Wie Kulturarbeit in ländlichen Regionen gelingt: eine DIFU-Handreichung

Bunte Fähnchen an einer Leine flattern im Wind
Kulturangebote im Ländlichen Raum © Photo by rminedaisy on Unsplash

Wie kann das Kulturangebot in ländlich geprägten Regionen und kleineren Städten weiterentwickelt werden? Wie lassen sich neue Aufgaben und Ideen vor Ort etablieren? Und wie werden regionalübergreifende Kooperationen initiiert? Lösungsansätze für diese Fragestellungen zu finden, das hat sich das Programm „TRAFO – Modelle für Kultur im Wandel“ auf die Fahnen geschrieben. Und dazu jetzt gemeinsam mit dem Difu eine Handreichung veröffentlicht.

Bei dem Programm „TRAFO – Modelle für Kultur im Wandel“ handelt es sich um eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes, die ländliche Regionen dabei unterstützt, ein vitales Kulturprogramm aufzubauen. Schon seit einigen Jahren läuft das Programm mit unterschiedlichen Partnergemeinden. Aus den Erfahrungen entstand nun eine Handreichung mit wertvollen Tipps aus der Praxis. Verantwortlich sind das trafo-Programmbüro und das Deutsche Institut für Urbanistik. Seit Ende 2019 ergänzt das difu die Programme des Trafo durch wissenschaftliche Arbeit. Während das Trafo-Programm mit Modellregionen in der Praxis arbeitet, versucht das difu die Erkenntnisse daraus zu systematisieren. So entstehen Leitlinien, wie Kulturarbeit im ländlichen Raum auf lange Sicht erfolgreich gestaltet werden kann. 

Die Relevanz der Kulturarbeit

Hortensia Völckers von der Kulturstiftung des Bundes betont, welche Relevanz die Kulturarbeit in ländlichen Regionen hat. Dabei stehe nicht etwa ein touristisch vermarktbares Kulturangebot im Vordergrund. Vielmehr gehe es „um sozialen Zusammenhalt, um die Lebensqualität der Ortsansässigen, um gelebte Demokratie vor Ort“. Und Carsten Kühl vom difu führt aus, dass diese Erkenntnis von den Akteur*innen vor Ort zunächst überhaupt erstmal realisiert werden müsse. Danach sei es an den Kommunen, die Kulturschaffenden in ihren Projekten zu unterstützen. Die Förderung umfasst dabei Hilfen und Beratung, Angebote der Weiterbildung sowie den Zugang zu Fördermitteln. Durch den regen Austausch zwischen Verwaltung und engagierten Bürger*innen werde es möglich, an den wirklich relevanten Punkten aktiv zu werden.

Kooperationen stärken

In ihrer Veröffentlichung fordern difu und Trafo einen Perspektivwechsel. Sie empfehlen den Betroffenen als Region zu denken und zu handeln. So könnten statt individueller vermehrt gemeinschaftliche Belange in den Mittelpunkt treten.

Mit dem ersten Teil ihrer Publikation bündeln Sie grundlegende Gedanken zur Rolle von Kulturarbeit für die regionale Entwicklung. Unter anderem wird der Aspekt der Vernetzung angesprochen. Außerdem die Identifikation mit einem gemeinsamen Anliegen, das der gesamten Region am Herzen liegt. Weiterhin beschäftigt die Handreichung sich mit dem Thema der Selbstreflexion. Institutionen sollten ihr Verständnis von bisherigen Arbeitsweisen überdenken und sich neuen Formen der Zusammenarbeit öffnen. Die Bereitschaft zur Kooperation betrachten die Programminitator*innen als Startpunkt. Deshalb trägt der erste Teil der Handreichung auch den Untertitel: „Loslegen“.

Im Bild ist eine Infobroschüre zum Ideenkongress des Trafo 2018 zu sehen. (Foto: Tim Schenkl)
Im Bild ist eine Infobroschüre zum Ideenkongress des Trafo 2018 zu sehen. (Foto: Tim Schenkl)

Kulturarbeit als Lernprozess

Zunächst sollten die Kooperationspartner*innen sich über ihre Ziele klarwerden. Diese müssen dem jeweiligen Kontext und den Möglichkeiten angemessen sein. Anschließend sind konkrete Maßnahmen festzulegen. Dabei zeigen die Erfahrungen, dass diese Maßnahmen sich im Laufe der Kulturarbeit weiterentwickeln können. Die Handreichung spricht deshalb von einem lernenden Konzept. Nur durch Ausprobieren kann sich zeigen, was vor Ort funktioniert. Und wo im Zweifelsfall nachjustiert werden muss. Zusammengefasst gilt auch in der Kulturarbeit der altbekannte Leitsatz: „Probieren geht über Studieren.“

Nachhaltige Wirksamkeit

Sobald sich eine vernetzte Gemeinschaft mit der Möglichkeit zur Beteiligung gebildet hat, können weiterführende Prozesse anschließen. Zur fortlaufenden Entwicklung der Kulturarbeit erstellen TRAFO und difu eine zweite Veröffentlichung. Für Anfang 2023 ist dann eine weitere Handreichung geplant. Sie beschäftigt sich unter anderem mit Themen der Nachhaltigkeit. Bezüglich der Kulturarbeit bedeutet das, Strategien zu entwickeln, durch die sich die Projekte verstetigen lassen.

Die Handreichungen sind auf der Website des Deutschen Instituts für Urbanistik hier frei zugänglich.

Mehr spannende Projekte im ländlichen Raum finden Sie hier.

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Anlegen Einer Trockenmauer: Material, Detail und Praxis

Ein Detail von Belag und Freiraummaterial zum Thema Anlegen Einer Trockenmauer
Alte Backsteinmauer mit kleinen Fenstern spiegelt sich im Wasser darunter. Foto: irrabagon/Unsplash

Eine Trockenmauer ist kein aufgeschichteter Steinhaufen, sondern ein durchdachtes Ingenieurbauwerk aus Naturstein, das ohne ein einziges Gramm Mörtel Jahrzehnte und Jahrhunderte überdauert. Das Anlegen einer Trockenmauer verbindet handwerkliches Können mit materialkundlichem Wissen und einem Verständnis für die Kräfte, die auf ein Hangbauwerk einwirken. Wer die Prinzipien kennt, baut nicht nur standsicher, sondern schafft zugleich einen der wertvollsten Lebensräume, die eine Freiraumplanung hervorbringen kann.

  • Was eine Trockenmauer definiert und wie sie sich von gemörtelten Stützmauern unterscheidet
  • Welche Steinmaterialien geeignet sind und worauf bei der Auswahl zu achten ist
  • Wie Fundament, Neigung und Schichtenaufbau statisch und konstruktiv funktionieren
  • Welche Detailpunkte über Standsicherheit und Langlebigkeit entscheiden
  • Wie Hinterfüllung, Drainage und Verzahnung zusammenwirken
  • Welche ökologischen Qualitäten Trockenmauern im Freiraum auszeichnen
  • Welche typischen Fehler beim Anlegen einer Trockenmauer entstehen und wie man sie vermeidet
  • Wie Trockenmauern in der Landschaftsarchitektur und im öffentlichen Freiraum eingesetzt werden

Definition und Einordnung: Was eine Trockenmauer ist und was sie leisten muss

Eine Trockenmauer ist eine Mauer aus Naturstein, die ohne Bindemittel, also ohne Mörtel, Beton oder Zement, errichtet wird. Die Stabilität entsteht ausschließlich durch das Eigengewicht der Steine, ihre gegenseitige Verzahnung und die Reibungskräfte zwischen den Lagerflächen. Der Begriff „trocken“ bezieht sich dabei nicht auf den Feuchtigkeitszustand, sondern auf die Abwesenheit von Mörtel als Bindemittel. Im Fachenglischen heißt das Bauwerk entsprechend „dry stone wall“, im Französischen „mur en pierre sèche“. Die UNESCO hat die Kunst des Trockenmauerbaus im Jahr 2018 in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen, was die kulturhistorische Tiefe dieser Bautechnik unterstreicht.

Trockenmauern erfüllen im Freiraum in erster Linie eine statische Aufgabe: Sie stützen Geländesprünge ab, halten Böschungen und Terrassierungen in der Lage und ermöglichen die Nutzung von Hangflächen, die ohne Abstützung zu steil wären. Daneben wirken sie als Raumteiler, Einfriedung oder gestaltendes Element im Landschaftsbild. Gegenüber gemörtelten Stützmauern besitzen sie einen entscheidenden konstruktiven Vorteil: Sie sind wasserdurchlässig. Der Wasserdruck, der sich hinter einer undurchlässigen Mauer aufbaut und zu deren Versagen führen kann, entfällt bei einer Trockenmauer weitgehend, weil das Wasser durch die Fugen abfließt. Diese Eigenschaft macht sie zu einem klassischen Instrument des naturnahen Wassermanagements im Hang.

Im Kontext der Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung sind Trockenmauern keine Nischenlösung, sondern ein vielseitiges Werkzeug. Sie finden sich in historischen Weinbergen und Obstgärten, in der alpinen und voralpinen Kulturlandschaft, in Parkanlangen des 18. und 19. Jahrhunderts, in zeitgenössischen Stadtgärten und öffentlichen Freiräumen. Ihre Wiederentdeckung in der modernen Planung ist nicht romantischer Nostalgie geschuldet, sondern dem Wissen um ihre ökologischen, gestalterischen und bautechnischen Qualitäten.

Materialwahl: Steinarten, Eigenschaften und Eignung

Die Wahl des richtigen Steinmaterials ist beim Anlegen einer Trockenmauer keine ästhetische Frage allein, sondern eine technische Grundentscheidung. Geeignet sind Gesteine, die druckfest, frostbeständig und formstabil sind, also keine Neigung zeigen, bei Wechselfeuchte oder Frost zu splittern, zu blättern oder zu quellen. Weiche, poröse oder stark schiefrige Gesteine sind für tragende Trockenmauern ungeeignet. Bewährt haben sich Sandstein mit hoher Druckfestigkeit, Kalkstein, Granit, Gneis, Basalt, Porphyr und verschiedene Quarzite. Schiefer ist nur bedingt geeignet: Harter Dachschiefer kann in flachen Lagen verbaut werden, neigt aber bei ungünstiger Lagerung dazu, entlang der Spaltflächen zu brechen.

Entscheidend für die Verarbeitbarkeit ist die Geometrie der Steine. Ideal sind Steine mit möglichst ebenen, parallelen Lagerflächen, also Ober- und Unterseite, weil sie satte Auflageflächen ermöglichen und die Last gleichmäßig weiterleiten. Bruchsteine aus dem Steinbruch, die beim Sprengen oder Brechen entstehen, haben oft eine natürliche Spaltfläche, die als Lagerfläche genutzt werden kann. Feldsteine, also aus dem Boden gelesene Steine glazialen Ursprungs, sind häufig gerundet und erfordern mehr Geschick beim Versetzen, weil die Kontaktflächen kleiner und unregelmäßiger sind. Behauene Steine mit definierten Maßen, sogenannte Quader oder Werksteine, erleichtern das Anlegen einer Trockenmauer erheblich, sind aber kostenintensiver.

Für die Planung ist die regionale Verfügbarkeit ein wichtiges Kriterium. Trockenmauern aus ortsüblichem Gestein fügen sich nicht nur gestalterisch in die Landschaft ein, sondern reduzieren auch den Transportaufwand und damit den ökologischen Fußabdruck des Bauwerks erheblich. In der Planungspraxis empfiehlt sich eine enge Abstimmung mit regionalen Steinbrüchen und Natursteinlieferanten, um Qualität, Maßhaltigkeit und Verfügbarkeit vor Baubeginn zu sichern. Die Steinmenge wird in der Regel in Tonnen angegeben; für eine Trockenmauer mittlerer Stärke und Höhe rechnet man grob mit einer bis zwei Tonnen Stein pro Quadratmeter Mauerfläche, abhängig von Steinart und Schichtdicke.

Steingrößen und Sortierung

Beim Anlegen einer Trockenmauer ist eine durchdachte Sortierung des Materials vor Baubeginn unverzichtbar. Große, schwere Steine gehören in die untersten Lagen und ins Fundament, weil sie die Basis des Bauwerks bilden und das Eigengewicht der Mauer aufnehmen. Mittelgroße Steine bilden das Mauerwerk der Mittellagen. Kleine Steine und Splitt dienen als Füllmaterial in den Zwischenräumen und als Hinterfüllung. Besonders lange Steine, sogenannte Binder oder Durchläufer, die die volle Mauertiefe überbrücken, sind für die Stabilität des Verbands von besonderer Bedeutung und sollten in regelmäßigen Abständen eingebaut werden.

Konstruktive Grundlagen: Fundament, Neigung und Schichtenaufbau

Das Anlegen einer Trockenmauer beginnt mit dem Fundament, das die gesamte Last des Bauwerks in den Untergrund ableitet. Bei kleinen Mauern bis etwa sechzig Zentimeter Höhe genügt es häufig, die oberste Bodenschicht abzutragen und eine Lage großer, flacher Steine direkt auf den gewachsenen Boden zu setzen. Bei höheren Mauern oder auf wenig tragfähigem Untergrund ist ein Fundament aus Schotter oder Kies erforderlich, das frostfrei, also unterhalb der örtlichen Frosttiefe, gegründet wird. In Mitteleuropa liegt die Frosttiefe je nach Region zwischen achtzig und einhundert Zentimetern. Ein nicht frostfrei gegründetes Fundament arbeitet im Winter durch Frostdehnung, was die Mauer langfristig destabilisiert.

Die Anlaufneigung, also die Neigung der Mauerfläche zur Vertikalen, ist ein zentrales statisches Merkmal jeder Trockenmauer. Trockenmauern werden grundsätzlich mit einer Böschung gebaut, das heißt, die Mauerfläche neigt sich leicht in Richtung des gestützten Hangs. Diese Neigung, in der Fachsprache als „Anzug“ bezeichnet, beträgt je nach Mauerhöhe und Steinmaterial zwischen fünf und fünfzehn Prozent, also fünf bis fünfzehn Zentimeter Rücksprung pro Meter Höhe. Der Anzug bewirkt, dass die Resultante aus Eigengewicht und Erddruck möglichst senkrecht durch den Mauerquerschnitt verläuft und die Mauer nicht nach vorne kippt. Eine senkrecht gestellte Trockenmauer ist statisch deutlich ungünstiger und neigt bei Belastung durch Erddruck oder Wasserdruck zum Ausweichen.

Der Schichtenaufbau folgt dem Prinzip des Mauerwerksverbands: Jede Lagerfuge muss von der darüberliegenden Steinlage überdeckt werden. Stoßfugen, also die senkrechten Fugen zwischen benachbarten Steinen, dürfen sich nicht über mehrere Lagen hinweg durchgehend fortsetzen. Dieses Prinzip, das Kreuzverband oder Läuferverband genannt wird, ist aus dem Mauerwerksbau allgemein bekannt und gilt für Trockenmauern in besonderem Maße, weil hier kein Mörtel die Fugen schließt und die mechanische Verzahnung der einzige Kraftübertragungsweg ist. Jeder Stein sollte auf mindestens zwei Steinen der darunterliegenden Lage aufliegen, und jede Fuge sollte von einem Stein der nächsten Lage überdeckt sein.

Die Mauertiefe, also die Breite des Mauerquerschnitts, richtet sich nach der Mauerhöhe. Als Faustregel gilt, dass die Mauertiefe an der Basis mindestens ein Drittel bis die Hälfte der Mauerhöhe betragen sollte. Eine Mauer von einem Meter Höhe benötigt demnach eine Basisbreite von mindestens dreißig bis fünfzig Zentimetern. Höhere Mauern erfordern proportional breitere Querschnitte. Zweischalige Trockenmauern, bei denen zwei äußere Steinreihen eine Füllzone aus kleinerem Steinmaterial einschließen, sind für größere Höhen besser geeignet als einschalige Mauern, weil sie mehr Eigengewicht und eine breitere Lastverteilung bieten.

Hinterfüllung, Drainage und die Physik des Erddrucks

Hinter jeder Stützmauer baut sich durch den Erddruck eine horizontale Kraft auf, die die Mauer nach vorne zu drücken versucht. Bei Trockenmauern kommt der Wasserdruck als zweite, oft unterschätzte Belastung hinzu: Wenn Niederschlagswasser im Hinterfüllbereich nicht abfließen kann, steigt der hydrostatische Druck hinter der Mauer erheblich an. Das Anlegen einer Trockenmauer schließt deshalb immer eine sorgfältige Planung der Hinterfüllung und Drainage ein.

Als Hinterfüllmaterial eignen sich gut wasserdurchlässige, nicht bindige Materialien: Kies, Schotter, Recycling-Gesteinskörnungen oder grobkörnige Mineralgemische. Bindige Böden, also Lehm und Ton, sind als Hinterfüllung ungeeignet, weil sie Wasser speichern, bei Nässe quellen und bei Frost gefrieren. Beides erzeugt erhöhten Druck auf die Mauer. In der Praxis wird unmittelbar hinter der Mauer eine Drainageschicht aus Kies oder Splitt eingebaut, die das Wasser nach unten ableitet und durch die Fugen der Mauer austreten lässt. Diese Drainageschicht sollte mindestens zwanzig bis dreißig Zentimeter stark sein und über die gesamte Mauerhöhe reichen.

Beim Einbau der Hinterfüllung ist die Verdichtung ein kritischer Punkt. Zu starke Verdichtung unmittelbar hinter der Mauer kann die noch nicht vollständig stabilisierte Mauerstruktur verschieben. Die Hinterfüllung sollte lagenweise und mit leichtem Gerät eingebracht werden, beginnend von unten nach oben, parallel zum Maueraufbau. Dieser Wechsel zwischen Maueraufbau und Hinterfüllung in Lagen ist eine der wichtigsten handwerklichen Regeln beim Anlegen einer Trockenmauer und wird von Anfängern häufig vernachlässigt.

Ökologische Qualität: Trockenmauern als Lebensraum

Trockenmauern zählen zu den artenreichsten Strukturen, die der Freiraum hervorbringen kann. Die offenen Fugen bieten Nistplätze für solitäre Wildbienen und Wespen, Verstecke für Eidechsen, Blindschleichen und Ringelnattern sowie Überwinterungsquartiere für Insekten und Spinnen. Die Steinoberflächen selbst sind Lebensraum für spezialisierte Flechten- und Moosgemeinschaften, die auf keine andere Substratform angewiesen sind. Die thermische Dynamik einer Trockenmauer, tagsüber stark aufgeheizt, nachts rasch abkühlend, schafft ein Mikroklima, das wärmeliebende Arten anzieht, die in der Normallandschaft kaum noch Lebensraum finden.

Für die Freiraumplanung ist diese ökologische Qualität kein Nebeneffekt, sondern ein Planungsziel. Trockenmauern werden in Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen nach dem Bundesnaturschutzgesetz als Biotopstrukturen anerkannt und können in der Eingriffs-Ausgleichs-Bilanzierung positiv bewertet werden. Voraussetzung ist, dass sie mit geeignetem regionalem Steinmaterial gebaut werden und die Fugen offen bleiben, also nicht nachträglich mit Mörtel verfüllt werden. Eine Bepflanzung der Fugen mit standortgerechten Pflanzen, etwa Mauerpfeffer (Sedum-Arten), Mauerraute (Asplenium ruta-muraria), Zimbelkraut (Cymbalaria muralis) oder Fetthenne (Hylotelephium-Arten), erhöht den ökologischen Wert weiter, sollte aber die Stabilität der Mauer nicht gefährden.

Besonders in der Kulturlandschaft Mitteleuropas sind historische Trockenmauern in Weinbergen, auf Streuobstwiesen und an Terrassenäckern Relikte einer Bewirtschaftungsform, die heute kaum noch praktiziert wird. Ihr Erhalt ist nicht nur eine denkmalpflegerische, sondern eine naturschutzfachliche Aufgabe. Viele Landschaftsrahmenpläne und Biotopkartierungen führen Trockenmauern als schutzwürdige Strukturen. Für Planungsbüros, die in solchen Kulturlandschaften tätig sind, ist die Kenntnis der Bautechnik und der ökologischen Anforderungen deshalb unmittelbar praxisrelevant.

Typische Fehler beim Anlegen einer Trockenmauer und wie man sie vermeidet

Der häufigste Fehler beim Anlegen einer Trockenmauer ist das Setzen von Steinen mit der Längsachse parallel zur Mauerfläche, ohne Binder einzubauen. Solche Mauern sehen von vorne ordentlich aus, sind aber in der Tiefe nicht verzahnt und neigen dazu, sich in einzelne Schalen aufzuspalten, die unabhängig voneinander kippen. Binder, also Steine, die quer zur Mauerfläche eingebaut werden und die volle Mauertiefe überbrücken, sollten in regelmäßigen Abständen, mindestens alle ein bis zwei Meter, in jeder Lage vorkommen.

Ein weiterer verbreiteter Fehler ist das Einbauen von Steinen mit der Neigung nach außen, also so, dass die Steinoberfläche von der Mauer weg abfällt. Jeder Stein sollte leicht nach innen geneigt eingebaut werden, damit Wasser in die Mauer und nicht auf die Vorderfläche abläuft. Steine, die nach außen neigen, werden durch Frost und Wasser unterspült und lockern sich mit der Zeit. Diese Regel gilt besonders für die Deckschicht der Mauerkrone, die den Witterungseinflüssen am stärksten ausgesetzt ist.

Zu kleine Steine in den unteren Lagen und zu große Steine oben kehren die statische Logik um und destabilisieren das Bauwerk. Ebenso problematisch ist das Einbauen von Steinen, die nur auf einem Punkt aufliegen, sogenannte Wackelsteine oder Kippsteine. Jeder Stein muss satt auf seiner Unterlage aufliegen, ohne zu kippen oder zu wippen. Kleine Keile aus hartem Splitt können eingesetzt werden, um Steine in der richtigen Position zu stabilisieren, solange sie nicht als Hauptauflager dienen. Auf Mörtel als Notlösung für schlecht sitzende Steine sollte grundsätzlich verzichtet werden, weil er die Wasserdurchlässigkeit der Mauer reduziert und bei Frost zu Absprengungen führt.

Schließlich wird die Mauerkrone, also der obere Abschluss der Mauer, häufig vernachlässigt. Eine sorgfältig gesetzte Deckschicht aus flachen, schweren Steinen, die quer zur Mauerfläche verlegt werden, schützt die darunterliegenden Lagen vor Auswaschung und gibt der Mauer ihren oberen Halt. Eine offene, ungeordnete Mauerkrone ist der häufigste Ausgangspunkt für den schrittweisen Verfall einer Trockenmauer.

Trockenmauern in der Landschaftsarchitektur: Planung, Einbettung und Pflege

In der professionellen Freiraumplanung ist das Anlegen einer Trockenmauer ein Entwurfs- und Ausführungsthema zugleich. Im Entwurf entscheiden Höhe, Länge, Materialwahl und Einbettung in die Topografie über die gestalterische Wirkung. Eine Trockenmauer aus regionalem Kalkstein in einem Weinbergterrassenkontext hat eine andere Aussage als eine Granitsteinmauer in einem zeitgenössischen Stadtpark. Beide können gestalterisch überzeugend sein, wenn Material, Proportion und Kontext stimmig sind.

In der Ausschreibung und Vergabe sind Trockenmauern als Natursteinarbeiten nach VOB/C zu behandeln. Die einschlägige Norm ist die DIN 18332 (Naturwerksteinarbeiten), die jedoch primär auf bearbeitete Werksteine ausgerichtet ist. Für den Trockenmauerbau im engeren Sinne gibt es in Deutschland keine eigenständige DIN-Norm; die Planung stützt sich auf Fachliteratur, Herstellerempfehlungen und die Erfahrung spezialisierter Betriebe. In der Schweiz und in Frankreich existieren weitergehende Fachregeln und Ausbildungsstandards für den Trockenmauerbau, die auch für die deutsche Planungspraxis als Orientierung dienen können.

Die Pflege einer Trockenmauer beschränkt sich im Wesentlichen auf die regelmäßige Sichtkontrolle und das Nachsetzen einzelner Steine, die sich durch Frost, Wurzeldruck oder mechanische Einwirkung gelockert haben. Gehölze mit aggressivem Wurzelwerk, insbesondere Robinie (Robinia pseudoacacia) und Götterbaum (Ailanthus altissima), sollten nicht in unmittelbarer Nähe von Trockenmauern gepflanzt werden, weil ihre Wurzeln in die Fugen eindringen und die Mauer aufsprengen können. Krautige Pflanzen und Gräser in den Fugen sind dagegen unproblematisch und ökologisch erwünscht. Eine Trockenmauer, die regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf nachgearbeitet wird, kann ohne weiteres mehrere Generationen überdauern.

Handwerk, Wissen und Verantwortung: Das Anlegen einer Trockenmauer als Planungsaufgabe

Das Anlegen einer Trockenmauer ist eine der ältesten Bautechniken der Menschheit und zugleich eine, die in der zeitgenössischen Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung zu Unrecht selten geworden ist. Ihre Qualitäten sind vielfältig: Sie ist nachhaltig, weil sie ohne energieintensive Bindemittel auskommt und vollständig rückbaubar ist. Sie ist ökologisch wertvoll, weil sie Lebensräume schafft, die in der Normallandschaft rar sind. Sie ist gestalterisch stark, weil das Naturmaterial Stein eine Authentizität und Materialität besitzt, die kein Kunstprodukt ersetzen kann. Und sie ist technisch robust, wenn sie nach den Regeln des Handwerks ausgeführt wird.

Für Planungsbüros bedeutet das: Wer Trockenmauern in Projekte integriert, braucht Kenntnisse in Baustatik, Bodenmechanik, Steinmaterialkunde und Handwerkstechnik. Die Zusammenarbeit mit spezialisierten Betrieben, die das Handwerk des Trockenmauerbaus beherrschen, ist dabei keine Schwäche, sondern Ausdruck von Planungsqualität. Die Zahl der Fachbetriebe mit nachgewiesener Kompetenz im Trockenmauerbau ist begrenzt; ihre frühzeitige Einbindung in die Planung, idealerweise bereits in der Entwurfsphase, sichert Qualität und vermeidet Ausführungsfehler, die sich später kaum ohne vollständigen Rückbau korrigieren lassen.

Die Wiederentdeckung des Trockenmauerbaus in der Planungspraxis ist kein Rückschritt, sondern eine Rückbesinnung auf eine Bautechnik, die den Anforderungen einer nachhaltigen, biodiversitätsfördernden und ressourcenschonenden Freiraumgestaltung in besonderer Weise gerecht wird. Wer die Prinzipien des Anlegen einer Trockenmauer versteht, verfügt über ein Werkzeug, das in der Lage ist, Landschaft zu formen, Lebensraum zu schaffen und Bauwerke zu hinterlassen, die nicht trotz, sondern wegen ihrer Einfachheit dauerhaft sind.

Wettbewerbsübersicht Februar 2019 (1/2)

Neues Leben an der Vils in Amberg, 1. Preis FFFW Architekten mit Rost.Niederehe Architekten Ingenieure, Berlin

Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen monatlich über die spannendsten Wettbewerbsergebnisse.

Freiraum am Schäfersee in Berlin, 1. Preis Levin Monsigny Landschaftsarchitekten, Berlin

Ein „metaphorisches Band“ verwebt den Flussraum der Vils mit der Innenstadt Ambergs, sowie den angrenzenden Stadtquartieren und Landschaftsräumen. FFFW Architekten mit Rost.Niderehe Architekten entwickeln mit dieser Leitidee ein stimmiges Gesamtkonzept im historischen und räumlichen Kontext, so die Jury. Dabei variieren sie die Grundidee des Bandes als Wegeflächen, gespannten Steg, aufgefächerte Uferterrasse oder schwimmenden Ponton, und ermöglichen unterschiedliche Perspektiven auf das Wasser. Wo das Band sichtbar wird, zitieren Details in Cortenstahl die Geschichte von Stadt und Vils als Produktionsort und Transportweg für Eisenerz. Der Rhythmus der Eingriffe und die Wiedererkennbarkeit des Materials schaffen eine neue Sequenz von Orten. Die schlichten Baukörper und Konstruktionen aus Corten bilden ein durchgängiges Corporate Design, ihre reduzierte Material- und Formensprache hält jedoch den Fokus auf der Raumwahrnehmung. Der westlich der Vils geführte Fuß- und Radweg bildet das Rückgrat der Wegeführung, gleichzeitig lässt die vorgeschlagene „Spur“ zukünftige Entwicklungen zu.

 

Neue Stadtmitte Lambrecht, 1. Preis BBP Stadtplanung Landschaftsplanung, Kaiserslautern

Die denkmalgeschützte Berliner Volksparkanlage des Schäfersees der 1920er Jahre braucht ein neues Gestaltungskonzept, das den wertvollen Naturraum schützt, Nutzungskonflikte meidet und sich besser nach außen vernetzt. Levin Monsigny Landschaftsarchitekten überzeugten die Jury mit einem behutsamen zeitgemäßen „Upgrade“ der Gestaltung. So stärken sie die Zugänge zum See funktional und visuell mit großzügigen Eingangsplätzen. Den umlaufenden Rundweg verbreitern sie zum ganzjährig nutzbaren, barrierefreien Hauptweg für Fußgänger und Radfahrer. Zusätzlich ergänzen sie das Wegenetz an der Westseite um den Naturerlebnis-Weg entlang des Seeufers, sowie den Allee-Weg im historischen Verlauf. Die Zugänge an der Ostseite leiten zum urbanen Ufer mit Aussichtsbalkonen an den Endpunkten und breiten Sitzstufen. Im Gegensatz dazu dominiert an der Westseite ein naturnahes Ufer. Nur eine einzelne Holzplattform in Flucht des Vierwaldstätter Weges führt zum geschützten Röhrichtbiotop.

 

Lambrecht in der Pfalz will den Stadtkern rund um die ehemalige Klosterkirche neu gestalten. BBP Stadtplanung Landschaftsplanung aus Kaiserslautern überzeugte im Gutachterverfahren mit einem Entwurf, der das Kirchengebäude in den Mittelpunkt rückt und die historische Gestaltung gleichzeitig berücksichtigt und wertschätzt. Die Planer stellen die einstige Kirchengröße auf der Platzfläche dar. Dafür deuten sie die fehlenden Streben des früher weitaus größeren Kirchenschiffes mit sechs bügelförmigen Stelen an und leiten mit Stufen auf den ehemaligen Kirchenboden. Bei Festen fungiert der Platz als Mittelpunkt und Bühne für Bürger und Besucher. Ein flächiger Belag mit wenigen Einbauten bildet einen einheitlichen ruhigen Stadtboden, der gleichberechtigter Verkehrs- und Freiraum für alle ist. Bordrinnen geben die Richtung des fahrenden Verkehrs vor, Sitzmöglichkeiten betonen kleinere Platzbereiche. Anstelle weiterer Bebauung schlagen die Planer ein verbessertes Parkraumangebot mit 18 Stellplätzen vor.