Das Kingston University Town House.
New York (Bildmaterial: Julia Thielen)

Riba National Awards 2021 – Themenfelder

Das Royal Institute of British Architects hat in diesem Jahr 54 Auszeichnungen verliehen. Seit 1966 zeichnet das britische Institut hervorragende Neubauten im Land aus. Beim Blick auf die Gewinner*innen der RIBA National Awards 2021 ist viel über gestalterische und ökonomische Trends im Vereinigten Königreich zu erfahren. 

Die in diesem Jahr ausgezeichneten Projekte des RIBA National Awards 2021 reflektieren die außergewöhnliche Breite und Brillianz britischer Architektur. Die Auszeichnungen gingen an so unterschiedliche Projekte wie eine schwimmende Kirche in East London, ein neues Stadion für Tottenham Hotspurs, ein Haus in einem stählernen Wasserturm, ein Krebszentrum und eine halb-temporäre Struktur, die eine von Schottlands Juwelen der Architektur schützt. Die Auszeichnungen, die im Rahmen des RIBA National Awards 2021 vergeben wurden, sind verschiedene Themen zuzuordnen.

Restaurierung und Umnutzung von Gebäuden

Zu den Trends bei den RIBA National Awards 2021 gehört die Restaurierung und Umnutzung von Gebäuden. So wurde in Bath beispielsweise eine 45 Jahre alte Fabrik mit neuer Energie gefüllt und für Kunststudierende ertüchtigt. In Winchester ist die Kathedrale umgebaut worden, um folglich den Zugang zu seiner mittelalterlichen Geschichte zu verbessern. In der britischen Stadt Milton Keynes ist die MK Gallery aufgewertet worden, ohne den zugrundeliegenden Masterplan zu verändern. Und in Canterbury ist zudem ein altes Lagergebäude aus dem 19. Jahrhundert in ein Theater verwandelt worden. 

Projekte für Kunst und Kultur

Die RIBA National Awards 2021 zeichnen aber auch Projekte aus, die Kunst und Kultur Raum geben. 

Insofern ist die Überarbeitung der Aberdeen Art Gallery exemplarisch. Sie hat endlich neue Ausstellungs-, Schulungs- und Büroräume bekommen. Auch das English National Ballet hat nun neue Räumlichkeiten zum Trainieren im Mulryan Centre for Dance erhalten. Weit ab der Stadt, inmitten des Lake District, ist das Windemere Jetty Museum zu neuem Leben erwacht. In seiner neuen Dauerausstellung „The Story of Gardening for The Newt in Somerset“ lernen die Besucher*innen viel über die Bedeutung des Gärtnerns.

 

Hochschulen und Schulen

Im Rahmen der RIBA National Awards 2021 fanden auch Projekte rund um Hochschulen und Schulen Anerkennung. Ein Beispiel ist das Kingston University Town House, das neue Lern-, Aufführungs- und Sozialräume bietet. Auch die Clore Music Studios im New College der Oxford University sind intelligent in die denkmalgeschützte Struktur von Oxford eingefügt worden. Im Brighton College und seiner School of Science and Sport kommen sich akademische und sportliche Einrichtungen neuerdings näher und helfen Barrieren zwischen verschiedenen Abteilungen zu überwinden. Das neue International College an der Kings School Canterbury hingegen verbindet dort neue Unterrichtsräume mit Unterkünften. Hier erinnert eine mit Stahl ummantelte Struktur dennoch an die industrielle Vergangenheit des Ortes.

Die Stimme des RIBA-Präsidenten zu den RIBA National Awards 2021

 

Für den Präsidenten des Royal Institute of British Architects zeugen die aktuellen RIBA National Awards von der anhaltenden Bedeutung britischer Architektur. Schul- und Universitätsgebäude sind für ihn wichtige Investitionen in die Zukunft. Sie inspirieren demzufolge junge Menschen, deren Lehrer*innen und Gemeinschaften. Gut gestaltete Ausbildungsstätten sollten die Regel sein. Aus seiner Sicht verdient jedes Kind ein gutes Lernambiente. Zukünftig wird auch die Neu-und Umnutzung existierender Gebäude weiter an Bedeutung gewinnen. Ein langes Leben, eine flexible Formen und mitunter niedriger Energieverbrauch bestimmen die Architektur der Gegenwart und der Zukunft. Vor diesem Hintergrund freuen den RIBA-Präsidenten die Umbau-Projekte, die im Rahmen der diesjährigen RIBA National Awards ausgezeichnet sind.

Der bdla in Baden-Württemberg vergibt einen Landschaftsarchitektur-Preis 2022. Und das zum ersten Mal. Erfahren Sie hier mehr zu den nominierten Arbeiten.

 

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Alejandra Loreto liebt Architektur und Fotografie. Sie ist neugierig auf das Unbekannte, auf eine vielfältige Lesart des Sehens. Wie blinde und sehbehinderte Menschen ihre Umgebung, den Raum um sich herum wahrnehmen, darum geht es in ihrem Fotoprojekt „Blind Photography“. Dabei ist die Fotografie das Medium, um Kontakt mit der blinden Community aufzunehmen, um den urbanen öffentlichen Raum zu erkunden und die Sichtweise des anderen zu beleuchten.

In Wien war die studierte Architektin und Fotografin etwa mit Mathias und Angela unterwegs. Mathias machte während drei Foto-Sessions 268 Fotos; Angela 86. In ihrer Heimatstadt Caracas erkundete Loreto mit dem blinden Victor den städtischen Raum – diesmal mit einer  Wegwerfkamera, denn der öffentliche Raum der Venezuelanischen Metropole gehört zu den gefährlichsten der Welt.

Zur Person: Alejandra Loreto stammt aus Venezuela und lebt seit 2014 in Wien. Sie studierte Architektur in Caracas, besuchte als Austauschstudentin die Universität in Stuttgart. Mit 16 fing sie an zu fotografieren. Ihr Schwerpunkt liegt auf urbaner Fotografie, Reise- und Architekturfotografie, bei der der Mensch immer im Zentrum steht, selbst wenn er nicht auf dem Foto abgebildet ist.

Weitere Informationen zum Projekt und zu Alejandra Loreto gibt es in der Garten+Landschaft April 2017.

 

 

Hamburger Wallanlagen – Buchrezension

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2020 war das 200-jährige Jubiläum der Hamburger Wallanlagen: die erste öffentliche Grünanlage Hamburgs. Zu diesem Anlass erschien das Buch “Von der Festung bis Planten un Blomen. Die Hamburger Wallanlagen” von Gartendenkmalpfleger und Herausgeber Heino Grunert. Ein ausgezeichnetes Sammelwerk, das die Geschichte der Hamburger Wallanlagen umfangreich aufzeigt.

Planten un Blomen

Vor 200 Jahren wurde aus der von Johan van Valckenburgh im frühen 17. Jahrhundert erbauten Befestigung Hamburgs ab 1820 durch Isaak Altmann die erste öffentliche Grünanlage. Aus diesem Anlass gab der Gartendenkmalpfleger Heino Grunert ein umfangreiches Werk zur Geschichte und Gestalt der Hamburger Wallanlagen heraus.

16 Autor*innen haben sich kenntnis- und detailreich ihrer unter verschiedenen Aspekten angenommen. Gerd Kähler blickt stadt- und bauhistorisch nach innen und außen über die Wälle weit hinaus und verknüpft sie vielfach mit der Geschichte und Infrastruktur der Kaufmannstadt. Die verteidigungspolitischen Bezüge, den technisch-landschaftlichen Aufbau der Anlagen sowie ihre Bedeutung für die Stadtentwicklung und das hamburgische Selbstbewusstsein erläutert der Historiker Dirk Brietzke.

Heino Grunert vergleicht die Anlagen mit dem ebenfalls von Valckenborgh und Altmann geschaffenen Wallring Bremens und durchläuft bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges den Wandel der Wälle unter anderem durch die zahlreichen Freiluft-Ausstellungen. Während der östliche Teil der Wallanlagen durch den Eisenbahnbau seine Landschaftlichkeit völlig einbüßte, wurde im westlichen durch die Einbeziehung des auf den vormaligen Kirchhöfen eingerichteten Zoos die Grünanlage erheblich erweitert. Von der 1935 dort veranstalteten Niederdeutschen Gartenschau hat die heutige Anlage ihren Namen: Planten un Blomen.

Rezeptionsgeschichtliche Perspektive

Den Einzug der Moderne mit den internationalen Gartenschauen und ihren Gestaltideen beschreibt Kristina Vagt, gefolgt von Eva Henzes Darstellung des heutigen Parks und seiner aktuellen Probleme. Die städtebaulich-architektonischen Aspekte der repräsentativen Bauten an der Ringstraße und in den Wallanlagen mit den dort allenthalben aufgestellten Denkmälern und ihre historischen Bezüge erläutert Jörg Schilling.

Aus rezeptionsgeschichtlicher Perspektive gibt der Historiker Martin Sprujit einen aufschlussreichen Einblick in seine Postkartensammlung: Große Ereignisse veränderten immer wieder die Gestalt der Anlagen. So fehlt auch nicht der kritische Blick auf den konservatorischen Umgang mit diesem komplexen, durch geplante Eingriffe und natürliches Wachstum ständig veränderten Gartendenkmal (Jens Beck).

Hamburger Wallanlagen: ein ausgezeichnetes Sammelwerk

Dem alten Botanischen Garten zwischen Dammtor und den früheren Kirchhöfen mit seinen pflanzlichen Attraktionen widmen Barbara Engelschall und Hans-Helmut Poppendieck ein eigenes Kapitel, ebenso den Gärtnern der Wallanlagen. Schließlich umrundet Hamburgs Grünflächenchef Klaus Hoppe den ersten grünen Ring als Teil des grünen Netzes und verweist auf die Knotenpunkte und Projekte, die zur Qualitätssteigerung der innerstädtischen Grünversorgung beitragen sollen – von der militärischen Bedeutung zum friedvollen Arkadien.

Zahlreiche historische Aufnahmen, Pläne und Dokumente veranschaulichen das Geschriebene in hervorragender Qualität; die Kapitel sind mit zahlreichen Anmerkungen versehen, Literaturverzeichnis und Register ermöglichen auch einen wissenschaftlichen Zugang zum Thema. Insgesamt ein ausgezeichnetes Sammelwerk, das in dieser Form in der stadtgeschichtlichen Literatur einen hohen Rang und viele Leser*innen verdient.

Heino Grunert (Hg.)
Von der Festung bis Planten un Blomen. Die Hamburger Wallanlagen.
360 Seiten
560 historische und Farbabbildungen
Hardcover mit Fadenheftung und Lesebändchen
Format 23 x 28 cm
Dölling und Galitz Verlag
September 2020
39.90 €
ISBN 13: 978-3-86218-138

Mehr zu Hamburger Grünanlagen erfahren Sie hier: Betreten erwünscht. Hundert Jahre Hamburger Stadtpark.