16.07.2021

Porträt

Paketposthalle München: Herzog & de Meurons Masterplan in massiver Kritik

von Arian Schlichenmayer

Paketposthalle München

Auf dem Areal der Paketposthalle in München soll ein neues Stadtquartier entstehen. Es bietet 1 100 Wohnungen und Büros für 3 000 Arbeitsplätze. Nun liegt der neue Masterplan für das Gelände vom Architekturbüro Herzog & de Meuron vor. Doch die geplante Bebauung stößt in der Münchner Stadtgesellschaft auf massive Kritik. Alles zum Projekt lesen Sie hier.

Die Quartiersgasse mit Blick auf die neuen Hochhäuser am Paketposthallen-Areal. Bildrechte: Herzog & de Meuron

Paketposthalle München einst architektonische Ikone 

Die Paketposthalle ist ein markantes Gebäude westlich des Münchner Stadtkerns. Sie wurde von 1965 bis 1969 zwischen Arnulfstraße, Wilhelm-Hale-Straße und der Stammstrecke der S-Bahn erbaut. Einst als Umschlagplatz für den gleisgebundenen Pakettransport dienend und seit 1998 als Briefverteilzentrum. Die Deutsche Post verkaufte das Gebäude im Jahr 2018 schließlich an die Münchner Büschl Unternehmensgruppe.

Ihre Markanz verdankt die Paketposthalle München ihrer an Rippen erinnernden Konstruktion aus insgesamt 26 Beton-Kreissegmentbögen. Sie wurden in Fertigteilbauweise erstellt und bilden sowohl das Tragwerk, als auch die Gebäudehülle. In der Folge kommt die Paketposthalle ohne eine weitere Dachhaut aus. Mit einer Spannweite von 147 Metern, einer Länge von 124 Metern und einer Höhe von 31 Metern nimmt die Halle eine Fläche von etwa 20 000 Quadratmetern ein. Ihrerzeit galt die Münchner Paketposthalle als technisches Wunderwerk und spektakuläre Sensation der Architektur.

Die ehemalige Paketposthalle ist eine freitragende Betonfertigteilhalle. Foto: AHert, CC BY-SA 3.0
Insgesamt 26 Beton-Kreissegmentbögen bilden die Konstruktion der Halle. Foto: AHert, CC BY-SA 3.0

 

Schon vor dem Umbau in ein Briefzentrum in den späten Neunzigern versuchte die Deutsche Post erfolglos, die Paketposthalle München zu veräußern. Als die Post 2015 schließlich erwägte, das Briefzentrum von München in den Vorort Germering zu verlegen, begannen vielfältige Planungen rund um das Areal. Eine Philharmonie sollte dort etwa einmal entstehen oder ein neues Wohnquartier mit Terrassenwohnungen. Auch Ikea erwägte vor einigen Jahren, auf dem Gelände der Münchner Paketposthalle ein Möbelhaus zu eröffnen.

Den nun im Auftrag der Büschl Unternehmensgruppe entstandenen Plänen des Schweizer Büros Herzog & de Meuron für das Quartier um die Paketposthalle schlägt heftige Kritik entgegen. Die kommt vor allem von Denkmalschützer*innen, die die Stadtsilhouette in Gefahr sehen.

Auf dem Bild des Modells im PlanTreff zeigen sich die zwei Hochhäuser am Paketposthallen-Areal markant im Stadtbild. Bildrechte: Heller

Masterplan für Paketposthalle München

Rund um die mittlerweile denkmalgeschützte Paketposthalle sollen nach dem Masterplan von Herzog & de Meuron insgesamt 1 100 Wohnungen, Büros für 3 000 Arbeitsplätze und Flächen für den Einzelhandel, Hotels sowie kulturelle und soziale Einrichtungen entstehen. Die Paketposthalle soll dabei zum identitätsstiftenden Kern des Quartiers werden. Sie soll künftig als überdachter und frei zugänglicher Stadtplatz genutzt werden, auf dem kulturelle Aktivitäten stattfinden können. Zusätzlich soll sie vollständig unterbaut werden, wodurch zusätzlicher Platz für Konzertsäle, Kongresse und Events entstehen soll.

Oberirdisch sollen im Quartier ausschließlich Fuß- und Radwege angeboten werden. Motorisierter Verkehr soll unterirdisch unter dem Areal hinweg geführt werden und ist bei Bedarf über eine dreigeschossige Tiefgarage mit dem neuen Quartier angeschlossen.

Blick ins Innere der Paketposthalle. Bildrechte: Herzog & de Meuron

Zwei Hochpunkte sollen westlich der Paketposthalle entstehen. In den Erdgeschosszonen und in den obersten Stockwerken sollen die neuen Gebäude mit Geschäften, Restaurants oder kulturellen Einrichtungen öffentlich nutzbar werden. Den Rest der Stockwerke sollen Wohnungen, Büros und Hotels ausfüllen. 155 Meter sollen die beiden Bauwerke nach dem vorliegenden Masterplan hoch werden und sorgen damit für heftige Kritik.

2004, nach der Fertigstellung des 146 Meter hohen Hochhauses Uptown München, entschieden die Münchner Bürger*innen mit knapper Mehrheit, dass Neubauten fortan nicht höher werden dürften, als die Frauenkirche und damit unter einer Höhe von 100 Metern bleiben müssten. Bis heute, also 17 Jahre später, ist diese Entscheidung der Münchner Bürger*innen nicht angetastet. Dabei ist ihre Gültigkeit bereits beendet.

Die Fuß- und Fahrradfreundliche Grünachse. Die Paketposthalle ist rechts im Bild. Bildrechte: Herzog & de Meuron

Laute Kritik an den Hochhausplänen im Areal

Dass die neuen Hochhäuser am Paketposthallen-Areal das Uptown München jetzt als höchstes Gebäude ablösen sollen, ruft vor allem Denkmalschützer*innen auf den Plan. Sie befürchten, dass das Münchner Stadtbild durch derartige Hochpunkte nachhaltig beeinträchtigt werden könne. Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung warne der Landesdenkmalrat davor, dass Gebäude mit mehr als 60 Metern Höhe drastische Auswirkungen auf das Stadtbild, „unter anderem auf die Sichtbeziehung zu Schloss Nymphenburg“ habe. Investor Büschl hingegen spräche von einer Bereicherung, die Münchens Silhouette durch die neuen Gebäude erführe.

Die Diskussion ist jedenfalls noch lange nicht zu Ende. Die im Masterplan zu findenden Dimensionen sind noch nicht in Stein gemeißelt. Zwischenzeitlich fand ein Bürger*innengutachten zu den Plänen im Areal statt, dass Sie hier in voller Länge ansehen können.

Mehr Informationen zum Bauprojekt Paketposthalle München finden Sie hier.

Auch im Münchner Norden soll ein neues Quartier entstehen, das Kreativquartier.

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