Rother Neuland: Innovativer Öko-Stadteil statt Leoni-Fabrik

Im mittelfränkischen Roth soll auf einem alten Leoni-Fabrikgelände ein neuer, moderner Öko-Stadtteil entstehen. Ulrike Lefherz
Im mittelfränkischen Roth soll auf einem alten Leoni-Fabrikgelände ein neuer, moderner Öko-Stadtteil entstehen: das „Rother Neuland“. Foto: Ulrike Lefherz

Bayern fördert urbanes Wohnen auf dem Land

Der Freistaat Bayern fördert die Errichtung von jungen, modernen Wohnvierteln in zehn Gemeinden. Eines der Modellprojekte befindet sich im mittelfränkischen Roth. Auf einem alten Leoni-Fabrikgelände soll nun ein neuer Stadtteil entstehen, der urbanes Lebensgefühl und eine vorwiegend ländlich geprägte Region verbindet.

Das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr fördert mit seinem Programm „Landstadt Bayern“ innovative und zukunftsweisende Wohnviertel auf bisherigen Brachflächen. So sollen die Vorteile des Stadtlebens mit der Lebensqualität auf dem Land in Einklang gebracht werden. Gleichzeitig will der Freistaat auch verhindern, dass immer mehr Grünflächen Einfamilienhaus-Siedlungen weichen. Anfang 2022 wurde dann die Stadt Roth mit dem Vorhaben des „Rother Neulands“ in das Förderprogramm aufgenommen.

Neugestaltung mit Pilotcharakter

Die Bürger*innen der 25 000 einwohnerstarken Kreisstadt sind begeistert. Mitten im Zentrum Roths wird also auf dem früheren Leoni-Fabrikgelände ein neuer Stadtteil entstehen. Das Areal reicht vom Bahnhof bis zum Marktplatz. Dabei ist es mit sieben Hektar in etwa so groß wie die gesamte Altstadt. 400 bis 500 Wohneinheiten haben dort Platz. Damit ist dies das größte Stadtentwicklungsprojekt der nächsten Jahre in Roth. „So eine Chance bekommen Kommunen nicht häufig“, schwärmt Bürgermeister Andreas Buckreus (SPD) hierzu, „ein so großes Gelände nahe der Innenstadt entwickeln zu können, das sich im Besitz der Stadt befindet.“

Vom Leoni-Fabrikgelände zum „Rother Neuland“

Das Leoni-Fabrikgelände liegt dabei optimal. Zum einen befindet es sich direkt am Fluss Rednitz und dem Mühlbach. Zum anderen erreicht man den Marktplatz wie auch den Bahnhof problemlos zu Fuß. Man ist sowohl nah an der Stadt, als auch auf am Land. Und mit der S-Bahn dauert es gerade einmal 30 Minuten nach Nürnberg.

Das Leoni-Fabrikgelände steht für eine Handwerks- und Industrietradition, die in der Stadt über Jahrhunderte zurückreicht. Hier steckt also ein Stück Identität. 2019 bezog das Unternehmen dann eine neue Fabrik am Stadtrand. Ende 2013 soll der Standort vollständig geräumt sein – dann ist Platz für das sogenannte „Rother Neuland“.

Zukunftsgerichtetes Leben zwischen Marktplatz und Fluss

Die Stadt Roth kann bei diesem Pilotprojekt zeigen, wie sich mittelgroße Städte zukünftig entwickeln können. Neben Wohnen soll das Stadtviertel auch Flächen für Gewerbe, Gemeinbedarf, Freizeit sowie Kultur bieten. Heraus kommt ein funktional gemischtes und buntes Lebensumfeld mit neuen Ansätzen in allen wesentlichen Bereichen:

  • Arbeit und Wirtschaft – vernetzt, kooperativ
  • neue Wohnformen – gemischt, generationengerecht, gemeinschaftlich, leistbar
  • Mobilität – PKW-armes Wohnen, fußgänger- und fahrradfreundlich

Das Quartier wird somit als eigenständiger Stadtteil revitalisiert. Dennoch soll es sich auch wie selbstverständlich in die landschaftliche Umgebung der Rednitzaue einfügen. Das Stadtviertel wird innovativ, nachhaltig und zukunftsfähig. Vor dem Hintergrund des Klimawandels haben vor allem die Aspekte des Klimaschutzes und der Klimawandelanpassung besonderes Gewicht – Stichwörter sind u. a. Ressourcenschonung, Stadtklima und Regenwasserbewirtschaftung. Die Staatsregierung möchte „Wohnraumangebote für alle Lebensphasen mit Zugang zur Natur, einer guten digitalen Ausstattung und alternative Nutzungskonzepte“ schaffen.

Der Weg und die Ziele

Nicht nur Verwaltung, Politik und Planer*innen sind an der Gestaltung des neuen Quartiers beteiligt. Es wurde auch eine intensive Bürger*innenbeteiligung initiiert, um ein identitätsstarkes, gut angenommenes Viertel zu schaffen. So beteiligten sich rund 300 Bürger*innen an einer ersten Ideensammlung in der „Bürger*innenwerkstatt“. Und ihre Anforderungen sind vielfältig!

So wünschen sie sich beispielsweise günstige Wohnungen mit hohem energetischen und ökologischen Standard. Bürgermeister Buckreus sieht das „Rother Neuland“ als ein „Wohngebiet der Zukunft“. „Die Energie, die im Viertel verbraucht wird, soll zu 75 bis 80 Prozent aus dem Viertel kommen“, setzt sich Stadtbaumeister Wolfgang Baier als Ziel an. Das KfW-55-Haus wird zum Energiestandard. Auch Dach- und Fassadenbegrünungen sowie Photovoltaik-Anlagen sind gern gesehen.

Die circa 100 000 Quadratmeter versiegelte Fläche des Leoni-Fabrikgeländes sollen außerdem um rund 40 Prozent verringert werden. Durch das Entsiegeln werden viele Grünflächen entstehen – sei es als Quartierspark, Grünachse oder Bürgerpark. Auch stehen Gemüsegärten auf der Wunschliste der Bürger*innen. Eine Querbelüftung zwischen Wohngebiet und Landschaft sorgt für Luftaustausch. Gerade bei Hitzetagen ist dies wichtig. Zentrale Quartiersgaragen reduzieren den Verkehr. Im Inneren des „Rother Neulands“ soll dann das „Modal Split“ Modell gelten: möglichst emissionsfreie, geteilte oder öffentliche Verkehrsträger. Die Bürger*innen möchten, dass das neue Stadtviertel autofrei ist. Flexible Büros sollen u. a. in Form von Co-Working-Spaces das Arbeiten in Wohnortnähe möglich machen. Die Staatsregierung sieht in der Digitalisierung des ländlichen Raumes das große Potential, dass die Menschen freier in der Wahl ihres Wohn- und Arbeitsortes werden.

Hohe Erwartungen und eine große Chance

Der Zeitplan für das „Rother Neuland“ ist dabei sehr straff. Das Programm „Landstadt Bayern“ gibt ein Gerüst und einen Zeitplan vor. Eine Ideenwerkstatt wurde bereits von einem Ingenieurbüro aus Neusäß bei Augsburg durchgeführt. Im Mai 2023 sollen die ersten Entwürfe eines städtebaulichen Wettbewerbs vorgestellt werden. 2024 werden dann die Gebäude auf dem Leoni-Fabrikgelände abgerissen. Doch bis auf dem Areal das Stadtviertel „Rother Neuland“ entsteht, werden noch einige Jahre vergehen. Man kann schließlich nicht alles auf einmal bauen.

Apropos Wettbewerb: Am Kohlrabizirkus in Leipzig wurde der Wettbewerb „Alte Messe West“ entschieden. Lesen Sie hier mehr.

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Landesgartenschau Bad Dürrenberg 2024: Salzkristall & Blütenzauber

Die Installationen der Landesgartenschau Bad Dürrenberg 2024 erinnern an Salz, das jahrhundertelang das wichtigste Exportgut der Stadt in Sachsen-Anhalt war. Copyright: Landesgartenschau 2023 gGmbH
Die Installationen der Landesgartenschau Bad Dürrenberg 2024 erinnern an Salz, das jahrhundertelang das wichtigste Exportgut der Stadt in Sachsen-Anhalt war. Copyright: Landesgartenschau 2023 gGmbH

In der Solestadt Bad Dürrenberg findet in diesem Jahr die Landesgartenschau statt. Rehwaldt Landschaftsarchitekten haben den Wettbewerb zur Gestaltung des Gartenschaugeländes gewonnen. Mehr über den historischen Kurpark und das Rückgrat der Anlage für die Landesgartenschau Bad Dürrenberg.

Der historische Kurpark von Bad Dürrenberg liegt über dem Saaletal und stellt den Schauplatz der fünften Landesgartenschau von Sachsen-Anhalt dar. Die historische Gradieranlange der Stadt stellt das Rückgrat der Gartenschau dar. Dabei handelt es sich um das längste zusammenhängende und noch funktionsfähige Gradierwerk Europas. Es verwundert nicht, dass die Landesgartenschau Bad Dürrenberg 2024 ganz im Zeichen des Salzes und der Salzgewinnung steht. Zum Beispiel gibt es eine Salzlandschaft, eine Gradenbank, weiße Möbel und heilsamen Sole-Nebel, der das Gelände durchzieht.

Rehwaldt Landschaftsarchitekten aus Dresden haben den Wettbewerb zur Gestaltung des Geländes schon im Jahr 2018 gewonnen. Sie haben den historischen Park und die angrenzenden Saalehänge im Rahmen der Gartenschau zu einem modernen, offenen und einladenden Erholungsraum umgestaltet. Dafür haben sie historische Anlagen saniert und um zeitgenössische Elemente ergänzt. Die Landesgartenschau Bad Dürrenberg ist vom 19. April bis zum 13. Oktober 2024 unter dem Motto „Salzkristall & Blütenzauber“ zugänglich. Tageskarten kosten 19 Euro pro Person.

Auf dem Weg zur grünen Solestadt

Wie viele andere Landesgartenschauen war auch die in Sachsen-Anhalt ursprünglich für 2022 angesetzt. Aufgrund der Pandemie wurde sie jedoch um zwei Jahre verschoben. Die Wettbewerbsgewinner Rehwaldt Landschaftsarchitekten entwickelten den historischen Kurpark für die Landesgartenschau Bad Dürrenberg als vielfältige Anlage weiter. Dabei wollten sie einerseits die historischen Anlagen wieder in Wert setzen und andererseits auch zeitgenössische Gartenräume integrieren.

Die Stadt erhofft sich durch das Großereignis einen positiven Einfluss auf ihr Image. Die Maßnahmen sollten unter anderem dazu beitragen, Bad Dürrenberg als „grüne Solestadt“ zu positionieren und sie als Wohn- und Lebensort zu präsentieren. So soll eine langfristig attraktive Entwicklung möglich sein.

Bad Dürrenberg liegt direkt an der Saale in der geschichtsträchtigen Region Saale-Unstrut. Halle, Leipzig und Naumburg sind die nächsten Großstädte und bieten gute Anbindungen. Salz prägt als „weißes Gold“ bis heute die Geschichte der Solestadt, die ein staatlich anerkannter Erholungsort mit staatlich anerkannter Heilquelle ist.

In der temporären Blumenhalle sind von April bis Oktober 2024 viele prächtige Blüten zu bewundern. Copyright: Landesgartenschau 2023 gGmbH
In der temporären Blumenhalle sind von April bis Oktober 2024 viele prächtige Blüten zu bewundern. Copyright: Landesgartenschau 2023 gGmbH

Imposantes Gradierwerk als Rückgrat der Gartenschau

Das Gelände der Landesgartenschau Bad Dürrenberg erstreckt sich über den historischen Kurpark der Stadt, den Saalehang und bis hinunter zur Flussaue, wo die alte Tradition des Obst- und Weinbaus wiederbelebt wurde. Die Fläche beträgt etwa 15,3 Hektar und Rehwaldt Landschaftsarchitekten stellten das Projekt 2024, rechtzeitig vor Beginn der Gartenschau fertig. Bauherrin war die Solestadt Bad Dürrenberg.

Besuchende können am Platz am Kohlebahntunnel verweilen, der nun zu einem multifunktionalen Stadtplatz geworden ist. Er bietet ein schattiges Gehölzdach, Sitzmöglichkeiten und Gastronomie sowie einen integrierten Informationspunkt zur Geschichte der Kohlebahn.

Von dort ist es nicht weit zum nördlichen Entree am Borlachplatz, der einen großzügigen Auftakt für die Landesgartenschau Bad Dürrenberg bieten soll. Ein Holzdeck bietet Schatten für alle, die am Haupteingang warten. Es folgt eine große Rasenfläche, die den Blick zum Borlachplatz mit seinen grünen und steinernen Zonen eröffnet. Das Gradierwerk dient als gestalterisches Motiv und als Identitätsstifter auf dem Platz. Mit seinen 636 Metern Länge und 12 Metern Höhe ist es ein imposantes Bauwerk, das als Rückgrat für einzelne Teilbereiche dient: Entree, Verbindung zur Rathausvorfläche, Verweilfläche mit Holzdeck und weitere Rasenfläche.

Die historische Gradieranlage von Bad Dürrenberg ist während der Landesgartenschau stets ein Motiv.  Copyright: Landesgartenschau 2023 gGmbH
Die historische Gradieranlage von Bad Dürrenberg ist während der Landesgartenschau stets ein Motiv. Copyright: Landesgartenschau 2023 gGmbH

Historische Kulturlandschaft an der Saale

Der Kurpark ist zu einer vielfältigen Anlage geworden und besitzt nun auch zeitgenössische Gartenräume, die über die Landesgartenschau hinaus wertvoll für die Stadt sein werden. Zugleich haben Rehwaldt Landschaftsarchitekten Wert darauf gelegt, historische Anlagen wie das Palmenhaus zu erhalten. Dort ist ein multifunktionalier Raum entstanden, der als Veranstaltungsort sowie als Präsentationsfläche für besondere Pflanzen dient. Die temporäre Blumenhalle steht während der Gartenschau neben dem sehr beliebten Palmen- und Vogelhaus.

Auch im nördlichen Kurpark sind die historischen Gartenstruktur nach wie vor vorhanden und wurden denkmalgerecht weiterentwickelt. Die wegebegleitenden Rabatten präsentieren verschiedene Pflanzthemen und neben dem Spielplatz gibt es ein Wasserparterre. Dieser hybride Gartenplatz bietet Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten.

In der Zone der Beamtengärten befinden sich die Themengärten mit integrierter Bühnenanlage. Dieser vielfältige Bereich ist bei der Landesgartenschau Bad Dürrenberg besonders beliebt. Und im Süden des Kurparks gibt es Sitzanlagen sowie das „Gradengrüst“, einen räumlichen Abschluss und Höhepunkt am südlichen Ende des historischen Gradierwerkes, das an die frühere Ausdehnung der Anlage erinnert.

Die Landesgartenschau zieht sich bis zum Saalehang herunter, wo eine historische Kulturlandschaft mit Gutsgärten, neu aufgerebten Weinterrassen und Obsthainen zu sehen ist. Das Café am Amtsberg ist ein neuer Anziehungspunkt. Zudem ist das Wasser dank Bade- und Gondelsteg und Holzstegen entlang des Saaleweges leichter zu erreichen.

Eine neue Wasserfläche wertet den Kurpark auf und bietet Platz für Spiel und Erholung. Copyright: Landesgartenschau 2023 gGmbH
Eine neue Wasserfläche wertet den Kurpark auf und bietet Platz für Spiel und Erholung. Copyright: Landesgartenschau 2023 gGmbH

Solefest und Landesgartenschau in Bad Dürrenberg

Das Preisgericht entschied sich für den Vorschlag von Rehwaldt Landschaftsarchitekten, da sich die Arbeit stark am Vorhandenen orientierte und so die Denkmalpflege wertschätzt. Kurpark und Waldgarten wurden beinahe gänzlich in ihrer Struktur belassen oder behutsam erneuert. Zudem betonte die Jury den großzügigen Eingang, die breite Promenade entlang des Hauptbauwerks, den freien, steinernen Borlachplatz und die Freifläche am Palmenhaus. Der Natur- und Artenschutz am Saalehang war ein weiterer Grund für die Entscheidung.

Noch bis Oktober ist die Landesgartenschau Bad Dürrenberg zu bewundern. Wer mehr über die Geschichte der Solestadt lernen möchte, kann den Borlachturm mit seinem Museum besuchen. Bis 1963 wurde in Bad Dürrenberg noch Salz hergestellt. Jedes Jahr im Juni feiert die Stadt die Erschließung der Solequelle durch Johann Gottfried Borlach im Jahr 1763 – dieses Jahr dürfte es dank der Landesgartenschau ein besonders ausgelassenes Fest werden.

Weiterlesen: Alle Landesgartenschauen 2024 im Überblick.