Vogelperspektie auf den möglichen neuen Großen Markt in Saarlouis. Bildquelle: HDK Dutt & Kist mit Wandel Lorch Götze Wach und Tobias Link Lichtplanung und Produktdesign
Vogelperspektie auf den möglichen neuen Großen Markt in Saarlouis. Bildquelle: HDK Dutt & Kist mit Wandel Lorch Götze Wach und Tobias Link Lichtplanung und Produktdesign

Was zur Gründungszeit der Stadt Saarlouis ein Exerzierplatz war, dient heute seit Jahrzehnten als Stellplatz für PKWs. Seitdem scheitern auch die Versuche der Stadt, dem sogenannten Großen Markt Saarlouis seine alte Bedeutung wiederzugeben. Im Rahmen eines Ideenwettbewerbs soll er endlich umgestaltet werden.

Ideenwettbewerb für den Großen Markt in Saarlouis

Die saarländische Stadt Saarlouis hat derzeit einen Parkplatz als Stadtherz. Dabei dient der Große Markt, früher ein Exerzierplatz, heute als PKW-Stellfläche. Schon seit den 1990er Jahren versucht die Stadt, den Großen Markt umzugestalten und ihm wieder mehr öffentliche Bedeutung zu verleihen. Das neoklassizistische Rathaus, die barocke Kommandantur und die neogotische Turmfront der St. Ludwig Kirche bieten einen schönen Rahmen. Aber erst 2021 gab es genug Initiative, um einen Ideenwettbewerb für die Neugestaltung des Großen Marktes auszurufen.

Dann erklärte die schwarz-grün-gelbe Mehrheit im Stadtrat von Saarlouis einen europaweit offenen Ideenwettbewerb. Es gab neun anonym eingereichte Entwürfe, wobei zwei Jurys den Vorschlag von HDK Dutt & Kist mit Wandel Lorch Götze Wach und Tobias Link Lichtplanung, alle aus Saarbrücken, zum Sieger wählten. Die Jurys für die Umgestaltung des Großen Markts in Saarlouis bestanden aus Arbeitsgruppen, Verwaltungsspitze, Vertreter*innen des Frauen- und Integrationsbeirates sowie dem Beirat für Menschen mit Behinderung. Auch Expert*innen aus Stadtplanung, Architektur und Denkmalschutz wirkten bei der Auswahl mit.

Dies sind die Preisträger*innen im Überblick:

  • 1. Preis: HDK Dutt & Kist mit Wandel Lorch Götze Wach und Tobias Link Lichtplanung und Produktdesign (alle Saarbrücken)
  • 2. Preis: häfner jiménez betcke jarosch landschaftsarchitektur (Berlin) mit Eller + Eller Architekten (Düsseldorf)
  • 3. Preis: weihrauch + fischer (Solingen)
  • 4. Preis: Bruun & Möllers (Hamburg)
  • 5. Preis: bauchplan ).( (München)

Die Aktivierung des Großen Markts

HDK Dutt & Kist beschreiben die Ziele ihres Entwurfs damit, den „horror vacui“ zu überwinden und die historisch-räumliche Qualität des Platzes zu betonen. Dabei verzichten sie auf überfrachtete Möblierung und Orchestrierung. Vielmehr geht es um Entsiegelung, stadtklimatische Aktivierung und eine Begrünung der Ränder. Unter anderem sieht der Entwurf vor, den Platanenbestand um zwei Reihen nach innen zu erweitern. Zugleich sollen die Bäume noch oben hin freier wachsen dürfen als bisher, damit sich das Volumen ihrer Kronen multiplizieren kann.

Auf der inneren Platzfläche soll es künftig eine lange Stufe geben, die eine barrierefrei erreichbare Sitzbank mit Orientierung zur Platzmitte darstellt. Regenwasser soll auf dem Platz versickern können, alternativ fließt es in ein dezentrales System aus Rückhaltespeichern. Daneben sollen an heißen Tagen Überflurhydranten und frischwassergespeiste Trinkbrunnen für Abkühlung sorgen. Und die neuen Gebäude wie Kioske sollen grüne Dächer erhalten.

Das Preisgericht lobte die leere Mitte des Platzes, die der barocken Stadtplanung durch den Erhalt der axialen Verbindung zwischen St. Ludwig und der Kommandantur Rechnung trägt. Dabei verstärkt die subtile Kunstlichtführung diese Wirkung.

So könnte der Große Markt in Saarlouis künftig aussehen. Bildquelle: HDK Dutt & Kist mit Wandel Lorch Götze Wach und Tobias Link Lichtplanung und Produktdesign
So könnte der Große Markt in Saarlouis künftig aussehen. Bildquelle: HDK Dutt & Kist mit Wandel Lorch Götze Wach und Tobias Link Lichtplanung und Produktdesign

Zahlreiche Nutzungsoptionen

Der neue Große Marktplatz in Saarlouis wird zwar nicht mehr als Exerzierplatz genutzt, soll aber dennoch eine vielfältige Bespielung erlauben. Das Preisgericht des Wettbewerbs lobte die vielen Nutzungsoptionen. Zum Beispiel sind hier Volksfeste möglich. Auch Essstände, Bouleplätze, Liegen und Tanzbereiche sind denkbar. Die Randzonen sollen ringsum an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen werden.

Darüber hinaus zeigt der Entwurf für den Großen Markt Saarlouis von HDK Dutt & Kist mit Wandel Lorch Götze Wach und Tobias Link Lichtplanung und Produktdesign, wie der Große Platz klimafreundlicher aussehen kann. Ein intelligentes Regenwassermanagement in Kombination mit der großflächigen Entsiegelung rückt das Element Wasser in den Vordergrund. Die Jury wünscht sich sogar eine noch stärkere Berücksichtigung von Wasser. Vorschläge werden in den nächsten Monaten geprüft.

Ein weiteres Element bei der Umgestaltung des Großen Markts von Saarlouis, das laut Preisgericht noch mehr Berücksichtigung finden sollte, ist die Barrierefreiheit des Platzes. Dafür arbeitet die Stadt eng mit dem zuständigen Beirat zusammen und wird den finalen Entwurf entsprechend anpassen. Der vielfältige Entwurf von HDK Dutt & Kist zeigt laut Jury eine „stringente Orientierung am barocken Stadtgrundriss“ und bewahrt „in hohem Maße die atmosphärische Qualität des Großen Marktes“. Die Umsetzung des Entwurfs ist phasenweise möglich und besteht aus wenigen Eingriffen. Diese würden laut Preisgericht die Platzstruktur des Großen Markts in Saarlouis noch besser wahrnehmbar machen.

Die Sitzkante umgibt den inneren Platz und erhält zugleich Schatten von den Platanen. Bildquelle: HDK Dutt & Kist mit Wandel Lorch Götze Wach und Tobias Link Lichtplanung und Produktdesign
Die Sitzkante umgibt den inneren Platz und erhält zugleich Schatten von den Platanen. Bildquelle: HDK Dutt & Kist mit Wandel Lorch Götze Wach und Tobias Link Lichtplanung und Produktdesign

Umsetzung des Großen Markts in Saarlouis noch unklar

Die präsentierten Entwürfe aus dem Wettbewerb sind zunächst nicht bindend. Nach eigenen Angaben möchte die Stadt Saarlouis vor allem Ideen für eine mögliche spätere Umsetzung erhalten. Dabei wird der Gewinner-Entwurf für den Großen Markt Saarlouis vermutlich als wesentliche Inspiration dienen. Bis Ende 2022 waren die fünf Gewinner-Entwürfe im Empfangssaal des Rathauses ausgestellt. Die Arbeit von HDK Dutt & Kist stellte laut der Jury einen „wertvollen Beitrag zur Transformation des Urbanen Stadtraums Großer Markt Saarlouis in eine robuste und dem Klimawandel gerecht werdende Stadtlandschaft dar.“

Das wichtigste Ziel der Umgestaltung des Großen Marktes in Saarlouis soll die Stärkung des Platzes als Kommunikations- sowie Handelsfläche sein. Zudem möchte die Stadt die Umwelt- und Aufenthaltsqualität auf dem Großen Markt verbessern. Wann die Umsetzung beginnt, ist derzeit noch unklar. Konkrete Schritte sind noch nicht geplant.

Auch interessant: Schon vor einigen Jahren wurde im Saarland die Landmarke Duhamel eingeweiht. Sie zeigt die Vergangenheit des Kohleabbaus, bietet aber auch einen Blick in die Zukunft der Region.

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Die Vollversammlung des Münchner Stadtrats hat vergangene Woche den Einstieg in eine konkrete Planung für einen Tunnel durch den Englischen Garten beschlossen. Geplant wird ein 390 Meter langer Tunnel unter dem Isarring, der den bislang getrennten Stadtpark wiedervereinen soll.

Seit Jahrzehnten trennt eine Verkehrsader, über die sich täglich tausende Autos schieben, den Englischen Garten in Nord- und Südteil. Die Idee für eine Untertunnelung des Rings existiert bereits seit vielen Jahren, jetzt hat das Projekt einen weiteren großen Schritt Richtung Realisierung genommen. Nach der Bestätigung durch die Stadtrats-Vollversammlung wird das Baureferat nun in die Vor-, Entwurfs- und Genehmigungsplanung für einen Tunnel im Englischen Garten einsteigen.

Geprüft wurden drei unterschiedlich lange Tunnel-Varianten: Das Planungsreferat bevorzugt dabei die mittellange Version, die nun auch geplant wird.

Das Bauwerk soll 390 Meter lang sein und etwa 125 Millionen Euro kosten. Die mittellange Variante bietet, so das Prüfungsergebnis, die größten Vorteile bei der Reparatur des Gartenkunstwerks Englischer Garten und erlaubt die Wiederherstellung des durchgängigen historischen Wegenetzes, der einstigen Bachläufe sowie der Wiesen und Gehölzstrukturen auf der Tunneldecke.

Aber die optische Verschönerung durch den Wegfall der Autoschneise ist nicht der einzige Vorteil des Tunnels: Die Lärmbelästigung für direkte Anwohner reduziert sich und der bislang weniger frequentierte Nordteil des Englischen Gartens ist wieder direkt zugänglich.

Wir unterhielten uns für unsere Januar 2017-Ausgabe mit dem Architektenpaar Grub-Lejeune, Gründer der Initiative „(M)Ein Englischer Garten“, über Widerstände, Erfolgserlebnisse und den Mut, beständig gegen den Strom zu schwimmen.

Hier geht’s zum Video „Wiedervereinigung Englischer Garten“

Libeskind entwirft Einstein Discovery Center

Ein Mann und drei Frauen stehen in einer Halle. Daniel Libeskind, Nancy Hecker-Denschlag, Nina Libeskind und Ditte Endriß in der alten Paketposthalle in Ulm. Foto: Petra Böger
Daniel Libeskind, Nancy Hecker-Denschlag, Nina Libeskind und Ditte Endriß in der alten Paketposthalle in Ulm. Foto: Petra Böger

Seit kurzem ist es offiziell: Daniel Libeskind wird das Albert Einstein Discovery Center in Ulm bauen. Über ein Stück Architektur, das gleichzeitig als Brücke zwischen zwei Städten fungieren soll. 

 

 

 

Daniel Libeskind entwirft in Ulm und Jerusalem

Es ist einer der großen Namen in der Gegenwartsarchitektur: Daniel Libeskind. In seinem Portfolio finden sich Projekte wie das Jüdische Museum in Berlin oder das neue World Trade Center in New York City. In nicht allzu ferner Zukunft darf sich nun auch Ulm über einen Bau des Star-Architekten freuen. Denn Daniel Libeskind wird die Planung des geplanten Albert Einstein Discovery Centers in Ulm übernehmen. Dazu unterzeichnete er nun den entsprechenden Vertrag. Und nicht nur das: Zeitgleich erarbeitet Libeskind den Bau eines neuen Einstein-Museums an der Hebrew University in Jerusalem. Das Projekt wird beide Städte in besonderer Weise architektonisch verbinden.

Einstein Discovery Center als Teil eines Brücken-Projektes

In Ulm wurde Albert Einstein 1879 geboren. In Jerusalem begründete er 1919 die Hebrew University mit – auch sein wissenschaftlicher Nachlass wird bis heute dort verwaltet. Durch die Arbeit Libeskinds treten die Stationen in Einsteins Leben nun in eine neue Art von Austausch. „Gemeinsam mit unseren Partnern in Ulm und Jerusalem möchten wir eine Brücke im Namen Albert Einsteins schlagen, der mich von jeher fasziniert“, sagte Libeskind dazu im letzten Jahr. Nach mehrmonatigem intensivem Austausch mit Beteiligten des Einstein Discovery Centers hatte er vergangenen Monat seine endgültige Zusage zum Projekt erteilt.

Erste Schritte in Ulm

In Ulm steht nun zunächst die Vorplanungsphase an. Dazu hatte Daniel Libeskind bereits im vergangenen Jahr den Projektort erstmalig besucht. Seine Frau Nina sowie der Architekt Stefan Blach vom Studio Libeskind begleiteten ihn bei der Besichtigung. Auf einem Grundstück am Ulmer Hauptbahnhof, wo heute die alte Paketposthalle steht, wird das Einstein Discovery Center entstehen. Die endgültig zur Verfügung stehende Fläche ist noch nicht abschließend geklärt. Dazu stehen Abstimmungen sowohl mit öffentlichen als auch privaten Parteien an. Libeskind und sein Team konnten in der ersten Besichtigung jedoch einen Eindruck gewinnen und somit zumindest konzeptuell bereits Ideen ausloten. Weiterhin traf er den Baubürgermeister Tim von Winning und Verantwortliche des Ulmer Discovery Centers.

Einstein Discovery Center bis 2029

Die Euphorie vor Ort ist groß: „Daniel Libeskinds Besuch hier in Ulm war für uns alle eine tolle Erfahrung. Die Gespräche und seine ersten Ideen haben uns begeistert und die Stimmung war hervorragend – das motiviert uns selbstverständlich“, beurteilte Nancy Hecker-Denschlag, Vorsitzende des Ulmer Discovery Centers den Besuch. Das Projekt soll nicht nur eine Brücke zu Einsteins Wirken in Jerusalem schlagen. Es soll auch für die Stadt Ulm ein bedeutender Baustein im Stadtensemble werden. Geplant ist eine Mischung aus Museum und Wissenschaftsspielwiese, die Besucher*innen selbst zum Entdecken einlädt. Im Jahre 2029 soll das Erlebniszentrum in Ulm fertiggestellt sein, pünktlich zu Albert Einsteins 150. Geburtstag. In Jerusalem hingegen ist der Bauprozess bereits weiter fortgeschritten. Dort wird das neue Einstein-Museum bereits in zwei Jahren – 2025 – eröffnet.

Es ist eine große und spannende Aufgabe, der sich Daniel Libeskind an gleich zwei Standorten stellt. Das Brücken-Konzept, das beide Wirkräume des Physikers einbezieht, stellt auch für den renommierten Architekten und sein Studio eine besondere Entwurfsaufgabe dar. Eine Herausforderung, der sich Libeskind mit Freuden stellt: „Mein Team und ich freuen uns, dieses großartige Projekt aktiv begleiten und mitgestalten zu dürfen.“

Was sich sonst in Ulm tut? Zum Beispiel dieses Projekt zur Umgestaltung der Innenstadt.