Leer, leerer, Freiimfelde: Das Gründerzeitviertel in Halle zählt zu den Orten mit der höchsten Leerstandsrate deutschlandweit. Das Stadtplanungsbüro Freiraumgalerie spielt mit dieser Leere und verwendet dabei ausgerechnet Graffiti. Es ist eine Kombination aus ästhetischer Kunst und Bürgerbeteiligung, die den Freiraum Straße neu erfindet und Freiimfelde in ein buntes und selbstbestimmtes Quartier verwandeln kann.

Leerstand Kreativ nutzen

Ein Gang durch die Landsberger Straße in Halle war bis vor einigen Jahren eher ungemütlich. Viele Häuser standen leer, kein Licht fiel abends durch die Fenster auf die Gehwege. Seit der Wende kämpft der Stadtteil Freiimfelde mit Verfall; den Schlachthof, der damals Arbeit und Bewegung in das Viertel brachte, gibt es nicht mehr. Nach Angaben des Bundesamtes für Statistik war die Landsberger Straße im Jahr 2010 jene mit dem höchsten Leerstand deutschlandweit. Das ist heute anders: Große, bunte Wandbilder zieren die Brandwände der Häuser, Street Art setzt Akzente an Schornsteinen und Fenstersimsen. Es tut sich was.

Dass hier etwas in Bewegung ist, sich etwas verändert, ist der Freiraumgalerie zuzuschreiben, einem Kollektiv für Raumentwicklung, 2012 gegründet. Einer der ersten Mitglieder im Kollektiv war der Stadtplaner Hendryk von Busse. In seiner Diplomarbeit verteidigte er die These, dass Graffiti, in leeren und schrumpfenden Städten positive Impulse setzen kann, um diese zu revitalisieren. Nach einigen Fallstudien stellte sich Freiimfelde als besonders geeignet dar, um, in seiner Rolle als vernachlässigter und von der Stadtregierung vergessener Stadtteil, als urbaner Spielplatz zu agieren. Der hohe Leerstand ging mit entsprechenden sozialen und städtebaulichen Problemen einher: hohe Arbeitslosigkeit, Kinderarmut, Kriminalität, fehlende Entwicklungsperspektiven. Eine verlorengeglaubte Großstadtinsel, deren Exotik nun durch die Freiraumgalerie ins Viertel getragen wird: „Mit unserem ersten Urban Art-Festival 2012 wollten wir aufzeigen, dass man diesen Leerstand nutzen könnte, um eine neue Stadtlebensqualität zu erzeugen“, so von Busse. Künstler und Bürger sollten diese ungenutzte Stadtsubstanz selbst bemalen.

Mehr als nur Farben an der Wand

Bei dem Projekt geht es um mehr als kunstvoll gestaltete Fassaden, denn die Malerei dient der Freiraumgalerie als kraftvolles Werkzeug in der Stadt- und Raumentwicklung. Was können bunte Malereien bewirken, außer ein ästhetischer Blickfang und Thema im Feuilleton zu sein? Die Antwort des halleschen Stadtplaners ist unprätentiös: „Kunst löst in erster Linie Aufmerksamkeit aus. Der einzige Effekt, den die Wandbilder erzielen, ist der, dass Leute hingehen, gucken, fotografieren.“ Das funktioniere aber gut, um Images zu kreieren, vor allem ein kreatives Image. Die Kunst sei also insofern zielführend, als dass sie eine planerische Perspektive ins Viertel trüge. „Durch das Anbringen von Farbe sind den Menschen weitere Möglichkeiten aufgefallen, ihr Umfeld mitzugestalten.“

Alle Bilder von der Freiraumgalerie

Den gesamten Artikel finden Sie in der Oktoberausgabe 2018 der Garten+Landschaft. 

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Was ist ein Attention-Mechanismus? – Fokus bei Sprachmodellen erklärt

Schreibtisch mit Tastatur, Apple Pencil, Maus und Handy mit weißem Bildschirm, Symbol für moderne Technologien und KI.
Wie KI relevante Informationen filtert und Sprache versteht. Foto von Jakub Zerdzicki auf Unsplash.

Maschinen mit Aufmerksamkeit? Klingt nach Science-Fiction, ist aber längst die Realität in der KI-Welt: Ohne Attention-Mechanismus wären moderne Sprachmodelle so blind wie ein Stadtplan ohne Straßen. Doch was hat es wirklich mit diesem „Fokus“ auf sich? Wie funktioniert das Prinzip der Aufmerksamkeit in neuronalen Netzen – und warum ist es für Sprachmodelle so revolutionär?

  • Einführung in die Grundidee des Attention-Mechanismus und seine Bedeutung für KI und Sprachmodelle
  • Erklärung, wie Attention neuronalen Netzen hilft, relevante Informationen im Datenstrom zu gewichten
  • Technische Funktionsweise von Attention, insbesondere im Kontext von Transformern
  • Vergleich zu klassischen Methoden ohne Attention und deren Limitationen
  • Praxisbeispiele: Wie Attention die Qualität von Übersetzungen, Textgenerierung und Sprachverständnis verbessert
  • Bedeutung von Attention für erklärbare KI und Transparenz in komplexen Systemen
  • Potenziale und Risiken: Von Bias bis Interpretierbarkeit
  • Einordnung, warum Attention-Mechanismen für die Zukunft von Stadtentwicklung, Planung und Architektur relevant sind

Worum geht es beim Attention-Mechanismus? – Die Revolution im Maschinenlernen

Der Begriff „Attention-Mechanismus“ klingt zunächst nach einer modischen Floskel aus der KI-Welt – dabei handelt es sich um eine der fundamentalsten Innovationen der letzten Jahre im Bereich des maschinellen Lernens. Aufmerksamkeit, wie wir sie aus der menschlichen Wahrnehmung kennen, ist die Fähigkeit, aus einem Überangebot an Reizen gezielt die relevanten herauszufiltern. Ob beim Überqueren einer belebten Kreuzung oder beim Lesen eines umfangreichen Berichts: Ohne selektive Fokussierung wären wir verloren. Genau diese Eigenschaft versucht der Attention-Mechanismus in künstlichen neuronalen Netzen zu imitieren.

Im Kern bedeutet Attention, dass ein Modell nicht alle Eingabedaten gleich behandelt, sondern bestimmten Teilen mehr „Aufmerksamkeit“ schenkt. In der Praxis heißt das: Ein Sprachmodell, das einen Text analysiert, kann erkennen, welche Wörter oder Satzteile für die aktuelle Aufgabe besonders relevant sind – und darauf seine Rechenleistung konzentrieren. Das klingt unspektakulär, ist aber ein Paradigmenwechsel. Denn herkömmliche neuronale Netze, wie etwa klassische LSTM- oder GRU-Modelle, verarbeiten Daten in fester Reihenfolge und haben Mühe, langfristige Abhängigkeiten zu erkennen. Attention hingegen springt flexibel durch den Datenstrom, wie ein aufmerksamer Leser durch einen komplexen Fachartikel.

Die Wurzeln der Idee finden sich in den 2010er Jahren, als Forscher erkannten, dass bei Übersetzungsaufgaben nicht jedes Wort im Ausgangstext gleich wichtig für die Übersetzung ist. Vielmehr variiert der Kontext: Manchmal ist ein entferntes Subjekt entscheidend, manchmal eine lokale Zeitangabe. Der Attention-Mechanismus wurde entwickelt, um genau dieses Problem zu lösen: Das Modell berechnet für jedes Element im Eingabetext eine Art Gewichtung, die angibt, wie viel Fokus es verdient. Das Resultat: Übersetzungen werden präziser, Texte kohärenter, Zusammenfassungen treffender.

Im weiteren Verlauf der KI-Entwicklung wurde Attention zu einem Grundbaustein moderner Architekturen, allen voran den sogenannten Transformern. Diese Modelle, zu denen auch GPT, BERT oder T5 zählen, verdanken ihre Leistungsfähigkeit und Flexibilität dem ausgefeilten Einsatz von Attention-Schichten. Die Modelle sind dadurch in der Lage, kontextuelle Beziehungen – etwa zwischen Anfang und Ende eines Satzes – zu erfassen, ohne aufwendig Informationen durch die gesamte Netzwerkstruktur schleifen zu müssen.

Der Erfolg der Attention-Mechanismen in der KI ist so durchschlagend, dass sie mittlerweile weit über den Sprachbereich hinaus eingesetzt werden: Von der Bildanalyse über die Musikverarbeitung bis hin zur Simulation urbaner Prozesse profitieren viele Disziplinen von der Fähigkeit, relevante Muster gezielt zu erkennen. Doch wie funktioniert das Prinzip technisch und warum ist es so mächtig?

Wie funktioniert Attention technisch? – Von Gewichten, Matrizen und Fokus

Um die technische Funktionsweise des Attention-Mechanismus zu verstehen, lohnt ein Blick unter die Haube moderner Sprachmodelle. Die zentrale Idee ist überraschend einfach – und doch tiefgründig: Jedes Element einer Eingabesequenz (zum Beispiel ein Wort im Satz) wird nicht mehr als statische Größe betrachtet, sondern in Relation zu allen anderen Elementen gewichtet. Das geschieht mithilfe von sogenannten Attention Scores, die angeben, wie stark ein Element auf ein anderes „achtet“.

Im Detail läuft das so ab: Zunächst wird jeder Token (also jedes Wort oder Satzzeichen) in einen mathematischen Vektor übersetzt. Dann berechnet das Modell für jedes Token drei spezielle Vektoren: Query, Key und Value. Diese Begriffe stammen aus der Informationstechnik und lassen sich sinngemäß als Anfrage, Schlüssel und Wert übersetzen. Der Query-Vektor fragt nach Informationen, der Key-Vektor gibt an, welche Informationen ein Token bereitstellt, und der Value-Vektor enthält den eigentlichen Inhalt.

Die Magie geschieht nun durch die Berechnung der sogenannten Dot-Product-Attention. Dabei werden für jeden Query alle Keys der übrigen Tokens betrachtet, um zu bestimmen, wie stark die Beziehung ist. Das Ergebnis ist eine Matrix von Scores, die mit einer Softmax-Funktion normalisiert wird. So entstehen für jedes Token individuelle Gewichtungen, die bestimmen, wie viel Aufmerksamkeit auf die anderen Tokens verteilt wird. Anschließend werden die Value-Vektoren mit diesen Gewichten verrechnet – und heraus kommt eine Art „angereicherte“ Repräsentation jedes Tokens, die den gesamten Kontext mit einbezieht.

Ein besonderes Highlight ist das Konzept der Multi-Head Attention. Hierbei werden mehrere Attention-Mechanismen parallel eingesetzt, die jeweils unterschiedliche Beziehungen und Muster erkennen. Eine Attention-„Kopf“ könnte zum Beispiel nach grammatischen Strukturen suchen, während ein anderer semantische Zusammenhänge analysiert. Das Ergebnis wird am Ende zusammengeführt, was die Kontextualisierung noch präziser macht.

Der Clou: Durch diese Architektur können Sprachmodelle auf einen Blick – oder besser gesagt: in einem Rechenschritt – alle relevanten Beziehungen in einem Text erfassen. Das ist nicht nur effizienter als frühere Ansätze, sondern auch skalierbar. Mit mehr Daten und mehr Rechenleistung wächst die Leistungsfähigkeit der Modelle beinahe exponentiell. Kein Wunder, dass Transformer-Modelle mit Attention heute die Königsklasse der KI darstellen.

Warum ist Attention so ein Gamechanger für Sprachmodelle?

Die Einführung von Attention-Mechanismen hat die Entwicklung von Sprachmodellen auf den Kopf gestellt. Früher waren neuronale Netze zwar in der Lage, Texte zu verarbeiten, doch sie hatten erhebliche Schwächen: Sie vergaßen schnell, was am Anfang eines langen Satzes stand, und konnten komplexe Zusammenhänge kaum abbilden. Das führte zu holprigen Übersetzungen, inkohärenten Texten und begrenztem Verständnis für Kontext.

Mit Attention wurde das anders. Modelle wie BERT, GPT oder T5 können nun nicht nur einzelne Wörter oder lokale Phrasen betrachten, sondern den gesamten Kontext eines Textes in die Berechnung einbeziehen. Das heißt: Ein Wort am Satzanfang hat genauso viel Einfluss auf das Ergebnis wie eines am Satzende – wenn es relevant ist. Diese Fähigkeit, auf beliebige Teile eines Textes zu „springen“ und dort gezielt Informationen zu extrahieren, macht moderne Sprachmodelle so leistungsfähig.

Ein weiteres großes Plus: Attention-Mechanismen sind interpretiertbar. Das bedeutet, dass Fachleute nachvollziehen können, warum ein Modell eine bestimmte Entscheidung getroffen hat – zumindest in gewissem Maße. Die Attention Scores zeigen an, welche Wörter oder Satzteile das Modell als besonders wichtig erachtet hat. Das ist ein Quantensprung in Sachen Transparenz, denn bisher galten neuronale Netze oft als „Black Boxes“, deren innere Logik niemand verstand.

In der Praxis zeigt sich die Wirkung von Attention überall dort, wo komplexe Sprachaufgaben gelöst werden müssen. Bei Übersetzungen sorgt der Mechanismus dafür, dass die Wortstellung korrekt bleibt und Bedeutungsnuancen erhalten bleiben. In der Textzusammenfassung werden die wichtigsten Informationen extrahiert, ohne dass Details verloren gehen. Und bei der Beantwortung von Fragen kann das Modell gezielt nach relevanten Passagen suchen, anstatt den gesamten Text zu durchsuchen.

Der Erfolg der Attention-Mechanismen ist so umfassend, dass sie heute als Standard gelten. Kein modernes Sprachmodell kommt mehr ohne sie aus. Die Fähigkeit, flexibel zu fokussieren und relevante Informationen zu extrahieren, ist inzwischen das Herzstück jeder fortschrittlichen KI-Anwendung. Doch Attention ist nicht nur ein technischer Trick – sondern ein neues Paradigma des maschinellen Lernens.

Von der Black Box zum Leuchtturm: Attention, Transparenz und Herausforderungen

Mit der Verbreitung von Attention-Mechanismen stellt sich unweigerlich die Frage nach deren Auswirkungen auf Transparenz, Kontrolle und Fairness von KI-Systemen. Einerseits bieten die Attention Scores einen Einblick in die Funktionsweise der Modelle: Sie zeigen, welche Teile eines Textes das Modell als wichtig erachtet und wie es zu seinen Schlüssen kommt. Das ist insbesondere für Fachleute aus Recht, Verwaltung und Stadtplanung ein enormer Vorteil. Denn wer Entscheidungen nachvollziehen kann, kann sie auch besser steuern, kontrollieren und erklären.

Doch die Medaille hat eine Kehrseite. Attention-Scores sind zwar hilfreich, aber keine Garantie für vollständige Interpretierbarkeit. Sie zeigen lediglich, worauf das Modell „achtet“ – nicht aber, warum es dies tut. Zudem können Attention-Mechanismen durch Trainingsdaten beeinflusst werden und bestimmte Muster verstärken, die nicht immer sinnvoll oder fair sind. Das Risiko von Bias, also unbeabsichtigten Verzerrungen in den Ergebnissen, bleibt bestehen.

Ein weiteres Problem ist die Komplexität der Modelle. Je größer und leistungsfähiger ein Sprachmodell wird, desto undurchschaubarer wird seine innere Logik. Zwar lassen sich Attention-Scores visualisieren und auswerten, doch bei Hunderten oder Tausenden von Attention-Heads verliert selbst der erfahrenste Fachmann schnell den Überblick. Es braucht also neue Methoden und Werkzeuge, um die Transparenz großer KI-Systeme zu gewährleisten.

Trotz dieser Herausforderungen ist Attention ein wichtiger Schritt hin zu erklärbarer KI. Die Möglichkeit, den Fokus des Modells nachzuvollziehen, hat die Akzeptanz und das Vertrauen in maschinelles Lernen deutlich erhöht. Insbesondere in sensiblen Bereichen wie Justiz, Medizin oder Stadtentwicklung ist das ein entscheidender Vorteil. Denn hier geht es nicht nur um technische Exzellenz, sondern auch um gesellschaftliche Verantwortung.

Für Praktiker bedeutet das: Wer KI-Systeme in Planung, Verwaltung oder Architektur einsetzt, sollte die Funktionsweise von Attention verstehen – und die damit verbundenen Chancen und Risiken abwägen. Nur so lässt sich sicherstellen, dass Technologie nicht zum Selbstzweck wird, sondern echten Mehrwert für Menschen und Städte schafft.

Attention und Stadtentwicklung – Was Sprachmodelle mit urbaner Planung zu tun haben

Vielleicht fragen sich Planer, Architekten und Stadtentwickler jetzt: Was hat das alles mit meiner Arbeit zu tun? Die Antwort: Eine ganze Menge. Denn Attention-Mechanismen sind nicht nur in Sprachmodellen zu finden, sondern überall dort, wo komplexe Zusammenhänge erfasst und relevante Informationen herausgefiltert werden müssen. In der Stadtplanung etwa sind es genau solche Mechanismen, die im Hintergrund von Simulationsmodellen und Entscheidungsunterstützungssystemen laufen.

Stellen wir uns einen Digital Twin einer Stadt vor, der auf Echtzeitdaten aus Verkehr, Klima, Energieverbrauch und Bürgerbeteiligung zugreift. Auch hier muss das System ständig entscheiden, welche Daten gerade relevant sind und wie sie zu gewichten sind. Attention-Mechanismen ermöglichen es solchen Modellen, aus dem Datenrauschen gezielt Muster zu extrahieren, die für eine bestimmte Planungsfrage ausschlaggebend sind. So können zum Beispiel bei der Simulation einer neuen Straßenführung nicht nur aktuelle Verkehrsströme, sondern auch historische Daten, Wetterprognosen und städtebauliche Besonderheiten in die Analyse einfließen.

Auch in der Beteiligung von Bürgern an Planungsprozessen spielt Attention eine Rolle. Moderne KI-gestützte Tools können aus einer Vielzahl von Kommentaren, Vorschlägen und Einwänden jene herausfiltern, die für den weiteren Prozess besonders relevant sind. Das spart nicht nur Zeit, sondern erhöht auch die Qualität der Entscheidungsgrundlagen. Die Kunst besteht darin, die Aufmerksamkeit des Systems auf die wirklich wichtigen Aspekte zu lenken – ganz wie bei Sprachmodellen.

Darüber hinaus eröffnen Attention-Mechanismen neue Möglichkeiten für die Entwicklung intelligenter, adaptiver Stadtmodelle. Sie können helfen, in großen Datenmengen frühzeitig Trends und Risiken zu erkennen, etwa bei der Klimaanpassung, der Verkehrssteuerung oder der Ressourcenplanung. Wer die Prinzipien von Attention versteht, kann solche Systeme gezielt einsetzen – und ihre Ergebnisse kritisch hinterfragen.

Fazit: Attention ist weit mehr als ein technischer Kniff für Computerlinguisten. Es ist ein Fundament für alle, die im Zeitalter der datengetriebenen Stadtentwicklung bestehen wollen. Denn nur wer die Aufmerksamkeit seiner Werkzeuge kontrolliert, behält auch die Kontrolle über die Stadt von morgen.

Fazit: Ohne Aufmerksamkeit läuft nichts – weder bei Menschen noch bei Maschinen

Der Attention-Mechanismus hat die Welt der künstlichen Intelligenz revolutioniert – und ist aus modernen Sprachmodellen nicht mehr wegzudenken. Seine Fähigkeit, flexibel auf relevante Informationen zu fokussieren, hat nicht nur die Qualität von Übersetzungen, Textgenerierung und Sprachverständnis dramatisch verbessert, sondern auch den Weg für neue Anwendungen in der Stadtplanung, Architektur und Verwaltung geebnet. Attention steht für ein neues Paradigma im maschinellen Lernen: Es geht nicht mehr nur um rohe Rechenkraft, sondern um gezielten, kontextsensitiven Fokus, der echte Mehrwerte schafft.

Gleichzeitig wirft Attention Fragen auf: nach Transparenz, Fairness und Kontrolle. Wer KI-Systeme in sensiblen Bereichen einsetzt, muss die Logik der Aufmerksamkeit verstehen – und bereit sein, sie kritisch zu hinterfragen. Nur so lässt sich verhindern, dass Technologie zum undurchsichtigen Orakel wird, dessen Entscheidungen niemand mehr nachvollziehen kann.

Für die Stadtentwicklung der Zukunft ist das Prinzip der Aufmerksamkeit ein Schlüssel: Es ermöglicht, aus der Datenflut gezielt die relevanten Informationen herauszufiltern und in intelligente, nachhaltige Entscheidungen zu überführen. Wer die Mechanismen dahinter kennt, bleibt handlungsfähig – und gestaltet die digitale Transformation aktiv mit. Denn eines ist sicher: Ob Mensch oder Maschine, ohne Aufmerksamkeit bleibt das Wesentliche unsichtbar.

Battersea Power Station: Die Landschaftsarchitektur

Foto: Peter Landers

Auf rund 42 Hektar entsteht in London gerade ein neues Quartier. Im Zentrum: die Battersea Power Station. Der denkmalgeschützte Bau, dessen neues Konzept die Architekten*innen von WilkinsonEyre entworfen haben, ist seit Oktober 2022 erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich. Für die Grünflächen des Projekts ist das Landschaftsarchitekturbüro LDA Design verantwortlich.

Foto: Jason Hawkes
Foto: Jason Hawkes

Die Battersea Power Station

Seit Oktober 2022 besitzt London eine neue Attraktion: Das frühere Kraftwerk Battersea Power Station, ein ikonisches Bauwerk, ist nun öffentlich zugänglich. Über das letzte Jahrzehnt wurde das riesige Gebäude, das unter Denkmalschutz steht, aufwändig saniert und renoviert. Nun stellt es eine lebhafte Nachbarschaft mit gemischter Nutzung dar. Im Kraftwerk selbst gibt es sowohl Wohnraum als auch ein Einkaufszentrum mit vielen gehobenen Marken, einem Kino und weiteren Aktivitäten. Einer der vier Schornsteine lässt sich per Aufzug erklimmen und von oben ist ein schöner Blick auf London garantiert.

© Studios Ltd
© Studios Ltd

Sowohl Anwohner*innen als auch Tourist*innen und Londoner*innen sind hier herzlich willkommen. Zahlreiche Läden, aber auch Bars, Restaurants, Entertainment-Angebote, Parks und historische Sehenswürdigkeiten führen zu großer Vielfalt. Auf einer Fläche von insgesamt etwa 42 Hektar befindet sich die Kombination aus Kraftwerk, umgebenden Gebäuden von Namen wie Norman Foster, und viel öffentlicher Raum.

Die Stadtreparatur rund um Battersea hat insgesamt 9 Milliarden Pfund gekostet. Das Ergebnis ist ein visionärer neuer Stadtteil direkt am Ufer der Themse. Über 4 000 Wohnungen, Büros, Restaurants und Kultur- und Freizeiteinrichtungen sollen hier in den nächsten Jahren zu finden sein. Mit einer neuen U-Bahn-Station wurde die Battersea Power Station bereits an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden. Sie ist nun Teil der Northern Line.

© Peter Landers
© Peter Landers

Grünflächen der Battersea Power Station

Die Architekt*innen von WilkinsonEyre arbeiteten eng mit der Battersea Power Station Development Company zusammen. Dahinter stehen Investor*innen aus Malaysia. Das gesamte Projekt eröffnete am 14. Oktober 2022. Von den acht geplanten Phasen, zu denen jeweils neue Grünflächen gehören, sind bereits drei Phasen komplett:

  • die „Brown Roofs“ / Circus West Village (Phase I, eröffnet)
  • der öffentliche Park und die privaten Dachgärten der Bewohner*innen / Battersea Power Station (Phase II, eröffnet)
  • weitere Wohnmöglichkeiten und Dachgärten / Battersea Roof Gardens & Prospect Place (Phase III)

Weitere fünf Phasen stehen noch aus. Dazu gehört insbesondere mehr Wohnraum, denn von den 4 239 geplanten Einheiten sind derzeit (November 2022) erst 1 600 fertig. Vollbepflanzte Gärten auf den Dächern und um das Kraftwerk herum zeigen, dass auch die Außenanlagen rund um das Kraftwerk neu gedacht sind.

Die Landschaftsarchitekt*innen von LDA Design renaturierten unter anderem das frühere Kohlelager vor dem Kraftwerk. Auch die Fläche, die früher für Gleisanschlüsse diente, ist heute ein Park. Materialien wie Holz, Stahl und schwarz gesprenkelter Beton, der an Kohle erinnert, weisen auf die industrielle Vergangenheit der Power Station hin.

Übrigens lesen Sie mehr über die Architektur bei unseren Kolleg*innen von Baumeister: Battersea Power Station.

Mehr als ein Gebäude

Laut Ben Walker, Direktor und Leiter des Londoner Studios von LDA, ist Battersea Power Station zum ersten Mal in seiner Geschichte mehr als nur ein Gebäude. Stattdessen ist es ein „einladender, gut vernetzter Ort“. LDA Design wurde vor über zehn Jahren eingeladen, das Megaprojekt zu unterstützen. Damals war das Kraftwerk eine Ruine inmitten einer 17 Hektar großen Brachfläche. Die Herausforderung bestand darin, einen Ort für Menschen und für die Natur zu schaffen. Außerdem sollte sich der neue Stadtteil in die umliegende Nachbarschaft einfügen.

Mit der Landschaftsarchitektur will LDA Design den Gemeinschaftssinn des Viertels unterstützen. Gleichzeitig sollte die Gestaltung den fast monumentalen Standard der Battersea Power Station abmildern. Die wichtigsten Grundsätze für die Landschaftsarchitektur waren Wohlbefinden, Nachhaltigkeit, Integration, kulturelles Erbe und Biodiversität. Um dies zu erreichen, war es besonders wichtig, dass die Menschen das Potenzial der Umgebung frühzeitig erleben können. Ein Pop-up-Park lud bereits 2013 dazu ein, sich der Battersea Power Station zu nähern. Die Landschaftsarchitekten von LDA testeten dabei Faktoren wie Aussichtspunkte, Aktivitäten und einen Streichelzoo.

© Peter Landers
© Peter Landers

Fast die Hälfte von Battersea Power Station ist öffentlicher Raum. Dieser ist sehr gut erschlossen. Die vielen Millionen Gäste, die jedes Jahr erwartet werden, sollen sich hier zurückziehen und entspannen können. Dies ist im Power Station Park direkt an der Themse, am Malaysia Square, aber auch in ruhigeren Gärten und auf den Dächern möglich. Besonders schöne Ausblicke auf das Gebäude gibt es von den großen Wiesen. Hier können sich die Besuchenden ins Gras legen oder auf einem der beweglichen Stühle ausruhen.

© Peter Lander
© Peter Lander

Ökologische Vielfalt

Mehr als ein Hektar der Grünflächen rund um die Battersea Power Station ist mit einer artenreichen Bepflanzung versehen, die für Bestäuber und Wildtiere attraktiv ist. Weitere Flächen sollen folgen. Stauden, Blumen und Bäume sorgen für Struktur und Farbe sowie für ein saisonal wechselndes Interesse. Der Schwerpunkt liegt auf der Klimabeständigkeit der Umwelt.

Präriegräser tragen dazu bei, den menschlichen Maßstab zu betonen. Es gibt mindestens 95 verschiedene Vogelarten, darunter Hausrotschwänze, Stieglitze und Bachstelzen. Ein Wanderfalkenpaar nistet im nordöstlichen Schornstein der Battersea Power Station.

Schon jetzt lohnt sich ein Besuch der Battersea Power Station, wenn man in London ist. Und in den nächsten Jahren werden hier sicher noch viele weitere attraktive Grünflächen entstehen. Ein spannendes Beispiel für einen neuen Stadtteil!

Vom neuen Quartier in Großbritanniens Hauptstadt zu einem neuen Quartier in unserer Hauptstadt: Stadtteil Pankower Tor in Berlin.