Im Vordergrund zwei Radfahrer, im Hintergrund Autos. In einer städtischen Szenerie.
Welchen Anteil haben unterschiedliche Verkehrsmittel am Transportaufkommen? Das zeigt der Modal Split. credits: Adrian Williams via Unsplash

In den Debatten um die Verkehrswende taucht immer wieder der Begriff Modal Split auf. Was er leisten kann und wo Vorsicht geboten ist, lesen Sie hier.

Die Zusammensetzung des Verkehrs beschreiben

In den Debatten um die Verkehrswende taucht immer wieder der Begriff Modal Split auf. So setzen sich manche Kommunen etwa Ziele im Verkehrsbereich, die über eine veränderte Zusammensetzung des Modal Splits definiert werden. Sie fordern beispielsweise einen Rückgang des MIV am Modal Split oder setzen Zielwerte über den prozentualen Anteil des es nicht-motorisierten Verkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen fest. Denn der Modal Split kann ein Werkzeug sein, um die Zusammensetzung des Verkehrs zu beschreiben und damit auch festzustellen, wie diese sich über die Zeit verändert. Oder eben in Zukunft verändern soll. Andererseits unterliegt er jedoch gewissen Einschränkungen, die es bei einer Interpretation zu beachten gilt.

Definition zum Modal Split

Beginnen wir jedoch zunächst ganz am Anfang. Was genau versteht man unter dem Modal Split? Es handelt sich dabei um eine Kenngröße, welche die Anteile der einzelnen Verkehrsarten an den gesamten zurückgelegten Kilometern oder den pro Tag unternommenen Wegen wiedergibt. Oder kürzer gesagt, beschreibt er die prozentuale Verteilung des Transportaufkommens auf verschiedene Verkehrsmittel. Bei der Bestimmung des Modal Split werden Personenverkehr und Güterverkehr dabei separat betrachtet. Und die jeweilige Verkehrsleistung bestimmt sich entsprechend über verschiedene verkehrliche Größen. Für den Güterverkehr wird die Verkehrsleistung in Tonnenkilometern (tkm) angegeben. Im Personenverkehr hingegen in Personenkilometer (Pkm). Dafür werden die zurückgelegten Strecke (Fahrleistung) und die Zahl der beförderten Personen oder Tonnen (Aufkommen) miteinander multipliziert. Daneben gibt es jedoch auch die Möglichkeit, den Modal Split für die Gesamtheit der Wege festzustellen. Dabei wird der Anteil der einzelnen Verkehrsarten an den unternommenen Wegen / Fahrten festgestellt, jedoch nicht die Länge der einzelnen Wege aus.

Erhebung in Deutschland 

In Deutschland werden die Daten für den Modal Split vom Bundesverkehrsministerium erhoben. Dieses veröffentlich einmal im Jahr den Bericht „Verkehr in Zahlen“, welcher auch die Verkehrsleistung und den Marktanteil für die einzelnen Verkehrsmittel beinhaltet. Im aktuellen Bericht vo September 2022 liegt die Verkehrsleistung für 2021 für den MIV dabei beispielsweise bei 86,8 Prozent. Der Öffentliche Nahverkehr hingegen bei 13,2 Prozent, wovon 7,6 Prozent dem Öffentlichen Personennahverkehr zugerechnet werden können. Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr veröffentlicht außerdem Statistiken zum Modal Split der Verkehrsleistung im Personenverkehr einschließlich des nicht-motorisierten Verkehrs. Darin werden auch Daten des Fahrrad- und Fußverkehrs aufgenommen.

Probleme des Modal Split 

So weit so gut. Jedoch sind die Zahlen des Modal Split nicht so einfach zu deuten, wie es scheint. Auch eine Vergleichbarkeit einzelner Gemeinden ist kaum möglich. Dies resultiert aus einigen Aspekten, die zusammenkommen. Zum einen liegt in der unterschiedlichen Art und zeitlichen Abfolge der Datenerhebungen ein Risiko. Je nach Stichproben- und Befragungstechniken, Definitionen, Zuschnitten der Erhebungsgebiete und anderen methodischen Unterschieden seien Daten aus unterschiedlichen Kommunen nur bedingt vergleichbar, führt etwa der Verkehrswissenschaftler Martin Randelhoff aus. Weiterhin erzeuge vor allem der auf Basis von Wegen errechnete Modal Split ein verzerrtes Bild der verkehrlichen Realität. Denn dabei wird allein der Weg als Ortsveränderung von einem Punkt zum anderen festgestellt, ohne Angabe der tatsächlichen Distanz. Durch diese Methode werden Wege zu Fuß oder mit dem Rad prozentual überbewertet, da es sich dabei zwar um viele, aber oft nur kurze Wege handelt. In Personenkilometern gemessen, haben sie einen wesentlich geringeren Anteil am Gesamtverkehrsaufkommen.

Im schlimmsten Fall kann so beispielsweise ein statistischer Rückgang des MIV-Anteils an den Wegen verzeichnen werden, obwohl gleichsam eine Erhöhung der Pkw-Fahrleistung vorliegt. Bei Betrachtung der Daten, muss also genau die Art und Weise der Erfassung Beachtung finden. Ein weiterer Punkt, der die Aussagekraft beeinflusst, ist die Festlegung auf zu erfassende Arten der Verkehrsströme. Dabei wird zwischen Wege / Fahrten innerhalb des Stadtgebiets (Binnenverkehr) und dem Durchgangsverkehr aus dem Umland unterschieden. Der Modal Split der einzelnen Verkehrsströme kann dabei je nach Festlegung stark variieren. Werden beispielsweise auch Pendler*innen oder Besucher*innen aus dem Umland einbezogen, steigt der MIV-Anteil oftmals signifikant an.

Erkenntnis bei achtsamer Betrachtung

Generell gilt es außerdem die Daten immer im Kontext der absoluten Zahlen einzuordnen. Eine allgemein steigende oder abnehmende Gesamtverkehrsmenge führt also beispielsweise auch für die einzelnen Verkehrsmittel zu einer Zu – oder Abnahme. Weiterhin ist eine Auseinandersetzung mit gesamtgesellschaftliche Entwicklungen zur Interpretation notwendig. Dies war beispielsweise während der Corona Pandemie zu beobachten. Die äußeren Umstände führten zu einer gesteigerten Nutzung des Autos, des Fahrrad- und des Fußverkehrs, während die Nutzung des ÖPNV abnahm. Die Entwicklung des Modal Split über die Jahre kann also nicht entkoppelt von aktuellen Gegebenheiten gesehen werden.

Trotz aller Hürden, ist der Modal Split ein gutes Werkzeug, um Veränderungen in der Zusammensetzung des Verkehrs zu erkennen. Es gilt jedoch, ihn richtig zu interpretieren. Dazu ist es unabdingbar nicht nur relative Modal Split-Werte, sondern eben auch die der Berechnung zugrunde liegenden Absolutwerte zu beachten und sich mit den Methoden der Erfassung auseinander zu setzten. Durch die detaillierte Betrachtung lassen sich jedoch spannende Entwicklungen herauslesen. Und gerade das Einordnen der Daten und die Suche nach Ursachen für bestimmte Tendenzen können schließlich auch in der Stadt- und Verkehrsplanung hilfreich sein. 

Mehr spannendes Statistikwissen zum Verkehr finden Sie hier.

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Verantwortung neu beleben

Im Sommer 2016 fanden sich in München überall Plakate, die die Bevölkerung dazu ermahnte, ihren Müll nicht in den Isarauen zu verteilen, sondern ordentlich zu entsorgen. Auch dieser Kinospot gehört zur Kampagne:

Ob und warum es solche Aktionen – in München inzwischen jährlich neu – braucht, um Bürger darauf hinzuweisen, Grünflächen, Ufer und Parks sauber zu hinterlassen, dazu lesen Sie einen Kommentar von Andrea Gebhardt, Inhaberin des Büros Gebhard mahl Konzepte und ehemalige Präsidentin des bdla, in der Sichtachse der Garten+Landschaft 11/2016 –Planen mit Regenwasser.

Mit Grønningen-Bispeparken setzt Kopenhagen neue Maßstäbe für Klimaresilienz, Biodiversität und soziale Freiräume. Ein wegweisendes Projekt der Landschaftsarchitekten von SLA. Foto: SLA via v2com
Mit Grønningen-Bispeparken setzt Kopenhagen neue Maßstäbe für Klimaresilienz, Biodiversität und soziale Freiräume. Ein wegweisendes Projekt der Landschaftsarchitekten von SLA. Foto: SLA via v2com

Klimawandel, Starkregenereignisse und der Verlust biologischer Vielfalt stellen Städte weltweit vor neue Herausforderungen. Wie innovative Landschaftsarchitektur diesen Entwicklungen begegnen kann, zeigt der neue Klimapark Grønningen-Bispeparken in Kopenhagen eindrucksvoll. Auf einer Fläche von 20.000 Quadratmetern entstand im Stadtteil Nordvest ein öffentlicher Freiraum, der Regenwasser speichert, Biodiversität fördert und gleichzeitig ein lebendiger Treffpunkt für die Nachbarschaft ist.

Das international renommierte dänische Planungsbüro SLA verfolgt dabei einen konsequent naturbasierten Ansatz. Statt die Natur gestalterischen Vorgaben zu unterwerfen, folgt die Gestaltung den natürlichen Prozessen. Das Leitmotiv „Form follows Nature“ prägt jeden Bereich des Parks und macht ihn zu einem Vorzeigeprojekt moderner Klima- und Landschaftsarchitektur.

Vom Problemraum zum klimaresilienten Stadtpark

Die Freiflächen der in den 1950er-Jahren errichteten Wohnsiedlung Grønningen-Bispeparken waren über Jahrzehnte kaum genutzt. Große Rasenflächen ohne Aufenthaltsqualität, fehlende Spielmöglichkeiten sowie eine mangelhafte Regenwasserbewirtschaftung führten dazu, dass sich bei Starkregen regelrechte Wasserströme bildeten. Gleichzeitig boten die monotonen Grünflächen nur wenig Lebensraum für Pflanzen und Tiere.

Die Herausforderung bestand deshalb darin, die Freianlagen nicht nur gegen die Folgen extremer Wetterereignisse zu sichern, sondern gleichzeitig ihre ökologische und soziale Qualität grundlegend zu verbessern.

Schwammstadt-Prinzip konsequent umgesetzt

Herzstück des Projekts ist ein innovatives Regenwassermanagement nach dem Prinzip der Schwammstadt. Insgesamt 18 miteinander verbundene Bioswales – bepflanzte Mulden zur natürlichen Versickerung und Speicherung von Regenwasser – durchziehen den Park.

Diese naturnah gestalteten Retentionsflächen können mehr als 3.000 Kubikmeter Regenwasser aufnehmen, zwischenspeichern und langsam in den Boden ableiten. So wird nicht nur die Kanalisation entlastet, sondern gleichzeitig ein vielfältiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere geschaffen.

Bemerkenswert ist dabei die doppelte Funktion der Bioswales. Sie dienen nicht ausschließlich dem Hochwasserschutz, sondern wurden bewusst als sogenannte „Social Swales“ gestaltet. Wege, Aufenthaltsbereiche und Spielräume integrieren sich harmonisch in die Regenwassermulden und machen sie zu attraktiven Begegnungsorten für die Bewohner.

Fünf Naturräume für Mensch und Biodiversität

Anstelle einer klassischen Parkgestaltung entwickelte SLA fünf unterschiedliche Landschaftstypologien, die jeweils spezifische ökologische und soziale Aufgaben übernehmen.

Die feuchten Bio-Oasen bieten geschützte Lebensräume für Flora und Fauna und stehen ganz im Zeichen der Biodiversität. Kleine trockene Biotope zwischen bestehenden Baumgruppen schaffen intime Rückzugsorte zum Spielen und Entspannen. Großzügige Gemeinschaftswiesen dienen als multifunktionale Flächen für Sport, Nachbarschaftsfeste oder Wochenmärkte. Ergänzt werden sie durch urbane Pocket-Plazas zwischen den Wohngebäuden sowie die sogenannten Bunker Hills, auf denen ehemalige Bunkeranlagen aus dem Kalten Krieg zu neuen Aufenthaltsorten umgestaltet wurden. Im Sommer entstehen hier sonnige Aussichtspunkte, im Winter verwandeln sich die modellierten Hügel in beliebte Rodel- und Spielflächen.

Dieses differenzierte Freiraumsystem schafft ganzjährig nutzbare Räume für unterschiedlichste Altersgruppen und Bedürfnisse.

Ein Weg, der der Natur folgt

Auch das Wegenetz verzichtet bewusst auf klassische Geradlinigkeit. Ein geschwungener Hauptweg aus wasserdurchlässigem Kies und gelben Klinkersteinen verbindet sämtliche Parkbereiche miteinander. Die Farbgebung nimmt Bezug auf die markante Grundtvig-Kirche, die das Stadtbild des Quartiers prägt.

An vielen Stellen scheint der Weg förmlich in der Vegetation zu verschwinden. Statt harter Grenzen entstehen fließende Übergänge zwischen gebautem Raum und Natur. Diese Gestaltung unterstützt nicht nur die ökologische Funktion des Parks, sondern lädt Besucher dazu ein, Landschaft bewusst zu erleben.

Mehr Biodiversität durch heimische Pflanzen

Ein zentrales Ziel des Projekts war die deutliche Steigerung der Artenvielfalt. Dafür wurden 149 neue Bäume aus 23 heimischen Arten gepflanzt. Ergänzend kamen mehr als vier Millionen Samen speziell entwickelter Saatgutmischungen zum Einsatz.

Die vorhandenen historischen Sanddornbestände blieben erhalten und wurden gezielt in die neue Vegetationsstruktur integriert. Ein dynamisches Pflegekonzept sorgt dafür, dass sich bewusst gestaltete Bereiche mit naturnahen Wildflächen abwechseln. So entstehen langfristig stabile Lebensräume für Insekten, Vögel und zahlreiche weitere Tierarten.

Kunst als Bestandteil der Landschaft

Ein besonderes Merkmal des Klimaparks ist die enge Verbindung von Landschaftsarchitektur, Kunst und Bürgerbeteiligung.

Im Auftrag des Dänischen Kunstrats entwickelte die Künstlerin Kerstin Bergendal über vier Jahre hinweg das Beteiligungsprojekt Concerning A Meadow. Gemeinsam mit dem Landschaftsstudio Efterland entstanden skulpturale Holzelemente, die sich selbstverständlich in die Parklandschaft einfügen.

Die Installationen dienen zugleich als Spielobjekte, Bewegungsangebote und Treffpunkte und fördern den informellen Austausch zwischen den Bewohnern.

Nachhaltigkeit bis ins Detail

Auch bei der Materialwahl setzte das Planungsteam konsequent auf Ressourcenschonung. Vorhandene Asphaltwege wurden entfernt und durch wasserdurchlässige Beläge ersetzt. Zahlreiche Baumaterialien stammen aus dem Materialbestand der Stadt Kopenhagen und wurden wiederverwendet oder hochwertig recycelt. Dadurch konnte der CO₂-Fußabdruck des Projekts erheblich reduziert werden.

Der Praxistest bestand bereits wenige Tage nach der Eröffnung

Die Wirksamkeit des Konzepts zeigte sich unmittelbar nach der offiziellen Eröffnung am 31. August 2024. Bereits fünf Tage später traf ein schweres Unwetter die dänische Hauptstadt. Während zahlreiche Straßen und Infrastrukturanlagen überflutet wurden, funktionierte Grønningen-Bispeparken exakt wie geplant.

Das Regenwasser wurde vollständig innerhalb des Parks aufgenommen und gespeichert. Statt Schäden verursachte der Niederschlag eine besonders eindrucksvolle Inszenierung der Landschaft – Wasser wurde nicht als Problem, sondern als gestaltendes Element sichtbar.

Ein internationales Vorbild für klimaresiliente Städte

Mit Grønningen-Bispeparken demonstriert Kopenhagen eindrucksvoll, wie zeitgemäße Landschaftsarchitektur ökologische Funktionen, soziale Aufenthaltsqualität und gestalterische Exzellenz miteinander verbinden kann.

Der Klimapark zeigt, dass urbane Freiräume künftig weit mehr leisten müssen als reine Erholung. Sie werden zu multifunktionalen Infrastrukturen, die Regenwasser speichern, Artenvielfalt fördern, das Mikroklima verbessern und gleichzeitig hochwertige öffentliche Räume schaffen.

Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Extremwetterereignisse dürfte dieses Projekt weit über Dänemark hinaus als Referenz für zukünftige Stadtentwicklungen dienen. Grønningen-Bispeparken beweist eindrucksvoll, dass nachhaltige Klimaanpassung nicht mit Verzicht verbunden sein muss – sondern neue, lebenswerte Landschaften entstehen lässt, in denen Natur, Architektur und Gesellschaft gleichermaßen profitieren.