18.08.2022

Projekt

Superblocks in der Stadtplanung

von Laura Puttkamer
Superblocks aus der Vogelperspektive, Kirche
Superblocks, Foto: Logan Armstrong via Unsplash

Superblocks kommen aus Barcelona und haben den Ruf, die Stadtentwicklung revolutioniert zu haben. Alles, was Sie zu dem stadtplanerischen Ansatz wissen müssen, lesen Sie hier.

Das Besondere an Superblocks

Superblocks sind auch als Superilles, Supergrätzl, Superinseln oder Kiezblocks bekannt. Es handelt sich um ein Konzept der städtischen Verkehrsplanung, das der Verkehrsberuhigung von Wohngegenden dienen soll. Dabei besteht jeder Superblock aus 3×3 Häuserblocks (ca. 400 Meter x 400 Meter), die durch äußere Straßen voneinander getrennt sind. Innerhalb der Blöcke ist kein Durchgangsverkehr auf den Straßen erlaubt. Somit entsteht eine Innenfläche, die umgestaltet und alternativ genutzt werden kann – etwa für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen.

Das Konzept der Superblocks kommt aus Barcelona, wo schon seit Jahrzehnten große Blocks das Stadtbild prägen. Dieses städtische Design hat inzwischen die Aufmerksamkeit vieler anderer Städte auf sich gezogen, da es sehr viel Potenzial bietet. Denn Straßen machen in der Stadt oft einen großen Teil der Gesamtfläche aus. In europäischen Städten belegen sie zwischen 15 und 25 Prozent der Flächen. Durch die Umgestaltung zu Superblocks gelingt es, die Straßen zu anderen Zwecken zu nutzen und Städte somit lebenswerter zu machen.

Dabei erhoffen sich Expert*innen, dass die Superblocks sowohl Staus in Wohngegenden als auch Lärm und Abgas reduzieren. Zudem bietet der neugewonnene Platz wertvolle Möglichkeiten, um Städte an den Klimawandel anzupassen. Die verkehrsberuhigten Straßen und wegfallenden Parkplätze innerhalb der Superblocks können zum Beispiel zur Umsetzung hitzemindernder Maßnahmen genutzt werden.

Spielplatz, Superblocks-Konzept: Grünflächen und eine Straße mit Autos
Foto: Curro Palacios

Superblocks für lebenswertere, nachhaltigere Städte

Ein Blick nach Barcelona zeigt das volle Potenzial der Superblocks. Zum Beispiel werden hier im Viertel Gràcia seit 1993 Superblocks von der Stadtplanung forciert. Schon ein Jahr nach der Umsetzung sank das Auto-Aufkommen innerhalb des Superblocks um 40 Prozent. An den Rändern des Blocks gab es immerhin ein Viertel weniger Autos.

Immer öfter werden Superblocks daher als Transformationsstrategie für nachhaltigere Nachbarschaften vorgeschlagen. Sie lassen sich in Städten mit verschiedener Form und Dichte umsetzen. Für den Einstieg kommen auch Miniblocks aus 2×2 Häuserblocks in Frage.

Eine Studie von Sven Eggimann im Journal „Nature Sustainability“ aus dem März 2022 zeigt, dass in manchen Städten über 40 Prozent des Straßennetzwerks für eine Umgestaltung in Super- oder Miniblocks in Frage kommt. Der Wissenschaftler von der Schweizer Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt zeigt auf, welche Städte das Potenzial für diese Umgestaltung aufweisen. Denn nicht jedes Layout kommt in Frage. Mexiko-Stadt, Madrid und Tokio sind laut der Studie besonders gute Kandidaten.

Fest steht, dass selbst Miniblocks klimatischen Herausforderungen wie steigenden Temperaturen, Lärm- und Luftverschmutzungen und schwindenden Grünflächen entgegenwirken können. „Ein zentraler Faktor ist die Stadtplanung. Die Gestaltung und Verwendung des Straßenraums beeinflusst die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner und hat das Potenzial, das Stadtklima erheblich zu verbessern“, erklärt Eggimann.

Im Hintergrund Gebäude, Bäume, Vordergrund: Platz mit Bänken und Bäumen, schwarz-gelber Boden
Foto: Mariona Gil

Die Idee

Der spanische Biologe, Psychologe, Umweltingenieur und Energietechniker Salvador Rueda entwickelte das Konzept der Superblocks in den 1990er Jahren. Dabei bot Barcelona aufgrund seines rasterartigen Straßennetzes viele Möglichkeiten. Im Jahr 2014 definierte Rueda die folgenden sieben Gestaltungsprinzipien für Superblocks als Teil der „Stadt als System der Proportionen“:

  • Kontext urbanen Handelns: Tätigkeiten in der Stadt sollen weder direkt noch indirekt den ökologischen, ökonomischen und sozialen Interessen schaden.
  • Landnutzung und Stadtmorphologie: Entfernungen sollen bei der Raumordnung beachtet werden, um den sozialen Zusammenhalt zu intensivieren.
  • Urbane Funktionalität: Der öffentliche Raum soll sicher sein und zur Mobilität sowie zur Lebensqualität beitragen.
  • Urbane Komplexität: Eine Vielfalt an Institutionen, Individuen und Aktivitäten vermehrt das verfügbare Wissen. Das ideale Verhältnis von lokaler Fertigung sowie Wohn- und Gewerbeflächen liegt bei 1:4 bis 1:3 in Gebäuden.
  • Stadtgrün und Biodiversität: Nachhaltigkeit und Artenvielfalt von Ökosystemen können nicht von der Stadt losgelöst werden.
  • Metabolische Effizienz: Städtische Stoff- und Energiekreisläufe sollen so effizient wie möglich sein, ohne das Ökosystem zu beeinträchtigen.
  • Sozialer Zusammenhalt: Koexistierende gesellschaftliche Gruppen benötigen Zugang zu Wohnraum und notwendigen öffentlichen Einrichtungen, die zu Fuß immer in maximal 10 Minuten erreichbar sein sollten.

Seit 2017 ist Ruedas Superblock als städtebauliches Modell in Barcelona anerkannt.

Platz mit schwarz-gelbem Boden mit Dreieck-Muster, spielende Kinder, Erwachsene stehen und sitzen, im Hintergrund Bäume und Gebäude
Foto: Edu Bayer

Superblock-Standorte

Nicht nur Barcelona gestaltet seine Nachbarschaften um, sondern auch viele andere spanische Städte zeigen Interesse an Verkehrsberuhigungsmaßnahmen. Selbst in Städten ohne rasterförmige Straßen gibt es viel Potenzial. Die Methodik von Sven Eggimann hilft dabei, Faktoren wie Topologie und Bevölkerungsdichte zu identifizieren und so zu erkennen, wie viele Straßen in einer Stadt zu Superblocks werden könnten. Dabei gilt, dass die Blocks den Verkehrsfluss nicht übermäßig stören dürfen.

Zum Beispiel ruft in Deutschland die Kiezblock-Kampagne dazu auf, in Berlin Superblocks zu schaffen. Auch in Leipzig und Hamburg sowie in Wien gibt es Projekte rund um Superblocks und Supergrätzl. Die Londoner Low-Traffic Zones, die während der Pandemie entstanden sind, folgen einem ähnlichen Prinzip.

In Buenos Aires wurden bereits 2018 fünf Superblocks eingerichtet. Städte in Ecuador, Australien, Taiwan und China schließen sich dem Trend ebenfalls an. Die Eco-Blocks sind in über 100 chinesischen Städten bereits Teil der lokalen Stadtplanungsvorschriften. In Japan gilt der Ansatz der Superblocks als Rückbesinnung auf alte kulturelle Praktiken – und das trifft auf alle Länder zu, denn ein stärkerer sozialer Zusammenhalt, mehr Platz zum Spielen, Grünflächen und weniger Autos waren früher in jeder Stadt üblich.

Lesen Sie hier noch mehr zu den Superblocks in Barcelona.

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