G+L im Mai 2019: Tourismus

Barcelona, Venedig oder auch Prag sind typische Beispiele europäischer Städte, die mit den Folgen von Massentourismus kämpfen. In der Maiausgabe der Garten + Landschaft zum Thema „Tourismus“ diskutieren wir anhand konkreter Projekte und Städte Strategien, die entsprechende Formen von Tourismus unterstützen oder auch unterbinden. Wir stellen Best Practices vor und begeben uns auf die Suche nach passenden Instrumenten, die die Stadtentwicklung für sich nutzen kann. G+L-Redakteurin Theresa Ramisch erklärt hier, warum die Arbeit an der zweiten Ausgabe der „Städte für Morgen“-Serie Ihr Reiseverhalten verändert hat.

Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an Touristen denken? Ich denke da an Reisegruppen in Funktionshosen, die von schwebenden Regenschirmen angeführt werden. Oder an Männercliquen in Motto-T-Shirts, die aus Hop-on-Hop-off-Bussen springen und ins nächste Wirtshaus einkehren. Nicht zu vergessen die Partnerlook-Paare, die sich im Café am Platz Sahneschnitten und Cappuccino bestellen – ob sie nun in Rom, Leipzig oder Kopenhagen urlauben. Kein wirklich positiv besetztes Bild, oder?

„Authentizität wird für Touristen immer wichtiger“

Dabei reise auch ich wirklich gerne. Doch sehe ich mich eher als den stillen Teilhaber: Ich möchte nicht auffallen, eine Stadt möglichst wie ein Einheimischer erleben. Reiseführer und Kamera sicher in der Tasche verstaut, ziehe ich durch die Quartiere. Ich bin kein typischer Tourist. Zumindest dachte ich das. Die Arbeit mit dem vorliegenden Heft hat mich eines Besseren belehrt.

Tatsächlich wird Authentizität für Touristen immer wichtiger: Sie wollen, wie ich, eine Stadt aus Perspektive der Einheimischen wahrnehmen, wollen wie sie wohnen, die gleichen Bars, Clubs und Cafés besuchen. An unseren Städten und Regionen geht das nicht spurlos vorbei, sie passen sich der veränderten Nachfrage an. Wie das konkret aussieht, wie sich Tourismus auf Raum auswirkt und wie Gemeinden und Städte reagieren können, sollten und müssen – damit beschäftigen wir uns in dieser Ausgabe, in dem zweiten Teil der diesjährigen Mini-Serie „Städte für Morgen“.

„Unsere Städte müssen jetzt auf die Dynamiken reagieren“

Im Interview fragen wir den Tourismusberater Alexander Schuler, wo Verwaltungen ansetzen müssen. Die Tourismuszahlen nehmen stetig zu und das Verhalten der Reisenden hat sich verändert. Nicht zuletzt wegens des Smartphones. Aus Schulers Perspektive ist deshalb die Digitalisierung für die meisten Kommunen die größte Herausforderung, Prozesse kommen nur schwer ins Rollen. Parallel haben es viele Städte versäumt, ihre Bewohner und deren Interessen beim Tourismusmanagement in den Fokus zu stellen. „Kommunikation nach innen“ ist die Zauberformel, die Alexander Schuler für einen nachhaltigen Tourismus propagiert.

„Wir sind alle Touristen“ lautet der Kommentar meiner Kollegin Vanessa Kanz. Und ja, sie hat Recht damit. Mich hat diese Erkenntnis animiert, den Tourist in mir infrage zu stellen. Bei meiner nächsten Reise buche ich über Fairbnb. Das ist schon ein guter Anfang, aber natürlich ändere ich allein nicht das System. Unsere Städte müssen jetzt auf die Dynamiken reagieren.

Noch eine Notiz am Rande: Fällt Ihnen die musikalische Note unserer Ausgabe auf ? Das war keine Absicht, hat uns aber dazu inspiriert, einen Spotify-Account einzurichten, mit dem wir für Sie – passend zur jeweiligen Ausgabe – künftig Songs zusammenstellen, die man beim Lesen unserer Hefte wunderbar hören kann. Hier finden Sie die Playlist zur aktuellen Ausgabe.

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Die letzte Ausgabe der Mini-Serie „Städte für Morgen“ zum Thema „Nachhaltige Wohnquartiere“ können Sie hier erwerbenauch als praktisches Mini-Abo.

Coverbild: ddpimages/Clemens Bilan