Im Januar 2021 rief die Hansestadt zu einem städtebaulichen Wettbewerb für den Hauptbahnhof in Hamburg auf. Nun wurde der Siegerentwurf verkündet – und ein namhaftes Landschaftsarchitekturbüro ist dabei. Alles dazu hier.

Die Bahnsteige sind überfüllt. Das Wegenetz gibt kaum Orientierung. Auch an Aufzügen fehlt es. Dafür mangelt es nicht an Personenverkehr. So kann der Hamburger Hauptbahnhof beschrieben werden. Als wichtiger Verkehrsknotenpunkt im Norden Deutschlands spielt der Bahnhof eine wichtige Rolle in der lokalen wie überregionalen Infrastruktur. Dieser kann der Bestandsbau derzeit kaum nachkommen. Um dem Defizit zu begegnen, riefen die Stadt und die Bahn bereits Anfang des Jahres 2021 einen Wettbewerb zur Umgestaltung aus. Im Januar 2021 bewarben sich in einem europaweiten Verfahren Büros zur Teilnahme. Im August wurden zehn Entwürfe für die weitere Bearbeitung ausgewählt. Zuletzt waren noch sechs Bewerber*innen im Rennen. In der Schlussrunde setzten sich bof Architekten aus Hamburg zusammen mit dem Landschaftsarchitekturbüro hutterreimann aus Berlin durch. Nicht nur die Jury sprach sich für das prämierte Projekt aus. Auch die Hamburger*innen hatten als lokale Expert*innen in einer öffentlichen Ausstellung die Wettbewerbsarbeiten begutachten und ihr Feedback einbringen können.

bof Architekten und hutterreimann überzeugen

 

Der gekürte Entwurf setzt einen Masterplan für den Hauptbahnhof Hamburg und sein Umfeld fest. Die Aufgabe war keine leichte. Einerseits musste die verkehrliche Leistungsfähigkeit des Bahnhofs garantiert werden. Andererseits galt es aber auch insgesamt eine stimmige städtebauliche und architektonische Antwort für das Areal zu finden. Der Kontext erforderte eine kluge Vernetzung mit der Nachbarschaft und eine hohe Qualität in der Gestaltung der Freiräume. Schließlich verlangte der Denkmalschutz nach einem behutsamen Umgang mit dem Bestandsgebäude. Dorothee Stapelfeld von der SPD beschreibt die freitragende Dachkonstruktion der Bahnsteighalle als beeindruckendes Bauwerk, das auch 115 Jahre nach Inbetriebnahme noch imponiere. Bof Architekten und hutterreimann schlugen eine Erweiterung der Tonnendachkonstruktion an der Ostseite vor. Weiterhin umfasst ihr Entwurf eine Aufwertung der umliegenden Plätze und eine Einbindung in die umliegenden Stadträume. Vorallem ihre Konzeption einer gläsernen Halle auf der Südseite des Bestandsgebäudes überzeugte. Sie dient nicht dem Zugverkehr, sondern wird von Bussen durchfahren.

Von langer Hand geplant

Eine Machbarkeitsstudie der Deutschen Bahn aus dem Jahr 2018 schlug bereits diverse Szenarien für einen Umbau des Hauptbahnhofs Hamburg vor. Auf 25 Seiten legte der Bericht nahe, den PKW-Verkehr im Süden zugunsten einer Aufwertung des Eingangsbereichs zurückzudrängen. Auch der spektakuläre Ansatz einer 37 Meter hohen Glaskuppel wird in der Studie andiskutiert. Eine Dachkonstruktion, die sich bis über die Straße Steintordammbrücke spannt, könnte weiterhin mit neuen Geschäften und Büroflächen angereichert werden. Die Überlegungen zielten auch darauf ab, den Hachmannplatz neu zu bespielen. Dort hielt die Stadt die Zustände vor drei Jahren für so alarmierend, dass der Bezirk einen Runden Tisch einberief. Seitdem hat die Stadtreinigung einen 24-Stunden-Dienst vor Ort eingerichtet, um für Sauberkeit zu sorgen. Mit dem Wettbewerb erhofft man sich eine langfristige Umgestaltung als Lösung. Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher von der SPD sprach 2018 von einer Jahrhundertaufgabe. Und ergänzte, dass realistischerweise nicht mit einer Fertigstellung vor 2030 zu rechnen sei.

Ein Hauptbahnhof für die Stadt Hamburg

 

Durch das Wettbewerbsergebnis ist man einer Realisierung nun einen Schritt nähergekommen. Dr. Anjes Tjarks, Senator für Verkehr und Mobilitätswende ist mit dem prämierten Projekt sehr zufrieden. Der Entwurf verbinde in herausragender Art und Weise die unterschiedlichsten Ansprüche. Da sei zum einen die Steigerung auf 750 000 Menschen, die den Hauptbahnhof täglich nutzen, in den nächsten 20 Jahren. Dieser Entwicklung trage das Gewinnerprojekt Rechnung. Es denke den Hauptbahnhof räumlich, architektonisch und städtebaulich groß. Weiterhin präge der Bahnhof das Stadtbild Hamburgs schon seit über 100 Jahren in einzigartiger Weise. Die Erweiterung nach Süden gebe ihm ein markantes, aber wiedererkennbares Gesicht. So könne das Gebäude auch zukünftig für die Stadtsilhouette prägend bleiben. Die Relevanz des Bahnhofs für die Stadt Hamburg stellt Bürgermeister Tschentscher ebenfalls heraus. Der Umbau sei ein wichtiges Vorhaben für die Entwicklung der ganzen Stadt. Er dankte in diesem Sinne auch allen beteiligten Bürger*innen, die sich im Planungsprozess eingebracht hatten.

Ein Bahnhof für die Zukunft

Einen weiteren Aspekt führt die Produktion-Vorständin von Station&Service der Deutschen Bahn, Jeanette Winter, an. Sie hebt die Rolle des Schienenverkehrs in der Debatte um die Klimawende hervor. Der Hamburger Hauptbahnhof sei schon jetzt der Bahnhof mit den meisten Reisenden deutschlandweit. Zukünftig wolle die Deutsche Bahn noch mehr Menschen für das klimafreundliche Reisen gewinnen. Der Umbau des Hauptbahnhofs in der Hansestadt hin zu einem zukunftsweisenden und modernen Bahnhof sei dabei ein wichtiges Symbol. Der prämierte Entwurf verspricht eine hohe Aufenthaltsqualität in lichtdurchfluteten Räumen. Oberbaudirektor Franz-Josef Höing bringt es in seinem Statement auf den Punkt: „Großzügig, höchst funktional, architektonisch überraschend und dennoch vertraut und selbstverständlich.“ Bof Architekten und hutterreimann ist es gelungen, eine architektonische Geste zu inszenieren, dabei offene Freiräume zu erhalten und wichtige Blickbeziehungen zu stärken. Als nächste Schritte auf dem Weg zum Hamburger Hauptbahnhof der Zukunft sind nun die weiteren Vorbereitungen der Planungsleistungen, sowie eine Ausstellung der Wettbewerbsergebnisse vorgesehen.

Nur vier Kilometer vom Hamburger Hauptbahnhof entfernt liegen die Elbbrücken: Ende 2021 einigte sich der Senat auf einen Rahmenplan für das umliegende, 80 Hektar große Gebiet. Alles zu den Plänen lesen Sie hier.

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Gemeinschaftsgärten sind Teil der essbaren Stadt und bringen zahlreiche soziale, ökologische und wirtschaftliche Vorteile. Foto: via rawpixel

Mit dem Begriff der essbaren Stadt ist ein Konzept gemeint, bei dem Obst- und Gemüse- sowie Nutzpflanzen auf öffentlichen Flächen angebaut werden. Diese zugänglichen Lebensmittel stehen allen Menschen frei zur Verfügung. Sie dienen unter anderem der Ernährung und der Bildung in Städten.

Die urbane Nahrungsmittelproduktion ist keine neue Erfindung, aber heutzutage kommt sie nicht mehr aus einer Notsituation heraus. Vielmehr geht es bei der essbaren Stadt um den Gedanken, neue Gemeingüter zu schaffen und Lebensmittel für alle Menschen frei zur Verfügung zu stellen. So steigt die Lebensqualität für alle und Städter*innen erfahren mehr über die Lebensmittelproduktion. Essen als zugängliches Thema soll zudem alle Bevölkerungsgruppen einladen und zu Konversationen anregen.

Regionale, geschlossene Nährstoffkreisläufe

Essbare Städte sind oft Teil von landschaftsarchitektonischen Vorhaben. Sie sind Teil der ästhetischen Funktion städtischer Grünflächen, haben aber zusätzlich auch umweltpädagogische, soziale und ökologische Aspekte. Damit unterstützen sie die Nachhaltigkeitsziele von Städten, sei es durch öffentliche Gärten, Obst- und Nussbäume, Gemüseprojekte oder Beerensträucher im Park. Das Konzept kann sowohl von der Bevölkerung als auch von der Stadtverwaltung umgesetzt werden.

Es bringt wichtige wirtschaftliche Vorteile: Armutsbekämpfung, erhöhte Ernährungssicherheit, Förderung der Kreislaufwirtschaft und Transparenz entlang der Wertschöpfungskette führen dazu, dass Lebensmittel in vielen Städten heute einen ganz neuen Stellenwert haben. Hochwertige Produkte können die Multifunktionalität öffentlicher Grünflächen erhöhen.

Und durch die partizipativen Aspekte der meist von den Bürger*innen gepflegten essbaren Stadt entstehen soziale Vorteile: Die „Prosument*innen“, die sowohl konsumieren als auch produzieren, entwickeln ein Bewusstsein für nachhaltige Ernährung und haben Zugang zu gesunden Optionen. Durch Gemeinschaftsveranstaltungen wie Gärtnern oder Erntedankfeste lässt sich die soziale Wirkung der essbaren Stadt gut entfalten.

Und auch ökologisch gesehen bringt die essbare Stadt Vorteile: Sie erhöht den Anteil an Grünflächen in Städten, fördert die Biodiversität und Artenvielfalt, vermittelt jungen Menschen die Bedeutung von Lebensmitteln und kann die Lebensmittelverschwendung reduzieren. Zudem fördert sie regionale, geschlossene Nährstoffkreisläufe mit minimalen Lieferwegen.

: In der essbaren Stadt werden die Bürger*innen zu Prosument*innen, die sowohl konsumieren als auch konsumieren. Foto: via unsplash
: In der essbaren Stadt werden die Bürger*innen zu Prosument*innen, die sowohl konsumieren als auch konsumieren. Foto: via unsplash

Über 100 essbare Städte in Deutschland

Wenn sich eine Stadt als „essbar“ bezeichnet – ein selbst gewählter Titel –, dann hat sie vermutlich einen recht hohen Anteil an öffentlichen Gärten, Obst- und Gemüsepflanzen und Angeboten wie der App Mundraub. Letztere zeigt, wo zugängliche Beeren, Gemüsearten, Nüsse und weitere Lebensmittel gepflückt werden können.

Städte wie Kassel, Halle, Trier, Köln, Andernach, Kiel und Jena tragen den Titel voller Stolz. Hier stehen die Stadtverwaltungen ebenso wie die Behörden, die Bürger*innen und oft auch private Vereine hinter dem Vorhaben. Andernach nutzt seit 2010 die Bezeichnung essbare Stadt und ist damit die erste Stadt in Deutschland. Bereits im Jahr 2008 gab es im Vereinigten Königreich mit Todmorden eine „edible town“. Auf öffentlichen Gebäuden entstanden Gemüsegärten, die von Beginn an allen Bürger*innen offenstanden: Sie durften das ernten, was im öffentlichen Raum wuchs.

Das Interesse in den Medien war groß. Jährlich finden um die 150 Exkursionen in Andernach statt, die andere Städte dazu inspirieren, ebenfalls zu einer essbaren Stadt zu werden. Im Jahr 2016 gab es bereits 63 Gemeinden in Deutschland, die entsprechende Konzepte hatten. Heute sind es über 100.

Essbare Blumen, Zucchinis, Tomaten, Gurken, Kräuter, Beeren und vieles mehr wächst in den meisten Städten ohne Probleme und kann zum Gemeingut werden. Foto: via unsplash
Essbare Blumen, Zucchinis, Tomaten, Gurken, Kräuter, Beeren und vieles mehr wächst in den meisten Städten ohne Probleme und kann zum Gemeingut werden. Foto: via unsplash

Das Konzept verankern

Auf den ersten Blick hat das Konzept der essbaren Stadt keine Nachteile: Es ist leicht und günstig umzusetzen und erfüllt zahlreiche Nachhaltigkeitskriterien. Wichtig ist jedoch, dass es nicht bei einem Symbolcharakter bleibt: Vielmehr sollte die essbare Stadt zu Verhaltensänderung in der Produktion und Verarbeitung von Lebensmitteln führen. Auch Handel und Konsum sollten sich idealerweise verändern.

Erfolgreiche essbare Städte sind vielfältig: Von Gemüse, Obst, Kräutern und essbaren Blüten in Parks und Fußgängerzonen über Balkone, Wände und Dachflächen bis hin zu öffentlichen Grünanlagen, Spielplätzen sowie Gemeinschafts- und Schulgärten gibt es viele Möglichkeiten, Bewohner*innen mit frischen, regionalen Lebensmitteln zu versorgen.

Damit das gut funktioniert, müssen die Stadtbewohner*innen Verantwortung übernehmen. Denn sie kümmern sich um die Bepflanzung und Pflege der Flächen. Die Grünflächenämter unterstützen und koordinieren dies idealerweise. Politische und finanzielle Unterstützung, etwa durch Anreize für den Anbau von Lebensmitteln auf privaten Grundstücken oder für die Umwandlung von Brachflächen in Gemeinschaftsgärten, sind hilfreich.

Bildungsprogramme sowie Initiativen zur Stärkung der Gemeinschaft, wie der Nordpark Essbare Stadt in Chemnitz, helfen dabei, das Konzept in der Kultur zu verankern. In Berlin zeigt die Initiative „Prinzessinnengärten“, wie aus einer Brache eine blühende Oase mitten in der Stadt entstehen kann, die ganze Familien versorgt. In der kanadischen Stadt Toronto sind aus den Klein- und Gemeinschaftsgärten ganze Food-Coops (Kooperativen), Bauernmärkte, Bildungsprogramme und Initiativen der solidarischen Landwirtschaft entstanden.

In essbaren Städten lernen Kinder schon früh, wie wichtig eine gesunde und nachhaltige Nahrungsmittelproduktion ist. Foto: via unsplash
In essbaren Städten lernen Kinder schon früh, wie wichtig eine gesunde und nachhaltige Nahrungsmittelproduktion ist. Foto: via unsplash

Anreize sind nötig

Das Konzept der essbaren Stadt breitet sich immer weiter aus. Vor allem der Gedanke, neue Gemeingüter zu schaffen, ist für viele Städte attraktiv. Das Nachhaltigkeitspotenzial des Konzeptes ist hoch. Um die sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, ist es wichtig, dass der Ansatz zu substanziellen Verbesserungen in der Produktion und im Konsum von Lebensmitteln vor Ort führt.

Solange die Menschen in Städten Zugang zu frischen Lebensmitteln haben, die vor Ort angebaut werden – ob in Gemeinschaftsgärten, auf öffentlichen Flächen oder auf privaten Grundstücken – kann eine Stadt als „essbar“ bezeichnet werden. Das Konzept bietet viele Vorteile für die Umwelt, die Gesellschaft und die Gesundheit der Stadtbewohner*innen. Durch geeignete Anreize sowie die Unterstützung von Initiativen können Städte dazu beitragen, mit einem essbaren Konzept eine nachhaltigere Zukunft zu gestalten.

Weiterlesen: In ihrem Buch „Rein ins Grüne, raus in die Stadt“ widmet sich die Autorin und Politikerin Renate Künast der Thematik urbane Gärten.

Klimawandel Deutschland: Neue Klimawirkungs- und Risikoanalyse des Bundes

Dan Gold

Cluster Land

Am 14. Juni 2021 stellte Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt die Ergebnisse der Klimawirkungs- und Risikoanalyse (KWRA) des Bundes vor. Die Message: Wenn es so weiter geht, werden die Risiken durch Hitze, Trockenheit und Starkregen durch den Klimawandel in Deutschland stark ansteigen. Wir haben die wichtigsten Erkenntnisse hier nochmal für Sie zusammengefasst.

Zum zweiten Mal seit 2015 wurden mit der Klimawirkungs- und Risikoanalyse 2021 die durch den Klimawandel in Deutschland verursachten zukünftigen Risiken genauer unter die Lupe genommen. Sind bisher nur wenige Gebiete in Deutschland mit den Auswirkungen des Klimawandels wie Dürren oder Überschwemmungen betroffen, könnte das schon zur Mitte des Jahrhunderts ganz anders aussehen. Im Folgenden fassen wir Ihnen die Erkenntnisse der KWRA in den drei Clustern „Land“, „Wasser“ und „Infrastruktur“ zusammen:

Handlungsfeld Biologische Vielfalt

Der Klimawandel in Deutschland habe für eine Mehrzahl der Lebewesen eine Veränderung der Vegetationsperiode und Phänologie zur Folge. Asynchronitäten dieser Veränderungen zwischen verschiedenen Spezies führen dazu, dass Nahrungsketten durcheinander geraten und dadurch die Bestäubung und das Aufkommen von Schädlingen beeinflussen. Wärmeliebende Invasivarten können sich durch die Folgen des Klimawandels in Deutschland stärker ausbreiten, wovon folglich besonders urbane und verkehrsträgernahe Räume betroffen seien. Auch die Zusammensetzung heimischer Arten werde vom Klimawandel zugunsten der wärmeliebenden beeinflusst. Sowohl Feuchtgebiete, alpine Lebensräume als auch der Wald werden durch die Klimaerwärmung degradiert.

Handlungsfeld Boden

Sich durch den Klimawandel in Deutschland verändernde Niederschlagsmuster mit extremeren Trockenperioden, Starkregen- und Starkwindereignissen verstärken die Bodenerosion und wirken sich negativ auf die Wasserkapazität des Oberbodens aus.

Handlungsfeld Landwirtschaft

Der Klimawandel beeinflusse die landwirtschaftliche Produktionsleistung. Höhe und Qualität des Ertrages hingen davon ab, wie gut das Klima sich innerhalb eines für jedes Lebewesens unterschiedlichen Optimums bewege. Die Milchleistung und -qualität von Kühen ginge schon bei geringem Hitzestress zurück. Ebenso zurück ginge das Wachstum von Schweinen und die Legeleistung von Hühnern. Pflanzen litten sowohl unter Hitzestress als auch unter der folgenden Trockenheit, wohingegen Schädlinge von höheren Temperaturen profitieren würden. Zukünftig könnte der Klimawandel nach der KWRA häufigere Ernteausfälle und eine geringere Qualität mancher landwirtschaftlicher Produkte zur Folge haben.

Handlungsfeld Wald-und Forstwirtschaft

Hitze und Trockenstress erhöhten die Empfindlichkeit von Bäumen gegenüber anderen Stressoren wie Starkwind, Waldbrand oder Schädlingsbefall (mehr zur Situation deutscher Wälder hier). Qualität und Preis von Holz können sich zukünftig durch den Klimawandel negativ verändern. Als immer beliebter werdender Freizeit- und Zufluchtsort bei Hitzetagen könne der Nutzungsdruck auf gesunde Wälder steigen.

Cluster Wasser

Handlungsfeld Fischerei

Als wechselwarme Tiere seien Fische stark von ihrer Umwelt abhängig. Gesundheit und Zuwächse bei fischereilich bedeutenden Arten können durch den Klimawandel in Deutschland beeinflusst werden. Bis zur Mitte des Jahrhunderts könnten einige kälteliebende Arten wie die Bachforelle aus deutschen Gewässern verschwunden sein. Dazu kämen Krankheitserreger und Parasiten, die von steigenden Temperaturen profitieren.

Handlungsfeld Küsten-und Meeresschutz

Der Klimawandel beeinflusse die Temperatur und dadurch auch die Qualität des Wassers. Steigende Nährstoffkonzentrationen im Meer führen zu Sauerstoffmangel und Versauerung mit negativen Folgen auf marine Ökosysteme. Steigende Meeresspiegel erhöhten die Belastung auf Küstenschutzsysteme, küstennahe Siedlungen und Infrastruktur schützen. Kritische Entwässerungssituationen werden künftig häufiger auftreten.

Handlungsfeld Wasserhaushalt, Wasserwirtschaft

Hitze und Trockenheit beeinflussten die Wasserqualität und schränkten die Binnenschifffahrt und die Kühlwassernutzung von Kraftwerken ein. Durch den Klimawandel in Deutschland wird künftig folglich der Bedarf an bewässerten landwirtschaftlichen Flächen steigen. Angesichts der Tatsache dass nur ein Viertel des in Deutschland bezogenen Produktionswassers zur industriellen Produktion dient und der Rest zum Kühlen von KRaftwerken verbraucht wird, seien in diesem Handlungsfeld vor allem politische Entscheidung hinsichtlich der Weiterentwicklung der Industrieproduktion entscheidend.

Cluster Infrastruktur

Handlungsfeld Bauwesen

Durch den Klimawandel bedingte Stark- und Hochwasserereignisse könnten Gebäude häufiger beschädigt werden. Urbane Flächen würden sich demnach weiter verbreiten und so eine Ausdehnung städtischer Wärmeinseln zur Folge haben. Ohne bauliche Anpassung würde der Klimawandel also vermehrt zu höheren Innenraumtemperaturen führen. Künftig könnten Bautätigkeiten durch Starkwind und -regen sowie Hitze und UV-Strahlung erschwert werden.

Handlungsfeld Energiewirtschaft

Künftig seien ein steigender Bedarf an Kühlenergie und ein sinkender Bedarf an Heizenergie zu erwarten. Regional könnten demnach Lieferketten für fossile Energieträger durch Niedrigwasser beeinflusst werden und Kraftwerke müssten bei geringem Kühlwasserangebot ihre Produktion herunterfahren.

Handlungsfeld Verkehr, Verkehrsinfrastruktur

Hoch- und Niedrigwassereignisse könnten die Binnenschifffahrt zukünftig stärker beeinträchtigen. Durch den Meeresspiegelanstieg seien zudem auch Seefahrtsstraßen und maritime Infrastruktur betroffen. Straßen und Schienen sowie Verkehrsleitsysteme und Stromversorgungsanlagen würden folglich durch Hitze und andere Auswirkungen des Klimawandels unter einem höheren Beschädigungsrisiko leiden.

Cluster Wirtschaft

Handlungsfeld Industrie und Gewerbe

Zukünftig könnten bestimmte Rohstoffe, die aus klimavulnerablen Ländern stammen, schwerer für deutsche Unternehmen zu erhalten sein. Zusätzlich könnte der internationale Warenverkehr stärker durch extremes Wetter beeinträchtigt werden. Hitzewellen könnten außerdem zu Leistungseinbußen von Beschäftigten durch Unfälle oder gesundheitliche Belastungen führen.

Handlungsfeld Tourismuswirtschaft

Die Nutzung touristischer Infrastrukturen im Küstenraum oder auch Skigebiete würden außerdem durch den Klimawandel in Deutschland beeinträchtigt. Chancen hingegen ergäben sich zum Beispiel durch die zu erwartende Verlängerung der Badesaison.

Cluster Gesundheit

Handlungsfeld Menschliche Gesundheit

Die Hitzebelastung auf die Bevölkerung nehme künftig zu, ebenso extreme Wetterereignisse wie Starkregen und Hagel. Die Pollensaison beginne früher und dauere länger an. Der Klimawandel würde zudem Krankheitserreger wie Vibrionen und Vektoren wie Mücken und Zecken begünstigen.

Die vollständige KWRA finden Sie auf der Homepage des BMU.

Dem Thema „Klimawandel“ widmete sich die G+L in der Maiausgabe 2018. Hier geht es zum Heft.