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LOVO Berlin: Lebensort für Vielfalt am Ostkreuz

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Straßenfassade von LOVO. Bildrecht: Christoph Wagner Architekten, aufgenommen von Eric Tschernow
Straßenfassade von LOVO. Bildrecht: Christoph Wagner Architekten, aufgenommen von Eric Tschernow
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LOVO ist ein integratives Wohnprojekt von Christoph Wagner Architekten zusammen mit Wenke Schladitz. Das Gebäude befindet sich in Berlin-Friedrichshain und ist eines der wenigen Orte für homo-, bi-, trans- und intersexuelle Menschen, die Betreuungsbedarf und teilweise einen Fluchthintergrund haben.

Die Idee für LOVO

Mit LOVO möchte das Studio Christoph Wagner Architekten einen Lebensraum für queere Menschen mit und ohne Fluchthintergrund schaffen, die ihren Alltag nicht ohne Hilfe bewältigen können. Dafür gibt es in diesem Wohnhaus betreute Wohngemeinschaft. Durch den Fokus auf die LSBTI*-Community handelt es sich um das erste Projekt seiner Art.

Ansicht der Gartenfassade von LOVO. Bildrecht: Christoph Wagner Architekten, aufgenommen von Eric Tschernow
Ansicht der Gartenfassade von LOVO. Bildrecht: Christoph Wagner Architekten, aufgenommen von Eric Tschernow

Der Neubau wurde 2019 von Christoph Wagner Architekten in Zusammenarbeit mit der Innenarchitektin Wenke Schladitz fertiggestellt und ist seitdem bewohnbar. Auf der 15. Biennale in Venedig im Jahr 2016 wurde er bereits im Deutschen Pavillon unter dem Slogan „Making Heimat. Germany: Arrival Country“ vorgestellt. Christoph Wagner initiierte das Projekt bereits im Jahr 2015 gemeinsam mit dem Künstler Ulrich Vogl und dem Betreiber, der Schwulenberatung Berlin. Alle Beteiligten waren davon überzeugt, wie wichtig es ist, ein derartig stark integratives Projekt in einen zentralen Stadtteil zu platzieren.

Das Gebäude hat sieben Geschosse und schließt eine der letzten Baulücken in einem gründerzeitlichen Kiez in Berlin-Friedrichshain. Es gibt 30 Wohnplätze, von denen acht bis zehn für Geflüchtete gedacht sind. Sie verteilen sich auf vier Wohngemeinschaften mit jeweils sieben bis acht Einzelzimmern. Eine davon ist als Pflege-WG konzipiert. Hinzu kommen drei Maisonette-Wohnungen im 5. und 6. Obergeschoss, die auf dem freien Mietmarkt vergeben werden.

LOVO ist ein Akronym und steht für „Lebensort für Vielfalt am Ostkreuz“. Die Gesamtkosten des Gebäudes liegen bei 3,05 Millionen Euro brutto.

Bildrecht: Christoph Wagner Architekten, aufgenommen von Eric Tschernow
Bildrecht: Christoph Wagner Architekten, aufgenommen von Eric Tschernow

Die Architektur von LOVO

Das LOVO-Gebäude zeichnet sich durch ein skulptural ausgebildetes Außentreppenhaus aus, das hofseitig angeordnet ist. Somit entspricht es einem verkürzten Seitenflügel. Die Maisonette-Wohnungen sind über einen Laubengang zu erreichen. Da das Treppenhaus halboffen und „kalt“ ist, tritt man aus den Wohngemeinschaften direkt an die frische Luft. So vermeiden die Architekt*innen Korridore, die institutionell anmuten könnten. Zudem bot der Rohbeton durch die thermische Entkopplung größere Gestaltungsmöglichkeiten beim Bau.

In Richtung der Nachbarschaft präsentiert sich das Gebäude offen und freundlich. Es hat großformatige Fenster, Balkonbänder und eine einladende Farbgebung. Warme Rosa-Töne wechseln sich mit kühleren Blau-Tönen und den Grau-Tönen des Betons ab. So entsteht ein ausgewogenes Verhältnis.

Die Anordnung der Geschosse auf der ganzen Fassadenbreite bedurfte einer langwierigen Abstimmung mit dem Stadtplanungsamt. Zuletzt setzte sich das Projekt durch. Es hat unter anderem eine Nominierung zum DAM-Preis 2021 erhalten und den Berlin Award 2021 gewonnen. Als Haus mit dem KFW-Standard 153 ist LOVO außerdem ein Effizienzhaus mit hohen energetischen Standards.

Bildrecht: Christoph Wagner Architekten, aufgenommen von Eric Tschernow
Bildrecht: Christoph Wagner Architekten, aufgenommen von Eric Tschernow

Neue Formen des Zusammenlebens

Eine frühe Idee für das LOVO-Grundstück bestand darin, ein Baugruppenprojekt zu erstellen. Jedoch entschieden sich Christoph Wagner und Ulrich Vogl schnell dafür, stattdessen ein offeneres Konzept mit einer sozialen Agenda zu verfolgen. Gemeinsam mit der Schwulenberatung Berlin erarbeiteten sie ein Raumprogramm für verschiedene Formen des Zusammenlebens und des Austausch. Dabei war es ihnen besonders wichtig, Unterstützung für LSBTI* in herausfordernden Lebenslagen zu ermöglichen.

Im Erdgeschoss des Gebäudes befindet sich nun drei Gewerbeeinheiten. Dazu gehören Büroräume für die Schwulenberatung Berlin und der offene Kieztreffpunkt Café Transfair. Die Bewohner*innen haben die Möglichkeit, in diesem Café zu arbeiten. Außerdem wird durch die Einnahmen das Wohnprojekt querfinanziert. Auch die Mieteinnahmen der drei Maisonettewohnungen subventionieren zum Teil die Mieten der WG-Bewohner*innen.

Insgesamt lagen die Kosten für LOVO laut Christoph Wagner Architekten bei 2 100 Euro pro Quadratmeter inklusive Baunebenkosten und Grundstück. Somit handelt es sich um ein recht günstiges Projekt. Dies vergrößert den finanziellen Spielraum für die Umsetzung der sozialen Agenda.

Bei der Eröffnung von LOVO. Bildrecht: Christoph Wagner Architekten, aufgenommen von Wenke Schladitz
Bei der Eröffnung von LOVO. Bildrecht: Christoph Wagner Architekten, aufgenommen von Wenke Schladitz

Etagengemeinschaften statt Wohngemeinschaften

Architekt Christoph Wagner spricht lieber von „Etagengemeinschaften“ als von Wohngemeinschaften. Denn sie beschreiben ihm zufolge eine größere Gemeinschaft, lassen aber zugleich stets Raum für Privatsphäre. Dies spiegelt sich auch in der Architektur mit ihren verschiedenen Zonen von Öffentlichkeit und Privatheit wider. Das gemeinschaftlich genutzte Treppenhaus führt in jeder Wohnung zunächst in einem Wohn- und Essbereich. Dieser bildet zusammen mit dem Badezimmer eine Übergangszone zu den privateren Wohnbereichen.

Die einzelnen Zimmer der Bewohner*innen erfüllen vor allem die Rolle von persönlichen Schutzräumen. Die Wände sind mit einem hohen Schutzstandard ausgeführt. Kleine Eingangsbereiche schaffen jeweils eine Pufferzone zu den Fluren. Trotz der relativ kleinen Zimmergröße von 14 Quadratmetern entsteht dank der lichten Höhe von 2,90 Meter ein großzügiges Raumgefühl. Außerdem hat jeder Raum bodentiefe Fenster und einen eigenen Balkon.

Im Innenhof von LOVO gibt es einen Gemeinschaftsgarten, den die Anwohner*innen mitnutzen. Dies soll das Haus auch zur Nachbarschaft öffnen sowie die gesellschaftliche Teilhabe fördern. Zudem soll die heterogene Sozial- und Nutzer*innenstruktur einer Stigmatisierung der Bewohner*innen vorbeugen.

So ist durch die Eigeninitiative des Architekten, der hier zugleich Eigentümer, Entwickler und Entwerfer ist, ein solidarisches Wohnprojekt entstanden. Es vereint zivilgesellschaftliches Engagement und architektonischen Anspruch. Laut Christoph Wagner schafft LOVO „für Menschen, die mit struktureller Ausgrenzung und Diskriminierung zu kämpfen haben, Sichtbarkeit und einen Lebensort im Zentrum der Stadt.“

Bildrecht: Christoph Wagner Architekten, aufgenommen von Eric Tschernow
Bildrecht: Christoph Wagner Architekten, aufgenommen von Eric Tschernow

LOVO Berlin nach einem Jahr

Im Jahr 2020 veröffentlichte Christoph Wagner den folgenden Zwischenstand zum Projekt: „Das Haus wird nun seit über einem Jahr genutzt. Das Café unterstützt den Austausch mit der Nachbarschaft, und das Gebäude ist mehr frequentiert, vitaler und extrovertierter als Wohngebäude vergleichbarer Größe. Verbrachten zum Beispiel viele der Bewohner*innen nach dem Einzug noch viel Zeit vor dem Fernseher, halten sich viele von ihnen nun lieber im Garten oder auf den Balkonen auf.“

Weiter sagt er: „Es gibt wöchentliche Zusammenkünfte für gemeinsames  Kochen, Gartenarbeit und andere Aktivitäten. Auf eigene Initiative besucht regelmäßig ein Friseur den Gemeinschaftsraum und bietet den Bewohner*innen kostenlose Haarschnitte an. Einige der Bewohner*innen, deren äußeres Erscheinen von den Konventionen ihres biologisch körperlichen Geschlechts abweicht, berichten, dass sie es in dieser geschützten Umgebung zum ersten Mal in ihrem Leben wagten, einen Friseur aufzusuchen. Das Haus wird gut angenommen, es gab bisher kaum Fluktuation. Die Warteliste für einen Wohnplatz ist (leider) extrem lang, denn eine alternative Institution gibt es in Berlin derzeit noch nicht.“

Auch interessant: Der jüdische Garten in den Gärten der Welt unterstreicht die kulturelle sowie religiöse Vielfalt Berlins.

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Die Mitte von Berlin bleibt grün

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Die Perspektive zeigt die geplanten Stufen am Ufer der Spree.

1. Preis an Büro RMP Lenzen: Stufen am Ufer der Spree mit Blick auf Dom (Visualisierung: RMP Lenzen)

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Es geht um eine prominente Fläche in Berlins historischer Mitte: Eingespannt zwischen dem neuen Humboldt-Forum und dem Fernsehturm bekommen das Rathaus- und Marx-Engels-Forum eine neue Gestaltung. Das Büro RMP Stephan Lenzen hat den Wettbewerb für die grüne Mitte von Berlin gewonnen.

Dort wo die Wurzeln der Stadt Berlin liegen, wird demnächst nicht wieder gebaut. Die Freifläche von Rathaus- und Marx-Engels-Forum bleiben Grün. Allerdings erhält das Areal eine neue Gestaltung, die in einer Freitreppe zur angrenzenden Spree mündet. Die Berliner Senatsverwaltung hat im Frühjahr zu einem Wettbewerb eingeladen. Nach einer ersten Phase durften die Bürger*innen mitreden. Daraufhin entwickelten insgesamt 21 Landschaftsarchitekturbüros ihre Ideen in der zweiten Phase des Wettbewerbs weiter. Die Landschaftsarchitek*innen vom Büro RMP Stephan Lenzen überzeugten schließlich die Jury. Sie schlugen ein zentrales Band vor, das denkmalgeschützte Bereiche des Rathausforums mit dem Marx-Engels-Forum verbindet. Dieses grüne Band endet in einer großen Treppe am Ufer der Spree. Gegenüber, auf der anderen Seite des Wasser, strahlt die Ostfassade des neuen Humboldt-Forums.

 

Viel Geschichte inmitten von Berlin

 

Früher hiess die Freifläche inmitten des alten Berlins „Park an der Spree“. Als eine der zentralsten Grünflächen im Ortsteil Mitte geht sie auf den Zweiten Weltkrieg zurück. Der hatte das dortige Heilig-Geist-Viertel beschädigt, was schließlich die DDR-Führung veranlasst hat, es abzureißen. Seitdem ist die Fläche zwischen Karl-Liebknecht-Straße im Norden, dem Park am Fernsehturm im Osten, der Rathausstraße im Süden und der Spree im Westen unbebaut. Mittendrin stand lange ein Denkmalensemble, das jedoch beim Bau der U-Bahn an den nordwestlichen Rand rücken musste. Bereits seit den 1990er-Jahren wird über die Zukunft des Marx-Engels-Forums diskutiert. Die Ideen waren vielfältig. Sie reichten vom Wiederaufbau des Heilig-Geist-Viertels bis zur Gestaltung eines Parks am Marx-Engels-Forum. Letztere hat sich schließlich durchgesetzt. 

Wettbewerbsaufgabe Marx-Engels-Forum

Die Gestaltung eines Parks auf dem Marx-Engels-Forum galt es nun, im Rahmen des Ideen- und Realisierungswettbewerb zu konkretisieren. Die Teilnehmer*innen waren gefragt, sich mit dem Gründungsort Berlins, mit den im Boden verborgenen historischen Schichten und der Umgebung auseinanderzusetzen. Am Ende der langen Debatte um die Zukunft dieses Ortes entstanden Bürgerleitlinien zur künftigen Entwicklung des Rathaus- und des Marx-Engels-Forums. Darin heißt es, dass ein Freiraum zu entwerfen ist, der den Dimensionen und der Bedeutung des Standortes gerecht wird und die Identität des Ortes stärkt. Darüber hinaus soll er die bewegte Geschichte erlebbar machen und gleichzeitig vielfältige und intensive Nutzungen ermöglichen. 

In der ersten Phase fragte der Wettbewerb zunächst nach einer Vision und einer Idee für das gesamte Marx-Engels-Forum. Erst die Teilnehmer*innen der zweiten Phase mussten ihre Vision herleiten. Darüber hinaus skizzierten sie im Ideenteil des Wettbewerbs einen Zwischenzustand für das Jahr 2030. In einem dritten Realisierungsteil war dann die konkrete Umsetzung für 2024 aufzuzeigen. Diese stufenweise Herangehensweise geht auf die angestrebte, schrittweise Realisierung des Projekts zurück. Die wird einen langen Zeitraum in Anspruch nehmen. Entsprechend müssen die Ideen auf einer klaren Haltung basieren und viel Flexibilität für die prozesshafte Umsetzung bieten. 

 

Marx-Engels-Forum: überzeugender Entwurf von RMP Lenzen

 

Die Landschaftsarchitekt*innen vom Büro RMP Lenzen lieferten die überzeugendste Lösung für die neue Gestaltung von Rathaus- und Marx-Engels-Forum. Sie entwarfen einen Freiraum, der von einer markanten Figur geprägt ist. Er sieht vor, das Rathaus- und das Marx-Engels-Forum von Bebauung freizuhalten. Der grüne Raum verspricht eine hohe Aufenthaltsqualität mit Flächen zum Flanieren, zum Ausruhen, zum Genießen von spektakulären Aussichten auf Dom, Humboldt-Forum und Fernsehturm. RMP Lenzen bestückt den neuen Raum mit viel Grün und mit vielen schattenspendenden Bäumen. Aber auch Wasser gehört dazu, das zur Kühlung beiträgt sowie Versickerungsflächen, die zu einem künftigen Regenwassermanagement passen. Insgesamt sieht der Beitrag zum Wettbewerb Marx-Engels-Forum einen modernen, klimaresilienten Stadtraum vor, der vielfältige Nutzungen ermöglicht. 

Gut Ding braucht Weile

Mit der Idee, zunächst einen Grünraum im Herzen des alten Berlin anzulegen, bleiben Chancen für nächste Generationen erhalten. Für die nahe Gegenwart hat das Preisgericht empfohlen, die mit dem ersten Preis ausgezeichnete Arbeit von RMP Lenzen zu realisieren. Damit geht eine kontroverse Debatte zu Ende. Wohl kaum ein Ort in Berlin hat mehr Planungen und Diskussionen erlebt als das Marx-Engels-Forum. Aber für den Bausenator steht fest, dass die Stadt Berlin richtig gehandelt hat. Sie hat hier nach dem Fall der Mauer keine überstürzte Planung realisiert. Nun kann vor dem Hintergrund aktueller Planungen für den Alexanderplatz und den Molkenmarkt und unter dem Vorzeichen von Klimaanpassung und Mobilitätswende in Ruhe gestaltet werden.

Sie möchten mehr über Projekte der Hauptstadt erfahren? Wir haben die nächsten Planungsschritte auf dem ehemaligen Flughafenareal Berlin Tegel für Sie zusammengefasst.

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Wettbewerbsübersicht Dezember 2018 (2/2)

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Bewegung und Begegnung. © KCAP GmbH mit Ramboll Studio Dreiseitl

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Kulturquartier Lagarde-Campus, Bamberg – 1. Preis hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH, Berlin, mit Sauerzapfe Architekten, Berlin

Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen über die spannendsten Wettbewerbsergebnisse im Dezember.

Straßenräume in Wiehl – 1. Preis Lex-Kerfers Landschaftsarchitekten, Bockhorn

Die Konversion der Lagarde-Kaserne soll in Bambergs Osten einen lebendigen, nutzungsgemischten Stadtteil schaffen – mit dem „Kulturquartier Lagarde“ als attraktive Quartiersmitte. Zwei Stadtplätze prägen zukünftig die neue Mitte und sollen mit ihrer frühzeitigen Schaffung einen wichtigen Baustein zur Entwicklung des Quartiers bilden. Der Siegerentwurf sieht zwei Baumhaine vor, welche die beiden Plätze verbinden, aber jedem einzelnen einen eigenen Charakter zugestehen. Der Lagarde-Platz südlich der Reithalle gestaltet sich als grüner Quartiersplatz, der stellvertretend für das gesamte Quartier, seine Transformation, sowie die nachhaltige Neuausrichtung steht. Der Platz ist Endpunkt der Grünverbindung Richtung Ostpark und zugleich urbanes Entrée des Quartiers. Als belebter Gegenpol dazu präsentiert sich der Kulturhof zwischen Reit- und Posthalle: Er ist unprätentiös und flexibel bespielbar, so die Jury. Außerdem bildet der Stadtplatz einen wichtigen Ankerpunkt für die Stadtverbindung zur Innenstadt.

Planungsdialog Hafner in Konstanz – 1. Preis KCAP, Zürich, mit Ramboll Studio Dreiseitl, Überlingen

Ein Transitraum wird zum Aufenthaltsraum, so die Entwurfsintention von Lex-Kerfers Landschaftsarchitekten für das Zentrum von Wiehl. Ihr Siegerentwurf überwindet die starke Trennung des zergliederten Stadtraums und definiert Rathaus- und Hem-Platz als zentralen Platz am Kreuzungspunkt der Stadtachsen. Zukünftig prägt Naturstein das Zentrum – Farbnuancen und Materialwechsel berücksichtigen dabei die historische Differenzierung von Fahrbahn, Fußgängerbereich und Platzfläche. Der durchgehende Belag ermöglicht es, die angrenzenden Flächen anzubinden. Zusätzlich integriert eine breite winkelförmige Freitreppe die Kirche in den Stadtraum. Ein neuer Weg zwischen Rathaus und Kirche verbindet barrierefrei zur südlich gelegenen Wiehlaue. Um den Blick in die Flussaue zu ermöglichen, stellt der Entwurf die Wiehlbrücke frei. Zusätzliche Treppen und Bastionen vergrößern die Kontaktzone zum Fluss. Die neuen Stadtbäume bilden mit auffälliger Blüte und Herbstfärbung einen spannenden Kontrast zur Aue. Prägende Möblierungselemente wie die Baumbänke entwickeln die Planer in Anlehnung an regionaltypische Gestaltungselemente und Materialien.

In Konstanz soll mit rund 2800 Wohneinheiten der neue Stadtteil Hafner entstehen. Das Planungsteam aus KCAP und Ramboll Studio Dreiseitl überzeugte die Jury mit einer prägnanten Entwurfsidee, dem sogenannten „Hafner-Ring“. Zusätzlich zur großen grünen Mitte bildet das grüne Infrastrukturband eine freiraum- und städtebaulich relevante Struktur für den Stadtteil mit seinen zukünftig rund 8000 Bewohnern. Das grüne Band zieht sich mit robusten und multifunktional nutzbaren Erholungs- und Erlebnisräumen im Bogen durch das neue Stadtquartier und verbindet es mit dem historischen Kern Wollmatingen. Das Siegerteam sieht für das rund 60 Hektar große Areal keine strikte Trennung zwischen Wohnen und Gewerbe vor. Stattdessen mischen die Planer die Nutzungen. Das Quartier ist weitgehend autofrei konzipiert und stellt die Lebensqualität in den Vordergrund. Die Jury sieht in dem Entwurf das größte Innovationspotential, um den Stadtteil zukunftsfähig zu gestalten, sowie an Veränderungen der nächsten Jahre anzupassen.

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