Die Software Spacemaker erlaubt es, die Auswirkungen von geplanten Gebäuden auf das Mikroklima zu analysieren. In der Innenstadt herrscht oft ein eigenes Mikroklima, das mehrere Grad wärmer ist als die Umgebung der Stadt. Foto: Daniel Rivero Horie via PxHere
In der Innenstadt herrscht oft ein eigenes Mikroklima, das mehrere Grad wärmer ist als die Umgebung der Stadt. Foto: Daniel Rivero Horie via PxHere

Spacemaker, ein Unternehmen von Autodesk, entwickelte ein intuitiv zu bedienendes Tool für die Analyse von Mikroklima. Dank der Software können Planer*innen Daten zu thermischen Verhältnissen generieren und visualisieren – ein wichtiger Schritt für das Entwickeln von Lösungen, die den Klimawandel abmildern werden.

Die Analyse von Mikroklima

Die US-amerikanische Softwarefirma Autodesk bietet mit Spacemaker eine Möglichkeit, Mikroklimaanalysen durchzuführen. Dieses erste Tool seiner Art ermöglicht es, städtische Wärmeinseln darzustellen und zu visualisieren. So können Planungs- und Designexpert*innen die thermischen Verhältnisse in Außenbereichen bewerten, problematische Themen erkennen und mögliche Lösungen simulieren. Dank der Simulation können kostengünstig Änderungen vorgenommen werden, bevor es an das tatsächliche Design des Mikroklimas geht.

Die Spacemaker-Software ist Teil der Echtzeit-Analysen von Spacemaker. Benutzer*innen können mithilfe der Analysen testen, wie ihre Entwürfe für Gebäude und Straßenfaktoren von Umweltfaktoren wie Lärm, Wind und Tageslicht beeinflusst werden. Zugleich sehen sie, wie zum Beispiel die Schatten und die Positionen der geplanten Gebäude Luftschleusen verursachen.

Bei Spacemaker ist ersichtlich, wie sich ein bestimmter Entwurf auf das Mikroklima auswirken würde. Wenige Grünflächen führen etwa zu dem Warnhinweis, dass dadurch die Umgebungstemperatur höher und die Luftqualität schlechter werden könnten. Dunkle Dächer und Materialien wie Asphalt und Beton absorbieren die Hitze und speichern sie, was meist nicht gewünscht ist.

Dabei unterscheidet Spacemaker zwischen ländlichen Gebieten, Vorstädten, Gewerbegebieten, Stadtrand, Parklandschaft, Agrarland und der Innenstadt. Letztere ist besonders stark vom urbanen Hitzestress betroffen.

Städtische Wärmeinseln

Das Phänomen der „urban heat islands“ oder städtischen Wärmeinseln ist Teil des Stadtklimas. Laut der World Meterological Organisation zeichnet sich das Stadtklima als ein durch „Bebauung und Emissionen gegenüber dem Umland verändertes Lokalklima“ aus. Parameter wie Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, Strahlung, Wind, Luftqualität und Lärm sind in der Stadt anders.

Typisch sind dabei auch die städtischen Wärmeinseln, wie bei Spacemaker simuliert. Sie entstehen durch die Temperaturdifferenz zwischen der wärmeren Stadt und dem kühleren Umland. Bei wolkenfreien, windschwachen Wetterbedingungen bildet sich ein Mikroklima mit einer Differenz von teils mehreren Grad Celsius. Das liegt unter anderem daran, dass die Lufttemperatur in Städten von der Gebäudegeometrie, den thermischen Eigenschaften der Bausubstanz, den Eigenschaften der Oberflächen und von Wärmefreisetzung wie Hausbränden, Verkehr und Industrie abhängt.

Als Ergebnis dieses Mikroklimas erleben Stadtbewohner*innen insbesondere in den wärmeren Monaten ein höheres Risiko für Hitzestress. Vor allem für ältere Menschen, kranke Menschen und Kleinkinder ist diese erhöhte Wärmebelastung eine große Herausforderung. Durch den gesteigerten Einsatz von Kühlsystemen und Klimaanlagen kommt es zudem zu erhöhtem Energieverbrauch. Dieser wirkt sich negativ auf die Umwelt aus und steigert die individuellen Haushaltskosten.

In Berlin konnten in heißen Sommernächten bereits Temperaturunterschiede von bis zu 10 Grad zwischen dem dicht bebauten Alexanderplatz und dem Umland festgestellt werden. Dies ist eine ernstzunehmende Gesundheitsgefährdung – außerdem werden sich die Hitzetage pro Jahr aufgrund der Klimaerhitzung in den nächsten Jahren voraussichtlich verdoppeln.

Hitzewellen kommen aufgrund der Klimakrise immer häufiger vor und Städte sind aufgrund des Wärmeinseleffektes besonders stark betroffen. Foto: Viorel Vașadi via Pixabay
Hitzewellen kommen aufgrund der Klimakrise immer häufiger vor und Städte sind aufgrund des Wärmeinseleffektes besonders stark betroffen. Foto: Viorel Vașadi via Pixabay

Nachhaltige Lösungen für bewohnbare Städte

Städtische Wärmeinseln stellen weltweit eine große Herausforderung dar. Sie beeinträchtigen die Lebensqualität oft negativ und verlangen nach einer angepassten Architektur. Umso wichtiger ist es, entsprechende Schritte zur Entschärfung des Problems einzuleiten. Architekt*innen, Stadtplaner*innen und Immobilienentwickler*innen sind gefragt, nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Diese sollen dazu beitragen, dass Städte das ganze Jahr über bewohnbar sind.

„Thermische Verhältnisse und die bebaute Umgebung sind zwei Seiten derselben Medaille, da Wind- und Sonnenverhältnisse an einem Standort durch grundlegende Entscheidungen über Gebäudegrundrisse und -formen stark beeinflusst werden. Leider wird der thermische Komfort in den meisten Fällen erst dann berücksichtigt, wenn es zu spät ist, wodurch wichtige Bausteine der gesamten Nachhaltigkeitsstrategie einer Stadt unwirksam werden“, sagt Håvard Haukeland, Mitbegründer von Spacemaker und Senior Director von Autodesk, der Architekturzeitung zufolge. „Planungs- und Designteams sind dann gezwungen, komplexe Probleme in großem Maßstab mit kleinen, aber kostspieligen Renovierungen und Verbesserungen anzugehen. Das kann oft große Verzögerungen nach sich ziehen.“

„Die Mikroklimaanalyse gibt Planern die richtigen Werkzeuge an die Hand, damit sie vom ersten Tag an intelligentere, datengestützte Entscheidungen treffen können. Dies führt zu Lösungen, die die Auswirkungen des Klimawandels abmildern, indem sie optimale Lebensbedingungen gewährleisten und gleichzeitig die Resilienz der Städte erhöhen“, ergänzt Håvard Haukeland.

So funktioniert die Analyse von Mikroklima von Spacemaker

Es gibt bereits Methoden zur Berechnung des städtischen Wärmeinseleffekts. Allerdings sind diese oft nur Expert*innen zugänglich und visualisieren die Daten nicht. Die Mikroklimaanalyse von Spacemaker ist hingegen schnell und sehr anschaulich. So soll das gesamte Planungsteam in der Lage sein, Einblick die Auswirkungen bestimmter Planungsentscheidungen zu erhalten. Eventuelle Probleme mit den thermischen Verhältnissen lassen sich so schnell erkennen und effektiv lösen.

Zudem erlaubt Spacemaker die Modellierung von Extremen wie heißen Sommertagen. Das Ergebnis von Änderungen am Design wird auf einer Wärmekarte in Echtzeit angepasst. Eine Komfortfrequenzkarte zeigt, welche Temperaturen in welchem Zeitrahmen von Benutzer*innen als angenehm empfunden werden. So ist ersichtlich, wann und wie lange der Aufenthalt in Außenräumen noch komfortabel ist. Damit ist es möglich, mithilfe von Spacemaker ergebnisorientierte Designentscheidungen zu treffen.

Das Software-Team von Spacemaker hat zwei Jahre lang thermische Belastung und Temperaturwahrnehmung studiert, um das neue Tool zu entwickeln. Die resultierende Mikroklimaanalyse basiert auf dem Universal Thermal Climate Index, der eine wichtige Informationsquelle für Klimaforschung darstellt. Mehr zu Spacemaker erfahren Sie auf deren Website.

Ebenfalls interessant: In Zürich soll eine Nebelwolke über dem Turbinenplatz den Stadtraum kühlen. Wie und ob das funktioniert, lesen Sie hier.

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Eine Kuhweide war die Pfingstweid schon lange nicht mehr. Doch ihr Name rührt genau daher: Früher wurde das Vieh dort zu Pfingsten zum Weiden gebracht. Ursprünglich ist das bis zum Parkbau als Schrebergärten genutzte Areal trotzdem noch immer.

Es ist in Zürich-West der letzte Fleck, der auf dem niedrigeren Niveau der Hardallmend liegt. Rundherum wurde im heutigen Zürich-West, neben Oerlikon ehemals einer der bedeutenden Industriestandorte der Stadt, das Terrain aufgeschüttet, um Industrie und Gewerbe anzusiedeln. Östlich grenzt die City West an, südlich das Gleisfeld, nördlich soll eine Schule entstehen und westlich führt der Gleisbogen vorbei: eine 1,4 Kilometer lange Wegeverbindung durchs Quartier für Fußgänger und Radfahrer zwischen Hardturmstrasse und Bahnhof Hardbrücke. Der am 5. September eröffnete Pfingstweidpark vervollständigt als letzter Abschnitt nun das Projekt Gleisbogen.

Im Jahr 2010 entschieden das Büro antón & ghiggi landschaft architektur zusammen mit Baumann Roserens Architekten und der Ethnologin Flavia Caviezel, alle Zürich, den Projekt- und Ideenwettbewerb für sich. Ausgangspunkt für die Gestaltung des 1,2 Hektar großen Parks war es, die Freiraumversorgung von Zürich-West zu verbessern. Bisher gewährleisteten dies hauptsächlich vier Parks: Turbinenplatz, Josefwiese, Wipkingerpark und Hardhof.

Als Thema nahm das Siegerteam den Niveauunterschied als Sunken Garden und die ehemals vorherrschende Vegetation eines lichten Eichenwaldes auf. Die Jury lobte den „spielerischen Umgang mit der Grenze, die durchgehend mineralisch ausformuliert ist, jedoch ganz unterschiedlich in Erscheinung tritt, sei es als Mauer, Kies- und Lehmterrasse oder als Schulgebäude.“

Projektdaten Pfingsweidpark Zürich-West
Bauherr: Stadt Zürich, GrünStadtZürich
Landschaftsarchitekten: Antón & Ghiggi Landschaft Architektur, Zürich
Projekt- und Ideenwettbewerb 2010, 1. Preis
Fläche Park: 1,4 Hektar
Bauzeit: 2014 bis 2015

Mehr in Garten + Landschaft 10/2015 – Freiraum am Wasser. Zur Heftvorschau

akzentuieren runde Sitzbänke und ein weiterer Baum das Wasserspiel.

Neugestaltung der Haupteinkaufsstraße in Winsen (Luhe) – 1. Preis capattistaubach Landschaftsarchitekten, Berlin

Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen über die spannendsten Wettbewerbsergebnisse der letzten zwei Wochen und was man über sie wissen muss.

Im Rahmen der Innenstadtsanierung plant Winsen die Haupteinkaufsstraße neu zu gestalten, um sie als Rückgrat einer funktionsfähigen Innenstadt zu stärken. Einstimmig kürte die Jury capattistaubach als ersten Preisträger unter zehn Teilnehmern. Die Berliner Landschaftsarchitekten überzeugten mit einem schlüssigen Stadtbodenkonzept, das die bisher verschieden geprägten Bereiche über eine einheitliche Gestaltsprache zu einem stadträumlichen Kontinuum verwebt und intuitive Wegeführungen stärkt. Der niveaugleich geführte Pflasterteppich aus Granit reicht von Fassade zu Fassade. Pflaster- und Entwässerungslinien zonieren als hell abgesetzte „Rinnenplatten“ und Schnurkanten Gebäudevorzonen, Flanierbereiche und Fahrgassen – sie bilden Leitlinien im Stadtraum und dienen zugleich als taktiles Leitsystem. Ein als „Stadtparkett“ konzipierter Flechtverband aus Granit akzentuiert die Aufenthaltsbereiche zwischen Kirchplatz und Rathaus. Fontänenfeld und Wasserbecken bilden zusätzlich Anziehungspunkte und prägen die beiden Platzbereiche.

Umgestaltung in Herrenberg – 1. Preis Stefan Fromm Landschaftsarchitekten, Dettenhausen, mit WICK + PARTNER, Stuttgart

Die Seestraße in Herrenberg soll sich in den nächsten Jahren von einer stark befahrenen Straße zum Boulevard für Flaneure wandeln, auf dem Autos – je nach Verkehrsaufkommen – nur noch Tempo 20 bis 40 fahren dürfen. Der Entwurf von Stefan Fromm Landschaftsarchitekten mit WICK + PARTNER überzeugte die Jury durch einheitlichen Stadtboden, lockerer Baumpflanzung und großzügigen Wasserspiegel im Bereich des Seelesplatzes. Die Planer leiten das langgezogene Wasserelement, das „Seele“, aus der historischen Situation ab, und fassen es bandartig mit Platten, Sitzbänken und Sitzstufen. Pavillons, genutzt als Café, Informations- und Mobilitätspunkte, strukturieren die längliche Platzfläche, die im südlichen Teil mit kleinem Wasserlauf anschließt. Der übergreifende Stadtboulevard integriert die Eingangsplätze in die Pflasterstruktur des neuen Stadtbodens und betont die Zugänge zur Altstadt. Dabei mindert er die trennende Wirkung zum Seeländer-Areal, auf dem bis 2019 ein neues Zentrum mit Einzelhandel, Büros, Gastronomie und Wohnen entsteht.

Willy-Brandt-Platz in Gladbeck – 1. Rang FSWLA Landschaftsarchitektur GmbH, Düsseldorf

Gladbeck setzt mit dem Workshopverfahren zur Neugestaltung des Willy-Brandt-Platzes auf die Revitalisierung der Innenstadt. FSWLA Landschaftsarchitektur siegte in der Mehrfachbeauftragung, die einen barrierefreien, familienfreundlichen und sicheren Platz forderte. Die Jury würdigt die behutsame Weiterentwicklung des Bestands – der Entwurf stärkt dabei vorhandene Qualitäten, ohne den Platz zu überladen. Leitmotive bilden großkronige Solitärbäume, Rundbänke und eine vielseitige Nutzbarkeit. FSWLA behält die zentralen Elemente Sitzbank und Wasser bei, jedoch in modifizierter Form. So gestalten die Planer die bestehende runde Sitzbank neu und versehen sie mit Sitzauflagen. Um den Aufenthaltscharakter zu verbessern, hebt FSWLA die Platzoberfläche an und umfasst das Wasserspiel vor dem Rathaus mit runden Sitzbänken. Ergänzende Bäume rhythmisieren den Platz in sonnige und schattige Bereiche. Die Oberflächen gestalten sich einheitlich bis zu den angrenzenden Gebäuden, die notwendige Fahrtrasse erfolgt im Sinne von Shared Space im selben Farbton.

 

Heike Vossen ist freie Landschaftsarchitektin und hat einen Abschluss der Freien Journalistenschule. Als Fachjournalistin schreibt sie über Themen für die Bau- und Planungsbranche. Ihr Fachbuch „Gärten am Hang“ erschien beim Verlag Eugen Ulmer. Kontakt: info@gruentext.de