Ausstellung „Landscape Works with Piet Oudolf and LOLA“

Heute, am 9. Juni 2021, eröffnet die Ausstellung „Landscape Works with Piet Oudolf and LOLA: In Search of Sharawadgi“ im Heerlener SCHUNK. Sie zeigt Arbeiten des Gartenarchitekten Piet Oudolf und des Büros LOLA Landscape Architects. Die Besucher*innen sollen einen nie dagewesenen Einblick auf die Garten- und Landschaftsarchitektur erhalten. Einen ersten Eindruck und weitere Information zur Ausstellung erfahren Sie hier.

Fließende Linien und Höhenunterschiede

Das zentrale Thema der Ausstellung ist der Einfluss der Landschaftsentwicklung auf den öffentlichen Raum, die Natur und den Klimawandel. Bilder, Filme, Modelle und Originalzeichnungen neuer und bestehender Arbeiten werden dabei den Besuchenden nicht nur einen Einblick in die Entstehung der Visionen von Piet Oudolf und den Kolleg*innen von LOLA ermöglichen. In einer Art Reise um die Welt zeigt die Ausstellung internationale Projekte zur Umgestaltung öffentlicher Gärten und Landschaften sowie ihre Entwicklung. Mit dabei sind zum Beispiel der High Line Park, eine ehemalige Güterzugtrasse in New York, die Gärten hinter der Galerie Hauser & Wirth im südenglischen Somerset oder die Leisure Lane im niederländischen Parkstadt, eine begrünte, naturnahe Radstrecke.

Die Ausstellung wird künstlerisch von den Arbeiten von Joseph Beuys, Kie Ellens, Anne Geene, Giuseppe Licari, Geert Mul, Darcy Neven, Vijai Patchineelam & Adrijana Gvozdenovic und Sanne Vaassen begleitet. Wie geplant öffnete die Ausstellung am 9. Juni 2021 im SCHUNK im niederländischen Heerlen. Der SCHUNCK Glaspaleis ist eine multidisziplinäre kulturelle Einrichtung mit einem angeschlossenen Museum für moderne und zeitgenössische Kunst. Außerdem gibt es ein Forschungszentrum für Architektur und Städtebau.

Piet Oudolf, der bekannteste Gartenarchitekt der Niederlande, ist darüber hinaus auch Pflanzenzüchter und Buchautor und hat hierzulande beispielsweise den Gräflichen Park in Bad Driburg entworfen. Auch den Stauden- und Gräsergarten im Maximilianpark Hamm hat er gestaltet. Sein Bepflanzungsstil ist von Gräsern und Stauden gekennzeichnet, sein landschaftsarchitektonischer Stil von fließenden Linien sowie Höhenunterschieden. Das Büro LOLA Landscape Architects aus Rotterdam entwirft öffentliche Räume und gestaltete beispielsweise den Metropolitan Forest in Madrid und die PlusStadt Frankfurt Nordwest.

Die Ausstellung „Landscape Works with Piet Oudolf and LOLA“ wird, abhängig von den geltenden Corona-Regeln, vom 9. Juni bis zum 17. Oktober 2021, jeweils Dienstags bis Sonntags von 11:00 bis 17:00 Uhr zu sehen sein. Der Eintrittspreis beträgt 9 Euro.

Adresse

SCHUNCK Glaspaleis
Bongerd 18
Heerlen, Niederlande

Mehr Informationen zur Ausstellung finden Sie auf der Webseite von SCHUNK.

Bei dem diesjährigen Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis hat LOLA Landscape Architects mit ihrer Neugestaltung der Außenanlagen am „adidas World of Sports Campus“ in Herzogenaurach den Sprung in die Liste der Nominierungen geschafft. Mehr zu den nominierten Projekten lesen Sie hier.

Das könnte Sie auch interessieren
Waldbrände: wie wir resiliente Landschaften gestalten können
Waldbrände im Osten Deutschlands als mahnendes Zeichen
ein-auto-das-eine-strasse-neben-hohen-gebauden-entlangfahrt--9y51C2_SVY
Wie Helsinki Mobilitätsflüsse als Planungsparameter in Echtzeit nutzt
hochwinkelfotografie-der-stadt-RvCbIQ0S-Lc
Wie funktionieren Prognosemodelle in der Stadtentwicklung?
luftaufnahme-einer-stadt-durch-die-ein-fluss-fliesst-P2d8SKdbjEE
Räume für mentale Gesundheit – wie Psychologie in die Planung kommt
Grijsen – Flächenentwicklung
Berta Kröger Platz: Alles im Fluss
Eine professionelle Planungsszene im Freiraum zum Thema Hoai Grundleistungen
Hoai Grundleistungen: Grundlagen, Ablauf und Praxis
Die Sphäre „Wasser“
Landesgartenschau Kirchheim 2024
Das Leuchten der Stille
menschen-die-auf-einer-strasse-gehen-BRo7ry8LL4A
Wie viel Schatten braucht ein Quartier? – Stadtteiltypologien im Test

Hauptrolle für den Hamburger Hafen

An prominenter Stelle hat Hamburg ein neues Stadtmöbelstück mit spektakulärer Beleuchtung bekommen: eine Hafenpromenade als Hochwasserschutzanlage von den Landungsbrücken bis zur Speicherstadt. Das Lichtkonzept zu der prägnanten Architektur von Zaha Hadid Architekten stammt vom Planungsbüro Schlotfeldt Licht. 

Es sieht heute leer aus im Hamburger Hafen. Noch vor wenigen Jahrzehnten tummelten sich auf der Norderelbe Boote, Schlepper, Frachter und Passagierschiffe – jetzt parken hier vor allem  Museums- und Ausflugsschiffe. Das Leben am Nordufer des Flusses hat sich verändert. In den frühen 1930er-Jahren diente das Elbufer an den Vorsetzen in Hamburg dem Güterumschlag. Zwischen Hochbahnviadukt und Kaimauer standen Schuppen und Kräne, wirkten See- und Schauerleute. Hier gab es dunkle Räume und dunkle Gestalten, aber auch lichte Momente und jeden Tag Lohn für Handarbeit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und zwei verheerenden Sturmfluten 1961 und 1978 schloss lange Zeit eine Hochwasserschutzanlage die Stadt vom Hafen und vom Wasser ab. Im Hafen war die Arbeit schmutzig und ölig – in der Stadt wich die produzierende immer mehr der administrativen Arbeit. Seit Container außerhalb des Stadtzentrums umgeschlagen werden und der Stückgutverkehr fast keine Rolle mehr spielt, die Freihafengrenze verlegt ist und die HafenCity mit großen Schritten wächst, gehören auch die alten Hafengebiete am Nordufer der Elbe zur Stadt. Sie wandelten sich vom Hinterhof zum Salon. Die Einfahrt der großen Kreuzfahrt- und Frachtschiffe ist eine Attraktion geworden und längst kein Tagesgeschäft mehr.

Stadt und Hafen

Die Flutschutzanlage hat den Charakter der Grenzlinie eingebüßt. Die Sportboote, Restaurants, Museumsschiffe und Musical-Theater am Südufer der Norderelbe gehören mehr zur Stadt als zum Hafenbetrieb. Dieser ist südlich der Norderelbe förmlich in den Hintergrund getreten. Spätestens 2006, als die Flutschutzanlage im Rahmen einer „Architektur Olympiade“ unter vielen Projekten in der Stadt zum Gegenstand einer architektonischen Neuinterpretation werden sollte, war klar, dass es hier zu einem signifikanten Wandel kommen musste. Zaha Hadid Architekten stellten sich der Aufgabe. Mit den für ihr Büro obligatorisch gerundeten Formen entwarf Hadid eine neue Promenade, die nicht nur flussauf- und -abwärts beschritten, sondern auch gequert werden kann. Der erste Bauabschnitt der Hafenpromenade – in unmittelbarer Nähe der Elbphilharmonie – ist jetzt fertig gestellt worden. Auf der Stadt- wie auf der Hafenseite sind Treppen wie Theaterforen ausgebildet.

Die Stadt hat in ihrem Wohnzimmer ein neues Möbelstück bekommen, dessen Stufen sich zum Sitzen eignen. Stadtflaneure können hier wie auf einem überdimensionierten Sofa verweilen und entweder das Stadtleben oder das Hafengeschehen wie auf einer Bühne verfolgen. Mit dem Unterschied, dass dieses Schauspiel nicht inszeniert wird – jedenfalls nicht im Regelfall. Spätestens bei einer Sturmflut dürften sich die Plätze in der ersten Reihe als ungemütlich erweisen. Die Assoziation vom Wasser ausgespülter Buchten, die dem Entwurfsgedanken der Treppenanlagen zugrunde liegt, fordert das Sicherheitsbedürfnis und die Angst vor der Flut heraus, die hinter dem Bau der Anlage stehen.

In jedem Fall ist hier ein vielfältig kommunikativer Raum entstanden, der Stadt- und Wasserseite miteinander verbindet und als Promenade gut funktioniert. Fast nebenbei dient das Bauwerk dem Hochwasserschutz. […]

Wie die Lichtplanung den Entwurf maßgeblich beeinflusste lesen Sie in Garten+Landschaft 03/2016 – Licht im Freiraum.

Promenade Niederhafen Hamburg
Bauherr: Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer, Hamburg
Architektur: Zaha Hadid Architects, London
Lichtplanung: Schlotfeldt Licht, Hamburg
Zeitraum: 2006 – 2015
Fläche: 625 Quadratmeter

Wettbewerbsübersicht März 2019 (2/2)

Quartierspark Linsingenkaserne in Hameln, 1. Preis hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH, Berlin

Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen monatlich über die spannendsten Wettbewerbsergebnisse.

Umgestaltung des Marktplatzes in Witzenhausen, 1. Preis impuls Landschaftsarchitektur, Jena

Im Zentrum des geplanten Bildungs- und Gesundheitscampus auf dem ehemaligen Kasernengelände Linsingen soll ein Quartierspark entstehen. Das Planungsbüro hutterreimann Landschaftsarchitektur entwickelt den Park als quartiersverbindendes Element, das die Barriere der bisher abgeschlossenen Kaserne durchkreuzt. Dafür spannen die Planer ein Wegenetz auf und verknüpfen den Park über fünf „Ankerplätze“ an den Eingängen mit den angrenzenden Quartieren und dem Bildungscampus. Das Wegenetz teilt die Parkfläche in vier Grünflächen auf. In der formalen Ausgestaltung zwar ähnlich, weisen sie jeweils einen eigenständigen Charakter auf: Die „Arena“ im Nordwesten nimmt die Topographie des alten Exerzierplatzes auf und bietet sportliche Intensivflächen für Skaten, Streetball, Rollsport und Calisthenics. Extensivere Parkbereiche bilden im Süden die „feuchte Senke“, mit ihrer Retentionsmulde, die freie Wiese als offene Spielfläche, sowie das Wäldchen als Rückzugsort für Naturerlebnis und Rodelfläche im Winter.

 

Regenpromenade und –brücke Mitterdorf in Roding, 1. Preis DKFS Architects, London mit Lex Kerfers Landschaftsarchitekten und Stadtplaner, Bockhorn

impuls Landschaftsarchitektur überzeugte mit einer reduzierten, aber sehr differenzierten und zukunftsorientierten Entwurfsidee, die Ort und Historie berücksichtigt. Der Entwurf arbeitet den Platz als großes zusammenführendes Zentrum heraus. Das Rathaus rückt so in den Mittelpunkt und erhält als raumstarkes Gegenüber das Baumpaket der bestehenden Platanen. Südlich des Rathauses ergänzen zwei weitere Hochstämme die bestehende Platane zu einem Platanendach. Die beiden Baumdächer im Süden und Norden erhalten einen Formschnitt und bieten jeweils kompakte schattenspendende Aufenthaltsbereiche. Eine Reihenpflasterung aus Kleinstein fasst den Platz bis zu seinen Rändern. Der Innenbereich des Platzes hebt sich mit gesägter Oberfläche als Intarsie hervor. Sie nimmt die Fluchten des Rathauses auf und betont die zentrale Stellung des Gebäudes. Parallel der umfassenden Gebäudekanten verlaufen flache Entwässerungsrinnen aus Naturstein. Sie rahmen die Platzfläche zusätzlich, und ermöglichen, den Platz nahezu barrierefrei an die Gebäude anzubinden.

 

Die Stadt Roding will den Uferbereich des Regens im gegenüberliegenden Ortsteil Mitterdorf hochwassergerecht gestalten, sowie eine eigenständige Fuß- und Radwegeverbindung über den Regen schaffen. So wenig Gebautes und Befestigtes wie nötig, und so viel Grün wie möglich, lautet die Zielsetzung des Siegerteams aus DKFS Architects und Lex Kerfers Landschaftsarchitekten. Nicht das Design der Schutzanlagen, sondern deren Integration in die Naturlandschaft steht im Vordergrund. Die Brücke präsentiert sich skulptural anspruchsvoll, fügt sich aber zugleich unaufdringlich in die Landschaft ein. Die Hochwasserschutzmauer verläuft geschwungen, mit vorgelagerten Beetflächen und gliedernden Sitznischen. Die Uferpromenade führt relativ nah am Wasserspiegel entlang und bleibt frei von Einbauten. Die Öffnungen zum Uferraum lassen sich im Hochwasserfall schließen. Die Durchgänge bilden wie die Brücke inszenierte Ausblicke auf die Flusslandschaft und sind über Stufen oder Rampen an die Uferpromenade angebunden.