Obdachlosigkeit, Architektur und die Stadt

Das Architekturmuseum der TUM München zeigt die Ausstellung „Who’s Next?“, die noch bis zum 6. Februar 2022 zu sehen ist. Die Ausstellung diskutiert die Wahrnehmung von Obdachlosigkeit sowie mögliche Lösungen aus der Architektur und anderen Disziplinen.

Die COVID-19-Pandemie hat die Obdachlosigkeit in der ganzen Welt verschlimmert. Schon vor dem Ausbruch des Virus gehörten Menschen, die von Obdachlosigkeit betroffen waren, zu den am meisten gefährdeten Bürgern der Gesellschaft. „Who’s Next?“, die aktuelle Ausstellung im Münchner Architekturmuseum der TU, stellt wichtige Fragen nach der Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit von Menschen ohne Wohnung. Dabei beleuchtet die Schau auch die ambivalenten Reaktionen zwischen Ignoranz und Ablehnung, die andere Mitglieder der Gesellschaft Obdachlosen gegenüber zeigen.

Die Tatsache, dass aufgrund von COVID-19 viel mehr Menschen von Obdachlosigkeit bedroht sind, macht einen Perspektivenwechsel umso nötiger. Die Ausstellung diskutiert Wahrnehmungsweisen von Obdachlosigkeit sowie mögliche Lösungen aus der Architektur und anderen Disziplinen.

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Obdachlosigkeit als gesellschaftliches Problem

Wichtig ist, dass die Ausstellung die Obdachlosigkeit nicht als individuelle Tragödie darstellt. Vielmehr wird sie als eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung betrachtet, die systematische Lösungen erfordert. Nach einer Analyse globaler Statistiken und sozialpolitischer Hintergründe erhalten die Besucher einen näheren Einblick in die Obdachlosigkeit in Städten wie Tokio, Mumbai, New York und Los Angeles. Die Ausstellung stellt die in vielen Ländern vorherrschende Vorstellung in Frage, dass Armut die „Schuld“ des Einzelnen ist. Denn durch die Pandemie und die steigende Arbeitslosigkeit hat sich diese Sichtweise inzwischen merklich geändert. Zahllose Menschen auf der ganzen Welt fürchten nun, dass sie die Nächsten sind, die ihre Wohnung verlieren könnten.

Was können Architekten gegen Obdachlosigkeit tun?

Darüber hinaus zeigt „Who’s Next?“ historische und zeitgenössische Architekturprojekte, die darauf abzielen, Menschen, die von Obdachlosigkeit betroffen waren, wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Die Ausstellung geht der Frage nach, wie Architekten in Zusammenarbeit mit anderen Fachleuten den Menschen, die in Städten auf der ganzen Welt von Obdachlosigkeit betroffen sind, ein dauerhaftes Zuhause bieten können. Das Wissen von Politikern auf nationaler, regionaler und städtischer Ebene, von Nichtregierungsorganisationen, religiösen Organisationen, Gesundheitsinstituten und Wissenschaftlern ist ebenfalls entscheidend für die Bewältigung der Krise.

Um das Zusammenspiel der verschiedenen Disziplinen aufzuzeigen, wird das Architekturmuseum der Technischen Universität München (TU München) demgemäß die historische und aktuelle Entwicklung der Obdachlosigkeit beleuchten. Deutsche Städte sowie viele internationale Städte sind interessante Fallstudien, um Obdachlosigkeit und ihre Herausforderungen durch Dokumentarfilme und andere Medien zu verstehen.

Hochrangige Unterstützung für die Ausstellung

Daniel Talesnik, ein ausgebildeter Architekt, der als Wissenschaftler am Architekturmuseum der TUM arbeitet, hat die Ausstellung kuratiert. In seiner Arbeit beschäftigt sich Talesnik mit moderner und zeitgenössischer Architektur und Urbanismus. Sein Schwerpunkt liegt auf der Architekturpädagogik und den Beziehungen zwischen Architektur und politischen Ideologien. Er hat an der Columbia University über die Bauhaus-Bewegung in kommunistischen Ländern promoviert.

Talesnik unterrichtet auch an der Technischen Universität München. Unterstützt wurde er von Ella Neumaier, Ilyas Kerem Yilmaz, Ann-Kathrin Gügel, Theresa Thanner und Anna-Maria Mayerhofer. Das Grafikdesign für die Ausstellung stammt von Kathryn Gillmore und die Ausstellungsarchitektur wurde von Carmen Wolf entworfen. Darüber hinaus wurde „Who’s Next?“ von vielen namhaften Sponsoren großzügig unterstützt. Das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, die Deutsche Stiftung Architektur Kultur, die BÜSCHL-Gruppe, die PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne e.V. und die Bayerische Stiftung für Wohnungslosenhilfe gehören zu den zahlreichen Förderern dieser Ausstellung.

Warum die Stadt München über Obdachlosigkeit nachdenken muss.

Um die Ausstellung weiter zu vertiefen, haben Studierende und Lehrende des Lehrstuhls für kuratorische Praxis eine Veranstaltungsreihe mit dem Titel „Let’s talk! Wir müssen über Obdachlosigkeit reden“ in München organisiert. Ein Mix aus verschiedenen Formaten fordert die Besucher*innen auf, in einen Dialog über die Schnittmenge zwischen Obdachlosigkeit und Stadtgestaltung, über die Art und Weise, wie sie über Obdachlosigkeit sprechen, und über Zukunftsvisionen einzutreten. Eine übergeordnete Frage ist, wie München als Stadt, die von Wohnungsnot betroffen ist, ihren Herausforderungen begegnen kann. Fragen wie „Welche Verantwortung hat die Stadt bei der Bereitstellung von Wohnraum?“, „Welche Rolle kann und soll die Architektur spielen?“ und „Wie können wir Obdachlosigkeit in der Gesellschaft sichtbarer machen?“ laden zur Diskussion ein. Die Ausstellung „Who’s Next?“ im Münchner Architekturmuseum läuft noch bis zum 6. Februar 2022.

Mehr Informationen zur Ausstellung erhalten Sie hier.

Eine Gesprächsreihe begleitet die Ausstellung. Erfahren Sie hier mehr.

Im Jahr 2022 dürfen wir uns auf die mittlerweile 15. Auflage der weltweit bedeutendste Reihe von Ausstellungen für zeitgenössische Kunst freuen: Die documenta 2022. Alles was Sie dazu wissen müssen, lesen Sie bei uns.