Die News im Februar

41,9 Grad und es wird noch heißer

Was passiert in der Welt der Planung? Worüber sprechen Ihren Kolleg*innen morgens an der Kaffeemaschine? In unserer Presseschau fassen wir wöchentlich die wichtigsten Neuigkeiten aus der Landschaftsarchitektur und Stadtplanung für Sie zusammen. Diese Woche: Deutschlands desaströse Waldpolitik, bye bye bauten und Hitzerekorde in Göttingen.

Deutschlands desaströse Waldpolitik. Zwei Prozent der Landfläche Deutschlands sollen laut den Vorgaben des Bundesamtes für Naturschutz Wildnis sein. Im Schnitt kommen unsere Bundesländer jedoch gerade mal auf 0,6 Prozent, wie eine Frontal21-Umfrage nun zeigt. Der neueste BMEL-Waldbericht offenbart zudem Deutschlands desaströse Waldpolitik. Alles zu Deutschlands Waldsterben und was nun passieren muss, lesen Sie hier.

Bausenator Scheel bezieht Stellung zu Berliner Flächendruck. Diesen Montag fand die Jahrespressekonferenz 2021 der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen statt. Berlins Bausenator Sebastian Scheel nutzte die Veranstaltung für eine erste Bilanz – schließlich wird am 26. September nicht nur der Deutsche Bundestag gewählt, sondern auch das Berliner Abgeordnetenhaus und die Bezirksverordnetenversammlungen. Das zentrale Thema der Pressekonferenz war „Flächenmanagement“. Wie Sebastian Scheel den Flächendruck in Berlin bewältigen will, lesen Sie hier.

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Hamburger Partizipationssystem als Open Source Software. Gemeinsam mit dem CityScienceLab der HCU hat die Hamburger Stadtentwicklungsbehörde das digitale Partizipationssystem DIPAS entwickelt und dieses nun weiteren Kommunen und Organisationen als öffentlich nutzbare Software zugänglich gemacht. DIPAS ist damit das erste medienbruchfreie System für informelle Bürger*innenbeteiligung. Alles dazu hier bei den Kolleg*innen von kommune21.de.

Protest gegen Lokrichthallen-Abriss in Trier. Das noch bis vor kurzem denkmalgeschützte Bahnausbesserungswerk in Trier-West soll abgebrochen werden. In einem offenen Brief protestieren Architekt*innen und Institutionen gegen die Abrisspläne der Stadt.

Görlitz – strukturschwach, aber oho. Von Januar 2019 bis März 2020 konnten 60 Kreativschaffende in Görlitz zur Probe wohnen und arbeiten. Nun zogen die Initiator*innen im virtuellen Pressegespräch vergangene Woche positive Bilanz und luden zur nächsten Runde ein. Hier stellen wir das Projekt vor.

Makeover für Wiener Praterstern. Der Vorplatz des Wiener Bahnhofs Praterstern soll zur „coolen Aufenthaltsoase“ werden. Wie die Wiener Zeitung berichtet, ist der Baubeginn für Herbst 2021 geplant, verantwortlich zeichnet sich die Arge Praterstern, KENH Architekten und DnD Landschaftsplanung. Aktuell definiert sich der Verkehrsknotenpunkt durch Trostlosigkeit und Tristesse.

41,9 Grad und es wird noch heißer. Am 14.2. zeigte die Messstation Göttingen minus 23,8 Grad, eine Woche später 18,1 Grad – mit dem historischen Temperaturanstieg um 41,9 Grad brach die Messstation Göttingen laut dem deutschen Wetterdienst vergangene Woche alle bisherigen Rekorde. Wie jetzt die Klimawende gelingt, lesen Sie hier.

Klimaschützer*in für Nord Stream 2 gesucht

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen? Ab kommender Woche – zum 1. März – gibt es ein neues EU-Energielabel. Was dabei verwundert: Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie setzt bei der Bewerbung des neuen Labels auf ein Eichhörnchen. Welche Rolle das Nagetier dabei spielt, wird nicht erklärt – fest steht aber: Die bekannte bunte Effizienzskala bleibt erhalten, die Plus-Klassen A+ bis A+++ entfallen. Was sich außerdem ändert, lesen Sie hier.

Erfurt sagt BUGA-Eröffnungsfeier ab. Wie die Thüringer Allgemeine vergangene Woche berichtete, hat Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein die offizielle BUGA-Eröffnungsfeier, geplant für den 23. April 2021, im Zuge der Corona-Pandemie abgesagt. Ein Ersatz ist, laut der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft, für den Sommer geplant.

Bye bye bautec. Die internationale Fachmesse für Bauen und Gebäudetechnik bautec wird aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit eingestellt. Die bautec fand vom 18. bis 21. Februar 2020 das letzte Mal statt und wird in Zukunft nicht fortgeführt, heißt es in der offiziellen Pressemitteilung der Messe Berlin. Damit sagen auch wir von der G+L-Redaktion schweren Herzens „Bye bye“ zu der Vortragsveranstaltung ZukunftStadt@GRÜNBAU Berlin, die wir in den vergangenen Jahren im Zuge der bautec ausrichten durften.

Klimaschützer*in für Nord Stream 2 gesucht. „Herrlich. Einen schönen Start in die Woche euch allen!“, kommentiert Luisa Neubauer auf Twitter eine aktuelle Klimaschützer*innen-Jobausschreibung der Stiftung Klima- und Umweltschutz MV. Die neugegründete Stiftung ist direkt mit der Nord Stream 2 AG verbunden. Alles dazu lesen Sie hier.

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Alpakas for Architecture

#architectureout. „Wir sind schon da“, titelte vor zwei Wochen das SZ-Magazin. 185 Schauspieler*innen outen sich darin als lesbisch, schwul, bisexuell, queer, nicht-binär und trans*, fordern mehr Diversität in Theater, Film und Fernsehen und appellieren an andere Branchen, sie dabei zu unterstützen. Jørg Himmelreich, ehemaliger Chefredakteur der archithese, folgt dem Aufruf und definiert bei den Kolleg*innen von NXT A, wieso mehr Sichtbarkeit von LGBTQ+ auch in der Architekturbranche notwendig ist.

„Biennale der Landschaft“ im Ruhrgebiet. lala.ruhr ist eine neugegründete Plattform für die nachhaltige und zukunftsfähige Weiterentwicklung der Landschaft im Ruhrgebiet. Am 26. und 27. Februar 2021 veranstaltet lala.ruhr erstmals ein Landschaftsfestival im virtuellen Raum. Warum Sie unbedingt daran teilnehmen sollten, erzählen wir Ihnen hier.

Alpakas for Architecture. Die Shortlist des Baumeister-Nachwuchswettbewerbs „Die glorreichen 5“ steht fest. Darunter auch ein Alpakahaus von A H A Atelier. Mehr zu dem flauschigen Projekt hier.

Deutschland diskutiert das Einfamilienhaus

Harry Potter und die Magie der Architektur. Die italienischen Harry-Potter-Bände zieren neuerdings nicht mehr Nickelbrille und Nimbus 2000, sondern die Gebäudeentwürfe des Architekten und Designers Michele De Lucchi. Warum, wieso, weshalb – darüber informieren wir Sie hier.

Die Krise der Parkhäuser. Okay, uns Gestalter*innen sind sie in der Regel ein Dorn im Auge, aber auch wir haben irgendwo ein Herz für sie – Parkhäuser. Und sie bzw. ihre Betreiber*innen stecken im Zuge der Corona-Pandemie in einer ziemlichen Krise. Wie man diese nutzen kann, darüber berichten die Kolleg*innen vom ZDF.

Deutschland diskutiert das Einfamilienhaus.
 Weil der Fraktionschef der Grünen Anton Hofreiter im Spiegel-Interview das Einfamilienhaus als Wohnform grundsätzlich infrage stellt, diskutiert Deutschland aktuell über ein Verbot der Wohnform. Hanno Rautenberg schätzt die Lage in der ZEIT ein.

Rostock – die Streberstadt?

Online-Symposium „LOST & FOUND. Transformation of Alpine Industrial Landscapes“. Nach drei Jahren Projektlaufzeit des Forschungsprojekts „trAILs“ veranstaltet der Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur und industrielle Landschaft der TU München am 1. und 2. März ein internationales Online-Symposium. Mit dabei: die dänische Landschaftsarchitektin Ellen Braae, die wir jüngst für die Dänemark-Ausgabe der G+L interviewten, sowie Bernd Scholl, emeritierter Raumplanungs-Professor der ETH Zürich. Alle Infos zum Symposium finden Sie hier.

Kölsche Liebe. Den Kölner Schriftzug „Liebe deine Stadt“ kennt wohl jeder, der einmal in der Rheinmetropole zu Besuch war. Seit 2007 bereicherte das 26 Meter lange Kunstwerk von Merlin Bauer die Stadt und soll die Kölner*innen für historische Architektur sensibilisieren. Vorgestern montierten Bauarbeiter*innen die Skulptur im Zuge von Sanierungsmaßnahmen ab. Wann das Schild zurückkommt, ist noch nicht bekannt. Mehr dazu hier bei koeln.de.

Rostock – die Streberstadt? „In keiner anderen deutschen Stadt ist der durchschnittliche Inzidenzwert konstant so niedrig wie in Rostock“, titelt diese Woche Spiegel Online mit Bezug auf die aktuellen Corona-Zahlen der Stadt in Mecklenburg-Vorpommern. Was die Pandemie für die BUGA 2025 in Rostock bedeutet und welche anderen Projekte die Hansestadt derzeit beschäftigt, darüber haben wir uns mit Anja Epper, Sachgebietsleiterin im Rostocker Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Wirtschaft unterhalten.

Drei Jahre kein Centre Pompidou

Neuer Schwammstadt-Leitfaden für Kommunen und Planer*innen. Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber stellte vergangene Woche die neue Broschüre des Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz zur „Wassersensiblen Siedlungsentwicklung“ vor. Die Broschüre können Sie sich hier runterladen.

Kleingärten-Verkaufsstopp in Wien. Um der Spekulation aufgrund steigender Bodenpreise vorzubeugen, gab Wiens Vizebürgermeisterin und Wohnbaustadträtin Katrin Gaál (SPÖ) am Montag bekannt, dass der zuständige Ausschuss Ende Februar 2021 den Verkaufsstopp von Kleingärten beschließt. Man wolle damit die Nutzung der Grünflächen für kommende Generationen schützen. Mehr dazu bei den Kolleg*innen von Der Standard.

Drei Jahre kein Centre Pompidou. Okay, es ist noch ein bisschen hin, aber bevor das Centre Pompidou Ende 2023 im Zuge von Sanierungsmaßnahmen schließt, würden wir schon gerne nochmal die Pariser Architekturikone erleben. Was mit dem Centre passiert, darüber berichten wir hier.

Landeskongress: Unser Land neu denken!

Die zehn gesündesten Städte der Welt. Wie hoch ist die Luftverschmutzung in meiner Stadt? Gibt es genug Grünflächen? Eine neue Studie verrät, in welchen Metropolen es sich weltweit am gesündesten leben lässt. Mehr dazu bei unseren Kolleg*innen von NXT A.

Landeskongress: Unser Land neu denken! Am 25.02.21 findet der Architektur-Kongress „ARCHIKON 2021 – Landeskongress für Architektur und Stadtentwicklung: Unser Land neu denken!“ statt. Im Zentrum der Online-Veranstaltung stehen Fragen rund um die zukunftsfähige Gestaltung des ländlichen Raums. Alles dazu bei den Kolleg*innen von „Internet für Architekten“.

Deutscher Architekturpreis 2021

Mit „Aahhh“ und „Oh“ zum DAM Preis 2021. Der DAM Preis 2021 geht an MVRDV und N-V-O NUYKEN VON OEFELE ARCHITEKTEN für WERK 12 in München. Alles zu dem Ausnahmeprojekt hier bei NXT A.

Deutscher Architekturpreis 2021. Gemeinsam haben das BIM und die BAK den Deutschen Architekturpreis 2021 ausgelobt. Der Staatspreis ist die wichtigste Auszeichnung für Architekt*innen in Deutschland und wird dieses Jahr bereits zum sechsten Mal verliehen. Alles zur Auslobung finden Sie hier.

Hier geht es zu den Neuigkeiten im Januar.

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In den kommenden Jahren wird das Münchner Büro TERRA.NOVA die Umgestaltung von Obermünsterstraße und Obermünsterplatz in Regensburg planen. Über die Balance zwischen der historischen, steinernen Altstadt und Grün-Blau fürs Klima schreibt das Büro in seiner Projektvorstellung ab Seite 36. Credit: Paul Trakies und Wolfram Gothe Ilustration: Laura Heinemann
Klimaschutz in der Denkmalpflege – Die G+L im August 2024!

Kinder gehören auf den Spielplatz – oder doch in den gesamten städtischen Raum? Wir sprachen mit Dirk Schelhorn, Landschaftsarchitekt und Experte für kindgerechte Gestaltung, und Dr. Renate Zimmer, Expertin für kindliche Bewegungsforschung, wie öffentlicher Raum gestaltet sein muss, damit sich dort auch Kinder wohlfühlen.

Was braucht es, um wirklich gute Räume für Kinder zu planen?

DS: Planer müssen wissen, wie die Kindheitsentwicklung funktioniert und was Kinder wirklich brauchen, um gesund und sicher aufzuwachsen. Das ist Grundwissen. Und dieses Grundwissen muss vernetzt werden. Es reicht nicht wenn der Landschaftsarchitekt das weiß, und es reicht nicht, wenn das Gartenamt das weiß. Die wesentlichen Entscheidungen zu einem gestalteten Raum, werden auf einer anderen Ebene getroffen. Auf der Ebene der Politik und Stadtplanung.

RZ: Für den Planungsprozess wäre es wichtig verschiedene Spezialisten direkt in die Kreation von Projekt mit einzubeziehen. Das gäbe zusätzliche Inspiration und direkte Rückmeldungen, ob Planungsideen Sinn machen und umsetzbar sind.

 

Frau Zimmer, hatten Sie schon einmal das Vergnügen bei einem interdisziplinär besetzten Projekt mitarbeiten zu dürfen?

RZ: Bei größeren bisher noch nicht. Momentan bin ich aber bei der Konzeption eines Spielraums für eine Behinderteneinrichtung in Südkorea dabei. Mit der Einrichtung hatte ich bisher über Fortbildungen zusammengearbeitet und nun bauen wir einen Fußballplatz in einen neuen Spielbereich um.

 

Spielplätze gibt es viele – und die sehen alle gleich aus. Woran liegt das?

RZ: Also entweder liegt es an den finanziellen Verhältnissen der Kommunen, dass sie sich nur einfallslose Spielplätze für Kinder leisten können oder es liegt daran, dass Firmen mit ihren Spielgeräten so unkreativ sind. Es gibt viele Initiativen, die versuchen auch den Raum außerhalb des Spielplatzes zu gestalten, aber da würde ich mir wünschen, dass ein bisschen kreativer mit Bewegungsideen umgegangen wird.

DS: Abprüfbare Qualitäten, wie wir sie bereits in der Spielleitplanung definiert haben, würden helfen. Kinderfreundlich ist eine Gemeinde nicht, wenn sie 13 Kindergärten hat. Das ist elternfreundlich. Kinderfreundlich ist aus der Perspektive der Kinder zu denken.

 

Wie müssten Städte gestaltet sein, damit sie auch Kinder ansprechen?

DS: Kinder sind in ihrem Tagesablauf wesentlich mehr auf Wegen unterwegs als auf Spielplätzen, etwa der Weg zur Schule oder zum Einkaufen. Wenn wir den öffentlichen Raum mal nach Qualitäten für Kinder abprüfen, dann fangen wir bei Wegesystemen und Plätzen zum Verweilen an. Warum gestaltet man den Raum nicht so, dass Kinder auch ihre Freude haben. Ich stelle mir eine Stadt, ein Quartier vor, wo Kinder nicht auf Spielplätzen sondern überall Dinge vorfinden, an denen sie sich betätigen können. Ein Raum muss ausstrahlen: Benutz mich!

RZ: Ich würde mir einen öffentlichen Raum mit sehr differenzierten Anspruchsformen vorstellen. Er muss Selbstständigkeit fördern und ganz unterschiedliche Schwierigkeitsstufen anbieten. Es muss anspruchsvolles geben, weil sich auch Zehnjährige richtig messen wollen, das Angebot darf aber auch ein dreijähriges Kind nicht total überfordern.

 

Nicht alle Städte haben Nachholbedarf in der kindgerechten Gestaltung ihres öffentlichen Raums. Welche Städte sehen sie als positive Vorreiter?

DS: Basel zum Beispiel. Basel hat eine Innenstadt mit ganz vielen Brunnen. Sobald es richtig warm ist, spielen die Kinder am und im Brunnen. Reutlingen ist auch ein gutes Beispiel. Dort werden wir auf einem Kulturplatz, eine ganze Bankreihe durch Schaukeln ersetzen – wo drei Leute nebeneinander sitzen können. Schaukeln ist immer Treffpunkt. Warum muss eine Schaukel immer nur auf einem Spielplatz stehen? Planer sollten Mut haben auch mal witzige Dinge zu tun.

RZ: Es gibt schon gute Beispiele, aber viele Räume könnte noch ein bisschen aufgepeppt und interessanter gestaltet werden, damit alle Altersstufen sich gemeinsam betätigen können.

DS: Ein weiteres Vorzeigeprojekt ist „alla hopp!“. Die Stiftung des SAP-Gründers Dietmar Hopp hat im Rahmen dieser Aktion 19 Kommunen in der Metropolregion Rhein-Neckar Bewegungsparks gestiftet. In enger Zusammenarbeit mit drei weiteren Büros setzen wir diese nun Schritt für Schritt um. Vier konnten wir auch schon fertig stellen.

 

Herr Schelhorn, Sie sagten, es sollte Richtwerte geben. Was genau würden Sie sich wünschen?

DS: In der Spielleitplanung haben wir bereits vor 15 Jahren verbindliche Qualitäten einer Raumgestaltung und Stadtentwicklung zu Gunsten von Kindern definiert. Die DIN 18034 spiegelt das auch wider. Sie hat den gleichen Wert wie die Gerätenorm, die DIN 1176. Aber wenn eine Sicherheitsüberprüfungen vor Ort gemachen wird, dann nimmt jeder die Gerätenorm, aber keiner überprüft den Stadtteil nach der DIN 18034.

 

Was steht in der DIN 18034?

DS: Sie spricht von einem kalkulierbaren Risiko. Da steht drin, dass wir bei der Planung für Kinder verpflichtet sind, kalkulierbares Risiko anzubieten – zur Förderung.

RZ: Gefahren müssen für Kinder erkennbar und einsehbar sein. Aber sie sind nötig, damit ein Gefahrenbewusstsein und eine Risikokompetenz aufgebaut und geübt werden kann.

DS: Die Norm findet aber leider wenig Anwendung und ist am Rahmen der Stadtgestaltung wenig bekannt. Bei der Stadtplanung ist sie eigentlich auf keinem Schreibtisch.

 

Wie kommt das?

DS: Keine Ahnung. Vollzugsdefizit, kein Wissen in der Ausbildung, nicht bekannt gegeben. Das Bundesland Vorarlberg in Österreich ist da momentan am vorbildlichsten. Dort gibt es ein Spielraumgesetz, an dem wir vor Jahren mitgewirkt haben. Mit Beratung aber auch konkreten Projekten.

 

Wenn Städte mehr in kindgerechten Raum investieren würden, welche Chancen würden sich bieten?

DS: Die Chancen sind natürlich riesig: Wir würden wesentlich mehr gesunde Kinder haben. Wir würden aber auch wesentlich weniger Geld in Bildung aus zweiter Hand ausgeben müssen, weil Kinder durch ihr Spielen – elf bis zwölf ist hier die Grenze – ganzheitlich gebildet werden. Die interessantesten, die abenteuerlichsten Dinge, die lernt man auf der Straße, im Wald und oft da, wo Erwachsen nicht davon ausgehen, dass man sie dort lernen kann. Die Chance einer kindgerechten Gestaltung hat aber auch einen generationsübergreifenden Effekt.

 

Wir müssen also für Kinder und Erwachsene planen?

RZ: Ja, über die Interaktion von Eltern und Kindern im öffentlichen Raum bahnt sich auch so was wie ein aktiver Lebensstil an, der sich auf die Kinder überträgt. Kinder sehen wie Eltern mit dem öffentlichen Raum umgehen. Ob sie hasten, um zum nächsten Termin zu kommen, oder ob sie sich auch mal Zeit nehmen.

DS: In einer kindgerechten Gestaltung haben auch Erwachsene ihren Platz. Der generationsübergreifende Aspekt hat nichts damit zu tun, dass Mutti irgendwas auf dem Walker macht und das Kind 20 Meter weiter im Sandkasten spielt. Sondern eine kindgerechte Gestaltung hat auch immer Platz für beobachtende Erwachsene – für teilnehmende Erwachsene. Sich freuen zu können am Kinderlachen, das ist vor allem für alte Leute sehr wichtig. Oder Kinder können mal Erwachsene beobachten. Wenn Kinder an einer Baustelle stehen bleiben, weil da drei Bagger fahren, dann ist das schon generationsübergreifende Teilhabe.

RZ: Ich würde sogar noch weiter gehen – Spielplätze für Ältere. Das ist ein Thema, das überhaupt noch nicht richtig weiter gedacht wurde.

 

Mit dem Thema „kindgerechte Gestaltung des öffentlichen Raums“ beschäftigen wir uns auch in Garten + Landschaft 05/2016 – der Platz, das Gefühl und wir.

Cover: Ina Bunge, Redaktionsteam
Cover: Ina Bunge, Redaktionsteam

Wir stehen vor einer radikalen Wende in der Kultur unserer Raumproduktion. So lautet die These der diesjährigen gastkuratierten Garten + Landschaft. Die besondere Ausgabe gestaltete das Berliner Landschaftsarchitekturbüro SINAI. Dem Büro war es ein Anliegen, Spannungsfelder zu thematisieren, die die Landschaftsarchitektur gegenwärtig prägen und zu denen SINAI sich eine stärkere Diskussion wünschen. Die Ausgabe ist ein Plädoyer für ausgelebte Ambivalenzen.

Kommen wir gleich zur Sache. Das Besondere an dieser, vom wunderbaren Berliner Büro SINAI gastkuratieren G+L? Beim Lesen hat man das Gefühl, mit SINAI am Tisch zu sitzen, Teil der hier publizierten Gespräche zu sein, gleich mitdiskutieren zu wollen. Denn: Die Herausforderungen, die geschilderten Frustrationen, die Hoffnungen – diese dürften die meisten von Ihnen, liebe Leser*innen, aus dem eigenen Planungsalltag kennen, Sie tagtäglich betreffen und beschäftigen.

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Der Klimawandel – zu langsam und leise?

Ukrainekrieg, Energiekrise, der zunehmende Rechtsruck der europäischen Politik – uns haben in den letzten Wochen und Monaten so einige bestürzende Nachrichten erreicht. Dass Europa 2022 jedoch den heißesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen erlebte, dafür schien in den Newsportalen kaum Platz zu sein. Zu langsam und zu leise scheint er, der Klimawandel. Die Folgen der Klimakrise wirken im Vergleich zu unspektakulär. So traurig und faktisch falsch das auch sein mag. Denn uns in unserer Profession betreffen sie tagtäglich.

Diskussion in fünf Dialogen

Umso wichtiger erachten wir die diesjährige gastkuratierte Ausgabe von SINAI. Nach Topotek 1 (2020) und bauchplan ).( (2021) gastkuratiert das Berliner Büro 2022 die G+L. In fünf Dialogen diskutiert SINAI allen voran den Klimawandel und welche Veränderungen dieser für die Landschaftsarchitekturprofession mit sich bringt. Das allgemeine Blabla hierzu kennen wir alle, haben wir alle schon mehrmals gelesen, können es nicht mehr sehen.
Deswegen pfeift SINAI in den Gesprächen auf Sonntagsbekenntnisse und sucht nach dem, was die Profession wirklich umtreibt – sowohl im Praktischen als auch im Theoretischen.

Mit wem sitzen Sie also am Tisch? Mit dabei sind unter anderem Carlo W. Becker (bgmr) und Nils Buschmann (ROBERTNEUNTM). Sie diskutieren über die Zukunft der Stadt, über Versickerungsmulden und Bullerbü-Idylle. Ab Seite 30 plädieren aber auch Franz Reschke (FRL) und Steffan Robel (A24 Landschaft) für einen progressiven, baukulturellen Umgang mit dem Klimawandel. Eine Forderung, für die sich auch Sophie Holz (SINAI) in ihrem Leitartikel „Schönheit wird die Welt erretten“ stark macht.

Dialog und Reflexion

Die Ausgabe spiegelt durch und durch das Berliner Büro wider. Für SINAI gehören der Dialog und das gemeinsame Reflektieren zum Selbstverständnis. Dafür steht im Übrigen auch der Büroname SINAI: für eine Landschaft des bewegten Denkens, für das Nomadische im Entwerfen. SINAI begibt sich stets auf neue Wege und hinterfragt das Begangene. Was das Büro also wohl von der Arbeit an diesem Heft mitnehmen wird? Dem werden wir noch ein Interview widmen. Bis dahin: Viel Spaß beim Entdecken dieser Ausgabe.

Die G+L 11/22 kuratiert von Sinai ist bei uns im Shop erhältlich.

Im Oktober ist unser Heft zum Thema „Lichtplanung“ erschienen. In diesem beschäftigen wir uns mit den Lichtkonzepten ausgewählter europäischer Großprojekte. Mehr dazu hier.

S
BürosSINAI