Neuer Technologiepark Luxwerk in Siemensstadt Berlin geplant

Platz an der Dannerhalle © Atelier Tata (1622_08_A_TATA)
Platz an der Dannerhalle © Atelier Tata (1622_08_A_TATA)

Nach der Schließung der historischen Osram-Glasfabrik im Berliner Bezirk Spandau planen David Chipperfield Architects hier ein neues Stadtquartier. Das Luxwerk ist Teil der Siemensstadt und zeigt die Suche nach einer zeitgemäßen Industriearchitektur. Lesen Sie hier alles über den Masterplan.

Das neue Luxwerk

Die Siemensstadt in Berlin soll einen neuen Technologiepark mit eigenem Hochhaus bekommen. Das sogenannte Luxwerk-Areal wird Teil des industriell geprägten Stadtviertels. Es ersetzt die historische Osram-Glasfabrik, die Waldemar Pettri 1927 entwarf. David Chipperfield Architects sind damit beauftragt, eine zeitgemäße Industriearchitektur zu erstellen. In ihrem Masterplan sind die ortsspezifischen Merkmale sichtbar und zugleich neu interpretiert. So soll ein neuer, zukunftsweisender Industriestandort im Westen Berlins entstehen.

In den kommenden Jahren ist ein 60-Meter-Hochhaus mit zwölf Geschossen geplant. Zudem sollen Labore und Produktionsstätte als Teil des Luxwerkes entstehen. David Chipperfield Architects und Eike Becker haben den dazugehörigen Masterplan präsentiert. Dieser sieht etwa 90 000 Quadratmeter Gewerbefläche an der Nonnendammallee vor. Neben dem Hochhaus soll es auch sechs „Hybrid-Gebäude“ zur flexiblen Nutzung geben.

Der denkmalgeschützte Glaswerkkomplex, in dem Osram im Jahr 1927 die Massenproduktion von Lampenkolben begann, soll bestehen bleiben. Der Plan sieht vor, das ikonische Gebäude zu sanieren und dann an Gewerbe zu vermieten. Besitzer des Geländes und Auftraggeber ist die Investment-Gruppe Aventos mit Sitz in München und Berlin. Ab dem Sommer 2023 sollen erste Flächen verfügbar sein. Die Kosten liegen voraussichtlich bei 250 Millionen Euro.

Die Pläne für das Luxwerk sind das Ergebnis eines umfangreichen Werkstattverfahrens, bei dem fünf Architekturbüros, der Bezirk Spandau, das Landesdenkmalamt und Träger öffentlicher Belange teilnahmen.

Nördlicher Platz © Atelier Tata (1622_08_A_TATA_N3)
Nördlicher Platz © Atelier Tata (1622_08_A_TATA_N3)

Eine neue Interpretation industrieller Architektur

Der Luxwerk Campus soll flexible Flächen für zukunftsorientierte Unternehmen bieten. Laut Website sieht sich das Luxwerk als „Enabler“ und bietet beste Bedingungen für produktives Arbeiten. Die Geschichte von Innovation und Produktion soll neue Innovationen inspirieren. Einheiten sind ab einer Größe von 1 000 Quadratmeter erhältlich und lassen sich auf Wunsch auch teilen. Die Deckenhöhe soll bis zu 12 Meter betragen und die Stromkapazität liegt bei 21 MW.

Auf Basis der 100-jährigen Berliner Tradition der Innovation an diesem Ort sieht der Masterplan eine historisch inspirierte und zugleich moderne Architektur vor. Das Osram-Glasgebäude stellt den Mittelpunkt des Campus dar, wird aber durch das Hochhaus und sechs flexible Gebäude ersetzt. Dies sind die möglichen Nutzungen einer Fläche im Luxwerk:

  • Labor: Investor Aventos stellt Flächen für Experimente, Prüfungen, initiale Produktionen sowie verschiedene Ausstattungen zur Verfügung.
  • Büros: Hochwertige Büroflächen sollen das Arbeiten in einer modernen, nachhaltigen Umgebung ermöglichen.
  • Werkstätten: Sowohl Manufaktur als auch Reparatur und Fertigung sollen im Luxwerk möglich sein.
  • Produktion: Urbane Produktion hat im neuen Technologiepark ebenfalls Platz.
  • Lager & Logistik: Flächen zur Planung, Steuerung und Überwachung eigener und fremder Güter bieten sich für Unternehmen aus der Materialwirtschaft an.
  • Forschung & Entwicklung: Neue, innovative Räume sollen die Ideenfindung und -generierung ermöglichen.

Zugleich ist das Luxwerk-Areal gut angebunden: Die U-Bahnstation Paulsternstraße liegt direkt vor der Tür. Bis zum ICE-Bahnhof Spandau sind es nur sechs Minuten mit der U7. Das Gelände bietet außerdem 200 Pkw-Stellplätze, kulinarische Versorgung vor Ort, und nachhaltige Initiativen wie E-Mobility, Smart Metering, eine Fläche für Bienen und die Verwendung kreislauffähiger Produkte.

Quartierskantine Dannerhalle © Atelier Tata (1622_08_A_TATA_N7)
Quartierskantine Dannerhalle © Atelier Tata (1622_08_A_TATA_N7)

Die Geschichte der Osram-Glasfabrik

Der Berliner Nordwesten hat eine lange industrielle Tradition. Im Jahr 1927 eröffnete der erste Bauabschnitt des Maschinen-Glaswerks von Osram mit etwa 4 700 Quadratmeter bebauter Fläche. Zunächst arbeiteten hier 70 bis 80 Personen. Sie erzeugten die gleiche Menge an Kolben, für die in anderen Fabriken 300 Kolbenbläser*innen und insgesamt 500 Mitarbeitende nötig waren. Es handelte sich um die europaweit erste automatisierte Kolbenproduktion.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Osram mit Kriegsschäden, aber auch mit der Enteignung der Ortsbetriebe, dem Verlust aller Auslandszweite und Problemen mit den Markenrechten zu tun. Aber schon kurz nach Kriegsende begannen die Mitarbeitenden mit dem Wiederaufbau. Nach Ende der Berliner Blockade im Mai 1949 konnte das Unternehmen die Produktion wieder aufnehmen.

In den frühen 1970er Jahren errichtete Osram eine neue Halle und installierte neue Technologie. So wurde das Maschinen-Glaswerk nach einer Investition von sechs Milliarden DM zu modernsten Röhrenglaswerk Europas. 1990 wurden einige der Gebäude des ehemaligen Maschinen-Glaswerks unter Denkmalschutz gestellt. Aufgrund der Umstellung auf halbleiterbasierte Beleuchtung gab Osram in den letzten Jahren die Produktion von Glasröhren in Spandau Schritt für Schritt auf.

Südliche Durchwegungsachse © Atelier Tata (1622_08_A_TATA_N5)
Südliche Durchwegungsachse © Atelier Tata (1622_08_A_TATA_N5)

Neues Quartier Siemensstadt²

Direkt neben dem Luxwerk-Areal entsteht zurzeit das neue Quartier „Siemensstadt²“ mit Büros, Industrieanlagen, Forschungseinrichtungen und mehreren Tausend Wohnungen. Auch eine Schule, Kitas und ein Mobilitätshub für autonomes Fahren werden errichtet. Ein ursprünglich geplantes Hochhaus im Zentrum des Geländes wurde zuletzt gestrichen. Aber nun wird das angrenzende Luxwerk-Areal ein Hochhaus enthalten.

Die Fläche der Siemensstadt² umfasst etwa 73 Hektar. Durch sie verläuft die Nonnendammallee als große Verkehrsader. Heute sind hier vor allem Verwaltung und industrielle Produktion angesiedelt. Mit dem Projekt möchte Siemens einen Stadtteil im Stadtteil gründen, der nachhaltig und energieeffizient sein soll. Statt langer Straßen stellt sich das Unternehmen große Freiräume vor, um Wohnen, Kultur und Soziales mit der Arbeitswelt vor Ort zu kombinieren.

Auch interessant: Berlin arbeitet aktiv daran, seine Großsiedlungen zu stärken.

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Transformation und Mischung: Städtebau und Wandel – Buchrezension

Transformation und Mischung - Cover: Jovis
Transformation und Mischung - Cover: Jovis

Das Buch „Transformation und Mischung: Städtebau im Wandel“ präsentiert die Ideen und Konzepte von RHA REICHER HAASE ASSOZIIERTE zur Gestaltung des Strukturwandels auf verschiedenen Ebenen.

Worum es geht:

In einer kurzen Einleitung stellen die Autor*innen die Relevanz von Durchmischung im Stadtquartier heraus. Im Anschluss zeigen sie in einer Vielzahl an Projekten, die RHA in Zusammenarbeit mit weiteren Büros realisiert oder entworfen haben, wie gemischte Stadtplanung aussehen kann. Die Entwürfe sind nach Kategorien wie „Bestand weiterbauen“, „Bildung als Motor für Stadtentwicklung“, „Neue Gewerbestrukturen“, „Stadt neu erfinden“ und „Strategien zwischen Stadt und Region“ kategorisiert. In Kurztexten und Bildern geben RHA einen Einblick zu ihrem jeweiligen Arbeitsansatz und ihrem generellen Verständnis von Stadtplanung.

Was die Autor*innen auszeichnet:

Christa Reicher und Joachim Haase gründeten 1993 das Büro RHA REICHER HAASE Architekten, Stadtplaner und Ingenieure in Aachen. Heute ist das Büro RHA REICHER HAASE ASSOZIIERTE auch Standorte in Dortmund und Luxemburg und entwickelt national wie international Ideen. Seit Oktober 2020 ist Christa Reicher Professorin am Institut für Städtebau und Urbanistik an der RTWH Aachen. Joachim Haase verstarb 2020 nach Krankheit.

Das ist die beste Aussage:

„Das nutzungsgemischte Quartier ist kein Selbstzweck, sondern ein Element der baulich-räumlichen und funktionalen Organisation einer Stadt.“ S. 334

Das ist eine Aussage, die zum Nachdenken anregt:

„Wer sich als Stadtbewohner oder Stadtplaner, abwechslungsreiche Städte mit vielfältigen Nutzungen, Milieus und Settings – kurz mehr Urbanität – wünscht, wird mehr Toleranz – für Brüche, für Konflikte, für Zumutungen – aufbringen müssen.“ S. 338

Der Klappentext wird erfüllt:

Der Klappentext wird exakt erfüllt – das Buch ist eine Werksammlung aus Theorie und Praxis der letzten 25 Jahre.

Mehr Trend als Klassiker, weil:

…es einen Einblick in spezifische Projekte gibt. Der ausformulierte Anteil an allgemein gültiger Information beschränkt sich auf die Einleitung und das Schlusswort.

Haptik:

Das Buch liegt trotz Softcover stabil in der Hand. Die matten Seiten sind angenehm griffig.

Design:

Das Design ist übersichtlich aufgebaut, die gewählte Type ungewöhnlich groß gedruckt.

Lesefluss:

Die Sammlung kann nach Belieben durchblättert werden. Einleitung und Schluss lesen sich gut.

Bildsprache:

Das Buch gleicht einem Ausstellungskatalog. Die Projekte sind vielfach bebildert und lassen einen guten Eindruck vom jeweiligen Konzept entstehen.

Information:

Die thematisch diversen Briefe halten zu unterschiedlichen Bereichen spannende Informationen und Schlagwörter bereit, die einen zum Nachdenken und Nachforschen anregen.

Was sonst noch wichtig wäre:

Der inhaltliche Einstieg zur Relevant von Mischung und Transformation und Mischung ist spannend. Insgesamt ist das Buch jedoch vorrangig eine Projektsammlung. Die Vielzahl an Projekten gibt einen diversen Einblick, leider geht dabei die Möglichkeit zur tiefergehenden Auseinandersetzung mit den Inhalten verloren.

Das Buch gibt es hier bei Jovis.

Noch mehr interessanter Lesestoff: Unsere Buchrezension zu „Deutschland 2050“.

 

Links fließt der Fluss vorbei. Im Zentrum der neu gestaltete Stadtplatz mit verschiedenen grünen Inseln und Mobiliar. Unter anderem Spielgeräte und trichterförmige Schirme
Perspektive des neuen Waageplatzes in Göttingen. credits: QUERFELDEINS Landschaft I Städtebau I Architektur

Der freiraumplanerische Realisierungswettbewerb um den Waageplatz in Göttingen ist entschieden. Welcher Entwurf gewonnen hat und wie dieser aussieht, erfahren Sie hier. 

Realisierungswettbewerb

Der Waageplatz übernimmt in Göttingens Stadtgrundriss eine prominente Postion. Er liegt zwischen der Innenstadt und dem Masch-Straßen-Viertel. Direkt angrenzend fließt der Leinekanal vorbei. Die imposante Fassade des Gebäudes der Staatsanwaltschaft und die Wallanlagen bilden den Rahmen des Ortes. Durch einen Art nicht-offenen freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb suchte die Stadt nach einer zukünftigen Vision für den Raum. Die Neugestaltung des Waageplatzes ist dabei auch Teil des Sanierungsgebiets Nördliche Innenstadt. Eine herausfordernde Aufgabe, der sich acht geladene Büros stellten.

QUERFELDEINS überzeugt mit Entwurf für den Waageplatz

Nun wurden die Gewinner*innen gekürt. Das Büro QUERFELDEINS aus Dresden konnte sich vor dem Berliner Büro GM013 Landschaftsarchitektur auf Platz zwei und dem Büro studio polymorph Landschaftsarchitekten, ebenfalls aus Berlin, auf Platz drei durchsetzen. Dabei überzeugten die Planer*innen nicht nur das Preisgericht, sondern auch die Bürger*innen vor Ort. Denn im Vorfeld der Jurysitzung hatte die Bevölkerung die Möglichkeit, alle eingegangenen Entwürfe in anonymisierter Form anzuschauen und der Jury dann schriftliche Kommentare und Hinweise zu hinterlassen. Die Bewertungen flossen in die Entscheidung des Preisgerichts mit ein. QUERFELDEINS überzeugte dabei mit einem Entwurf, der die Aufenthaltsqualität für ein diverses Spektrum an Nutzer*innen ebenso im Blick behält wie eine klimaangepasste Entwicklung des Platzes.

 

Diverse Ansprüche

Die heutige Gestaltung des Waageplatzes war nicht mehr zeitgemäß. In seiner bisherigen Ausformulierung wurde er eher als Durchgangsraum denn als Aufenthaltsort wahrgenommen. Die Stadt wünschte sich deshalb eine mutige Umgestaltung. Stadtbaurat Frithjof Look betont, dass diese mit dem Entwurf von QUERFELDEINS gefunden worden sei: „Es freut mich, dass Querfeldeins die verschiedenen Ansprüche sensibel abgewogen hat und so einen zeitgemäßen, multikodierten und klimaresilienten Stadtplatz mit Spielmöglichkeiten in der engen historischen Innenstadt schafft.“

Der Entwurf konnte durch seine Details und ökologischen Konzepte überzeugen. credits: QUERFELDEINS Landschaft I Städtebau I Architektur
Der Entwurf konnte durch seine Details und ökologischen Konzepte überzeugen. credits: QUERFELDEINS Landschaft I Städtebau I Architektur

Details des Entwurfs

Die Landschaftsarchitekt*innen plädieren für einen grünen und belebten Stadtplatz. Dabei wählen sie eine organische Formensprache, die sich aus den Verkehrsströmen der Passant*innen ergibt. So entstehen verschiedene Bereiche, gleichsam ermöglichen angepasste Wegverbreiterungen ein reibungsloses Passieren. Darüber hinaus gelingt durch das Motiv die Verzahnung zweier Gestaltungsansprüche. Denn zum Einen soll der Waageplatz auch zukünftig als befestigter und bespielbarer Stadtplatz fungieren, auf dem zum Beispiel Feste und Veranstaltungen stattfinden können. Zum Anderen wird er als Pocket-Park eine wichtige Erholungsfunktion übernehmen. Durch die Themensetzung „Feiern und Treffen“, „Spielen und Toben“ und „Grün und Nass“ versucht der Beitrag von QUERFELDEINS diese unterschiedlichen Ansprüche in Einklang zu bringen.

Die Planer*innen sehen ihren Entwurf selbst nicht als klassischen Stadtplatz, sondern als Hybrid an Orten. Der wohlüberlegte Materialkanon lässt dabei einen in sich stimmigen Ort entstehen, der jedoch gleichzeitig mit dem gegenüberliegenden Robert-Gernhardt-Platz in Verbindung tritt.

Besonders ist auch das durchdachte Regenwassermanagment. Über sogenannte Trichterschirme und offene Rinnen wird das anfallende Regenwasser auf dem Platz gesammelt und Richtung Leinekanal geleitet. Die historische Zaunanlage, die den Platz abschirmt, wird an einigen Stellen durch den Austausch von Sockelsteinen porös. So gelangt das Wasser aus den Rinnen auf eine Regentreppe hinter der Zaunanlage. Hier fließt das Wasser über mehrere Stufen und Waagschalen schrittweise zum Kanal. Der Weg des Wassers wird so für die Besucher*innen inszeniert.

Zukünftige Schritte

Grundlegend konnte die Idee die Jury überzeugen. Im weiteren Prozess soll der Entwurf aber noch bezüglich der sehr dominanten Radverkehrsführung und hinsichtlich der vorgesehenen Einbauten in den Leinekanal überarbeitet werden. Weiterhin sprach sich das Preisgericht für mehr Verschattungselemente für den Spielplatz aus. Diese Änderungen können im Rahmen der nun anstehenden weiteren Planungsschritte vorgenommen werden. Voraussichtlich noch bis Ende des Jahres 2023 soll die Beauftragung des siegreichen Planungsbüros erfolgen.

Mehr spannende Wettbewerbsnews: Der Naumburger Dom und sein Umfeld gelten als UNESCO Weltkulturerbe. Dieses Umfeld braucht nun eine würdige Aufwertung. Alles zu dem Realisierungswettbewerb hier.