Wettbewerbsergebnisse im Februar 2021

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Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen regelmässig über die spannendsten Wettbewerbe. Hier die Wettbewerbsergebnisse im Februar 2021.

Freilichttribüne Eutiner Festspiele, 1. Preis Prof. Moths Architekten mit Hunck + Lorenz Freiraumplanung und ISP Ingenieure, Hamburg

 

Die Eutiner Festspiele im historischen Schlossgarten jähren sich in diesem Jahr zum 70. Mal; der Spielbetrieb lässt sich zukünftig jedoch nur mit einem Ersatzneubau der Freilichttribüne aufrechterhalten. Für den neuen Baukörper nimmt der Siegentwurf die vorhandenen Umgebungsstrukturen auf und integriert diesen in den denkmalgeschützten Landschaftspark. Die neue Tribüne inszeniert sich als grüner Hügel und fügt sich damit als neuer Bestandteil des im englischen Stil gebauten Parks ein. So stellt das Bauwerk auch außerhalb der Festspielzeit keinen Fremdkörper für die Parkbesucher*innen dar, sondern bildet einen Mehrwert und belebt die Parkstruktur.

Obwohl die Tribüne zu den Rändern hin scheinbar mit dem umgebenden Landschaftsraum verschmilzt, bildet das Bauwerk einen Solitär mit eigenständiger Formensprache und eigenem architektonischen Anspruch, ohne sich der alten Struktur des Vorgängerbaus unterzuordnen. Die Jury würdigt sowohl die Ästhetik, Leichtigkeit und schwebende Eleganz des Neubaus als auch seine funktionelle Einbindung in das umgebende Wegenetz sowie das Aufgreifen aller historischen Bezüge.

Platzneugestaltung in Gießen; 1. Rang RIEHL BAUERMANN + PARTNER Landschaftsarchitekten, Kassel

 

Aus einer vollversiegelten Verkehrsfläche in Gießens Innenstadt soll ein begrünter und barrierefrei zu nutzender Platz werden, der die Grünvernetzung stärkt und den Radverkehr fördert. Die Landschaftsarchitekt*innen von Riehl Bauermann + Partner entwickeln in ihrem Siegentwurf die Kreuzung zwischen Stephan-, Goethe- und Lessingstraße zu einem modernen Stadtquartiersplatz. Durch reduzierte Fahrbahnflächen und geweitete Platzränder entsteht Raum für eine offene und großzügige Platzfläche für vielfältige Nutzungen.

Wichtigstes Element und raumwirksames Zentrum des Platzes stellt der rasterförmig gepflanzter Baumhain dar. Als sogenannter Klima-Baumhain dient das Baumpaket der Grünvernetzung und ist zugleich Schattenspender und Kommunikationsraum. Obwohl die Verkehrsbeziehungen erhalten bleiben, sollen sich Verkehr und Geschwindigkeit durch die Gestaltungsmaßnahmen reduzieren: Der Entwurf entwickelt die Platzfläche niveaugleich, die Fahrbahnen verengen sich zum Platz hin und die Radfahrer*innen können die Platzfläche frei queren.

Stadtumwandlung RENAZCA, Madrid; 1. Preis Diller Scofidio + Renfro (New York), Gustafson Porter + Bowman (London) und b720 Arquitectos (Barcelona)

 

Um Madrids zentral gelegenen Finanz- und Geschäftsdistrikt AZCA in einen nachhaltigen und attraktiven Stadtraum zu wandeln, lobte ein Zusammenschluss ansässiger Unternehmen einen internationalen Wettbewerb aus. Unterstützung für die Neugestaltung des öffentlichen Raums inmitten des 19 Hektar großen Superblocks erhält die privat initiierte Kooperation RENAZCA von Stadtverwaltung und Wissenschaft. Der Siegerentwurf des multidisziplinären Teams sieht im Zentrum eine zentrale Grünfläche vor, die Aktivitäten für bis zu 10 000 Besucher*innen ermöglicht. Das städtebauliche Grünprojekt soll als städtisches Ökosystem mittels heimischer Pflanzung die biologische Vielfalt stärken und mithilfe eines Regenwassermanagements die alten Flusskanäle reaktivieren.

Drei bauliche Elemente prägen die neugestaltete und herausgeformte Topographie: Im Osten die für Groß-Events angelegte Akustik-Muschel, sowie zentral die beiden überdimensionalen scheibenförmigen Dachflächen, die sowohl permanenten Schatten als auch permanente Besonnung bieten. Durch ihre filigrane Konstruktion scheinen sie über dem Park zu schweben. „Permanent Sun“ ermöglicht als lenkbarer Heliostat eine gezielte kreisförmige Besonnung, „Permanent Shadow“ bildet mit einem ebenfalls wandernden Beschattungssystem das Gegenstück. Mehr zu Barcelonas Superblocks erfahren Sie hier.

Das waren die wichtigsten Wettbewerbsergebnisse im Februar 2021. Hier finden Sie die Wettbewerbsergebnisse vom Januar sowie weitere Wettbewerbsergebnisse vom Januar 2021.

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Die saubere Kraft der Pflanzen

Das Café de Ceuvel im Norden von Amsterdam ist mehr als nur gemütliches Café. Denn es steht auf einem Grundstück, was zuvor durch die Schwerindustrie verseucht war. Während Gäste ihr Craft Beer trinken, reinigt Phytoremediation den Boden. 

Das ehemalige Werftgelände Buiksloterham, einem Stadtteil im Norden von Amsterdam, zieht seit einigen Jahren jede Menge Aufmerksamkeit auf sich. Hier ist ein temporärer, ökologisch und sozial nachhaltiger Standort für soziale Einrichtungen und kreative Unternehmen entstanden. Seit 2012 transformiert sich De Ceuvel von einem verseuchten Industrieareal zu einem Ort für nachhaltiges Wohnen und Arbeiten.

Gereinigt wird der verseuchte Boden durch die sogenannte Phytoremediation, ein relativ neuer Ansatz zur biologischen Sanierung verseuchter Böden. Sie umfasst verschiedene Verfahren, bei denen Schadstoffe in Mutterböden, Sedimenten sowie Gewässern und Grundwasser mit Hilfe von Pflanzen entfernt, abgebaut und eingedämmt werden. Welche Pflanzen man verwendet, hängt vom jeweiligen Einsatzort ab. Im Falle von De Ceuvel wurden verschiedene Gräserarten, Rohrkolbengewächse und Pappeln eingesetzt, um organische Verbindungen zu zersetzen, Schwermetalle zu absorbieren und verseuchtes Grundwasser zurückzuhalten. Sobald eine bestimmte Pflanzenart ihre Reinigungsaufgabe erfüllt hat, wird sie durch andere Spezies ersetzt. Aussehen und Charakter des betreffenden Geländes sind dadurch ständiger Veränderung unterworfen.

 

Die Phytoremediation ist auch langfristig sehr viel günstiger im Gegensatz zur herkömmlichen Methoden, die verseuchte Mutterbodenschichten abtragen und diese auf Mülldeponien entsorgen, da sie vor Ort stattfindet. Damit rücken auch verseuchte Brachflächen zur erneuten Nutzung ins Blickfeld, die aufgrund fehlender Mittel bis dahin nicht saniert werden konnten. Die biologische Sanierung ist zudem unter ästhetischen Gesichtspunkten deutlich attraktiver. In De Ceuvel macht die Vielfalt an Pflanzen in unterschiedlichen Größenordnungen, Farben und Formen dies unmittelbar ersichtlich. Allerdings ist die Phytoremediation ein langwieriger Vorgang. Der Abbau von Schadstoffen kann Jahre oder gar Jahrzehnte dauern, je nach Grad der Schadstoffkonzentration, Größe der zu sanierenden Fläche, Klima und Anbausaison sowie weiteren Faktoren wie der Wachstumsgeschwindigkeit der Pflanzen, der Reichweite ihrer Wurzeln und der Möglichkeiten, sie gegen Beschädigungen zu schützen.

 

 

 

Alle GIFs von Vandejong, Let it Grow, Mélanie Corre

Mehr Informationen zu dem De Ceuvel Projekt in Amsterdam finden Sie in der Novemberausgabe 2018 der Garten+Landschaft.

 

 

 

Landschaften der Zukunft gesucht

Es ist eine Kluft zwischen Stadt und Land entstanden: Während urbane Räume von Bevölkerungswanderungen und wirtschaftlichen Entwicklungen profitieren, bleibt der ländliche Raum zurück. Das im deutschen Grundgesetz festgehaltene Recht auf gleichwertige Lebensverhältnisse ist zunehmend gefährdet. Die IBA Thüringen veranstaltet zu diesem Thema einen Workshop in der ländlichen Gemeinde Kannawurf. Unter der Überschrift „1.500 Hektar Zukunft – (Er)Findung einer neuen Landschaftstypologie des 21.Jahrhunderts“, werden Studierende, junge Wissenschaftler und Berufstätige dazu aufgerufen ein neues Konzept für den ländlichen Raum zu entwerfen.

Ein neues Landschaftsbewusstsein

Ziel des Workshops ist es ein neues Bewusstsein für die Landschaften des ländlichen Raumes zu schaffen. Stereotypen und etablierte Landschaftsbegriffe und -bilder sollen kritisch hinterfragt und bestehende Landnutzungen und Beziehungen neu entwickelt werden. Themen wie Forst- und Energiewirtschaft, Dorfentwicklung, Tourismus, Naturschutz und Kooperationsnetzwerke müssen dabei Berücksichtigung finden. Fernab von jeglichen Ballungsgebieten, stellt die kleine thüringische Gemeinde Kannawurf den örtlichen Rahmen. Rund 1.500 Hektar strukturarme Agrarlandschaft stehen bereit, um von den Teilnehmern neu bespielt zu werden.

IBA Campus

Unter dem Namen IBA Campus gründet die IBA Thüringen jedes Jahr ein internationales und interdisziplinäres Kollektiv. Der IBA Campus 2017 richtet sich vor allem an junge Interessenten. Eingeladen sind Studenten sowie Wissenschaftler und Berufstätige mit einer maximalen Berufserfahrung von drei Jahren. Eine Einschränkung des Studien- beziehungsweise des Berufsfeldes existiert nicht. Der Bewerbungszeitraum endet am 15. April 2017. Aus den Bewerbern werden 12 Teilnehmer ausgewählt, um mit hochrangigen Experten Teil der IBA Modellprozesse zu werden. Weitere Informationen finden Sie unter www.iba-thueringen.de