Enzo Enea und Tadao Ando: Campus und Tower Düsseldorf

Nord-Ost Ansicht Tadao Ando Campus and Tower: Die erhöhte und stark begrünte Fassade entlang der Grashofstrasse dient als Emissionschutz und leistet Ihren Beitrag zu Düsseldorfs Klimaneutralitätszielen. Bildquelle: © HENN, EuroAtlantic
Nord-Ost Ansicht Tadao Ando Campus and Tower: Die erhöhte und stark begrünte Fassade entlang der Grashofstrasse dient als Emissionschutz und leistet Ihren Beitrag zu Düsseldorfs Klimaneutralitätszielen. Bildquelle: © HENN, EuroAtlantic

In Düsseldorf entsteht der Tadao Ando Campus und Tower. Als zukünftiges Wahrzeichen der Stadt soll die Architektur eine Symbiose aus Hightech und Natur sein. Und für Letzteres zeichnet sich Landschaftsdesigner Enzo Enea verantwortlich. Er entwirft dafür Dachgärten und einen Park. Außerdem geplant sind ein Hotel, Flächen für Künstlerateliers und Ausstellungsflächen, gastronomische Einrichtungen, ein Sport und Gesundheitszentrum, eine Kita sowie Einzelhandel.

Die Landschaftsarchitektur am neuen Düsseldorfer Hightech-Tower

Der neue Tadao Ando Campus und Tower in Düsseldorf vom Pritzker-Architekturpreisträger Tadao Ando soll laut Planung 2025 eröffnen. Hier verewigt sich auch der Schweizer Landschaftsdesigner Enzo Enea: Gemeinsam mit Tadao Ando hat er an der Symbiose aus Hightech und Natur gearbeitet. Die beiden Architekten haben bereits in China gemeinsam eine Parkanlage entworfen. In Düsseldorf soll nun eine Kombination aus künstlicher Intelligenz, Natur und CO2-neutralen Gebäuden entstehen.

Der Tadao Ando Campus und Tower wird aus einem Hotel der Hyatt-Gruppe, Büros und viel Raum für Gastronomie, Einzelhandel und Kunst entstehen. Enzo Enea ist für die Dachgärten und den umgebenden Park verantwortlich. Das Gebäude soll das Eingangstor der Stadt im Düsseldorfer Norden bilden und neben etablierten Unternehmen auch Start-Ups fördern, wobei die Grünplanung integriert ist. Die begehbare, grüne Dachfläche soll den Campus zu einem attraktiven neuen Aufenthaltsort machen auch für Nachbarn und Besucher machen.

Für den 105 Meter hohen Turm, das Herzstück des Projektes, ist eine Kombination aus Holz und Holz-Hybrid-Struktur geplant. Der Tower mitsamt Campus wird etwa 12 000 Quadratmeter Fläche umfassen und Büros, Konferenz- und Gastronomieflächen enthalten. Die Fassade wird einen ausdrucksstarken Charakter haben. Durch den begrünten Innenhof und die großzügigen Geschosse planen die Architekten eine hohe Aufenthaltsqualität. Der 105 Meter hohe Turm ist das Herzstück des Projektes. Auf dem Campus wird der Bauherr EuroAtlantic Kitas, Schulen, Einzelhandel, Kunst- und Büroflächen bauen.

Tadao Ando Campus and Tower bei Nacht. Komplementär zum Stadttor im Düsseldorfer Süden in Nachbarschaft zum Düsseldorfer Fernsehturm soll der Tadao Ando Campus and Tower dem stark frequentierten Stadteingang im Düsseldorfer Norden mit der Architektur des Pritzker-Preisträgers ein neues, eindrucksvolles Gesicht geben. Bildquelle: © HENN, EuroAtlantic
Tadao Ando Campus and Tower bei Nacht. Komplementär zum Stadttor im Düsseldorfer Süden in Nachbarschaft zum Düsseldorfer Fernsehturm soll der Tadao Ando Campus and Tower dem stark frequentierten Stadteingang im Düsseldorfer Norden mit der Architektur des Pritzker-Preisträgers ein neues, eindrucksvolles Gesicht geben. Bildquelle: © HENN, EuroAtlantic

Eine grüne Oase in der Stadt

Laut Tadao Ando soll der Bau für Düsseldorf die Natur nicht spiegeln, sondern „zeigen, dass der Mensch in der Stadt mit der Natur leben kann. Mein Bau soll eine grüne Oase werden, in der die Menschen zur Ruhe kommen. Meine Architektur soll beruhigen.“ Ursprünglich war ein klassischer Garten im französischen Stil geplant. Diese formale Gestaltung von Tadao Ando lehnte Enzo Enea jedoch ab und überzeugte mit seinem Gegenvorschlag der grünen Oase.

Struktur des Ando Campus Düsseldorf

Insgesamt wird das Projekt eine Fläche von etwa 100 000 Quadratmeter in Düsseldorf besetzen. Die geplante lichte Raumhöhe liegt bei 3 bis 5 Metern. Mehrere gastronomische Angebote, eine Markthalle sowie intelligente Gebäudesteuerung sollen die Aufenthaltsqualität maximieren. Der Hauptbahnhof der Stadt wird in 8 Minuten erreicht und der Flughafen in nur 6 Minuten.

Ab dem 7. Obergeschoss können Besuchende die weitreichenden Dachgärten auf den tieferliegenden Gebäudeteilen des Campus betreten. Sie bieten weitreichende Blicke in Richtung Düsseldorf und Umgebung. Und im Erdgeschoss lässt sich das Gebäude durchqueren, um den Innenhof mit Aufenthaltsmöglichkeiten und Grünflächen zu erreichen. Der verkehrsberuhigte, öffentliche Stadtplatz West ist das Drehkreuz des Campus und ist mit einem Garten verbunden. Dieser führt zu Markthalle, Supermarkt, Kita und Einzelhandelsflächen.

Übrigens: Bis zur Fertigstellung des Ando Campus in Düsseldorf stellt die EuroAtlantic GmbH unter dem Namen „Ando Future Studios“ Bestandsgebäude und 5 000 Quadratmeter Fläche für die kulturelle Zwischennutzung zur Verfügung in der Künstler*innen, Startups sowie zwei ukrainische Hilfsorganisationen gefördert werden.

Kunst am Bau: „Not all who wander are lost“ von Julian Charrière, dessen Werk bis zum 6. August 2023 in einer umfassenden Einzelausstellung in der Langen Foundation (ebenfalls von Tadao Ando gebaut) zu sehen ist. Die für den Tadao Ando Campus and Tower entwickelte Installation ist Teil eines projektübergreifenden ortsspezifischen Kunst Konzeptes, kuratiert von Anna Deilmann. Bildquelle: © HENN, EuroAtlantic
Kunst am Bau: „Not all who wander are lost“ von Julian Charrière, dessen Werk bis zum 6. August 2023 in einer umfassenden Einzelausstellung in der Langen Foundation (ebenfalls von Tadao Ando gebaut) zu sehen ist. Die für den Tadao Ando Campus and Tower entwickelte Installation ist Teil eines projektübergreifenden ortsspezifischen Kunst Konzeptes, kuratiert von Anna Deilmann. Bildquelle: © HENN, EuroAtlantic

Parkartige Dachgärten

Enzo Enea, ein Schweizer Gartenarchitekt mit italienischen Wurzeln, ist weltweit für seine Arbeit mit Bäumen bekannt. Nun hat er in Düsseldorf die Aufgabe, das bisher von Verkehr umgebene Areal des Tadao Ando Campus und Tower in eine grüne Insel zu verwandeln. Dabei wird er vermutlich für jeden überbauten Quadratmeter einen Quadratmeter Dachgarten einsetzen. Die Renderings zeigen, dass die Bauten jeweils die Basis für Bäume, duftende Sträucher und sogar einen Gemüsegarten darstellen.

In der unmittelbaren Gebäudeumgebung wird es lange Eiben-Reihen geben, die dadurch eine Art Sauerstoffgürtel darstellen. Die beiden riegelförmigen Neubauten haben nach Höhe gestaffelte Dachgärten mit hoher Aufenthaltsqualität. Jeder Garten hat dabei etwas Besonderes vorzuweisen, von Hecken und Wäldern über Seerosenbecken, Kräuterbeete und Gemüsegärten.

Selbst das Dach des 105 Meter hohen Tower soll begrünt werden, wobei auch noch eine gastronomische Nutzung hinzukommen soll. Bei der Begrünung setzt Enzo Enea auf heimische Pflanzen sowie auf klimafeste Arten. Denn die Begrünung muss sowohl geänderte klimatische Bedingungen als auch die windige Höhenluft gut ertragen. Über 275 Bäume sollen gepflanzt werden. Dazu gehören immergrüne Pinien, Magnolien, Linden und Eichen. So soll es gelingen, den ersten CO2-neutralen Bürokomplex der Welt zu kreieren.

Innenhofansicht Tadao Ando Campus Düsseldorf mit Kunst am Bau Kunstwerk „Pars Pro Toto“ von Alicja Kwade. Die Installation war 2017 bereits auf der Venedig Biennale ausgestellt. Für den Tadao Ando Campus and Tower wird die Künstlerin eine ortsspezifische Arbeit entwerfen, welche Teil des von Anna Deilmann kuratierten projektübergreifenden Kunst-Konzeptes ist. Bildquelle: © HENN, EuroAtlantic
Innenhofansicht Tadao Ando Campus Düsseldorf mit Kunst am Bau Kunstwerk „Pars Pro Toto“ von Alicja Kwade. Die Installation war 2017 bereits auf der Venedig Biennale ausgestellt. Für den Tadao Ando Campus and Tower wird die Künstlerin eine ortsspezifische Arbeit entwerfen, welche Teil des von Anna Deilmann kuratierten projektübergreifenden Kunst-Konzeptes ist. Bildquelle: © HENN, EuroAtlantic

Neues Leben für das Mörsenbroicher Ei

Der geplante Tadao Ando Campus und Tower hat eine optimale Anbindung. Die S-Bahn hält direkt vor dem geplanten Komplex. Außerdem verlaufen hier zwei Bundesstraßen und weitere Verkehrsadern. Dies führt jedoch auch zu viel Verkehr am sogenannten Mörsenbroicher Ei. Selbst an den Wochenenden sind Staumeldungen üblich. Das neue Verkehrskonzept der Stadt mit einer Fahrradstraße, die auch den Tadao Ando Campus anschließen soll, ist in Planung. Bisher wird das Areal für den neuen Campus als Parkplatz genutzt und stellt eine eher unwirtliche Brache dar. Die beiden Stararchitekten sollen mit ihrem Werk dafür sorgen, dass Düsseldorf schon am Stadteingang einen lebenswerten Eindruck macht. Das luftige Glasprisma des Ando Towers soll zudem Durchlässigkeit symbolisieren.

Nicht nur die hier künftig lebenden und arbeitenden Menschen sollen den Tadao Ando Campus und Tower nutzen, sondern auch andere Düsseldorfer*innen. Außerdem plant Enzo Enea Korridore für Bienen, Schmetterlinge und Vögel. Zwischen den vielbefahrenen Trassen des Mörsenbroicher Eis sollen sie den Weg zu den wertvollen Dachgärten finden und dort für Biodiversität sorgen.

Neben dem Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit zeichnet sich das Projekt auch durch seine diversifizierte Nutzung sowie das hohe Maß an Lebensqualität aus. Die bereits laufende kulturelle Zwischennutzung und das ausführliche Kunst am Bau Konzept unterstützen außerdem die kulturellen Angebote in Düsseldorf.

Weiterlesen: Auch das Metro-Großmarkt-Gelände in Düsseldorf wird derzeit umgestaltet und zu einem Campus gemacht.

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News aus der Planung – G+L 04/22

Wir fassen für Sie die News des Monats aus der Planung zusammen.

Wir fassen für Sie die News des Monats aus der Planung zusammen. (Foto: Roman Kraft via Unsplash)

IPCC und UNEP über das Klima

Jeder Anfang ist auch ein Ende: Zu Beginn eines jeden Monats fassen wir für Sie die wichtigsten Planungsnews des vergangenen Monats zusammen. Hier finden Sie aktuelle Diskussionen, News, Projekte sowie Brancheninfos des Märzes 2022. Ein Rückblick.

„Während wir in der G+L Redaktion eine Heftreihe zur Stadtmobilität machen, herrscht zwei Flugstunden von Deutschland entfernt in der Ukraine Krieg“, mit diesen Worten begann Chefredakteurin Theresa Ramisch das Editorial der G+L-Aprilausgabe. „Fühlt sich das gut an? Nein. Gleichzeitig sind wir stolz, Teil einer Profession zu sein, die in schweren Zeiten über Ländergrenzen hinweg füreinander einsteht“, führt Theresa Ramisch fort. Damit meint sie: zahlreiche internationale Planungsbüros sowie insgesamt 6 500 russische Planer*innen, die sich gegen den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg positionierten. Unter ihnen waren BIG, David Chipperfield Architects, Foster + Partners, gmp, Herzog und de Meuron, MVRDV, OMA, Snøhetta sowie Zaha Hadid Architects. Hier geben wir eine Übersicht.

Ende Februar / Anfang März veröffentlichte der IPCC seinen neuen Bericht. Die Message: Uns läuft die Zeit davon. Hier haben wir Ihnen die Inhalte gut übersichtlich zusammengefasst und erste Reaktionen gesammelt.Außerdem warnte der neue UN-Bericht des UN-Umweltprogramms UNEP vor Waldbrandgefahr: Demnach sollen diese bis zum Ende des Jahrhunderts um 50 Prozent zunehmen. Mit dem Klimawandel wird nicht nur die Gefahr vor Waldbrand größer, auch von Sturzfluten wie in Australien Anfang März werden mehr und mehr Menschen betroffen sein.

Auf die Herausforderungen des Klimawandels müssen Antworten geliefert werden. Der Deutsche Landschaftsarchitektur-Preis vergab deswegen 2021 auch eine Anerkennung in der Kategorie „Klimaanpassung“. Die Auszeichnung erhielt die Stadt Heilbronn. Sie und weitere Preisträger*innen wie das erstplatzierte Büro Lohaus ∙ Carl ∙ Köhlmos sind am 13. Mai zur Verleihung nach Berlin eingeladen. Aufgrund der Corona-Pandemie fand die Verleihung nicht wie geplant 2021 statt. Mehr über die Verleihung und die Preisträger*innen finden Sie hier.

Zu Größen der Landschaftsarchitektur: Ende Februar nahm die internationale Profession Abschied von Anuradha Mathur, der Architektin, Landschaftsarchitektin sowie Professorin für Landschaftsarchitektur an der Univserity of Pennsylvania. Ein Nachruf.

Wettbewerbs-News in München

Im  März gewannen zahlreiche Landschaftsarchitekturbüros Wettbewerbe und Preise. Vogt Landschaftsarchitekten mit OMA und Latz + Partner mit 3XN sind in der engeren Auswahl: Sie erarbeiten beide einen Masterplan für BMW. Der Plan zeigt zukünftige Entwicklungen auf dem fast 100 Jahre alten Fabrikgelände des Unternehmens in München.

News: Gewinner*innen in Bonn und Dortmund

 

Übrigens München: Atelier LOIDL und Chipperfield gewannen mit ihrem Entwurf für den Abschnitt zwischen Hauptbahnhof und Stachus in der bayerischen Landeshauptstadt. Die aktuelle Situation ähnelt jedoch einem Baustellen-Schlachtfest. In Zukunft soll dort ein „gläserner Erlebnistempel“ entstehen. Mehr dazu hier.

wbp überzeugen die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Auf einem bundeseigenen Grundstück im Bonner Stadtteil Castell möchte die BImA ein Quartier mit 110 neuen Wohneinheiten sowie einer Kindertagesstätte errichten. Im Wettbewerbsverfahren überzeugten nun wbp Landschaftsarchitekten mit hartlockstädtebau. Mehr dazu hier.

Sowatorini Landschaft gewinnt in Dortmund: Im Dezember 2021 prämierte die Stadt Dortmund das Bochumer Büro für seinen Entwurf zur Umgestaltung von Sonnenplatz sowie Möllerbrücke. Bis zum 11.2. waren die Entwürfe vor Ort öffentlich einsehbar. Für alle, die die Ausstellung verpasst haben, hier alles zu dem Gewinnerentwurf.

Ausblick …

In sieben Jahren findet die Bundesgartenschau Welterbe Oberes Mittelrheintal statt. Nun haben vier Hochschulen der Region Mittelrhein einen Kooperationsvertrag für die Bundesgartenschau 2029 unterzeichnet. Wieso, warum, weshalb – das lesen Sie hier.

Multimodale Mobilitätsprofile für integrierte Bauleitplanung

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Bunte Fassaden am Innufer mit den Alpen im Hintergrund – fotografiert von Wolfgang Weiser.

Multimodale Mobilitätsprofile sind der Schlüssel zur zukunftsfähigen Stadtplanung – und das nicht nur auf dem Papier. Wer heute Bauleitplanung betreibt, muss die komplexen Mobilitätsmuster der Stadtgesellschaft verstehen, abbilden und gestalten können. Mit intelligenten Mobilitätsprofilen entstehen aus grauer Theorie lebendige, nachhaltige Quartiere, in denen nicht das Auto, sondern der Mensch das Maß aller Dinge ist. Doch wie funktioniert das Zusammenspiel aus Daten, Planung und Alltag wirklich? Zeit, den Mythos von der multimodalen Mobilität auf solide Beine zu stellen.

  • Definition und Bedeutung multimodaler Mobilitätsprofile für die integrierte Bauleitplanung
  • Methoden und Datengrundlagen zur Erstellung von Mobilitätsprofilen
  • Anwendungsmöglichkeiten in der Praxis: Von der Quartiersentwicklung bis zum Flächennutzungsplan
  • Chancen für Nachhaltigkeit, Klimaschutz und lebenswerte Stadträume
  • Herausforderungen bei Datenerhebung, Datenschutz und Governance
  • Integration neuer Mobilitätsformen wie Shared Mobility, Mikromobilität und automatisierter Verkehr
  • Relevanz für deutsche, österreichische und schweizer Städte und Gemeinden
  • Notwendigkeit interdisziplinärer Zusammenarbeit und partizipativer Prozesse
  • Beispiele und Best Practices aus dem deutschsprachigen Raum
  • Ausblick: Die Rolle von Mobilitätsprofilen in der Stadt der Zukunft

Multimodale Mobilitätsprofile – Fundament einer integrierten Stadtentwicklung

In der Bauleitplanung von heute führt kein Weg mehr an der Mobilitätswende vorbei. Die Zeiten, in denen der Blick auf den motorisierten Individualverkehr reichte, sind endgültig passé. Moderne Städte sind komplexe Mobilitätsökosysteme, in denen sich Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer, Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel und zunehmend auch Anbieter von Sharing-Services, Lastenrädern oder autonomen Shuttles die Straßen teilen. Das Ergebnis ist ein dynamisches, vielschichtiges Geflecht von Bewegungsmustern – und genau hier setzt das Konzept der multimodalen Mobilitätsprofile an.

Ein Mobilitätsprofil beschreibt, wie sich Menschen in einem bestimmten Raum oder Quartier fortbewegen, welche Verkehrsmittel sie wählen, wie sich diese Nutzung im Tages- und Wochenverlauf verändert und wie die vorhandene Infrastruktur darauf reagiert. Multimodal bedeutet dabei: Es geht nicht um die reine Addition von Verkehrsarten, sondern um das Wechselspiel, die Schnittstellen und Übergänge zwischen ihnen. Wer von der Wohnung zur U-Bahn, dann auf einen E-Scooter und schließlich zu Fuß ins Büro gelangt, erzeugt ein anderes Verkehrsaufkommen als der klassische Pendler im eigenen Auto. Für die Planung bedeutet das: Ohne differenzierte Profile werden Flächennutzungen, Straßenquerschnitte, Stellplatzsatzungen und Grünflächenbedarf schnell zum Blindflug.

Die Erstellung solcher Profile ist keine triviale Aufgabe. Sie verlangt nach belastbaren Daten, analytischer Kompetenz und der Fähigkeit, aus Zahlen und Bewegungsmustern konkrete Planungsziele abzuleiten. Gleichzeitig müssen rechtliche Rahmenbedingungen, Datenschutz und städtebauliche Zielsetzungen unter einen Hut gebracht werden. Nur dann entstehen Quartiere, die nicht von Verkehr belastet, sondern von Mobilität beflügelt werden.

Der Nutzen multimodaler Mobilitätsprofile reicht weit über die reine Verkehrsplanung hinaus. Sie sind ein zentrales Werkzeug, um Ziele wie Klimaschutz, Flächensparen, soziale Teilhabe und die Förderung gesunder, attraktiver Stadträume miteinander zu verbinden. Wer die Mobilität der Zukunft gestalten will, braucht Datenkompetenz – und den Mut, eingefahrene Routinen zu hinterfragen.

In der Praxis zeigt sich: Dort, wo Mobilitätsprofile konsequent in die Bauleitplanung integriert werden, entstehen innovative, lebenswerte Quartiere. Die Verkehrswende bleibt dann kein Lippenbekenntnis, sondern wird zur räumlichen, sozialen und ökologischen Realität. Es gilt, dieses Potenzial zu heben – mit wissenschaftlicher Präzision, planerischer Kreativität und politischem Rückgrat.

Datengrundlagen, Methoden und Werkzeuge – Wie entstehen Mobilitätsprofile?

Die Basis jedes Mobilitätsprofils ist der Datenpool – und der hat es in sich. Klassische Verkehrsstatistiken und Haushaltsbefragungen liefern seit Jahrzehnten wertvolle Grundlagen. Doch erst durch digitale Technologien, Sensorik und Mobilitäts-Apps ist es heute möglich, Bewegungsmuster wirklich granular und aktuell zu erfassen. GPS-Daten, Mobilfunkanalysen, Zählsensoren an Kreuzungen, Auswertungen von Ticketingsystemen im ÖPNV, Floating-Car-Data oder anonymisierte Auswertungen von Bike- und Carsharing-Anbietern eröffnen völlig neue Perspektiven – vorausgesetzt, sie werden intelligent geclustert und ausgewertet.

Die Kunst besteht darin, Daten aus unterschiedlichsten Quellen zu integrieren. Hier kommen Geoinformationssysteme (GIS), Data-Warehouses oder spezialisierte Mobilitätsplattformen ins Spiel. Sie ermöglichen es, Bewegungen über verschiedene Verkehrsträger hinweg nachzuvollziehen und daraus typische Nutzungsmuster zu extrahieren. Ein Beispiel: Wenn die Hälfte der Bewohner eines neuen Stadtquartiers morgens zunächst zu Fuß zur Straßenbahnhaltestelle geht, dann mit der Tram in die Innenstadt fährt und dort aufs Fahrrad umsteigt, sollte die Planung nicht nur für breite Straßen, sondern vor allem für attraktive Fußwege, sichere Radabstellanlagen und nahtlose Umsteigepunkte sorgen.

Auch qualitative Methoden spielen eine Rolle. Beobachtungen, Interviews, partizipative Workshops oder Online-Beteiligungsformate liefern wertvolle Einblicke in die Bedürfnisse und Wünsche der Menschen vor Ort – und helfen, quantitative Daten zu interpretieren. So wird aus der Statistik ein lebendiges Bild, das sowohl die Alltagsrealität als auch die Zukunftsvisionen der Stadtbewohner abbildet.

Ein weiteres zentrales Werkzeug ist die Szenarienanalyse. Mit ihr können Planer die Auswirkungen von Infrastrukturmaßnahmen, neuen Mobilitätsangeboten oder baulichen Veränderungen auf das Mobilitätsverhalten simulieren. Was passiert, wenn ein neues Quartier autofrei geplant wird? Wie verändern sich die Wege, wenn ein Radwegnetz geschlossen wird oder ein neuer S-Bahnhof entsteht? Diese Fragen lassen sich mit digitalen Modellen und Simulationen heute so präzise beantworten wie nie zuvor – vorausgesetzt, die Datenbasis stimmt.

Am Ende steht die Herausforderung, aus der Fülle an Informationen handlungsleitende Erkenntnisse zu gewinnen. Hier zahlt sich interdisziplinäre Zusammenarbeit aus: Verkehrsplaner, Stadtentwickler, Landschaftsarchitekten, Umweltplaner und Informatiker müssen gemeinsam an einem Strang ziehen, um aus den Daten tragfähige, nachhaltige und lebenswerte Lösungen zu entwickeln. Ohne diesen Schulterschluss bleibt das beste Mobilitätsprofil ein Papiertiger.

Multimodale Mobilitätsprofile in der Praxis – Chancen, Grenzen und aktuelle Beispiele

Wie sehen multimodale Mobilitätsprofile in der gelebten Planungspraxis aus? Ein Blick auf aktuelle Projekte im deutschsprachigen Raum zeigt: Es bewegt sich etwas, auch wenn die Dynamik je nach Stadt, Gemeinde oder Region stark variiert. In Städten wie Zürich, Wien oder Freiburg sind Mobilitätsprofile längst integraler Bestandteil der Stadtentwicklungsplanung. Sie fließen in Flächennutzungspläne, Bebauungspläne und Quartiersentwicklungen ein – und sorgen dafür, dass Mobilitätsangebote, Infrastruktur und Siedlungsstruktur Hand in Hand gedacht werden.

In Wien etwa wurde für die Entwicklung der Seestadt Aspern ein umfassendes Mobilitätskonzept erarbeitet, das auf detaillierten Nutzerprofilen basiert. Die Planer setzten konsequent auf die Verknüpfung von ÖPNV, Fahrrad und Fußverkehr, kombinierten Sharing-Angebote mit Mobilitätshubs und planten die Erschließung so, dass der motorisierte Individualverkehr an Bedeutung verliert. Das Ergebnis: Ein Stadtteil, in dem nachhaltige Mobilität nicht nur möglich, sondern attraktiv und komfortabel ist.

Auch in Deutschland gibt es zahlreiche ambitionierte Ansätze. Die Stadt Karlsruhe etwa nutzt Mobilitätsprofile, um neue Stadtquartiere wie die Südstadt-Ost gezielt auf multimodale Erreichbarkeit auszurichten. In Hamburg werden bei der Entwicklung neuer Wohngebiete die Daten aus Mobilitätsanalysen genutzt, um Stellplatzschlüssel zu senken, Flächen für Sharing-Anbieter zu reservieren und attraktive Rad- und Fußwege zu schaffen. Die Ergebnisse sprechen für sich: Wo Mobilitätsprofile konsequent angewendet werden, sinken der motorisierte Verkehr und die CO₂-Emissionen, während die Lebensqualität steigt.

Doch es gibt auch Herausforderungen. Die Erhebung und Auswertung der notwendigen Daten ist aufwendig, der Datenschutz ein Dauerthema. Gerade kleinere Kommunen haben oft nicht die Ressourcen, um komplexe Mobilitätsanalysen durchzuführen oder innovative Verkehrskonzepte zu entwickeln. Hier sind Kooperationen, Fördermittel und digitale Plattformen gefragt, die Know-how und Daten teilen und gemeinsam nutzbar machen.

Ein weiteres Problem: Die Integration neuer Mobilitätsformen wie E-Scooter, Ridepooling oder autonomer Shuttles ist in vielen Städten noch Neuland. Häufig fehlt es an Schnittstellen, Regulierungen oder einer klaren Strategie, wie diese Angebote in die Gesamtmobilität eingebettet werden können. Wer hier nicht vorausschauend plant, riskiert Chaos auf den Straßen und Frust bei den Nutzern. Multimodale Mobilitätsprofile sind deshalb nicht nur Werkzeug, sondern auch Kompass im Dickicht der urbanen Mobilität.

Governance, Beteiligung und Datenschutz – Wer steuert die Mobilitätsprofile?

So technisch das Thema auch ist, so sehr steht und fällt sein Erfolg mit der richtigen Governance. Wer entscheidet, wie Mobilitätsprofile erstellt und genutzt werden? Wer kontrolliert die Daten, wer definiert die Ziele, wer trägt die Verantwortung? In der Praxis zeigt sich: Ohne klare Regeln, transparente Prozesse und eine offene Kommunikationskultur bleibt das Potenzial der Mobilitätsprofile ungenutzt – oder wird im schlimmsten Fall sogar missbraucht.

Datenschutz ist dabei ein großes Thema. Bewegungsdaten sind sensibel, der Schutz der Privatsphäre ist unverhandelbar. Deshalb müssen alle Datenerhebungen anonymisiert, aggregiert und klar nachvollziehbar sein. Städte und Gemeinden sind gut beraten, schon bei der Planung auf datenschutzkonforme Technologien und offene Standards zu setzen. Nur so entsteht Vertrauen – und nur so lassen sich die Vorteile intelligenter Mobilitätsprofile wirklich nutzen.

Bürgerbeteiligung wird immer wichtiger. Wer Menschen für neue Mobilitätsformen begeistern will, muss sie einbinden – nicht nur als Datenspender, sondern als aktive Mitgestalter. Digitale Beteiligungsplattformen, Workshops vor Ort oder Reallabore bieten die Möglichkeit, Mobilitätsprofile gemeinsam zu entwickeln, zu diskutieren und weiterzuentwickeln. Gerade in der Bauleitplanung können so Zielkonflikte frühzeitig erkannt und tragfähige Kompromisse gefunden werden.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist Pflicht. Die besten Ergebnisse entstehen, wenn Verkehrsplaner, Stadtentwickler, Umweltfachleute, Sozialwissenschaftler und IT-Experten an einem Tisch sitzen. Nur dann lassen sich Mobilitätsprofile so gestalten, dass sie den Bedürfnissen der Stadtgesellschaft wirklich gerecht werden – und nicht nur technischen oder politischen Moden folgen.

Nicht zuletzt braucht es politische Rückendeckung. Innovative Mobilitätskonzepte sind selten bequem und stoßen oft auf Widerstand. Wer mutig vorangeht, braucht klare Zielbilder, transparente Kommunikation und die Bereitschaft, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen. Nur dann werden aus Mobilitätsprofilen echte Hebel für nachhaltige, lebenswerte Städte.

Ausblick: Multimodale Mobilitätsprofile als Motor der Stadt der Zukunft

Die Zukunft der Bauleitplanung ist multimodal, datengetrieben und partizipativ – daran führt kein Weg vorbei. Multimodale Mobilitätsprofile sind dabei weit mehr als ein technisches Hilfsmittel: Sie sind der Schlüssel, um die komplexen Anforderungen an nachhaltige, resiliente und lebenswerte Städte miteinander zu verknüpfen. Wer Mobilität nicht mehr als Störfaktor, sondern als Qualität versteht, kann Flächen effizienter, sozial gerechter und ökologisch verträglicher nutzen.

Die Entwicklung intelligenter Mobilitätsprofile ermöglicht es, Mobilitätsverhalten präzise zu prognostizieren, Infrastruktur bedarfsgerecht zu planen und neue Mobilitätsformen gezielt zu integrieren. So entstehen flexible Quartiere, die den Alltag der Menschen erleichtern, Umwelt und Klima schützen und Platz für neue Lebensqualitäten schaffen. Die Digitalisierung ist dabei kein Selbstzweck, sondern Werkzeug – und zwar eines, das mit Bedacht, Sachverstand und Augenmaß eingesetzt werden muss.

Deutsche, österreichische und schweizer Städte stehen vor der Aufgabe, das Thema Mobilitätsprofile systematisch anzugehen. Es braucht Standards, Leitfäden und Best Practices, die den Einstieg erleichtern und die Qualität sichern. Gleichzeitig müssen Kommunen, Wissenschaft und Wirtschaft enger kooperieren, um Ressourcen zu bündeln und Synergien zu nutzen. Förderprogramme auf Landes- und Bundesebene sind gefragt, um auch kleinere Städte und ländliche Räume zu unterstützen.

Die Herausforderungen sind groß – aber die Chancen sind es auch. Wer jetzt investiert, kann die Weichen für eine Mobilität stellen, die nicht mehr Last, sondern Lust ist. Die Stadt der Zukunft wird nicht am Reißbrett, sondern im Dialog zwischen Daten, Menschen und Raum geplant. Multimodale Mobilitätsprofile sind dabei der Motor, der Visionen in Realität verwandelt.

Der Weg ist noch lang, die Aufgaben sind komplex – aber eines ist sicher: Ohne multimodale Mobilitätsprofile bleibt die integrierte Bauleitplanung ein Stückwerk. Wer wirklich nachhaltige, lebenswerte und zukunftsfähige Städte will, muss Mobilität neu denken – und mutig gestalten. Garten und Landschaft bleibt dran, wie immer. Versprochen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Multimodale Mobilitätsprofile sind weit mehr als eine technische Spielerei. Sie sind das Fundament einer integrierten, nachhaltigen und menschengerechten Bauleitplanung. Mit ihnen lassen sich die Herausforderungen der Verkehrs- und Stadtentwicklung meistern, innovative Lösungen entwickeln und Lebensqualität schaffen. Der Schlüssel liegt in der intelligenten Nutzung von Daten, der Zusammenarbeit über Disziplinen hinweg und der Einbindung der Menschen vor Ort. Städte, die diese Chancen frühzeitig ergreifen, werden zum Vorbild für eine Mobilität, die nicht mehr Problem, sondern Potenzial ist.