11.07.2022

Gesellschaft

Zweifellos von Ton Matton – Buchrezension

von Julia Treichel
Zweifellos. Aktivistische Stadtplanung in 13 Briefen (Ton Matton)
Zweifellos. Aktivistische Stadtplanung in 13 Briefen (Ton Matton)(Cover: JOVIS Verlag GmbH)

Das Buch „Zweifellos. Aktivistische Stadtplanung in 13 Briefen“ ist eine Sammlung thematisch diverser Briefe von dem Stadtplaner und performativen Urbanist Ton Matton. In diesem geht er auf generelle Entwicklungen und eigene Erfahrungen bei Stadtplanungsprozessen ein. Was die beste Aussage des Buches ist und mit welchem Wissen man nach dem Lesen angeben kann, fasst Julia Treichel in ihrer Buchrezension zusammen.

Worum es in Zweifellos von Ton Matton geht:

In 13 Briefen reagiert Künstler und Urbanist Ton Matton auf generelle Entwicklungen und persönliche Erfahrungen rund um Stadtplanungsprozesse. Er beginnt die Sammlung mit einem Auszug aus seinem Bewerbungsschreiben für die Professur space&designSTRATEGIES an der Kunstuniversität Linz. Er endet mit einem Brief zu seinem Austritt. Dazwischen richtet er Post an Abgeordnete, persönliche Bekannte oder auch Angela Merkel. In seinen Briefen behandelt er Themen wie die Energiewende, Migration und Flucht, Identitäten, Natur und Ökosysteme oder Neoliberalismus und Demokratie gleichermaßen. In klugen Beobachtungen kommentiert er Geschehnisse. Und trägt Gestaltungsvorschläge für eine bessere Welt vor. Mit scharfer Zunge, jedoch stets selbstkritisch.

Was Ton Matton auszeichnet:

Prof. Ton Matton ist Stadtplaner und performativer Urbanist aus Rotterdam. An der Kunstuniversität Linz hatte er die Professur für Raum- und Designstrategien inne. Im mecklenburgischen Wendorf lebt und lehrt er ein neues Paradigma von Stadt und Land. Durch unkonventionelle Rauminterventionen erlangte er internationale Bekanntheit und ist als Redner in Architektur- und Stadtplanungsdebatten gefragt.

Das ist die beste Aussage:

„Demokratie heißt oder hieß nicht, dass die Mehrheit gewinnt, sondern eher, dass die Mehrheit sich auch um die Minderheit kümmert.“

Das ist eine Aussage, die zum Nachdenken anregt:

„Die Aufgabe einer Universität ist es nicht, auf jede Frage sofort eine Antwort zu finden, sondern die Frage zunächst einmal genauer zu durchdenken und auf langfristige Sicht zu präzisieren.“

Der Klappentext wird eher nicht erfüllt, weil:

…er mehr eine allgemeine Einstimmung zum Thema Klima Resilienz gibt und eher wenig Auskunft über den tatsächlichen inhaltlichen Aufbau des Buches als Orts- und Projektsammlung.

Mit diesem Wissen aus dem Buch kann man angeben:

Zum Beispiel, auf welch vielfältige Weise sich Globalisierung zeigt. Matton sprach in Mali mit einer Künstlerin, die ihren Schmuck unter dem Label „Lokales Handwerk“ verkauft, diesen aber aus geschmolzenen chinesischen Flipflops herstellt, weil es günstiger ist.

Mehr Trend als Klassiker, weil:

…es einen sehr persönlichen Blick Mattons auf seine Projekte und seine Wahrnehmung der Gesellschaft zeigt.

Haptik:

Das Buch kommt im DinA6-Format daher, klein und kompakt für unterwegs.

Design:

Das grell-orangene Cover zieht Blicke auf sich. Die Schrift im Inneren ist orange auf weiß gut lesbar, wobei die Texte den Leser*innen durch die Farbwahl geradezu alarmierend ansprechen.

Lesefluss:

Ton Matton gelingt es, seine Briefe gleichzeitig klug und provokant zu formulieren. So wird man über die kurzen Absätze rasch hinweggetragen.

Bildsprache:

Das Buch enthält keinerlei bildliche Darstellungen – diese werden jedoch nicht vermisst.

Information:

Die thematisch diversen Briefe halten zu unterschiedlichen Bereichen spannende Informationen und Schlagwörter bereit, die einen zum Nachdenken und Nachforschen anregen.

Was sonst noch wichtig wäre:

Das Buch ist eine Sammlung reflektierter, aber subjektiver Kommentare. Als Leser*in kann man in den kreativen Gedankenwelten versinken und entwickelt überdies einen starken Impuls, selbst aktiv zu werden.

Noch mehr spannenden Lesestoff bietet zum Beispiel Harald Kegels Buch über Resilienz. 

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