© Modellbild: PANDION AG / Fotograf: Simon Büttner
© Modellbild: PANDION AG / Fotograf: Simon Büttner

Die Sieger*innen des Wettbewerbs zum Max-Becker-Areal in Köln stehen fest. Die Metropole am Rhein bekommt ein neues Stadtquartier. Das Planungsbüro Cityförster aus Hannover und urbanegestalt Landschaftsarchitekten aus Köln konnten die Jury am 18. Oktober 2022 mit ihrem Entwurf „Best-Of Ehrenfeld“ überzeugen.

Bisher war das Areal im Westen von Köln ein Schrottplatz des Unternehmens Max Becker. Zukünftig wird das Recycling-Unternehmen jedoch am Niehler Hafen tätig sein. Das Max Becker-Areal in Ehrenfeld dagegen soll in Zukunft als Quartier für Arbeit, Wohnen, Bildung und Kultur genutzt werden. Passend dazu soll es den Namen „PĀN“ bekommen, altgriechisch für „alles“. Die Stadtteile Ehrenfeld, Müngersdorf und Braunsfeld werden dafür städtebaulich verbunden. Stadtteile werden in Köln Veedel genannt.

Geplant sind auf dem insgesamt etwa 17, 3 Hektar großen Max Becker-Areal in Köln:

  • Rund 1 700 Wohnungen,
  • etwa 4 000 Arbeitsplätze,
  • eine Grundschule,
  • mehrere Kindertagesstätten,
  • Gewerbe für die Nahversorgung,
  • Angebote für Sport-, Kultur- und Jugend, sowie
  • umfängliche, öffentliche Grünflächen in zentraler Stadtlage.

Projektentwickler des Gesamtquartiers ist die PANDION AG.

© Visualisierungen: PANDION AG / RheinEnergie AG
© Visualisierungen: PANDION AG / RheinEnergie AG

Kontrast aus Industrie und Grünflächen

Geplant ist auf dem Max-Becker-Areal für den neuen Veedel in Köln ein Kontrast aus „roter“ und „grüner“ Welt. Die „rote Welt“ erhält ihren Namen wegen der Orte für die Metallverarbeitung auf dem Wertstoffhof und liegt im Osten. Die Planung sieht nämlich vor, dass Elemente aus der ehemaligen Industrieanlage trotz neuer Planung sichtbar bleiben sollen. Als „grüne Welt“ bezeichnet werden die bereits vorhandenen Grünflächen und die zahlreichen Bäume im Westen. Die „grüne Welt“ soll außerdem noch grüner werden. Geplant sind außer den klimafreundlichen Bäumen deshalb neue, begrünte Freiflächen. Das Gebiet wird von ihnen in einer Diagonale immer wieder unterbrochen.

Außerdem ist eine „urbane Bummelmeile“ geplant, das heißt eine Stadtpromenade mit Cafés. An dieser Stelle befindet sich auch das historische Uhrenhaus. Weiterhin soll dort, wo Grünflächen und industrielles Erbe zusammentreffen, ein lebendiger Park entstehen. Eine denkmalgeschützte Mauer wird den Eingang des Quartiers markieren.

Vielfältiger Mix aus Eigentums- und Genossenschaftlichen Wohnungen

Auf dem Max-Becker-Areal in Köln soll ein Mix aus 30 Prozent öffentlich geförderten, 20 Prozent genossenschaftlichen und 50 Prozent Eigentumswohnungen entstehen. Öffentlich geförderte Wohnungen und Eigentumswohnungen befinden sich in demselben Gebäude. Auf diese Weise soll die Planung fördern, dass sich Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten begegnen. Die Wohnungen sind in verschiedenen Größen und mit flexiblen, sowie barrierearmen Grundrissen geplant. In den Erdgeschossen werden sich größtenteils gewerbliche, öffentliche oder gemeinschaftliche Lokale befinden. Dafür vorgesehen sind vor allem kleine Läden, Gastronomie und Handwerk.

© Visualisierungen: PANDION AG / RheinEnergie AG
© Visualisierungen: PANDION AG / RheinEnergie AG

Verkehrsplanung mir ruhigen Verkehrszonen und Fahrradwegen

Im neuen Stadtquartier auf dem Max-Becker-Areal  in Köln sollen zudem nur wenige Autos fahren. Und wenn, dann nur am Nord-Ost-Rand. Auch die Parkplätze sollen deshalb gebündelt werden. Ein Drittel der Parkplätze wird sich im City-Hub befinden. Der City-Hub ist unter anderem zur Nahversorgung und als Energiezentrale geplant. Darüber hinaus sind für die restlichen Stellplätze Tiefgaragen vorgesehen, welche nur über Stichstraßen erreichbar sein werden. Alle weiteren Straßen sind entweder als reine Fuß- und Radwege geplant oder dürfen nur von Müllabfuhr und Lieferfahrzeugen befahren werden. Außerdem soll im gesamten Gebiet Tempo 30 gelten. Zusätzlich sollen Sharing-Angebote den Verzicht auf ein privates Auto erleichtern. Ein dichtes Radwegenetz soll das Areal in Ost-West-Richtung über das Gebiet hinaus in der Stadt vernetzen. Die Radwege sollen an die geplante Radschnellroute entlang der Gleistrasse angebunden werden. Anwohner*innen können außerdem einen Shuttle-Bus nach Bedarf rufen, der den Bahnradweg nutzt.

Öffentliche Teilnahme

Bürger*innen konnten den Entwurf online begleiten und kommentieren. Inzwischen ist der Dialog geschlossen. Die Kommentare von Bürger*innen zur Gestaltung des Max-Becker-Areals in Köln sind jedoch noch einsehbar.

Auch interessant: Der Siegerentwurf des Wettbewerbs für die Landesgartenschau Bad Windsheim.

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Intersektionale Stadtplanung – Gender, Herkunft und Barrierefreiheit zusammen denken

Autobahnkreuzung aus der Vogelperspektive – Symbol für vielfältige Wege, Barrierefreiheit und intersektionale Stadtplanung.
Intersektional denken: Gender, Herkunft und Zugang neu verbinden. Foto von Denys Nevozhai auf Unsplash.

Intersektionale Stadtplanung? Klingt nach Soziologenseminar, ist aber längst die Königsdisziplin urbaner Entwicklung. Wer Stadt für alle will, muss Barrieren erkennen, Vielfalt ernst nehmen und die Perspektiven von Geschlecht, Herkunft und körperlicher Verfasstheit gleichberechtigt mitdenken. Was bedeutet das konkret für Planung, Design und Umsetzung? Und wie sieht eine wirklich inklusive, zukunftsfähige Stadt aus?

  • Definition und Ursprung des intersektionalen Ansatzes in der Stadtplanung
  • Warum Gender, Herkunft und Barrierefreiheit nicht einzeln, sondern gemeinsam gedacht werden müssen
  • Praktische Auswirkungen intersektionaler Planung auf Quartiere, Freiräume und Mobilität
  • Aktuelle Herausforderungen und typische blinde Flecken im deutschsprachigen Raum
  • Best-Practice-Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Innovative Beteiligungsformate und Methoden zur Erfassung vielfältiger Perspektiven
  • Relevanz von Daten, Governance und neuen Technologien für inklusive Planung
  • Chancen und Risiken intersektionaler Planung im Kontext von Klimawandel und Digitalisierung
  • Zukunftsausblick: Warum intersektionale Stadtentwicklung kein Add-on, sondern Grundvoraussetzung ist

Intersektionalität: Von der Theorie zur Praxis in der Stadtplanung

Der Begriff „Intersektionalität“ hat in der Stadtplanung längst mehr zu bieten als ein akademisches Modewort. Ursprünglich aus der kritischen Gesellschaftstheorie und den Gender Studies stammend, beschreibt Intersektionalität das Zusammenwirken unterschiedlicher Diskriminierungs- und Benachteiligungsformen. In der Stadtplanung bedeutet das: Menschen erleben Räume nicht isoliert aufgrund eines Merkmals, sondern entlang mehrerer Achsen – etwa Geschlecht, Herkunft und Behinderung – und diese überschneiden sich auf komplexe Weise. Was für den einen ein kleiner Stolperstein, ist für die andere eine unüberwindbare Barriere. Die Frage lautet daher nicht länger: Ist unsere Planung geschlechtergerecht? Sondern: Wem nützt und wem schadet unser Entwurf – und warum?

Diese Perspektive ist alles andere als Luxus. Gerade in urbanen Räumen, wo Vielfalt Alltag ist, führt ein einseitiger Planungsansatz zwangsläufig zu Ausschlüssen. Stadtplanung, die nur auf den „Durchschnittsbürger“ zielt – männlich, erwerbstätig, ohne Beeinträchtigung, mit deutschsprachigem Hintergrund – übersieht einen Großteil der tatsächlichen Nutzer. Intersektionale Planung erkennt an, dass Stadt für viele Menschen unterschiedlich funktioniert. Frauen meiden nachts schlecht beleuchtete Parks, Rollstuhlfahrer stoßen an Kopfsteinpflaster und fehlende Aufzüge, Menschen mit Migrationsgeschichte erleben Diskriminierung in öffentlichen Räumen. Die Summe dieser Faktoren entscheidet über Teilhabe – oder Ausschluss.

Doch wie kommt diese Theorie in die Praxis? Viele Planer kennen die berühmten Checklisten: Gibt es Sitzbänke für Ältere? Sind Wege barrierefrei? Gibt es Orte, an denen sich verschiedene Gruppen sicher fühlen? Intersektionale Stadtplanung geht weiter. Sie fragt nach Wechselwirkungen: Wie beeinflusst die Gestaltung eines Platzes das Sicherheitsgefühl von Frauen mit Migrationsgeschichte am Abend? Wie nutzen Kinder mit und ohne Behinderung einen Spielplatz? Wer bleibt unsichtbar, wenn wir nur nach „der“ Nutzergruppe fragen?

Anspruchsvoll? Sicher. Aber auch lohnend. Denn gute, intersektionale Planung schafft nicht nur Gerechtigkeit, sondern auch Qualität. Räume, die für die „verletzlichsten“ Gruppen funktionieren, funktionieren in der Regel für alle. Gleichzeitig werden Fehler aus der Vergangenheit vermieden: Zu eng gedachte Mobilitätsachsen, isolierte Quartiere, monotone Freiräume, die am tatsächlichen Bedarf vorbeigeplant sind.

Die Herausforderung bleibt: Intersektionalität ist kein Häkchen auf der To-do-Liste, sondern ein kontinuierlicher Reflexionsprozess. Sie verlangt, gewohnte Routinen zu hinterfragen, neue Datenquellen zu nutzen und mutig neue Beteiligungsformen zu erproben. Wer das ernst nimmt, kann Stadtplanung neu denken – als Werkzeug für echte Teilhabe und innovative Urbanität.

Gender, Herkunft und Barrierefreiheit – drei Perspektiven, ein Ziel

Warum reicht es nicht, Gender Mainstreaming, Integrationskonzepte und Barrierefreiheit einfach nebeneinander laufen zu lassen? Weil die Realität komplexer ist als das schönste Organigramm. Jede einzelne Dimension ist für sich schon herausfordernd: Gendergerechte Planung will Geschlechterrollen und ihre Auswirkungen auf Raumnutzung sichtbar machen. Integrationsorientierte Planung sucht Wege, wie migrantische Communities Stadt aktiv mitgestalten können. Barrierefreiheit sorgt dafür, dass Mobilität und Teilhabe für alle möglich werden – unabhängig von Alter, körperlicher Verfassung oder Sinneseinschränkungen.

Doch erst im Zusammenspiel entfaltet sich das volle Potenzial – und die eigentliche Herausforderung. Wer beispielsweise nur die Barrierefreiheit im Blick hat, übersieht, dass Frauen mit Behinderung besonders häufig von Übergriffen betroffen sind, wenn öffentliche Räume schlecht einsehbar oder unzureichend beleuchtet sind. Wer nur auf Gender achtet, vernachlässigt vielleicht, dass viele migrantische Frauen besondere Einschränkungen im Zugang zu Bildung oder Freizeitangeboten erleben. Und wer nur auf Herkunft schaut, verliert schnell die Bedürfnisse älterer Menschen aus dem Blick.

Deshalb ist intersektionale Stadtplanung nicht die Summe vieler Einzelmaßnahmen, sondern ein umfassender Perspektivwechsel. Sie verlangt, dass Planungsprozesse von Anfang an mit vielfältigen Stimmen und Erfahrungen gefüllt werden. In der Praxis bedeutet das, verschiedene Gruppen gezielt einzubeziehen, Daten differenziert zu erheben und Planungsentscheidungen systematisch auf Wechselwirkungen zu überprüfen. Es geht um die berühmte „dritte Ebene“: Zwischen Gender, Herkunft und Barrierefreiheit entstehen Überschneidungen, die neue Anforderungen und Potenziale offenbaren.

Diese Herangehensweise verlangt Mut zum Dialog, Offenheit für Irritationen und die Bereitschaft, eigene blinde Flecken zu erkennen. Es reicht nicht, stereotype Nutzerprofile zu bestätigen. Vielmehr müssen Räume geschaffen werden, in denen sich Unterschiedlichkeit ausdrücken kann – und in denen auch Konflikte konstruktiv ausgetragen werden können. Für Planer heißt das: Flexibilität, Kommunikationsfähigkeit und die Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen, sind mindestens so wichtig wie normgerechte Entwürfe.

Das Ziel ist klar: Eine Stadt, in der Vielfalt nicht als Problem, sondern als Ressource verstanden wird. Wo Barrierefreiheit, Gendergerechtigkeit und Integration nicht gegeneinander ausgespielt, sondern gemeinsam gedacht und gestaltet werden. Nur so entsteht Urbanität, die ihren Namen verdient – und Räume, die alle einladen, sich einzubringen.

Intersektionale Planung konkret: Herausforderungen, Instrumente und Best Practices

Intersektionale Stadtplanung klingt nach hehrer Theorie – wird aber längst vielerorts konkret gelebt. Die Herausforderungen sind allerdings beträchtlich. Noch immer dominieren in vielen Städten standardisierte Beteiligungsverfahren, die bestimmte Gruppen systematisch ausschließen. Wer etwa nicht ausreichend Deutsch spricht oder sich in klassischen Gremien nicht wohlfühlt, bleibt außen vor. Auch Datenlagen sind oft lückenhaft: Statistiken zu Mobilität, Nutzung von Grünflächen oder gefühlter Sicherheit werden selten nach Geschlecht, Herkunft und Behinderung differenziert erhoben. Die Folge: Viele Bedarfe bleiben unsichtbar.

Instrumente für intersektionale Planung setzen daher an mehreren Stellen an. Partizipative Formate wie „Stadtspaziergänge“ mit unterschiedlichen Gruppen, Befragungen in leichter Sprache oder digitale Beteiligungsplattformen ermöglichen vielfältige Perspektiven. Besonders wichtig ist die Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen, Sozialverbänden und Community-Organisationen, die Zugang zu schwer erreichbaren Gruppen haben und Vertrauen schaffen können. Auch Kooperationen mit Universitäten und Forschungseinrichtungen gewinnen an Bedeutung, um neue Daten zu erheben und innovative Methoden zu entwickeln.

Ein Blick auf Best-Practice-Beispiele zeigt, dass intersektionale Planung keine Utopie bleiben muss. In Wien etwa wurden bei der Gestaltung neuer Parks gezielt Frauen mit Migrationsgeschichte und Menschen mit Behinderung beteiligt – mit dem Ergebnis, dass Aufenthaltsqualität, Sicherheit und Nutzungsvielfalt spürbar gestiegen sind. In Zürich experimentiert die Stadt mit gender- und barrierebewusster Verkehrsplanung, indem sie Wegebeziehungen, Beleuchtung und Sitzgelegenheiten gezielt aus Sicht verschiedener Nutzergruppen analysiert. In Berlin setzen Quartiersmanagements auf partizipative Mapping-Projekte, bei denen Jugendliche, Seniorinnen und Migranten gemeinsam ihre Räume kartieren und Verbesserungsvorschläge einbringen.

Allerdings gibt es auch Stolpersteine. Intersektionale Planung braucht Zeit, Ressourcen und einen langen Atem. Sie erfordert die Bereitschaft, Planungsprozesse zu öffnen und auch unbequeme Erkenntnisse zuzulassen. Nicht jede Beteiligung führt zu sofort umsetzbaren Ergebnissen – manchmal sind Anpassungen im Verwaltungshandeln, in der Vergabe von Planungsaufträgen oder in der Kommunikation nötig. Doch der Aufwand lohnt sich: Die so entstehenden Räume sind widerstandsfähiger, anpassungsfähiger und werden von mehr Menschen als „ihre“ Stadt wahrgenommen.

Das Fazit aus der Praxis: Intersektionale Stadtplanung ist ein Lernprozess. Sie verlangt neue Kompetenzen, flexible Instrumente und einen langen Atem – aber sie liefert die Grundlagen für eine wirklich inklusive, zukunftsfähige Stadtentwicklung. Wer sich darauf einlässt, kann nicht nur Fehler vermeiden, sondern echte Innovationskraft entfalten.

Digitale Werkzeuge, Governance und der Weg in die inklusive Zukunft

Die Digitalisierung eröffnet auch für intersektionale Stadtplanung neue Horizonte – wenn sie klug genutzt wird. Digitale Beteiligungsplattformen ermöglichen es, Menschen unabhängig von Zeit und Ort einzubinden. Tools wie Online-Befragungen, partizipative Karten oder Virtual-Reality-Simulationen machen es leichter, auch komplexe Sachverhalte verständlich zu vermitteln und barrierearm zu gestalten. Besonders hilfreich sind digitale Zwillinge urbaner Räume, die es ermöglichen, unterschiedliche Nutzungsszenarien für verschiedene Gruppen durchzuspielen – etwa: Wie wirkt sich ein neues Quartier auf die Wege von Rollstuhlfahrern, älteren Menschen oder Eltern mit Kinderwagen aus?

Doch die Digitalisierung ist kein Selbstläufer. Es drohen neue Ausschlüsse: Wer keinen Internetzugang hat, wem digitale Kompetenzen fehlen oder wer sich in digitalen Formaten nicht wohlfühlt, bleibt außen vor. Deshalb müssen digitale Werkzeuge immer mit analogen Formaten kombiniert werden. Hybride Beteiligung ist das Gebot der Stunde: Stadtspaziergänge, Werkstätten und persönliche Gespräche bleiben unverzichtbar – sie müssen jedoch durch digitale Angebote ergänzt werden, um wirklich alle zu erreichen.

Governance ist der zweite zentrale Baustein. Intersektionale Planung braucht klare Verantwortlichkeiten, verbindliche Standards und eine Steuerung, die Vielfalt nicht dem Zufall überlässt. Das beginnt mit politischen Beschlüssen, die Vielfalt zur Leitlinie machen, und endet bei konkreten Vorgaben für Wettbewerbe, Bebauungspläne und Ausschreibungen. Wichtig ist auch, dass Planungsämter und externe Büros entsprechende Kompetenzen aufbauen – etwa durch Fortbildungen, neue Rollen (wie Diversity-Beauftragte) oder interdisziplinäre Teams.

Schließlich braucht intersektionale Stadtplanung eine neue Fehlerkultur. Nicht jeder Versuch wird von Anfang an gelingen. Entscheidend ist, dass Planungsprozesse transparent gemacht werden, dass Kritik willkommen ist und dass aus Rückschlägen gelernt wird. Monitoring und Evaluation sind keine bürokratischen Pflichtübungen, sondern Motoren für Innovation: Welche Gruppen haben teilgenommen? Wer wurde erreicht – und wer nicht? Welche Maßnahmen waren erfolgreich, welche nicht?

Der Weg in die inklusive Zukunft ist anspruchsvoll – aber machbar. Wer digitale Technologien intelligent nutzt, Governance weiterdenkt und eine offene Fehlerkultur pflegt, kann intersektionale Stadtplanung vom Ausnahmefall zur neuen Normalität machen. Die Stadt von morgen ist nicht nur smart, sondern auch gerecht, vielfältig und barrierefrei – wenn wir heute die richtigen Weichen stellen.

Fazit: Intersektionale Stadtplanung ist kein Trend, sondern Pflichtprogramm

Intersektionale Stadtplanung ist weit mehr als ein wohlklingendes Schlagwort. Sie ist die logische Antwort auf die wachsende Vielfalt urbaner Gesellschaften – und der Schlüssel zu einer Stadt, die allen gehört. Wer Gender, Herkunft und Barrierefreiheit zusammendenkt, schafft nicht nur gerechtere, sondern auch resilientere, lebenswertere und innovativere Räume. Die Herausforderungen sind beträchtlich, doch die Chancen sind größer: Beteiligung wird breiter, Planung wird präziser, und die Stadt gewinnt an Qualität und Attraktivität für alle. In einer Zeit, in der Klimawandel, Digitalisierung und gesellschaftliche Spaltung die Städte fordern, ist intersektionale Planung kein Luxus, sondern Grundvoraussetzung. Wer jetzt mutig vorangeht, gestaltet nicht nur den öffentlichen Raum, sondern auch das Miteinander von morgen – vielfältig, inklusiv und zukunftsfähig. Und das ist urbane Exzellenz, wie sie nur bei Garten und Landschaft zu lesen ist.

New York; PRESENT Architecture
New York; PRESENT Architecture

Das Hamburg Museum präsentiert Projekte zu Gegenwart und Zukunft von grünen Städten. Die These: In der Rückgewinnung und Neuerschließung von Grünflächen bieten sich im nachindustriellen Zeitalter, in dem man kaum noch innerstädtische Landschaftsflächen zur Verfügung hat, grundlegend neue Möglichkeiten. Veränderte urbane Strukturen, Lebenspraxen und Wertvorstellungen haben zu bahnbrechenden Ideen und Technologien für die Entwicklung grüner Städte geführt. Die neuen Perspektiven reichen von ausgeklügelten Begrünungssystemen auf Dächern und Fassaden über künstliche Inseln und aufgeständerte Parks bis zu Gemeinschaftsgärten auf vormaligen Stadtbrachen.

Um dies zu zeigen konzipierte das Museum Hamburg in Zusammenarbeit mit der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt die Ausstellung „Stadtgrün 3.0 – Ideen, Projekte und Visionen für die Begrünung von Metropolen”: 26 Entwürfe und Projekte, davon sieben aus Hamburg und zehn aus internationalen Metropolen.
Die Ausstellung ist bis 19. April zu sehen.
www.hamburgmuseum.de