Prof. Maren Brakebusch ist Gastdozentin für Garten- und Landschaftsarchitektur an der FH Potsdam. Foto: © Lidia Tirri
Prof. Maren Brakebusch ist Gastdozentin für Garten- und Landschaftsarchitektur an der FH Potsdam. Foto: © Lidia Tirri

Die Architektin, Büroleiterin und Präsidentin des Verwaltungsrates Maren Brakebusch ist seit 2022 nebenberuflich auch Professorin für Garten- und Landschaftsarchitektur an der FH Potsdam. Im Januar 2023 hielt sie ihre Antrittsvorlesung „Die Natur der Stadt“.

Prof. Maren Brakebusch stellt Fragen

Was ist die Stadt? Was macht Stadtlandschaft aus? Wie entsteht das soziale Gefüge in den Metropolen? Und welchen Beitrag leistet der Freiraum dazu? All das sind Fragen, denen Maren Brakebusch in ihrer Antrittsvorlesung an der FH Potsdam Anfang diesen Jahres nachging. Es sind Fragen, zu denen sie in ihrem bisherigen Werdegang eine Menge Antworten und vermutlich auch noch mehr Fragen sammeln konnte.

Werdegang zwischen Stadt und Landschaft

Geboren 1974, studierte Brakebusch zunächst an der Leibnitz Universität in Hannover Landschaftsarchitektur. Im Anschluss an das Studium war sie in diversen Büros und Städten praktisch tätig. So betreute sie beispielsweise als Projektleiterin im Berliner Büro Kamel Louafi unter anderem verschiedene Projekte im Rahmen der EXPO 2000. Im Anschluss zog es sie dann zum renommierten Büro VOGT. Dort war sie seit 2009 als Büroleiterin am Standort in Zürich im Einsatz.

Nur vier Jahre später schließlich übernahm Prof. Maren Brakebusch die Bürogesamtleitung aller Standorte und war damit fortan auch für die Studios in Berlin, London und Paris verantwortlich. Neben der Bürotätigkeit engagiert sie sich seit 2017 auch im Hochschulkontext. An der ETH Zürich betreut sie Studierende in ausgewählten Projekten. Bereits 2020 bot sie dort auch ein Lehrformat mit dem Titel „Neue Stadtlandschaften – Brennpunkte urbaner Verdichtung“ an. Die Landschaft und die Stadt sind Themen die in Brakebuschs Arbeit auf allen Ebenen eine Rolle spielen.

Berufung von Prof. Maren Brakebusch an die FH Potsdam

In Potsdam ist sie ebenfalls seit 2017 aktiv. Zunächst unterrichtete sie als Gastdozentin der Garten- und Landschaftsarchitektur an der FH Potsdam. In der öffentlichen Antrittsvorlesung zu ihrer Berufung als Professorin im Fachbereich STADT | BAU | KULTUR rückte sie nun die bedeutungsvolle Korrelation von Stadt und Natur ins Rampenlicht. Einerseits versuchte sie in ihrem Vortrag das Wesen der Stadt zu ergründen. Dieses vielschichtige Gebilde „Stadt“ zu beschreiben ist keine einfache Aufgabe. Sind es doch so viele Faktoren, die sie formen und Einfluss nehmen. Brakebusch widmete sich in ihrer Vorlesung deshalb der kulturellen und sozialen Dimension ebenso wie der baulichen Substanz. Und dem Dazwischen, womit sie beim wichtigen Begriff der „Landschaft in der Stadt“ angelangte. Eben deren Gestaltung ist es schließlich, welche die angehenden Architekt*innen der FH Potsdam verinnerlichen sollen.

Das Gefüge von Natur und Stadt

Prof. Maren Brakebusch machte deutlich, dass diese kein Restraum sein dürfe. Und dass sie nicht als bloße Dekoration des bereits Gebauten gelte. Sondern dass sie vielmehr bereits von Anfang an mit den Gebäuden gemeinsam gedacht werden müsse. Indem Brakebusch herauskehrte, dass der Raum im kulturellen Prozess entsteht, machte sie deutlich, dass auch die Bauaufgabe als solcher Akt verstanden werden muss. Was wiederum eine Auseinandersetzung mit den späteren Nutzer*innen und ihren Bedürfnissen voraussetzt. Nur durch ein radikales Umdenken im Entwerfen und Bauen können die großen globalen Herausforderungen unserer Zeit gelöst werden. Dazu rief Brakebusch in ihrem Einstandsplädoyer auf. Sie forderte einen Perspektivwechsel im Umgang mit dem urbanen Gewebe. Dabei gab sie auch Hoffnung. Wenn die Potentiale des unbebauten Raumes erkannt werden, kann dieses Wissen im Umgang mit dichter werdenden Stadtkörpern Einsatz finden. Um so die Stadt und die Landschaft nicht als Gegensätze, sondern als sinnhaftes Gefüge zu gestalten.

Die Antrittsrede dürfte Studierende und Kolleg*innen gleichermaßen inspirieren. Und darüber hinaus einen spannenden Ausblick auf Maren Brakebuschs weiteres Wirken als Professorin an der FH Potsdam geben.

Mehr zu ihrem Wirken im Büro VOGT finden Sie hier.

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Urbaner Algorithmusvergleich – welches KI-Modell plant wie?

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Ein lebendiges Stadtbild mit bunten Gebäuden entlang eines Flusses vor alpiner Kulisse. Foto von Wolfgang Weiser.

Stadtplanung im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz: Wer glaubt, Urbanismus sei noch eine Frage von Bauchgefühl und Erfahrung, der hat die Algorithmen im digitalen Maschinenraum noch nicht kennengelernt. Urbaner Algorithmusvergleich – welches KI-Modell plant wie? – ist längst keine akademische Fingerübung mehr, sondern entscheidet darüber, wie Städte gebaut, Freiräume gestaltet und ganze Quartiere zukunftsfähig entwickelt werden. Doch was unterscheidet die Modelle wirklich, was können sie, und wie beeinflussen sie unser planerisches Selbstverständnis?

  • Urbaner Algorithmusvergleich: Warum der Blick auf die KI-Modelle zentral für die Zukunft der Stadtplanung ist.
  • Unterschiedliche KI-Modelle von regelbasierten Systemen bis zu Deep Learning – und was sie städtebaulich leisten.
  • Konkrete Anwendungsbeispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz: Mobilität, Klimaresilienz, Partizipation.
  • Die Rolle von Datenqualität, Transparenz und Governance bei der Auswahl und Bewertung von Algorithmen.
  • Chancen, Herausforderungen und Grenzen: Wo KI-Modelle neue Horizonte eröffnen – und wo sie kritisch zu hinterfragen sind.
  • Technischer Deep Dive: Wie Algorithmen Szenarien, Simulationen und Entscheidungsfindung in der Stadtplanung steuern.
  • Risiken von Bias, Black-Box-Effekten und kommerzieller Vereinnahmung – und wie sich Städte davor schützen können.
  • Warum die Wahl des richtigen Algorithmus nicht nur eine technische, sondern auch eine kulturelle Frage ist.
  • Fazit: KI-Modelle sind keine Allheilmittel, sondern Werkzeuge – das Denken bleibt menschlich, das Planen wird smarter.

Von Regeln und Neuronen: Was urbane KI-Modelle wirklich unterscheidet

Wer heute im Kontext von Urbanismus und Stadtplanung von Künstlicher Intelligenz (KI) spricht, landet schnell im Dickicht der Begriffe. Schon der Begriff Algorithmus wirkt dabei oft wie ein Zauberwort, das alles und nichts bedeuten kann. In der Praxis begegnen Planer verschiedenen KI-Ansätzen, deren Unterschiede nicht nur technischer, sondern auch konzeptioneller Natur sind. Klassische regelbasierte Systeme, etwa in der Verkehrsflussoptimierung, beruhen auf festgelegten Wenn-Dann-Beziehungen. Sie sind nachvollziehbar, transparent, aber in ihrer Flexibilität limitiert. Diese Systeme funktionieren gut in stabilen, vorhersehbaren Kontexten – beispielsweise bei der Steuerung von Ampelphasen oder der Überwachung von Parkraumbelegungen.

Im Gegensatz dazu hat sich in den letzten Jahren das maschinelle Lernen – und insbesondere das sogenannte Deep Learning – durchgesetzt. Hier „lernen“ Algorithmen aus großen Datenmengen, erkennen Muster und entwickeln daraus Optimierungsstrategien, die für den Menschen oft nicht mehr intuitiv nachvollziehbar sind. Ein typisches Beispiel: In Zürich werden Deep-Learning-Modelle eingesetzt, um Mobilitätsströme zu simulieren und in Echtzeit Anpassungen an der Verkehrsführung vorzuschlagen. Die Modelle verarbeiten Sensordaten, Wetterinformationen, Großveranstaltungen und sogar Social-Media-Feeds, um Prognosen zu erstellen, die weit über das hinausgehen, was klassische Systeme leisten könnten.

Doch damit ist die Vielfalt noch lange nicht erschöpft. Evolutionäre Algorithmen, inspiriert von genetischen Prozessen, finden in der Gestaltung von Freiräumen Anwendung: Hier werden Entwurfsvarianten „gekreuzt“ und „mutiert“, bis eine optimale Lösung für Nutzung, Klimaresilienz und Aufenthaltsqualität entsteht. Multi-Agenten-Systeme wiederum simulieren das Verhalten einzelner Akteure – von Fußgängern über Verkehrsteilnehmer bis hin zu Gebäuden, die miteinander „kommunizieren“, um einen urbanen Konsens zu finden. Diese Systeme sind besonders spannend, wenn es um Fragen der Partizipation und des Austarierens von Nutzungskonflikten geht.

Die eigentliche Kunst liegt jedoch nicht in der Wahl eines bestimmten Modells, sondern in der intelligenten Kombination verschiedener Algorithmen. So werden beispielsweise in Hamburg hybride Systeme eingesetzt, die regelbasierte Ansätze für grundlegende Steuerungsaufgaben mit lernenden Modellen für komplexe Prognosen verbinden. In Wien entstehen Plattformen, auf denen verschiedene Algorithmen modular kombiniert werden, um Szenarien von der Energieversorgung bis zur sozialen Durchmischung simultan zu simulieren.

Am Ende steht die Erkenntnis: KI ist nicht gleich KI, und Algorithmus ist nicht gleich Algorithmus. Wer mitreden will, muss die Mechanik und die Logik der Modelle verstehen – sonst bleibt die Planung im digitalen Blindflug. Gerade in der Stadtplanung, wo jede Entscheidung weitreichende Folgen für Lebensqualität und Stadtentwicklung hat, ist ein differenzierter Blick auf die eingesetzten KI-Modelle unerlässlich. Denn nur wer versteht, wie die Algorithmen „denken“, kann ihre Ergebnisse verantwortungsvoll nutzen und kritisch hinterfragen.

Und noch ein wichtiger Aspekt: Die Modelle sind nur so gut wie die Daten, mit denen sie gefüttert werden. Schlechte Daten führen zu schlechten Empfehlungen – ein Umstand, der im urbanen Kontext manchmal unterschätzt wird. Das Fundament jeder KI-basierten Planung ist daher eine hochwertige, aktuelle und breit gefächerte Datenbasis.

Praxis und Potenzial: Wie KI-Modelle die Stadtplanung verändern

Die Anwendung von KI-Modellen in der Stadtplanung ist längst keine Zukunftsmusik mehr. In Städten wie München, Basel oder Graz werden Algorithmen eingesetzt, um Planung nicht nur effizienter, sondern auch integrativer und nachhaltiger zu gestalten. Ein prominentes Beispiel ist die Nutzung von Vorhersagemodellen im Bereich der Klimaresilienz. In Basel werden mithilfe von neuronalen Netzen urbane Hitzeinseln identifiziert und gezielt Maßnahmen wie Begrünungs- oder Verschattungsstrategien vorgeschlagen. Die Modelle analysieren dabei nicht nur aktuelle Temperaturdaten, sondern berücksichtigen auch Bebauungsdichte, Vegetationsindex und historische Klimaverläufe.

Im Bereich der Mobilität zeigen sich die Stärken von KI-Algorithmen besonders deutlich. In München werden Deep-Learning-Systeme eingesetzt, um multimodale Verkehrsströme zu analysieren und in Echtzeit zu steuern. Die Algorithmen lernen aus den Bewegungsdaten von Fahrzeugen, Fahrrädern und Fußgängern, um Prognosen für Staus oder Engpässe zu erstellen. Auf dieser Basis können Ampelschaltungen dynamisch angepasst, alternative Routen vorgeschlagen und sogar kurzfristig temporäre Mobilitätsangebote wie Pop-up-Bikelanes aktiviert werden.

Auch bei der Beteiligung der Stadtbevölkerung eröffnen KI-Modelle neue Horizonte. In Wien wurde ein Partizipationsprozess zur Quartiersentwicklung mit einem Algorithmus gekoppelt, der Vorschläge und Einwände aus der Bürgerschaft in Szenarien übersetzt. So entstand ein digitaler Dialog, bei dem unterschiedliche Interessen und Wünsche nicht nur gesammelt, sondern in Echtzeit simuliert werden konnten. Der Clou: Der Algorithmus zeigte die Auswirkungen der verschiedenen Vorschläge auf Klima, Verkehr und soziale Infrastruktur direkt im Stadtmodell an.

Ein weiteres Feld mit großem Potenzial ist die ressourceneffiziente Nutzung städtischer Flächen. Evolutionäre Algorithmen werden eingesetzt, um verschiedene Nutzungsvarianten durchzuspielen und die Flächenaufteilung zu optimieren. Dabei werden nicht nur klassische Parameter wie Erschließung oder Ausnutzungsgrad berücksichtigt, sondern auch Zielgrößen wie Biodiversität, Erreichbarkeit und soziale Durchmischung. In Graz wurde dieses Verfahren bei der Entwicklung eines neuen Stadtteils erfolgreich getestet und führte zu überraschenden, innovativen Lösungen, auf die klassische Planungsmethoden nicht gekommen wären.

Doch bei aller Euphorie muss auch klar sein: Die Anwendung von KI-Modellen bringt neue Herausforderungen mit sich. Die Ergebnisse sind oft schwer nachvollziehbar, insbesondere bei komplexen neuronalen Netzen. Hier ist es entscheidend, Transparenz und Nachvollziehbarkeit sicherzustellen – gerade, wenn die Modelle als Entscheidungsgrundlage für weitreichende planerische Maßnahmen dienen. Der Schlüssel liegt in der richtigen Balance zwischen technischer Innovation und planerischer Verantwortung.

Governance, Datenqualität und Transparenz: Worauf es bei urbanen Algorithmen ankommt

So leistungsfähig KI-Modelle auch sein mögen, ihr Einfluss auf die Stadtplanung steht und fällt mit der Frage nach Governance, Datenqualität und Transparenz. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das Thema Datensouveränität besonders sensibel. Wer kontrolliert die Modelle? Wer entscheidet über die zugrundeliegenden Daten? Und wie wird sichergestellt, dass die Algorithmen nicht zu Black Boxes werden, die sich dem demokratischen Diskurs entziehen?

Die Antwort beginnt mit der Datenbasis. Nur wenn urbane Daten offen, aktuell und standardisiert vorliegen, können Algorithmen ihr Potenzial entfalten – ohne dabei die Kontrolle an proprietäre Systeme abzugeben. Open Urban Platforms, wie sie in Hamburg oder Zürich entstehen, sind ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Sie ermöglichen es, Daten aus unterschiedlichen Quellen zu bündeln, zu validieren und für verschiedene Algorithmen bereit zu stellen. Gleichzeitig schaffen sie die Grundlage für Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Beteiligung.

Ein weiteres zentrales Thema ist die Governance der KI-Modelle selbst. In vielen Städten fehlen bislang klare Zuständigkeiten und Standards für die Nutzung von Algorithmen in der Planung. Wer trägt die Verantwortung, wenn ein KI-Modell eine falsche Empfehlung gibt? Wie werden Interessenkonflikte zwischen verschiedenen Akteuren ausgeglichen? Und wie wird sichergestellt, dass die Modelle nicht unbeabsichtigt diskriminierende oder einseitige Ergebnisse produzieren?

Transparenz ist dabei das A und O. Städte wie Wien oder Basel setzen auf erklärbare KI („Explainable AI“), die es Planern, Politikern und Bürgern ermöglicht, die Funktionsweise und die Entscheidungslogik der Modelle zu verstehen. Dazu gehören technische Dokumentationen, offene Schnittstellen und verständliche Visualisierungen der Algorithmen. Ziel ist es, das Vertrauen in die Systeme zu stärken und eine breite Akzeptanz für KI-basierte Planung zu schaffen.

Nicht zuletzt spielen auch kulturelle Faktoren eine Rolle. Die Akzeptanz von Algorithmen in der Stadtplanung hängt maßgeblich davon ab, wie offen Verwaltungen, Planer und Politik für neue Denk- und Arbeitsweisen sind. Der Wandel vom klassischen Entwurfsverständnis hin zur datengetriebenen, adaptiven Planung erfordert Mut, Lernbereitschaft und die Fähigkeit, tradierte Routinen zu hinterfragen. Wer sich dieser Herausforderung stellt, kann die Vorteile der KI-Modelle voll ausschöpfen – wer zögert, riskiert den Anschluss an die internationale Entwicklung.

Risiken, Bias und Black Boxes: Was bei urbanen KI-Modellen kritisch bleibt

Bei aller Begeisterung über die neuen Möglichkeiten der KI-Modelle in der Stadtplanung dürfen die Risiken nicht ausgeblendet werden. Einer der größten Schwachpunkte ist die Gefahr algorithmischer Verzerrung, auch als Bias bekannt. KI-Modelle lernen aus historischen Daten – wenn diese Daten bereits gesellschaftliche Ungleichheiten oder Vorurteile enthalten, reproduzieren und verstärken die Algorithmen diese Muster im schlimmsten Fall. Das kann dazu führen, dass bestimmte Quartiere systematisch benachteiligt werden oder innovative Lösungen durch die „Logik“ der Modelle ausgebremst werden.

Ein weiteres Problem ist die mangelnde Nachvollziehbarkeit komplexer Modelle. Gerade Deep-Learning-Algorithmen funktionieren oft nach dem Prinzip der Black Box: Sie liefern Ergebnisse, ohne dass Außenstehende nachvollziehen können, wie diese zustande kommen. Für die demokratische Stadtplanung ist das ein echtes Dilemma. Denn Planungsentscheidungen, die auf undurchsichtigen Algorithmen basieren, laufen Gefahr, das Vertrauen der Bevölkerung zu verspielen und Akzeptanzprobleme zu erzeugen.

Auch die Kommerzialisierung urbaner Daten und Modelle ist ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Wenn Städte auf proprietäre Systeme von Tech-Unternehmen setzen, droht die Abhängigkeit von externen Anbietern – mit allen Konsequenzen für Souveränität, Datenschutz und langfristige Steuerungsfähigkeit. Die Herausforderung besteht darin, offene, interoperable und gemeinwohlorientierte Lösungen zu fördern, die dem öffentlichen Interesse dienen und nicht nur den Profitinteressen einzelner Unternehmen.

Hinzu kommt die Gefahr, dass durch die Faszination für technische Möglichkeiten der Blick für das Wesentliche verloren geht. Stadtplanung ist und bleibt ein zutiefst menschlicher, politischer und sozialer Prozess. Algorithmen können helfen, komplexe Zusammenhänge zu analysieren und Szenarien zu optimieren – sie dürfen aber nicht zum Selbstzweck werden oder die Gestaltungshoheit aus der Hand der Planer nehmen. Der richtige Umgang mit KI-Modellen erfordert deshalb eine kritische, reflektierte und verantwortungsbewusste Haltung.

Nicht zuletzt besteht die Gefahr, dass KI-Modelle neue Ausschlussmechanismen schaffen. Wer keinen Zugang zu Daten, Modellen und Technologien hat, bleibt von wichtigen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen. Hier sind Städte, Planer und Politik gefordert, für einen fairen Zugang zu sorgen und die digitale Kluft nicht weiter zu vertiefen. Die Zukunft der Stadtplanung darf nicht nur den Experten und Algorithmen gehören, sondern muss offen, inklusiv und partizipativ bleiben.

Fazit: KI-Modelle als Werkzeug – und das Denken bleibt menschlich

Der urbane Algorithmusvergleich zeigt: Die Zukunft der Stadtplanung wird von einer bunten Vielfalt an KI-Modellen geprägt, die jeweils unterschiedliche Stärken, Schwächen und Anwendungsbereiche haben. Von regelbasierten Systemen über Deep Learning bis hin zu evolutionären Algorithmen – die Wahl des richtigen Modells ist eine zentrale strategische Frage für Städte, Planer und Entwickler. Doch so mächtig die neuen Werkzeuge auch sein mögen, sie ersetzen nicht das menschliche Urteilsvermögen, die Kreativität und das Verantwortungsgefühl, das gute Stadtplanung ausmacht.

Die Herausforderung besteht darin, die Potenziale der KI-Modelle klug zu nutzen, ohne ihre Risiken zu unterschätzen. Das bedeutet: Datenqualität sichern, Transparenz schaffen, Governance-Strukturen etablieren und die Beteiligung aller relevanten Akteure gewährleisten. Nur dann werden Algorithmen zu echten Entwicklungshelfern, die Planung smarter, schneller und nachhaltiger machen – ohne dabei das Menschliche aus den Augen zu verlieren.

Gleichzeitig ist klar: Die Entwicklung steht erst am Anfang. Mit jeder neuen Generation von KI-Modellen werden die Möglichkeiten größer, aber auch die Anforderungen an Verantwortlichkeit, Nachvollziehbarkeit und ethische Reflexion steigen. Stadtplanung wird dadurch nicht einfacher, sondern komplexer – aber auch spannender und innovativer. Wer heute den Mut hat, sich mit den Algorithmen auseinanderzusetzen, legt den Grundstein für die Stadt von morgen.

Abschließend bleibt festzuhalten: KI-Modelle sind keine Allheilmittel und kein Ersatz für kluge Köpfe, kreative Ideen und das politische Ringen um die beste Lösung. Sie sind Werkzeuge im besten Sinne – und es liegt an uns, sie verantwortungsvoll, kritisch und mit Blick auf das Gemeinwohl einzusetzen. Die Städte der Zukunft entstehen nicht im Algorithmus, sondern im Zusammenspiel von Technik, Planung und Gesellschaft. Wer das versteht, wird auch in der Welt der Künstlichen Intelligenz urbane Exzellenz gestalten.

Ist es möglich, Wasser nicht als Feind, sondern als Freund zu sehen? Und welche Maßnahmen können ergriffen werden, damit Rotterdam für die Zukunft vorbereitet ist? In den vergangenen Jahren hat die Stadt eine Reihe wichtiger Schritte unternommen, um diese Fragen zu lösen. Die Stadtverwaltung Rotterdams, die Wasserbehörden

Hollandse Delta, Delfland und Schielend & Krimpenerwaard haben gemeinsam den „Waterplan 2“ erstellt. Das Adaptionsprogramm „Klimasicherheit Rotterdam“ wurde etabliert, die ersten Ergebnisse des Wasserplans sind bereits sichtbar. Rotterdam nutzte die allgegenwärtige Überflutungsgefahr als Chance, eine sichere, wirtschaftlich starke und attraktive Stadt zu schaffen.

Rotterdam entstand an der Rotte, dort wo diese in die Maas mündet. Wasser und Rotterdam sind untrennbar miteinander verbunden. Wasser hat für die Stadtentwicklung von Rotterdam schon immer eine wichtige Rolle gespielt. Die Straßen entlang der Kanäle, die nach Plänen des Architekten Rose entstanden sind, Kralingse Plas und Delfshaven sind gefragte Wohngegenden. Wasser ist auch in wirtschaftlicher Hinsicht für Rotterdam sehr wichtig. Dank der geografischen Lage im Delta zur Nordsee hat sich der Hafen zu einem wichtigen Wirtschaftsmotor in Europa entwickelt. Nun wird immer mehr in Innovation und in die Entwicklung von Know-how im Bereich der Deltatechnologie investiert.

Was das Wasser betrifft, hat die Stadt eine einzigartige Stellung. Rotterdam ist an allen Seiten von Wasser umgeben: vom Meer und von Flüssen; außerdem beeinflussen Regen und Grundwasserstand die Stadt. Zwei Entwicklungen stechen hervor: das höhere Wasserniveau als Ergebnis des steigenden Meeresspiegels und der sich ändernden Abflussmengen der Flüsse; und die Überflutungen aufgrund zunehmender Regenfälle. Bis zum Jahr 2050 muss man mit 800.000 Kubikmeter fertig werden. Die Stadt Rotterdam will ihre Ziele mit der Hilfe von Wasser erreichen. Ihre Mission ist es, eine sichere, attraktive Stadt mit einer starken Wirtschaft zu schaffen. Wasser kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Dabei sind drei Aspekte von Bedeutung:

Rotterdam bleibt geschützt

Rotterdam ist eine der sichersten Städte der Niederlande. Für die Region ist diese Sicherheit sehr wichtig und muss erhalten werden. Rotterdam hat eine Strategie der Adaption gewählt, das heißt, die Stadt passt sich der jeweiligen Situation an. Daher werden derzeit Ressourcen gespart, um später die Wasserabwehr verstärken zu können. Wassermanager, Stadtplaner und Landschaftsarchitekten arbeiten daran, Deiche als verbindende Elemente einzusetzen: als Parks, als Balkon mit Ausblick über die Maas oder als Fuß- und Radwege. Wird außerhalb der Deiche gebaut, müssen steigende Wasserpegel eingeplant werden. Mit Neuerungen wie schwimmenden Konstruktionen oder Bauten auf Pfählen kann dieser Entwicklung Rechnung getragen werden.

Internationale Stadt des Wasser-Wissens

Im Bereich der Deltatechnologie weist Rotterdam eine einzigartige Konzentration von Wissen und wirtschaftlichen Aktivitäten auf. Die Stadt möchte ihre Rolle als eine Stadt des Wissens stärken. Das Wissen soll weiterentwickelt, kombiniert und geteilt werden. Die Stadt will sich auch als internationales Labor für Experimente im Bereich der Klima-Anpassung profilieren.

Attraktive Wohngebiete

Rotterdam nutzt Wasser, um die Stadt noch attraktiver zu gestalten. Der Waterplan 2 skizziert, wie Rotterdam in zwanzig Jahren aussehen könnte. Die Charakteristika des Wassersystems sowie der urbanen Struktur teilen die Stadt in drei Gebiete. Das erste ist die Stadt am Fluss, die aus den Gebieten außerhalb der Deiche besteht. Das charakteristischste Merkmal ist der Fluss Maas, der Rotterdam Identität verleiht. Die Gebiete am Wasser mit Kop van Zuid, dem Lloyd-Quartier und jenen Gebieten, die Platz für eine dynamische Wohn- und Arbeitsgegend bieten, kennzeichnen die Stadt. Der zweite Bereich ist Rotterdam Nord.

Dort befinden sich viele gefragte Wohn- und Arbeitsviertel. Ziel ist es, existierende Merkmale weiter herauszuarbeiten. Die Kanäle und Drainage- becken sollen wenn möglich ausgedehnt und innovative Lösungen implementiert werden. Im Falle des dritten Gebiets, Rotterdam-Süd, bedarf es außergewöhnlicher Lösungen für außergewöhnliche Probleme. Das Gebiet ist reich an Wasser, das man jedoch besser nutzen könnte. Daher ist eine umfassende Strategie nötig. Ziel ist, die Wasserstruktur von Zuiderpark zu verbessern, neue Wasserwege zu erschließen sowie Rotterdam-Süd mit der Insel IJsselmonde zu verbinden.

Rotterdam – die Stadt des Wassers

Konventionelle Lösungen sind nicht aus-reichend, um diese Ziele zu erreichen. Im dichten Stadtzentrum und in den alten Bezirken ist es nicht möglich, Wasserspeicher auszubauen. Die Kosten sind astronomisch hoch, zudem können existierende Gebäude nicht einfach abgerissen werden. Dort sind Innovationen wie Wasserplätze, grüne Dächer und alternative Formen des Wasserspeicherns für die Entwicklung der Stadt essentiell. Der Wasserplatz ist ein zentraler Punkt, an dem Regenwasser vorübergehend gespeichert werden kann. Nach dem Regen wird das Wasser langsam den Drainagesystemen, dem Oberflächenwasser oder dem Grundwasser zugeführt. Wasserplätze sind die meiste Zeit des Jahres trocken, sobald es aber regnet, ändert sich ihr Erscheinungsbild drastisch.

So kann ein außergewöhnlicher öffentlicher Raum geschaffen werden. Grüne Dächer haben nicht nur den Zweck, Wasser zu speichern, sie isolieren auch, binden Feinstaub und erhöhen den ökologischen Wert einer Stadt. Daher sollten sie großflächig realisiert werden. Bisher ist es in den Niederlanden nicht üblich, begrünte Dächer zu nutzen, um Wasser zurückzuhalten. In Rotterdam kommen etwa 4,6 Millionen Quadratmeter an Dachfläche für die Begrünung in Frage. So können die verschiedenen Wasserprobleme zu einer sicheren, attraktiven und wettbewerbsfähigen Hafenstadt beitragen.

Rotterdam ist jetzt und auch in der Zukunft geschützt. Rotterdam stärkt seine Positionierung als Stadt mit Wissen über Wasser. Wasser wird zur Gestaltung attraktiver Wohngebiete genutzt. Durch praxisbezogene und langfristige Lösungen, konkrete Projekte, Innovation und die intensive Kooperation zwischen Institutionen und Disziplinen wird Rotterdam die Wasser-Stadt der Zukunft.

Erschienen in Garten+Landschaft 11/2008 – Gestalten mit Wasser.