Radschnellweg Stuttgart: Fahrradautobahn in der Höhe

Mit Radschnellwegen in der Höhe möchte Baden-Württemberg die Verkehrswende vorantreiben. Bildquelle: urb-x.ch
Mit Radschnellwegen in der Höhe möchte Baden-Württemberg die Verkehrswende vorantreiben. Foto: urb-x.ch

Zusammen mit dem Schweizer Start-up Urb-x will die Stadt Stuttgart ein Radschnellweg in fünf Meter Höhe errichten. Der Prototyp dazu entsteht derzeit in Basel. Wie das „Stecksystem“ aus vorgefertigten Holz-Modulen funktioniert, wofür die zugehörigen Solarmodule sind sowie alles zur Strecke in Stuttgart lesen Sie hier.

Radschnellweg Stuttgart: Die geplante Fahrradautobahn

Laut Winfried Hermann, Verkehrsminister von Baden-Württemberg, soll in der Region Stuttgart eine ein Kilometer lange Fahrradautobahn entstehen. Ein Schweizer Start-up soll die Fahrradinfrastruktur verbessern. Dafür ist ein Radschnellweg, der fünf Meter über der Straße liegt, geplant. Diese eigene Fahrbahn wäre nur für Fahrräder, nicht aber für Autos oder Fußgänger*innen, zugänglich. Sie soll zweispurig sein und ohne Kreuzungen auskommen.

Das „Bike Highways“-Projekt ist von anderen Radschnellwegen wie etwa dem Xiamen Skyway in China inspiriert. Diese Fahrradbrücke ist knapp acht Kilometer lang und spannt sich über vielbefahrene Straßen. Das Projekt in Südwestdeutschland soll aus vorgefertigten Holzmodulen bestehen, die vom Baseler Start-up Urb-x bereitgestellt werden. Außerdem haben diese Highways Solarpaneele, die pro Kilometer Strecke Strom für mehrere Hundert Haushalte produzieren können. Die Landesregierung von Baden-Württemberg möchte mit dem Unternehmen zusammenarbeiten, um den Radfahralltag in Großstädten wie Stuttgart angenehmer zu gestalten.

Im Jahr 2022 waren Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Verkehrsminister Winfried Hermann, beide von den Grünen, in Basel vor Ort, um sich die dort produzierten Bike Highways näher anzuschauen. Laut Kretschmann könnten diese die Stauprobleme insbesondere im Raum Stuttgart lösen. Derzeit befinden sich die Radschnellweg-Projekte noch in der Vorplanung. Bis zur IBA 2027 möchte das Verkehrsministerium mindestens ein Pilotprojekt verwirklicht haben.

So könnte die Fahrt auf den neuen Radschnellwegen in Stuttgart aussehen. Foto: urb-x.ch
So könnte die Fahrt auf den neuen Radschnellwegen in Stuttgart aussehen. Foto: urb-x.ch

Mehr als nur ein Fahrradweg

Einfache Radstreifen oder Radwege sind gerade in Stadtzentren nicht ausreichend, um den nötigen Raum für Radfahrende zu schaffen. Der Umbau vorhandener Straßen führt schnell zu Konflikten. Daher hofft das Unternehmen Urb-x, mit Infrastruktur in der Luft Abhilfe zu schaffen. Die Highways bieten Spuren in beide Richtungen, haben einen rutschfesten Belag und sind beheizbar, sodass sie auch im Winter benutzbar sind.

Laut Urb-x lassen sich so pro Kilometer Strecke bis zu 3 000 Tonnen CO2 im Vergleich zur Betonbauweise sparen. Außerdem könnten die Solarpanels an der Radschnellstrecke Strom für 100 bis 200 Haushalte pro Kilometer produzieren. Simulationen des Unternehmens zeigen, dass eine Radexpress-Infrastruktur bis zu 50 Prozent aller Pendlerwege auf das Fahrrad umstellen.

Die Teststrecke für die Radschnellwege in der Höhe in Baden-Württemberg soll in der Region Stuttgart entstehen. Derzeit ist noch offen, wann der Baustart wäre.

Die Radwege von Urb-x können auf einer Länge von etwa einem Kilometer der Überbrückung dienen. Foto: urb-x.ch
Die Radwege von Urb-x können auf einer Länge von etwa einem Kilometer der Überbrückung dienen. Foto: urb-x.ch

Nachholbedarf in der Rad-Infrastruktur

Der Nachholbedarf für Rad-Infrastruktur angesichts des Fahrradbooms ist groß. Existierende Straßen eignen sich häufig nicht, um leistungsfähige Radwege ohne zu viele Kreuzungen anzulegen. Hinzu kommen auch politische Probleme. In Baden-Württemberg zum Beispiel sieht Minister Hermann langatmige Abstimmungsprozesse, Planfeststellungsverfahren und Bedenkenträger*innen als Ursachen für den stockenden Ausbau der Radschnellwege. Nun hat der Minister angekündigt, die Prozesse engmaschiger zu kontrollieren und regelmäßig den Stand der Projekte zu prüfen.

Noch steckt das Highway-Projekt, das die Radschnellwege in Stuttgart und Umgebung ergänzen würde, in den Startlöchern. Expert*innen aus dem Verkehrsministerium Baden-Württemberg zweifeln unter anderem daran, wie langlebig das verwendete Holz ist. Insbesondere Schimmel stellt eine Sorge dar, denn Regenfall könnte zu Schimmel und Holzschäden führen.

Eine weitere offene Frage sind die Kosten für die Radschnellwege in Stuttgart allgemein sowie die vermutlich höheren Kosten für die Fahrwege in der Höhe. Nächste Schritte bestehen darin, den in Basel entstehenden Prototypen näher unter die Lupe zu nehmen und weitere Studien durchzuführen.

Radschnellwege in der Höhe überqueren Kreuzungen und andere Flächen, ohne selbst viel Platz auf dem Boden einzunehmen. Foto: urb-x.ch
Radschnellwege in der Höhe überqueren Kreuzungen und andere Flächen, ohne selbst viel Platz auf dem Boden einzunehmen. Foto: urb-x.ch

20 neue Radschnellwege für Baden-Württemberg

Der geplante Radschnellweg in der Höhe würde die geplanten Radwege ergänzen. Insbesondere in Städten würden Highways zusätzliche Fläche bieten. Insgesamt möchte das Land Baden-Württemberg 20 Radschnellwege bauen, die je 20 bis 30 Kilometer lang sein sollen. Dies wird voraussichtlich etwa eine halbe Milliarde Euro kosten. Laut Minister Kretschmann sind die Radschnellwege die einzige Möglichkeit, dem Stauproblem in Städten wie Stuttgart beizukommen. Außerdem tragen die Radwege, insbesondere die Holz-Highways, dazu bei, dass die Menschen sich klimafreundlicher bewegen und rasch durch die Stadt kommen.

Denn um wirklich schnell durch eine Stadt zu radeln, sollten idealerweise keine Kreuzungen im Weg sein. Der vorhandene Radschnellweg von Mannheim nach Heidelberg zeigt, dass der schnell fließende Radverkehr gut möglich ist. Allerdings ist es derzeit noch schwierig, den Radschnellweg durch die Innenstadt von Heidelberg zu führen. Durch den Bau in der Höhe lassen sich derartige Probleme lösen.

Zwar sind Brücken laut Kretschmann teurer als der Bau von Fahrradwegen auf dem Boden. Aber dort, wo kein Platz ist, sind Holz-Hochstraßen an bestimmten Stellen eine interessante Lösung. Durch Holz aus der Region in Modulbauweise lassen sich ein rascher Bau und eine einfache Wartung garantieren.

Übrigens: Auch im italienischen Sabbionetta soll ein erhöhter Fahrradweg entstehen. Dieser liegt nicht nur zwischen den Bäumen, sondern wird auch von ihnen getragen. Das Projekt trägt den Namen Tree Path.

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Barbara Steiner wechselt zu Bauhaus-Stiftung

Barbara Steiner Portraet

Porträt von Barbara Steiner (Foto: J.J. Kucek)

Gemeinsam mit Topotek 1 gastkuratierte Barbara Steiner vergangenes Jahr die Juliausgabe der Garten + Landschaft. Nun verkündete die Stiftung Bauhaus Dessau: Ab dem 1. September übernimmt Barbara Steiner die Position als Direktorin und Vorstand der Stiftung. Was Sie über die promovierte Kunsthistorikerin wissen sollten, das lesen Sie hier.

Bei der Bewerbung als neue Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau setzte sich die Österreicherin Barbara Steiner gegen 32 internationale Bewerber*innen durch. Im offiziellen Statement beschreibt der Stiftungsratsvorsitzende Rainer Robra die promovierte Kunsthistorikerin als „herausragende Persönlichkeit mit profundem Wissen über die Auseinandersetzung mit der Moderne“. Er betont ihre langjährige Leitungserfahrung in Kultureinrichtungen sowie auch ihre Praxiserfahrungen in Ostdeutschland. Kulturminister des Landes Sachsen-Anhalt Robra traue ihr zu, „lokal relevante Themen an globale Diskurse zu knüpfen und damit die Stiftung Bauhaus Dessau und den Kulturstandort Sachsen-Anhalt weiterzuentwickeln.“

Barbara Steiner will Stiftungsarbeit ausbauen

Barbara Steiner wird ihre neue Position zum 1. September 2021 antreten. Sie gibt damit ihre aktuelle Position als Direktorin des Kunsthauses Graz auf. Sie hat diese inzwischen seit 2016 inne. Zuvor arbeitete sie zwei Jahre als Vertretungsprofessorin an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig für den Master „Kulturen des Kuratorischen“. In den 1990er- und 2000-Jahren leitete sie Kunstvereine in Ludwigsburg und Wolfsburg. Ebenso war sie für die Stiftung Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK) in Leipzig aktiv. Zudem bringt sie mehrjährige Lehrerfahrung aus Lehrtätigkeiten in Linz, Kopenhagen und Wien mit. Studiert hat Barbara Steiner außerdem Kunstgeschichte und Politikwissenschaften an der Universität Wien. Sie promovierte zur „Ideologie des weißen Ausstellungsraumes“.
Sie selber freue sich auf die neue Aufgabe, so Steiner und darauf, die bislang geleistete hervorragende Arbeit der Stiftung Bauhaus Dessau weiterzuführen beziehungsweise auszubauen.

„Feine Sahne Fischfilet“-Diskussion 2018

Apropos bislang geleistete Arbeit: Barbara Steiner folgt in ihrer neuen Position im Übrigen auf Dr. Claudia Perren. Die Stelle war damit knapp ein Jahr vakant. Perren war von 2014 bis 2020 Direktorin der Stiftung Bauhaus-Dessau. Sie verließ die Stiftung zum 31. Juli 2020 auf eigenen Wunsch. Dr. Perren ist vermutlich vielen noch ein Begriff. Die deutsche Architekturtheoretikerin stand 2018 im Fokus einer Debatte zwischen Rechts- und Linksextremismus sowie der Frage, wie politisch das Bauhaus sei. Unter Perrens Leitung hatte die Stiftung Bauhaus Dessau den Auftritt der Band „Feine Sahne Fischfilet“ abgesagt. Dieser sollte in der Konzertreihe zdf@bauhaus auf der Bauhaus-Bühne stattfinden. Im Oktober 2018 interviewten die Kolleg*innen von der ZEIT Claudia Perren hierzu. Inzwischen ist Perren seit dem August 2020 Direktorin der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel.

G+L arbeitete 2020 mit Barbara Steiner und Topotek 1 zusammen

Uns, in der G+L Redaktion, freut die neue Besetzung der Bauhaus-Direktion sehr. Gemeinsam mit Topotek 1 gastkuratierte Barbara Steiner die Juliausgabe 2020 der Garten + Landschaft. Das Heftthema: die Kunst. Mit Barbara Steiner holten sich die beiden Büropartner Martin Rein-Cano und Lorenz Dexler Unterstützung hierfür. Gemeinsam mit ihr hatten sie bereits unter anderem die Monografie „Creative Infidelities“ entwickelt und geschrieben. Diese entstand anlässlich des 20-jährigen Bürojubiläums von Topotek 1 im Jahr 2016 .
Kunst spielt in der Arbeit der Berliner Landschaftsarchitekt*innen seit Beginn an auch eine bedeutende Rolle. Kunst und die regelmäßige Zusammenarbeit mit Künstler*innen inspiriert zudem Topotek 1.  So entstand auch die Idee, die Ausgabe gemeinsam mit der Direktorin des Kunsthaus Graz, Barbara Steiner, zu machen.

Topotek 1 im Gespräch mit Barbara Steiner

Bereits bei den ersten Redaktionsterminen in Graz Anfang 2020 konnte die G+L Redaktion miterleben, mit welcher Intensität Barbara Steiner und Martin Rein-Cano über das Verhältnis, die Gemeinsamkeiten, aber auch die Missverständnisse zwischen Landschaftsarchitektur und Kunst diskutierten. Die Idee lag nahe, ein ganzes Heft mit einem Gespräch zwischen den beiden zu füllen. Sie diskutieren im Heft darüber, was Martin Rein-Cano stellvertretend für Topotek 1 an der Kunst fasziniert und in der Landschaftsarchitektur fehlt.

Das Ergebnis ist ein Gespräch zwischen Martin Rein-Cano und Barbara Steiner, das sich durch das komplette Heft zieht. Die beiden diskutieren hier, wie gefakte und tatsächliche Realität zueinanderstehen. Sie sprechen darüber, wo die Landschaftsarchitektur ins Spiel kommt und wie unehrlich der Englische Landschaftsgarten ist.

Ein Plädoyer in Pink

Martin Rein-Cano und Barbara Steiner besprechen auch Gleichungen wie Barock=Bauhaus. Sie diskutieren Rein-Canos Bedürfnis nach einer „Grundnervosität“. Sie philosophieren das Projekt „Bahn­deckel Theresienhöhe“, das Topotek 1 gemeinsam mit der Künstlerin Rosemarie Trockel umsetzten.

Das Endprodukt des ersten gastkuratierten Ausgabe der Garten+Landschaft? Ein Plädoyer für mehr Freiheit und weniger Utilitarismus in der Planung. Ein Plädoyer für den Mut, Widersprüche zu erzeugen und auch einmal zu scheitern. In Pink. Hier können Sie das Heft im Shop erwerben.

bauchplan ).( folgt auf Topotek 1

Die nächste gastkuratierte Garten + Landschaft erscheint im Übrigen mit der Juli-Ausgabe 2021 unter Federführung des Planungs-Kollektivs bauchplan).(. Mehr zu der G+L kuratiert von bauchplan).( lesen Sie hier.

Das Kollektiv machte mit Projekten wie dem Wohnbauprojekt „wagnisART“ in München oder seinem Entwurf für den Londoner Highline-Park auf sich aufmerksam. Es kann national und international, den kleinen wie auch großen Maßstab, Landschaftsarchitektur wie auch Stadtplanung.

bauchplan).( lässt sich in keine Schublade packen. Vielmehr stehen das Büro und sein vielseitiges Projektportfolio für intelligente Ansätze. Das Kollektiv findet stets raumplanerische und lokalspezifische Lösungen auf aktuelle Herausforderungen wie Klimawende, Inklusion oder Flächenkonkurrenz.

Und wir, wir sind gespannt, was dann die neue Bauhaus-Direktorin Barbara Steiner zur bauchplan-G+L sagen wird. Sie auch?

Mit einem Bundesverdienstkreuz am Bande wurde die Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard in München ausgezeichnet.

Seit vielen Jahren setzt sich die Landschaftsarchitektin als Mitglied und Vorsitzende in verschiedenen Gremien für Stadtentwicklung, Landschaftsarchitektur und Landschaftsökologie ein. Sie leitete im Planungsreferat der Stadt München die Abteilung Grünplanung und arbeitete als Geschäftsführerin der BUGA 2005 GmbH das Konzept der Bundesgartenschau für die Messestadt Riem erfolgreich mit aus. Dabei waren die Aspekte Ökologie, Ökonomie und Soziales für Sie stets ein zentrales Thema.
Darüber hinaus fördert sie Städtebau und Landesplanung in Wissenschaft und Praxis. Beispielsweise im Stiftungsrat der Bundesstiftung Baukultur, im Bundeskongress zur Nationalen Stadtentwicklungspolitik des Bundesbauministeriums oder als Vorsitzende der Landesgruppe Bayern der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL).