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Pollinator Pathmaker: Wachsende Empathie für Insekten

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1. Pollinator-Pathmaker-LAS-Edition, im Auftrag der LAS Art Foundation, wächst von Juni 2023 bis November 2026 auf dem Vorplatz des Museums für Naturkunde Berlin. Ansicht der Installation. Foto: Frank Sperling
1. Pollinator-Pathmaker-LAS-Edition, im Auftrag der LAS Art Foundation, wächst von Juni 2023 bis November 2026 auf dem Vorplatz des Museums für Naturkunde Berlin. Ansicht der Installation. Foto: Frank Sperling
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Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Doch wer sagt, dass es menschliche Betrachter sein müssen? Alexandra Daisy Ginsbergs Kunstprojekt „Pollinator Pathmaker“ ist für die Sinne von Bienen, Schmetterlingen und anderen pflanzenbestäubenden Insekten bestimmt.

 

Foto: Frank Sperling
Foto: Frank Sperling

Kunstaktion Pollinator Pathmaker adressiert nicht den Menschen

Ginsberg und ihr Team haben den Vorplatz des Berliner Museums für Naturkunde in einen blühenden Garten verwandelt. Wo einst spärliche, von Trampelpfaden durchzogene Rasenflächen die lärmende Invalidenstraße säumten, taumeln nun Hummeln gemächlich von Blüte zu Blüte. Auf 722 Quadratmetern wachsen hier rund 7 000 Pflanzen 80 verschiedener Arten. Ziersalbei ist dabei, ebenso der Bach-Nelkenwurz mit seinen zarten, hängenden rostroten und altrosa Blüten oder die leuchtend blaue Gemeine Wegwarte, die neben Kurz- und Langkopfhummeln noch eine ganze Reihe weiterer Insekten anzieht.

Das Projekt ist das erste dieser Reihe auf deutschem Boden. Kooperationspartner ist die LAS Art Foundation Berlin, eine gemeinnützige Kunstinstitution und Plattform für Kunst, Wissenschaft und neue Technologien. Zuvor hatte die britische Künstlerin Gärten in Cornwall (Eden Project) sowie für die Londoner Serpentine Galleries angelegt.

Auch, wenn die Kunstaktion Pollinator Pathmaker nicht den Menschen adressiert – ästhetisch kommt auch dieser auf seine Kosten. Drei Jahre lang wird der Garten bestehen und dabei im Laufe der Jahreszeiten ständig sein Gesicht wandeln.

Alexandra Daisy Ginsberg, Foto: Frank Sperling
Alexandra Daisy Ginsberg, Foto: Frank Sperling

Do it yourself-Kampagne: Mit KI für Kerbtiere

Das Projekt beschränkt sich nicht auf das Naturkundemuseum. Alle Berliner*innen sind aufgefordert, eigene Gärten für Bestäuberinsekten anzulegen. Die Website pollinator.art unterstützt Interessierte mit kostenlosen Pflanzplänen. Dafür hat Ginsberg gemeinsam mit LAS und einem Expertenteam unter der Leitung des Museums für Naturkunde Berlin eine Liste von 150 kontinentaleuropäischen Pflanzen erstellt, die heißen Sommern sowie frostigen Wintern trotzen.

Ein algorithmusbasiertes Tool entwirft Blumenlandschaften von maximal fünfzehn mal fünfzehn Metern und richtet sie auf die Bedürfnisse der Insekten aus. Ganz im Sinn der Leitfrage: „Wenn Bestäuberinsekten Gärten entwerfen würden, was würden Menschen sehen?“. Schönheit aus Insektensicht – eine beflügelnd andere Perspektive.

Durch Insektenaugen: Neue Facetten der Wahrnehmung

Mit ihren Facettenaugen registrieren Insekten nicht dieselben Bereiche des Farbspektrums wie Menschen. Manche Insektenarten erkennen auf Blütenblättern für das menschliche Auge unsichtbare Markierungen, die sie ins Innere der Blüte locken. Diese Einladung zu Nektar und Bestäubung richten viele Pflanzenarten an ganz bestimmte Insektenarten. Das Ergebnis einer langen Co-Evolution, von der sich Ginsberg, die von Hause aus Architektin und Designerin ist, begeistert zeigt. „Bei Pollinator Pathmaker geht es um Empathie für andere Spezies“, erklärt Ginsberg ihren postanthropozentrischen Ansatz. Mit ihrem Projekt möchte die Künstlerin das Bewusstsein dafür verändern, wie wir Gärten sehen und für wen wir sie anlegen.

Das ist im Übrigen auch dringend nötig: In Deutschland sind die Bestände fliegender Insekten in den letzten 30 Jahren um 75 Prozent geschrumpft. Um so mehr gilt es, die mindestens 3 000 verbleibenden Arten zu schützen, von denen 565 einheimische Bienenarten und 433 verschiedene Arten von Schwebefliegen sind. Dazu kommt eine unbekannte Anzahl von Fliegen, Mücken, Schmetterlingen, Wespen und Käfern, die maßgeblich dazu beitragen, dass die Pflanzen in unseren Gärten und Landschaften wachsen und gedeihen.

Foto: Frank Sperling
Foto: Frank Sperling

Ein Algorithmus für größtmögliche Bestäuber-Vielfalt

Auf pollinator.art müssen die Nutzer*innen lediglich Informationen zu Standort, Größe, Konsistenz und ph-Wert der Erde, Lichtverhältnissen etc. eingeben. Die dann generierten Pflanzpläne sind so optimiert, dass eine größtmögliche Diversität an Bestäuberarten begünstigt wird. Im Spiel mit dem Algorithmus können angehende wie geübte Gärtner*innen unterschiedliche Möglichkeiten ausprobieren, wie sich das jeweilige Grundstück gestalten lässt. Und er kann sich entscheiden: Gilt seine Empathie allen Insekten gleichermaßen oder hegt er ein besonders Faible, etwa für Käfer oder Zitronenfalter?

Alexandra Daisy Ginsberg glaubt fest daran, „dass wir, indem wir Kunst pflanzen, statt sie nur zu betrachten, eine fürsorgliche Beziehung zu ihr aufbauen. (…) So stellen wir Natur nicht nur da, sondern nehmen sie selbst als Kunst wahr.“ Dabei denkt die Britin in großen Dimensionen: „Mit vereinten Kräften kann Pollinator Pathmaker zum größten klimapositiven Kunstwerk der Welt heranwachsen.“

Bettina Kames, Direktorin von LAS, versteht das partizipatorische Projekt Pollinator Pathmaker als soziale Skulptur. Es handele sich um eine radikale Neuerung, da es das Verständnis ändere, was ein Kunstwerk ist und an wen es sich richtet: „Pollinator Pathmaker trägt damit auf besondere Weise zu den dringend benötigten Debatten über den Klimawandel, die Umweltkrise, den zugrundeliegenden Anthropozentrismus und die Gesundheit unseres Planeten bei – und gibt uns ein einfaches Tool an die Hand, wie wir einen Beitrag leisten können.“

Foto: Frank Sperling
Foto: Frank Sperling

S+T+ARTS Prize 2023 – Grand Prize of the European Commission

Rechtzeitig zur Ausstellungseröffnung erreichte Ginsberg die Nachricht, dass sie den S+T+ARTS Prize 2023 – „Grand Prize of the European Commission, honouring Innovation in Technology, Industry and Society stimulated by the Arts 2023“ erhält. S+T+ARTS (Science, Technology and the Arts) ist eine von der Europäischen Kommission seit 2016 geförderte Initiative, die sich auf Projekte konzentriert, die versuchen, die sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen zu meistern, vor denen Europa steht oder in naher Zukunft stehen wird.

Zum Thema Pflanzen: Vom 05.05. bis 22.10. öffnet im Kunstmuseum Liechtenstein die Ausstellung „Parlament der Pflanzen II“. Warum sich ein Besuch lohnt, lesen Sie hier.

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Machine Learning für Schulwegsicherheit

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An einer Kreuzung ist ein Schulbus des Gelben Schulbusses zu sehen.
Machine Learning erkennt Risiken und schützt Kinder im Straßenverkehr
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Maschinelles Lernen für mehr Sicherheit auf dem Schulweg? Was nach Silicon-Valley-Phantasie klingt, wird in immer mehr Städten Europas zur Realität. Intelligente Algorithmen analysieren Verkehrs- und Umweltdaten, erkennen Gefahrenschwerpunkte, prognostizieren Risiken – und liefern so eine neue, datenbasierte Grundlage für die Gestaltung sicherer Wege für Kinder. Doch wie funktioniert das in der Praxis? Was ist möglich, wo liegen die Stolpersteine, und wie weit sind deutsche Städte wirklich? Willkommen in der Zukunft der Schulwegsicherheit – und im Spannungsfeld zwischen technologischem Fortschritt, Planungskultur und gesellschaftlicher Verantwortung.

  • Einführung in das Potenzial von Machine Learning zur Verbesserung der Schulwegsicherheit in urbanen Räumen
  • Überblick über relevante Datenquellen und technische Grundlagen für datengetriebene Analysen
  • Konkrete Anwendungsbeispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Erklärung, wie Machine Learning Gefahrenschwerpunkte erkennt und Risiken prognostiziert
  • Integration von Machine Learning in Stadtplanung, Verkehrsmanagement und Bürgerbeteiligung
  • Chancen für partizipative, transparente und gerechte Schulwegplanung
  • Herausforderungen: Datenschutz, algorithmische Verzerrung, Ressourcen und Governance
  • Aktueller Stand der Umsetzung und Ausblick auf künftige Entwicklungen
  • Empfehlungen für Kommunen, Planer und Entscheidungsträger

Schulwegsicherheit im Wandel – Warum Machine Learning ein Gamechanger ist

Jahrzehntelang war die Schulwegsicherheit ein klassisches Feld der Verkehrsplanung und Präventionsarbeit: Zebrastreifen, Schülerlotsen, Verkehrserziehung – das waren die Mittel der Wahl. Die Überprüfung von Gefahrenstellen erfolgte meist auf Basis von Unfallstatistiken, Ortsbegehungen und subjektiven Einschätzungen. Doch mit dem urbanen Wandel, wachsender Mobilität und immer komplexeren Verkehrsstrukturen stößt diese Herangehensweise an ihre Grenzen. Kinder bewegen sich heute in einem dynamischen, oft unübersichtlichen Umfeld – und klassische Planungsinstrumente reagieren häufig zu langsam auf sich ändernde Bedingungen.

Genau hier setzt Machine Learning an. Diese Disziplin der künstlichen Intelligenz kann nicht nur riesige Datenmengen verarbeiten, sondern darin auch Muster, Zusammenhänge und Risikofaktoren erkennen, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben. Egal ob es um die Analyse von Unfalldaten, das Auswerten von Verkehrszählungen, die Erfassung von Wetterbedingungen oder die Ströme von Fußgängern und Radfahrern geht: Machine-Learning-Algorithmen sind in der Lage, aus der Vielzahl der Datenquellen komplexe Gefahrenprofile zu erstellen – und dadurch Schulwegsicherheit neu zu denken.

Die Vorteile liegen auf der Hand. Während klassische Analysen oft nur rückblickend funktionieren, ermöglichen Machine-Learning-Modelle Prognosen in Echtzeit. Sie ermitteln nicht nur, wo bereits Unfälle passiert sind, sondern erkennen potenzielle Gefahrenstellen, bevor es zu Zwischenfällen kommt. So lässt sich die Prävention von einem reaktiven in einen proaktiven Prozess verwandeln. Städte werden handlungsfähiger, Planer erhalten belastbare Entscheidungsgrundlagen und Eltern können mit mehr Vertrauen ihre Kinder auf den Weg schicken.

Doch der Weg dahin ist alles andere als trivial. Denn Machine Learning ist kein Zauberstab, sondern ein Werkzeug, das kluge Daten, sorgfältige Modellierung und konsequente Einbindung aller Beteiligten verlangt. Die Qualität der Ergebnisse hängt maßgeblich davon ab, wie umfassend und aktuell die verfügbaren Daten sind – und wie transparent die Methoden angewendet werden. Wer Machine Learning erfolgreich für die Schulwegsicherheit einsetzen will, braucht ein tiefes Verständnis für Technik und Planung gleichermaßen.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz wächst das Interesse an datengetriebener Schulwegsicherheit rasant. Pilotprojekte entstehen, Städte kooperieren mit Startups und Forschungseinrichtungen, und die öffentliche Debatte über Chancen und Risiken digitaler Tools nimmt Fahrt auf. Die Frage ist längst nicht mehr, ob Machine Learning eingesetzt wird, sondern wie – und mit welchem Anspruch an Qualität, Fairness und Nachhaltigkeit. Die Schulwegplanung steht vor einem Paradigmenwechsel, dessen Auswirkungen weit über die Sicherheit der Kinder hinausreichen.

Daten, Algorithmen, Wirklichkeit – Wie Machine Learning Schule macht

Maschinelles Lernen entfaltet sein volles Potenzial erst dann, wenn es auf soliden Daten und cleveren Algorithmen basiert. Für die Schulwegsicherheit bedeutet das: Es braucht Zugang zu vielfältigen, möglichst aktuellen und präzisen Informationen. Zu den wichtigsten Datenquellen zählen Unfallstatistiken, Verkehrsflussanalysen, Infrastrukturdaten wie Ampelschaltungen oder Querungshilfen, aber auch Umweltdaten wie Lichtverhältnisse und Wetterlagen. Moderne Städte nutzen zudem Bewegungsdaten aus GPS-Trackern, anonymisierte Mobilfunkdaten, Sensoren in Straßenlaternen und Feedback aus Bürgerbeteiligungsplattformen. Diese Daten werden in Echtzeit oder mit kurzer Verzögerung erhoben und in zentralen urbanen Datenplattformen gebündelt.

Der Clou: Machine-Learning-Modelle können aus diesem Datenmix Muster extrahieren, die mit klassischen statistischen Methoden kaum auffindbar wären. Beispielsweise lässt sich erkennen, dass an bestimmten Kreuzungen morgens bei Regen und schlechter Sicht die Unfallwahrscheinlichkeit für Schulkinder signifikant steigt – auch wenn dort bislang noch kein schwerer Unfall gemeldet wurde. Algorithmen wie Entscheidungsbäume, neuronale Netze oder Clustering-Verfahren werden so trainiert, dass sie nicht nur offensichtliche, sondern auch subtile Risikofaktoren identifizieren. Selbst Faktoren wie das Verhalten von Autofahrern, etwa plötzliche Bremsmanöver oder ungewöhnliche Geschwindigkeitsmuster, fließen in die Risikoanalyse ein.

Ein weiteres Leistungsmerkmal von Machine Learning ist die Fähigkeit zur kontinuierlichen Verbesserung. Mit jedem neuen Datensatz, jedem gemeldeten Beinahe-Unfall und jeder Änderung im Straßenraum werden die Modelle präziser und anpassungsfähiger. Die Systeme lernen aus Fehlern, passen Gewichtungen an und reagieren flexibel auf neue Herausforderungen – etwa den Bau einer neuen Umgehungsstraße, Baustellen im Schulumfeld oder veränderte Öffnungszeiten von Schulen.

In der Praxis entstehen daraus dynamische Gefahrenkarten, prädiktive Analysen und Handlungsempfehlungen für Politik, Verwaltung und Polizei. Planer können gezielt Maßnahmen wie Tempo-30-Zonen, bessere Beleuchtung oder bauliche Veränderungen anstoßen – und deren Wirksamkeit in Simulationen überprüfen. Die Ergebnisse werden oftmals in interaktiven Dashboards visualisiert, die verschiedene Nutzergruppen – von Stadtplanern bis zu Eltern und Lehrern – einbeziehen. Die Transparenz der Analyseprozesse ist dabei ein zentraler Faktor, um Akzeptanz und Vertrauen zu schaffen.

Natürlich ist die Integration von Machine Learning in die bestehende Planungskultur kein Selbstläufer. Es braucht klare Verantwortlichkeiten, Datenschutzkonzepte und eine offene Kommunikation, damit die Technik nicht zum Selbstzweck verkommt, sondern echten Mehrwert für die Stadtgesellschaft bietet. Nur wenn Algorithmen erklärbar und nachvollziehbar bleiben, können sie zu einem verlässlichen Partner für die Schulwegsicherheit werden.

Best Practice – Wie Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorangehen

Der Blick in die DACH-Region zeigt: Die Anwendung von Machine Learning für Schulwegsicherheit ist längst keine akademische Spielerei mehr, sondern findet in immer mehr Kommunen ihren Weg in die Praxis. In München beispielsweise arbeitet die Stadtverwaltung mit einem interdisziplinären Team aus Stadtplanern, Data Scientists und Verkehrsexperten zusammen, um mithilfe von Machine-Learning-Algorithmen Gefahrenstellen systematisch zu identifizieren. Grundlage sind millionenfache Datensätze aus Unfällen, Verkehrsflussmessungen und Witterungsbedingungen. Die so gewonnenen Risiko-Hotspots werden auf einer digitalen Karte visualisiert und in die laufende Verkehrsplanung integriert. Erste Maßnahmen wie zusätzliche Querungshilfen und flexiblere Ampelschaltungen wurden bereits umgesetzt und zeigen nachweisbare Erfolge.

Auch in Zürich setzt man auf datenbasierte Prävention. Hier werden neben klassischen Unfalldaten auch Bewegungsprofile von Schulkindern ausgewertet – natürlich anonymisiert und unter strengen Datenschutzauflagen. Durch die Verknüpfung mit Wetterdaten und Baustelleninformationen kann die Stadt tagesaktuell Prognosen erstellen, an welchen Stellen besondere Vorsicht geboten ist. Schulen, Eltern und Kinder erhalten über eine App personalisierte Hinweise und können selbst Rückmeldungen geben. Das Ergebnis: Die Zahl der gemeldeten Beinahe-Unfälle ist deutlich gesunken.

In Wien wiederum wird Machine Learning genutzt, um die Wechselwirkungen zwischen städtebaulichen Veränderungen und Schulwegsicherheit zu simulieren. Wenn ein neues Wohnquartier geplant wird, berechnen die Algorithmen schon im Vorfeld, wie sich die Fuß- und Radwege zu den Schulen verändern werden – und wo gefährliche Engpässe entstehen könnten. Das hat dazu geführt, dass die Stadt bereits in der Planungsphase gezielt in sichere Wegeverbindungen investiert und so typische Fehler von vornherein vermeidet.

Ein weiteres Beispiel liefert Hamburg, wo Machine-Learning-Modelle genutzt werden, um den Einfluss der Tageszeit, der Lichtverhältnisse und des Verkehrsaufkommens auf die Sicherheit von Schulwegen zu analysieren. Die Ergebnisse fließen nicht nur in die klassische Verkehrsplanung, sondern auch in die Kommunikation mit Bürgern. Über interaktive Portale können Eltern und Lehrer eigene Beobachtungen einbringen und so die Qualität der Modelle weiter verbessern. Besonders innovativ: Die Stadt testet aktuell, wie sich KI-gestützte Simulationen für partizipative Planungsprozesse nutzen lassen – etwa um gemeinsam mit Kindern sichere Schulrouten zu entwerfen.

Diese Beispiele zeigen: Machine Learning ist kein Selbstzweck, sondern entfaltet seinen Mehrwert in der Verbindung mit lokalem Wissen, partizipativer Planung und konsequenter Umsetzung. Die Herausforderungen sind beträchtlich – von der Datenverfügbarkeit über die Governance bis hin zur Ressourcenfrage. Aber der Weg ist eingeschlagen, und die Erfolge sprechen für sich. Immer mehr Städte erkennen, dass datengetriebene Analysen neue Möglichkeiten eröffnen, um die Schwächsten im Verkehr zu schützen – und dabei die Stadt als Ganzes resilienter und lebenswerter zu machen.

Transparenz, Teilhabe, Vertrauen – Die Rolle von Governance und Partizipation

So faszinierend die technischen Möglichkeiten sind, so zentral bleibt die Frage: Wie werden Machine-Learning-Modelle in die kommunale Entscheidungsfindung eingebettet? Denn Schulwegsicherheit ist nicht nur eine technische, sondern vor allem eine gesellschaftliche Aufgabe. Damit datengetriebene Ansätze akzeptiert und nachhaltig wirksam werden, müssen sie in transparente, partizipative und nachvollziehbare Strukturen eingebettet sein. Governance ist hier das Zauberwort – also die Art und Weise, wie Verantwortung, Kontrolle und Mitwirkung organisiert werden.

Ein wesentliches Element ist die Offenlegung der verwendeten Algorithmen und Datenquellen. Nur wenn klar ist, auf welcher Basis Entscheidungen getroffen werden, können Planer, Eltern und Öffentlichkeit Vertrauen in die Ergebnisse entwickeln. In einigen Städten werden die Modelle und ihre Funktionsweise bereits in öffentlichen Workshops erläutert, simulierte Szenarien gemeinsam durchgespielt und Verbesserungsvorschläge aufgenommen. Diese Kultur der Offenheit wirkt wie ein Katalysator für Innovation – und hilft, Vorbehalte gegenüber „Black-Box“-Algorithmen abzubauen.

Partizipation ist auch deshalb so wichtig, weil lokale Besonderheiten und Erfahrungswissen oft nicht in den Daten abgebildet sind. Kinder schildern andere Gefahren als Erwachsene, Eltern haben andere Perspektiven als Verkehrsplaner. Wer diese Stimmen systematisch einbindet – etwa durch digitale Beteiligungsplattformen oder Workshops an Schulen – erhöht die Qualität der Analysen und sorgt dafür, dass Maßnahmen wirklich an den Bedürfnissen vor Ort ausgerichtet sind. Machine Learning kann diese Rückmeldungen aufnehmen, gewichten und in die Modelle einspeisen. Die Folge: eine neue Form von dialogischer, lernender Planungskultur.

Ein weiterer Aspekt ist der Datenschutz. Gerade wenn Bewegungsprofile und personenbezogene Daten genutzt werden, ist höchste Sensibilität geboten. Die meisten Städte setzen auf Anonymisierung, Pseudonymisierung und klare Zweckbindung der Daten. Dennoch bleibt es eine Gratwanderung zwischen dem Nutzen für die Allgemeinheit und dem Schutz individueller Rechte. Hier braucht es verbindliche Standards, transparente Kontrollen und eine kontinuierliche Überprüfung der eingesetzten Methoden.

Schließlich ist die Frage der Verantwortlichkeit zu klären: Wer trägt die letztendliche Entscheidungshoheit, wenn Machine-Learning-Modelle Handlungsoptionen vorschlagen? Am Ende dürfen Algorithmen keine Ersatzplaner werden, sondern müssen als Werkzeuge im Dienst der Gesellschaft verstanden werden. Die besten Lösungen entstehen dort, wo Technik, Planung und Bürgerschaft an einem Strang ziehen – und wo das Ziel klar bleibt: sichere Wege für alle Kinder.

Ausblick und Fazit – Wie Machine Learning die Zukunft der Schulwegsicherheit prägt

Die Integration von Machine Learning in die Schulwegplanung steht erst am Anfang – doch die Weichen sind gestellt. Die Beispiele aus der DACH-Region zeigen, dass datengetriebene Ansätze nicht nur technologische Spielereien sind, sondern das Potenzial haben, die Sicherheit und Lebensqualität in Städten nachhaltig zu verbessern. Mit jedem neuen Datensatz, jeder erfolgreichen Intervention und jeder Einbindung der Bürger wächst das Wissen darüber, wie komplexe urbane Systeme funktionieren – und wie sie zum Wohl der Schwächsten gestaltet werden können.

Die nächsten Jahre werden entscheidend sein. Einerseits, weil die Technik immer leistungsfähiger und zugänglicher wird. Andererseits, weil der gesellschaftliche Druck auf sichere, kinderfreundliche Städte wächst. Kommunen, die jetzt in Datenkompetenz, offene Governance und partizipative Planung investieren, verschaffen sich einen klaren Vorsprung – nicht nur in Sachen Schulwegsicherheit, sondern auch als lernende, resiliente Städte der Zukunft.

Machine Learning wird die menschliche Urteilskraft nicht ersetzen, aber sinnvoll ergänzen. Es bietet die Möglichkeit, Risiken frühzeitig zu erkennen, Ressourcen gezielt einzusetzen und die Wirkung von Maßnahmen kontinuierlich zu überprüfen. Die Herausforderung liegt darin, technologische Innovation mit sozialer Verantwortung zu verbinden – und dabei stets die Bedürfnisse der Kinder ins Zentrum zu stellen.

Für Planer, Verwaltung und Politik gilt: Jetzt ist die Zeit, sich mit Machine Learning auseinanderzusetzen, Kompetenzen aufzubauen und Pilotprojekte zu starten. Die Technik ist bereit – es liegt an uns, sie klug, verantwortungsvoll und im Sinne der Gemeinschaft einzusetzen. Denn jeder sichere Schulweg ist ein kleiner Schritt in Richtung einer gerechteren, lebenswerteren Stadt. Und das sollte uns mehr wert sein als jede noch so ausgefeilte Statistik.

Zusammengefasst steht fest: Machine Learning ist kein Selbstzweck, sondern ein mächtiges Werkzeug für eine neue, datenbasierte Planungskultur. Wer die Chancen nutzt, gestaltet nicht nur sichere Wege für Kinder, sondern macht die Stadt als Ganzes zukunftsfähig. Und das ist, bei aller Technikbegeisterung, die eigentliche Kunst moderner Stadtplanung.

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Sauna Göteborg: Die Feier der Ko-Kreation

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Das Projekt „Public Space and Bathing Culture“, das sich derzeit ein Gebiet des stillgelegten Hafens von Frihamnen in Göteborg, Schweden, aneignet, ist mehr als ein Beteiligungsprojekt oder ein Stadterneuerungsprozess. Durch das Prototyping fördert die Stadt eine Transformationskultur mit ortsspezifischen Interventionen, die die Stadtverwaltung von innen heraus verändern kann.

Von der Sauna Göteborg zur Stadt-Vision

Die öffentliche Sauna am Hafen von Göteborg in Schweden ist vielleicht kein diskretes Projekt, aber es ist definitiv eine Ansammlung von kleinen Initiativen, die den dringend benötigten kreativen Widerstand gegen die langfristigen strategischen Visionen und Pläne für die Umgestaltung dieses heruntergekommenen Hafengebiets fördern.

Die vom Stadtplanungsamt und dem öffentlichen Bauträger Älvstaden Utvecklings AB in Auftrag gegebene öffentliche Sauna des Berliner Architekturbüros Raumlabor ist einer von mehreren Prototypen, die die Initiative “Öffentlicher Raum und Badekultur” bilden. Aus der Zusammenarbeit zwischen den Vertretern der Stadt und raumlabor sind bisher Prototypen wie der Strand, das Schwimmbad, die Sauna, eine Segelschule, die Roller-Derby-Bahn, die urbane Landwirtschaft, ein Park in einem der verlassenen Hangars auf dem Gelände und “The Mountain” – eine Wasserinstallation für Kinder der Künstler Akay und E.B Itso – entstanden.

Ziel der Prototypen ist es, die Erforschung dessen anzuregen, was einen Park des 21. Jahrhunderts ausmacht, und dies in die Gestaltung und Programmierung eines künftigen Parks einfließen zu lassen, mit dem das 400-jährige Bestehen der Stadt Göteborg im Jahr 2021 gefeiert werden soll. Der Park wird den Namen Jubileumsparken tragen, was so viel wie “Jubiläumspark” bedeutet. Die aktuellen Initiativen tragen die Bezeichnung Jubileumsparken 0.5, wobei der Zusatz 0.5 darauf hinweist, dass es sich bei den Prototypen um temporäre Konstruktionen handelt.

2010 startete die Stadt Göteborg eine stadtweite Vision für die Sanierung von neun Stadtteilen, die alle in der Nähe der Ufer des Flusses Göta liegen. Die als “River City Gothenburg Vision” bezeichnete und vom Stadtrat im Oktober 2012 angenommene Vision umfasst eines der ehrgeizigsten Stadterneuerungsprojekte, die je in Schweden durchgeführt wurden. Die derzeitige Umsetzungsphase, die in politischen Dokumenten und Planungsrichtlinien ihren Niederschlag findet, konzentriert sich auf die Umgestaltung des Frihamnen-Viertels, eines verfallenen Industriegebiets und ausgedehnten Hafengebiets am Nordufer, direkt auf der anderen Seite des Flusses, gegenüber dem Göteborger Hauptbahnhof.

Da die Stadt Göteborg eine Stadtgestaltung anstrebte, die nicht nur ortsspezifische Qualitäten hervorhebt, sondern diese auch für alle Bevölkerungsschichten zugänglich und bewohnbar macht, ergänzte die Stadt die Masterplanung und initiierte einen innovativen Ansatz für die städtische Umgestaltung. Zu den beiden Hauptanreizen für die Innovation gehören die Mobilisierung des städtischen Unternehmens Älvstranden Utvecklings AB und die Entscheidung, den Prototyp eines Parkdesigns für den Jubileumsparken 0.5 zu entwickeln. Durch den öffentlichen Bauträger ermöglicht die Stadt eine kreativere Überschneidung von Landverteilung, Design, strategischer Planung und Politik. Mit dem Prototyping des Jubileumsparken 0.5 bringt die Stadt die Gestaltung des Frihamnen in Gang, bevor die Immobilienspekulation einsetzt, die oft mit der Aufteilung und Verteilung von Land einhergeht.

Auch interessant: Im Sommer 2018 verwandelte sich das Regenauffangbecken des ehemaligen Flughafens Tempelhof in ein Labor neuer urbaner Praxis. Entworfen vom Architekturkollektiv „raumlaborberlin“. Mehr dazu hier: Floating University

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