10.09.2021

Projekt

Werftareal Korneuburg: Wohnen an der Werft

Werftareal Korneuburg

Vogelperspektive auf das neue Werftareal Korneuburg (Visualisierung: K18)

Wo über 150 Jahre Schiffe gebaut wurden, wohnen demnächst 1 400 bis 1 700 Menschen. Kaum 20 Kilometer von Wien entfernt entsteht ein neues, gemischtes Quartier direkt an der Donau. Über die Gestaltung des neuen Stadtteils auf dem Werftareal Korneuburg denken derzeit sieben internationale Architekturbüros nach.

Die Gemeinde Korneuburg liegt kaum eine halbe Stunde von Wien entfernt. Ihre Lage direkt an der Donau machte sie über viele Jahre zu einem Ort des Schiffbaus. Diese Ära endete in den 1990er-Jahren. Nach verschiedenen Zwischennutzungen steht nun fest, dass auf dem denkmalgeschützten Werftareal Korneuburg demnächst über 1 400 Menschen wohnen. Wie genau der neue Stadtteil aussehen wird, ist noch unklar. Die Zügel in diesem Prozess hält nun die Stadt Korneuburg zusammen mit der Signa AG in der Hand. Sie hat das Areal erworben und kooperiert bei der Neugestaltung des Werftareal Korneuburg mit sieben Architekturbüros.

Werftareal Korneuburg
Vogelperspektive auf das neue Werftareal Korneuburg (Visualisierung: K18)

150 Jahre Schiffbau

Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts wurden an den Ufern der Donau Schiffe repariert. Um die Zeit mauserte sich das Werftareal Korneuburg zu einem Reparatur- und Abstellplatz für die Donauschiffe. Diese Tradition hielt fast 150 Jahre an. Erst in den späten 1990er Jahren kam der Schiffbau zum Erliegen. Fehlende Subventionen, Fehler im Management und die Abhängigkeit von Aufträgen aus der Sowjetunion führten zum Niedergang der Werft. Das letzte Schiff lief Ende 1993 vom Stapel und 1994 schloß der Betrieb endgültig. Danach lag das Werftareal Korneuburg brach. Aber schon 2005 schlichen sich neue Nutzungen ein. Mit dem Hafenfest kam erstes neues Leben auf das Werftareal Korneuburg; zumindest temporär.

Neue Rahmenbedingungen

2015 entwickelte die Stadt einen Masterplan für das 18 Hektar große Werftareal Korneuburg. Der entstand in mehreren Phasen und präsentierte die Stadt schließlich 2018 der Öffentlichkeit. Sämtliche Eigentümer*innen, neben der Stadt auch einige private Akteur*innen, saßen damals mit im Boot. Dann änderten sich die Rahmenbedingungen. Im Jahr 2019 erwarb ein Tochterunternehmen der Signa Holding einen großen Anteil am Werftareal. Nun muss die Stadt bei der Entwicklung des Hafengebietes mit dem Unternehmen kooperieren. Gemeinsam erarbeiten sie derzeit die Pläne für das neue Quartier mit Wohnungen und Geschäftsflächen auf dem Werftareal Korneuburg.

Werftmitte mit der Slipanlage (Visualisierung: K18)

Masterplan für das Werftareal Korneuburg

Die Basis für den neuen Stadtteil auf dem Werftareal Korneuburg bildet ein Masterplan der KCAP Architects. Er sieht eine Bruttogeschoßfläche von 170 000 Quadratmetern vor. Und auf dieser Grundlage startet nun ein kooperatives Planungsverfahren, zu dem sieben Architekturbüros geladen sind. Drei Büros stammen aus dem skandinavischen Raum. Das sind COBE, JAJA aus Kopenhagen sowie Snøhetta aus Oslo. Darüber hinaus arbeiten Berger+Parkkinen, Delugan-Meissl Associated Architects und Maurer & Partner als Fachleute aus Österreich mit. Gemeinschaftlich werden sie den Masterplan zu einem Vorentwurf weiterentwickeln. Nur bei der Gestaltung des Leuchtturmprojekts am Werftspitz ringen die Büros gegeneinander. Hierfür ist ein Wettbewerb vorgesehen. Es soll ein Hingucker entstehen.

Das Herzstück des Werftareals Korneuburg

Das Herzstück der alten Industrieanlage bilden die denkmalgeschützten Werfthallen und der historische Kran. Diese prägende Gebäude bleiben in öffentlicher Hand, da sie eine behutsame Erneuerung und Anpassung an die Erfordernisse der Zeit verspricht. Daneben befindet sich eine alte Slipanlage. Auch die bleibt in Erinnerung an die Industriezeit erhalten. Alle zusammen bilden die Werftmitte, die das Herzstück des neuen Stadtteils werden soll. Um die Relikte der Vergangenheit herum entsteht dann ein gemischt genutztes Quartier mit Wohnen, Arbeiten, Kultur Gastronomie und Freizeitangeboten. Zu denen gehört auch Werftbad und ein öffentlich zugänglicher, naturnaher Park am Werftspitz. In der Mitte der Hafenbucht und damit dem Werftareal Korneuburg wird eine Fußgänger*innenbrücke gebaut. Darüber hinaus ist ein neuer Fuß- und Radweg von hier zum Bahnhof in Planung. Zum Mobilitätskonzept gehört aber auch ein Autobahnanschluss, der das Werftareal Korneuburg an die lokale Autobahn anbindet.

Werftmitte bespielt von Gastronomie (Visualisierung: K18)

Wohnen auf dem Werftareal Korneuburg

Insgesamt werden auf dem Werftareal Korneuburg zukünftig etwa 1 400 bis 1 700 Menschen leben. Auf der Halbinsel, die in die Donau hineinragt, entstehen mehrgeschossige Wohnhäuser. Derzeit sollen etwa 20 Prozent der Eigentumswohnungen gefördert sein. Die Stadt Korneuburg wünscht sich mindestens 30 Prozent bezahlbaren Wohnraum. Genaue Zahlen stehen aber noch nicht fest. Ob 1 500 oder 2 000, eines ist jedoch klar: Das Projekt ist riesig im Vergleich zu den 14 000 Einwohnern, die die Stadt Korneuburg bisher zählt. Vor dem Hintergrund wird von einer richtigen Stadt in der Stadt gesprochen. Für die Vielfalt des Stadtteils bei gleichzeitig möglichst einheitlichen Erscheinungsbild sorgen die sieben Architekt*innenteams. Die stammen nicht umsonst zur Hälfte aus Skandinavien. Als Skandinavier*innen versprechen sie große Erfahrung mit dem Bauen am Wasser zu haben.

Nutzungsvielfalt und Nachhaltigkeit

Wie genau welche Flächen genutzt werden, ist derzeit noch unklar. Am Ende der Planungen und Verhandlungen werden die Rahmenbedingungen in städtebaulichen Verträgen festgeschrieben. In jedem Fall soll beim Errichten der Gebäude soviel wie möglich über die Donau und den Hafen transportiert werden. Schon der Bau des Stadtteils soll möglichst nachhaltig und CO2-neutral sein. Für den späteren Betrieb ist ebenfalls eine Energie-Autarkie geplant. Bevor der Baubeginn erfolgt, werden den Bürger*innen die konkreteren Pläne jedoch noch einmal präsentiert.

COBE Architects können bereits Erfahrungen im Bereich der Konversion alter Industriebrachen vorweisen. Dieses Jahr überzeugte das Büro mit ihrem Masterplan für Jernbanebyen, ein alter Bahnhof in Kopenhagen.

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