Umweltorganisationen kritisieren Symbolpolitik

Die Umweltverbände fordern

Die Umweltverbände fordern

Drängender Handlungsbedarf

Verschiedene Umweltorganisationen machen Vorschläge für eine Beschleunigung der Planung. Sie erachten eine verbesserte Planung und Beteiligung für wichtig. Sie kritisieren die bisherige Symbolpolitik der aktuellen Bundesregierung.

Es gibt zahlreiche Umweltorganisationen in Deutschland. Dazu gehören der BBN, der bdla, der BUND, der NABU, die DUH, die UfU, die UVP-Gesellschaft und der Umweltdachverband DNR. Gemeinsam haben diese Gruppierungen nun konkrete Handlungsempfehlungen erarbeitet. Sie alle zielen darauf ab, die Realisierung von Infrastrukturvorhaben zu beschleunigen. In einem parlamentarischen Gespräch kamen die Vertreter*innen der Umweltorganisationen mit Abgeordneten des Deutschen Bundestags zusammen. In diesem Austausch betonten sie, dass es einen dringender Beschleunigungsbedarf in Deutschland gibt.

Insbesondere im Bereich von Maßnahmen zum Klima- und Umweltschutz besteht drängender Handlungsbedarf. Um hier das gesetzte Ziel der Klimaneutralität zu erreichen, muss in vielen Bereichen schneller agiert werden. Vor diesem Hintergrund fordern die Umweltorganisationen eine strikte Priorisierung von Projekten nach ihrem Klima- und Umweltnutzen. Die Vertreter*innen plädieren dafür, anstelle von Hunderten, häufig klimaschädlichen Projekten, nur diejenigen zu realisieren, die dem Klima- und Umweltschutz wirklich dienen. Dazu gehören oft nicht Projekte zur Verkehrsinfrastruktur.

Den Rechtsrahmen ausschöpfen

Die Umweltorganisationen sehen Möglichkeiten zur Beschleunigung von Projekten darin, dass potenzielle Konflikte zwischen Klima- und Artenschutz von vorne herein vermieden werden. Durch eine frühzeitige Erkennung von Spannungen, durch Vermeidung von Konfrontationen und die Beteiligung der Öffentlichkeit könnten Konflikte umgangen werden. Dabei spielen übergreifenden Lösungen eine Rolle. Sie könnten wesentlich dazu beitragen, Projekte mit Klima- und Umweltnutzen in ihrer Planung und Realisierung zu beschleunigen.

Neben einer Vermeidung von Konflikten sehen die Umweltorganisationen große Chancen darin, geltende Rechtsrahmen besser auszuschöpfen. Hier schlummert ein Potenzial. Auch gibt es zahlreiche Beschleunigungsgesetze, die es umzusetzen gilt. Außerdem ist es an der Zeit, geltende Gesetze hinsichtlich ihres Nutzens für Planungsqualität und Beschleunigung zu evaluieren. Die Prüfung bestehender Möglichkeiten muss erfolgen, bevor neue und umfangreiche Gesetzesänderungen beschlossen werden. Das fordern zumindest die Vertreter*innen der Umweltorganisationen. Sie betrachten die konsequente Anwendung bereits beschlossener Maßnahmen für entscheidend. Aus ihrer Perspektive sind die in der letzten Legislaturperiode verabschiedeten Maßnahmen jetzt dringend zu realisieren.

Umweltorganisationen und der Koalitionsvertrag

Genauso ist der geplante Einsatz von Projektmanagern, die Nutzung von Antragskonferenzen, die Etablierung frühzeitiger Öffentlichkeitsbeteiligung und Planungsvereinfachungen bei kleineren Vorhaben sehr wichtig. Sie alle warten noch auf ihre Umsetzung. Aus Sicht der Umweltorganisationen liegt die Möglichkeit zur Beschleunigung von Maßnahmen also primär in einer verbesserten Umsetzung. Im Vollzug und in der Stärkung gesetzlicher Maßnahmen liege eine große Chance, sagen BBN, bdla, BUND, NABU, DUH, UfU, die UVP-Gesellschaft und der Umweltdachverband DNR.

Auch die aktuelle Bundesregierung sieht in der Beschleunigung von Infrastrukturplanungen eines der wichtigsten Projekte ihre Regierungsarbeit. In ihrem gemeinsamen Koalitionsvertrag erwähnen die beteiligten Parteien das mehrfach. Es heißt, dass noch im Jahr 2022 wichtige Entscheidungen getroffen und durchgesetzt werden, die die Dauer von Planungs- und Genehmigungsverfahren halbieren. Das sind hohe Ziele. Die sehen die Umweltorganisationen noch nicht erreicht.

Aus deren Perspektive enthält der Koalitionsvertrag darüber hinaus Maßnahmen, die europarechtlich und rechtsstaatlich umstritten sind. Dieser rechtlich umstrittene Charakter kann zu langwierigen Auseinandersetzungen um eine Zulässigkeit provozieren. Das betrifft  aus Sicht der Umweltorganisationen vor allem die Wiedereinführung der materiellen Präklusion. Auch die Einführung einer Mitwirkungspflicht für Umweltverbände, der Wegfall der aufschiebenden Wirkung und die Einführung von Genehmigungsfiktionen kann zu erheblichen Rechtsunsicherheiten führen.

Aus Sicht der Umweltorganisationen liegt hier Handlungsbedarf. Vor diesem Hintergrund mahnen die Vertreter*innen von BBN, bdla, BUND, NABU, DUH, UfU, der UVP-Gesellschaft und des Umweltdachverbands DNR vor Selbstzweck. Die Beschleunigung von Planung sei kein Selbstzweck, betonen die Vertreter*innen. Vielmehr müssen sie die gesellschaftliche Transformation voranbringen und zwar effektiv. Darüber hinaus müssen sie die Akzeptanz der anstehenden Veränderungen fördern. Vor allem aber muss die Beschleunigung dazu beitragen, das Klima zu schützen und den Erhalt der biologischen Vielfalt sicherzustellen.

Konkrete Forderungen der Umweltorganisationen

Ganz konkret fordern die Umweltorganisationen zunächst eine klare und nachvollziehbare Priorisierung von Projekten anhand ihrer ökologischen Kosten-Nutzen-Analyse. Darüber hinaus sind ihre Klimawirkungen und ihre Auswirkungen auf die Artenvielfalt einzuschließen. Des weiteren setzen sich die Organisationen für eine frühzeitige und ernsthafte Öffentlichkeitsbeteiligung ein, die jeweils grundlegende Alternativen einbezieht.

Aber auch eine bessere Ausstattung von Behörden sowie die Priorisierung der personellen und technischen Ressourcen sind insbesondere in den Bereichen zentral, die zum Klimaschutz und zur Wahrung der Artenvielfalt beitragen. Die Vertreter*innen der Umweltorganisationen fordern aber auch ein verbessertes Planungsmanagement, welches Vorhabenträger*innen bei der Antragstellung unterstützt. Wie in anderen Bereichen fordern die Verbände auch den Bürokratieabbau. Aber auch Planungsvereinfachungen bei kleineren Sanierungs- und Ersatzmaßnahmen im Bereich klima- und umweltfreundlicher Infrastruktur sind zu vereinfachen.

Die Liste der genannten Maßnahmen berücksichtigt noch nicht die besonderen Herausforderungen, die im Kontext der Energiewende stehen. Dennoch stellt der Forderungskatalog der Umweltorganisationen ein notwendiges Grundgerüst dar, das hilft, die Planung anstehender und wichtiger Transformationsprozesse zu beschleunigen.

Weitere Informationen zum Klimawandel: der IPPC-Bericht 2022. Warum der Weltklimarat aktives Handeln fordert, lesen Sie hier.

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Hoai Anlage 11: Bedeutung und Anwendung einfach erklärt

Eine professionelle Planungsszene im Freiraum zum Thema Hoai Anlage 11
Natürliche Materialkombination aus Weiß, Grün und Braun – ein stimmungsvolles Textildetail. (Foto: plhnk / Unsplash)

Wer Honorare für Landschaftsarchitektur, Freianlagenplanung oder Ingenieurbauwerke im Außenraum berechnet, kommt an der HOAI Anlage 11 nicht vorbei. Diese Anlage zur Honorarordnung für Architekten und Ingenieure definiert die Grundlagen der Honorarermittlung für Freianlagen und ist damit das zentrale Regelwerk, das Planungsleistungen im Bereich Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung wirtschaftlich bewertet. Wer die Anlage 11 versteht, versteht die Logik des gesamten Honorarsystems für diesen Berufsbereich.

  • Was die HOAI Anlage 11 ist, welche Leistungen sie erfasst und wie sie sich in die HOAI einordnet
  • Welche Leistungsphasen für Freianlagen gelten und was sie inhaltlich umfassen
  • Wie anrechenbare Kosten ermittelt werden und welche Besonderheiten bei Freianlagen gelten
  • Was Honorarzonen bedeuten und wie Freianlagen korrekt eingestuft werden
  • Wie Grundleistungen und Besondere Leistungen unterschieden werden
  • Welche typischen Fehler bei der Honorarermittlung nach Anlage 11 auftreten
  • Wie das Verhältnis zur HOAI-Hauptstruktur und zu anderen Anlagen aussieht
  • Welche praktische Bedeutung die Anlage 11 für Landschaftsarchitekten, Auftraggeber und Planungsteams hat

Was ist die HOAI Anlage 11 und wie ordnet sie sich ein?

Die HOAI, die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure, ist eine deutsche Rechtsverordnung, die Mindestsätze und Höchstsätze für Planungsleistungen regelt. Sie gilt für Aufträge, die in Deutschland vergeben werden, und erfasst eine Vielzahl von Planungsdisziplinen, von der Gebäudeplanung über die Tragwerksplanung bis zur Landschaftsarchitektur. Die Honorarordnung ist in Teile gegliedert, und jeder Teil enthält Paragraphen sowie Anlagen, die die spezifischen Regelungen für einzelne Leistungsbilder enthalten. Die HOAI Anlage 11 ist die Anlage, die dem Leistungsbild Freianlagen zugeordnet ist und die Leistungsphasen, Grundleistungen, Besonderen Leistungen sowie die Honorartafel für diesen Bereich enthält.

Freianlagen im Sinne der HOAI sind Außenanlagen, die überwiegend mit Vegetations- und Freiflächen gestaltet werden. Dazu gehören Parkanlagen, Grünanlagen, Spielplätze, Schulhöfe, Sportanlagen im Freien, Friedhöfe, Wohnumfeldgestaltungen, Plätze und Promenaden sowie Freiflächen im Zusammenhang mit Gebäuden. Die Abgrenzung zu anderen Leistungsbildern ist dabei nicht immer trivial: Ingenieurbauwerke im Außenraum, etwa Stützmauern, Brücken oder Wasserbauwerke, werden nach anderen Anlagen der HOAI bewertet, auch wenn sie Teil einer Freiraumplanung sind. Die Anlage 11 erfasst den vegetationstechnischen, gestalterischen und freiraumplanerischen Kern der Landschaftsarchitektur.

Die aktuelle Fassung der HOAI, die seit 2021 in Kraft ist, folgt einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2019, das die verbindlichen Mindest- und Höchstsätze der HOAI als europarechtswidrig eingestuft hat. Seitdem sind die Honorarsätze zwar nicht mehr zwingend verbindlich, sie behalten aber als Orientierungsrahmen und als Vertragsgrundlage erhebliche praktische Bedeutung. Gerichte und Schiedsstellen orientieren sich weiterhin an den HOAI-Sätzen, wenn Honorarstreitigkeiten zu entscheiden sind. Für die Anlage 11 bedeutet das: Sie bleibt das maßgebliche Referenzwerk für die Honorarermittlung bei Freianlagen, auch wenn Abweichungen durch Vereinbarung möglich sind.

Die Leistungsphasen der Anlage 11: Struktur und Inhalt

Das Leistungsbild Freianlagen nach Anlage 11 ist in neun Leistungsphasen gegliedert, die den gesamten Planungs- und Realisierungsprozess von der ersten Idee bis zur abschließenden Dokumentation abdecken. Diese Struktur entspricht dem allgemeinen HOAI-Prinzip, das für alle Leistungsbilder gilt, und ermöglicht eine klare Zuordnung von Leistungen zu Planungsstadien. Jede Leistungsphase ist mit einem prozentualen Anteil am Gesamthonorar bewertet, was eine stufenweise Abrechnung ermöglicht.

Die erste Leistungsphase, die Grundlagenermittlung, umfasst das Klären der Aufgabenstellung, das Erfassen der Planungsbedingungen und das Beraten zum Leistungsbedarf. Hier werden Bestandsaufnahmen durchgeführt, Nutzungsanforderungen ermittelt und die Grundlagen für alle weiteren Planungsschritte geschaffen. In der zweiten Leistungsphase, dem Vorplanung genannten Stadium, werden Planungskonzepte erarbeitet, Varianten untersucht und mit dem Auftraggeber abgestimmt. Die Vorplanung endet mit einer Kostenschätzung nach DIN 276, dem deutschen Standard für die Kostenplanung im Bauwesen.

Die Entwurfsplanung in der dritten Leistungsphase vertieft das Konzept zu einem durchgearbeiteten Entwurf mit Kostenberechnung. Die vierte Phase, die Genehmigungsplanung, erstellt die Unterlagen für behördliche Zulassungsverfahren, soweit diese für Freianlagen erforderlich sind, etwa für Baumfällgenehmigungen, naturschutzrechtliche Genehmigungen oder Bebauungsplanänderungen. Die fünfte Leistungsphase, die Ausführungsplanung, ist für Freianlagen von besonderer Bedeutung: Hier entstehen die detaillierten Ausführungspläne mit Pflanzplänen, Wegebaudetails, Entwässerungskonzepten und Materialfestlegungen, die als Grundlage für die Ausschreibung und Ausführung dienen.

Die sechste Leistungsphase umfasst die Vorbereitung der Vergabe, also das Aufstellen von Leistungsverzeichnissen und Leistungsbeschreibungen. In der siebten Phase, der Mitwirkung bei der Vergabe, werden Angebote eingeholt, geprüft und verglichen, und der Auftraggeber wird bei der Auftragsvergabe beraten. Die achte Leistungsphase, die Objektüberwachung, ist die Bauleitung: Der Landschaftsarchitekt überwacht die Ausführung auf Übereinstimmung mit den Planungsunterlagen, koordiniert die Beteiligten, prüft Aufmaße und Rechnungen und dokumentiert den Baufortschritt. Die neunte Leistungsphase schließlich umfasst die Objektbetreuung nach Abschluss der Bauarbeiten, einschließlich der Überwachung der Mängelbeseitigung innerhalb der Gewährleistungsfrist.

Honoraranteile der einzelnen Leistungsphasen

Die prozentualen Anteile der Leistungsphasen am Gesamthonorar sind in der Anlage 11 festgelegt und spiegeln den typischen Aufwand in den jeweiligen Planungsstadien wider. Die Leistungsphasen 3 (Entwurfsplanung) und 8 (Objektüberwachung) tragen dabei traditionell die höchsten Anteile, weil sie den größten Arbeitsaufwand erfordern. Die genauen Prozentwerte sind in der Anlage selbst nachzulesen; sie dienen als Grundlage für Teilrechnungen, wenn nur einzelne Leistungsphasen beauftragt werden. Wird ein Planungsauftrag vorzeitig beendet oder werden nur Teilleistungen erbracht, richtet sich die Abrechnung nach diesen Anteilen.

Anrechenbare Kosten bei Freianlagen: Berechnung und Besonderheiten

Das Honorar nach HOAI Anlage 11 wird nicht pauschal festgesetzt, sondern aus den anrechenbaren Kosten abgeleitet. Anrechenbare Kosten sind jene Kosten des Bauwerks oder der Anlage, die der Planer durch seine Leistung beeinflusst und verantwortet. Bei Freianlagen sind das die Kosten für Erdarbeiten, Wegebau, Pflasterungen, Bepflanzungen, Spielgeräte, Möblierung, Entwässerungsanlagen im Freiraum und ähnliche Elemente. Nicht anrechenbar sind dagegen Kosten für Ingenieurbauwerke, die nach anderen Leistungsbildern abgerechnet werden, sowie Kosten für Ausstattungen, die nicht zur Freianlage gehören.

Die Ermittlung der anrechenbaren Kosten erfolgt nach DIN 276 und bezieht sich auf die Kostengruppen, die der Freianlage zuzuordnen sind. In der Praxis ist diese Abgrenzung eine häufige Quelle von Unklarheiten: Wenn eine Stützmauer sowohl statische Funktion hat als auch gestalterischer Teil der Freianlage ist, muss entschieden werden, ob ihre Kosten nach Anlage 11 oder nach dem Leistungsbild Ingenieurbauwerke anrechenbar sind. Fachleute empfehlen, diese Zuordnung bereits im Planungsvertrag eindeutig zu regeln, um spätere Honorarstreitigkeiten zu vermeiden.

Ein weiterer Aspekt bei der Ermittlung der anrechenbaren Kosten ist der Zeitpunkt ihrer Feststellung. Die HOAI unterscheidet zwischen der Kostenschätzung (Leistungsphase 2), der Kostenberechnung (Leistungsphase 3), dem Kostenanschlag (Leistungsphase 6 und 7) und der Kostenfeststellung (Leistungsphase 8). Das Honorar wird grundsätzlich auf Basis der tatsächlich entstandenen anrechenbaren Kosten berechnet, was bedeutet, dass das endgültige Honorar erst nach Abschluss der Baumaßnahme feststeht. Für Abschlagsrechnungen während der Planung werden Schätzwerte verwendet, die später korrigiert werden.

Honorarzonen für Freianlagen: Einordnung und Kriterien

Die Honorartafel der Anlage 11 enthält für jede Höhe der anrechenbaren Kosten einen Mindest- und einen Höchstsatz. Zwischen diesen Sätzen gibt es fünf Honorarzonen, die den Schwierigkeitsgrad der Planungsaufgabe abbilden. Honorarzone I entspricht sehr geringen Planungsanforderungen, Honorarzone V sehr hohen. Die Einordnung in eine Honorarzone ist eine der wichtigsten und zugleich streitanfälligsten Entscheidungen bei der Honorarermittlung nach HOAI Anlage 11.

Die Kriterien für die Einordnung in Honorarzonen sind in der HOAI für Freianlagen beschrieben. Maßgeblich sind Faktoren wie die Anzahl der Funktionsbereiche, die Komplexität der Geländemodellierung, die Anforderungen an die Vegetationsplanung, die Einbindung in den städtebaulichen Kontext und die Anforderungen an Entwässerung und technische Infrastruktur. Ein einfacher Hausgarten mit wenigen Funktionsbereichen und standardisierten Elementen fällt in Honorarzone I oder II. Ein komplexer Stadtpark mit vielfältigen Nutzungsanforderungen, anspruchsvoller Topographie, umfangreicher Vegetationsplanung und historischen Bezügen kann Honorarzone IV oder V rechtfertigen.

In der Praxis neigen Auftraggeber dazu, Freianlagen in niedrigere Honorarzonen einzustufen, um Honorarkosten zu senken, während Planer die Komplexität ihrer Aufgabe in höheren Zonen abgebildet sehen wollen. Eine sachgerechte Einordnung erfordert eine ehrliche Analyse der tatsächlichen Planungsanforderungen. Fehler bei der Honorarzoneneinstufung können erhebliche finanzielle Konsequenzen haben: Eine falsche Einordnung um eine Zone kann das Honorar um zehn bis zwanzig Prozent verändern. Fachleute empfehlen, die Honorarzoneneinstufung im Planungsvertrag schriftlich zu begründen und zu dokumentieren.

Grundleistungen und Besondere Leistungen

Die Anlage 11 unterscheidet zwischen Grundleistungen und Besonderen Leistungen. Grundleistungen sind jene Tätigkeiten, die für eine ordnungsgemäße Erfüllung des Leistungsbilds in der Regel erforderlich sind und die mit dem Honorar nach der Honorartafel abgegolten sind. Besondere Leistungen gehen über diesen Rahmen hinaus und müssen gesondert vereinbart und vergütet werden. Typische Besondere Leistungen bei Freianlagen sind etwa die Erstellung von Pflege- und Entwicklungsplänen, die Durchführung von Beteiligungsverfahren, die Erarbeitung von Bepflanzungskonzepten für besonders anspruchsvolle Vegetationsstrukturen oder die Begleitung von Monitoring-Programmen für ökologische Ausgleichsmaßnahmen.

Die Abgrenzung zwischen Grundleistungen und Besonderen Leistungen ist nicht immer eindeutig und wird in der Praxis unterschiedlich ausgelegt. Landschaftsarchitekten sollten im Planungsvertrag klar festhalten, welche Leistungen als Grundleistungen und welche als Besondere Leistungen vereinbart sind, und für Letztere eine angemessene gesonderte Vergütung vereinbaren. Werden Besondere Leistungen erbracht, ohne dass sie vertraglich vereinbart wurden, besteht das Risiko, dass sie nicht vergütet werden, auch wenn sie fachlich notwendig waren.

Häufige Fehler und Missverständnisse bei der Anwendung der Anlage 11

Ein verbreiteter Fehler ist die Verwechslung von Freianlagen mit anderen Leistungsbildern der HOAI. Wer etwa eine Dachbegrünung plant, muss prüfen, ob diese als Freianlage nach Anlage 11 oder als Teil des Gebäudes nach dem Leistungsbild Gebäude und Innenräume abzurechnen ist. Die Antwort hängt von der konkreten Situation ab: Eine intensiv begrünte Dachterrasse mit eigenem Nutzungskonzept kann als Freianlage eingestuft werden, eine einfache extensive Dachbegrünung als Gebäudeteil. Ähnliche Abgrenzungsfragen stellen sich bei Tiefgaragendecken, Innenhöfen und begrünten Lärmschutzwällen.

Ein weiterer häufiger Fehler betrifft die Vollständigkeit der beauftragten Leistungsphasen. Auftraggeber beauftragen manchmal nur einzelne Leistungsphasen, etwa Entwurfsplanung und Ausführungsplanung, ohne die Objektüberwachung. Das ist rechtlich zulässig, birgt aber erhebliche Risiken für die Qualität der Ausführung. Ohne fachkundige Bauleitung durch den Landschaftsarchitekten werden Abweichungen von der Planung häufig erst nach Abschluss der Bauarbeiten bemerkt, wenn eine Korrektur teuer oder unmöglich ist. Fachleute empfehlen, die Objektüberwachung als integralen Bestandteil des Planungsauftrags zu beauftragen.

Problematisch ist auch die Praxis, Honorare pauschal zu vereinbaren, ohne die Grundlagen der Pauschalierung transparent zu machen. Ein Pauschalhonorar, das deutlich unterhalb der HOAI-Sätze liegt, kann dazu führen, dass der Planer Leistungen nicht vollständig erbringt, weil die Vergütung nicht auskömmlich ist. Das schadet letztlich dem Auftraggeber, der eine unvollständige Planung erhält. Seit dem EuGH-Urteil von 2019 sind Unterschreitungen der HOAI-Mindestsätze zwar nicht mehr automatisch unwirksam, aber eine Vergütung weit unterhalb der Mindestsätze kann als Indiz für eine unangemessene Vertragsgestaltung gewertet werden.

Bedeutung der HOAI Anlage 11 im Planungsalltag

Die HOAI Anlage 11 ist für Landschaftsarchitekten und Freiraumplaner weit mehr als ein Abrechnungsinstrument. Sie beschreibt das Berufsbild und die fachliche Verantwortung des Landschaftsarchitekten im Planungsprozess. Wer die Leistungsphasen kennt und versteht, weiß, was in welchem Planungsstadium zu leisten ist, welche Qualität die Planungsunterlagen haben müssen und welche Koordinationsaufgaben der Planer übernimmt. Das Leistungsbild nach Anlage 11 ist damit auch ein Qualitätsstandard, der Auftraggeber schützt und Planern eine klare Grundlage für ihre Arbeit gibt.

Für Auftraggeber, ob öffentliche Hand, Wohnungsbaugesellschaften oder private Bauherren, ist die Kenntnis der Anlage 11 wichtig, um Planungsleistungen richtig einzuschätzen und zu beauftragen. Wer weiß, was in der Ausführungsplanung oder der Objektüberwachung enthalten ist, kann besser beurteilen, ob ein Angebot vollständig ist und ob die Vergütung angemessen ist. Öffentliche Auftraggeber sind zudem durch das Vergaberecht verpflichtet, Planungsleistungen transparent auszuschreiben und zu vergüten, wobei die HOAI als Referenzrahmen dient.

Im interdisziplinären Planungsteam, in dem Landschaftsarchitekten mit Architekten, Ingenieuren und Stadtplanern zusammenarbeiten, schafft die klare Abgrenzung der Leistungsbilder Klarheit über Zuständigkeiten und Schnittstellen. Die Anlage 11 definiert, was der Landschaftsarchitekt leistet und verantwortet, und grenzt dies von den Leistungen anderer Fachplaner ab. Diese Klarheit ist eine Voraussetzung für funktionierende Planungsteams und für die Vermeidung von Lücken oder Doppelarbeiten in der Planung.

Die Anlage 11 als Grundlage professioneller Freiraumplanung

Die HOAI Anlage 11 ist kein bürokratisches Regelwerk, das Planern aufgezwungen wird, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger Berufspraxis und fachlicher Auseinandersetzung mit der Frage, was qualitätsvolle Freiraumplanung ausmacht und wie sie angemessen vergütet werden kann. Sie spiegelt die Komplexität des Berufsbilds Landschaftsarchitektur wider: von der konzeptionellen Entwurfsarbeit über die technische Detailplanung bis zur Bauüberwachung und Dokumentation. Wer die Anlage 11 kennt, versteht nicht nur die Honorarermittlung, sondern das Wesen professioneller Freiraumplanung.

Die Herausforderungen der Gegenwart, von der Klimaanpassung über die Biodiversitätsförderung bis zur Gestaltung resilienter Stadtquartiere, stellen an Landschaftsarchitekten wachsende fachliche Anforderungen. Diese Anforderungen spiegeln sich in der Honorarzoneneinstufung und in den Besonderen Leistungen wider, die für komplexe Aufgaben vereinbart werden können. Eine angemessene Vergütung nach Anlage 11 ist die wirtschaftliche Grundlage dafür, dass Landschaftsarchitekten diese Aufgaben mit der erforderlichen Sorgfalt und Tiefe bearbeiten können.

Für alle Beteiligten, Planer, Auftraggeber und Nutzer von Freiräumen, lohnt sich die Auseinandersetzung mit der HOAI Anlage 11. Sie schafft Transparenz, sichert Qualität und bildet die wirtschaftliche Grundlage für eine Planungskultur, die Freiräume als unverzichtbaren Teil der gebauten Umwelt ernst nimmt. Wer Freianlagen plant oder in Auftrag gibt, sollte die Anlage 11 nicht als lästige Pflicht, sondern als das verstehen, was sie ist: ein Instrument zur Sicherung professioneller Planungsqualität im Dienst des öffentlichen und privaten Raums.

Umweltsensitives Verkehrsmanagement in Osnabrück

Rote Ampel vor blaugrünem Hintergrund.
In Osnabrück soll eine umweltsensitive Ampelschaltung zur Luftreinhaltung helfen. credits: almani ماني via unsplash

In Osnabrück startet Mitte des Jahres ein Pilotprojekt zu umweltsensitivem Verkehrsmanagement. Werden nun Grenzwerte für Stickstoffdioxid überschritten, greift eine Ampel-Steuerung, die den Verkehr verflüssigen soll.

Osnabrück implementiert neue Maßnahmen zur Luftreinhaltung

Die Stadt Osnabrück hat bereits seit einigen Jahre mit hohen Stickstoffdioxidwerten zu kämpfen. Immer wieder wurden dabei kritische Grenzwerte überschritten. Deshalb hatte die Stadt bereits 2008 einen Luftreinhalteplan verabschiedet und diesen im Jahre 2018 aktualisiert. Verschiedene Maßnahmen sollen dabei Abhilfe schaffen. Unter anderem sieht der Luftreinhalteplan die Einführung eines umweltsensitiven Verkehrsmanagements (kurz: UVM) vor. Dabei sammeln hunderte Detektoren aus der Verkehrssituation und der Wetterlage die Luftschadstoffbelastung an 35 Standorten in der Stadt. Die Daten sind an eine umweltsensitive Ampel-Steuerung geknüpft.

Ampel-Steuerung beeinflusst Verkehrsfluss

Droht eine Überschreitung von festgelegten Grenzwerten, werden Ampeln so geschaltet, dass der Verkehr flüssiger fließen kann. Ampeln an Einfallstraßen länger bleiben dann beispielsweise länger Rot, so dass der Verkehr auf der Hauptstraße nicht ausgebremst und wieder beschleunigt wird. Sobald sich die Luftqualität verbessert hat, werden die Maßnahmenziele deaktiviert. Laut den Behörden sei eine solche Steuerung des Verkehrsflusses  nur an wenigen Tagen im Jahr erforderlich. Auch will die Stadt Verkehrsteilnehmer*innen frühzeitig über die Aktivierung der Maßnahmen informieren, sodass sie sich auf die aktuelle Situation einstellen können. Sollten die ersten Maßnahmen nicht ausreichen, will die Stadt in einem weiterführenden Schritt auf den Zufahrtsstraßen den Verkehr drosseln. „Das heißt nicht, dass er zum Stillstand kommt,“ betont Stadtbaurat Frank Otte. Die Maßnahmen könnten jedoch zum Beispiel auf dem Wallring ein zu hohes Verkehrsaufkommen verhindern.

Kritik am Projekt

Es gibt jedoch auch Kritik am Projekt. Einerseits schränken die Maßnahmen auch jene Verkehrsteilnehmer*innen ein, die nicht zur Luftverschmutzung beitragen – also etwa den Fuß- und Radverkehr. Andererseits könnten die Maßnahmen die Situation in Osnabrück sogar verschlimmern und nicht verbessern. Das prophezeit zumindest sagt Tamás Kurczveil, Professor für Digitalisierung und neue Mobilität an der Ostfalia Hochschule in Salzgitter. Kurzfristig könnte zwar ein positiver Effekt eintreten. Auf lange Sicht würde der flüssigere Verkehr jedoch Menschen geradezu animieren, das Auto in der Stadt noch mehr zu nutzen.

Digitalisierung in Osnabrück

Die nun anlaufende Testphase von eineinhalb Jahren soll zeigen, welche Prognosen sich erfüllen. Die umweltsensitive Ampel-Steuerung wird bis Mitte des Jahres 2023 aktiviert. Dafür investiert die Stadt Osnabrück 3,5 Millionen. Die Hälfte des Geldes steuerte das Bundesverkehrsministerium aus dem Fördertopf „Saubere Luft 2017–2020“ bei. Ermöglicht wird das das neue Verkehrsmanagement nur durch eine Digitalisierung der Technik. Die Datensammlung durch die Detektoren und die Verarbeitung der Informationen sei früher in einem solchen Maße nicht möglich gewesen. Trotz aller Kritik findet Kurczveil deshalb auch lobende Worte für die neue Infrastruktur: „Ich halte es für sehr wichtig, dass wir Entscheidungen in Verkehr auf Basis von Daten und von Messungen treffen. Und dafür bietet dieses Projekt eine super Grundlage.“

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