Links fließt der Fluss vorbei. Im Zentrum der neu gestaltete Stadtplatz mit verschiedenen grünen Inseln und Mobiliar. Unter anderem Spielgeräte und trichterförmige Schirme
Perspektive des neuen Waageplatzes in Göttingen. credits: QUERFELDEINS Landschaft I Städtebau I Architektur

Der freiraumplanerische Realisierungswettbewerb um den Waageplatz in Göttingen ist entschieden. Welcher Entwurf gewonnen hat und wie dieser aussieht, erfahren Sie hier. 

Realisierungswettbewerb

Der Waageplatz übernimmt in Göttingens Stadtgrundriss eine prominente Postion. Er liegt zwischen der Innenstadt und dem Masch-Straßen-Viertel. Direkt angrenzend fließt der Leinekanal vorbei. Die imposante Fassade des Gebäudes der Staatsanwaltschaft und die Wallanlagen bilden den Rahmen des Ortes. Durch einen Art nicht-offenen freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb suchte die Stadt nach einer zukünftigen Vision für den Raum. Die Neugestaltung des Waageplatzes ist dabei auch Teil des Sanierungsgebiets Nördliche Innenstadt. Eine herausfordernde Aufgabe, der sich acht geladene Büros stellten.

QUERFELDEINS überzeugt mit Entwurf für den Waageplatz

Nun wurden die Gewinner*innen gekürt. Das Büro QUERFELDEINS aus Dresden konnte sich vor dem Berliner Büro GM013 Landschaftsarchitektur auf Platz zwei und dem Büro studio polymorph Landschaftsarchitekten, ebenfalls aus Berlin, auf Platz drei durchsetzen. Dabei überzeugten die Planer*innen nicht nur das Preisgericht, sondern auch die Bürger*innen vor Ort. Denn im Vorfeld der Jurysitzung hatte die Bevölkerung die Möglichkeit, alle eingegangenen Entwürfe in anonymisierter Form anzuschauen und der Jury dann schriftliche Kommentare und Hinweise zu hinterlassen. Die Bewertungen flossen in die Entscheidung des Preisgerichts mit ein. QUERFELDEINS überzeugte dabei mit einem Entwurf, der die Aufenthaltsqualität für ein diverses Spektrum an Nutzer*innen ebenso im Blick behält wie eine klimaangepasste Entwicklung des Platzes.

 

Diverse Ansprüche

Die heutige Gestaltung des Waageplatzes war nicht mehr zeitgemäß. In seiner bisherigen Ausformulierung wurde er eher als Durchgangsraum denn als Aufenthaltsort wahrgenommen. Die Stadt wünschte sich deshalb eine mutige Umgestaltung. Stadtbaurat Frithjof Look betont, dass diese mit dem Entwurf von QUERFELDEINS gefunden worden sei: „Es freut mich, dass Querfeldeins die verschiedenen Ansprüche sensibel abgewogen hat und so einen zeitgemäßen, multikodierten und klimaresilienten Stadtplatz mit Spielmöglichkeiten in der engen historischen Innenstadt schafft.“

Der Entwurf konnte durch seine Details und ökologischen Konzepte überzeugen. credits: QUERFELDEINS Landschaft I Städtebau I Architektur
Der Entwurf konnte durch seine Details und ökologischen Konzepte überzeugen. credits: QUERFELDEINS Landschaft I Städtebau I Architektur

Details des Entwurfs

Die Landschaftsarchitekt*innen plädieren für einen grünen und belebten Stadtplatz. Dabei wählen sie eine organische Formensprache, die sich aus den Verkehrsströmen der Passant*innen ergibt. So entstehen verschiedene Bereiche, gleichsam ermöglichen angepasste Wegverbreiterungen ein reibungsloses Passieren. Darüber hinaus gelingt durch das Motiv die Verzahnung zweier Gestaltungsansprüche. Denn zum Einen soll der Waageplatz auch zukünftig als befestigter und bespielbarer Stadtplatz fungieren, auf dem zum Beispiel Feste und Veranstaltungen stattfinden können. Zum Anderen wird er als Pocket-Park eine wichtige Erholungsfunktion übernehmen. Durch die Themensetzung „Feiern und Treffen“, „Spielen und Toben“ und „Grün und Nass“ versucht der Beitrag von QUERFELDEINS diese unterschiedlichen Ansprüche in Einklang zu bringen.

Die Planer*innen sehen ihren Entwurf selbst nicht als klassischen Stadtplatz, sondern als Hybrid an Orten. Der wohlüberlegte Materialkanon lässt dabei einen in sich stimmigen Ort entstehen, der jedoch gleichzeitig mit dem gegenüberliegenden Robert-Gernhardt-Platz in Verbindung tritt.

Besonders ist auch das durchdachte Regenwassermanagment. Über sogenannte Trichterschirme und offene Rinnen wird das anfallende Regenwasser auf dem Platz gesammelt und Richtung Leinekanal geleitet. Die historische Zaunanlage, die den Platz abschirmt, wird an einigen Stellen durch den Austausch von Sockelsteinen porös. So gelangt das Wasser aus den Rinnen auf eine Regentreppe hinter der Zaunanlage. Hier fließt das Wasser über mehrere Stufen und Waagschalen schrittweise zum Kanal. Der Weg des Wassers wird so für die Besucher*innen inszeniert.

Zukünftige Schritte

Grundlegend konnte die Idee die Jury überzeugen. Im weiteren Prozess soll der Entwurf aber noch bezüglich der sehr dominanten Radverkehrsführung und hinsichtlich der vorgesehenen Einbauten in den Leinekanal überarbeitet werden. Weiterhin sprach sich das Preisgericht für mehr Verschattungselemente für den Spielplatz aus. Diese Änderungen können im Rahmen der nun anstehenden weiteren Planungsschritte vorgenommen werden. Voraussichtlich noch bis Ende des Jahres 2023 soll die Beauftragung des siegreichen Planungsbüros erfolgen.

Mehr spannende Wettbewerbsnews: Der Naumburger Dom und sein Umfeld gelten als UNESCO Weltkulturerbe. Dieses Umfeld braucht nun eine würdige Aufwertung. Alles zu dem Realisierungswettbewerb hier.

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Tanja Braemer, Chefredakteurin

COVID-19 mit Hilfe von Daten zu bekämpfen. Wie das funktioniert
COVID-19 mit Hilfe von Daten zu bekämpfen. Wie das funktioniert

Google Mobility Report: eine Fülle an anonymisierten Daten

Die sogenannten „Community Mobility Reports“ von Google sollen Aufschluss darüber geben, wie sich das Mobilitätsverhalten in Städten als Reaktion auf die Maßnahmen zur Bekämpfung von COVID-19 verändert hat. Wie Google versucht, COVID-19 mit Hilfe von Daten zu stoppen, lesen Sie hier.

Google ist zweifelsohne eine der wichtigsten Datenquellen der Welt. Angesichts der Tatsache, dass Städte und Gemeinden auf der ganzen Welt immer noch auf die COVID-19-Pandemie reagieren, hat das Unternehmen beschlossen, Big Data zu Mobilitätsmustern zu teilen.

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Laut Gesundheitsexpert*innen könnten Googles Erkenntnisse zum Mobilitätsverhalten von Stadtbewohner*innen, die normalerweise für Produkte wie Google Maps verwendet werden, bei der Identifizierung geeigneter Anti-Covid-Maßnahmen nützlich sein.

Ende Januar 2022 kündigte Google an, dass es sogenannte „Google Mobility Reports“ für jedes Land bereitstellen wird. Diese Berichte „sollen Aufschluss darüber geben, was sich als Reaktion auf die Maßnahmen zur Bekämpfung von COVID-19 verändert hat. [Sie] stellen Mobilitätstrends im Laufe der Zeit nach geografischen Gesichtspunkten dar, und zwar für verschiedene Orte wie Einzelhandel und Freizeit, Lebensmittelgeschäfte und Apotheken, Parks, Bahnhöfe, Arbeitsstätten und Wohngebiete“, so das Unternehmen.

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Die Berichte der Google Mobility Reports sind nur für einen begrenzten Zeitraum verfügbar und können nach Ländern gefiltert werden.

Google beabsichtigt, Analysen darüber zu unterstützen, wie wirksam es war, Mobilität zu reduzieren um COVID-19 einzudämmen. Das Unternehmen möchte die Auswirkungen veränderter Mobilitätsverhaltensweisen aufzeigen und aktualisiert den Datensatz regelmäßig.

Google Mobility Report: Wie lässt sich Mobilität messen?

Die Messung von Mobilität ist kein leichtes Unterfangen, aber Google ist bestens aufgestellt, um dieses Vorhaben zu unterstützen. Die Datensätze des Unternehmens zeigen die täglichen Besucher*innenzahlen an bestimmten Orten wie Bahnhöfen, Parks sowie Lebensmittelgeschäften. Diese Besucher*innenzahlen kann Google mit jedem anderen Tag vergleichen, um Veränderungen zu erkennen, die während der COVID-19-Pandemie aufgetreten sein könnten.

Die Ausgangsbasis für diese Analyse ist der normale Wert für jeweils „diesen Wochentag“, gemessen als Mittelwert für die Zeit zwischen dem 3. Januar und dem 6. Februar 2020. Es ist wichtig, genau „diesen Wochentag“ zu messen, da sich die Mobilitätsmuster zwischen Wochentagen und Wochenendtagen stark unterscheiden.

Die Google Mobility Reports sind als PDF-Dateien verfügbar (eine pro Land). Die wohltätige Organisation Our World in Data hat die Mobilitätsberichte in interaktive Diagramme umgewandelt, die unter einer Creative-Commons-Lizenz verwendet werden können.

Diese interaktiven Diagramme helfen, Mobilitätsveränderungen im Laufe der Zeit und die möglichen Auswirkungen der COVID-19-Maßnahmen zu erkennen. Laut Google ist es wichtig, Orte aufgrund lokaler Unterschiede nicht zwischen Regionen oder Ländern zu vergleichen.

Andere Faktoren wie saisonale Unterschiede, andere Ereignisse als COVID-19 und die Besonderheiten der Pandemie erläutern die Google-Mobilitätsberichte nicht näher.

Veränderung der Besucher*innenzahlen

Die Google Mobility Reports konzentrieren sich auf die Anzahl der Besucher*innen an bestimmten Orten, um die Mobilität zu messen. Während andere Indizes die Anzahl der Fahrzeuge oder der Züge verwenden, hilft die Messung von Besuchszahlen dabei, das tatsächliche Verhalten von Menschen zu zeigen.

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Google erklärt genau, wie die Daten zu lesen sind. So ist beispielsweise die Kategorie „Wohnen“ die einzige, die die Dauer und nicht die Anzahl der Besucher*innen misst. Daher sollte diese Kategorie nicht mit den anderen Kategorien in den Google-Mobilitätsberichten verglichen werden. Gleichzeitig sind die Veränderungen in der Kategorie „Wohnen“ eher gering, da die Menschen wahrscheinlich immer viel Zeit zu Hause verbringen.

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In den anderen Kategorien sind relevante Veränderungen eher zu erwarten. Die Kategorie „Parks und Freiflächen“ ist jedoch stark wetter- und urlaubsabhängig, weshalb hier große Ausschläge bei den Besuchszahlen zu verzeichnen sind.

Google Mobility Report: sechs verschiedene Kategorien

Einzelhandel und Freizeit

Die Kategorie „Einzelhandel und Freizeit“ zeigt die Trends für Restaurants, Cafés, Einkaufszentren, Themenparks, Museen, Bibliotheken und Kinos. Sie gibt an, wie viele Personen diese Orte im gleitenden 7-Tage-Durchschnitt im Vergleich zum Ausgangswert von Anfang 2020 nutzen.

Lebensmittelläden und Apotheken

„Lebensmittelgeschäfte und Apotheken“ ist eine Kategorie, die Orte wie Lebensmittelmärkte, Lebensmittellager, Bauernmärkte, Lebensmittelspezialgeschäfte, Drogerien und Apotheken umfasst. Die interaktiven Datensätze auf Our World in Data zeigen eine farbcodierte Weltkarte mit Mobilitätstrends für diese Kategorie.

Haltestellen der öffentlichen Verkehrsmittel

Diese Kategorie zeigt die Mobilitätstrends für öffentliche Verkehrsknotenpunkte wie U-Bahn-, Bus- und Bahnhöfe. Sie konzentriert sich auf den Transit von Besucher*innen an diesen Orten. Da davon ausgegangen wird, dass die meisten von ihnen mit öffentlichen Verkehrsmitteln reisen, zeigt dieser Abschnitt der Google Mobility Reports wichtige Daten zur Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel während der COVID-19-Pandemie.

Parks und Freiflächen

Die Kategorie „Parks“ umfasst Orte wie lokale und nationale Parks, öffentliche Strände, Jachthäfen, Hundeparks, Plätze und öffentliche Gärten. Neben Grünflächen sind hier auch Wasserflächen und öffentliche Plätze enthalten. Hier sind laut Google einige „dramatische Ausschläge“ in Bezug auf das Mobilitätsverhalten während COVID-19 zu erwarten.

Arbeitsstätten

Die Kategorie „Arbeitsstätten“ gibt an, wie sich die Anzahl der Besucher*innen von Arbeitsstätten im Vergleich zu den Basistagen im Januar und Februar 2020 verändert hat. Diese Besuche können mit der Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel zum Erreichen des Arbeitsplatzes in Beziehung gesetzt werden.

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Zeit zu Hause

Schließlich zeigen die Google Mobility Reports Mobilitätstrends für die Wohnorte. Diese Kategorie misst die Dauer und nicht die Anzahl der Besuche, weshalb man sie nicht ohne weiteres mit den anderen Kategorien verglichen kann.

In diesem Zusammenhang auch interessant: Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hatte die Corona-Pandemie für die Architektur? Eine Studie berichtet über das Jahr 2020. Mehr dazu hier: Architektur Corona.