10.10.2022

Gesellschaft

Die Stadt der Zukunft – Buchrezension

von Felix Engel
Die Stadt der Zukunft. Cover: Aufbau Verlag
Die Stadt der Zukunft. Cover: Aufbau Verlag

Stadt hat Zukunft! Wie sieht sie aus und welche Rolle spielen wir darin? Architekt und Stadtplaner Robert Kaltenbrunner und Peter Jakubowski, Volkswirt mit Expertise in der Stadtforschung, sind diesen Fragen nachgegangen. Sie geben Einblick in die Vielfältigkeit des Urbanen, konzentriert auf Alltag, bauliche Struktur und soziales Miteinander.

Der 364 Seiten lange Essay-Band gliedert sich in drei Hauptteile: „Was macht die Stadt heute aus?“, „Widersprüche des Alltags“ und „Zukunftsprospekte“, sowie weitere Unterpunkte, welche wiederum unterteilt sind. Stadtplanerische und soziokulturelle Untersuchungen verschaffen Leser*innen einen Überblick über den Ist-Zustand der Stadt. Dieser ist geprägt durch ein Mit- und Gegeneinander verschiedenster Formen von Architektur, Mobilität und Infrastruktur sowie Menschen unterschiedlichster Kulturen und ihren Bedürfnissen. Der Essay-Band hinterfragt diesen Ist-Zustand kritisch, befasst sich mit aktuellen Entwicklungen, Herausforderungen und möglichen Lösungsansätzen. Für die Autoren ist es unmöglich, die Zukunft des urbanen Lebens exakt vorherzusagen, doch die Stadt muss nicht neu erfunden werden. Kaltenbrunner und Jakubowski plädieren für Engagement und Eigeninitiative, um eine lebenswerte Zukunft zu gestalten.

Zwischen Statistiken und Zitaten

Die Autoren analysieren das facettenreiche Thema wissenschaftlich. Kombiniert mit philosophischen Überlegungen besprechen sie die verschiedenen Aspekte der Stadt und des Stadtlebens ausführlich und anschaulich. Ein vielschichtiger Einblick und eine kritische Herangehensweise stellen Abläufe und Veränderungen sowie Trends des Urbanen gut nachvollziehbar dar. Interessant ist auch, dass es am Ende die Leser*innen selbst sind, welche die Zukunft ihrer Stadt mit kleinen Schritten gestalten müssen. Der Schreibstil ist ein mühseliges Hin und Her zwischen Statistiken, Zitaten unterschiedlicher Schriftsteller*innen, kompliziertem Fachjargon, und fast schon poetischen Umschreibungen. Für viele Fachwörter und philosophische Gedanken gibt es kaum Erklärungen, und die Logik der Argumentation ist etwas undurchsichtig. Laien dürfte es daher ohne Fachwissen schwerfallen, dem ohnehin komplexen Inhalt problemlos zu folgen. Auch wenn der Inhalt an die Allgemeinheit gerichtet ist, einen Überblick über das Thema bietet und zum Nachdenken anregen soll, so verfehlen der komplizierte Aufbau und der schwer lesbare Schreibstil eben jenes Publikum.

Umfangreiches Verständnis für das städtische Leben

Stadtplaner*innen sollten die im Buch aufgezeigte Lösungsansätze weiterdenken, anpassen und in die Planung einbeziehen. Durch den kritisch betrachteten Ist-Zustand kommen auch interessierte Laien, die selbst etwas bewirken oder das Urbane, dessen Erscheinungsbild, Abläufe sowie Mentalität besser verstehen wollen, auf ihre Kosten. Hat man den Text erstmal erfasst, bietet er ein umfangreiches Verständnis für das städtische Leben und regt dazu an, über das Schicksal der eigenen Stadt nachzudenken, den Alltag im Hinblick auf die eigenen Bedürfnisse zu hinterfragen, und selbst aktiv zu werden.

Der Text entstand in der „wissenschaftlichen Schreibwerkstatt Landschaftsarchitektur“ am TUM-Lehrstuhl Landschaftsarchitektur und Transformation bei Prof. Udo Weilacher. Im Rahmen des Seminars wählen Student*innen Fachliteratur aus und erarbeiten gemeinsam individuelle Buchrezensionen.

Ebenfalls interessant: Ton Matton beschäftigt sich in seinem Buch „Zweifellos“ mit Stadtplanung.

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