08.12.2021

Wettbewerbe

M+ Hongkong von Herzog und de Meuron

von Arian Schlichenmayer

Nach zehn Jahren Planzeit eröffnete das Museum M+ Hongkong. Es ist ein Museum für Visuelle Kultur im West Kowloon Cultural District am Victoria Harbour in Hongkong. Das Projekt war bereits im Wettbewerbsverfahren eines der Superlative: Neben Herzog & de Meuron und Farrells waren zudem Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa (SANAA), der Renzo Piano Building Workshop, Shigeru Ban mit dem Hongkonger Büro Thomas Chow Architects, Snøhetta sowie Toyo Ito zusammen mit Benoy nominiert. Alle Teams erhielten für die Teilnahme jeweils eine Million Hongkong-Dollar. Alles zum finalen Projekt, lesen Sie hier.

Das neu eröffnete Museums für Visuelle Kultur in Hongkong ist ein Entwurf von Herzog & de Meuron. Foto: © Virgile Simon Bertrand
Der Entwurf vereint zwei Quader miteinander. Foto: © Kevin Mak
Von Außen gewährt die Fassade Einblicke in die Sammlung. Foto: © Kevin Mak

So schlicht der Name des M+ ist, so groß ist schon jetzt die Bedeutung des vor Kurzem neu eröffneten Museums für Visuelle Kultur in Hongkong. Dessen Leiter Suhanya Raffel hat keinen unwichtigen Job. Schließlich muss er eine Sammlung von Weltrang kuratieren. In seiner Bedeutung soll das M+ zukünftig in der gleichen Liga spielen, wie zum Beispiel das MoMA in New York oder die Tate Modern in London.

Das Museum befindet sich in einem Stadtteil Hongkongs, der West Kowloon Cultural District heißt. Die Halbinsel wurde im 20. Jahrhundert neu gewonnen. Der Blick öffnet sich hier sowohl auf das Hafenbecken des Victoria Harbours, als auch auf die wenige hundert Meter entfernte Insel Hong Kong Island.

Die Fassade des M+ in Hongkong funktioniert auch als Bildschirm. Foto: © Kevin Mak

M+ in Hongkong dient als übergroße Leinwand

In Zusammenarbeit mit TFP Farrells und Arup entwarfen Herzog & de Meuron aus Basel das Gebäude des M+. Sein Erscheinungsbild ist durch die lotrechte Positionierung zweier flacher Quader geprägt. Von vorne sieht es aus wie ein auf dem Kopf stehendes T. Der horizontale Quader ist dabei vom Boden abgesetzt, kann untergangen werden und scheint zu schweben.

In ihm befinden sich die Ausstellungsräume. Der aufgesetzte vertikale Quader beherbergt dagegen Restaurants, Büros und ähnliches. Zur Seite des Wassers hin dient die Fassade des M+ als übergroßer Bildschirm. Mit Hilfe von LEDs in der Fassade kann das Gebäude so etwa als externe Leinwand für Kunstwerke fungieren und trägt die Kunst im Inneren des Museums sichtbar bis nach Hong Kong Island nach außen.

Haupteingang ins M+. Foto: © Kevin Mak

Sammlungen mit kontroversen Exponate

Im Inneren bietet das Gebäude insgesamt etwa 65 000 qm Nutzfläche. Davon entfallen circa 17 000 qm auf die Ausstellungsfläche. Diese verteilt sich auf 33 Galerien, drei Kinos, eine Mediathek, ein Lernzentrum und einen grünen Dachgarten mit Blick auf den Victoria Harbour. Für Möbel wie Sitzbänke oder Ticketschalter kommen traditionelle lokale Fertigungsweisen zu Einsatz, die Bambus verarbeiten.

Die Sammlungen des M+ in Hongkong werden seit dem Jahr 2012 aufgebaut. Dabei versucht die Leitung des M+ auch Themen zu behandeln, die über das typische Angebot eines Kunstmuseums hinausgehen. Das sind zum Beispiel Animationen und Videospiele, aber Architektur. So zeigt das M+ etwa Modelle und Visualisierungen des Büros WOHA aus Singapur oder aber Werke von Frank Lloyd Wright und anderen bekannten Architekt*innen. In den Sammlungen des M+ in Hongkong befinden sich jedoch auch kontroverse Stücke, die das Festland China zensieren würde. So besitzt das Museum etwa Werke des Künstlers und Dissidenten Ai Weiwei oder Bilder des brutalen Niederschlags der Proteste am Platz des Himmlischen Friedens in Peking.

Die Ausstellungsräume im Museum. Foto: © Kevin Mak
Die Ausstellungsräume im Museum. Foto: © Kevin Mak
Die Ausstellungsräume im Museum. Foto: © Kevin Mak
Die Ausstellungsräume im Museum. Foto: © Kevin Mak

„Potential, das wichtigste Museum für Visuelle Kultur in Asien zu werden“

Jacques Herzog vom Büro Herzog & de Meuron hat jedenfalls wenig Zweifel an der kulturellen Bedeutung des neuen Museums: „M+ hat sicher das Potenzial, das wichtigste Museum für Visuelle Kultur in Asien zu werden. Es zeigt am besten, wohin wir als Weltkultur gehen sollten, wo Vielfalt, Gleichheit und der Zugang zu Kunst aller Art von Anfang an zum Ausdruck kommen. Diese Art der Vielfalt und Breite ist Teil der DNA von M+. Das macht es zu einem Museum, das stark lokal inspiriert, aber zur gleichen Zeit universell und offen ist. Es ist für die Menschen und Besucher*innen auf der ganzen Welt.“

Der Eintritt zum Museum M+ in Hongkong ist noch zwölf Monate nach Eröffnung lang frei. Eine Reservierung vor dem Besuch empfiehlt sich jedoch. Mehr Infos rund ums M+ in Hongkong, Öffnungszeiten und mehr finden Sie auf der Webseite des Museums.

Auch ein interessantes HdM Projekt: Das renommierte Architekturbüro plant in München ein neues Stadtquartier mit 1 100 Wohnungen und Büros für 3 000 Arbeitsplätzen. Mehr zu den Plänen rund um die Paketposthalle in München lesen Sie bei uns.

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