Auf einem rot leuchtenden Pfad der zwischen einer Baumallee schwebt sind mehrere Personen unterwegs. Mobilität der Zukunft? Mit dem Projekt Tree Path wollen die Beteiligte nachhaltige Mobilität erforschen und das Natürliche mit dem Künstlichen verbinden. Credit: Carlo Ratti Associati
Mobilität der Zukunft? Mit dem Projekt Tree Path wollen die Beteiligten nachhaltige Mobilität erforschen und das Natürliche mit dem Künstlichen verbinden. Credit: Carlo Ratti Associati

Zusammen entwickelten Carlo Ratti Associati (CRA), OLA und die gemeinnützige Organisation GAL Terre del Po das Projekt Tree Path. Der erhöhte Fahrradweg zur italienischen Stadt Sabbioneta befindet sich nicht nur zwischen Bäumen, sondern wird von diesen auch getragen. Mit dem Projekt wollen die Beteiligten nachhaltige Mobilität erforschen, indem sie das Natürliche mit dem Künstlichen verbinden. Alles zu dem Entwurf lesen Sie hier.

Tree Path als Verschmelzung von Natur und Architektur

Das idyllische gelegene Sabbioneta zählt zum UNESCO Weltkulturerbe. Nun könnte die Renaissancestadt in der Lombardei eine neue Sehenswürdigkeit dazubekommen. Und diese wäre etwas ganz besonderes. In der Vision leitet der sogenannte Tree Path zukünftig Radfahrer*innen und Fußgänger*innen zur Stadt hin. Und das nicht auf ebenem Terrain, sondern inmitten des Blätterdaches selbst. Dabei dienen zwei parallel stehende Baumreihen als tragende Konstruktion für die Wegeverbindung. Möglich wurde das Projekt durch eine Kooperation von Carlo Ratti Associati (CRA) aus Turin mit OLA und der Organisation GAL Terre del Po. OLA zählt weltweit zu den führenden Köpfen auf dem Gebiet der Baubotanik. Dabei werden Bäume als architektonische Elemente eingesetzt, miteinander verzahnt und so großgezogen, dass statisch belastbare Bauwerke entstehen. Durch die Arbeit mit dem lebenden Material, sind die Projekte stetiger Veränderung unterzogen.

Mit dem Rad unterwegs auf dem Tree Path. Credit: Carlo Ratti Associati
Mit dem Rad unterwegs auf dem Tree Path. Credit: Carlo Ratti Associati

Baubotanik als Konstruktionsart

Mit dieser besonderen Methode wird die Konstruktion des Tree Path anvisiert. Die Planer*innen haben dafür die Pflanzung von rund 1 000 Bäumen vorgesehen. Diese würden um einen Handlauf aus Edelstahl heranwachsen und so im Verlauf mehrerer Jahre eine Wegestruktur ausbilden. Bis zu sechs Meter hoch könnte der Baumpfad dann über dem Boden schweben. Der Straßenverkehr fände ganz unabhängig auf Bodenniveau statt. Weiterhin würde der Pfad kleine Wasserläufe ohne Probleme überspannen können. Die Bewegung zwischen den Baumkronen wäre so ein losgelöstes Erlebnis von den Gegebenheiten des darunterliegenden Terrains. In ihrer Vision haben die Planer*innen neben der baubotanischen Konstruktion noch weitere Elemente vorgesehen. 

Internet der Bäume

Beispielsweise wären entlang des Weges digitale Sensoren integriert. Diese sollen unterschiedliche Messdaten sammeln. Dazu zählen Informationen im Externen – wie etwa zur Luftqualität – ebenso, wie interne Statusmeldungen zur Vitalität der einzelnen Bäume. Durch eine ständige und umfassende Beobachtung soll sichergestellt werden, dass die beteiligten Organismen sich gesund entwickeln können und auch bei sich wandelnden äußeren Einflüssen überleben können. Die Planer*innen sprechen von einem „Internet der Bäume“, in dem sowohl die Pflanzen als auch die Projektkoordinator*innen im Austausch stehen. Es ist eine Zukunftsvision die nach heutigen Standards noch nach Science-Fiction klingen mag. Und Carlo Ratti, Gründungspartner bei CRA und Direktor des Senseable City Lab am MIT, gibt zu: „We are still very far from that future.“  Trotzdem sieht er große Chancen in der Konvergenz von Natur und Künstlichem. Und er hält es für durchaus möglich, dass eines Tages Architektur wie Bäume „wachsen kann“.

Spazieren zwischen Baumkronen. Credit: Carlo Ratti Associati
Spazieren zwischen Baumkronen. Credit: Carlo Ratti Associati

Weltkulturerbe der Zukunft

In der Vergangenheit hat CRA bereits andere Projekte dieser Art auf unterschiedlichen Maßstabsebenen verfolgt. 2021 schlossen sie zum Beispiel das Projekt The Greenary in Parma ab. Dabei pflanzten sie einen zehn Meter großen Baum inmitten eines Wohnhauses – dieser ist nun lebender Teil des Gebäudes. Darüberhinaus sind sie in der Mobilitätsplanung aktiv. Und versuchen dabei neue Technologien und nachhaltige Gestaltung zu implementiere. So entwickelten sie unter dem Titel New Deal Paris einen Entwurf für die Hauptverkehrsadern in Frankreichs Hauptstadt – mit autonomen Fahrzeugen und Shared mobility. In ihren Projekte visualisieren CRA Entwicklungen, die zwischen Utopie und Realität schweben. Dazu zählt auch der Tree Path. In einer wünschenswerten Zukunft könnte dieser irgendwann die 700 Kilometer lange VENTO Cycle Route, die dem Verlauf des Po Flusses folgt, mit Sabbioneta verbinden. Und dem Weltkulturerbe ein modernes Kulturgut hinzufügen.

Mehr aus Italien? Wie wäre es mit dem Piazza del Campo in Siena.

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Städtische Wassermanagementsysteme im Hitzestress

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Luftaufnahme einer österreichischen Stadt mit Flusslauf, fotografiert von Carrie Borden

Städtische Wassermanagementsysteme geraten im Zeitalter der urbanen Hitzestresslagen an ihre Grenzen – und sind zugleich der Schlüssel zu resilienten, lebenswerten Städten. Während sich die Sommer in Mitteleuropa immer öfter in tropische Nächte und Dürreperioden verwandeln, steht die Stadtplanung vor der größten Herausforderung seit dem Wiederaufbau: Wie kann Wasser im urbanen Raum zirkulieren, kühlen, speichern und schützen – ohne dabei zur Bedrohung zu werden? Ein intelligentes, nachhaltiges Wassermanagement entscheidet nicht nur über den Komfort, sondern über die Zukunft der Stadt. Wer glaubt, dass das Thema nur auf Rohre und Kanäle hinausläuft, denkt zu kurz. Es geht um stadtklimatische Performance, urbane Biodiversität und nicht zuletzt um die soziale Gerechtigkeit des Wassers.

  • Begriffsklärung: Was bedeutet städtisches Wassermanagement im Kontext von Hitze und Klimawandel?
  • Analyse aktueller Herausforderungen: Warum herkömmliche Systeme an ihre Grenzen stoßen – und wo die größten Risiken liegen.
  • Innovative Strategien und technische Lösungen: Von Schwammstadt-Konzepten bis hin zu intelligenten Steuerungssystemen.
  • Rolle von Freiraumplanung, Vegetation und blau-grüner Infrastruktur als Hitze-Puffer.
  • Praktische Einblicke: Erfolgreiche Projekte und Modellstädte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
  • Governance, Beteiligung und interdisziplinäre Zusammenarbeit: Wer plant, wer steuert, wer profitiert?
  • Risiken, Zielkonflikte und ungelöste Fragen: Flächenkonkurrenz, Kosten, technische und soziale Hürden.
  • Ausblick: Wie sich zukunftsfähige Städte im Wassermanagement neu erfinden – und was Planer jetzt wissen müssen.

Wassermanagement unter Hitzestress: Begriff, Bedeutung und Problemaufriss

Städtisches Wassermanagement umfasst weit mehr als die klassische Ableitung von Regen und die Versorgung mit Trinkwasser. Im Kontext des Klimawandels und insbesondere der Hitzestresslagen rückt die Steuerung des gesamten urbanen Wasserkreislaufs in den Fokus. Doch was verbirgt sich konkret dahinter? Im Grunde geht es um die Kunst, Wasser in der Stadt so zu lenken, zu speichern und zu nutzen, dass es zum Mehrwert für das Stadtklima, die Lebensqualität und die Infrastruktur wird – und nicht zum Risiko. Die Herausforderungen sind dabei so vielfältig wie die Städte selbst: Starkregenereignisse wechseln sich mit wochenlangen Trockenphasen ab. Versiegelung und Nachverdichtung lassen Regenwasser kaum noch versickern, während Kanalsysteme in Hitzesommern austrocknen und Gerüche oder Schäden verursachen. Gleichzeitig steigt die Verdunstung, der Kühlbedarf wächst, und die Versorgung der Pflanzen in Parks und Straßenräumen wird zu einer logistischen Mammutaufgabe.

Hitzestress bezeichnet dabei nicht einfach nur hohe Temperaturen, sondern die kumulierte Belastung für Menschen, Tiere, Vegetation und Infrastrukturen in urbanen Räumen, wenn Nächte nicht mehr abkühlen und die thermische Stressbelastung chronisch wird. Wassermanagement bekommt in dieser Gemengelage eine neue Rolle: Es soll nicht mehr nur schützen, sondern auch aktiv kühlen, Lebensräume schaffen und zur Resilienz beitragen. Das verlangt nach einem Paradigmenwechsel in der Stadtplanung. Weg vom linearen Denken – „Wasser muss schnell weg“ – hin zu einer zirkulären Betrachtung: Wasser als Ressource, als Gestaltungselement, als Klimamotor.

Die Bedeutung dieses Themas lässt sich auch in Zahlen fassen: Laut dem Deutschen Wetterdienst sind in den letzten Jahrzehnten die Anzahl und Intensität von Hitzewellen und Starkregenereignissen in Deutschland signifikant gestiegen. Städte wie Frankfurt, München oder Berlin verzeichnen regelmäßig sogenannte Tropennächte – mit Folgen für Gesundheit, Infrastruktur und Stadtgrün. Gleichzeitig steigt der Wasserbedarf, während Grundwasserspiegel sinken. Es ist daher kein Wunder, dass Begriffe wie Schwammstadt, blau-grüne Infrastruktur oder dezentrale Regenwasserbewirtschaftung die Fachdiskurse dominieren.

Doch die Realität sieht oft anders aus: Viele Kommunen arbeiten noch mit Standards und Regeln, die aus dem Zeitalter der Flächenversiegelung stammen. Der Fokus liegt auf Ableitung und Entwässerung, nicht auf Speicherung und Nutzung. Hinzu kommen institutionelle Zuständigkeitsgrenzen zwischen Tiefbau, Grünflächenamt, Wasserwirtschaft und Stadtplanung, die eine integrierte Herangehensweise erschweren. Nicht zuletzt fehlt es häufig an Daten – etwa zu lokalen Hitzeinseln, Bodenfeuchte oder dem Zustand der urbanen Vegetation.

Die zentrale Frage ist daher: Wie gelingt es, den Wasserkreislauf in der Stadt anders zu denken – und die Hitzestressproblematik als Chance für innovative, resiliente Stadtentwicklung zu begreifen? Das verlangt Mut zum Experiment, technisches Know-how und nicht zuletzt eine neue Planungskultur.

Neue Strategien für alte Städte: Schwammstadt, blau-grüne Infrastruktur und intelligente Steuerung

Die Antwort auf urbane Hitzestresslagen liegt nicht in einer einzelnen Maßnahme, sondern in einer intelligenten Kombination aus technischen, gestalterischen und organisatorischen Ansätzen. Das Schlagwort schlechthin ist derzeit die Schwammstadt. Was damit gemeint ist, lässt sich am besten als radikaler Perspektivwechsel beschreiben: Statt Wasser so schnell wie möglich abzuleiten, soll es überall dort, wo es fällt, gespeichert, versickert und verdunstet werden – zum Nutzen des Mikroklimas und der Vegetation. Das bedeutet: Mehr Grün- und Freiflächen, weniger Versiegelung, mehr Retentionsflächen. Technisch umgesetzt wird dies durch Rigolen, Mulden, Retentionsdächer, bepflanzte Gräben und urbane Teiche. Soweit die Theorie.

Doch Schwammstadt ist mehr als ein hübsches Bild. Sie verlangt nach einer systemischen Betrachtung aller urbanen Infrastrukturen. Das klassische Straßenprofil muss neu gedacht werden: Offene Rinnen, durchlässige Pflaster, Baumrigolen mit speicherfähigen Substraten und großzügige Baumstandorte werden zum Standard. Parks, Plätze und Höfe funktionieren als temporäre Wasserspeicher und Verdunstungsflächen. Gebäude erhalten Gründächer und Fassadenbegrünungen, die nicht nur Wasser zurückhalten, sondern auch aktiv verdunsten und so das Mikroklima verbessern. Die blaue Komponente – Wasserflächen, Bäche, offene Kanäle – wird nicht länger als Risiko betrachtet, sondern als Ressource, die Aufenthaltsqualität und Biodiversität schafft.

Ein weiterer Schlüssel liegt in der intelligenten Steuerung. Moderne Sensorik, digitale Zwillinge und IoT-Technologien ermöglichen es, den Wasserhaushalt der Stadt in Echtzeit zu überwachen und zu steuern. So können beispielsweise Regenrückhaltebecken automatisch angesteuert, Bewässerungssysteme bedarfsgerecht aktiviert und Starkregengefahren frühzeitig erkannt werden. Digitale Modelle erlauben es, Szenarien durchzuspielen: Was passiert, wenn ein Starkregen auf ein ausgetrocknetes Quartier trifft? Wie verändert sich die Verdunstungsleistung bei unterschiedlichen Vegetationskonzepten? Solche Daten sind Gold wert – nicht nur für die Planung, sondern auch für Betrieb und Unterhalt.

Die eigentliche Revolution liegt aber in der Integration: Erfolgreiches Wassermanagement kann nur funktionieren, wenn Planung, Bau, Betrieb und Bürgerschaft an einem Strang ziehen. Die Zeiten, in denen Entwässerung als reines Tiefbauthema betrachtet wurde, sind vorbei. Landschaftsarchitekten, Stadtplaner, Wasserwirtschaftler und Techniker müssen gemeinsam denken und handeln. Dabei geht es nicht nur um Technik, sondern auch um Gestaltung, Aufenthaltsqualität und soziale Teilhabe. Ein Stadtplatz, der Regenwasser aufnimmt, Schatten spendet und zum Verweilen einlädt, ist mehr als ein technisches Bauwerk – er ist ein Stück urbaner Lebensqualität, ein Puffer gegen Hitzestress und ein Symbol für die Innovationskraft der Stadt.

Allerdings ist klar: Keine Strategie ist ohne Zielkonflikte. Die Flächenkonkurrenz in wachsenden Städten ist enorm. Retentionsflächen kosten Platz, intelligente Systeme Geld, und die Akzeptanz neuer Gestaltungskonzepte muss erarbeitet werden. Aber: Wer jetzt nicht investiert, zahlt später doppelt. Denn die Kosten für Hitzeschäden, Infrastrukturausfälle und Gesundheitsrisiken sind um ein Vielfaches höher als jene für eine vorausschauende, integrierte Wassermanagementstrategie.

Praxis und Pioniergeist: Erfolgreiche Projekte in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Wie sieht das Ganze in der Praxis aus? Ein Blick auf einige Vorreiterprojekte in Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigt, dass innovative Ansätze längst kein Nischenthema mehr sind. In Berlin beispielsweise wird im Stadtteil Rummelsburg seit Jahren erfolgreich das Prinzip der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung umgesetzt. Hier versickert Regenwasser in Mulden, Rigolen und bepflanzten Gräben, wird auf Gründächern gespeichert und später zur Bewässerung des Stadtgrüns genutzt. Die Folge: Spürbar kühlere Temperaturen, üppige Vegetation selbst in Hitzeperioden und eine deutliche Entlastung des Kanalnetzes.

Auch Wien zeigt, wie blau-grüne Infrastruktur zur Anpassung an den Klimawandel beitragen kann. Das Projekt „Kühle Meile Favoriten“ kombiniert Beschattung, Verdunstung und offene Wasserläufe zu einem Ensemble, das nicht nur das Mikroklima verbessert, sondern auch ein neues Gefühl von Stadtraum vermittelt. Mit Hilfe von Sensoren und digitalen Steuerungssystemen wird der Wasserhaushalt kontinuierlich überwacht und bei Bedarf nachjustiert. Das Resultat: Die gefühlte Temperatur sinkt, die Aufenthaltsqualität steigt, und die Akzeptanz in der Bevölkerung ist hoch.

In Zürich wiederum setzt man auf eine konsequente Durchgrünung und die Integration von Wasserflächen in die Stadtstruktur. Regenwasser wird nicht mehr als Abfallprodukt betrachtet, sondern gezielt zur Bewässerung von Parks, Straßenbäumen und urbanen Gärten eingesetzt. Die Stadt hat dafür eigens ein digitales Wassermanagementsystem entwickelt, das alle relevanten Daten bündelt und für die verschiedenen Fachbereiche aufbereitet. So können beispielsweise Grünflächenämter, Stadtentwässerung und Stadtklimatologie gemeinsam agieren – ein Paradebeispiel für interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Doch auch kleinere Städte und Kommunen mischen mit. In Osnabrück wurde das Konzept der Schwammstadt in einem neuen Wohngebiet konsequent umgesetzt: Offene Sickerflächen, begrüntes Straßenbegleitgrün, Retentionsdächer und intelligente Bewässerungssysteme sorgen dafür, dass selbst in Hitzesommern die Vegetation nicht vertrocknet und das Mikroklima stabil bleibt. Die Erfahrungen zeigen: Viele Maßnahmen lassen sich auch im Bestand nachrüsten, sofern frühzeitig geplant wird und die verschiedenen Akteure an einem Strang ziehen.

Diese Beispiele zeigen, dass die Transformation kein Zukunftsmärchen ist, sondern schon heute Realität werden kann – wenn Mut, Fachkenntnis und ein langer Atem zusammenkommen. Die Erfolgsfaktoren sind überall dieselben: Interdisziplinarität, Nutzung digitaler Werkzeuge, Partizipation und ein Verständnis für das Zusammenspiel von Technik, Gestaltung und sozialer Akzeptanz.

Governance, Beteiligung und Zielkonflikte: Wer lenkt das Wasser der Zukunft?

Kein nachhaltiges Wassermanagement ohne schlaue Governance-Strukturen – das ist die harte Wahrheit. Denn die Planung und Umsetzung neuer Systeme ist nicht nur eine technische oder planerische Aufgabe, sondern vor allem eine Frage von Zuständigkeiten, Ressourcen und Entscheidungsstrukturen. Wer steuert den Umbau? Wer finanziert ihn? Wer trägt das Risiko? In vielen Städten sind die Zuständigkeiten zwischen Wasserwirtschaft, Stadtplanung, Grünflächenverwaltung und technischen Betrieben verteilt – mit der Folge, dass integrierte Lösungen oft an Schnittstellenproblemen scheitern.

Gefragt sind daher neue Formen der Zusammenarbeit und Steuerung. Stadtverwaltungen müssen Silos aufbrechen, Fachämter enger vernetzen und Beteiligungsprozesse für die Bürgerschaft öffnen. Eine offene Kommunikationskultur ist dabei ebenso wichtig wie transparente Entscheidungswege. Digitale Plattformen und Urban Data Hubs können helfen, Informationen zu bündeln und allen relevanten Akteuren zugänglich zu machen. Nur so kann der Wandel vom linearen zum zirkulären Wassermanagement gelingen.

Beteiligung ist dabei kein Selbstzweck, sondern entscheidend für die Akzeptanz neuer Maßnahmen. Wer die Nutzer von Straßen, Parks und Plätzen frühzeitig einbindet, kann wertvolle Hinweise auf Bedürfnisse, Nutzungskonflikte und Gestaltungschancen gewinnen. Gleichzeitig müssen Verwaltung und Politik bereit sein, Verantwortung zu teilen – und auch unbequeme Entscheidungen zu treffen. Denn klar ist: Flächen für Retention, offene Wasserläufe oder temporäre Überschwemmungsgebiete sind in wachsenden Städten knapp und umkämpft. Ohne politische Rückendeckung und kluge Prioritätensetzung drohen innovative Ansätze im Alltagsgeschäft unterzugehen.

Ein weiteres Thema ist die Finanzierung. Viele Städte zögern, weil die Investitionen in blau-grüne Infrastruktur auf den ersten Blick hoch erscheinen – und die Effekte erst langfristig spürbar werden. Dabei zeigen zahlreiche Studien, dass die Folgekosten von Infrastrukturausfällen, Hitzeschäden und Gesundheitsbelastungen weitaus höher sind als die Kosten für präventive Maßnahmen. Förderprogramme auf Bundes- und EU-Ebene bieten hier Chancen, sind aber oft bürokratisch und komplex. Gefragt ist also auch Kreativität in der Mittelakquise und ein langer Atem bei der Umsetzung.

Nicht zuletzt gibt es technische und soziale Zielkonflikte. Neue Steuerungssysteme und digitale Plattformen werfen Fragen des Datenschutzes, der Datensouveränität und der Wartungsfähigkeit auf. Auch die soziale Dimension darf nicht unterschätzt werden: Wer profitiert von der neuen Infrastruktur? Werden alle Quartiere gleichermaßen berücksichtigt – oder entstehen neue Ungleichheiten? Diese Fragen müssen offen diskutiert und aktiv bearbeitet werden, um das Wassermanagement der Zukunft wirklich gerecht und resilient zu gestalten.

Ausblick: Die resiliente Stadt als Wassersystem – was Planer jetzt wissen müssen

Der Wandel zum zukunftsfähigen Wassermanagement wird die Stadtentwicklung der nächsten Jahrzehnte prägen wie kaum ein anderes Thema. Dabei geht es nicht nur um Technik oder Gestaltung, sondern um ein neues Verständnis von Stadt als dynamischem, komplexem Wassersystem. Wer als Planer, Stadtentwickler oder Landschaftsarchitekt heute die richtigen Weichen stellt, legt das Fundament für gesunde, lebenswerte und klimafeste Städte von morgen.

Wichtig ist dabei der Mut zum ganzheitlichen Denken. Es reicht nicht, einzelne Maßnahmen zu realisieren – gefragt ist die Integration aller Aspekte des Wassermanagements in die gesamte Stadtentwicklung. Das beginnt bei der Planung neuer Quartiere, reicht über die Umgestaltung bestehender Straßen und Plätze bis hin zu Betrieb, Wartung und Partizipation. Digitale Werkzeuge wie Urban Digital Twins, intelligente Sensorik und Simulationsmodelle sind dabei unverzichtbar, müssen aber von Anfang an in interdisziplinären Teams entwickelt und eingesetzt werden.

Die Herausforderung liegt darin, Zielkonflikte zu erkennen, kreative Lösungen zu entwickeln und die verschiedenen Interessen auszubalancieren. Wer die Konkurrenz um Flächen, Ressourcen und Aufmerksamkeit nicht aktiv moderiert, riskiert Stillstand. Gleichzeitig bietet die Transformation enorme Chancen: Neue Lebensräume für Mensch und Natur, eine höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber Extremwetter, eine bessere Aufenthaltsqualität und letztlich auch eine höhere Attraktivität der Städte im Wettbewerb um Talente, Unternehmen und Investitionen.

Für die Praxis bedeutet das: Frühzeitige Einbindung aller relevanten Akteure, konsequente Nutzung digitaler Werkzeuge, klare Governance-Strukturen und ein langer Atem bei der Umsetzung. Die Stadt der Zukunft wird nicht nur gebaut, sondern modelliert, getestet, angepasst – und immer wieder neu erfunden. Wassermanagement ist dabei nicht mehr Randthema, sondern Kernaufgabe jeder nachhaltigen Stadtentwicklung.

Die Zeit zum Handeln ist jetzt. Wer heute mit intelligenten, resilienten Wassermanagementsystemen experimentiert, wird morgen die Blaupause für die klimaresiliente Stadt liefern. Und wer zögert, wird erleben, wie Hitzestress zur Dauerkrise wird. Die Wahl liegt bei uns – und bei allen, die Stadt gestalten wollen.

Fazit: Städtisches Wassermanagement unter Hitzestress ist weit mehr als ein technisches Problem – es ist eine komplexe, multidimensionale Herausforderung, die Planung, Gestaltung, Betrieb und Governance neu definiert. Die Transformation hin zu Schwammstädten und blau-grüner Infrastruktur ist keine Zukunftsvision, sondern eine dringende Notwendigkeit. Wer jetzt mutig, interdisziplinär und mit digitaler Intelligenz plant, macht Städte fit für den Klimawandel – und sichert Lebensqualität, Gesundheit und soziale Gerechtigkeit für kommende Generationen. So wird Wasser zum Schlüssel für die resiliente, zukunftsfähige Stadt. Und wir alle sind gefragt, diese Wende aktiv mitzugestalten.

Der Xiaoxita Forest Park in Yichang, China, verbindet nachhaltige Landschaftsarchitektur mit konsequentem Naturschutz: Alle bestehenden Bäume wurden erhalten und behutsam in die neue Parkgestaltung integriert. Foto: HID via v2com
Der Xiaoxita Forest Park in Yichang, China, verbindet nachhaltige Landschaftsarchitektur mit konsequentem Naturschutz: Alle bestehenden Bäume wurden erhalten und behutsam in die neue Parkgestaltung integriert. Foto: HID via v2com

Mit dem Xiaoxita Forest Park ist in der chinesischen Millionenstadt Yichang ein herausragendes Beispiel für zukunftsweisende Landschaftsarchitektur entstanden. Das vom Planungsbüro HID Landscape Architecture entwickelte Projekt zeigt eindrucksvoll, wie sich ein bestehender Stadtwald durch behutsame Eingriffe ökologisch aufwerten und zugleich als hochwertiger öffentlicher Freiraum neu erschließen lässt. Statt einer umfassenden Neugestaltung stand der respektvolle Umgang mit der vorhandenen Natur im Mittelpunkt – ein Ansatz, der international zunehmend als Vorbild für resiliente Stadtlandschaften gilt.

Stadtwald wird zum nachhaltigen Erholungsraum

Der rund 89 Hektar große Xiaoxita Forest Park liegt im Zentrum des Stadtteils Yiling in Yichang, entlang des Huangbai-Flusses. Über Jahre hinweg litt das Waldgebiet unter unübersichtlichen Wegen, veralteter Infrastruktur und einer zunehmenden Zerschneidung der Landschaft. Ziel der Neugestaltung war es daher, den Wald als wichtige ökologische Grünfläche zu erhalten und gleichzeitig seine Aufenthaltsqualität deutlich zu steigern.

Das Planungsteam folgte dabei konsequent der Leitidee „Touching the Earth Lightly“ – die Landschaft sollte möglichst schonend weiterentwickelt werden, ohne ihre natürlichen Strukturen zu beeinträchtigen.

100 Prozent Baumerhalt als Planungsgrundsatz

Ein zentrales Merkmal des Projekts ist der vollständige Erhalt des vorhandenen Baumbestands. Sämtliche heimischen Bäume blieben während der Bauarbeiten erhalten. Neue Wege und Aufenthaltsbereiche wurden ausschließlich in bereits vorhandene Lichtungen integriert, wodurch umfangreiche Erdarbeiten vermieden werden konnten.

Auch bei den verwendeten Materialien setzte das Büro konsequent auf Nachhaltigkeit. Wasserdurchlässige Beläge aus regional gewonnenem Naturstein sowie begrünte Pflasterflächen ermöglichen die natürliche Versickerung von Regenwasser und unterstützen den lokalen Wasserkreislauf.

Renaturierung statt versiegelter Flächen

Ein wesentlicher Bestandteil der Umgestaltung war die ökologische Wiederherstellung zuvor technisch geprägter Bereiche. In enger Abstimmung mit den beteiligten Akteuren wurden ein stillgelegtes Pumpenhaus sowie kaum genutzte Parkplatzflächen zurückgebaut.

Dadurch konnten mehr als 1.200 Quadratmeter versiegelte Fläche wieder in durchlässige Grünflächen umgewandelt werden. Gleichzeitig entstand ein neuer Lebensraumkorridor für Tiere, während sich die Sichtbeziehungen zwischen Stadt und Wald deutlich verbesserten.

Architektur schont Wurzeln und Lebensräume

Auch die neu geschaffenen Bauwerke folgen dem Prinzip minimaler Eingriffe. Besonders markant ist die Mid-Hill Rest Stop, eine erhöhte Aussichtsplattform, die auf schlanken Punktfundamenten ruht. Dadurch werden Bodenverdichtungen vermieden und die empfindlichen Wurzelbereiche der Bäume dauerhaft geschützt.

Von der Plattform eröffnet sich den Besucherinnen und Besuchern ein weiter Blick über die bewaldete Tallandschaft. Selbst die Beleuchtung übernimmt mehrere Funktionen: Die Leuchten wurden zugleich als Nisthilfen für heimische Vogelarten gestaltet und fördern so die Artenvielfalt im Park.

Regionale Natursteine prägen darüber hinaus Wege, Sitzmauern und weitere Gestaltungselemente und stärken die Identität des Ortes.

Ein Park für Natur, Bildung und Gemeinschaft

Heute präsentiert sich der Xiaoxita Forest Park als vielschichtiger Landschaftsraum mit Uferpromenaden, Waldlichtungen und erhöhten Aussichtspunkten. Über 95 Prozent der Vegetation bestehen aus heimischen Pflanzenarten, wodurch die ökologische Qualität des Stadtwaldes langfristig gesichert wird.

Mit mehr als 2.000 Besucherinnen und Besuchern pro Tag erfüllt der Park zugleich wichtige soziale Funktionen. Spaziergänge, Freizeitaktivitäten und Naturerlebnisse finden hier ebenso Platz wie Umweltbildung. Informationstafeln wurden dezent in Natursteinmauern integriert und vermitteln Wissen über Flora, Fauna und ökologische Zusammenhänge, ohne das Landschaftsbild zu beeinträchtigen.

Modellprojekt für resiliente Stadtlandschaften

Der Xiaoxita Forest Park verdeutlicht, dass hochwertige Landschaftsarchitektur nicht zwangsläufig durch spektakuläre Neubauten entsteht. Vielmehr zeigt das Projekt, wie sich vorhandene Naturräume durch sensible Planung, minimale Eingriffe und konsequenten Ressourcenschutz nachhaltig weiterentwickeln lassen.

Mit seinem ganzheitlichen Ansatz verbindet der Park Biodiversität, Klimaanpassung und Aufenthaltsqualität auf beispielhafte Weise. Damit liefert HID Landscape Architecture ein überzeugendes Modell für die Zukunft urbaner Grünräume – eine Landschaft, in der menschliche Nutzung und ökologische Prozesse nicht im Widerspruch stehen, sondern sich gegenseitig stärken.