Bundeskongress „Resilientes Stadtgrün“ in Erfurt

Bundeskonferenz resilientes Stadtgrün
Steve Bauerschmidt)

Ein Fachkongress vom 16. bis 18. September 2021 in Erfurt widmet sich dem zukünftig immer wichtiger werdenden Thema des resilienten Stadtgrüns. Die Frage, wie Planer*innen städtische Grünflächen so gestalten können, dass sie zahlreichen Anforderungen gewachsen sind, soll beantwortet werden. Ausrichter*innen des Bundeskongresses „Resilientes Stadtgrün“ sind die grünen Fachverbände und die Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz.

Die Anforderungen an Pflanzengrün im städtischen Umfeld sind vielfältig. Auf der einen Seite müssen die eingesetzten Planzen, Bäume und Sträucher robust genug sein, um dem gewachsenen Besucher*innenandrang standzuhalten. Gerade in den letzten zwei Jahren hat die Corona-Pandemie unser gesellschaftliches Leben verändert. In Bezug auf Stadtgrün hatte die Pandemie zur Folge, dass verhältnismäßig viele Menschen viel mehr Zeit als zuvor in den Parks und städtischen Wäldern verbracht haben. Das bedeutet, dass beispielsweise außerordentlich viel Müll im Stadtgrün gelandet ist. Auch grillten die Bürger*innen sehr viel mehr als vorher. Zusätzlich gab es Parties und Raves in Naturschutzgebieten und Wäldern.

Die Menschenmassen stellen für die Grünflächenämter, für die Planer*innen und den Garten- und Landschaftsbau eine ganz neue Herausforderung dar. Es gibt darüber hinaus noch einen zweiten Aspekt, der die Resilienz von Stadtgrün betrifft. Denn Stadtquartiere sollen außerdem einen positiven gesundheitlichen Einfluss auf die Menschen haben, die dort wohnen. In Zeiten, in denen sich versiegelte Flächen mehr und mehr ausbreiten, werden grüne Freiflächen immer wichtiger.

 

Bäume und das Klima

 

Doch nicht nur die Menschen haben einen großen Einfluss auf das Wohlbefinden des Stadtgrüns. Denn den Klimabedingungen zu trotzen, ist für das städtische Grün eine weitaus größere Aufgabe. Das Klima ändert sich stetig und nimmt jährlich andere Züge an. Die Suche nach Pflanzen und Bäumen, die mit dem sich wandelnden Klima gut klarkommen, wird immer drängender.

So gilt es beispielsweise, trockenheitsresistente Bäume für unsere Städte zu finden. Der Trend geht hin zu heißerem und trockenerem Klima in Städten. Die Versiegelung und dichtere Bebauung fördert den Hitzestau noch weiter. Bäume spielen hier eine ganz wesentliche Rolle. Eine Forderung zielt auf größere Biodiversität. So soll ein gesunder Baumbestand gewährleistet werden.

Vor diesem Zusammenhang läuft ein Forschungsprojekt unter dem Titel „Stadtgrün 2021“. Projektleiterin ist Dr. Susanne Böll. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten finanziert das Projekt, in dem Baumarten gesichtet und erprobt werden, die den Problemen der Zukunft gewachsen sind. Dazu zählen etwa ästhetische Ansprüche, Erkrankungen durch Motten beispielsweise oder Gefährdungen durch Brüche.

Zu den Versuchsbaumarten zählen Bäume aus dem ost- und südosteuropäischen Raum, aus Nordamerika und Asien. Die ausgewählten Baumarten werden an drei repräsentativen Klimaregionen in Bayern aufgepflanzt. In einem Langzeitversuch werden sie auf ihre Eignung als Stadtbäume getestet. Über dieses Projekt hinaus sind seit 2015 zehn weitere Baumarten Bestandteil des Versuchs. Auch sie wurden entsprechend ihrer Klimafestigkeit ausgesucht.

Grüne Verbände setzen sich ein für resilientes Stadtgrün

Der Bundeskongress findet in diesem Jahr vom 16. bis 18. September in Erfurt statt. Die teilnehmenden grünen Verbände haben sich gemeinsam das Thema resilientes Stadtgrün auf die Fahnen geschrieben. Die Verbände sind: der Bundesverband beruflicher Naturschutz (BBN), der Bund deutscher Landschaftsarchitekten (bdla), der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL), die Deutsche botanische Gesellschaft (DBG), die deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL), die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) sowie die Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung (SRL).

Im Namen der Verbände lädt die Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz GALK zu dem gemeinsamen Bundeskongress ein. Die Tagung findet im Carl-Zeiss-Saal im Congress-Center der Messe Erfurt statt. Derzeit findet in Erfurt die BUGA Erfurt statt. Sie läuft seit dem 23. April und wird am 10. Oktober 2021 enden.

Der Blick auf das Stadtgrün aus vielen Perspektiven

Die ersten beiden Tage sind für die einzelnen Verbänden reserviert. Am 15. und 16. September haben die jeweiligen Mitglieder*innen Zeit, anzukommen. Die entsprechenden Programminhalte und Tagungsabläufe für die einzelnen Verbände, finden sich über deren Mitteilungen.

Der gemeinsame Bundeskongress startet dementsprechend am 17. September. Der Leiter des Erfurter Garten- und Friedhofsamtes wird davon erzählen, wie sein Amt den Weg in die Gegenwart nimmt und sich mit den Herausforderungen wandelt. Es folgt ein Blick in die Stadt Essen. Hierbei geht es um die Bedeutung des öffentlichen Grüns in Pandemie-Zeiten.

Der Standort des Bundeskongresses wird Thema eines weiteren Vortrags. Die drei Standorte der BUGA Erfurt, nämlich die Festungsanlage Petersberg, das Gartendenkmal egapark und die Geraaue, finden hier besondere Erwähnung und werden vorgestellt.

Die Forderung nach „Mehr Grün für eine gesunde Stadt!“ folgt im Anschluss. Auch die Frage, ob es nicht ganz andere Straßenbäume braucht, die den mannigfaltigen Anforderungen eines modernen und resilienten Stadtgrüns gewachsen sind, diskutieren die Planer*innen. Zusätzlich erörtern sie am 17. September, wie sich Naturschutzverbände einbringen können, wenn es um die Gestaltung des öffentlichen Grüns geht.

Konkrete Handlungsmaßnahmen

Schließlich wird der FLL seinen Leitfaden „Nachhaltige Freianlagen“ vorstellen. Der Leitfaden betrachtet den gesamten Lebenszyklus. Die Freianlage wird aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. So gehen die Verfasster auf wichtige Aspekte zur nachhaltigen Planung ein. Außerdem geht es um den Bau, um die Pflege und die Entwicklung einer solchen nachhaltigen Freianlage. Der Leitfaden bietet darüber hinaus eine Sammlung von Nachhaltigkeitskriterien. So kann der Grad des nachhaltigen Handelns objektiv eingeschätzt werden.

Zwei der Veranstaltungsorte der BUGA sind am letzten Kongresstag Ziel zweier Exkursionen. Die Geraaue und der Petersberg laden zu einer abschließenden Besichtigung ein.

Sie möchten sich bereits vor dem Bundeskongress über die Besonderheiten der BUGA Erfurt 2021 informieren? Wir haben die BUGA Erfurt Eröffnung begleitet und können Ihnen unsere Eindrücke schildern.

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Nachhaltige Kaufhaus-Umnutzung: Ehemalige Handelsgebäude werden zu lebendigen, multifunktionalen Zentren für Wohnen, Kultur und Begegnung. Grafik: via pixabay
Nachhaltige Kaufhaus-Umnutzung: Ehemalige Handelsgebäude werden zu lebendigen, multifunktionalen Zentren für Wohnen, Kultur und Begegnung. Grafik: via pixabay

Geschlossene Kaufhäuser prägen zunehmend das Bild vieler Innenstädte. Dennoch bieten gerade diese Immobilien mit den richtigen Konzepten eine seltene Gelegenheit, um Nachhaltigkeit und innovative Stadtplanung miteinander zu verbinden.

Kaufhäuser, einst die Magneten des innerstädtischen Einzelhandels, verlieren durch den Boom des Onlinehandels und verändertes Einkaufsverhalten zunehmend ihre Bedeutung. Doch anstatt diese Gebäude ihrem Schicksal zu überlassen, könnten sie mit kreativen Lösungen zu zentralen Orten der Stadtentwicklung werden. So eröffnen sie Perspektiven, die sowohl ökologische als auch soziale Vorteile bieten.

Wandel und Leerstand

Die Schließung von Kaufhäusern ist keine plötzliche Erscheinung, sondern eine direkte Folge des Strukturwandels im Einzelhandel. Schon seit den 1990er-Jahren wurden hunderte Standorte geschlossen, während sich gleichzeitig der Fokus immer stärker auf den Onlinehandel verlagerte. Besonders betroffen sind Mittelstädte, aber auch in Großstädten nimmt der Leerstand spürbar zu. Diese Entwicklung belastet nicht nur das Stadtbild, sondern wirkt sich auch negativ auf die Attraktivität und Funktionalität der Innenstädte aus.

Chancen der Kaufhaus-Umnutzung

Statt Abriss und Neubau, die erhebliche Ressourcen verschlingen, bietet die Umnutzung von Kaufhäusern eine umweltfreundliche Alternative. Diese Gebäude binden durch ihren soliden Bestand graue Energie und integrieren gleichzeitig neue Nutzungsformen. Dadurch profitieren Umwelt, Baukultur und die Städte, da multifunktionale Konzepte verschiedene Zielgruppen anziehen und die Lebendigkeit fördern.

Erfolgreiche Beispiele

Es gibt zahlreiche gelungene Beispiele, die zeigen, wie Kaufhäuser kreativ und sinnvoll umgenutzt werden können:

  • Kultur und Kreativität: So wurden etwa ehemalige Kaufhäuser wie das „Soho House“ in Berlin in Hotels oder Kreativzentren umgewandelt.
  • Bildung und Soziales: In Lübeck wird ein Karstadt-Gebäude zum „Haus der Bildung“ umgestaltet, das vielfältige Bildungsangebote vereint.
  • Mixed-Use-Konzepte: Noch vielseitiger sind Konzepte, die Wohnen, Gastronomie und Büroflächen kombinieren. Diese schaffen nicht nur Synergien, sondern sie sprechen auch unterschiedliche Zielgruppen an und verlängern die Nutzungszeiten.

Herausforderungen

Trotz aller Chancen sind Umnutzungen keine leichte Aufgabe. Oft stehen strenge baurechtliche Vorgaben, hohe Umbaukosten oder komplexe Eigentumsverhältnisse einer schnellen Umsetzung im Weg. Zudem erfordert die Transformation nicht nur technisches Know-how, sondern auch eine enge Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Investoren und Architekten. Nur wenn diese Akteure gut kooperieren, lassen sich tragfähige und langfristige Lösungen finden.

Perspektiven für die Stadtentwicklung

Die Kaufhaus-Umnutzung definiert Innenstädte völlig neu. Multifunktionale Konzepte, die Handel, Kultur, Wohnen und Freizeitangebote kombinieren, beseitigen Leerstände und sorgen langfristig für ein lebendiges und vielfältiges Stadtbild. Solche Ansätze fördern soziale Begegnungen und gewinnen Innenstädte als attraktive Lebensräume zurück.

Kaufhäuser als urbane Impulsgeber

Leerstehende Kaufhäuser sind mehr als nur ein Symbol für den Wandel im Einzelhandel – sie sind eine Chance. Denn mit der richtigen Planung und kreativen Ansätzen können diese Immobilien zu lebendigen Ankerpunkten in Innenstädten werden. Statt Verfall und Abriss können nachhaltige Lösungen geschaffen werden, die bestehende Ressourcen nutzen und das Stadtbild aufwerten.

Die Umsetzung solcher Projekte erfordert jedoch Engagement und Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Planern, Investoren und der Bevölkerung. Wenn es gelingt, die vielfältigen Herausforderungen zu meistern, können multifunktionale Zentren entstehen, die Handel, Kultur, Wohnen und Begegnung verbinden. Auf diese Weise tragen sie nicht nur zur Belebung der Innenstädte bei, sondern schaffen auch Orte mit neuer Identität und Strahlkraft.

 

 

Erfahren Sie mehr über die Studie „Obsolete Stadt“ und das Potenzial leerstehender Flächen für Wohnbebauung in unserem Artikel hier.

Bezahlbar Wohnen in Deutschland

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Mit fast zehn Sozialwohnungen pro 1 000 Einwohner*innen steht Hamburg im bundesweiten Vergleich von 26 Städten laut einer Studie von Bulwiengesa ganz vorn da. Doch Sozialwohnungen werden in Deutschland trotzdem in erstaunlicher Geschwindigkeit knapper und immer weniger Menschen können sich Wohnraum in Ballungsgebieten leisten. So hat sich sozialer Wohnungsbau in Deutschland verändert.

Sozialer Wohnungsbau: frühes Vorbild Deutschland

 

2002 lag die Zahl der Sozialwohnungen in Deutschland ungefähr bei 2,6 Millionen. 2018 waren es nur noch etwa 1,2 Millionen, also weniger als die Hälfte. Das hat der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen in einer Auswertung 2019 festgestellt.

Mit anderen Worten: Zwischen 2002 und 2018 verloren jeden Tag durchschnittlich rund 230 Wohnungen ihren Status als Sozialwohnung. Netto, trotz Neubauten. Ihre Vermieter*innen unterliegen dann nicht mehr der Bindung an staatlich vorgeschriebene Mietpreise und lassen sich mit Mieterhöhungen – verständlicherweise – nicht lange bitten. Unterm Strich geht es mit Deutschlands Sozialwohnungen also abwärts. Nicht gerade rühmlich, wenn man bedenkt, das Deutschland früher als internationaler Spitzenreiter sozialen Wohnungsbaus galt.

Vor etwa 100 Jahren befand sich Deutschland in der Zeit der Novemberrevolution. Der erste Weltkrieg neigte sich dem Ende, die Deutschen stürzten ihre Monarchie und riefen die Republik aus. Auf ihre schlechte Wohnsituation versuchten sie schon in der Kaiserzeit, mitunter in Krawallen auswachsend, aufmerksam zu machen. Doch erstmals in der Zeit der Weimarer Republik fanden die Stimmen der Arbeiterbewegung das Gehör und die Bereitschaft vor, jenen mit kleinen Einkommen bezahlbaren und lebenswürdigen Wohnraum zu schaffen.

Die Berliner Hufeisensiedlung ging als vielleicht bekanntestes Beispiel aus dieser Epoche hervor. Sie ist heute UNESCO-Welterbe und architektonische Ikone. Allein im damaligen Groß-Berlin entstanden in den 20er-Jahren insgesamt 17 solcher verdichteter Sozialwohnsiedlungen, die optisch nicht alle so herausragen mögen wie die Hufeisensiedlung, aber ein gemeinsames Ziel verfolgten: leistbaren Wohnraum guter Qualität zu schaffen.

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs sorgten in Schutt liegende Städte und die zurückkehrenden Heimatvertriebenen für eine grassierende Wohnungsnot, auf den in sowohl in Ost als auch in West mit dem Bau staatlich finanzierter Wohnungen begegnet wurde. Der Trend zum öffentlichen Wohnungsbau fand schließlich ab den 80er-Jahren seine Wende, als der Staat sich aus dessen Finanzierung zurückzog und immer mehr Kommunen aus Geldmangel damit begannen, ihre geförderten Wohnflächen zu privatisieren.

Sozialer Wohnungsbau seit den 80ern privatisiert

Die neuen Eigentümer*innen wurden in Verträgen von üblicherweise 30 Jahren Dauer dazu verpflichtet, die Wohnungen als Sozialwohnungen für berechtigte Interessent*innen bereitzustellen und dafür vom Staat finanziell entschädigt. Nach diesen 30 Jahren entfällt dann die sogenannte Sozialbindung und die Eigentümer*innen dürfen die Wohnungen wieder am freien Markt anbieten. Die Renditen, die dort mittlerweile zu erzielen sind, lässt sich kaum jemand entgehen, der Wohnraum anzubieten hat. Wer sich heute eine Wohnung in Ballungsgebieten leisten will, muss häufig entweder weit über dem Durchschnitt verdienen, sich mit sehr wenig Platz zufriedengeben oder aber einen ungesunden Anteil des Haushaltseinkommens für die Wohnkosten einplanen.

Dennoch, das zeigt wie groß die Wohnungsnot anscheinend wieder geworden ist, finden sich heute in deutschen Großstädten schon mal 50 Bewerber*innen zur Massenbesichtigung des sanierungsbedürftigen Wohnklos ein und eine*r von ihnen darf sich anschließend der Ehren einer gepickten Rosine erfreuen.

Der jahrelang vernachlässigte soziale Wohnungsbau wird sich nicht schnell beheben lassen. Das liegt schon an der Gestaltung von Baugenehmigungsverfahren, die regelmäßig ein Vielfaches der reinen Bauzeit eines Objekts in Anspruch nehmen. Was heute angestoßen wird, kann, auch aufgrund des Mangels an Personal, das Bauverfahren in den Kommunen zu bearbeiten in der Lage ist, erst in Jahren zum ersten Spatenstich gelangen. Dazu kommt, dass erst einmal Baugrund vorhanden sein muss, und der wurde an vielen Orten während der Privatisierung verkauft.

Dass Hamburg jetzt statistisch gut dasteht im Bereich sozialer Wohnungsbau ist eine schöne Nachricht, aber die Tatsache, dass sich insgesamt viel zu wenig beim Thema tut, transportiert sie nicht. Immer noch, selbst einschließlich der geplanten Neubauten in den Bundesländern, werden Sozialwohnungen in den nächsten Jahren effektiv weniger werden und solange es sich für Investor*innen nicht lohnt, sie zu bauen, wird sich daran von selbst auch nichts ändern.

Mehr Initiative gefordert

Deutschland ist spät dran ist mit der Thematik, da hilft auch Meckern nichts mehr. Staat und Länder müssen jetzt aber weitaus unternehmen, als bisher. Das Hannoveraner pestel-Institut kam in einer Kurzstudie 2019 zum Fazit, dass der Bestand an Sozialwohnungen als „Minimalziel“ zur Entspannung deutscher Wohnungsmärkte bis 2030 wieder auf zwei Millionen angehoben werden sollte. Um das zu erreichen, schätzt das Institut einen Finanzbedarf von jährlich über sechs Milliarden Euro über mehr als zehn Jahre.

Das sind weit mehr, als die 2,4 Milliarden, die laut der Studie 2018 für den sozialen Wohnungsbau in den Haushalten des Bundes und der Länder bereitgestellt wurden. Auch die Finanzhilfen des Bundes für den sozialen Wohnungsbau, die 2020 mit einem Volumen von einer Milliarde Euro bis 2024 beschlossen wurden, sehen da eher aus wie ein Tropfen auf den heißen Stein.

Vorschläge zur Bekämpfung der Wohnungskrise gibt es. Bundeseigene Liegenschaften wie Parkplätze an Bahnhöfen beispielsweise könnten den Baugrund für neuen Wohnraum darstellen. Auf Stelzen gebaut, wie nach einer Idee eines Bad Aiblinger Architekten, würden sie mit den parkenden Autos nicht einmal um den begehrten Platz konkurrieren. Um schneller auf den Bedarf reagieren zu können, wäre es aber auch nötig, das Baurecht zu verschlanken, und sozialen Wohnungsbauer*innen nicht noch zusätzliche Verwaltungsarbeit aufzubürden.

Über sozialen Wohnungsbau und über den Flächendruck in Berlin ganz allgemein sprachen wir mit Berlins Bausenator Sebastian Scheel im Interview.

Und alles zum Mietendeckel Berlin lesen Sie hier.