Meeresspiegelanstieg – stadtplanerische Lösungen von MVRDV

Der Bericht von MVRDV erhält zahlreiche Lösungsvorschläge für die Anpassung an den Meeresspiegelanstieg. Bildquelle: MVRDV
Der Bericht von MVRDV erhält zahlreiche Lösungsvorschläge für die Anpassung an den Meeresspiegelanstieg. Bildquelle: MVRDV

MVRDV hat eine Studie veröffentlicht, die mögliche Lösungen für die Stadtplanung bietet, um mit den Problemen des steigenden Meeresspiegels umzugehen. MVRDVs Projekt-Beispiel: das Hafenviertel von Vancouver. Mehr dazu hier.

Der Katalog zum Meeresspiegelanstieg

Das niederländische Architekturbüro MVRDV hat eine Studie veröffentlicht, die Lösungen für die Stadtplanung im Hinblick auf den Meeresspiegelanstieg bieten soll. Im Mittelpunkt dieser Studie steht die Neugestaltung des Hafenviertels von Vancouver, das neue Methoden zur Anpassung an den steigenden Meeresspiegel benötigt. Als Teil von Vancouvers Sea2City Challenge liefert der aus der Studie resultierende Katalog zum Meeresspiegelanstieg neue Ideen für Anpassungslösungen.

Nach Angaben des IPCC könnte der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 um bis zu zwei Meter ansteigen, was für die zahlreichen Großstädte an den Küsten der Welt viele Probleme mit sich bringen würde. In dem Bericht von MVRDV heißt es, dass „wir Zeit haben, diesen Wandel zu entwickeln und umzusetzen, wenn wir jetzt damit beginnen“, da der Meeresspiegelanstieg allmählich erfolgt. Das Architekturbüro betont auch, dass „die Städte diese Dringlichkeit nutzen müssen, um Anpassungslösungen zu entwickeln und zu testen“. Darüber hinaus wird der Austausch von Wissen die Küstengemeinden auf dem Weg in eine nachhaltigere Zukunft unterstützen.

MVRDV ruft zu neuen, innovativeren Ansätzen zum Schutz der Küstengebiete auf. Außerdem fordert er die Leser*innen auf, eine naturbezogenere Sprache zu verwenden, wenn es um Infrastrukturen im Zusammenhang mit dem Klimawandel geht. „Schützen“, „beherbergen“ und „wiederherstellen“ sind Beispiele für Begriffe, die laut MVRDV das Gegenteil der heute verwendeten „naturfernen“ Begriffe sind.

Sea Level Rise Catalogue von MVRDV. Bildquelle: MVRDV
Sea Level Rise Catalogue von MVRDV. Bildquelle: MVRDV

Anpassungslösungen für den Meeresspiegelanstieg

Zu den Lösungen, die MVRDV vorschlägt, gehören Stelzen, modernisierte Versorgungseinrichtungen, der Bau von Gebäuden auf dem Wasser und der Abriss bestimmter Gebäude. Die Ansätze reichen von der Anpassung bereits bestehender Strukturen bis hin zu Modernisierungen und Neubauten. Wichtig ist, dass die Anpassung an den Meeresspiegelanstieg in jeder Stadt anders aussehen wird. Eine bestimmte Kombination aus Rückzug, Schutz und Anpassung wird unter allen Umständen funktionieren. Manchmal kann es sogar sinnvoll sein, sich auf das Wasser zuzubewegen.

Die in der Studie beschriebenen Pilotprojekte sind für den sofortigen Einsatz gedacht. Vancouver ist dabei der wichtigste Testfall in dem Dokument von MVRDV. Hier gestaltet das Designbüro die Uferpromenade entlang des False Creek neu und fordert eine widerstandsfähigere Architektur. Die enge Zusammenarbeit mit der Stadt hat zu einer Vision für die nächsten 100 Jahre der Stadt geführt, die andere Städte in ähnlicher Lage inspirieren könnte.

Das Prinzip des „rewilding“ ist im Fall von Vancouver von zentraler Bedeutung. Das bedeutet, dass das Land in seinen natürlichen, unkultivierten Zustand zurückversetzt und wilde Tiere wieder angesiedelt werden. Der Blick auf die Natur und auf die Geschichte ist entscheidend. MVRDV hat bei seinem Vorschlag für Vancouver großen Wert auf die Einbeziehung der Bevölkerung gelegt. Durch die Konsultation lokaler Gruppen und insbesondere von Beratern der örtlichen First Nations könnte eine andere Beziehung zwischen der Stadt und dem Hafengebiet möglich werden.

Ein neues Hafenviertel für Vancouver

MVRDV schlägt in seinen Studien ein neues Hafenviertel für Vancouver bis zum Jahr 2100 vor. Die derzeitigen Deiche und Mauern, die den Wasserspiegel blockieren, werden bis dahin denn nicht mehr tragfähig sein. Auf der Grundlage der Prinzipien des Katalogs zum Meeresspiegelanstieg hat MVRDV eine Reihe von Pilotstrukturen für die subtidalen Bereiche des False Creek in Vancouver entwickelt. Dazu gehört eine schwimmende Insel, die als Zufluchtsort für Tiere dienen soll. Von dort aus würde ein schwimmender Pavillon in Richtung Ufer führen, der mit dem Kajak erreichbar ist. Er könnte eine Wasserüberwachungsstation beherbergen und den Zugang zur Stadt ermöglichen.

Der Pavillon würde auf dem derzeitigen Deich stehen, der in Zukunft häufiger überflutet werden wird. Er würde auch als Gemeinde- und Kulturzentrum dienen. Ein bewaldetes Gebiet soll dem Vorschlag zufolge dann als Puffer zwischen dem Pavillon und der bestehenden Infrastruktur dienen. Eine Reihe von Fußwegen über dem Wasser würde die Verbindung aufrechterhalten.

Dieses neue Hafenviertel für Vancouver soll schrittweise bis zum Jahr 2100 errichtet werden. Dabei wird das so genannte „Backshore“, das Land zwischen Ebbe und Flut, vergrößert, um Überschwemmungen und extreme Wetterereignisse besser auffangen zu können. Dies sind die sechs Grundprinzipien von MVRDV:

  • Verbesserung der Versorgungseinrichtungen und Anhebung einiger von ihnen vom Wasser weg
  • Suche nach neuen, hochwassersicheren Nutzungsmöglichkeiten für unterirdische Strukturen
  • Anhebung des Erdgeschosses von Gebäuden
  • Entwicklung erhöhter Gehwege zur Verbindung von Gebäuden
  • Umgestaltung der Gebäudeprogramme und Flexibilisierung der Gebäude
  • Anpassung von Strukturen, um Nutzungsänderungen zu ermöglichen, und Gestaltung neuer Strukturen, die leichter angepasst werden können

Die Sea2City-Initiative

Vancouver hat die Sea2City-Initiative ins Leben gerufen, um verschiedene Architekturbüros zusammenzubringen, die mit der örtlichen Gemeinde und der Regierung zusammenarbeiten. Die vorgeschlagenen Projekte werden nicht sofort gebaut, sondern sind Teil eines Rahmens und einer Vision, die die Stadtentwicklung und die ökologische Wiederbelebung in False Creek leiten sollen.

Wichtig ist aber, dass die Sea2City-Initiative erkannt hat, dass herkömmliche Ansätze für urbane Uferzonen, wie etwa der Widerstand gegen das Wasser durch harte Infrastruktur, nicht mehr wirksam sind. In einer Zeit, in der der Meeresspiegel steigt und extreme Wetterereignisse immer häufiger auftreten, legen die Architekten mehr Wert darauf, dass die Städte mit dem Wasser koexistieren können.

Die Stadt Vancouver liegt in den nicht anerkannten traditionellen Heimatgebieten der Musqueam, der Squamish und der Tsleil-Waututh First Nations. Das Gebiet um False Creek ist für die First Nations von großer Bedeutung. Sie haben das Land denn seit jeher verwaltet und spielen eine wichtige Rolle bei der Beratung über die Zukunft der hochwassergefährdeten Küstenlinie.

Der gemeinschaftliche Gestaltungswettbewerb lief über einen Zeitraum von 12 Monaten. Die nächste Phase wird dann die Entwicklung eines Klimaanpassungsplans sowie eines Küstenanpassungsplans sein.

Übrigens: Mehr Ideen für das Leben nach dem Klimawandel finden Sie hier. Oder: Das UN-Habitat und seine Partner stellten den weltweit ersten Prototyp einer schwimmenden Stadt vor. Oceanix Busan heißt die Stadt und wurde von BIG entworfen.

M
BürosMVRDV
Das könnte Sie auch interessieren
bbz landschaftsarchitektengebrauchte Pflastersteine Elias-Hol-Platz Augsburg
Pflastersteine aus zweiter Hand
eine-stadtstrasse-voller-verkehr-neben-hohen-gebauden-L7RbsRIG7DQ
Künstliche Intelligenz berechnet Erreichbarkeit – was sagt der Algorithmus zur 15-Minuten-Stadt?
Blick auf die Hamburger HafenCity als Beispiel für urbane Resilienz und systematische Stadtentwicklung.
Resilienz-Inventar für Städte – wie man Verwundbarkeit systematisch erfasst
NOBA-Leimholz® von Nordbahn
eine-luftaufnahme-einer-stadt-JSRekW1fRfY
Verkehrsinfrastruktur digital priorisieren – datenbasierte Investitionssteuerung
Back on track
Einstige Mauern im Stadtbild
Tilman Latz ist seit Februar 2022 HSWT-Professor. Den Studierenden möchte er einen weltoffenen Blick und Kritikfähigkeit mitgeben.
Tilman Latz: „Ich habe zwei Varianten: totarbeiten oder umstrukturieren“
eine-spiegelung-eines-gebaudes-in-einem-wasserbecken-ebQ-MwEL8V8
Digitale Planungswerkzeuge für partizipative Parkgestaltung
Die Luftaufnahme zeigt im Hintergrund mehrstöckige Gebäude. Davor einen hell belegten Platz, der Karen Blixen Plads, aus dem sich künstliche Hügel wölben. Im Vordergrund ein Übergang in die Landschaft mit grünen Pflanzinseln.
Karen Blixens Plads in Kopenhagen
Nicht überall fließt der Hachinger Bach so wie hier in Unterbiberg über der Erde. Doch das soll sich nun ändern. Foto: Rufus46 via Wikimedia Commons
Nicht überall fließt der Hachinger Bach so wie hier in Unterbiberg über der Erde. Doch das soll sich nun ändern. Foto: Rufus46 via Wikimedia Commons

Der Hachinger Bach verläuft von Oberhaching im Süden durch den Osten von München bis in den Isar-Kanal im Nordosten der Stadt. Auf einem Teilstück im Stadtteil Berg am Laim verläuft der Bach seit circa 90 Jahren in einem Betonrohr unter der Erde. Nun stehen die Chancen gut, dass der Hachinger Bach bald auch in Berg am Laim an die Oberfläche fließt.

Der aktuelle Bachlauf

Der Hachinger Bach ist das einzige Fließgewässer Münchens östlich der Isar. Insgesamt hat der Bach eine Länge von 33,4 Kilometern und entspringt im südlichen Teil der Münchner Schotterebene. Der Verlauf führt von Oberhaching, durch Unterhaching, Perlach, und ab dem „Michaelibad“ als Hüllgraben verrohrt einmal quer durch den Stadtteil Berg am Laim. Auf der Höhe von Daglfing kommt dar Bach wieder an die Oberfläche und fließt weiter in den Abfanggraben zum Speichersee Ismaning und schließlich in den Isar-Kanal.

Seit circa 90 Jahren liegt ein Teilstück des Bachlaufs in Berg am Laim in einem unterirdischen Betonkanal. Schon seit einigen Jahren gibt es immer wieder Planungen den Bach an die Oberfläche zu verlegen. Im südlichen Lauf des Baches bei Oberhaching und Neubiberg steht man wiederum vor ganz anderen Herausforderungen. Der Hachinger Bach ist hier in den vergangenen Jahren immer wieder über die Ufer getreten. Daher wollen die betroffenen Gemeinden zukünftig ein Hochwasserschutzkonzept erarbeiten.

Frühere und heutige Planungen zum Hachinger Bach

Der kanalisierte Abschnitt des Hachinger Bachs in Berg am Laim ist schon lange Thema im Stadtteil. So wurden bereits in den 50er Jahren erste Überlegungen angestellt den Hachinger Bach wieder an die Oberfläche zu bringen. Damals unter andrem im Zuge der Planungen für den Bau eines neuen Ostbads.

60 Jahre später hat die Stadt das Projekt dann wieder aufgegriffen. Im Jahr 2011 hat die Stadt München Planungen für die Offenlegung des Bachs sowie die Renaturierung im Stadtgebiet auf einer Strecke von 2,4 Kilometern beauftragt. Im Jahr 2014 gab es hierzu auch bereits einen Beschluss des Stadtrats. Die Renaturierung des Hachinger Bachs soll durchgeführt werden.

Das Vorhaben wurde bis zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht vollständig umgesetzt. Weshalb der Bach immer noch verrohrt unter der Erde verläuft. Einer der Hauptgründe hierfür ist, dass die Stadt nicht im Besitzt aller Fläche ist und zum Teil noch in den Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern steckt.

Ostpark und Grünstreifen „Michaelianger“

Das erste Teilstück der Renaturierung des zukünftigen Baches hat die Stadt bereits umgesetzt. Ab der Kampenwandstraße, wo der Bach aktuell noch in den Untergrund geleitet wird, wurde in einem Bereich des Ostparks, dem Grünstreifen Michaelianger, das zukünftige Bachbett für den Hachinger Bach bereits modelliert und die angrenzenden Grünflächen gestaltet. Aktuell liegt das Bachbett aber noch trocken. Auf einer Länge von 700 Metern kann man sich hier aber bereits ein Bild davon machen, wie der Hachinger Bach zukünftig durch den Ostpark mäandern soll. Auf höhe der U-Bahnhaltestelle Josephsburg ist dann aber wieder Schluss mit dem zukünftigen Bachlauf.

Quartiersentwicklung Truderinger Acker

Etwas weiter nördlich wurde nun ein weiteres Teilstück des Hachinger Bachs zumindest Planungsrechtlich gesichert. Im November 2022 wurde der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan, des Quartiers Truderinger Acker in Berg am Laim vom Stadtrat beschossen. Auf der Fläche sollen zukünftig 820 neue Wohnungen entstehen. Im Rahmen der Entwicklung des neuen Quartiers wurde der Hachinger Bach in die Freiraumgestaltung mit einbezogen. Der zukünftige Bachlauf soll südlich der neu gebauten Häuser in einem geschwungenem Lauf bis zur ostgrenze der Fläche verlaufen und schließlich der östlichen Grundstückgrenze nach Norden folgen. Die natürliche Gestaltung des Hachinger Bachs wurde im Bebauungsplan festgesetzt.

Flächen für die Renaturierung

Das aktuell noch fehlende Verbindungsstück zwischen Michaelianger und Truderinger Acker umfasst eine Länge von circa 760 Metern. Die entscheidenden Grundstücke, auf denen der Hachinger Bach zukünftig verlaufen soll, gehören der Pfarrpfründestiftung St. Michael. Diese wiederrum verpachten die Flächen an das Katholische Siedlungswerk München. Die Verhandlungen zwischen der Erzdiözese München und Freising und der Stadt München laufen derzeit noch. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtete, haben die Kirchlichen Träger der Maßnahme grundsätzlich zugestimmt und es gibt bereits einen „Dienstbarkeitsentwurf“, dass die Stadt München die Flächen für die Renaturierung nutzten darf.

Die Offenlegung des Hachinger Bachs

Sollten die noch offenen Punkte zeitnah geklärt werden können, stehen die Chancen gut, dass der Hachinger Bach bald in Berg am Laim wieder in großen Teilen an der Oberfläche fließen, kann. Nach Schätzungen der Behörden wird es dann etwa vier Jahre dauern, bis die Arbeiten abgeschlossen sind.

Freilegung der Moosach

Doch der Hachinger Bach ist nicht das einzige Fließgewässer, was wieder an die Oberfläche geholt wird. Auch nördlich von München wird aktuell ein ähnliches Projekt umgesetzt. Die durch Freising fließende Moosach wird aktuell im Bereich der Altstadt wieder an die Oberfläche verlegt. Auch die Moosach verlief lange Zeit unterirdisch in einem Kanal. Nach längerer Planung hat die Stadt 2020 mit den Arbeiten zur Freilegung der Moosach begonnen. Die Offenlegung ist nun in den letzten Zügen.

In München Nordost soll nicht nur der Bach freigelegt werden. Auf 600 Hektar soll neuer Raum für Wohnungen und Arbeitsplätze entstehen. Das Gebiet zählt zu den letzten großen, noch freien Entwicklungsflächen der bayerischen Landeshauptstadt. Nun haben die Büros Rheinflügel Severin mit Bbz Landschaftsarchitekten den Ideenwettbewerb für sich entscheiden. Alles zum letzten Bauland in München Nordost hier.

Die bayerische Stadt Donauwörth hat sich freiwillig für die Ausrichtung der Landesgartenschau 2028 gemeldet. Nun hat sie vier Jahre Zeit, um die Großveranstaltung zu planen. Foto: Flodur63, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Nachdem die Stadt Penzberg aus finanziellen Gründen von der Landesgartenschau 2028 zurücktreten musste, gibt es einen neuen Austragungsort: Donauwörth hat sich bereit erklärt, die bayerische Veranstaltung zu organisieren.

Neuer Austragungsort zeigt neue Chancen auf

Im August 2024 hat die bayerische Stadt Donauwörth sich freiwillig gemeldet, um die Landesgartenschau 2028 auszurichten. Nachdem die ursprüngliche Ausrichterin, die Stadt Penzberg, aufgrund finanzieller Engpässe zurücktreten musste, waren dies willkommene Nachrichten. Der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber sagte: „Landesgartenschauen sind echte Chancen für Bayerns Städte und Gemeinden. Landesgartenschauen bieten vielfältige Möglichkeiten für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Donauwörth wird ein großartiger Gastgeber für die Landesgartenschau 2028 sein.“

Stadt am Fluss als Thema für die Landesgartenschau Donauwörth 2028

Die Stadt Donauwörth hat in kurzer Zeit ein Konzept für die Ausrichtung der Bayerischen Landesgartenschau 2028 vorgelegt. Sie möchte grüne Erholungsorte weiterentwickeln, neue städtebauliche Akzente setzen und Flächen aufwerten. Mit Unterstützung der Landesgartenschau wird es möglich sein, viele Visionen, die die Stadt schon länger hat, umzusetzen. „Besonders wichtig ist mir, dass es ein Gemeinschaftsprojekt für und vor allem mit den Bürgerinnen und Bürgern ist – denn wir alle sind Donauwörth. Jeder und jede soll sich in der Landesgartenschau wiederfinden und sich darauf freuen, Gästen aus nah und fern mit Stolz unsere schöne Stadt zu zeigen“, so Donauwörths Oberbürgermeister Jürgen Sorré.

Für die Landesgartenschau hat die Stadt Donauwörth drei Ansätze: „Stadt am Fluss“, „Naturräume verbinden“ und „Attraktivierung des Rad- und Fußwegenetzes“. Dafür plant sie, das bestehende Freiflächensystem rund um die Altstadt-Promenade und die Wörnitzaue besser zu verknüpfen und teils zu erneuern oder aufzuwerten. Neue öffentliche Grüne- und Freizeiträume im Donaubogen sowie auf dem Gelände der ehemaligen Schwabenhalle sollen eine parkartige Verbindung zum Donauspitz herstellen, um die Stadt so mehr mit der Donau in Bezug zu setzen. Unter anderem soll ein Strand an dem großen Fluss entstehen, um ihn zugänglich zu machen. Auch entlang der kleinen Wörnitz sind im Rahmen des Themas „Stadt am Fluss“ Aufwertungen geplant.

Drei geplante Brücken

Darüber hinaus plant Donauwörth weitere Landschaftsentwicklungsmaßnahmen entlang der wertvollen Auen- und Heidelandschaften. Zudem sollen die vorhandenen Wege entlang der Flüsse ausgebaut und optimiert werden, inklusive neuer Querungen über die Wörnitz und die Donau. So soll die Umgebung für den Rad- und Fußverkehr attraktiver gemacht werden.

Ein weiterer Bestandteil des Konzeptes für die Landesgartenschau 2028 in Donauwörth ist eine neue Verbindung über die Bundesstraße B2. Diese teilt die Stadt aktuell, aber nun soll eine direkte Verknüpfung zwischen Promenade und Parkstadt diese Trennung aufheben und zugleich neue Quartiersentwicklungsprojekte ermöglichen.

Auf dem bisher schmucklosen Volksfestplatz in der Nähe des Bahnhofs soll das zentrale Gelände der Landesgartenschau Donauwörth entstehen. Nach 2028 soll es als Grün- und Erholungsfläche bestehen bleiben. Die ehemalige Gewerbefläche am Zusamweg soll einen großen Park + Ride Parkplatz beherbergen und zugleich als neuer, großer Veranstaltungsplatz für Volksfeste und Zirkus genutzt werden.

Im Bereich des Münsters ist zudem ein Stadtbalkon geplant, der einen Blick in die Wörnitzauen bietet. Einige dieser Maßnahmen, wie etwa die drei geplanten Brücken, sind bereits Teil der Agenda der Stadt und der Haushaltsplanung. Andere Maßnahmen lassen sich nur mit der Unterstützung der Landesgartenschau realisieren. Eine Herausforderung für die Stadt wird darin bestehen, Maßnahmen wie die Fußgänger- und Radfahrerbrücken innerhalb von nur vier Jahren zu genehmigen und zu bauen.

Ein durchdachtes Konzept

In Bayern findet fast jedes Jahr eine Landesgartenschau statt. Das Umweltministerium des Freistaats engagiert sich seit 44 Jahren in der Förderung von Gartenschauen und hat insgesamt bereits rund 80 Millionen Euro Fördergelder zur Verfügung gestellt. So konnten im Bundesland knapp 550 Hektare Fläche neu begrünt und aufgewertet werden – etwa so viel wie 760 Fußballfelder. Über 25 Millionen Menschen haben die Landesgartenschauen in Bayern bereits besucht.

Die Große Kreisstadt Donauwörth ist nun der Nachrücker für Penzberg. Schon im Jahr 2021 hatte die Stadt Interesse für den Zeitraum von 2028 bis 2032 Interesse bekundet, dann aber aus Rücksicht auf eine benachbarte Stadt von der Bewerbung abgesehen. So wollte sie Konkurrenz im Landkreis Donau-Ries vermeiden.

Aber nachdem Penzberg zurücktreten musste, hat die Landesgartenschau GmbH gemeinsam mit dem Umweltministerium Donauwörth dazu ermutigt, sich als Nachrücker zu bewerben. Da die Stadt nicht bei Null beginnt – auch 2007 hatte sie sich schon einmal beworben – hat sie den Vorteil, bereits ein durchdachtes Konzept vorliegen zu haben. Dank der kürzlich von Bayern beschlossenen Erhöhung der Zuwendungen für Landesgartenschauen sind nun Zuschüsse bis zu 80 Prozent möglich. Erstmals wird die Durchführung einer Landesgartenschau mit bis zu einer Million Euro gefördert. Donauwörth hat einen maximalen Eigenanteil von 8,2 Millionen Euro definiert.