Das Wort "Zuhause" in Großen Buchstaben auf der Straße

Das Wort “Zuhause” in Großen Buchstaben auf der Straße

Chemnitz erhält einstimmig den Titel Kulturhauptstadt 2025

Gemeinsam mit der slowenischen Stadt Nova Gorica wird Chemnitz Europas Kulturhauptstadt 2025  sein. Die ostdeutsche Stadt legte laut der Kulturministerkonferenz unter dem Motto „C the Unseen – European Makers of Democracy“ ein überzeugendes Konzept vor.

Im Januar 2011 wählte eine Jury aus europäischen Expert*innen die Stadt Chemnitz mit einstimmigem Votum zur Kulturhauptstadt 2025. Unter dem Motto „C the Unseen – European Makers of Democracy“ überzeugte die Stadt in Sachsen das Gremium. Chemnitz wird deswegen die Auszeichnung gemeinsam mit der slowenischen Stadt Nova Gorica tragen. In der Vergangenheit hatten bereits West-Berlin (1988), Weimar (1999) sowie das Ruhrgebiet mit Essen (2010) die Chance, sich für Deutschland als Kulturhauptstadt Europas zu präsentieren. 2025 solle nun Chemnitz zum „kulturellen Aushängeschild Deutschlands“ werden, wie der Vorsitzende der Kulturministerkonferenz und Berliner Senator für Kultur und Europa, Dr. Klaus Lederer, erklärte. Im Bewerbungsprozess setzte sich Chemnitz gegen Dresden, Gera, Hannover, Hildesheim, Magdeburg, Nürnberg sowie Zittau durch. Die Stadt erhält Fördergelder in Höhe von 1,5 Mio. Euro, um ein Programm auf die Beine zu stellen. Und damit die Diversität der europäischen Kulturen und gleichzeitig das Gefühl einer gemeinsamen europäischen Zugehörigkeit herauszustellen.

Kunst gegen Populismus

Die Nominierung bedeutet der Stadt viel. Sie würdig das Engagement von Kulturschaffenden und Bürger*innen, die sich für künstlerische Vielfalt einsetzen und Chemnitz zu einem weltoffenen Standort machen wollen. In einer Pressekonferenz im Herbst 2020 schwärmte auch Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel von der Einsatzbereitschaft der Anwohner*innen. Die Auszeichnung als Kulturhauptstadt 2025 sei eine große Chance zu zeigen, welche Energien und Potentiale in der Stadt steckten. Das Bewerbungsteam hatte im Auswahlprozess auf die Überwindung von Gräben durch Kunst gesetzt. Und damit gezeigt, dass Kunst auch stets eine politische Dimension hat. Gerade in Chemnitz ist das Statement für eine offene Gesellschaft von besonderer Bedeutung. 2018 hatte die Stadt durch die Ausschreitungen rechter und rechtsextremer Gruppen traurige Schlagzeilen gemacht. Die Nominierung setzt ein Zeichen für die verbindenden Potentiale, welche die Kunst birgt. Und zeichnet das hohe zivile Engagement vor Ort aus. Kulturstaatsministerin Monika Grütters resümierte: „Kulturelle Vielfalt ist stärker als populistische Einfalt.“

Von Apfelbäumen und Kunstpfaden

 

In der Bewerbung war zunächst ein 100 Seiten starkes „Bid Book“ eingereicht worden – eine Ideensammlung, die nun in ein realisierbares Programm übersetzt werden muss. Die darin festgehaltenen 72 Projekte sind gesetzt. Und nach dem Zuschlag durch das Expert*innengremium sind sie teilweise bereits in der Umsetzung begriffen. So begannen im vergangenen Herbst zum Beispiel die Arbeiten am Großprojekt „We Parapom“. Dabei werden 4000 Apfelbäume quer durch die Stadt gepflanzt. Das Vorhaben steht als Symbol für die Überwindung von Grenzen. Und regt gleichzeitig zur Reflektion über die Umwelt sowie den Umgang mit Lebensmitteln an. Ein weiteres Projekt in Planung ist der „Purple Path“. Dabei handelt es sich um einen Kunst- und Kulturpfad, der Chemnitz mit dem Umland verweben soll. Die Ausführung der im Bewerbungsprozess gezeigten Visionen schreitet mit zügigen Schritten voran. Bis das endgültige Programm im Sommer 2023 vorgelegt wird, können jedoch noch weitere Vorschläge eingebracht werden.

Die gesellschaftliche Verantwortung als Kulturhauptstadt 2025

Im weiteren Prozess gilt es, dem Programm Tiefgang zu verleihen. Die Jury betonte wiederholt, wie wichtig eine Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Begebenheiten vor Ort sei. Und daher auch mit den gesellschaftlichen Entwicklungen der Region. Seit einiger Zeit treibt der Unmut über die Corona-Maßnahmen die Menschen auf die Straße. Doch bereits vor Beginn der Pandemie sah sich Chemnitz einer Zunahme an rechtem Gedankengut gegenüber. Programmdirektor Stefan Schmidtke ist sich sicher, dass „Kultur und die Auseinandersetzung mit Kultur einiges bewegen können“. Diese Sichtweise stützt ebenso das EU-Gremium. Man wolle einen speziellen Fokus auf die sogenannte stille Mitte setzen. Und so Menschen erreichen, die sich an politischen Debatten bisher nicht beteiligten, was indirekt eine Stärkung des rechten Randes ermögliche. Ob dies gelingen kann, darüber besteht nach Umfragen der TU Chemnitz Uneinigkeit. Schmidtke hofft, durch das Kulturprogramm Atmosphären zu schaffen, in denen sich Menschen wohlfühlen. Um sich dann im Austausch anderen Gedanken zu öffnen.

Aktives Miteinander auf allen Ebenen

 

Der Slogan, den Chemnitz für die Bewerbung gewählt hat, ist auf vielen Ebenen richtungsweisend. „C the Unseen“ – „Schaut genau hin“.  Die einstige Industriestadt hat deutlich mehr zu bieten, als in der breiten Öffentlichkeit bekannt ist. Unter dem Blick des berühmten Marx-Denkmals, das von den vergangenen sozialistischen Zeiten zeugt, erfindet sich die Stadt neu. Die Konzeption von Kulturhauptstraßen macht sich für eine soziale und wirtschaftliche Entwicklung der Region stark. Die Begrünung ehemals grauer Betonflächen will eine ökologische Bewegung beispielsweise sichtbar vorantreiben. Kunstprojekte und -ausstellungen im öffentlichen Raum sowie in privaten Nachbarschaften machen die gesamte Stadt zur Kulturgalerie. Durch die Auszeichnung will Chemnitz im Kleinen zeigen, was Europa im Großen ausmacht. Eine vielfältige Gesellschaft in der die Bürger*innen aktiv das gemeinsame Miteinander gestalten. Bis zum offiziellen Programmbeginn im Jahre 2025 werden dafür mit großem Engagement bereits ab jetzt die Weichen gestellt.

 

 

Stefan Schmidtke im Interview.

 

2019 gestaltete die Stadt Chemnitz den Vorplatz der TU Chemnitz um. Die Universität liegt in der Innenstadt und ist deswegen eine besondere Bereicherung für die Kulturhauptstadt 2025.

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Schmalkalder Bürger als Bodenbelag-Experte

Die Gestaltung der Innenstadt Schmalkaldens von terra.nova war eins der wichtigsten Naturstein-Projekte der letzten Jahre. In der Fachwerkstadt im Süden Thüringens wurden in den vergangenen zehn Jahren rund 21 000 Quadratmeter Naturstein verlegt. Das Projekt kommt nun zum Abschluss und dank eines übergreifenden Konzepts fügt sich alles zusammen. 


Schmalkalden hat eine bewegte Geschichte. Das sieht Stadtplaner Peter Wich schon, als er sich das erste Mal das Luftbild anschaut: Der historische Stadtkern ist im Mittelalter wild gewachsen. Straßen, Gassen und Gebäude entstanden einfach als Antwort auf den jeweiligen Bedarf. Als die Stadt 2002 über ein Wettbewerbsverfahren die Gestaltung des öffentlichen Raums in der Altstadt ausschreibt, ist dem Gründer von terra.nova Landschaftsarchitektur deshalb schnell klar: Dieses Projekt wird für sein Büro ein besonderes, wenn er es gewinnt.

Und tatsächlich überzeugt sein Ansatz die Wettbewerbs-Jury. Wich greift darin die städtebauliche Entwicklung auf, die er schon auf dem Luftbild gesehen hat. Diese teilt sich in zwei wesentliche Phasen: die Entstehung der Alt- und der Neustadt. Er sieht als Bodenbelag überall Natursteinpflaster vor. Das soll auch Stadtgeschichte sichtbar machen: Das eingesetzte Pflaster in Alt- und Neustadt unterscheidet sich in Farbe und Verbandgestaltung und definiert so die beiden Stadtbereiche. Generell, so Wich, galt es „diese geschichtsträchtige Stadt, die durch ihr Fachwerk schon wahnsinnig reich an Elementen ist, nicht zu überformen, sondern ein ruhiges und zugleich differenziertes Erscheinungsbild zu gestalten.“

Bevor er und sein Team anfangen, ein detailliertes Gestaltungskonzept zu entwickeln, nimmt er sich gemeinsam mit dem Weimarer Planungsbüro PAD Zeit für eine detaillierte Analyse des bestehenden Stadtbodens. Es geht darum, wo in früherer Zeit welche Materialien verlegt wurden – und das verwendete Material möglichst wieder aufzugreifen. Nicht überall ist das leicht zu erkennen. In Schmalkaldens Straßen wurden in der DDR-Zeit teilweise großformatig Kunststeinplatten über bestehendes Pflaster verlegt. Später, der Überfahrbarkeit und besseren Begehbarkeit wegen, asphaltierte man Verkehrsstraßen noch mit Schwarzdecke. Besonders das Wissen eines Schmalkalder Bürgers ist neben den Archiv-Unterlagen wertvoll, erinnert sich Wich: „Der Geologe hatte sich intensiv mit dem Thema Natursteine in der Schmalkalder Altstadt befasst und kannte die petrographische Zuordnung. Er konnte auch sagen, aus welchen Steinbrüchen der Region diese Pflastersteine kamen. Die meisten davon waren leider längst stillgelegt.“

90 Prozent skandinavischer Naturstein

Ausgehend von den historischen Belägen entwickelt terra.nova ein Gesamtbodenkonzept für Schmalkalden. Das Konzept berücksichtigt auch die städtebaulichen Entwicklungsstufen. Abgestimmt mit der Denkmalbehörde und dem Landesverwaltungsamt in Weimar grenzt es mögliche Belags-Materialien farbig und in Sachen Oberflächenbearbeitung ein. „Die Herausforderung bestand darin, Naturstein in passender Farbigkeit zu finden. Der Naturstein muss allerdings den heutigen Anforderungen an Witterungsbeständigkeit und Überfahrbarkeit entsprechen“, so Wich. Diese Anforderung sowie finanzielle Aspekte begründen, dass in der Umsetzung der ersten drei Bauabschnitte zu 90 Prozent skandinavischer Naturstein verbaut wurde, zu geringem Anteil auch chinesischer.

Das Material ähnelt petrographisch und farblich sehr den damals verwendeten, heimischen Basalt-, Diabas-, Sandstein- und Konglomeratgesteinsarten. Ein rötliches Material, bestehend aus ortstypischem Fambacher Buntsandstein, ist beispielsweise sehr witterungsanfällig. Es wurde deshalb durch ein nahezu gleichfarbiges Quarzit-Material aus Skandinavien ersetzt. Die Planer haben aber, betont Wich, wo immer es möglich war, vorhandenes oder von der Stadt eingelagertes Material wiederverwendet. Das machte schon aus ökologischen Gründen Sinn.

Wilder Verband in der Altstadt, geordneter Reihenverband in der Neustadt

Schmalkaldens Altstadtkern, willkürlich entstanden, unregelmäßig und verwinkelt gewachsen, gruppiert sich um die Stadtkirche. Straßen und Plätze mit unterschiedlichen Raumprofilen wechseln sich ab. Dort lässt terra.nova einen Teppich aus einer Mischung braun-rotbrauner Granite und Granodiorite mit gesägt-geflammter Oberfläche in wildem Verband verlegen. Den trapezförmigen Altmarkt hebt Wich dabei als zentralen Ort des öffentlichen Lebens mit einem Rahmen aus feinkörnigen Granit-Natursteinplatten hervor. Rund um die Stadtkirche macht der Belag ein Stück Geschichte Schmalkaldens sichtbar. „Dort liegt heute ein wiedereingebautes Lesepflaster, das wir sortieren und nachbehauen ließen und das bei archäologischen Grabungen entdeckt wurde“, so Wich.

Die Neustadt dagegen, bereits angelegt im regelmäßigem Stadtgrundriss, in geraden Straßen und orthogonaler Gestaltung, bekommt als Belag anthrazitfarbenen Granit und Granodiorit. Die Steine werden in geordnetem Reihenverband verlegt und haben ebenfalls eine gesägt-geflammte Oberfläche. Wich erklärt zum Konzept der Umgestaltung: „Durch die Materialentscheidung und die unterschiedliche Verlegeart in Alt- und Neustadt zeigen wir die unterschiedlichen Epochen, ohne dass Schmalkalden ‚auseinanderfällt‘. Wir wollen nicht eine Epoche in den Vordergrund stellen, sondern eben gerade die heutige Gesamterscheinung einer gewachsenen Stadt zeigen.“ Das Ergebnis wirkt stimmig und wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Landschaftsarchitekturpreis.

 

terra.nova weitestgehend zufrieden

Aktuell wird in Schmalkalden der fünfte Bauabschnitt umgesetzt: der Schlossberg. „Auch hier verwenden wir das wilde Pflaster, das wir vorgefunden haben, wieder. Es besteht aus Lesepflaster in rötlich bis rotbrauner bis basaltähnlicher Färbung. Verlegt in den Seitenbereichen wurde die historische Schlossauffahrt als Fahr- und Lauffläche mit einem Quarz-Porphyr im Netzverband hergestellt. Die Oberfläche ist eine Mischung aus geflammt und bruchrau um die historische Haptik zu erreichen und gleichzeitig gute Begehbarkeit zu gewährleisten“, erklärt Wich. Der sechste und letzte Bauabschnitt des Wettbewerbs wird sich drei Gassen widmen, die Richtung Neumarkt führen. 
terra.nova ist mit kleineren Einschränkungen zufrieden mit der bisherigen Entwicklung der umgestalteten Areale.

In Schmalkalden hat man jedoch nach der Umgestaltung teilweise ausschließliche Fußgängerbereiche in Verkehrsflächen umgewidmet und Fußgängerzonen aufgelöst. Deshalb kommt es zu lokalen Schäden des Pflasters, das wesentlich intensiver befahren wird als vorgesehen. Es handelt sich um ungebundenes Pflaster – zweimal jährlich wäre deshalb eine Fugenpflege durch Nachsplitten notwendig. Besonders in den Bereichen, die mit Straßenkehrmaschinen gereinigt werden, die nicht quer, sondern nach oben saugen. Um die dort fast bis zur Hälfte geleerten Fugen nicht zusätzlich zu destabilisieren, ist regelmäßige Pflege entscheidend. Leider sei diese ausdrückliche Empfehlung der Planer nicht berücksichtigt worden. „Solch punktuelle Schäden können sich ausweiten. Im Hinblick auf die Langlebigkeit der Bodenbeläge ist es essenziell, Pflegehinweise zu beachten“, so Wich.

Projekt Glücksfall für die Stadt

Mit der enormen Großflächigkeit des Projekts und der etappenweisen Umsetzung nach einem übergeordneten Gestaltungsprinzip ist Schmalkalden ein Glücksfall für die Stadtplanung. Wich wünscht sich derartige Gesamtbodenkonzepte auch für andere Städte. Meist hätten es die Planer mit kleineren Projekten und bereits begonnenen Umgestaltungsmaßnahmen zu tun. Im besten Fall ergäben aber auch viele kleine Flächen ein stimmiges Gesamtbild. Und: „Für ein Stadtbild sind gestalterische Vorgaben sehr gut, die über mehrere Politikperioden gelten.“ In Schmalkalden fügen sich die verwendeten Materialien auch in das Gesamterscheinungsbild der Altstadt ein. Sie orientieren sich am Material der historischen Treppen, Fenster- und Türgewände und Mauern.

In alten Städten ist es oft das Beste, die Historie als Ansatz zu nutzen, findet Wich: „So entsteht ein harmonischer Eindruck, der die Historie respektiert und nicht überformt.“ 
Naturstein als Belag sei dabei erste Wahl, weil sich Herstellung und Bearbeitungsweise 
stark verbessert hätten. Somit sei eine lange Nutzbarkeit gegeben. Auch die umfassenden technischen Richtlinien und die daraus resultierenden, notwendigen Belagsformate und Steindicken tragen dazu laut Wich bei. Vorbei sind die Zeiten, in denen Innenstädte mit Kleinpflaster verlegt und so zu dauernden Wackelkandidaten im Wortsinn wurden. „In Sachen Belag wünschen sich Städte ja eigentlich alle das gleiche: etwas Langlebiges ohne massiven Pflegeaufwand.“

Alle Fotos: Boris Storz

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen des Monatsthemas „Textur“ der Märzausgabe 2019 von Garten + Landschaft.

Der Superkilen in Kopenhagen ist gescheitert. Die Bürger in der Gesamtheit nutzen den Platz eher als Durchgangsraum statt zu verweilen, und das obwohl sie in den Planungsprozess durch Partizipation integriert waren – das ergibt eine langjährige Analyse von Studenten der Danish Institute for Study Abroad. Die Planer des Superkilen haben im Laufe des Entwurfs- und Entwicklungsprozesses die Bürger unter anderem gebeten, Artefakte aus ihren Herkunftsländern für den neuen Stadtplatz vorzuschlagen. Eine ganzheitliche Planung mit Co-Creation und Prototypen wäre ein Mittel gewesen, um die Akzeptanz für den Platz zu erhöhen.

Co-Creation

Co-Creation stammt ursprünglich aus der Wirtschaft, die in den 1990er Jahren begann, Konsumenten in den Entwicklungsprozess von Produkten einzubinden. Die Forschungsgruppe Leading Cities definiert Co-Creation in der Stadtentwicklung als „den aktiven Ideens- und Informationsfluss zwischen fünf Sektoren: Regierung, Wirtschaft, Wissenschaft, Non-Profit-Organisationen und Bürgern, die Teilhabe, Engagement und Entwicklung fördert.“

Was ist der Unterschied zu Bürgerbeteiligung? Bürgerbeteiligung ist für Planer ein Mittel um mehr über die Haltungen und Meinungen der Anwohner zu erfahren und neue Ideen zu entwickeln. Sie erhöhen die Akzeptanz für ein Projekt. Die Co-Creation bezieht hingegen von Anfang an die wichtigsten Sektoren der Gesellschaft gleichberechtigt ein.

Sie bietet daher für Bürger und Bürgerorganisationen eine bessere Möglichkeit, wirklich gehört zu werden und mehr Einfluss in Planungsprozesse zu gewinnen. Die Co-Creation betrachtet die Nutzer stärker als proaktive Bürger, denn als Konsumenten, und hat eher die langfristigen kulturellen Veränderungen und die gesamte Gemeinschaft, statt einzelner Benutzergruppen im Blick. Wo die Bürgerbeteiligung die Meinung der Bürger in ein bereits vorgeschriebenes Programm integrieren wollen, hilft Co-Creation den zukünftigen Nutzern, ihre eigenen Entscheidungen zu formen und durchzusetzen. Co-Creation ist im besten Sinne ein endloser Prozess, der Austausch zwischen den Beteiligten findet regelmäßig statt.

Von Co-Creation bringt eine Reihe von Vorteilen mit sich. Die Öffentlichkeit liefert Input und fühlt sich gleichberechtigt, die Bürger fühlen sich ernst genommen. Sie werden ihre Lebensumgebung sehr viel aufmerksamer wahrnehmen. Die Regierung muss im Gegenzug sehr viel stärker auf die Bürger und die anderen Sektoren eingehen und reagieren. Sie spart im Gegenzug allerdings Kosten, denn es wird nur umgesetzt, was tatsächlich gebraucht und genutzt wird, das Risiko eines neuen Projekts ist dementsprechend gering.

Prototypen

In großen Design-Projekten wie dem Superkilen ist es enorm wichtig, die Ideen vorab zu testen, bevor sie ein fester Teil der Landschaft oder Stadt werden. Es ist ein langer Weg von der abstrakten Idee, Analyse und Bürgerbeteiligung bis hin zur konkreten Installation. Der Prototyp sollte als Lernwerkzeug verstanden werden, das im nächsten Schritt optimiert und verändert werden kann. Prototype sind ein demokratischer Weg, mit öffentlichem Raum umzugehen, sie verringern außerdem das Risiko eines gescheiterten Projekts und unnötigen Ausgaben.

Der ganzheitliche Ansatz

Vereint man die Co-Creation mit der Vorgehensweise der Prototypen, wird es leichter, die Potentiale eines Platzes auszuloten. Dieser ganzheitliche Ansatz führt zu nachhaltigeren und lebendigeren Plätzen in der Stadt. Der Superkilen jedoch mit einer Annahme gestartet, Co-Creation und Prototype hätten zu einem anderen Design geführt. Die Nutzer würden den Platz besser annehmen und ihn sich besser zu eigen machen. Vielleicht wäre auch eine kritischere Auseinandersetzung mit der Anfangsidee erreicht worden.

Die aktuelle Analyse des Platzes von Bianca Hermannsen lesen Sie hier.
Robert Schäfer besuchte den Superkilen 2012, direkt nach der Eröffnung. Seine Kritik zum neuen Stadtplatz in Kopenhagen lesen Sie hier.
Wie BIG zusammen mit den Anwohnern in deren Herkunftsländer reist, um Artefakte für den Superkilen auszuwählen, sehen Sie hier im Video.