Sonnen Licht Platz Dortmund

Sonnen Licht Platz Dortmund

Im Dezember 2021 prämierte die Stadt Dortmund das Bochumer Büro Sowatorini für seinen Entwurf zur Umgestaltung von Sonnenplatz und Möllerbrücke. Ab dem 11. Februar waren die Entwürfe vor Ort öffentlich einsehbar. Für alle, die die Ausstellung verpasst haben, hier alles zu dem Gewinnerentwurf.

Die Stadt Dortmund hatte im vergangenen Sommer einen Realisierungswettbewerb zur Umgestaltung des Sonnenplatzes sowie der Möllerbrücke ausgeschrieben. Zwölf Landschaftsarchitekturbüros nahmen an dem Verfahren teil. Bereits im Dezember 2021 wurden die Siegerentwürfe prämiert. Eine Ausstellung Anfang Februar 2022 präsentierte der Öffentlichkeit nun die ersten drei Plätze. In der Passage eines Rewe-Supermarktes direkt am Planungsareal, konnten die Entwürfe bestaunt werden. Das Büro Sowatorini Landschaft aus Bochum überzeugte die Jury in allen Belangen. Ihr Entwurf Sonnen Licht Platz erhielt daher den 1. Preis. In einem Statement der Stadt heißt es mitunter, dem Beitrag gelänge es, aus dem Sonnenplatz ein Stück Stadtnatur zu machen. Sandstein, Gräser und Bäume sind die wesentlichen Entwurfselemente, die zu diesem Eindruck führen. Mit ihrer Vision für die Möllerbrücke platzierten sie sich vor den Büros „Mann Landschaftsarchitektur“ aus Fulda und „Rehwaldt Landschaftsarchitekten“ aus Dresden. In der öffentlichen Ausstellung konnten sich Interessierte von den Qualitäten aller prämierten Entwürfe überzeugen.

Party-Hotspot Möllerbrücke als Entwurfsherausforderung

 

Das Planungsgebiet gilt als Herausforderung. Mit dem Wettbewerb suchte die Stadt nach einer Reaktion auf die teils schwierige Situation vor Ort. Die Möllerbrücke in Dortmund lockt allabendlich Feierlustige, weshalb Anwohner*innen immer wieder über Lärm klagen. Mit den Zusammenkünften gehen erhöhter Drogen- sowie Alkoholkonsum einher. Im städtischen Sprachgebrauch ist der Begriff „Möllern“ bereits ein etabliertes Synonym für das abendliche Feiern an der Möllerbrücke. Nicht nur die Verschmutzung am Morgen ist für Bewohner*innen des Kreuzviertels eine Belastung.

In der Vergangenheit eskalierte die Situation bisweilen derart, dass die Polizei mit Schlagstöcken und Pfefferspray gegen die Nutzung vorging. Durch eine Umgestaltung erhofft sich die Stadt eine Wandlung des Ortes. Die freiraumplanerische Aufwertung soll dort einen Stadtraum entstehen lassen, der allen Nutzer*innengruppen offensteht. Und der zudem den Betroffenen im Viertel eine gesteigerte Lebensqualität bietet. Die Stadt selbst beschreibt den Ort als städtebaulich besonders. Neben dem derzeitigen Nutzungskonflikt stellt das Entwurfsgebiet die Gestalter*innen insgesamt vor planungsrelevante Fragen.

Beteiligung der Bürger*innen im Vorfeld

 

Ein erster Schritt auf dem Weg zu einer künftigen Umgestaltung gelang schon Anfang 2021. Um einen attraktiven öffentlichen Platz zu gestalten, integrierte die Stadt Bürger*innen  in den Prozess. Bei einer Öffentlichkeitsbeteiligung im Frühjahr 2021 konnte die Bevölkerung spezifische Ortskenntnisse einbringen. Und eigene Anregungen für die Entwicklung des Areals beisteuern. In analogen Veranstaltungen über ein Online-Portal konnten Interessierte sich informieren und äußern. Die dabei gesammelten Erkenntnisse flossen dann direkt in die Aufgabenstellung des Wettbewerbs Möllerbrücke in Dortmund ein. 90 Prozent der Beteiligten wünschten sich mehr Bepflanzung und Grünflächen. Weitere wichtige Anliegen waren Aufenthalts- und Sitzmöglichkeiten. Außerdem die bessere Nutzbarkeit für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen. Die Mehrheit sprach sich außerdem dafür aus, dass der Sonnenplatz auch weiterhin ein durchaus belebter Platz bleiben solle. Insgesamt hatten rund 1 300 Teilnehmer*innen an den Beteiligungsformaten partizipiert. Über 500 spezifische Ideen wurden eingereicht. Die Ergebnisse wurden in einer Dokumentation festgehalten und den Wettbewerbsteams zur Verfügung gestellt.

Lichtspiel für die Möllerbrücke in Dortmund

 

Der Entwurf von Sowatorini Landschaft reagiert auf die gestellten Ansprüche. Im Bestand umsteht ein Kranz aus Linden eine in den Belag eingelassene Sonnenuhr. Das Gewinnerbüro fügt dem Platz im Zentrum eine neue Rauheit hinzu. Sowatorini zeichnet daher die Vision eines lichten Silberhains aus wärmeliebenden Arten. Darunter bespielen Sandsteinformationen den Platz. Die unterschiedliche Oberflächenbearbeitung der Steine fängt das Licht ein und inszeniert somit diverse Schattenspiele. Statt durch die Sonnenuhr wird die Sonne durch das Lichtspiel vor Ort erfahrbar. Zwischen den silberlaubigen Gehölzen entsteht ein warmer Schimmer im Inneren. Auch am Abend soll durch Lichtelemente eine angenehme Stimmung vor Ort entstehen. Die eingestreuten Sandsteinelemente laden zum Sitzen sowie zum Spielen gleichermaßen ein. Der Belag soll aus hochwertigem Naturstein gebaut werden. Alle Bereiche werden außerdem barrierefrei zugänglich sein. Sowatorini selbst bezeichnet den Entwurf dabei als urwüchsig. Eine neue Art von Stadtnatur werde implementiert. Im Mittelpunkt das Licht der Sonne als landschaftliche Qualität.

Möllerbrücke in Dortmund: neue Aufenthalts- und Nutzungsqualität

 

Die Fachjury fand für den Beitrag demzufolge lobende Worte. Bestehend aus externen Landschaftsarchitekt*innen und Vertreter*innen aus Verwaltung und Politik Dortmunds hatten sie am 9. Dezember Sowatorini Landschaft den ersten Platz verliehen. Sie begründeten ihre Entscheidung mit der hohen Identifikationskraft und der Aufenthalts- und Nutzungsqualität des Entwurfs. Durch den klugen Umgang mit dem Bestand sowie die gleichzeitig neu erfundene Stadtlandschaft entstehe ein Ort, den man gerne besuchen würde. Der Sonnenplatz in der Vision von Sowatorini ermögliche eine Bühne, ein grünes Wohnzimmer, ein Spielobjekt und einen sommerlichen Treff gleichermaßen. Die Vielgestalt und Nutzungsoffenheit der Elemente sei demnach der richtige Ansatz für den Ort. In der Ausstellung Anfang Februar konnte sich nun eine breite Öffentlichkeit von den Beiträgen überzeugen. Als nächstes werden die Sieger*innenentwürfe der Bezirksvertretung Innenstadt-West zur Kenntnis gereicht. Im Anschluss schließt sich das weitere Verfahren zur Konkretisierung und schließlich Umsetzung an. So kann am Sonnenplatz ein neu interpretierter Freiraum Realität werden.

Ebenfalls interessant: In Dortmund tut sich gerade einiges. Die Stadt gewann die „European Capital of Innovation Awards in 2021“ und ist somit Europäische Innovationshauptstadt 2021

Das könnte Sie auch interessieren
eine-gruppe-von-menschen-die-eine-strasse-neben-hohen-gebauden-entlang-gehen-6Ooq3GMvYIc
Frischluftschneisen sichern – GIS-Tools im Einsatz
200 Meter neben dem Stonehenge soll ein Autobahntunnel gebaut werden (Foto: Song Shin/Unsplash)
Stonehenge-Autobahntunnel laut Gericht ungesetzlich
Grüne Lunge rund um Eiffelturm
menschen-die-auf-einer-strasse-gehen-BRo7ry8LL4A
Baukultur und Nachhaltigkeit – gestalterische Qualität in der Resilienzdebatte
Das neue Fahrradparkhaus Bonn ist aus einzelnen Modulen hergestellt und mit Holz verkleidet. Im Inneren werden die Räder per Paternoster nach oben oder unten transportiert. Das Foto zeigt die Einweihung mit einer kleinen Menschenmenge vor dem Parkhaus.
Fahrradparkhaus Bonn
Eine Straße im Regen, ein Mann mit Regenschirm rennt über den Gehweg, im Hintergrund fährt ein Auto vorbei. Der Klimawandel ist inzwischen in allen Kommunen spürbar. Foto: Gundula Vogel via Pixabay
Klimaschutz: Kommunen müssen mehr investieren
Peter Latz ausgezeichnet
Skyline einer Stadt, die teilweise von Nebel und Dunst umhüllt ist – Sinnbild für natürliche Kühlung durch Verdunstung mit Wasserflächen und Feuchtbiotopen im urbanen Raum.
Natürliche Kühlung durch Verdunstung – Planung mit Wasserflächen und Feuchtbiotopen
Verantwortung für die Stadt übernehmen
Foto: ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung
Stadtplanungsspiel von ISOE, DIFU und Co.

Der Rhein als grenzüberschreitende Verbindung

Die Rheinufer-Projektgruppe der IBA Basel 2020 hat sich zum Ziel gesetzt, einen grenzüberschreitenden Flusspark entlang der Flusslandschaft des Rheins zu gestalten. Grundlage für diese Vision aus vielen Einzelprojekten ist eine Studie, die gemeinsame Bilder für die Region entwirft.

Weitere Informationen erhalten Sie im Heft 08/2015 auf Seite 35.

Die Bedeutung von einem starken Wassermanagement

Effizientes Wassermanagement ist ein Schlüssel zur Bekämpfung urbaner Hitzeinseln und trägt maßgeblich zur Klimaanpassung und Lebensqualität in Städten bei. Durch innovative Lösungen wie Regenwassernutzung, durchlässige Oberflächen und kühlende Wasserflächen können städtische Räume nachhaltig von den Auswirkungen des Klimawandels entlastet werden. Foto von Gilles Rolland-Monnet auf Unsplash

In Zeiten zunehmend heißer werdender Sommer und häufiger auftretender Hitzewellen steht die Anpassung an den Klimawandel im urbanen Raum im Mittelpunkt planerischer und ingenieurtechnischer Überlegungen. Ein zentrales Thema hierbei ist das Wassermanagement, das nicht nur die Versorgung mit Wasser sicherstellt, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Minderung urbaner Hitzeinseln leisten kann. Wassermanagement umfasst eine Vielzahl von Techniken und Systemen, die darauf abzielen, den Wasserfluss in Städten zu optimieren und gleichzeitig die negativen Auswirkungen von Hitze und Trockenheit zu verringern.

Die urbanen Hitzeinseln und ihre Ursachen

Städtische Hitzeinseln entstehen, wenn dichte Bebauung, Asphaltflächen und wenig Grünflächen zu einer Erhöhung der Umgebungstemperaturen führen. Diese Wärmespeicherung hat nicht nur Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Stadtbewohner, sondern auch auf die Gesundheit und Energieeffizienz von Gebäuden. Besonders in dicht besiedelten Gebieten sind die Bewohner hohen Temperaturen und einer schlechten Luftqualität ausgesetzt, was den Bedarf nach wirksamen Maßnahmen zur Hitzereduktion unterstreicht.

Wassermanagement-Systeme als Lösungsansatz

Effizientes Wassermanagement in urbanen Räumen bietet mehrere Lösungen zur Bekämpfung der Hitzeproblematik. Dabei kommen verschiedene Systeme und Technologien zum Einsatz:

1. Grünflächen und Regenwassernutzung

Grünflächen spielen eine entscheidende Rolle bei der Kühlung urbaner Räume. Bäume, Sträucher und Gräser verdunsten Wasser und wirken so temperaturregulierend. Dies kann durch die Integration von Regenwassernutzungssystemen optimiert werden. Regenwasserspeicher und -zisternen sammeln überschüssiges Wasser, das anschließend zur Bewässerung von Grünflächen genutzt werden kann. Solche Systeme tragen nicht nur zur Reduktion der Belastung durch Abwasser bei, sondern erhöhen auch die Wasserverfügbarkeit für städtische Grünräume, die für die Kühlung wichtig sind.

2. Durchlässige Oberflächen und Versickerungssysteme

Ein weiterer Ansatz im Wassermanagement ist die Verwendung von durchlässigen Belägen für Gehwege, Parkplätze und Straßen. Diese sogenannten „grünen“ oder „permeablen“ Flächen ermöglichen es Regenwasser, in den Boden zu versickern, anstatt abzufließen und die Kanalisation zu belasten. Die natürliche Verdunstung aus dem Boden trägt zur Kühlung der Luft bei und fördert gleichzeitig die Grundwasserneubildung. In Kombination mit gezielten Versickerungssystemen, wie Rigolen oder Sickerbecken, kann so das städtische Mikroklima nachhaltig verbessert werden.

3. Kühlende Wasserflächen und Teiche

In einigen Stadtteilen können künstliche Gewässer wie Teiche oder Wasserflächen als zusätzliche Kühlquelle dienen. Diese Flächen absorbieren überschüssige Wärme und tragen durch Verdunstung zur Senkung der Temperaturen bei. Zudem bieten sie ästhetischen Mehrwert und fördern die Biodiversität in urbanen Räumen.

4. Wasserführende Fassaden und Dachbegrünung

Ein innovativer Ansatz sind wasserführende Fassaden oder begrünte Dächer, die zur Kühlung von Gebäuden beitragen. Hierbei wird Wasser auf spezielle Fassadenkonstruktionen oder Dachflächen geleitet, wo es verdunstet und somit die umgebende Luft kühlt. Diese Maßnahmen fördern nicht nur den thermischen Komfort der Gebäude, sondern bieten auch eine natürliche Klimaanpassung, die städtische Räume lebenswerter macht.

Herausforderungen im Wassermanagement

Trotz der Vielzahl an Möglichkeiten zur Integration von Wassermanagement in städtische Strukturen gibt es Herausforderungen, die es zu überwinden gilt:

  1. Finanzierung und Planung: Die Implementierung wassermanagement-technischer Maßnahmen erfordert Investitionen in Infrastruktur und kontinuierliche Wartung. Viele Städte kämpfen jedoch mit begrenzten Budgets und einer unzureichenden Planungskapazität, um solche Projekte flächendeckend umzusetzen.

  2. Wasserverfügbarkeit: In Regionen mit geringen Niederschlägen kann die Nutzung von Regenwasser als Ressource problematisch sein. Die Abhängigkeit von natürlichen Wasserquellen erfordert in diesen Fällen eine präzisere Abstimmung zwischen Bedarf und Verfügbarkeit.

  3. Stadtentwicklung und Integration in bestehende Infrastrukturen: In dicht bebauten Städten ist es oft schwierig, neue Wassermanagement-Lösungen zu integrieren, ohne bestehende Infrastrukturen zu beeinträchtigen. Lösungen müssen oft flexibel sein und an den urbanen Kontext angepasst werden.

Best Practices im Wassermanagement

Trotz dieser Herausforderungen gibt es weltweit bereits Beispiele für erfolgreiche Implementierungen:

  • In Singapur wurde das Konzept des „Blue-Green-Plan“ entwickelt, das die systematische Nutzung von Grünflächen, Regenwasserspeicherung und Wasserflächen zur Verbesserung des städtischen Mikroklimas umfasst. Die Integration von Regenwasserauffangsystemen auf Dächern und Fassaden hilft dabei, die Stadt kühl zu halten und den Wasserverbrauch zu senken.

  • Berlin hat mit seiner „Blauen Infrastruktur“ ein Modell entwickelt, bei dem Wasserflächen und versickerungsfähige Oberflächen in den städtischen Raum integriert werden, um den städtischen Wärmehaushalt zu regulieren und die Verdunstung zu fördern.

  • In Kopenhagen wurde ein umfassendes Regenwassermanagementsystem entwickelt, das sowohl als Hochwasserschutz dient als auch die Kühlung des Stadtklimas unterstützt.

Fazit

Ein funktionierendes Wassermanagement ist mehr als nur die Steuerung des Wasserflusses in Städten – es ist ein integraler Bestandteil der Anpassungsstrategien gegen städtische Hitzeinseln und die damit verbundenen Klimafolgen. Die Investition in durchdachte wassermanagementtechnische Systeme, die Regenwassernutzung, durchlässige Flächen und Wasserflächen umfassen, kann nicht nur die Lebensqualität in Städten erhöhen, sondern auch zur Nachhaltigkeit und Klimafitness urbaner Räume beitragen. Fachleute aus der Architektur und Landschaftsarchitektur sind gefragt, innovative Lösungen zu entwickeln und umzusetzen, die die Städte der Zukunft klimafreundlicher und lebenswerter machen.

Mehr zu Beat the Heat erfahren Sie hier.