12.09.2022

Gesellschaft
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Park(ing) Day: Jedes Jahr im September

von Juliane von Hagen
Der Park(ing) Day findet jedes Jahr im September statt – so bauten Teilnehmende im spanischen Gata de Gorgos etwa 2018 dieses temporäre Parklet in der Carrer Signes auf. Foto: Joanbanjo, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Der Park(ing) Day findet jedes Jahr im September statt – so bauten Teilnehmende im spanischen Gata de Gorgos etwa 2018 dieses temporäre Parklet in der Carrer Signes auf. Foto: Joanbanjo, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wie seit vielen Jahren findet auch im September 2022 wieder ein Park(ing) Day statt. An diesem Aktionstag erobern Menschen den öffentlichen Raum zurück. Sie verwandeln Parkplätze am Straßenrand kurzerhand in lebenswerte Aufenthaltsräume.

Seit 2005 wird in vielen Städten rund um den Globus einmal im Jahr der sogenannte Park(ing) Day zelebriert. Dann verwandeln Engagierte Parkplätze inmitten der Stadt temporär und kurzfristig in Aufenthaltsräume für Menschen. Der Aktionstag rückt die Re-Urbanisierung von Innenstädten ins Blickfeld. Sie macht damit immer wieder darauf aufmerksam, wieviel Raum parkende Autos in Anspruch nehmen. Meistens findet die Aktion am dritten Freitag eines jeden Septembers statt. So auch in diesem Jahr: Am 16. September 2022 ist in vielen Städten weltweit wieder Park(ing) Day angesagt.

Parkraum in der Stadt

Inspiriert ist die Idee des Park(ing) Day durch das Fake Estate-Projekt von Gordon Matta-Clark. Es animierte Matthew Passmore, John Bela und Blaine Merker dazu, den Raum für den ruhenden Verkehr inmitten von San Francisco genauer zu betrachten. Der Gruppe, die sich später Rebar nannte, fiel dabei auf, dass die Gebühren zur Nutzung dieser Flächen sehr niedrig sind. In ihrer Wahrnehmung gehörten Parkplätze am Straßenraum zu den preiswertesten Teilen städtischen Grund und Bodens. Darüber hinaus fand die Gruppe heraus, dass die Straßenverkehrsordnung es erlauben würde, diese Parkräume auch anderweitig zu nutzen. Sie sind streng genommen nicht allein Autos vorbehalten. 

Des weiteren summierte Rebar, dass 20 bis 30 Prozent der Stadtfläche von San Francisco Straßenraum ist. Zieht man die Fussgängerwege davon ab, sind demnach 70 bis 80 Prozent der Stadt dem Autoverkehr vorbehalten. Diese Zahlen erschreckten und animierten die Aktivisten, sinnvollere Nutzungen dieser wertvollen Flächen im öffentlichen Raum der Stadt zu diskutieren. Im November 2005 setzten sie ihre Idee in einer ersten temporären Installation in San Francisco um. Der Park(ing) Day ist ein internationaler Aktionstag, die daraus resultierte.

 

 

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Park(ing) Day seit 2005

Aus diesem ersten Parklet im Jahr 2005 entwickelte sich in der Folge der Park(ing) Day. Seitdem wird in vielen Städten der Welt jedes Jahr dieser Aktionstag zelebriert. Dazu werden jeweils am dritten Freitag im September Parkplätze im öffentlichen Straßenraum modellhaft umgewidmet und einer anderen Nutzung zugeführt. Meist entstehen dann kurzfristig und temporär grüne Oase oder Pflanzinseln, Orte zum Sitzen oder für gastronomische Angebote, für künstlerische Installationen oder einfach nur Stellplätze für Fahrräder.

Im Jahr 2009 sorgte am Park(ing) Day einer der vielleicht bekanntesten Stadträume für große Aufmerksamkeit. Die große Straßenkreuzung Times Square inmitten von New York City veränderte ihr Gesicht. Am Park(ing) Day wurde sie teilweise in eine Fußgängerzone umfunktioniert. Die als kurzfristige Aktion gedachte Initiative kam so gut an, dass ein Teil des Times Square dauerhaft in einen Raum für Fussgänger verwandelt wurde.

Jedes Jahr finden in vielen Städten Aktionen zum Park(ing) Day statt, in Deutschland etwa auch in Berlin, München oder Leipzig. Dort wurden 2021 zum Beispiel 30 Parkplätze in menschenfreundliche Oasen verwandelt. Und auch global, in Städten wie New Delhi, Washington, DC, Portland, Los Angeles oder Seattle, machen Park(ing) Days auf die Dominanz von Autos im Stadtraum aufmerksam.

Blick in eine Straße in einer Stadt, links und rechts Häuserzeilen, in der Mitte eine Straße mit vielen parkenden Autos. Parkende Autos beanspruchen viel Raum in Städten. Am Park(ing) Day eignen sich Engagierte diesen Raum kurzfristig wieder an und verwandeln sie in einladende Aufenthaltsräume. Foto: Satyam Kapoor via Unsplash
Parkende Autos beanspruchen viel Raum in Städten. Am Park(ing) Day eignen sich Engagierte diesen Raum kurzfristig wieder an und verwandeln sie in einladende Aufenthaltsräume. Foto: Satyam Kapoor via Unsplash

Einladung und Anleitung zum Park(ing) Day

Beim Park(ing) Day steht die Frage im Raum, wie viel Platz in der Stadt Autos belegen und wie viel eigentlich zur allgemeinen, öffentlichen Nutzung zur Verfügung stehen sollte. Diese Überlegungen treibt alle Aktivist*innen an, die jedes Jahr aufs Neue ihre Kreativität spielen lassen. Mit bunten und ungewöhnlichen Ideen machen sie immer wieder auf den enormen Flächenverbrauch von Autos aufmerksam. Gleichzeitig animieren sie andere Menschen, ihrem Anliegen zu folgen. Sie laden alle ein, ihre Ideen von einer lebenswerteren Stadt auf den Parkplätzen ihres Umfeldes zu verwirklichen.

Inspiration für die Gestaltung und Umsetzung eines temporären Parklets für den Aktionstag gibt zum Beispiel der VCD Verkehrsclub auf seiner Seite „Straße zurückerobern“ zum Park(ing) Day. Meist reicht ein Fahrrad oder Lastenrad, etwas Rollrasen und Blumentöpfe, Sitzgelegenheiten und Tische, Brett- und Kartenspiele, Straßenkreide und Kaffee und Kuchen. Manchmal hilft auch etwas Absperrband und Warnkegel. Damit kann die Einrichtung eines Park(ing) Day Spots losgehen. Dann startet die Suche nach einen Parkplatz oder mehrere nebeneinander liegenden Parkplätzen, die für einen Tag in einen kleinen Park verwandeln werden sollen. Am besten sind Orte an belebten Straßen und einem breiten Gehweg. Dadurch können mehr Menschen auf die Aktion aufmerksam werden und schließen sich vielleicht sogar an.

Ein Park anstatt eines Parkplatzes

Eine Park(ing) Day kann man alleine oder für noch mehr Spaß zusammen mit anderen Mitstreiter*innen organisieren. Eine Orientierung zu rechtlichen Fragen wie der Anmeldung der Aktion bei der Stadt, zum Beispiel als Versammlung oder als Sondernutzung, gibt es etwa ebenfalls auf der Seite des VCD. Dann kann schon bald dein Parkschein gezogen und der Parkplatz nach eigenen Ideen umgestaltet werden. Damit die temporäre grüne Oase wirklich Aufmerksamkeit generiert, lohnen einladende und animierende Aktionen. Die können von gemeinsam Kaffee trinken und Kuchen essen, über gemeinsames Spielen bis zum Guerilla Knitting reichen. Hier sind alle Ideen willkommen.

Damit die Anliegen vom Park(ing) Day sich weit verbreiten, sollten Fotos gemacht und auf verschiedenen Kanälen verbreitet werden (#parkingday). Bei den regelmäßigen Aktionen im September geht es immer noch und wieder darum, weitere und nächste Mitstreiter*innen zu finden. Denn der Diskurs über die Nutzung des öffentlichen Stadtraums und die Dominanz von Autos ist nicht abgeschlossen. Mit der anstehenden Verkehrswende ist er derzeit vielleicht aktueller denn je. Am 16. September 2022 bekommt das Thema in diesem Jahr wieder neue Aufmerksamkeit.

Ebenfalls interessant: In Melbourne entwickelten Forscher*innen ein nicht-kommerzielles Parklet. Mehr zu Idee und Konzept lesen Sie hier: playful parklet

Weitere Artikel zu spannenden Parklet-Projekten finden Sie in unserem Themen-Spezial: Parklets

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