Paketposthalle München: Herzog & de Meurons Masterplan in massiver Kritik

Die Quartiersgasse mit Blick auf die neuen Hochhäuser am Paketposthallen-Areal. Bildrechte: Herzog & de Meuron
Die Quartiersgasse mit Blick auf die neuen Hochhäuser am Paketposthallen-Areal. Bildrechte: Herzog & de Meuron

Auf dem Areal der Paketposthalle in München soll ein neues Stadtquartier entstehen. Es bietet 1 100 Wohnungen und Büros für 3 000 Arbeitsplätze. Nun liegt der neue Masterplan für das Gelände vom Architekturbüro Herzog & de Meuron vor. Doch die geplante Bebauung stößt in der Münchner Stadtgesellschaft auf massive Kritik. Alles zum Projekt lesen Sie hier.

Paketposthalle München einst architektonische Ikone 

Die Paketposthalle ist ein markantes Gebäude westlich des Münchner Stadtkerns. Sie wurde von 1965 bis 1969 zwischen Arnulfstraße, Wilhelm-Hale-Straße und der Stammstrecke der S-Bahn erbaut. Einst als Umschlagplatz für den gleisgebundenen Pakettransport dienend und seit 1998 als Briefverteilzentrum. Die Deutsche Post verkaufte das Gebäude im Jahr 2018 schließlich an die Münchner Büschl Unternehmensgruppe.

Ihre Markanz verdankt die Paketposthalle München ihrer an Rippen erinnernden Konstruktion aus insgesamt 26 Beton-Kreissegmentbögen. Sie wurden in Fertigteilbauweise erstellt und bilden sowohl das Tragwerk, als auch die Gebäudehülle. In der Folge kommt die Paketposthalle ohne eine weitere Dachhaut aus. Mit einer Spannweite von 147 Metern, einer Länge von 124 Metern und einer Höhe von 31 Metern nimmt die Halle eine Fläche von etwa 20 000 Quadratmetern ein. Ihrerzeit galt die Münchner Paketposthalle als technisches Wunderwerk und spektakuläre Sensation der Architektur.

Schon vor dem Umbau in ein Briefzentrum in den späten Neunzigern versuchte die Deutsche Post erfolglos, die Paketposthalle München zu veräußern. Als die Post 2015 schließlich erwägte, das Briefzentrum von München in den Vorort Germering zu verlegen, begannen vielfältige Planungen rund um das Areal. Eine Philharmonie sollte dort etwa einmal entstehen oder ein neues Wohnquartier mit Terrassenwohnungen. Auch Ikea erwägte vor einigen Jahren, auf dem Gelände der Münchner Paketposthalle ein Möbelhaus zu eröffnen.

Den nun im Auftrag der Büschl Unternehmensgruppe entstandenen Plänen des Schweizer Büros Herzog & de Meuron für das Quartier um die Paketposthalle schlägt heftige Kritik entgegen. Die kommt vor allem von Denkmalschützer*innen, die die Stadtsilhouette in Gefahr sehen.

Masterplan für Paketposthalle München

Rund um die mittlerweile denkmalgeschützte Paketposthalle sollen nach dem Masterplan von Herzog & de Meuron insgesamt 1 100 Wohnungen, Büros für 3 000 Arbeitsplätze und Flächen für den Einzelhandel, Hotels sowie kulturelle und soziale Einrichtungen entstehen. Die Paketposthalle soll dabei zum identitätsstiftenden Kern des Quartiers werden. Sie soll künftig als überdachter und frei zugänglicher Stadtplatz genutzt werden, auf dem kulturelle Aktivitäten stattfinden können. Zusätzlich soll sie vollständig unterbaut werden, wodurch zusätzlicher Platz für Konzertsäle, Kongresse und Events entstehen soll.

Oberirdisch sollen im Quartier ausschließlich Fuß- und Radwege angeboten werden. Motorisierter Verkehr soll unterirdisch unter dem Areal hinweg geführt werden und ist bei Bedarf über eine dreigeschossige Tiefgarage mit dem neuen Quartier angeschlossen.

Zwei Hochpunkte sollen dabei westlich der Paketposthalle entstehen. In den Erdgeschosszonen sowie in den obersten Stockwerken sollen die neuen Gebäude mit Geschäften, Restaurants oder kulturellen Einrichtungen öffentlich nutzbar werden. Den Rest der Stockwerke sollen dann Wohnungen, Büros und Hotels ausfüllen. 155 Meter sollen die beiden Bauwerke nach dem vorliegenden Masterplan hoch werden und sorgen damit für heftige Kritik.

2004, nach der Fertigstellung des 146 Meter hohen Hochhauses Uptown München, entschieden die Münchner Bürger*innen mit knapper Mehrheit, dass Neubauten fortan nicht höher werden dürften, als die Frauenkirche und damit unter einer Höhe von 100 Metern bleiben müssten. Bis heute, also 17 Jahre später, ist diese Entscheidung der Münchner Bürger*innen nicht angetastet. Dabei ist ihre Gültigkeit bereits beendet.

Laute Kritik an den Hochhausplänen im Areal

Dass die neuen Hochhäuser am Paketposthallen-Areal das Uptown München jetzt als höchstes Gebäude ablösen sollen, ruft vor allem Denkmalschützer*innen auf den Plan. Sie befürchten, dass das Münchner Stadtbild durch derartige Hochpunkte nachhaltig beeinträchtigt werden könne. Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung warne der Landesdenkmalrat davor, dass Gebäude mit mehr als 60 Metern Höhe drastische Auswirkungen auf das Stadtbild, „unter anderem auf die Sichtbeziehung zu Schloss Nymphenburg“ habe. Investor Büschl hingegen spräche von einer Bereicherung, die Münchens Silhouette durch die neuen Gebäude erführe.

Die Diskussion ist jedenfalls noch lange nicht zu Ende. Die im Masterplan zu findenden Dimensionen sind aber noch nicht in Stein gemeißelt. Zwischenzeitlich fand ein Bürger*innengutachten zu den Plänen im Areal statt, dass Sie hier in voller Länge ansehen können.

Mehr Informationen zum Bauprojekt Paketposthalle München finden Sie hier.

Auch im Münchner Norden soll ein neues Quartier entstehen, das Kreativquartier.

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KLIMA_X: Ausstellung zur Klimakommunikation

An der MachBar können Besuchende Intiativen und Aktionen kennenlernen, die es in ihrer Stadt gibt. © Museum für Kommunikation Frankfurt, Foto: Stefanie Kösling
© Museum für Kommunikation Frankfurt, Foto: Stefanie Kösling

Wir wissen um die Bedrohung und Herausforderung durch den Klimawandel. Wir wissen auch, was dagegen zu tun ist. Aber warum tun wir es nicht? Die Ausstellung KLIMA_X beschäftigt sich damit, wie Menschen mit Klimafakten umgehen und wie die Klimakommunikation in den letzten fünf Jahren aussah. Bis 27. August 2023 ist KLIMA_X im Museum für Kommunikation in Frankfurt am Main zu sehen. Im Anschluss wandert die Ausstellung ans Museum für Kommunikation Berlin

Ausstellung zur Klimakommunikation 

Die Klimakrise ist keineswegs ein neues Phänomen. So wurde die Thematik seit Beginn der Fridays for future Demonstrationen zwar vermehrt ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Doch die Erkenntnis darüber, welche Folgen der menschliche Einfluss für das Erdklima des Planeten haben wird, ist schon seit Mitte des letzten Jahrhunderts wohlbekannt. Trotzdem wurde flächendeckend unverändert am Wachstum festgehalten. Und dies sowohl im politischen Gebaren als auch vielfach im individuellen Verhalten. Die neue Ausstellung KLIMA_X geht nun der spannenden Frage nach, woran das liegt. Wenn sich doch die Mehrheit der aufgeklärten Menschheit bewusst darüber ist, dass sich etwas ändern muss, warum ändert sich dann nichts. Oder zumindest nicht in einer Geschwindigkeit und Relevanz, die angesichts der drohenden Katastrophe angemessen wäre. Es sind genau diese Hintergründe, welche die Ausstellung zur Klimakommunikation nun näher beleuchten will.  

Herzlich willkommen zu KLIMA_X! Treppenaufgang in die Ausstellung © Museum für Kommunikation Frankfurt, Foto: Stefanie Kösling
Herzlich willkommen zu KLIMA_X! Treppenaufgang in die Ausstellung © Museum für Kommunikation Frankfurt, Foto: Stefanie Kösling

Warum tun wir nicht, was wir wissen?

Das Museum für Kommunikation in Frankfurt spricht von einer Last der guten Vorsätze. Als Einzelpersonen hegen wir persönliche Ziele, wie etwa eine Reduktion des Fleischkonsums oder der PKW Nutzung. Dies wäre nicht nur gut für uns als Individuen, sondern gleichzeitig auch fürs Klima. Und doch scheint die Umsetzung dieser Vorsätze ungemein schwierig. Und so inkonsequent wir in der persönlichen Lebensführung sind, so sind es auch das politische Gemeinwesen und die Wirtschaft. Die Veränderung der gewohnten Strukturen stellt sich als große Herausforderung dar. Dabei reagiert jedes Individuum und jede Gemeinschaft ganz unterschiedlich auf Wandel. Die Ausstellung zur Klimakommunikation regt die Besucher*innen dazu an, herauszufinden welche Art von „Veränderungs-Typ“ man selbst ist. Denn der Umgang mit den unleugbaren Klimafakten ist eine vielschichtige Problematik. Welche ein konsequenteres Vorgehen gegen die Klimakrise oft hemmt.

 

An der MachBar können Besuchende Intiativen und Aktionen kennenlernen, die es in ihrer Stadt gibt. © Museum für Kommunikation Frankfurt, Foto: Stefanie Kösling
An der MachBar können Besuchende Intiativen und Aktionen kennenlernen, die es in ihrer Stadt gibt. © Museum für Kommunikation Frankfurt, Foto: Stefanie Kösling

Aufbau der Ausstellung

In sieben Ausstellungsbereichen findet sich zwar somit auch ein Bereich zum Stand der naturwissenschaftlichen Forschung. Vielmehr liegt der Fokus jedoch auf den Reaktionen, die durch jene Forschung provoziert werden. Dabei stellen sich Fragen wie etwa, welche Gefühle durch die Fakten ausgelöst werden? Weiterhin, wie kommunizieren Medien, NGOs oder Unternehmen über die Debatte? KLIMA_X schlägt dabei einen Bogen von historischen Erkenntnisschritte über Kommunikationsmethoden. So findet der Bericht des Club of Rome von 1972 ebenso Erwähnung wie diverse IPCC-Reports. Weiterhin geht die Ausstellung aber beispielsweise auch auf Desinformationsstragien von fossilen Industrien ein. Oder zeigt darüberhinaus die Strategie der Fridays for Future Demonstrationen. Neben den historischen und naturwissenschaftlichen Fakten, bestimmt der emotionale Umgang mit der Klimakrise die Ausstellung.

 

Klimakommunikation und Du

Dazu wird den Besucher*innen im Laufe der Ausstellung auf spielerische Art das eigenen Verhältnis zu Veränderung vermittelt. Diese wählen ein „Klimatier“, dem sie sich während des Ausstellungsbesuches am nächsten fühlen. Etwa ein wütender Gorilla, ein verschrecktes Huhn oder eine tüchtige Biene. Die Tiere versinnbildlichen unterschiedliche Emotionen, die im Angesicht der Klimakrise zu Tage treten. Diese variieren von „verärgert“ über „machtlos“ bis „hoffnungsvoll“. Ein interaktives Netzwerkdiagramm hält die Stimmung der Besucher*innen fest. Weitere Stationen der Ausstellung sind das „Ausreden-Glücksrad“ oder weiterhin der „Anruf in die Zukunft“. Dabei geht es zum Beispiel darum, typische Verzögerungsargumente im Klimadiskurs zu entlarven. Oder darüberhinaus eine mögliche Zukunftsvision zu visualisieren. Neben den interaktiven Teilen werden Beispiele gelungener Umwälzungen gezeigt. Dazu erzählen ausgewählte Menschen in Interviews von ihrer Art eines klimafreundlicheren Lebens.

 

Von der Kluft zwischen Wissen und Handeln

Katja Weber, Kuratorin der Ausstellung, hält die Ausstellung für einen Meilenstein. Ihrer Ansicht nach, sei bei vielen Menschen in Deutschland die Erkenntnis darüber, dass ein ernsthaftes Problem anstehe, bereits Konsens. Weiterhin seien viele dieser Personen bereit, ihren Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasen zu lasten. Sie betont aber das verbreitete Problem: „Es gibt einen Gap zwischen Wissen und Handeln. Die Ausstellung versucht diese Leerstelle zu erklären.“ Carel Mohn, Chefredakteur der Seite klimafakten.de – welche die Ausstellung mitkuratiert hat – sieht in der Ausstellung in einem der weltweit wichtigsten Museen für Kommunikation einen Hoffnungsschimmer: „Die Frage der Klimakommunikation ist offenbar in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“ Dafür spricht auch das breite Kooperationsbündnis, welches hinter der Ausstellung steht. Neben dem Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, wirkten auch die LandesEnergieAgentur Hessen (LEA) und das Umweltamt Frankfurt mit.

Klimakommunikation in Frankfurt und Berlin

Es wäre wünschenswert, wenn die Ausstellung tatsächlich die besprochene Kluft zwischen Wissen und Handel ein Stück weit schließt. Besucher*innen können sich noch bis 27. August 2023 im Museum für Kommunikation in Frankfurt am Main selbst ein Bild machen. Danach wandert die Ausstellung weiter in die Hauptstadt. Durch das Projekt können Inhalte der Klimakommunikation und ein gesteigerter Veränderungswille eine breite Masse erreichen. Damit wir In Zukunft vielleicht häufiger tun, was wir eigentlich schon wissen.

Mehr zu Wirkmöglichkeiten gegen die Klimakrise lesen Sie im Praxishandbuch für Kommunen des Difu zur Klimaresilienz.

Studentische Arbeiten II: Die G+L im September 2021

Aurelia Ibach
Aurelia Ibach

Das Heft als Teaser: weitere studentische Arbeiten online

Im September 2019 veröffentlichten wir die erste G+L mit dem Titel „Studentische Arbeiten“. Hier stellten wir außergewöhnliche Projekte vor, die im Jahr zuvor in den Landschaftsarchitektur­studiengängen deutscher Universitäten entstanden sind. Nun, zwei Jahre später und unter ganz anderen Studienbedingungen (die Corona-Pandemie lässt grüßen), setzen wir die Ausgabe zur Reihe fort (und denken im Übrigen bereits jetzt schon wieder voller Begeisterung über das Folgeheft „Studentische Arbeiten III“ nach).

Damit alles fair bleibt, konzentrieren wir uns im vorliegenden Heft auf Abschluss- und Projektarbeiten, die an Hochschulen und ­Uni­versities of Applied Sciences entstanden sind. Unser Ziel: heraus­ragenden studentischen Arbeiten und den Nachwuchs­talenten, die dahinter stehen, eine Plattform zu geben und Sicht­barkeit für ­Ausnahmetalente zu schaffen.

Bei unseren Vorgesprächen mit Professor*innen und Studierenden mussten wir in der G+L-Redaktion schnell akzeptieren: Ein Heft mit 66 Seiten reicht in keinem Fall aus, die vielen, wirklich guten und spannenden Projekte angemessen vorzustellen, die aktuell an unseren Hochschulen gemacht werden. In diesem Sinne: Sehen Sie das vorliegende Heft bitte als Teaser. Denn: Noch mehr studentische Projekte veröffentlichen wir in den kommenden September-Tagen – Projekt für Projekt – hier, bei uns auf der Webseite.

Was sollten Berufsanfänger*innen anders machen?

Abgesehen von den Projekten aus den Häusern TH Ostwestfalen-Lippe, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, FH Erfurt und BTU Cottbus-Senftenberg bietet das Heft zudem ein paar sehr persön­liche Insights in das Hochschulleben: Eine Absolventin fasst für uns zusammen, was sie gerne vor ihrem Landschaftsarchitekturstudium gewusst hätte, fünf HSWT-Professor*innen sagen frei heraus, was Studierende aus ihrer Sicht nicht wissen (bzw. nicht checken), eine Landschaftsarchitektin blickt zurück auf ihre ersten Monate im Berufsleben und René Rheims von KRAFT.RAUM erörtert, was Berufsanfänger*innen anders machen sollten.

In diesem Sinne: Viel Freude beim Lesen und Stöbern sowie schon mal einen guten Start ins neue Semester (vielleicht diesen Herbst doch tatsächlich wieder ein bisschen in Präsenz?!).

Die G+L 09/21 ist bei uns im Shop erhältlich.