Waldbrand: UN-Bericht 2022 warnt vor Gefahr eindringlich

Gemeinsam mit GRID-Arendal veröffentlichte das UN-Umweltprogramm UNEP kürzlich neueste Zahlen zur Gefahr von Waldbrand. Hier sind die Ergebnisse zu den Waldbränden.

Gemeinsam mit GRID-Arendal veröffentlichte das UN-Umweltprogramm UNEP kürzlich neueste Zahlen zur Gefahr von Waldbrand. Hier sind die Ergebnisse zu den Waldbränden.

Gemeinsam mit GRID-Arendal, einem gemeinnützigen Umweltkommunikationszentrum mit Sitz in Norwegen, veröffentlichte das UN-Umweltprogramm UNEP kürzlich neueste Zahlen zur Gefahr von Waldbrand. Diese Gefahr soll bis zum Ende des Jahrhunderts um 50 Prozent zunehmen. Mehr dazu hier.

Der neue Bericht „Spreading like Wildfire: The Rising Threat of Extraordinary Landscape Fires“ des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) und des norwegischen gemeinnützigen Umweltkommunikationszentrums GRID-Arendal schätzt, dass das Risiko verheerender Brände bis zum Jahr 2100 um bis zu 57 Prozent steigen könnte. Dies ist hauptsächlich auf den Klimawandel zurückzuführen, so die mehr als 50 Forscher*innen aus sechs Kontinenten, die für den Bericht verantwortlich sind. Veränderungen in der Landnutzung sind ein weiterer Faktor, der stark zu einem erhöhten Waldbrandrisiko beiträgt.

Höhere Gefahr von Waldbrand fast überall auf der Welt

Selbst in der Arktis und anderen Regionen, die bisher nicht von Waldbränden betroffen waren, wird das Risiko in den kommenden Jahren steigen. Nur in einigen wenigen Gebieten, vor allem auf dem afrikanischen Kontinent, ist die Gefahr von Waldbrand geringer. Die Autor*innen fordern eine radikale Änderung der staatlichen Maßnahmen zur Vorbereitung auf Waldbrände mit Schwerpunkt auf der Prävention.

Der Bericht wurde nur wenige Tage vor dem zweiten Teil des Sechsten Assessment Reports zum Klimawandel des IPCC veröffentlicht, in dem ebenfalls dringende Maßnahmen von Regierungen und anderen Akteuren gefordert werden. In beiden Berichten betonen die Autor*innen, dass die Auswirkungen des Klimawandels oft nicht gleichmäßig verteilt sind und tendenziell die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen und Ökosysteme treffen.

Brände in Rekordhöhe werden zur Normalität

Waldbrände sind unkontrollierte Brände in der freien Natur. In den vergangenen Jahren gab es beispielsweise rekordverdächtige Waldbrände in Australien, Griechenland und Südamerika. Angesichts des globalen Temperaturanstiegs muss der Mensch das Risiko für diese Brände, die oft verheerende Folgen für Ökosysteme, Flora, Fauna und menschliche Siedlungen haben, verringern.

Der UNEP-Bericht weist darauf hin, dass die Gefahr von Waldbrand bis 2050 bereits um ein Drittel zunehmen wird. Immer mehr unkontrollierbare Brände werden selbst Gebiete wie die Arktis treffen, die für unkontrollierte Waldbrände dieses Ausmaßes nicht ausgerüstet sind.

Unkontrollierte Waldbrände treffen die ärmsten Länder, bedrohte Arten und wertvolle Ökosysteme wie Heidelandschaften unverhältnismäßig stark. Ihre Auswirkungen halten noch lange nach dem Abklingen der Flammen an und hinterlassen Verwüstungen. Das bedeutet, dass Wald- und Buschbrände Fortschritte auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung behindern. Außerdem vertiefen sie bestehende soziale Ungleichheiten oft noch.

Dies sind einige der Auswirkungen, die Waldbrände verursachen:

Die Feuerbereitschaftsformel

Der Bericht von UNEP und GRID-Arendal stellt fest, dass das Geld oft an der falschen Stelle eingesetzt wird. Rettungskräfte und Feuerwehrleute an vorderster Front brauchen eine bessere Unterstützung. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sie oft ihr Leben riskieren. Auch eine bessere Ausrüstung und die Ausbildung von mehr Personal sind erforderlich.

Vor allem aber müssen die Regierungen daran arbeiten, die Waldbrandgefahr bzw. das Risiko extremer Waldbrände zu minimieren: „Mehr in die Verringerung des Brandrisikos investieren, mit den lokalen Gemeinschaften zusammenarbeiten und das globale Engagement im Kampf gegen den Klimawandel verstärken“, so Inger Andersen, Exekutivdirektorin des UNEP.

In der Veröffentlichung werden die Regierungen aufgefordert, eine „Feuerbereitschaftsformel“ zu verabschieden. Nach dieser Formel werden zwei Drittel der Ausgaben für Planung, Vorbeugung, Bereitschaft und Wiederherstellung verwendet. Ein Drittel des Budgets würde für die Reaktion verbleiben. Gegenwärtig wird mehr als die Hälfte der Ausgaben im Zusammenhang mit Waldbränden für die Brandbekämpfung aufgewendet. Hingegen steht weniger als ein Prozent für die Planung zur Verfügung.

Eine Kombination aus daten- und wissenschaftsbasierten Überwachungssystemen, indigenem Wissen und einer stärkeren regionalen und internationalen Zusammenarbeit wird nach Ansicht der Autoren dazu beitragen, die Waldbrandgefahr zu verringern.

Neben strengeren internationalen Standards für die Sicherheit und Gesundheit von Feuerwehrleuten und der Minimierung ihrer Risiken fordert der Bericht auch eine Sensibilisierung für Themen wie Rauchinhalation, Einklemmungen, Flüssigkeitszufuhr, Ernährung, Ruhe und Erholung zwischen den Schichten für Feuerwehrleute.

Waldbrand und Klimawandel

In dem Bericht heißt es, dass sich Waldbrandgefahr und Klimawandel gegenseitig verschärfen. Gleichzeitig haben die Wissenschaftler*innen immer noch Schwierigkeiten, das Verhalten von Waldbränden vollständig zu verstehen. Ein nachhaltiges Brandmanagement erfordert einen rechtlichen Rahmen und Anreize, die eine angemessene Land- und Brandnutzung fördern.

Häufig werden Waldbrände durch den Klimawandel verursacht oder zumindest verschlimmert, zum Beispiel durch Dürreperioden und veränderte Windphänomene. Durch die Brände werden wichtige Kohlenstoffspeicher wie Torfmoore und Regenwälder vernichtet, was das Risiko für künftige Waldbrände erhöht.

Das UNEP erklärte, dass der Klimawandel Waldbrände verschlimmert, während Waldbrände wiederum den Klimawandel verschlimmern. Zu viele Landschaften verwandeln sich in Brandherde, was es fast unmöglich macht, den Temperaturanstieg aufzuhalten.

Wissenschaftler*innen weisen darauf hin, dass die Situation zwar „sicherlich extrem, aber noch nicht hoffnungslos“ ist. Zu den natürlichen Lösungen zur Eindämmung von Waldbränden gehören das kontrollierte Abbrennen. Außerdem die Bewirtschaftung von Landschaften mit Weidetieren, die das brennbare Material reduzieren, und das Entfernen von Bäumen in der Nähe von Wohnhäusern. Indigenes Wissen über kontrollierte Brände, wie zum Beispiel das traditionelle Abbrennen von Landschaften in Afrika, ist der Schlüssel, um zu verstehen, wie man das Ökosystem unterstützen und eine angemessene Lösung für verschiedene Regionen finden kann.

Die UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen

Zwischen 2021 und 2030 findet die UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen statt. Dies ist ein Aufruf zum Schutz und zur Wiederbelebung von Ökosystemen auf der ganzen Welt zum Nutzen von Mensch und Natur. Gemeinsam mit der Generalversammlung der Vereinten Nationen und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation baut das UNEP eine globale Bewegung zur Verbesserung der Wiederherstellung von Ökosystemen auf.

Der jüngste Bericht über die Gefahren von Waldbrand ist ein Teil dieser Bemühungen. Er zeigt auf, wie Ökosysteme nach einem Waldbrand geschützt und wiederhergestellt werden können. Schließlich ist das Feuer ein zentrales Element für unseren Planeten, das auf angemessene Weise gemanagt werden muss insbesondere in Zeiten des Klimawandels.

Den vollständigen Bericht „Spreading like Wildfire: The Rising Threat of Extraordinary Landscape Fires“ des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) und des norwegischen gemeinnützigen Umweltkommunikationszentrums GRID-Arendal können Sie sich auf der UNEP-Webseite herunterladen.

Auch lesenswert: Der Klimawandel lässt die Risiken durch Hitze, Trockenheit und Starkregen durch den Klimawandel in Deutschland stark ansteigen

Titelbild: Matt Palmer / Unsplash

Das könnte Sie auch interessieren
Wettbewerbsübersicht Januar 2019 (2/2)
betonhaus-am-ruhigen-wasser-am-tag-HsNLzllzW58
Permakultur als Prinzip für städtische Freiraumplanung
Auf der Landesgartenschau in Bad Gandersheim ist das neue Naturfreibad zu sehen. Foto:Frank Terhorst/LAGA
Landesgartenschau Bad Gandersheim 2023 lockt mit Sole-Naturbad
luftbild-der-stadt-tQJ2iy0bmYY
Was ist ein Decision Support System mit KI?
Gärten des Jahres 2026 – Gewinner*innen
luftbildaufnahme-plaza-mit-baumen-und-gebauden-_NpSkRaTy0A
Planung in der Polykrise – Multikrisen-Management in der kommunalen Praxis
Holzbrücke in Paris
AUF DEN GRUND GEGANGEN
eine-stadtstrasse-voller-verkehr-neben-hohen-gebauden-L7RbsRIG7DQ
Die gerechte Stadt gestalten – sozialräumliche Planung im 21. Jahrhundert
hochwinkelfotografie-der-stadt-RvCbIQ0S-Lc
Tel Aviv als Start-up-Hub der Stadtplanung – Urban Tech zwischen Vision und Kontrolle

Am 3. und 4. Mai 2018 lädt die Bundesstiftung Baukultur zur nächsten Baukulturwerkstatt nach Karlsruhe ein. Das Thema dieses Mal: „Stadt und Fahrradmobilität“.

 

Städte wie Münster, Berlin oder Karlsruhe haben längst begriffen, dass Rad fahren als Transportmittel immer beliebter wird, und haben deshalb die Fahrradstadt als Leitbild festgelegt. Damit löst es die autogerechte Stadt ab, die viele Städte zurückbauen. Die Fahrradstadt bietet die Chance, neue Infrastrukturkonzepte zu entwickeln.  Diese verbrauchen weniger Fläche und werten die Gestaltung des urbanen Raums auf.

Veranstaltungsprogramm

Die Baukulturwerkstatt in Karlsruhe übermittelt mithilfe von Vorträgen und Beispielprojekten die Chancen, die Fahrradmobilität für die Stadt birgt. Sie beginnt mit einer gemeinsamen Radtour – wahlweise auch einen geführten Spaziergang – am 3. Mai 2018 um 14:30 Uhr. Die darauffolgende Abendveranstaltung findet im Zentrum für Kunst und Medien statt.

Der zweite Veranstaltungstag beginnt mit Diskussionen im Karlsruhe Institute of Technology zu den Themenblocks „Mobilitätskonzepte“, „Mensch und Fahrrad“ und „Fahrradstadt machen“.  Nach dem gemeinsamen Mittagessen endet die Veranstaltung um 15 Uhr.

Das Programm:

Donnerstag, 3. Mai 2018 
14.30 Uhr Stadtspaziergang oder Fahrradtour „Karlsruhe erfahren” durch Karlsruhe
Bitte melden Sie sich verbindlich für die Fahrradtour an. Die Platzanzahl ist begrenzt.

17 Uhr Kolloquium und Empfang
Zentrum für Kunst und Medien (ZKM)
Begrüßung und Vorträge
u. a. mit Prof. Dr. Anke Karmann-Woessner, Leiterin Stadtplanungsamt Stadt Karlsruhe und
Peter Cachola Schmal, Leitender Direktor Deutsches Architekturmuseum

19.30 Uhr Podiumsdiskussion

20.15 Uhr Buffet, Fahrradkultur, Musik

Freitag, 4. Mai 2018
8.30 Uhr Eintreffen
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

9 Uhr Begrüßung und Vorträge
u. a. mit Prof. Markus Neppl, Karlsruher Institut für Technologie

10.30 Uhr Arbeitsräume mit Impulsen und Werkstatttischen
1 Mobilitätskonzepte
2 Mensch und Fahrrad
3 Fahrradstadt machen
u. a. mit Konrad Rothfuchs, ARGUS Stadt und Verkehr

12.45 Uhr Ergebnispodium

13.30 Uhr Baukultur-Tisch: Gespräche beim Mittagessen

15 Uhr Ende der Veranstaltung

Zur kostenlosen Anmeldung geht es hier entlang. 

KI-Park Heilbronn: Ein kreisrunder neuer Stadtteil von MVRDV

Der KI-Park Heilbronn wird sich auf einer heute landwirtschaftlich genutzten Fläche befinden. Bildquelle: © MVRDV
Der KI-Park Heilbronn wird sich auf einer heute landwirtschaftlich genutzten Fläche befinden. Bildquelle: © MVRDV

Das niederländische Architekturbüro MVRDV plant in Heilbronn einen Stadtteil für die Künstliche Intelligenz. Derzeit wird die Fläche noch landwirtschaftlich genutzt. Aber in den kommenden Jahren soll mit dem KI-Park Heilbronn ein Hotspot für die Entwicklung innovativer KI-Produkte entstehen.

Von Landwirtschaft zum größten KI-Zentrum Europas

Bereits vor etwa fünf Jahren entwickelte das Land Baden-Württemberg eine Wirtschaftsstrategie KI, in deren Rahmen auch die Idee eines Innovationsparks für Künstliche Intelligenz entstand. Das Ziel ist es, einen Hotspot für die Entwicklung innovativer KI-Produkte zu schaffen. Internationale Firmen und Start-ups sollen sich hier ansiedeln und Applikationen zur Künstlichen Intelligenz testen.

Zunächst gab es einen Wettbewerb zur Standortwahl für den KI-Park Heilbronn, bei dem das Konsortium aus der Stadt Heilbronn gewann. Teilnehmende waren die Stadt selbst, ein kommunales Wohnungsunternehmen, die Dieter Schwarz Stiftung und Unternehmen der Schwarz-Gruppe, dem Mutterkonzern von Lidl und Kaufland. Das Konsortium ist auch als IPAI-Konsortium, kurz für Innovation Park Artificial Intelligence, bekannt.

Der gewählte Standort liegt im Nordwesten der Stadt Heilbronn im Gebiet Steinäcker. Derzeit befinden sich hier noch landwirtschaftlich genutzte Flächen. Aber in den nächsten Jahren soll „das größte Ökosystem für Künstliche Intelligenz in Europa“ entstehen, so die Website der Stadt Heilbronn. Der internationale Ideen- und Realisierungswettbewerb wurde im März 2023 entschieden. Dabei setzte sich der Masterplan von MVRDV durch. Zur Konkurrenz gehörten unter anderem wulf architekten aus Stuttgart (2. Platz), Herzog & de Meuron aus Basel (3. Platz) und OMA Office for Metropolitan Architecture aus Rotterdam (4. Platz). Das Konsortium aus Stadt, Stiftung und Unternehmen wählte den Winner aus einer Jury-Auswahl von vier Projekten.

Der Plan für den KI-Park Heilbronn sieht ein kreisförmiges Areal mit 27 Meter hohen Gebäuden und viel Grün vor. Bildquelle: © MVRDV LOLA
Der Plan für den KI-Park Heilbronn sieht ein kreisförmiges Areal mit 27 Meter hohen Gebäuden und viel Grün vor. Bildquelle: © MVRDV LOLA

Gemischte Nutzung mit vielen Grünflächen

Das Leitmotiv des Gewinnerentwurfs von MVRDV, an dem auch LOLA Landscape Architects aus Rotterdam mitwirkten, ist die kreisrunde städtebauliche Grundstruktur. Das Quartier soll einen hohen Wiedererkennungswert haben. Laut Jacob van Rijs, Gründungspartner von MVRDV, soll die markante Forum des Campus sogar Talente von Weltrang anziehen.

Ein 1,2 Kilometer langer Rundweg mit einer Sprintstrecke, einem Skatepark, einer Tribüne und Aussichtspunkten wird das Quartier umgeben. Im Inneren soll der KI-Park Heilbronn durch eine Nord-Süd-Achse und eine Ost-West-Achse geteilt werden. Im Süden ist das Quartier an das Straßennetz angeschlossen. Außerdem soll es zwei Bushaltestellen für den Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr geben.

Der KI-Park Heilbronn wird sich auf einem Gebiet von etwa 23 Hektar befinden. MVRDV hat die Gebäudekubaturen schlicht gehalten. Sie haben eine einheitliche Höhe von 27 Metern und eine modulare Bauweise. So soll eine effiziente Realisierung möglich sein. Im Zentrum des geplanten Parks steht ein zylinderförmiges Kommunikationszentrum, das Räume für Veranstaltungen, Ausstellungen und Konferenzen sowie ein Schulungszentrum beherbergt. Sogenannte Specials wie die „Smart Mobility Hub“, eine Sporthalle und ein Bereich für Start-ups gehören ebenfalls zum Campus. So entsteht eine gemischte Nutzung, zu der neben Bürogebäuden und Laboren auch Wohngebäude, Kindertagesstätten und Gastronomie sowie Grünflächen gehören.

Das Kommunikationszentrum stellt das Herz des KI-Parks Heilbronn dar. Bildquelle: © MVRDV
Das Kommunikationszentrum stellt das Herz des KI-Parks Heilbronn dar. Bildquelle: © MVRDV

Ein Wertschöpfungszentrum im Weltklasseformat

Der Bau des KI-Parks Heilbronn soll im Jahr 2024 beginnen. Erste Gebäude könnten bereits im Jahr 2026 bezugsfertig sein. Derzeit stehen die ersten 100 Millionen Euro zur Realisierung des Parks zur Verfügung. Sie stammen je zur Hälfte vom Land Baden-Württemberg und von der Dieter Schwarz Stiftung. Bis zum Endausbau könnten Kosten im hohen dreistelligen Millionen-Bereich anfallen, da das KI-Quartier hohe bautechnische und ökologische Vorgaben erfüllen muss. Über 30 Gebäude sollen letztlich auf dem Gelände stehen. Den Anfang wird ein Infozentrum in der Mitte des Areals machen.

Um die 5 000 Menschen sollen in dem neuen Quartier Arbeit finden. Dies ist der Schwarz-Stiftung besonders wichtig. Sie investiert schon seit Jahren in Bildungs- und Forschungseinrichtungen in Heilbronn. Schließlich ist der heute 83-jährige Dieter Schwarz, früherer Geschäftsleiter von Lidl und Kaufland, in Heilbronn zur Welt gekommen. Als eine der reichsten Personen Deutschlands ist Schwarz eine wesentliche Kraft hinter dem KI-Park Heilbronn.

Das Ziel des kreisrunden neuen Stadtteils in Heilbronn besteht darin, ein „Wertschöpfungszentrum im Weltklasseformat“ zu schaffen. Ob dies erfolgreich ist, hängt vor allem davon ab, wie viele große Firmen sich dort ansiedeln und in den Standort investieren möchten. Die internationale Bekanntheit des Studios MVRDV wird sicherlich zur Attraktivität des KI-Parks beitragen.

Bis der KI Park Heilbronn in frühestens zehn Jahren komplett ist, kommen Büroflächen im Zukunftspark der Stadt zum Einsatz.

Etwa 5 000 Menschen sollen in Heilbronns neuestem Stadtteil zum Thema Künstliche Intelligenz arbeiten und forschen können. Bildquelle: © MVRDV
Etwa 5 000 Menschen sollen in Heilbronns neuestem Stadtteil zum Thema Künstliche Intelligenz arbeiten und forschen können. Bildquelle: © MVRDV

Ziel der Klimaneutralität

Mit dem KI-Park möchte sich Heilbronn international präsentieren. Die Stadt wünscht sich Aufsehen und einen hohen Wiedererkennungswert. Laut Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU), Wirtschaftsministerin von Baden-Württemberg, zeigt der Innovationspark, dass das Land seine digitale Zukunft selbst in die Hand nimmt. „Künstliche Intelligenz ist im Alltag angekommen. Wir wollen KI aus Baden-Württemberg heraus mit unseren Werten prägen.“

Der kreisrunde KI Campus soll schon von der Autobahn aus zu sehen sein. Mit seiner Mischung von Gebäuden in unterschiedlichen Stilen und flexibler Nutzung soll er vor allem die internationale KI-Elite anziehen. Und auch neugierige Besucher*innen können den KI-Park Heilbronn künftig besuchen, um die Entwicklung neuer Technologien aus erster Hand zu erleben.

Der Siegerentwurf von MVRDV soll auch beim Thema Nachhaltigkeit neue Maßstäbe setzen. Dazu sollen neben Grünflächen auf dem Campus auch Wälder, Wildwiesen und Obstgärten bestehen. Zudem plant MVRDV, die modulare Gebäude aus ökofreundlichen Materialien zu bauen. Der Energiekonsum des fertigen Campus soll bis zu 80 Prozent niedriger sein als der Verbrauch eines typischen Campus der gleichen Größe. Sogenannte bioklimatische Fassaden und energieeffiziente Gebäude in Kombination mit Windturbinen und Solaranlagen sollen dies ermöglichen. So hofft MVRDV, den KI-Park Heilbronn im Laufe seines Lebens kohlenstoffneutral zu machen.

Übrigens: MVRDV ist auch in anderen deutschen Städten aktiv, so etwa in München am Candidplatz.