Erzbistums Köln ging es unter der Moderation des Zukunftsforschers Matthias Horx eher säkular zu bei der Aufarbeitung des Themas „Vom Wandel der Trauerkultur im Zeitalter der Individualität“. Horx, dessen Zukunftsinstitut den Kongress „Heilsame Abschiede“ am 25. Oktober 2019 – der unter ideeller Trägerschaft der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V. stand – kuratiert hatte, diskutierte mit einem illustren Kreis avantgardistischer Referenten aus Soziologie, Psychologie, Philosophie, Theologie und eben auch Landschaftsarchitektur. Es ging um die Realitäten von Trauern, Friedhof und Abschied nehmen sowie über „die neue Trauer in ihren Aspekten“.

Mit dabei – als Vertreter des Themas aus landschaftsarchitektonischer Sicht: die Landschaftsarchitektin Constanze Petrow und der holländische Landschaftsarchitekt Bart Brands. Die beiden stellten Lösungsansätze, Leuchtturmprojekte und Erkenntnisse aus der Arbeit mit ihren Studenten sowie Ideen für künftige Planungen und Vorgehensweisen vor.

Dass Friedhöfe sich öffnen müssen für neue Konzepte, darüber waren sich alle Teilnehmer einig. Constanze Petrow etwa forderte den gerade auch kulturhistorisch so wertvollen Friedhof zu retten. „Es ist unsere Aufgabe“ so die Professorin für Freiraumplanung an der Hochschule Geisenheim, „hier Neues zu wagen und auszuprobieren. Noch haben wir ihn nicht neu erfunden.“
Wie dies beispielsweise aussehen kann, zeigte Bart Brands mit seiner Revitalisierung des Amsterdamer Friedhofes „De Nieuwe Ooster“, den er wie Barcode-Streifen in Parzellen mit unterschiedlichen Regeln unterteilt hat. Sein Credo lautet: „Alles muss möglich sein, aber nicht alles überall“. Constanze Petrow präsentierte darüber hinaus aktuelle studentische Strategien zur Weiterentwicklung des Friedhofs. Und sie stellte den soeben gestarteten Wettbewerb „Raum für Trauer – Ideen für den Friedhof der Zukunft“ für Nachwuchsplaner vor, im Rahmen dessen geeignete Orte auch als räumliche Situationen auf dem weltgrößten Parkfriedhof in Hamburg-Ohlsdorf gestaltet werden sollen, die individuelle oder gemeinschaftliche Rituale und Handlungen des Abschiednehmens ermöglichen.

Begegnung respektvoll ermöglichen

Petrow hatte in einem Forschungsprojekt herausgefunden, dass sich im Spannungsfeld des Friedhofes zwischen privatem Raum am Grab und dem öffentlichen Raum eine lose Gemeinschaft an formellen und informell genutzten Begegnungsräumen wie etwa den Wasserstellen bildet, die bis heute überhaupt nicht bedient werde. Diese räumlich ungelöste Situation gilt es ihrer Meinung nach zu überwinden um soziales Miteinander zu fördern, beispielsweise mit begegnungsfähig angeordneten Sitzgelegenheiten. Wichtig sei dabei allerdings, die unterschiedlichen emotionalen Zustände der Friedhofsbesucher zu respektieren und in der architektonischen Umsetzung zu berücksichtigen.

Offene Themen

Obgleich der Zukunftskongress bereits thematisch überfrachtet von einem Themenfeld zum nächsten schwappte, fehlten doch wichtige Facetten wie etwa die Sichtweisen der verschiedenen auf dem Friedhof beschäftigten Gewerke sowie der Blick auf die massiv zunehmenden Begräbnisse von Menschen aus anderen Kulturräumen, insbesondere des islamischen Glaubens. Ließen diese – ebenso wie die aus Ost- und Südosteuropa stammenden Christen – ihre Toten früher zu etwa 70 Prozent in der ehemaligen Heimat und nur zu 30 Prozent in Deutschland bestatten, so hat sich dieses Verhältnis mittlerweile umgekehrt.

Natur für ein Naturmuseum ist ähnlich herausfordernd, wie eine Architektur für die Präsentation von Architektur zu entwerfen. Wie stellt man sich also der Aufgabe, eine Landschaftsarchitektur für ein Museum zu schaffen, das zum Ziel hat, die Vielfalt der Naturgeschichte darzustellen und die Zusammenhänge zu erklären? Ein Annäherungsversuch am Beispiel des Parks für das Naturmuseum St. Gallen von Studio Vulkan Landschaftsarchitektur.

Bereits im 2009 ausgelobten Wettbewerb für den Neubau eines Naturmuseums, der von der Arbeitsgemeinschaft Armon Semadeni Architekten GmbH mit Michael Meier, Marius Hug Architekten AG umgesetzt wurde, war die Landschaftsarchitektur Teil des Wettbewerbsbeitrags. Es ist per se ein Paradoxon, Architektur oder in diesem Fall Natur ausstellen zu wollen. Denn was wir als Landschaft wahrnehmen, besteht in Wahrheit aus einer komplexen Überlagerung von verschiedenen Ebenen, sei es die Natur an sich, die funktionale und kulturgeschichtliche Prägung oder die eigene Interpretation. Wo die Einordnung in klare Begrifflichkeiten durch das Fehlen eindeutiger Grenzen im Zusammenwachsen von Stadt und Land schwierig wird, bewegen wir uns zunehmend in einer Übergangsphase zwischen Natur, natürlicher Künstlichkeit und künstlicher Natürlichkeit. Der Standort offenbart ein zusätzliches, typisches Paradoxon der Schweizer Landschaft: Infrastrukturen und Stadtraum verweben sich auf engstem Raum. Somit findet die Bauaufgabe, die Gestaltung eines Parks, direkt über einem Autobahntunnel, umgeben von heterogenem Zwischenstadtraum statt. Wie kann also Natur an einem solchen Ort aussehen? Bestimmt nicht wie ein museumspädagogisch linear verlaufender didaktischer Lehrpfad …

Dialog zwischen den Welten

Als Abschirmung zum gewachsenen Umfeld, aber auch als Synonym zum schnelllebigen Alltag wird eine natürliche Sichtbarriere als eine Art Filterzone zwischen den Welten mit einheimischen Pflanzen – Hainbuchen, Farnen und Stauden – geschaffen. 75 Prozent der Bepflanzung stammt aus heimischen Gewächsen. Für die restlichen 25 Prozent fiel die Wahl zum Beispiel auf exotische Hortensien. Irgendwann könnten die aufgrund des Klimawandels auch in hiesigen Klimazonen heimisch werden. Auch die Nachbarschaft eines Ginkgobaums zu einer Lärche gehört zu den Rätseln der Natur. Die Pfarrkirche St. Maria Neudorf setzt einen städtebaulichen Akzent, auf den sowohl die Architektur als auch die Landschaftsgestaltung Bezug nimmt. Weniger in der Festlegung von Bezugskanten, sondern auf einer philosophischen Ebene: Der Dialog zwischen den zwei Theorien zur Entstehung der Welt wird auf einer poetisch-sakralen und wissenschaftlichen Ebene geführt und funktioniert über Trittsteine, die zugleich als Informationsträger der weltlichen und religiösen Zitate dienen.

Katalysator für die Vorstellungskraft

Unabhängig von der Materialität der Fassade des Naturmuseums wurde auch im zugehörigen Park der Werkstoff Beton eingesetzt. Als artifizielles Produkt steht der Beton in gewolltem Kontrast zu dem für die Ostschweiz bekannten Naturwerkstein Nagelfluh. Die Trittsteine wirken als Katalysator für die Vorstellungskraft. Sie sind mit Artefakten aus der Naturgeschichte bis zu Bearbeitungsspuren von Menschen mit Mustern von Jute, Dränplatten oder Dachlatten versehen. Und noch einmal werden Sehgewohnheiten auf die Probe gestellt: Anstelle elegant an der Fassade von Kirchen oder Sehenswürdigkeiten zu wirken, findet sich der grünliche Ostschweizer Sandstein grob geschottert wieder. Da es keine Wegeführung gibt, ist man frei, sich seinen eigenen Zugang zum Ort, aber auch zur Gedankenwelt zu suchen. Damit schließt sich der Kreis zum Naturmuseum wieder.

Ein Interview mit Lukas Schweingruber vom Studie Vulkan finden Sie in der Dezemberausgabe 2018 der G+L.